Dr. Klaus Dede
1. Juni 1935 - 5. Mai 2018

30 August 2012

Ich bin vom Padd abgekommen, wie das in einem Tagebuchhalt passieren kann, und das hat seinen Grund. Ich wollte mich dem Johannes-Evangelium zuwenden, also dem Werk, das sich prinzipiell von den drei Anderen unterscheidet.

Wie?

Nun, Markus, Matthäus und Lukas - dies ist wohl die Reihenfolge ihrer Entstehung - waren ersichtlich Juden, die jeweils aufschrieben, was sie von dem Jesus, den sie für den Messias hielten, wussten.

Bei dem Presbyter Johannes ist das anders.

Er schrieb seinen Text schätzomatisch drei Jahrzehnte nach der Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer und rund 70 Jahre nach dem Tode des Jesu. Er kann sich also nicht mehr an den konkreten Nazarener erinnern und entsprechend wolkig fallen seine Erinnerungen aus. Und das gilt auch für den Anfang. Hier paraphrasiert der Presbyter ersichtlich den ersten Satz des Tanach und das geht prompt daneben. Die Bibel - und hier meine ich diejenige der Juden - fängt mit einer Feststellung an, die auch für Heutige von Belang ist, nämlich mit der Frage, warum es überhaupt eine Entwicklung gegeben hat, die schließlich unsere Welt hervorbrachte.

"...und Gott sprach ..." sagten die Juden. Das können wir als Erklärung hinnehmen, wobei ich hinzufüge: Nach meiner Kenntnis haben wir keine bessere.

Ich will damit sagen:

Der Glaube an einen Gott ist eben genau dies: nämlich ein Glaube.

Und wenn ich sage, dass es keinen Gott gibt und auch nicht geben kann, so ist auch das nichts weiter als ein Glaube, denn die Frage, was die Evolution überhaupt in Gang setzte, kann ich auch nicht beantworten, und ich fürchte, dass Stephen Hawking, von dem ich nichts gelesen habe, auch nicht dazu in der Lage ist.

Die Juden setzten also Gott an den Anfang der Evolution, wenn ich den modernen Begriff hier einsetzen darf, während der Presbyter das anders sieht:

"Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort."

So lautet der erste Vers des Johannes-Evangeliums. Und nun kann man diesen Satz - je nach Interessenlage - interpretieren, aber wir kommen so nicht sehr weit. Gut, nehmen wir also an, dass am Anfang das Wort war, und dass es sich bei Gott befand, wieso war dann Gott das Wort? Wenn nämlich Jemand oder ein Gegenstand "bei mir" ist, dann besteht zwischen mir und dem Dativ-Objekt eine Distanz, aber genau das wird in der ersten Hälfte des Satzes geleugnen.

Ich will damit sagen, dass schon der berühmte erste Vers des Johannes-Evangeliums Tünnef ist, dem die christlichen Theologen einen Sinn gegeben haben, der sich aber nicht aus dem Text ergeben kann, weil der Vers eben nichts weiter ist, als ein tiefsinniges Gesülze, das mit dem Anspruch daher kommt, eine letzthinige Wahrheit zu sein, der man nicht widersprechen darf, wenn man dazu gehören will. Wir widmen also das "Erzherzogssspiel", das in den Kaffeehäusern der KuK-Zeit bei Literaten belebt war, und das geht so:

Einer ist der Erzherzog, der zum Einen dumm und zum Andern faul, weswegen er aber, weil er doch Erzherzog ist, das Examen bestehen muss.

Die Mitspieler müssen also begründen, warum die blöde Antwort, die die Kaiserliche Hoheit gibt, eben doch richtig ist. Dieser Aufgabe widmen sich also sei 2000 Jahren Heerschare christlicher Theologen, wobei sie leider nicht witzig sind.

Und noch ein Problem haben die Theologen:

Jemand, der von christlichen Tabus nicht berührt ist, sagte mir neulich nach der Lektüre des Johannes-Evangeliums:

"Der Mann, der da vorgestellt wird, leidet an einem behandlungsbedürftigen Narzismus."

