-1500-1522-

um 1500 Stedingen. Die Stedinger beginnen die jährlichen Fahrten in das Nordmeer, um Robben zu schlagen. Das Fett benötigte man für die Tranlampen, mit denen man die Häuser erleuchtete. Die äußerst brutale Jagd endete erst 1872, als das Petroleum aus Amerika die Tranfunzel verdrängte (und die Robben so gut wie ausgerottet waren).
um 1500 Schortens: Flügelaltar in der Kirche von Schortens
1500, 20. 1. Wursten: Friedensvertrag zwischen den Wurster Friesen und Herzog Magnus von Sachsen-Lauenburg. Beide Seiten erkennen sich in ihrem bisherigen Besitzstand an.
1500, 3. 4. Butjadingen: Die Butjadinger und Stadländer Friesen erheben sich gegen den Oldenburger Grafen und verjagen dessen Besatzungen in Golzwarden und Eckwarden. Sie huldigen dem Grafen Edzard von Ostfriesland, der ihnen die innere Autonomie zusichert.
1500, 18. 8. Wursten: Die Wurster Bauern huldigen dem Erzbischof von Bremen, der zuvor die Privilegien und das Landrecht der Gemeinde bestätigt hat. Der Vertrag wird auch von den Städten Bremen, Stade und Buxtehude besiegelt.
1500 Stollhamm: "Stalhamme" wird erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1501 ist Stollhamm Kirchspiel.
1500 Schweiburg: Der Ort wird zum ersten Mal erwähnt. Das sumpfige Gelände war bis dahin nicht besiedelt,  wird aber nun vom Kloster Hude erschlossen. Die Mönche legen hier einen Hof an, der sich gut entwickelt. Er wird von Graf Anton I. von Oldenburg enteignet, der auf dem Gelände 12 Siedlerstellen anlegt, die mit Familien aus dem Jadebusen besetzt werden. Deren Zahl erhöht sich im Laufe des 16. Jahrhunderts auf etwa 50, die sich in den Bauerschaften Schweieraltendeich und Kötermoor anbauen.  Der Vorgang ist ein schönes Beispiel dafür, dass die Geschichte der Reformationszeit in der Grafschaft Oldenburg neu geschrieben werden muss. Das Kloster Hude hatte ja in der lokalen Historiographie eine schlechte Presse, weil die Mönche es angeblich an Frömmigkeit fehlen ließen. Ich weiß nicht, ob das zutrifft, fürchte aber, dass man einfach die Vorwürfe der Historiker, die den Kulturkampf Bismarcks in ihre Wissenschaft getragen haben, nachgeschrieben hat. In der Tat betrieben die Zistersienser das, was wir heute "Entwicklungshilfe" nennen. Sie waren es, die die Ziegelproduktion in der Marsch einführten, und sie erschlossen neues Land und das praktisch bis zum Schluss, wie das Beispiel Schweiburg lehrt. Es mag ja sein, dass die Mönche in Hude in ihrer Lebensführung lax waren  - ich will das zu ihren Gunsten mal annehmen - aber als Wirtschaftsunternehmen funktionierte der Klosterbetrieb offenbar bis 1500 hervorragend, und war das danach anders gewesen sein soll, bleibt das Geheimnis derer, die der katholischen Kirche dort Vorwürfe machen, wo sie nicht zu kritisieren ist.
1501 Hartwarden: Ein erneuter Angriff des Grafen von Oldenburg auf die beiden Länder Stadland und Butjadingen scheitert an der Hartwarder Landwehr.
1502 - 1522 Bremen: Unter der Leitung des Osnabrücker Baumeisters Cord Oppelken wird das Nordschiff des Bremer Doms umgebaut. Es erhält jetzt das Netzgewölbe, wie es noch besteht.
1503 Elsfleth. Die mittelalterliche Kirche von Elsfleth wird ausgedeicht. Sie war vermutlich bereits durch zahlreiche Fehden ziemlich zerstört. Neue Pfarrkirche von Elsfleth wird ab 1504 die Nikolaus-Kapelle. Die Kirche ist deshalb merkwürdig, weil in den Jahren von 1688-1690 im rechten Winkel zum vorhandenen Saalbau ein zweiter Flügel angefügt wurde. Das geschah jedoch nicht, wie in Freudenstadt, um die Frauen vor den Männern zu verstecken, sondern weil man so die Beamten des Weser-Zolls vom gewöhnlichen Volk trennen wollte. Der Turm ist eine Ergänzung aus dem Jahre 1888.
1503 Lehe: An der "Vehr to Leh" treffen sich die Abgesandten Ostfrieslands, des Landes Wursten, der Dithmarschen und der Hansestädte zu einer Konferenz. Der Platz gilt als eine alte germanische Thingstätte.
1506 Jever: Das Schloss in Jever wird vollendet.
1508 Wursten: Die Geschlechter des Landes Wursten beschließen die "Wurster Willkür".
1508 Kniphausen. Die Burg wird vergeblich von der Hanse, also von Hamburgern und Bremern, belagert, weil Folef von Kniphausen Seeraub betrieben hatte. Im Jahre 1514 erobert Herzog Heinrich d. Ä. von Braunschweig die kleine Festung, schleift sie und füllt mit dem Bauschutt die Gräben aus. Dann zieht er weiter nach Ostfriesland.
1509, 26./27. 9. Bant:  Cosmas- und Damian-Flut beschädigt die Deiche in Östringen, Wangerland und besonders in Rüstringen (Bant). Große Schäden in Stedingen. Der Dollart erreicht seine größte Ausdehnung. Auch der Jadebusen wird erweitert.

