-1341-1399-

1341 Abbehausen: Das Dorf wird zu Stadland geschlagen.
1342, 25. 7. Jever: Sturmflut
1343 Bremen: Erzbischof Johann Grelle und die Ritter von Bederkesa beschließen, das Land Wursten anzugreifen, und hier bei Sievern eine Burg zu bauen, was auch 1344 geschieht. Die Festungsanlage wurde von den Friesen des Landes Wursten irgendwann zwischen 1363 und 1500 (vielleicht 1439) zerstört. Näheres ist nicht bekannt.
1343 Arngast: Die Kirchen von Arngast und Jadelee haben keinen Pfarrer mehr, nachdem die letzten Inhaber dieser Stellen verstorben sind.
1343 Asel. Der Ort wird urkundlich in diesem Jahr erstmals urkundlich erwähnt, ist aber natürlich älter. Die Kirche stammt wohl aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Der Turm wurde 1661 gebaut.
1348-1360 Die "terra Boitjatha" konstituiert sich als eigene politische Einheit. An die Stelle der "redjeva" treten die Hovetlinge. (Ausdruck "Hovetlinge" wird gerne mit "Häuptling" übersetzt, was meines Erachtens die Sache nicht trifft. In der Tat handelte es sich um große Bauern, die auf Grund ihres Reichtums und ihres Ansehens in ihrem Bezirk einen großen politischen Einfluss beanspruchten und auch besaßen. Ihre Bedeutung wuchs dabei in dem Maße, wie die traditionelle friesische Gemeindeverfassung mit ihren Ratgeber-Kollegien verfiel. Die meisten dieser Hovetlinge gingen im Laufe der Zeit unter bzw. traten in den Rang großer Bauern zurück, wohingegen einige zu "Standesherren" aufstiegen, so die Cirksena in Aurich oder die Papinga in Jever. Der "Hovetling" ist also ein Bauer, der in seinem Dorf entweder allein oder gemeinschaftlich mit anderen  politische Funktionen beansprucht oder ausübt. Wie weit diese gehen, hängt von der jeweiligen Situation ab, keinesfalls sind sie aber schon Territorialherren, obwohl ein solcher Rang in aller Regel angestrebt wird und später gelegentlich später erreicht wird.)
1349 Bremen. Unter der lateinischen Bezeichnung "Proconsul" wird zum ersten Male der Bürgermeister erwähnt.

