-1523-1534-

1523 Bremen: Das Paulskloster wird - mit Zustimmung des Abtes - abgebrochen, weil es durch seine Lage im Falle einer Belagerung die Sicherheit der Stadt gefährdete. Die Mönche wollen in ein Nebengebäude des Doms umziehen. Der Erzbischof und viele Geistliche sehen in diesem Akt aber einen Angriff auf die Kirche, wodurch der Konflikt weiter eskaliert. Das veranlasst den Rat, eine Kommission einzusetzen, die formal die kirchlichen Probleme untersuchen soll, faktisch aber nun das, was man heute als "Reformation" bezeichnet, aktiv weitertreibt - und zwar im Sinne der lutherischen Ideologie, denn nun werden - ab 1524 - gezielt lutherische Prediger in der Stadt angestellt, nämlich Jacob Propst, der in der Liebfrauenkirche predigte, und Johann Timmermann, dem die St. Martini-Kirche zugewiesen wurde. Dafür wurden vier Dominikaner ausgewiesen. Der Konflikt um das Paulskloster macht sehr schön deutlich, wie sich in der sog. Reformation verschiedene Konflikte miteinander verbinden, so dass ein Kompromiss kaum möglich ist, wobei der katholische Klerus durch seine kompromisslose Haltung sehr zur Verschärfung beiträgt. Die Römische Kirche vertrat ja das Prinzip, dass Vermögenswerte, die ihr einmal übertragen worden waren, nicht wieder abgegeben werden durften, was dazu führte, dass in den Städten das, was wir als "Raumplanung" bezeichnen, nicht mehr möglich war, weil man immer auf Grundstücke stieß, die der "toten Hand" gehörten und die weder enteignet, noch angekauft werden konnten. Im Falle Bremens - und auch das ist ein typischer Fall - ging es um die Sicherheit der Stadt, die nur gewährleistet werden konnte, wenn das Paulskloster abgerissen wurde, weil die mittelalterlichen Mauern durch moderne Wälle ersetzt werden mussten, für die man mehr Platz benötigte und da waren die Baulichkeiten des Klosters, das unmittelbar außerhalb der Stadtmauer lag, schlicht im Wege. Das sahen die Mönche zwar ein, aber der Bischof wollte aus Prinzip nicht zulassen, dass das Kloster aufgegeben wurde. Der Fehler der Kirche bestand darin, dass die Kleriker ihre Rechtsvorschriften in unzulässiger Weise dogmatisierten. Damit meine ich: Nach katholischer Lehre sind die prinzipiellen Lehren der Kirche natürlich unveränderlich, aber die Rechtsvorschriften, die die irdischen Verhältnisse regeln, können der jeweiligen Situation angepasst werden, was auch in katholischen Gebieten später auch geschah, aber dazu war der Klerus 1524 nicht bereit. In diesem Konflikt bot Zütphen die Lösung an, indem er predigte, dass die Kirche in weltlichen Dingen dem Rat unterstellt werden solle. Damit konnte dieser natürlich auch über das Vermögen der bremischen Gemeinden verfügen. Das er darüber hinaus auch in Bekenntnisfragen das letzte Wort hatte, war eine Konsequenz, die in der Hansestadt bis zur Revolution von 1918 immer wieder zu Konflikten führte, in denen einzelne Pfarrer, die Bürgerschaft und der Senat heftig miteinander strittem, wobei in aller Regel Pfarrer sowie Bürgerschaft die liberale Richtung vertraten, der Senat dagegen die orthodoxe. Die die Konsequenzen des Konflikts um das Paulskloster  waren gingen also weit über den eigentlichen Anlass des Streits hinaus, aber das konnte man 1524 nicht ahnen.
1524-1533 Bremen: Bau des Stephanitor-Zwingers.