-1510-

1510, 9. 9. Jever: Magnus-Flut. Die soeben geflickten Deiche werden erneut zerstört.
1510 Dorum. Die Kirche in Dorum erhält ihren gotischen Chor.
1510 Esens: Die Stadt wird von den Bremern belagert und durch Hunger bezwungen.
1511, 16./17. 1. Antoniusflut. Der Jadebusen erfährt seine größte Ausdehnung. In den Fluten versinken die Dörfer Ahm, Bordum, Ellens, Havermonniken, Hiddens, Scheidens und Seediek. Die Kirche von Seediek steht noch bis 1531 und verschwindet erst danach (heute Altenhof oder "Ollhoff" in der Gemeinde Sande). Die Banter Kirche muss 1519 oder 1520 (nach Halpaap erst 1529) ausgedeicht werden und verfällt. Im Jahre 1551 heißt es, dass sie "itzund waters halven vergan und zunichte" geworden sei. (Halpaap: Die Ursprünge der Stadt Wilhelmshaven, 2001, S. 70) Im Jahre 1867 werden die Grundmauern wieder entdeckt. Die "Ruine" wurde nachgebaut.  Der Jadebusen reicht jetzt bis Neustadt-Gödens und Friedeburg. Beide Orte können von Schiffen angelaufen werden.

Auf Wangerooge geht das mittelalterliche Dorf unter. Die Trümmer sind noch lange zu sehen. Im Jahre 1586 hatte der Kirchturm noch eine Höhe von 50 Fuß (etwa 17 Meter) und im Jahre 1760 kennzeichneten noch einige Trümmer den Platz, auf dem sich einmal das Dorf befand.

Man kann sagen: mit der Antoniusflut von 1511 endet an der Unterweser das Mittelalter. Zumindest gilt der Satz für die Marschengebiete, denn die Verluste waren so einschneidend, dass die Bauern nunmehr nicht mehr in der Lage waren, ihre politische Selbstständigkeit zu behaupten. Ich will die Lage einmal allgemein beschreiben:

Das Land Wursten, das bislang eigenständig war, wird nun zum Spielball des Herzogs von Sachsen und des Erzbischofs von Bremen, wobei letzterer die Oberhand behält.

Butjadingen und Stadland, damals eine Insel in der Wesermündung,  fallen nach heftigen Kämpfen an den Grafen von Oldenburg.

Das Jeverland gliedert sich in zwei Inseln und eine Halbinsel. Der Gau Rüstringen war nunmehr eine Insel im Jadebusen, die im Norden durch die Made und im Süden durch das Schwarze Brack von Östringen getrennt wurde und im Laufe der Zeit immer mehr Land verlor, bis im 16. Jahrhundert nur noch Heppens, Insmerhave (Neuende), Sande, Seediek, Ahm und Oldebrügge übrig geblieben waren, von denen Seediek, Ahm und Oldebrügge auch noch aufgegeben werden mussten. Zuvor hatte Rüstringen schon Bant, Bordum, Dauens und das Kloster Havermonniken, sowie das Kloster Jaderleh und die Ortschaften Würdeleh und  Durhusen (Darckhusen) eingebüßt. Um den Umfang der Verluste deutlich zu machen, seien die Kirchspiele hier aufgelistet, die bis zur Flut von 1511 vor dem heutigen Westufer des Jadebusens versunken sind: Hiddels, Ellens, Oldebrügge, Bordum, Hoven,  außerdem die Orte Groß- und Kleinscheidens, beide ohne Kirchen. Bereits um 1200 ist Humminge untergegangen. Außerdem ist die Verbindung zu Dangast verloren gegangen war. Das Gebiet war also sehr dicht besiedelt, jedoch kam es zu keiner Schwerpunktbildung. Warum das nicht geschah, ist eine der offenen Fragen der Regionalgeschichte.

Östringen umfasste schließlich auf der Geest die Kirchspiele Schortens, Cleverns, Sandel, Jever, die später den Kern des Jeverlandes bildeten, dann Gödens, Friedeburg und Repsholt, die an Ostfriesland fielen und in der Östringer Marsch die Kirchspiele Fedderwarden, Accum und Sengwarden. Sie bildeten seit 1496 die Herrschaft Kniphausen, die später den Grafen Bentinck gehörte und bis in das 19. Jahrhundert hinein eine eigene Geschichte hatte.

Das Wangerland schließlich, das durch das Hooks Tief  im Süden von Östringen und durch die Harlebucht im Westen von Harlingen getrennt war, hatte in Hohenkirchen seinen Mittelpunkt. Darüber hinaus gehörten die Kirchspiele Minsen, Wiarden, St. Jost, Tettens, Middoge, Oldorf, Wüppels, Pakens, Waddewarden, Westrum und Wiefels zu diesem Gau.