-1350-

1350 Bremen. In der Stadt herrscht die Pest. Von den 20.000 Bürgern der Stadt sterben fast 7000 Personen, nicht gerechnet die Menschen, die man nicht kannte und die man tot auf den Straßen, außerhalb der Mauern oder auf den Friedhöfen fand. Seither tritt die Epidemie, die von Wanderratten ver-breitet wird, immer wieder auf.
1350 Bremen/Wildeshausen: Da man den Juden die Schuld an der Pest gibt, in Bremen aber keine vorhanden sind, die man quälen könnte, vertreibt der Rat sie aus Wildeshausen, das damals unter bremischer Hoheit stand.
um 1350 Bremen. In der Stadt geht man dazu über, die bisherigen Reithdächer durch solche zu ersetzen, die mit Ziegeln versehen sind. Dadurch mindert sich die Brandgefahr ganz wesentlich.
um 1350 Schönebeck: Bau der ersten Burg an dieser Stelle. Mitte des 17. Jahrhunderts wird die Festungsanlage durch den Fachwerkbau ersetzt, der sich heute im Eigentum der Stadt Bremen befindet, die hier ein Museum unterhält.
um 1350 Burg. Der Erzbischof von Bremen und der Rat der Stadt errichten am südlichen Ufer der Lesum eine Burg.
um 1350 Misselwarden: "Nach Einführung der Backsteintechnik" (Rolf Dircksen: Am Meer und hinter dem Deich, 1981, S. 156) Bau der St. Katharinenkirche in Misselwarden. (Ulrich Wagner, in: Land Wursten 1988, datiert die Kirche auf die Zeit von 1230-1260). Altar von J. Heidtmann aus dem Jahre 1671 und Kanzel von M. Ringkmaker.
nach 1350 Hammelwarden.  Bau einer Kirche in Hammelwarden. Der Ort war vor 1139 bereits besiedelt, 1465 Festung, dann untergangen. 1760 Bau der jetzigen Kirche
um 1350 Innhausen. Ino Tiarkesna lässt die Burg Innhausen errichten. Sie wird 1394 durch Edo Wiemken d. Ä. zerstört, aber wieder aufgebaut. 1390 wird Popke Inen erschlagen. Seine Witwe heiratet Iko Onneken, Hovetling von Sengwarden, der so in den Besitz der Burg Innhausen kommt. Da diese Familie aber seit 1438 ihren Wohnsitz auf der Burg Knipens (heute Kniphausen) nehmen, wird die Burg Innhausen nach 1531 vernachlässigt und schließlich ganz abgebrochen. Es blieb noch ein Hügel, auf dem von 1593 bis 1626 die Mühle von Sengwarden steht, die dann aber nach Bohnenburg versetzt wurde. Um 1850 wurde auch diese Anhöhe eingeebnet. Der Name geht auf eine benachbarte Hofstelle über.
1350 Östringen: In Östringen (und sicher weit darüber hinaus) wütet eine Seuche, der sehr viele Menschen zum Opfer fallen. Die Zeitgenossen berichten, dass Rinder herrenlos herumliefen, weil niemand mehr da war, der sich um sie kümmerte. Es waren also ganze Familien gestorben, ohne dass Erben zu ermitteln gewesen wären. Die Folge dürfte unter anderem eine Vernachlässigung der Deiche gewesen sein. Eine andere Konsequenz war vermutlich, dass "die Mächtigsten und unter diesen die Skrupellosesten bei der Okkupation solcher Besitzungen" den Sieg davontrugen (Almuth Salomon: Führungsschichten im Jeverland, 2004, S. 11)
1350 Waddewarden: Das Dorf taucht als Wadverden in den Akten auf. Der Bau der Kirche wird auf etwa 1250 datiert. Sie war, wie üblich, im Mittelalter auch eine Festung und deshalb mit Wall und Graben umgeben. Aus dem Mittelalter stammt noch der Taufstein, der ebenfalls auf die Mitte des 13. Jahrhunderts datiert wird. Der Altar aus dem Jahre 1661 wird Jacob Cröpelin aus Esens zugeschrieben. Die Orgel wurde 1697 von Joachim Kayser aus Jever gebaut und 1967 von Alfred Führer erneuert.
1352 Esenshamm: Bau der Kirche abgeschlossen. Sie wurde von vorneherein auch als Festung gebaut und war mit einem dicken Turm versehen, wie er heute noch in Blexen zu sehen ist. Das Gebäude wurde zweimal, nämlich 1384 und 1414, belagert und genommen. Dabei haben die Sieger zuletzt auch den Turm niedergelegt. Er wurde dann 1678 bis zum Langdach als Glockenträger wieder aufgebaut und mit einem Helm versehen. Die Kirche ist heute besonders durch das Gestühl bemerkenswert, das durch 150 Hausmarken aus den Jahren von 1596 - 1627 verziert ist, die übrigens nebenbei zeigen, dass der Bau in der