Man könnte auch von einem "Nazismus" sprechen, aber dazu kommen wir später, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Aber ich kehre zu meinem Thema zurück:

Mit dem Evangelium nach Johannes bricht der Hellenismus in die christlichen Gemeinden ein, jedoch nicht in Gestalt der klassischen griechischen Kultur - die war längst untergegangen - sondern in der Form der Spätantike, die wir als "Gnosis" bezeichnen. Gnosis? Zu deutsch "Erkenntnis" - aber welche? Uff - ich habe die einschlägigen Artikel in Wikipedia durchgeblättert, ohne eine überzeugende Antwort zu finden. ۞ Noch eine Beleidigung. Die Vorsitzende der zionistischen Gemeinde in Oldenburg nennt sich, seit sie zum Judentum kovertiert ist, Ruth Sarah, was ich nicht akzeptiere. Da ich aber ihren wirklichen Vornamen nicht kenne, nenne ich sie "Rosemarie": Ist das eine Beleidigung? Nein. Richtig ist allerdings, dass ich diese Benennung, die sie gewählt hat, kritisiere, und auch kritisieren darf, das sie ja die Umbenennung gewählt hat, um eine bestimmte öffentliche Wirkung zu erzielen. Hier meine Gründe: Ruth ist, so sagt uns der Tanach, eine der Urururmütter des Königs David, und mit dem Begriff "Sarah" bezeichneten die Juden eine Fürstin. Die Frau erhebt also den Anspruch eine Prinzessin aus der Dynastie der Davididen zu sein - und das ist, so habe ich irgend geschrieben und gesagt - kein Name, sondern eine Unverschämtheit. Darf man so etwas sagen, mehr noch: in diesem Tagebuch schreiben, das zur Zeit von immerhin 120 Personen täglich aufgeschlagen wird? Nun, wenn die Frau von ihren Eltern so genannt worden wäre, hätte ich kein Wort dazu verloren, aber das ist nicht der Fall, denn sie hat die Namen selbst ausgewählt ud damit erhebt sie einen Anspruch, den sie übrigens auch als Vorsitzende ihrer Gemeinde auszufüllen sucht - und damit muss sie sich diese Kritik gefallen lassen, zumal sie mit den Worten "Ruth" und "Sarah" an die Arroganz anknüpft, die auch sonst die Zionisten auszeichnet. Ja, ich habe es mehrfach erlebt, und es ist mir auch von Anderen so berichtet worden, dass zionistische Referenten vor einer deutschen Zuhörerschaft bewusst und gezielt arrogant und beleidigend aufgetreten sind, offensichtlich in der Absicht, einige der Hörer dazu zu veranlassen, gegen diesen Ton zur protestieren oder gar den Saal zu verlassen. Das ist in den Fällen, die ich erlebt habe, glücklicherweise nicht geschehen, und so konnte die Redner in ihrer Heimat nicht berichten, dass die Deutschen nach wie vor antisemitisch seien, was sie wohl gern getan hätten. Wohlgemerkt: ich rede hier von Zionisten. Juden - insbesondere jüdische Rabbiner - habe ich in der Regel als still, höflich und sogar humorvoll erlebt. Ich erzähle diese sicherlich subjektiven Eindrücke, weil ich so auf die Spur gekommen bin, der ich noch folgen möchte, aber zunächst will ich mich noch einen Augenblick lang mit den Beleidigungen befassen, denen angeblich derjenige ausgesetzt ist, welcher mit seinen Reden oder Handlungen Widerspruch provoziert hat. Denn wir suchen doch die Harmonie, Nicht wahr? Egal, ob es die von Taizé ist oder die des Reichsparteitags in Nürnberg, immer geht es darum, die die Kritik als im Prinzip unzulässig zu unterdrücken. Ja, dann fühlen wir uns wohl, denn wir werden nicht verunsichert. Wir! Oder sollten wir lernen "Ich" zu sagen?

