Dr. Klaus Dede
1. Juni 1935 - 5. Mai 2018

7 August 2012

Die Zeloten waren Juden, die es mit der Beachtung der mosaischen Gesetze besonders genau nahmen und damit ihre Umgebung ähnlich tyrannisierten wie die Salafisten heute die Araber, die ihrer Herrschaft unterworfen sind.

Und die Römer?

Ich lernte in der Schule, dass die Stadt Rom einst auf sieben Hügeln errichtet wurde, also ein ursprünglich ein ähnliches Bündnis verschiedener Verbände war, wie wir das im Falle der Juden gesehen haben. Und die Angehörigen dieses Sozialverbandes dehnten ihren Machtbereich aus, indem sie manche Orte unterwarfen, andere aber formal zu Bundesgenossen machten. Zwischen diesen Extremen gab es viele Zwischenstufen, die es Rom erlaubten, den zentralen Bedürfnissen der jeweiligen Untertanen Rechnung zu tragen, zugleich aber ihre Herrschaft zu sichern. Und nun werde ich nicht der Versuchung erliegen, die äußerst kompizierte Verfassung Roms darzustellen, zumal ich dazu kaum in der Lage wäre - jedenfalls nicht ex tempore. Der Name des Gemeinwesens deutet schon das Problem an, das die Römer zu lösen versuchten: "senatus populusque romanus" - abgekürzt: "SPQR" - so stand es auf den Legionsadlern. Und das sagt uns: Die Quelle des römischen Rechtes, auch der Verfassung, war der gemeinsame Wille des Senats und des Volks. In der Republik, so sagt Cicero, waren oligarchische und demokratische Elemente so miteinander verküpft, dass die Konstitution der römischen Republik über Jahrhunderte hinweg bestehen blieb, gleichzeitig aber den Enforderungen der Zeit entsprechend verändert werden konnte - eine politische Leistung, für die es in unserer Zeit nur ein weiteres Beispiel gibt: Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie wurde in den vergangenen 250 Jahren zwar ergänzt, aber nie abgeschafft. Aber was ist das gegen die Verfassung der römischen Republik?! Ich denke, wir haben noch heute Anlass, uns vor der Klugheit der lateinischen Juristen tief zu verbeugen!

Was aber war das Besondere Roms?

Oder anders gefragt:

Was befähigte diesen Staat, der ursprünglich nur aus sechs Dörfern bestand, am Ende den ganzen Mittelmeerraum von der Sahara bis zur Grenze Schottlands, Atlantik bis zum Euphrat nicht nur zu beherrschen (und damit auszubeuten), und darüber hinaus mit der hellenistischen Kultur zu imprägnieren (welche die Römmer übrnommen hatten)?

Ein Umstand, der einem Cicero, der sich bekanntlich vergeblich dem Untergang der Republik entgegen zu stemmen suchte, nicht bewusst sein konnte, den wir aber aus dem Abstand zweier Jahrtausende sehr gut sehen können, wenn wir noch einmal die Frage stellen, was denn Rom eigentlich war.

Die Antwort: Ein Regelwerk, das in sich so überzeugend wirkte, dass es von vielen Völkern, die der römischen Herrschaft unterworfen waren, dergestalt übernommen wurde, dass sie sich mit diesen Recht identifizieren konnten. Das aber wurde dadurch möglich, dass sie gleichzeitig mit der hellenistishen Kultur imprägniert wurden mit der Folge, dass die von Rom beherrschten Völker sich der Rechtsordnung dieses Staates widerstandslos einfügten. Und das funktioniert bis heute! Die Gesetze, nach denen Rom organisiert war, blieben nich Jahrhunderte lang wirksam, auch als die Republik längst untergangen war, ja, wir begegnen ihnen noch heute, sozusagen jeden Tag in der Gestalt der Römisch-Katholischen Kirche. Sie führt die Verfassung des spätrömischen Reiches fort und beweist so, welche Macht Gesetze entfalten können, wenn sie in sich widerspruchsfrei sind und so überzeugend wirken, denn wenn das Wort des Papstes noch heute ein solches Gewicht hat, so liegt das an der "Überzeugungskraft" des Regelwerks der römischen Kirche, und das wurzelt tief in der Antike.