25 April 2013

Ich glaube: ich kann nicht mehr bis Drei zählen. Also noch einmal:

Der Bau der katholischen Kirche beruht

· einmal auf der in sich stringenten Doktrin, die bewirkt, dass derjenige, der das Axiom akzeptiert, nämlich dass es einen Gott gibt, dann alles Andere daraus folgern kann, wenn er will.

· zum Andern auf der Messe, die den christlichen Mythos in diesem Ritual realisiert und damit vergegenwärtigt, und

· schließlich auf dem Gehorsam, die diejenigen,die in der Hierarchie unten stehen, denen schulden, die eine höhere Position einnehmen.

Das ist das Prinzip.

Wie das in der Praxis aussieht, will ich an einem Beispiel darstellen.

Der Theologe David Berger war zwar kein Priester, aber ein Fachmann für scholastische Theologie und als solcher Redakteur einer anerkannten theologischen Zeitschrift. Er war, da Laie, nicht zum Zölibat verpflichtet, hätte also heiraten können, was er aber nicht tat, denn er war schwul.

So weit der Sachverhalt.

Die kirchliche Hierarchie, der das natürlich nicht verborgen blieb, nahm das hin, solange David Berger seine sexuelle Veranlagung nicht sozusagen öffentlich auslebte und er seinen Lebensgefährten als Vetter ausgab.

Als David Berger diese Situation durch einen Artikel in der Frankfurter Rundschau öffentlich machte, verlor er seinen Job und wurde überhaupt in katholischen Kreisen geächtet.

Warum?

Dass es die Homosexualität gibt, weiß man natürlich auch im katholischen Klerus und dass insbesondere die römische Kirche besonders attraktiv für schwule Männer ist, auch. Und daraus kann man folgern, dass diese sexuelle Orientierung besonders unter katholischen Priestern verbreitet ist. Nun sind diese zum Zölibat verpflichtet, was im Falle David Bergers nicht der Fall war. Trotzdem wurde er gefeuert, und zwar nicht deshalb, so sagt uns heute der Papst, weil er schwul ist, sondern weil er die Homosexualität auch praktiziert - kann man das so stehen lassen? Nicht, wenn man, was man als Christ tun sollte, die Bibel als norma normans akzeptiert, also als oberstes Gesetz. Dann ist nämlich, was ich hier nicht näher zitieren möchte, die Homosexualität als Sünde zu verurteilen und zwar nicht nur die Tat, sondern auch Veranlagung, aus der sich die Absicht ergibt, denn, so sagte angeblich Jesus: wer eine verheiratete Frau anschaut, weil er sie begehrt, hat bereits die Ehe gebrochen in seinem Herzen.

Das also, so der Papst, gilt für den Christen nicht, wenn er als Mann einen Mann anchaut, weil er ihn begehrt, und wieso nicht? Tja, das hätte ich gerne gewusst, indes: die Herren von der allein selig machenden Religion reden nicht mit mir, also muss ich die Frage ungeschützt im Raum stehen lassen.

Indes: Es bleibt der Sachverhalt, dass David Berger mit einem Mann zusammen gelebt hat.

Und icht nur er:

Der Cardinal John Newman wohnte in Großbritannien im 19. Jahrhundert mit einem ihm befreundeten sehr viel jüngeren Priester unter euem Dach, der aber vor ihn starb. Und als Newman ebenfalls dahinschied, ließ er sich neben seinem Freund begraben - kann man noch deutlicher machen, welche Qualität diese Beziehung hatte?

Schwerlich.

Was unterscheidet den Fall Kardinals Newman von dem des Laien-Theologen Berger?

Nun, Newman gelang es, seine Beziehung unter dem Deckel zu halten, während Berger sie öffentlich machte. Newman wurde trotzdem heilig gesprochen (und kann damit heute als Schutzheiliger aller Schwulen in der römischen Kirche angesprochen werden), während Berger zweifellos, wie der Komiker Dirk Bach, einst in der Hölle schmoren wird, denn er bekannte sich öffentlich und ehrlich zu seiner sexuellen Orientierung und Ehrlichkeit erträgt der christliche Klerus nun mal nicht.