Damit ist sozusagen die Bühne eingerichtet, auf der sich dann die Ereignisse der kommenden Jahrhunderte abspielen sollten. Sie werden, geographisch gesehen, dadurch bestimmt, dass mit dem Jahr 1511 das Meer am weitesten vorgedrungen ist und nun, Schritt für Schritt, zurückgedrängt wird, bis die heutige Küstenlinie erreicht ist.

1511 Jever. Edo Wiemken d. J., Hovetling von Jever, Rüstringen, Östringen und Wangerland, stirbt.
1512-1514 Bremen: Die Stadt verstärkt ihre Festungswerke. Die Gräben werden vertieft und die Wälle erhöht. Außerdem beginnt man mit dem Bau von drei "Zwingern". Das sind Bauwerke vor dem Ostertor, der Ostertorszwinger (1512-1514), auf dem linken Ufer der Weser zur Sicherung der Weserbrücke , die sogenannte "Braut" (1522-1531) und bei St. Stephani (der "Bräutigam), (1524-33).

 Sie sind so stark, dass sie im ersten Stockwerk Kanonen tragen können, die auf Grund ihrer erhöhte Position einen angreifenden Feind auf weitere Entfernung zielgenauer beschießen können, als wenn sie auf ebener Erde gestanden hätten. Auf dem Wall wären die Geschütze und die Mannschaften dem feindlichen Feuer ausgesetzt gewesen, aber in den "Zwingern" war man geschützt. Mit den Arbeiten ist man bis 1534 beschäftigt.

1511 Bremen: In der Stadt arbeitet ein "Stadtphysicus", als ein Amtsarzt
1511 Esens. Graf Edzard belagert die Stadt.
1512 Ahme: Die Kirche wird abgebrochen.
1512 Bremen. Erhöhung des "neuen Walles bei der Stadtmauer". Die Stadt erneuert also etwa seit 1500 die Befestigungen, um sich gegen den Beschuss durch Kanonen zu schützen, indem man sie mit einem Erdwall umgibt. Bis dahin hatte Bremen eine Stadtmauer mit 22 Türmen und sechs Toren. Das reicht nicht mehr aus. Zunächst begnügte man sich mit der Verbreiterung des Stadtgrabens, aber dann ging man dazu über, niedrige, aber sehr dicke Türme zu bauen, die in ihren oberen Stockwerken Geschütze tragen konnten, so von 1512 bis 1514 den Ostertorzwinger. und von 1525-1534 den Stephanitorzwinger. Hinzu traten die ersten Bastionen, also Wälle, die in einem Dreieck aus der Mauer hervorragten und der Besatzung die Möglichkeit bot, anstürmende Feinde jeweils aus der Flanke zu beschießen, so die Batterie an der Holzpforte (1518) und die Wichelnburg (1524). Die weitere Befestigung der Stadt blieb bis zum Ende des 17. Jahrhunderts eine fortdauernde Aufgabe des Rates.
1513 Atens. Gründung des Karmeliterklosters in Atens. (Nach anderen Angaben geschah das bereits 1505) Die Institution wurde bereits 1526/1528 wieder aufgegeben. Die Kirche, die schon hundert Jahre früher gebaut wurde, bleibt als Ruine stehen, dh. es fehlt ihr das Dach, außerdem ist eine Seitenmauer entfernt worden. Erstaunlicher-weise hat sich aus dem Kloster ein Kelch erhalten (er wird auf 1522 datiert), der noch heute benutzt wird.
1513, 16. 10. Schortens: Bischof Christoph von Konstanz weiht den Altar in der Dorfkirche in Schortens. In 25 Bildern erzählt das Kunstwerk die Leidensgeschichte Jesu, den zentralen Mythos der christlichen Religion.
1514 Jever: Sturmflut.
1514-1517 Aurich: Sächsische Fehde. Eine Koalition verschiedener Fürsten unter Führung des Herzogs Heinrich d. Ä. von Braunschweig-Wolffenbüttel greift Graf Edzard von Ostfriesland an. An der Aktion beteiligen sich Graf Johann V. von Oldenburg sowie Hero Omken von Esens und Junker Christoffer von Jever. Die einzelnen Ereignisse: 16. Januar 1514: Kaiser Maximilian erlässt die Reichsacht gegen Graf Edzard von Ostfriesland. Bereits Mitte 1. dringen im Westen sächsische Truppen in das Jeverland ein. Im Osten erobert die "Schwarze Garde" das durch Sturmfluten geschwächte Butjadingen. (21. Januar 1514 Schlacht bei Hartwarden). Der letzte Widerstand der Butjadinger Friesen wird in Langwarden gebrochen. Mitte März 1514 nimmt die Koalition Friedeburg ein. 12. Mai 1514: Die Burg Kniphausen muss vor den Truppen der Koalition kapitulieren. 17. - 22. Mai 1514: Treffen von Meerhausen. Graf Edzard muss am Ende abziehen und zieht sich nach Aurich zurück. Die Truppen der Koalition beginnen nun planlose Raubzüge durch die Grafschaft Ostfriesland und verzichten auf die Einnahme der restlichen Festungen Edzards, insbesondere Aurichs. 23. Juni 1514: Herzog Heinrich d. Ä. von Braunschweig-Wolffenbüttel wird bei der Belagerung von Leerort durch eine Kanonenkugel getötet. Daraufhin findet der Sturm auf die Festung nicht statt. Die Belagerer ziehen ab. Die Koalition beschränkt sich von nun an darauf, das besetzte Land auszuplündern. 3. November 1514: Im August ist die Festung Appingedam in der Provinz Groningen den Gegnern Edzards in die Hände gefallen. Der Graf von Ostfriesland besetzt hier nur noch die Stadt Groningen selbst. Aber auch diese wendet sich von ihm ab und schwört am 3. November 1514 dem Herzog Karl von Geldern, offiziell der Lehnsherr Edzards, tatsächlich sein Gegner, die Treue. Der Graf zieht sich daraufhin nach Ostfriesland zurück. 6. 4. 1515: Graf Edzard erobert Appingedam zurück. Danach wendet er sich im Westen gegen das Jeverland und besetzt hier Roffhausen. 19. Mai 1515: Herzog Georg von Sachsen verkauft seine Rechte in Friesland an den Herzog Karl von Burgund, später Kaiser Kaiser Karl V.. Damit war die Provinz Groningen für Edzard engültig verloren, denn mit den Habsbur-ern konnte er sich natürlich nicht anlegen. Im Übrigen kann Edzard im Sommer die Burg von Uplengen zurückerobern. Ein Angriff auf Butjadingen scheitert. 1516 (Mai) Der Bischof von Münster vermittelt einen einjährigen Waffenstillstand zwischen Edzard und seinen Feinden. Juni 1517: Vertrag zwischen Kaiser Maximilian und Graf Edzard, der bereits aus der Reichsacht gelöst ist. 3. 12. 1517: Der Vergleich von Zetel beendet die "Sächsische Fehde", die schon länger einge-schlafen war.