1524 Bremen: Anfang März kommt es zu einem sozialen Konflikt zwischen der Bürgerschaft und Gewandschneidern, die vom Rat Buden am Liebfrauenkirchhof gepachtet hatten. Worum es konkret ging, wird nicht klar, aber offenbar bildeten die Textilhändler ein Kartell, von dem andere ausgeschlossen waren, die aber ebenfalls ihre Waren verkaufen wollten. Wenn man so will, ein klassischer Konflikt, der hier dergestalt gelöst wurde, dass man die neuen Wettbewerber zuließ.
1524 Bremen: Erzbischof Christopher lädt die Stadt Bremen am 1. September 1524 vor den Landtag, der in Basdahl tagt. Er verlangt die Ausweisung des Predigers von Zütphen und eine finanzielle Entschädigung für die Zerstörung des Paulsklosters, was die Delegierten der Stadt ablehnen. Die Stadt verstärkt in diesem Jahr in Erwartung eines welfischen Angriffs ihre Befestigungen. Heinrich von Zütphen verlässt indessen am 28. November 1524 Bremen, um in Meldorf sein Evangelium zu verkünden, wo er am 10. Dezember 1524 auf Betreiben der Bauern als Ketzer verbrannt wurde. Die Vorgänge in Jever und - cum grano salis - auch in Butjadingen einerseits und in Bremen auf der anderen Seite lassen ein Schema erkennen, nach dem jedenfalls die lutherische Reformation ablief: Das Motiv, das zur Änderung der Kirchenverfassung führte, bestand darin, dass die neue Theologie zunächst die Ausplünderung der Kirchen rechtfertigte, und dann die bisherige Doppelherrschaft von Weltlichem und Geistlichem Regiment beseitigte, indem sie das Amt des Priesters dem des Regenten jedenfalls in säkularen Belangen unter-ordnete. Weder die Feudalherren noch die patrizischen Räte in den Städten konnten der Versuchung widerstehen, so ihre Macht zu vergrößern. Widerstand gab es offenbar dort, wo ein wirtschaftlich starkes Bürgertum über keine politische Macht verfügte, also eine Religion, die ihr lieb geworden war und sicherlich auch manchen Nutzen gebracht hatte, einbüßen sollte, ohne dafür einen materiellen Vorteil zu erlangen. Das war in Butjadingen der Fall, wo die Bauern sich, wenn auch vergeblich, gegen den neuen Glauben wehrten, nicht aber in Bremen, wo diejenigen, die reich waren, auch an der Macht teilhatten, diejenigen aber, die nichts besaßen, auch nicht gefragt wurden, also für uns stumm blieben.  
1524 Wulsdorf. Soldaten plündern das Dorf.
1524 Esens: Graf Edzard von Ostfriesland greift Harlingen an und zwingt Balthasar, sich ihm zu unterwerfen. Die Burg in Esens soll geschleift werden, was aber nicht geschieht.
1524 Jever: Heinrich Cramer (Rolf Schäfer schreibt "Kremer") aus Esens predigt in Jever den lutherischen Glauben. Damit beginnt die Reformation in diesem Land, die hier, wie überall, sehr widersprüchlich verläuft. Wenn man die revolutionären Vorgänge dieser Zeit klar machen will, muss man zunächst einmal davon ausgehen, dass die katholische Kirche keineswegs so korrupt war, wie das in der protestantischen Propaganda des 19. Jahrhunderts dargestellt wurde - im Gegenteil: das 15. Jahrhundert war geprägt durch eine sehr intensive Volksfrömmigkeit, die eng mit den vorhandenen Institutionen verbunden war. Das gilt auch für das Jeverland, wie sich noch heute an dem künstlerisch sehr wertvollen Altar in Schortens ablesen lässt, den Riemann auf den 16. Oktober 1513 datiert oder an dem Sakramentshäuchen in Tettens, das gar 1525 aufgestellt wurde, als die Abkehr vom alten Glauben in vollem Gange war. Auch gesellschaftlich war der Klerus keineswegs überflüssig geworden. Riemann schreibt: "Vor Einführung der Kirchenreformation wurden die Pfarrämter im Jeverland nicht allein von Welt-geistlichen, sondern vielfach von Ordensgeistlichen und zwar hauptsächlich von den Bremer Franziskanern verwaltet, die während der in jenen Zeiten so oft wiederkehrenden, pestartigen Epidemien für das körperliche und geistige Wohl der Bevölkerung, für Kranken-pflege und Seelsorge Außerordentliches geleistet haben. Viele der Geistlichen besaßen daneben große juristische und technische Kenntnisse und Berechtigungen z. B. eines kaiserlichen Notars, oder eines Feldmessers, und  standen als solche hoch angesehen unter den Landleuten; sie waren mit dem Leben und Treiben derselben eng verflochten und nahmen nach dem Verschwinden des Adels sozusagen die Führungsstelle der Kirchspielsleute ein bei allen Gelegenheiten, wo geistige Interessen in Betracht kamen, so dass ohne ihr Zutun der Übertritt des Landes zur neuen Lehre wohl schwerlich erfolgt sein dürfte." (F. W. Riemann: Geschichte des Jeverlandes, 2. Band, S. 54) Angesichts dieser Situation ist es verständlich, dass Heinrich Cramer, der sich, so Riemann, seit 1520 in Jever aufhielt, vier Jahre wartete, bis er mit seinen Neuerungen hervortrat, also die Messe in deutscher Sprache las und vor allem das Abendmahl "in zweierlei Gestalt" austeilte, den Gläubigen also nicht nur die Hostie, sondern auch den Kelch reichte. Über die Reaktion schreibt Riemann: "Anfänglich fand das Unterfangen in Jever nicht ungeteilten Beifall, den meisten widerstrebte die Neuerung ... Von seinen Gegnern, die als Friesen mit eiserner Zähigkeit am Althergebrachten hingen, wie kaum ein anderer Stamm, wurde er verhöhnt und bedroht." F. W. Riemann: Geschichte  des Jeverlandes, 2. Band, S. 56) Es kann also keine Rede davon sein, dass die Einführung der sog. Reformation als Befreiung erlebten. Und die Obrigkeit war keineswegs einverstanden mit dem, was sich da vor ihrer Burg abspielte. Die drei Fräulein von Jever "untersagten ihm daher jegliche Neuerung im Kirchendienst, verlangten von ihm, dass er sich an die alte Weise in der Lehre und im Gottesdienst halte und bedrohten ihn sogar mit der Landesverweisung, als er endlich, Luthers kühnem Beispiel folgend, sich eine Frau nahm. Dieser Schritt steigerte die Erregung  der Bürgerschaft und der Herrschaft." (F. W. Riemann: Geschichte des Jeverlandes, 2. Bd. S. 56) Dazu Rolf Schäfer: "Skandalös war dabei nicht das Zusammenleben des Priesters mit einer Frau - das Konkubinat im Pfarrhaus war man überall gewohnt - , sondern die Priesterehe." ( Rolf Schäfer: Oldenburgische Kirchengeschichte, 1999, S. 214) In dieser Situation, in der das, was wir heute als Reformation bezeichnen, in Jever also vor dem Scheitern stand, appellierte Cramer an den Grafen Edzard von Ostfriesland, der soeben die Vor-teile der lutherischen Theologie für sich entdeckt hatte, und der schickte sofort drei weitere Prediger des neuen Glaubens, die Cramer unterstützen sollten. Aber es trat noch ein weiterer Helfer auf, nämlich Remmer von Seediek, der, wie wir heute sagen würden, als Vermögensverwalter der drei Fräulein von Jever fungierte und aus diesem Grunde für die lutherische Theologie eintrat, weil sie es nämlich erlaubte, den reichen Kirchenbesitz zugunsten der Herrschaft zu enteignen. Riemann bemerkt: "Kaum war ein Jahr verflossen, da war der größte Teil des Jeverlandes dem Evangelium gewonnen. Die Fräulein hatten es stillschweigend zugelassen, obwohl sie selbst noch lange ihre