30 August 2012

Ich bin vom Padd abgekommen, wie das in einem Tagebuchhalt passieren kann, und das hat seinen Grund. Ich wollte mich dem Johannes-Evangelium zuwenden, also dem Werk, das sich prinzipiell von den drei Anderen unterscheidet. Wie? Nun, Markus, Matthäus und Lukas - dies ist wohl die Reihenfolge ihrer Entstehung - waren ersichtlich Juden, die jeweils aufschrieben, was sie von dem Jesus, den sie für den Messias hielten, wussten. Bei dem Presbyter Johannes ist das anders. Er schrieb seinen Text schätzomatisch drei Jahrzehnte nach der Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer und rund 70 Jahre nach dem Tode des Jesu. Er kann sich also nicht mehr an den konkreten Nazarener erinnern und entsprechend wolkig fallen seine Erinnerungen aus. Und das gilt auch für den Anfang. Hier paraphrasiert der Presbyter ersichtlich den ersten Satz des Tanach und das geht prompt daneben. Die Bibel - und hier meine ich diejenige der Juden - fängt mit einer Feststellung an, die auch für Heutige von Belang ist, nämlich mit der Frage, warum es überhaupt eine Entwicklung gegeben hat, die schließlich unsere Welt hervorbrachte. "...und Gott sprach ..." sagten die Juden. Das können wir als Erklärung hinnehmen, wobei ich hinzufüge: Nach meiner Kenntnis haben wir keine bessere. Ich will damit sagen: Der Glaube an einen Gott ist eben genau dies: nämlich ein Glaube. Und wenn ich sage, dass es keinen Gott gibt und auch nicht geben kann, so ist auch das nichts weiter als ein Glaube, denn die Frage, was die Evolution überhaupt in Gang setzte, kann ich auch nicht beantworten, und ich fürchte, dass Stephen Hawking, von dem ich nichts gelesen habe, auch nicht dazu in der Lage ist. Die Juden setzten also Gott an den Anfang der Evolution, wenn ich den modernen Begriff hier einsetzen darf, während der Presbyter das anders sieht: "Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort." So lautet der erste Vers des Johannes-Evangeliums. Und nun kann man diesen Satz - je nach Interessenlage - interpretieren, aber wir kommen so nicht sehr weit. Gut, nehmen wir also an, dass am Anfang das Wort war, und dass es sich bei Gott befand, wieso war dann Gott das Wort? Wenn nämlich Jemand oder ein Gegenstand "bei mir" ist, dann besteht zwischen mir und dem Dativ-Objekt eine Distanz, aber genau das wird in der ersten Hälfte des Satzes geleugnen. Ich will damit sagen, dass schon der berühmte erste Vers des Johannes-Evangeliums Tünnef ist, dem die christlichen Theologen einen Sinn gegeben haben, der sich aber nicht aus dem Text ergeben kann, weil der Vers eben nichts weiter ist, als ein tiefsinniges Gesülze, das mit dem Anspruch daher kommt, eine letzthinige Wahrheit zu sein, der man nicht widersprechen darf, wenn man dazu gehören will. Wir widmen also das "Erzherzogssspiel", das in den Kaffeehäusern der KuK-Zeit bei Literaten belebt war, und das geht so: Einer ist der Erzherzog, der zum Einen dumm und zum Andern faul, weswegen er aber, weil er doch Erzherzog ist, das Examen bestehen muss. Die Mitspieler müssen also begründen, warum die blöde Antwort, die die Kaiserliche Hoheit gibt, eben doch richtig ist. Dieser Aufgabe widmen sich also sei 2000 Jahren Heerschare christlicher Theologen, wobei sie leider nicht witzig sind. Und noch ein Problem haben die Theologen: Jemand, der von christlichen Tabus nicht berührt ist, sagte mir neulich nach der Lektüre des Johannes-Evangeliums: "Der