Das Ergebnis des verheerenden Krieges ist ernüchternd: Graf Edzard hat zwar seinen Besitz behauptet und die rechtliche Stellung Ostfrieslands als reichsumittelbaren Stand gewahrt - mehr aber nicht erreicht. Vor allem ist der letzte Versuch gescheitert, die beiden Teile Ostfrieslands, nämlich die niederländische Provinz Groningen und das deutsche Ostfriesland, unter der Herrschaft einer Dynastie zu einigen, gescheitert. Es blieb auf der deutschen Seite eine Grafschaft zurück, die vor allem innerlich zerrissen war: Da kämpften der Graf und die ostfriesische Landschaft um Macht und Einfluss, die Lutheraner der Marsch standen gegen die Reformierten der Geest und die Stadt Emden verfolgte sowieso ihre eigenen Interessen und das alles fand unter dem Schutz und Schirm der übermächtigen Niederlande statt. Dieser politische Kuddelmuddel hatte natürlich ein Ende, als die preußischen Könige 1744 die Nachfolge der Cirksena antraten, aber er prägt bis heute die besondere Kultur Ostfrieslands - sehr zu ihrem Vorteil.    

1514 Jever: Junker Christoffer von Jever, Graf Johann von Oldenburg und Hero Omken vom Harlinger Land verbünden sich gegen Graf Edzard von Ostfriesland. Graf Edzard ergreift die Initiative. Er äschert Jever (wieder einmal) ein. Im Jahre 1516 plündert er das Jeverland aus und droht, sich auf die Dauer festzusetzen, denn Ricklef von Roffhausen übergibt bei dieser Gelegenheit dem Ostfriesen die Burg Roffhausen, die jedoch am 26. Mai 1517 von Junker Christoffer zurück erobert wird, der sich so seine militärischen Meriten erwirbt, was aber zugleich das Ende seiner Karriere ist, denn am 2. Juni 1517 stirbt der junge Mann plötzlich und unerwartet, was natürlich die Vermutung auslöst, dass er vergiftet worden sei.
1514, 17. 1.(Riemann: 19. 1.) Hartwarden: Der Graf von Oldenburg, unterstützt durch Herzog Heinrich de Quade von Braunschweig, greift erneut Butjadingen an. Es herrscht grimmige Kälte, was einmal ein Vorteil ist, denn die Verbündeten können so ihr schweres Geschütz heranschaffen, andererseits aber ein Nachteil, denn die Butjadinger haben den Wall vor Hartwarden, durch den sie ihr Land schützen, mit einer Eisdecke überzogen, die die Stellung unangreifbar macht. Aber es findet sich ein Verräter, der die Feinde durch das Moor in den Rücken der Verteidiger führt. Die darauf folgende Schlacht endet mit einer Niederlage der Bauern. Der letzte Widerstand wird bei Langwarden gebrochen, wo der "Friesenhügel" noch heute die Gebeine der Gefallenen birgt. Nach 14 Tagen ist der Feldzug abgeschlossen. Das Land teilen sich der Graf von Oldenburg und Herzog Heinrich von Braunschweig. Letzterer hat seinen Anteil 1523 an den Grafen von Oldenburg verkauft, der nunmehr alleiniger Herrscher Butjadingen ist, das er und seine Nachfolger brutal aus-beuten. Die Butjadinger sind durch Sturmfluten und Krieg so erschöpft, dass sie sich fügen. Sie erheben  sich auch nicht gegen den neuen Herrn, als Fulf von Kniphausen im Auftrage Edzards von Ostfriesland im August 1515 bei Eckwarden landet. Vielleicht sagen sie sich auch, dass es ziemlich egal ist, ob sie von einem Grafen von Oldenburg oder von einem Grafen von Ostfriesland ausgeplündert werden, wie auch immer: Die Reaktion des Oldenburger Herrschers ist, dass er Butjadingen jetzt vollends verwüstet: "dat gantze Land wart verwostet, dat Veh genamen und weggedrewen, alle Huser un Dorper angesticket und so deger verbrant, dat dar nich ein Schwinkave is stande gebleven". So zitiert Riemann eine zeitgenössische Chronik.