Anhänglichkeit an die alte Lehre bewahrten. Zu dieser Nachsicht mag sie freilich mitbestimmt haben der Hinweis Remmers, welche Vorteile der Landesherrschaft durch die Aufhebung der Klöster und teilweise des nicht unbeträchtlichen Kirchenvermögens erwachsen würde. Die Konfiskation der ‚Geistlichen und Vikarien-Güter’ begann unter Remmer von Seedieks Leitung schon im Jahre 1526, als die katholisch gebliebenen Geistlichen und Klosterbrüder außer Landes gingen." ( F. W. Riemann: Geschichte des Jeverlandes, Band 2, S. 64) Damit hat Riemann, der sich übrigens persönlich zum Luthertum als dem "wahren Glauben" bekannte, ziemlich deutlich dargestellt, was sich hier abgespielt hat: Cramer predigt den neuen Glauben, wobei er weder bei der Bevölkerung noch bei seiner nominellen Obrigkeit, nämlich den drei Fräulein von Jever, Beifall findet, aber er erhält die Unterstützung des Grafen Edzard, gegen den die Damen im Schloss natürlich nichts ausrichten konnten. Dass Remmer von Seediek die Gelegenheit benutzt, um ihnen die Kasse zu füllen, mögen sie nicht ungern gesehen haben. Die Folge dieser Politik umschrieb Riemann jedenfalls so: "Unter diesem Umständen wird der Abzug der dem alten Glauben treu gebliebenen Geistlichen nicht gerade als ein freiwilliger erscheinen." (F. W. Riemann, Geschichte des Jeverlandes, Bd. 2. S. 65) Und an ihre Stelle traten natürlich lutherische Geistliche, die nunmehr in kahlen Kirchen ihrem Geschäft nach-gingen. Erst in den folgenden Jahrzehnten wurden sie wieder aus-gestattet wurden. Riemann: "Der Erlös aus dem eingezogenen Kirchenvermögen muss kein geringer gewesen sein, denn manche der Kirchen Jeverlands scheint neben reichem Kirchengeschmeide nicht unbedeutendes Barvermögen besessen zu haben. Die Tatsache, dass man heutzutage in den Kirchen des Jeverlandes keinen Altarschmuck, kein kirchliches Geräte mehr findet, welches in die Zeit vor der Reformation zurück-reicht, wird mit vieler Wahrscheinlichkeit auf die damals vorgenommene Beraubung der Kirchen zurückzuführen sein." (F. W. Riemann: Geschichte des Jeverlandes, Band 2, S. 66)
1524, 9. 8. Land Wursten. Schlacht bei Mulsum. Erneute Niederlage der Wurster im Kampf gegen den Erzbischof Christoph von Bremen. Das Land wird von den Söldnern völlig ausgeplündert. Nur sieben Häuser sollen unversehrt geblieben sein. Viele Einwohner fliehen bis nach Ostfriesland. Danach besetzt die Truppe das Land Hadeln, das ebenfalls ausgeraubt wird und schließlich fällt sie auf dem Rückmarsch noch einmal über Wursten her. Erst im Dezember 1524 können die Flüchtlinge in ihre verwüstete Heimat zurückkehren. Das Ergebnis des Feldzuges war, dass die bisherige Konsulatsverfassung des Landes Wursten aufgehoben wurde. An die Stelle der Redjeven traten in den Kirchspielen erzbischöfliche Vögte. Nur im Deichbau gab es noch eine gewisse Selbstverwaltung. Die letzte Bauernrepublik westlich der Elbe bestand nicht mehr.
1525 Berne. Ein Sturm weht den Helm vom Turm. Im Schiff wird ein Gewölbe durchschlagen und der Taufstein zertrümmert. Der Wiederaufbau erfolgt erst 1540.
1525 Oldenburg. Der Graf drängt durch eine neue Deichordnung die Mitwirkungsmöglichkeiten der "Erbexen"weiter zurück.
1525, 28. 6. Stade: Erzbischof Christoffer einigt sich mit den Städten des Erzbistums über die künftige Verwaltung des Landes Wursten. Die Marsch wird Teil des Erzbistums. Die Ratgeber werden abgeschafft. An ihre Stelle treten in den Kirchspielen Vögte, die vom Erzbischof ernannt werden.