lutherischen Zeit vor allem als gesellschaftliches Zentrum der Bauern gedacht war. Das Gesinde kam in einer lutherischen Gemeinde nicht, oder buchstäblich, wie in Blexen, nur am Rande auf. Die Esenshammer Kirche erhielt 1704 eine Orgel von Arp Schnitger, die aber 1783 beschädigt wurde, als der Turm brannte. Sie wurde später abgebrochen und 1872 durch einen Neubau von Schmid II ersetzt. Heute steht in der Kirche eine Orgel von Werner Bosch. Keiner der alten Prospekte ist erhalten. In Esenshamm wird das Grabmal Edo Bolings aufbewahrt, der als erster lutherischer Pfarrer in der Gemeinde wirkte. Es war übrigens keineswegs so, dass die Gemeinde Edo Bolings die neue Lehre bereitwillig aufnahm - ganz im Gegenteil: er musste sich im Reith der Weser verstecken, bis Graf Anton I. die neue Ideologie übernahm und der Pfarrer so den Schutz der Obrigkeit genoss.
1354 Blumenthal. Die Ritter von Aumünde lassen ihre Burg Blumenthal wieder aufbauen.
1354 Jever: Sturmflut
1355 Bant. In Rüstringen wird der erste Hovetling des Landes gewählt, nämlich der damalige Hovetling von Bant, also Edo Wiemken d. Ä.. Dass der Vorgang nicht nach freiheitlich-demokratische Grundsätzen vor sich gegangen ist, können wir getrost unterstellen, wahrscheinlich handelt es sich um die Anerkennung eines tatsächlich bestehenden Zustandes durch die angesehenen Familien des Landes. Jedenfalls setzt sich der neue Herrscher bereits 1359 im Wangerland und, nachdem der dortige Widerstand gebrochen ist, auch in Östringen durch. Damit ist faktisch die Territorialherrschaft einer Familie, die sich später als die "Papinga" bezeichnet, etabliert, die sich bis 1557 hält. Aber wer war der Begründer der Dynastie, die über 200 Jahre lang regierte und die das heutige Jeverland schuf? Üblicherweise wird hier Edo Wiemken d. Ä. genannt, aber möglicherweise war es der wahrscheinlich gleichnamige Vater dessen, der dann als Edo Wiemkens d. Ä. in die Geschichte eingegangen ist. Wenn das der Fall wäre, hätte man es im Jeverland mit zwei Personen gleichen Namens zu tun, die für die Geschichte des Landes von grundlegender Bedeutung waren, und die in der noch mündlichen Überlieferung zu einer zusammengezogen wurden, was nicht unwahrscheinlich ist. Das vermutet jedenfalls F. W. Riemann.  Demnach wäre also Edo Wiemken-Vater, wie ich ihn nennen will, der eigentliche Begründer der Dynastie. Er hätte, wenn wir die Personen wieder trennen, zunächst als Bandenführer, dann als Hovetling von Bant die Herrschaft begründet, die dann mit Maria von Jever endet, indem er 1355 Jever einnimmt, 1359 nach vierzehntägiger Belagerung Cleverns erobert, und schließlich 1361 Östringen plündert sowie die Kirche von Schortens niederbrennt. Damit wäre die Herrschaft der Familie etabliert gewesen. F. W. Riemann vermutet, dass die Holländer Edo Wiemeken I., wie wir sagen müssten, wenn wir die Vertreter der Dynastie in der üblichen Weise nummerieren würden, 1388 gekidnappt haben, in deren Gefangenschaft er dann 1392 gestorben ist. Seine Nachfolge trat nach dieser Theorie der Sohn Edo Wiemeken II. an, der dann die Politik seines Vaters bruchlos fortsetzte und so die Herrschaft der Papinga konsolidierte. Zur besseren Übersicht, seien hier die Herren von Jever aufgezählt: 1355 Edo Wiemken d. Ä. 1392 Edo Wiemken II. (?) 1410 Sibet Papinga 1433 Hayo Harles 1441 Tanno Düren 1469 Edo Wiemken d. J. 1511 Maria von Jever. Mit ihrem Tod endet die Selbständigkeit Jevers. Von 1575 bis 1667 regieren die Grafen von Oldenburg das Land, dann folgen von 1667 bis 1793 die Fürsten von Anhalt-Zerbst, die ihre Herrschaft an die Zaren von Russland vererben. 1807 wird Jever vom Königreich Holland annektiert, dann 1811 französisch und schließlich 1814 wieder russisch, wobei der Zar die Verwaltung dem Herzog von Oldenburg überträgt, dem er dann endlich 1818 das Gebiet auch offiziell abtritt. Damit gehört das Jeverland bis zum Ende des Großherzogtums bzw. des Freistaats im Jahre 1947 zum Land Oldenburg.