1514, 29. 9. Michaelis Wursten: Die Wurster Friesen schlagen das Heer des Herzogs Erich V. von Sachsen-Lauenburg, der von Hadeln aus die Marschenrepublik angreift. Der Herzog flieht in die Burg Bederkesa, die ihm zur Hälfte offen steht, wird aber auch dort von den Wurstern belagert, kann jedoch fliehen, bevor die Festung in die Hand der Friesen fällt. Im Jahr darauf, also 1515, unternehmen die Wurster einen Vergeltungszug gegen das Land Hadeln, werden nun aber ihrerseits zurückgeschlagen.
1515, 3. 8. Roffhausen. Ricklef, Hovetling von Roffhausen, übergibt seine Burg an den Grafen Edzard von Ostfriesland. Herzog Heinrich von Braunschweig nimmt sie ihm ab und übergibt sie an Junker Christoph von Jever. Ricklef von Roffhausen kehrt nach dem Tode Christophs von Jever auf seinen Hof zurück.
1514 Esens: Ein großer Brand vernichtet die Osthälfte der Stadt.
1514, Mitte März Jever: Der Ort wird durch ein Feuer eingeäschert.
1514, 23. 6. Leerort. Heinrich de Quade von Braunschweig wird bei der Belagerung von Leerort durch eine Kanonenkugel getötet. Er hat durch seinen Zug durch Norddeutschland die Verhältnisse tüchtig durcheinander gebracht, aber sein Nachfolger kann die Eroberungen, darunter Friedeburg und einen Teil Butjadingens, nicht halten. Friedeburg fällt am 27. Juni 1517 an Edzard von Ostfriesland und der braunschweigische Teil von Butjadingen geht später an Oldenburg.
1515-1531 Butjadingen: Das Lockfleth wird nach und nach eingedeicht. Damit sind Weser und Jade endgültig voneinander getrennt. Das ist das Ende des Weser-Deltas, das einmal drei Arme hatte, nämlich die Liene, die von Stedingen aus zur Jade floss, dann das Lockfleth, das bei dem heutigen Brake ebenfalls zum Jadebusen hin abzweigte und schließlich die Heete, die But-jadingen vom Stadland trennte.

Der Strom bildet nunmehr einen breiten Kanal, der aber noch immer zahlreiche Nebenarme hat, zwischen denen sich Inseln befinden, die von breiten Reithfeldern umgeben sind. So strömt er in den folgenden Jahrhunderten gemächlich dahin, wobei er zusehends versandet. Dort, wo das Lockfleth in die Weser mündete, bildet sich jetzt eine Siedlung, die zunächst nach dem Weser-Kolk "Harrierbrake" genannt wird, was man später auf "Brake" verkürzte.

1515-1516 Esens. Graf Edzard von Ostfriesland scheitert mit dem Versuch, Ostfriesland zu erobern.
1517, 26. Mai Jever: Junker Christoffer erobert Roffhausen zurück. Er lässt die Burg schleifen.
1517, 21. 6. (Nach Riemann) Jever. Christoph von Jever, letzter männlicher Nachkomme Edo Wiemkens d. Ä. (Papinga) stirbt. Seine Nachfolge treten, wenigstens formal, gemeinsam die drei Töchter von Edo Wiemken d. J. an, nämlich Anna, geb. 1499. Maria (5. 9. 1500), und Dorothea (1502).
1517, 26. 10. Jever. Im Oktober fällt Edzard der Große in das Jeverland ein und schlägt sein Lager bei Östringfelde auf. Graf Edzard meint, dass er als faktischer Vormund über die drei Fräulein von Jever Anna, Maria und Dorothea und damit über Östringen, Rüstringen und Wangerland nach Belieben verfügen kann. Er ordnet an, dass seine drei Söhne die drei Töchter von Edo Wiemken d. J.  heiraten sollen, also Ulrich die Älteste, Anna, die zugleich Jever als Mitgift in die Ehe einbringen soll, Enno die Maria und Johann die Dorothea. Damit endet der Krieg zwischen Jever und Ostfriesland, der seit 1514 andauerte. Am 27. Oktober 1517 versammelt sich die "Meente Meene" des Jeverlandes auf dem Kalk-berge vor dem Schloss und billigt den Vertrag. Graf Edzard zieht danach ab und plündert das Harlinger Land. (Aus den Heiratsplänen wird nichts: Graf Ulrich war, wie Riemann schreibt, "geistig zerrüttet", so dass eine Ehe-schließung mit Anna nicht infrage kam. Diese starb am 10. Januar 1536. Der Todestag Dorotheas ist nicht bekannt. Rieman glaubt, dass sie 1526 schon nicht mehr am Leben gewesen sei. Er vermutet einen Reitunfall als Todesursache. Maria überlebte ihre Schwestern um Jahrzehnte und wurde in dieser Zeit zur zentralen historischen Symbolfigur des Jeverlandes.