Im September dringt Herzog Magnus von Sachsen-Lauenburg noch einmal in das Land ein und besetzt es auch. Der Erzbischof kann aber - mit Unterstützung der Stadt Bremen -bereits im Oktober in Lehe ein Heer versammeln und den Bezirk erneut besetzen. Damit war der Kampf entschieden: Das Erzbistum behielt das Land Wursten und der Herzog von Sachsen-Lauenburg musste sich mit dem Land Hadeln begnügen.

1525 Esenshamm. Edo Boling, Sohn eines Hovetlings, predigt zuerst die lutherische Lehre, die er in Wittenberg studiert hat, und wird dafür von den empörten Hörern ins Reith gejagt, wo er sich versteckt hält, bis er von Anton I. wieder hervorgeholt wird. Er amtiert dann weiter in Esenshamm, wo er am 2. April 1574 stirbt.
1525 Tettens. Sakramentshäuschen in Tettens (Jeverland).
1525 Burhafe. Johannes Visbeck aus Esens wird, nach einem Studium in Wittenberg, Pfarrer von Burhafe. Beginn der Reformation in Harlingen, die zunächst in den Gemeinden Burhafe, Dunum und Ardorf eingeführt wird. Das übrige Land bleibt katholisch. Junker Balthasar behindert die Neuerung nicht.
1525 Sande: Am Nordufer des Schwarzen Bracks wird, südlich von Sande, ein Deich gebaut. 1544 folgt der Deich von Neustadt-Goedens nach Horsten. 1576 wird der Deich Horsten-Driefels fertig Damit beginnt die Sicherung des restlichen Marschlandes und in Folge davon die Eindeichung des Schwarzen Bracks, die bis 1883 andauert. Dann wird auf Grund des Reichskriegshafengesetzes die weitere Landgewinnung am Jadebusen untersagt.
1526, 2. 1. Verden: Der Erzbischof Christoffer, der als Bischof von Verden an diesem Ort frei schalten und walten konnte, lässt den evangelischen Pastoren Johann Bornemacher als Ketzer verbrennen. Bornemacher war zunächst Augustinermönch in Walkenried, dann Prediger an St. Remberti in Bremen. Er reiste Anfang 1525 nach Wittenberg und kam auf der Rückkehr durch Verden, wo er im Dom laut gegen ein Marienfest protestierte. Das Domkapitel machte ihm den Prozess und ließ ihn dabei foltern, aber Bornemann konnte entkommen, kehrte jedoch aus unbekannter Ursache zurück und wurde erkannt. Damit war sein Schicksal besiegelt. "Ein eigenartiger Mensch mit manchen Widersprüchen", urteilt Schwarzwälder (Geschichte der Freien Hansestadt Bremen Bd. 1, S. 182). Für die Bremer war der Vorgang deshalb von Belang, weil sie an diesem Beispiel sehen konnten, was ihnen bevorstand, falls Erzbischof Christoffer die Oberhand gewinnen würde. Also sorgte man vor, indem man die Stadt rasch und effektiv befestigte.
1526 Jever: Remmer von Seediek beginnt mit der Einziehung der Kirchengüter. Das Jeverland macht sich kirchenrechtlich vom Erzbistum Bremen unabhängig.
1527-1536 Jever. Anna und Maria von Jever lassen das Jeversche Landrecht kodifizieren und zwar "mit rat, consent und vulbort aller unserer guden männer, hovetlinge, borger und gemeenten" (aber ohne die Pastoren).
1527 Jever: Graf Enno von Ostfriesland erobert Jever. Er ernennt Boing von Oldersum zum Drosten von Jever. Am 27. September 1527 huldigt die "Meente Meene" auf dem Kalkberge dem Grafen von Ostfriesland und den Fräulein von Jever.