(Falls man, wie eben nicht geschehen, die beiden älteren Edos zusammenziehen wollte, müsste man zu der Folgerung kommen, dass diese Person noch im hohen Alter von 80 Jahren Krieg geführt habe, was bei der damaligen Lebenserwartung ganz unwahrscheinlich ist zumal die Condottieri, und das waren die beiden Wiemekens ohne Zweifel, zu jener Zeit noch selbst in die Schlacht zu ziehen pflegten. Es widerspricht meines Erachtens auch der historischen Erfahrung, dass eine Familie in einer einzigen Generation zu einer solchen Machtfülle gelangt, wie das bei Edo Wiemeken der Fall gewesen sein soll. Viel wahrscheinlicher ist es doch, dass hier, wie in andern Fällen auch, der Vater das Fundament schuf, auf dem der Sohn dann das dynastische Gebäude errichtete, das wir dann betrachten - ich erinnere hier an das Gespann Philhipp - Alexander im Altertum oder Friedrich Wilhelm I. und Friedrich der Große im Falle Preußens.)

1356 Jever. Sturmflut
1358 Bremen: Die Stadt wird Mitglied des Hansebundes. Schon 1348 hatten die bremischen Kaufleute in Schweden und Norwegen die gleichen Rechte wie diejenigen der Hansestädte erhalten.
1358 Jever: Sturmflut
1359 Bremen. Der Ostertorsteinweg wird erstmals erwähnt. Damals hieß er "Steenstrate".
1359 Jever: Östringen und Wangerland wählen Etebundus Radinga zum Hovetling der beiden Länder. Er war also, wenn ich den Vorgang richtig interpretiere, der Gegenspieler Edo Wiemkens d. Ä. (oder, nach der anderen Lesart: Edo Wiemkens, Vater), der aber verlor.
1359 Friedeburg. Der Hovetling Fredo lässt die nach ihm benannte "Fredoburg" (heute: Friedeburg) erbauen. Die Festungsanlage ist zwischen den Grafen von Oldenburg, den Hovetlingen von Ostfriesland und ihren Konkurrenten aus dem Jeverland heftig umkämpft. Sie wird 1763 auf Befehl Friedrichs des Großen abgebrochen.

-1360-

1360 Vegesack: Die "Moorlosen-Kirche" wird zum ersten Mal erwähnt. Die Gottesdienststätte gehörte ursprünglich wahrscheinlich zur Gemeinde Altenesch, von der sie aber getrennt wurde, als sich der Lauf der Unterweser änderte. Seitdem, so sagt man, sei sie "mutterlos", was dann zu "moorlos" abgeschliffen wurde - eine der etymologischen Deutungen, die man glauben kann oder auch nicht. ("Moder" oder "Moer"heißt auf Sächsisch "Mutter")
1361 Jever: Sturmflut
1362 Ellwürden. Das Dorf wird erwähnt.
1362, 16. 1. Zweite Marcellusflut. Der Mannstränke fallen 100.000 Menschen zum Opfer. Es handelt sich um die größte Flutkatastrophe, die je stattgefunden hat. Die Lage an der Küste stellt sich so dar: Der Dollart bildet sich aus. Die Harlebucht und die Leybucht werden vergrößert. Nordfriesland geht großenteils unter. In Butjadingen verbreitern sich die Weserarme, die in die Jade münden. Stadland ist eine Insel. Rodenkirchen ist derart verwüstet, dass der Ort nach Bramstedt auf dem andern Weserufer eingepfarrt wird. Strückhausen verliert die Kirche (1423 ist sie nur noch eine Ruine, im Jahre 1519 wird an anderer Stelle eine neue gebaut). Das Dorf Linebrok verschwindet (Der Pfarrer der Kirche wird 1348 zuletzt erwähnt), ebenso Mittelhammelwarden, das 1366 zuletzt genannt wird. Oberhammelwarden und Lienen bilden eine Insel in der Weser. 1408 werden die letzten Pfarrer von Dangast, Ellens und Horsten genannt. Im Jadebusen geht das Kirchspiel Hiddels unter, aber die Wurt mit den Resten der Kirche erhebt sich noch lange aus dem Watt. In Schleswig-Holstein versinkt die sagenhafte Stadt Rungholt im Meer. (Detlev v. Lieliencron: "Heut bin ich über Rungholt gefahren ...").

Außerdem müssen sechzig Kirchen ausgedeicht werden. Die sozialen Folgen der Flut sind enorm, zumal sie mit einer katastrophalen Viehseuche zusammentrifft, denn infolge der Verluste werden bisher reiche und angesehene Familien in einer Nacht bettelarm, während andere unversehens reich werden, weil ihnen das Erbe zufällt. Hinzu kommt, dass Orte, die bislang tief im Innern des Landes dahin dämmerten, jetzt plötzlich von Schiffen erreicht werden können. So kann es vorkommen, dass der eine oder andere Familienchef sich plötzlich in einer strategisch günstigen Lage befindet. Wenn dann noch ein wenig Mut, Durchsetzungsvermögen - und Glück hinzutreten, ergeben sich Chancen, die dann zu der Herausbildung der Herrschaft der Hovetlinge führt, durch die die bisherige Konsular-Verfassung der Friesen ausgehebelt wird. Das Datum scheint übrigens nicht ganz gesichert zu sein. Daniel Ramsauer meint, dass die Flut möglicherweise bereits 1361 stattgefunden habe.