Am 3. Dezember 1517 kommt es zum Frieden von Zetel zwischen dem Grafen von Ostfriesland und dem Grafen von Oldenburg und damit zum Ausgleich zwischen den beiden Landesherren, der dann im Utrechter Vergleich vom 26. Oktober 1529 bestätigt wird. Der Vertrag wurde durch König Christian II. von Dänemark vermittelt.

1517 Kniphausen. Folef von Kniphausen beginnt mit dem Wiederaufbau der Burg. Er führt die Arbeiten jedoch nicht zu Ende, aber sein Sohn Tido setzt sie fort. Bis 1546 besteht eine prachtvolle Doppelburg. 1666/67 wurden die Befestigungsanlagen modernisiert, indem man Bastionen baute. Die herrschaftlichen Gebäude blieben davon unberührt, galten aber als recht baufällig. 1705 musste ein Teil der Anlage abgetragen und der Rest brannte 1708 nieder. Erhalten blieben das Torhaus und der ehemalige Marstall, der zur Wohnung umgebaut wurde.
1517 Neustadt-Gödens. Bau des  ersten Schlosses von Neustadt-Goedens. Die Altstadt-Goedens wird zum ersten Mal 1159 erwähnt. Damals hieß der Ort Godinge. Er lag auf einem natürlichen Geesthügel, der besiedelt war. Die Spuren reichen bis in das neunte Jahrhundert zurück. Bedeutung erlangte der Platz, als das "Schwarze Brack" durch die Marcellusflut 1362 bis hierher vordrang. Dadurch entstand ein natürlicher Hafen, den die dortigen Hovetlinge ausnutzten. Godinge besaß eine Kirche, die vermutlich nach der ersten Marcellusflut im Jahre 1219 zerstört, danach aber wieder aufgebaut wurde. Im Jahre 1385 wurde sie erneut zerstört und blieb dann wohl eine Ruine. 1544 wurde Altstadt-Goedens ausgedeicht und war damit verloren.

Neustadt-Goedens wurde etwas weiter landeinwärts errichtet und zwar zunächst als Burg, die aber 1669 ausbrannte. Schon zwei Jahre später, im Jahre 1671, entstand das heutige Schloss von Neustadt-Goedens, das von 1885 bis 1890 erneuert wurde. Von der alten Burganlage ist allein der Treppenturm geblieben.

1517, 27. 9. Friedeburg. Graf Edzard erobert Friedeburg. Die Festung bleibt von jetzt an bei Ostfriesland
1517, 23. 12. Wursten: Erzbischof Christoph von Bremen zieht gegen das Land Wursten zu Felde. Seine Truppen werden wieder bei Weddewarden geschlagen, aber er siegt am Wremer Tief. Als Folge müssen die Friesen dem Landesherrn erlauben, bei Weddewarden eine Burg zu bauen. Außerdem müssen sie alle Bündnisse, die sie eingegangen sind, aufheben und die niedere und hohe Gerichtsbarkeit an den Erzbischof abtreten, was bedeutet, dass aus der bisherigen lockeren Abhängigkeit nunmehr ein Untertanenverhältnis wird.
1517 Wulsdorf. Das Dorf wird von Soldaten ausgeplündert.
1518, 28. 1. Wursten: Die Wurster Friesen huldigen in der Kirche von Imsum dem Erzbischof Christoph von Bremen, einem Welfen-Prinzen. Mit dieser Zeremonie endet die Unabhängigkeit der Wurster Friesen. Am 9. August 1518 belehnt der Kaiser den Erzbischof von Bremen mit dem Land Wursten.
1518 Weddewarden. Baubeginn der "Burg Morgenstern"bei Weddewarden, die das Land Wursten für den Erzbischof von Bremen sichern soll.
1518,  15. 8. Wursten: Die "Burg Morgenstern", deren Bau noch nicht weit fortgeschritten sein kann, wird von den Wurster Bauern wieder zerstört. Der Aufstand wird dadurch ausgelöst, dass ein Bauer an der Wehlsbrücke einen Gesandten des Erzbischofs Christoph von Bremen erschlägt. In dem folgenden Kampf werden die Wurster durch eine Söldnertruppe unterstützt, die aus dem Land Hadeln zuzieht und bei dieser Gelegenheit auch die Dörfer Geestendorf, Wulsdorf, Schiffdorf, Bramel sowie einen Teil des Fleckens Lehe niederbrennt. Als Dank für die Unterstützung huldigen die Wurster Friesen am Michaelistage 1518 nunmehr dem Herzog Magnus von Sachsen-Lauenburg, der ihnen dafür die innere Autonomie zugesteht.
1519 Strückhausen. Neubau der heutigen St. Johannes-Kirche. Am 13. April 1396 wird eine Kirche im Gebiet der heutigen Kirchengemeinde Strückhausen erwähnt, die aber bald darauf durch eine Sturmflut zerstört wurde. Dafür baute man 1423 am Popkenhöger Kirchweg die "Neue Kapelle", die ihrerseits zerstört wurde. Man errichtete daraufhin auf dem Platz der alten Kirche den heutigen Sakralbau, die man, weil sie auf dem Platz des zerstörten Hauses stand, als "Alte Kirche" bezeichnete, während die Kapelle am Popkenhöger Kirchweg "Neue Kirche" genannt wurde. Die Strückhauser Kirche besaß einmal eine Arp-Schnitger-Orgel, die der Meister 1693 lieferte, die indes 1914 durch einen Neubau ersetzt wurde. Im Jahre 1968 wurde die alte Orgel durch Werner Bosch restauriert. Im Jahre 1657 baute man die Empore in die Kirche ein. Sie erhielt 1661 ihre Bemalung. Der Taufstein stammt aus dem Jahre 1660.