Mann, der da vorgestellt wird, leidet an einem behandlungsbedürftigen Narzismus." Man könnte auch von einem "Nazismus" sprechen, aber dazu kommen wir später, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Aber ich kehre zu meinem Thema zurück: Mit dem Evangelium nach Johannes bricht der Hellenismus in die christlichen Gemeinden ein, jedoch nicht in Gestalt der klassischen griechischen Kultur - die war längst untergegangen - sondern in der Form der Spätantike, die wir als "Gnosis" bezeichnen. Gnosis? Zu deutsch "Erkenntnis" - aber welche? Uff - ich habe die einschlägigen Artikel in Wikipedia durchgeblättert, ohne eine überzeugende Antwort zu finden. ۞ Noch eine Beleidigung. Die Vorsitzende der zionistischen Gemeinde in Oldenburg nennt sich, seit sie zum Judentum kovertiert ist, Ruth Sarah, was ich nicht akzeptiere. Da ich aber ihren wirklichen Vornamen nicht kenne, nenne ich sie "Rosemarie": Ist das eine Beleidigung? Nein. Richtig ist allerdings, dass ich diese Benennung, die sie gewählt hat, kritisiere, und auch kritisieren darf, das sie ja die Umbenennung gewählt hat, um eine bestimmte öffentliche Wirkung zu erzielen. Hier meine Gründe: Ruth ist, so sagt uns der Tanach, eine der Urururmütter des Königs David, und mit dem Begriff "Sarah" bezeichneten die Juden eine Fürstin. Die Frau erhebt also den Anspruch eine Prinzessin aus der Dynastie der Davididen zu sein - und das ist, so habe ich irgend geschrieben und gesagt - kein Name, sondern eine Unverschämtheit. Darf man so etwas sagen, mehr noch: in diesem Tagebuch schreiben, das zur Zeit von immerhin 120 Personen täglich aufgeschlagen wird? Nun, wenn die Frau von ihren Eltern so genannt worden wäre, hätte ich kein Wort dazu verloren, aber das ist nicht der Fall, denn sie hat die Namen selbst ausgewählt ud damit erhebt sie einen Anspruch, den sie übrigens auch als Vorsitzende ihrer Gemeinde auszufüllen sucht - und damit muss sie sich diese Kritik gefallen lassen, zumal sie mit den Worten "Ruth" und "Sarah" an die Arroganz anknüpft, die auch sonst die Zionisten auszeichnet. Ja, ich habe es mehrfach erlebt, und es ist mir auch von Anderen so berichtet worden, dass zionistische Referenten vor einer deutschen Zuhörerschaft bewusst und gezielt arrogant und beleidigend aufgetreten sind, offensichtlich in der Absicht, einige der Hörer dazu zu veranlassen, gegen diesen Ton zur protestieren oder gar den Saal zu verlassen. Das ist in den Fällen, die ich erlebt habe, glücklicherweise nicht geschehen, und so konnte die Redner in ihrer Heimat nicht berichten, dass die Deutschen nach wie vor antisemitisch seien, was sie wohl gern getan hätten. Wohlgemerkt: ich rede hier von Zionisten. Juden - insbesondere jüdische Rabbiner - habe ich in der Regel als still, höflich und sogar humorvoll erlebt. Ich erzähle diese sicherlich subjektiven Eindrücke, weil ich so auf die Spur gekommen bin, der ich noch folgen möchte, aber zunächst will ich mich noch einen Augenblick lang mit den Beleidigungen befassen, denen angeblich derjenige ausgesetzt ist, welcher mit seinen Reden oder Handlungen Widerspruch provoziert hat. Denn wir suchen doch die Harmonie, Nicht wahr? Egal, ob es die von Taizé ist oder die des Reichsparteitags in Nürnberg, immer geht es darum, die die Kritik als im Prinzip unzulässig zu unterdrücken. Ja, dann fühlen wir uns wohl, denn wir werden nicht verunsichert. Wir! Oder sollten wir lernen "Ich" zu sagen?