1362 Jever. Edo Wiemken d. Ä. (wahrscheinlicher aber dessen Vater) baut in Jever eine Burg. Sie wird 1420 wieder zerstört.
1365-66 Bremen. Als nach einer unglücklichen Schlacht der Rat eine besondere Steuer ausschreiben muss, um das Lösegeld für die Gefangenen zu erheben, kommt es zu einem Aufstand der Opposition, zu der auch zwei Ratsherren gehören. Der Rat kann den Aufstand erst unterdrücken, als er sich der Hilfe auswärtiger Ritter versichert hat. Die Aufrührer werden, so weit man ihrer habhaft werden konnte, hingerichtet, die anderen aus der Stadt verbannt. Die aber tun sich zusammen, verbünden sich mit dem Erzbischof Albert und überfallen am 29. Mai 1366 die Stadt. Kaum aber hatten sie die Stadt besetzt, fiel die Koalition auseinander: Während nämlich Johann Hollmann, der Anführer der stadtbremeschen Aufrührer, die Demokratie einführen wollte bzw. das, was er dafür hielt, glaubte der Erzbischof die Stunde gekommen, die Freiheit der Stadt zu vernichten. Seine Knechte verbrannten deshalb den hölzernen Roland auf dem Markt, der eben diese symbolisierte, und hausten im Übrigen, als ob sie einen feindlichen Ort erobert hätten. Der Erzbischof kam sogar in Person, um seinen Erfolg zu genießen, und konnte nur gegen Zahlung einer immens hohen Summe dazu bewegt werden, den Platz zu verlassen. Inzwischen hatten einige Ratsherren, die nach Delmenhorst geflohen waren, den Grafen Christian von Delmenhorst und den Grafen Konrad von Oldenburg erfolgreich um Hilfe gebeten. Die erschienen am 23. Juni 1366 vor der Stadt und wurden von den Bürgern als Befreier begrüßt. Die Aufrührer konnten den Ort unter diesen Umständen nicht halten und wurden nun ihrerseits gejagt, wobei Johann Hollmann erschlagen wurde. Die alte Verfassung wurde wieder hergestellt.
1365 Padingbüttel: Erste urkundliche Erwähnung der Kirche, deren Bau auf die Zeit um 1300 datiert wird. Der Turm stammt aus dem 15. Jahrhundert. Der Turmhelm wurde 1825 bei der Flut von einem Blitz getroffen und brannte ab. Bemerkenswert ist der Flügelaltar, der 1480-1490 entstand. Aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhundert stammt auch die Kreuzigungsgruppe.  Die Kanzel wurde 1652 gestiftet.
1366 Bremen. Die Remberti-Kirche wird er-wähnt. Sie gehört zu einem Aussätzigen-Spital und liegt deshalb deutlich außer-halb des Mauerrings. Sie wird 1547 abgerissen. Der Rat lässt 1596 eine neue Kapelle als Pfarrkirche für die östliche Vorstadt bauen. Sie ist im 18. Jahrhundert so baufällig, dass sie 1736 durch eine neue Saalkirche ersetzt wird. An die Stelle des bescheideene Kirchleins tritt von 1869 bis 1871 ein neugotischer Bau, den der Architekt Heinrich Müller entworfen hat. Er wird am 4. Juni 1942 durch Bomben zerstört und nicht wieder aufgebaut.
1367 Bremen. Das "Doventor" wird zum ersten Mal erwähnt. Gebaut wurde es vermutlich um 1305, als man das Stephaniviertel in den Mauerring Bremens einbezog. Auf dem Tor stand einmal eine Windmühle, die, wie Schwarzwälder vermutet, am Ende des 17. Jahrhunderts abgebrochen wurde. Das Tor selbst wurde 1803 abgebrochen. An seine Stelle traten zwei Wachhäuser, die einander gegenüber lagen. Der Weg konnte, so lange die Torsperre bestand, also bis 1848, durch ein Gitter versperrt werden. Die beiden Wachhäuser wurden 1944 durch Bomben zerstört.
1367 Berne: Der heutige Breithof wird als "Freythof" erwähnt. Hier fand seit 1601 der Berner Markt statt, der 1772 zu einem Kram-, Pferde und Viehmarkt ausgedehnt wurde.
1368, 20. 7. Blexen: Schlacht bei Coldewärf. Die Butjadinger Friesen vernichten ein Heer der Grafen von Oldenburg. (Der genaue Ort des Gemetzels ist unbekannt. Die Quellen nennen Volkers als Kampfplatz).
1368 Bant: Edo Wiemken d. Ä. lässt sich zum Hovetling von Rüstringen wählen. Das Datum ist umstritten, gilt jedoch als wahrscheinlich. Edo Wiemeken stammt aus Dangast, wo er ein "Steinhaus" besaß
um 1368 Wangerooge: Die Insel gehört zum Machtbereich Edo Wiemkens d. Ä.. Während einer Fehde des Hovetlings mit den Holländern überfallen diese den Ort, rauben ihn aus und brennen ihn nieder. Sie erschlagen zwölf Männer und nehmen Geiseln mit.