Aber worin besteht der Unterschied zwischen beiden? Warum wird Newman heilig gesprochen, Berger hingegen von den Katholizisten in der übelsten Weise öffentlich beleidigt und verleumdet?

Newmann blieb der römischen Kirche gehorsam, Berger hingegen nicht.

Das ist der Unterschied zwischen Beiden - und den müssen wir, fürchte ich, genau verstehen. Anmerkung: Die frühere Gouverneurin von Alaska wollte ja mal Präsidentin der USA werden, was ihr glücklicherweise nicht gelungen ist, aber sie spielt in der amerikanischen Politik immer noch eine Rolle. Nun las ich heute im Internet, dass diese übrigens stramm evangelikale Dame gefordert habe, die Tschechische Republik mit Krieg zu überziehen.

Wie das?

Das Rätsel löste sich bei näherer Lektüre des einschlägen Artikels auf: Das gute Mädchen hatte Tschetschenien mit Tschechien durcheinander gekriegt und die Männer, die die Bombe in Boston gelegt hatten, stammt ja in der Tat ganz ursprünglich aus Tschetschenien. Michael Moor, von dem ich lange nichts gehört habe, hat vor vielen Jahren dem damaligen Präsidenten Bush jr. empfohlen, sich zu vergewissern, wo ein Land liegt, bevor er es mit Krieg überzieht. Und dann erinnere ich mich an einen Film, in dem es um einen Banküberfall ging. Die Gangster nahmen Geiseln und verlangten, ins Ausland ausgeflogen zu werden.

Aber wohin?

"Minnesota", sagte der Dümmere der beiden Verbrecher.

"Quatsch", antwortete sein Komplize, "das liegt doch auch in den USA -ins Ausland!"

"Dann Montana," war die Antwort.

Welch ein Segen, dass der gegenwärtige Präsident zumindest ein Land außer den USA aus eigener Anschauung kennt, nämlich Indonesien, wenn ich mich richtig erinnere.

24 April 2013

Die dritte Säule der Römischen Kirche ist, auch wenn das viele nicht lesen wollen, die Ideologie dieser Organisation. Darunter verstehe ich die Lehre, die die politischen Absichten des Papstes und seiner Bischöfe legitimiert, denn natürlich betreibt eine Organisation, die weltweit eine Milliarde Anhänger hat, auch Politik und dies gelegentlich im Einklang mit der Doktrin, mal im Widerspruch mit ihr.

War das immer ein Übel?

Keineswegs.

Nehmen wir den Investitionsstreit des Papstes mit dem Kaiser. In ihm setzte die römische Kirche, anders als in Konstantinopel und Russland, mit viel Mühe und unter großen Risiken die Unabhängigkeit der Ecclesia Romana von der staatlichen Gewalt durch und hat diese Position auch in Zukunft gehalten, etwa als die Könige von Frankreich und Navarra die römische Kirche für sich vereinnahmen wollten.

Die Folge war, dass die römische Kirche zwar einerseits stets bemüht war. sehr im Gegensatz zur eigenen Lehre, die Gewissensfreiheit der Menschen, vor allem ihrer Gäubigen,zu unterdrücken, aber dass ihr andererseits das nie gelang, vor allem deshalb, weil ihr die katholischen Universitäten Widerstand leisteten. Sie behaupteten ihre eigene Position behaupteten und bewahrten so der Wissenschaftsfreiheit. Und was wären Europa und Amerika heute ohne diese Errungenschaften: ohne die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und der Forschung?

Nichts!

Ich denke, dass wir das nie vergessen, vielmehr verteidigen sollten, auch wenn das Zeit der Evangelikalen und die Katholizisten anders sehen. Dann eine andere Errungenschaft, die wir keineswegs dem christlichen Glauben, wohl aber der römischen Kirche verdanken.