-1520-

1520 Jever. Sturmflut.
1520-1570 Jever. Die Made wird zugeschlagen.
1520 Kniphausen. Fulf von Kniphausen lässt aus dem Gebälk der Bordumer Kirche sowie des Kirchturms, die nach der Sturmflut von 1511 aufgegeben worden waren, das erste Kniphauser Siel legen. 1570/71 wird ein neues Siel gebaut, weil das alte durch die Allerheiligenflut 1570 zerstört worden war. Auch dieser Durchlass musste im Jahre 1609 neu gebaut werden (Im Jahre 1607 bauten die Rüstringer ihr eigenes Siel, nachdem ihr Gebiet bis dahin durch das Kniphauser Siel entwässert worden war). 1625 wurde das Kniphauser Siel durch eine Flut so gründlich zerstört, dass man es nicht mehr erneuerte, vielmehr das Rüstersieler Siel nutzte. (Den Hafen bezeichnete man weiterhin als Kniphauser Siel, was aus juristischer Sicht wichtig war. Weil nämlich Kaiser Napoleon Kniphausen vergessen hatte, als er den Handel zwischen seinem Machtbereich und Großbritannen verbot, galt der Staat neben Schweden von 1806 bis zum März 1808 als neutral. Schiffe, die hier beheimatet waren, durften also frei zwischen dem Kontinent und den britischen Inseln verkehren. Zum Nachweis genügte es, dass die Reeder oder Kapitäne auf der Burg Kniphausen einen Heimatschein lösten, durch den bestätigt wurde, dass sie in der Herrschaft Kniphausen, genau: im Innhauser Siel, zu Hause seien, das 1734 gelegt worden war und seither vor allem als Hafen für die Herrschaft Kniphausen diente, da Rüstersiel auf jeverschem Gebiet lag. Der Spuk fand ein Ende, als holländische Zollsoldaten die beiden Häfen, das Rüstersiel und das Innhauser Siel, sperrten.
1520 Jever: Heinrich Cramer aus Esens predigt in Jever das Evangelium im Sinne Martin Luthers. Die drei Fräulein von Jever (von denen Maria von jetzt an als die Bestimmende hervortritt) lassen den Mann gewähren. Riemann: Remmer von Seediek "war der neuen  Lehre zugetan und machte die Damen darauf aufmerksam, dass die Zulassung der Reformen, wenigstens ein stillschwei-gendes Gewährenlassen Cramers, in ihrem wohlverstandenen Interesse sei. Er bewies ihnen auch, dass beim Versuch gewaltsamer Unterdrückung der Neuerung, die immer weitere Kreise ergreifen werde, ihnen leicht die wenig gesicherte Herrschaft aus den Händen gleiten könne. Nur durch Nachsicht gegen die evangelische Lehre dürften sie hoffen, ihre Untertanen bei Gehorsam zu erhalten und ihren Anschluss an Ostfriesland zu hindern. Sein Rat war überzeugend. Die jeverschen Fräulein ließen sich von ihm bewegen, jeglichen Zwang nach beiden Seiten hin sich zu enthalten und nur für die stille und friedliche Entwicklung der Angelegenheit einzutreten, während sie selbst noch lange Zeit der alten Kirche anhänglich blieben." (Riemann: Geschichte des Jeverlandes, 2. Bd. S. 63-64)
1520 - 1529 Heppens. Umfangreiche Deichbaumaßnahmen im Jeverland. Die Made in Rüstringen (Bant) wird zugeschlagen und das Rüstringer Siel gebaut. Im Jahre 1523 entsteht ein neuer Deich bei Seediek. 1525 erfolgt die Umdeichung von Sonderahm und im Jahre 1529 wird der Deich bei Heppens wiederhergestellt. "Damit war der größere Teil des durch die Fluten von 1509 bis 1511 verlorenen Landes dem Meere wieder abgerungen." (F. Riemann: Geschichte des Jeverlandes. S. 46
1521 Bremen. In der Stadt herrscht die Pest. 70 Tote müssen in einer Grube bestattet werden. Wie viele Opfer die Epidemie fordert, ist unbekannt.
1521 oder 1523 Esenshamm. Edo Boling wird Pfarrer in Esenshamm. Er hat in Wittenberg studiert und predigt nun die neue Lehre, womit er in seiner Gemeinde auf Widerstand stößt, die sich noch 1530 in Ovelgönne darüber beklagt, dass sich ihr Pfarrer gegen sie setze und Zwietracht unter dem Volk mache.
1522 Bremen. Das Kapitel will den Dom zu einer gotischen Hallenkirche umbauen und lässt deshalb das Nord-Schiff abreißen und so umbauen, dass es nahezu die Höhe und den Umfang des Hauptschiffs erhält. Der Plan wird dann nicht weiter verfolgt, weil inzwischen die Reformation eintritt mit der Folge, dass der Dom bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vernachlässigt wird.