-1370-

1370, 16. 1. Jever: Marcellusflut.
1371 Warfleth: Eine Kirche von Warfleth wird erstmals urkundlich erwähnt. Sie war vermutlich Maria, der Mutter Jesu, geweiht. Der Ort wird erstmals 1148 genannt. 1417-1425 Neubau. Aus dieser Zeit stammt ein Kruzifix in der Kirche. Die Kanzel wurde 1591 eingebaut. Der Altar stammt aus dem Jahre 1605. 1773 erhielt die Kirche eine Orgel von Klapmeyer, die 1900 durch einen Neubau von Schmid III ersetzt wurde. Seit 1952 Orgelpositiv von Alfred Führer. Das Modell eines Walfängers aus dem 19. Jahrhundert erinnert an die Zeit, als die Kirche das spirituelle Zentrums der Stedinger Seefahrer war.
1372 Esens. Fehde zwischen Harlingen und dem Hovetling Ulrich Cirksena von Norden. Der Angriff der Ostfriesen scheitert.
1373, 9. 10. Jever. Dionysiosflut.  Die Leybucht in Ostfriesland entsteht. Westdeel bei Norden geht zugrunde. (Andere haben das Jahr 1374)
1374 Bremen. Die Bewohner von Walle, Gröpelingen, Wischhusen, Oslebshausen, Grambke und Grambkermoor vereinbaren den Bau und die Unterhaltung des Waller Siels.
1375 Stollhamm: Auf dem Gebiet des heutigen Stollhamms befindet sich das Dorf Witzale. Seit dem 16. Jahrhundert Kirchhöfing. Der Name geht unter und wird durch "Stollhamm" ersetzt.
1375 Jever. 5. Marcellusflut. Das Jeverland bleibt verschont
1376 Jever: Sturmflut
1377 Esens: Feldzug Ocko I. tom Brok (gemeinsam mit Graf Christian von Oldenburg) gegen das Harlinger Land. Er kann die beiden Burgen in Wittmund besetzen, muss sie aber wieder zurückgeben.
1377, 9. 10. Jever: Zweite Dionysiosflut. Das Meer erreicht in Norden das Dominikaner-Kloster Kolke bei Bargebuhr und Lütetsburg. Auch im Jeverland große Schäden.
1379 Jever: Sturmflut