Indem sie nämlich am Römischen Recht, vor allem am römischen Verfassungsrecht der späten Antike festhielt, gewann sie zunächst für sich ein Regelwerk, das ihr erlaubte, sich sinnvoll und auf Dauer zu organisieren, vor allem aber bewahrte sie die Autorität, ja, die Majestät des Rechts-Gedankens und ebnete sie den "Menschenrechten" den Weg, die heute die einzige Legitimation der Staaten sind, auf die sich alle berufen, auch wenn sie nur von wenigen wirklich beachtet werden, aber die Forderung, sie zu realisieren, wird allgemein erhoben, so dass diejenigen Regierungen, die sie unterdrücken, gezwungen sind, sich zu rechtfertigen, ja, fürchten müssen, dass ihre Untertanen die Menschenrechte einklagen und, wenn sie verweigert werden, sich, wenn auch oft erfolglos, gegen eine solche Gewalt erheben. Und ein Letztes:

Ich sagte schon einmal, dass die Römische Kirche die größte und erfolgreichste Friedensbewegung ist, die die Menschheit kennt, wobei sie nie dem stupiden Pazifismus erlegen ist, wie ihn etwa heute die "Linke" vertritt, sondern stets einen pragmatischen Weg empfohlen hat. Sie erlaubte nämlich den bewaffneten Widerstand, wenn · der Angriff des Feindes unprovoziert erfolgt ist,

· alle friedlichen Mittel des Konfliktausgleichs erfolglos blieben,

· der voraussichtliche Schaden, der durch die Verteidigung entsteht, nicht den übersteigt, der voraussichtlich durch die Angreifer verursacht werden sollte und wenn

· die Abwehr Aussicht auf Erfolg hat.

Nun kann man über diesen Katalog streiten.

Beispiel:

War also der Widerstand der Juden im Warschauer Ghetto erlaubt, obwohl sie zu keiner Sekunde glauben konnten, die SS zurückschlagen zu können?

Ich meine, dass diese bewunderungswürdige Aktion gerechtigt war, obwohl es sich dabei im Grunde nur um eine Demonstration handelte: es sollte nämlich gezeigt werden, dass Juden durchaus bereit und fähig waren, sich mit der Waffe in der Hand zu wehren und keineswegs die waren, als welche die völkische Propaganda sie hinstellte - eine Tat, die ja enorme Wirkungen haben sollte.

Im übrigen:

Die Juden im Ghetto wussten, dass sie alle ermordet werden sollten, Also war es in materieller Hinsicht egal, ob sie sich wehrten oder nicht - die eigene Vernichtung stand ihnen so oder so bevor, aber durch den Widerstand setzten sie ein unübersehbares Zeichen für die Zukunft, schufen sie also ein Symbol, das für die überlebenden Juden wichtig sein würde. Das rechtfertigte natürlich auch diesen Widerstand, obwohl er mit Waffengewalt erfolgte, also keineswegs "pazifistisch" im Sinne der Linken war - sie wären vermutlich widerstandslos in die Gaskammer gewandert. Pfui. Anmerkung: Ja, das war ein großer Tag, sagen wir ruhig: für die Menschheit. Die französische Nationalversammlung hat "le mariage pour tous" gegen den, leider muss man das so sagen, erbitterten Widerstand der römischen Kirche beschlossen. Warum ein großer Tag? Weil hier ein Angriff auf die Menschenrechte zurückgewiesen wurde und das von einem Volk, das zu Recht stolz ist auf seine große Revolution von 1789. Meine Argumentation mag etwas skurril wirken, aber ich sehe das so: Jeder Mann ist schwul - der Eine mehr, der Andere weniger - und jede Frau lesbisch, und die Erotik ist immer der emotionale Kitt, der Gruppen zusammen hält,oder, wenn sie fehlt, auch nicht. Wenn der Staat nun die Homosexualität diskrimniert, zwingt er alle seine Untertanen,unabhängig von der sexuellen Orientierung, sich selbst zu unterdrücken - und das geht nie gut, führt vielmehr immer wieder zu Revolten, aber davon sind wir glücklicherweise weit entfernt - eben dank solcher Abgeordneten, wie sie die Mehrheit der Assemblée National bilden, die sich von katholischen Reaktionäre nicht einschüchtern lassen.