Hintergrund: Während sich die Stadt dem calvinistischen Glauben zuwendet, bleibt der Dom lutherisch, da er dem erst katholischen, dann lutherischen Erzbischof bzw. dessen Rechtsnachfolgern gehört. Er untersteht also bis 1803 einer fremden Landeshoheit, nämlich zunächst Erzbistum, dann dem Herzog-tum Bremen. Die Schweden und später die Hannoveraner hatten aber kein Interesse an dem Bau, weshalb er mehr und mehr verfällt. Immerhin wird er nicht, wie der Dom in Hamburg, abgerissen.

1522 Esens. Hero Omkens von Esens stirbt. Sein Nachfolger wird der Junker Balthasar (bis 1540).
1522-1533 Bremen: Die Weserbrücke wird durch einen "Zwinger" gesichert. Er erhält den Namen "Die Braut"
1522, 9. 11. Bremen: Heinrich von Zütphen, ein niederländischer Mönch, verkündet zum ersten Mal in der St. Ansgari-Kirche in Bremen die neue lutherische Lehre, wobei er betont, dass die Geistlichkeit dem Rat der Stadt zu gehorchen habe, nicht aber dem Papst und den Bischöfen. Das Domkapitel wendet sich gegen die neue Lehre, die sehr aggressiv vorgetragen wurde, während der Rat mehrheitlich mit ihr sympathisiert. Das wurde deutlich, als Erzbischof Christoph den Konflikt vor den Landtag der Erzdiözese bringt: die Vertreter der Stadt Bremen behaupten, nie etwas von Luther und seiner Lehre gehört zu haben und verlangen, dass der Mönch gehört wird. Am 20. Dezember 1522 kommt es zu neuen Verhandlungen auf der Giehler Mühle zwischen den Bremern und dem Erzbischof, wobei jene erklären, sie seien zum Schutz des Mönchs verpflichtet, so lange Heinrich von Zütphen nichts Nachteiliges nachgewiesen werde. Nun muss also ein theologischer Disput stattfinden, der am 10. März 1523 anlässlich einer Provinzialsynode in Buxtehude veranstaltet wird. Diese Beratung brachte natürlich kein Ergebnis und so ließ Erzbischof Christoph von Braunschweig das Wormser Edikt gegen Luther an dem Domportal und an dem Rathaus anschlagen. Nun drohten der Stadt Acht und Bann, falls sie weiter den Mönch Zütphen gewähren ließ. Es folgten weitere Verhandlungen mit dem Erzbischof, in denen die Vertreter der Stadt sich auf das Konzil beriefen, das demnächst zusammentreten und in den Glaubensfragen entscheiden solle. So lange wolle man nichts gegen Heinrich von Zütphen unternehmen. Zum Hintergrund: Die Lutheraner verkündeten zwar eine Lehre, die mit derjenigen der Römischen Kirche nicht zu vereinbaren war, änderten aber, wenn man einmal von dem Abendmahl "in beiderlei Gestalt" absieht, an den Gebräuchen, die man seit jeher gewohnt war, nichts, so dass der Bruch nicht allzu deutlich wurde. Dass aber bei der Kommunion den Laien nicht nur die Hostie, sondern auch der Kelch gereicht wurde, entsprach einer alten Forderung katholischer Christen, die keineswegs mit der Römischen Kirche brechen wollten. Immerhin wurde der Kelch erst im 13. Jahrhundert den Laien entzogen und zwar aus dem praktischen Grund, weil man befürchtete, das Blut Christi zu verschütten, wenn man ihn allen gäbe. Es waren die Hussiten, die die Forderung nach dem Laienkelch die Tagesordnung setzten und die Lutheraner griffen sie wieder auf. Das "Abendmahl in beiderlei Gestalt" war also ein praktisches und kein dogmatisches Problem - ein schönes Beispiel dafür wie sich aus diszplinarischen Konflikten Missverständnisse entwickelten, die dann zu Prestigeproblemen wurden und dann in einem dritten Schritt zum dogmatischen Schisma zwischen der katholischen Kirche auf der einen Seite und der protestantischen Glaubensbewegung auf der anderen ausweitete, das eigentlich erst mit dem Auftreten Calvins irreversibel wurde. Noch heute stehen sich Katholiken und Lutheraner dogmatisch sehr viel näher als diese beiden den Reformierten, was aber, da die Protestanten an ihre Dgomen nicht mehr glauben, in der Praxis keine Bedeutung hat.