-1380-

1380 Jever: Sturmflut
1381 Bremen: Erzbischof Albrecht erlaubt dem oldenburgischen Junker Kersten auf der Lechterseite in Stedingen eine Windmühle zu bauen. Das ist jedoch nicht die erste, denn in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts soll Hayo von Linebrok bereits ein Mühlenbesitzer gewesen sein. Vermutlich handelte es sich um eine Bockmühle, wie sie heute noch in Dornum, Ostfriesland, zu sehen ist. Holländermühlen tauchen in der Marsch erst im 18. Jahrhundert auf.
1381-1654 Bederkesa: Burg und Dorf sind bremisch.
1382 Bremen: Der Bremer Rat bestimmt, dass in der Stadt nur die Mitglieder des Krameramtes ihre Waren feilbieten dürfen, jedoch dürfen fremde Händler zweimal im Jahr ihre Waren ohne Einschränkungen in der Stadt anbieten. Einer der beiden Märkte besteht heute noch als "Bremer Freimarkt".
1382 Jever: Die erste, dreischiffige Steinkirche in Jever wird von Edo Wiemeken d. Ä. zerstört. Wann sie in etwa errichtet worden war, ist offenbar nicht bekannt. Die Kirche war dem hl. Cyriacus geweiht. (Cyriacus, der dem Herrn Geweihte, starb um 305 in Rom unter Diocletian den Märtyrertod. Er ist einer der 14 Nothelfer. Sein Fest wird am 8. August gefeiert)
1382, 31. 12. Jever: Sturmflut
1383 Jever: Edo Wiemken d. Ä. errichtet in dem Ort Jever, der seit langem besteht, eine erste Burg, die im Laufe der Jahrhunderte dann ausgebaut wird.
1383 Edenburg: Edo Wiemeken d. Ä. baut an der Made die "Edenburg", später nach seinem Nachfolger "Sibetsburg" genannt. Von diesem bedeutendsten Hovetling aus der Dynastie der Papinga wissen wir leider weder das Datum seiner Geburt noch das seines Todes. Er wurde in Dangast geboren und besaß dort ein Steinhaus, das er durch seine Frau Etta erheiratet hatte. Durch den Bau seiner Burg am Rüstringer Ufer der Made gab er offenbar seine Besitzungen bei Varel auf und verlegte den Schwerpunkt seiner Ambitionen in das Viertel Bant, nach Östringen und in das Wangerland, wo sein Vater, so denke ich, bereits die Grundlage seiner Herrschaft gelegt hatte. Sein Verdienst ist es offenbar, dass er den Personalverband, der sich um seinen Vater gebildet hatte, zu einer Territorialherrschaft ausbaute, was ihm mit viel List und Tücke, sowie ausgesuchter Grausamkeit gelang. Dabei dürfte sein Bündnis mit den Vitalienbrüdern sehr hilfreich gewesen sein. Edo Wiemeken hatte in seinem Leben nicht nur mit vielen äußeren Feinden zu kämpfen, sondern auch mit Konkurrenten im Innern. Dabei konnte er sich auf seinen Freund Popke Inen auf Burg Innhausen (nicht mehr vorhanden) stützen, der jedoch, als er stark genug war, die Seiten wechselte und zu dem Hovetling tom Brok überging, der zu dieser Zeit Ostfriesland unter seiner Herrschaft zu einigen suchte. Popke Inen begründete so die Herrschaft Knip- und Innhausen, die für einige Jahrhunderte im Jeverland ihre Selbständigkeit behaupten sollte.
1384 Bremen: Koalition Bremens mit dem Grafen Konrad von Oldenburg und Edo Wiemeken mit dem Ziel, den Hovetling von Esenshamm, Husseke Hayen, der als Seeräuber lästig geworden war, zu vernichten, was auch gelang: Esenshamm wird erobert, ebenso Rodenkirchen und Golzwarden.
1384 Borgfeld. Die Pfarrkirche wird zum ersten Mal erwähnt. Sie wurde 1732-1734 nach Osten verlängert und erhielt 1869 einen neuen Turm. 1896 Umbau. Die Kanzel stammt aus dem Jahre 1680. Die Orgel wurde 1918 von Furtwängler und Hammer aus Hannover gebaut und 1955 erweitert.
1384 Harrien: Die "Brake" bei Harrien wird zum ersten Mal erwähnt. Es handelt sich um einen Kolk, der durch einen Deichbruch entstanden ist, in den das Lockfleth mündet.
1385 Blexen. Die Hovetlinge in Blexen schließen mit der Stadt Bremen einen Vertrag, in dem sie sich verpflichten, die Kirche dem Rat offen zu halten. Der Vertrag wird 1390 wiederholt.
1386 Varel. Die Vareler Hovetlinge Ylies, Wimer, Rickel to Bomgarde und Folf von Hiddesen übertragen dem Grafen Konrad von Oldenburg ihre Rechte auf Zins und Gericht im Kirchspiel Varel. Die Kirche in Varel wird den Grafen von Oldenburg geöffnet.
1387 Jever: Sturmflut. Große Schäden.
1387-1388 Burg: Über die Lesum wird eine Brücke gebaut, zu der sogar ein Steindamm führt. So erhalten die Bremer einen leichteren Zugang zu dem Heerweg nach Stade.
1387 Accum: Wilm Tannen, der Vogt Edo Wiemekens zu Accum, entführt Fulf Sibern, Vogt zu Schortens, und hält ihn auf seiner Burg zu Glarendorf gefangen (eine Disziplinlosigkeit, die sich eigentlich nur dadurch erklären lässt, dass der eine Edo nicht mehr und der andere noch nicht fest im Sattel sitzt). Tannen verbündet sich mit Tjark Hedden, Vogt zu Sengwarden, Edo Wiemeken dagegen mit Popke Inen von Innhausen. Das Ergebnis ist, dass Fulf Sibern befreit wird. Wilm Tannen verliert seinen Kopf und Tjark Hedden muss außer Landes fliehen. Die Burgen von Glarendorf und Tjarkhausen werden zerstört, aber Popke Inen erhält die Kirche von Sengwarden als Stützpunkt. Im weiteren Verlauf verbündet sich Popke Inen mit dem ostfriesischen Hovetling tom Brok, was zum Streit mit Edo Wiemeken führt, in dem Popke Inen getötet wird. Darauf eignet sich Edo Wiemeken dessen Burg Innhausen an und belehnt damit Iko Onken, der auch die Tochter des früheren Eigentümers heiratet. Damit ist die Grundlage für die Herrlichkeit Knip- und Innhausen gelegt, die in den folgenden Jahrhunderten mit den Dörfern Fedderwarden, Accum und Sengwarden in dem Jeverland eine Sonderrolle spielen sollte.

-1390-

1390 Bremen: Der Rat lässt das Obervieland durch einen Wehrgraben und einen Wall befestigen. Der Kattenturm wird zum ersten Mal erwähnt.
1391 Jever: Sturmflut. Große Schäden
1394 Bremen: An der Weserbrücke wird ein großes Rad gebaut, mit dem man Wasser aus der Weser schöpft, das dann zu Zapfstellen in der Stadt geleitet wird. Die Leistung ist enorm: Mit jeder Umdrehung werden sechs Tonnen, ab 1536 sogar acht Tonnen, Wasser gehoben. Darüber hinaus gibt es natürlich noch zahlreiche Brunnen. Abwässer und Regenwasser flossen in offenen Rinnen auf den Straßen ab und gelangten so schließlich in die Weser.
1395 Falsterbo: Friede von Falsterbo zwischen den nordischen Königreichen und der Hanse. Die Vitalienbrüder haben damit niemanden mehr, der sie beschützt, vor allem Stützpunkte an Land einräumt und verlegen daraufhin ihre Tätigkeit in die Nordsee und suchen hier Stützpunkte an Land, die sie bei den friesischen Hovetlingen finden.
1396 Jever: Edo Wiemken d. Ä. öffnet den Vitalienbrüdern die Häfen von Taingshausen und Middelsfähr. Hier befindet sich auch seine Burg. Aber bereits am 8. Juli 1398 gelobt Edo Wiemeken d. Ä. der Hanse, die Likedeeler nicht mehr zu unterstützen.
1396, 18. 4. Strückhausen: Das Dorf wird in einer Urkunde erwähnt. Es gibt hier eine Kirche, die Johannes d. T. geweiht ist. Sie wird später zerstört. Außerdem wird hier 1521 eine Niederlassung des Johanniter-Ordens erwähnt, die Graf Anton I. 1531 säkularisiert.
1398 Esens: Witzeld tom Brok führt in einem Lehnsvertrag mit Herzog Albrecht von Bayern, der gleichzeitig Graf von Holland war, Harlingen als seinen Besitz an. Die "Oberherrschaft" besteht bis zum Sturz der tom Broks im Jahre 1427.
1398 Bant: Edo Wiemeken verpflichtet sich gegenüber Lübeck, Hamburg und Bremen, die bei ihm hausenden Vitalienbrüder auszuweisen und das "verwahrte Gut" zurückzugeben.