1527 Esens: Dem Ort werden die "Stadtrechte"verliehen. (Damit erhielt der Ort eine gewisse Autonomie. Was das konkret bedeutete, war im Einzelfall höchst unterschiedlich.)
1528, 14. 2. Aurich. Edzard der Große, Graf von Ostfriesland, stirbt. Nachfolger wird Enno II.
1528 Bremen: Im ehemaligen Katharinenkloster wird eine Lateinschule eingerichtet. Aus der Schule ging 1610 das Gymnasium Illustre hervor, das fast eine Universität war.
1529 Bremen: Die Stadt schließt sich auf dem Reichstag in Speyer dem "Protest" der deutschen Fürsten und Städte an, der in der berühmten Formel endet: "Ein jeder Reichsstand möge sich so verhalten, wie er es vor Gott und kaiserlicher Majestät zu verantworten sich getraut." Damit war die Kirchenspaltung vollendet. In Bremen selbst wird der Dom für den katholischen Gottesdienst gesperrt. Wer dennoch an einem solchen teilnimmt, zahlt eine hohe Geldstrafe - ein schönes Beispiel lutherischer Toleranz.
1529 Bant. Im Landesviertel Bant muss infolge der jüngsten Sturmfluten der Deich weit zurückverlegt werden. Außer der Kirche von Bant selbst müssen die Kirchspiele Ahm, Bordum, Oldebrügge, Seediek und die Johanniter-Komturei Hoven aufgegeben werden. Die Deichlinie bleibt dann aber bis zu den Erweiterungen des Kriegshafens in dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bestehen. Damals wurde auch das Banter Siel gebaut, das die Gemarkungen von Neuende, Heppens und dem restlichen Bant entwässerte. Das Siel wurde 1615 oder 1625 beschädigt, aber erst 1719 verlegt und wieder aufgebaut. 1765 musste es erneuert werden. Im Jahre 1860 errichtete man einen Durchlass aus Stein. Er wurde schließlich beseitigt, als man von 1905 bis 1909 den Kriegshafen erweiterte.
1529-1545 Jever: Im Land wütet der "englische Schweiß", der den Betroffenen innerhalb von 24 Stunden den Tod bringt.
1529, 26. 10. Utrecht. Vergleich zwischen Graf Enno von Ostfriesland und Graf Anton von Oldenburg: Enno verzichtet auf Butjadingen und Anton auf das Jeverland.

-1530-

1530 Bremen: Verfassungskrise in Bremen. Hintergrund ist die sehr komplizierte Verfassung der Stadt, deren Organe sich in der Hand oligarchischer Cliquen befanden, die sich nach außen abgeschlossen hatten. Wer nicht dazu gehörte, also über kein nennenswertes Vermögen verfügte, konnte auch nicht mitbestimmen. Hinzu traten soziale Spannungen, die festgemacht wurden an Streitigkeiten über die Nutzung der Bürgerweide, die offenbar stillschweigend von denen, die die Macht hatten, im Laufe der Zeit zu ihren Gunsten verkleinert worden war. Ein drittes Moment war sicherlich, dass die Reformation ganz allgemein die Menschen in Unruhe versetzt hatte. All dies kam also zusammen und löste den "Aufstand der 104" aus. Die Unruhen beginnen mit einer Petition der "armen Gemeinde", die darin fordert, die alten Verhältnisse auf der Bürgerweide wieder herzustellen. Sie wird am 24. August 1530 in einer Volksversammlung beraten, die in der Ansgari-Kirche stattfindet. Man beschließt, dass ein Ausschuss von 16 Mitgliedern die Beschwerde prüfen soll. Da tritt Hinrich Swancke auf den Plan und verlangt, dass eine Vertretung der Bürgerschaft von 75 Mitgliedern gebildet werde, die den Rat kontrollieren solle (ein sehr moderner Gedanke übrigens, Anm. d. Verf.). Der Rat nimmt diese Weiterung übel und verurteilt Swancke, weil er die Verfassung der Stadt umstürzen wollte, zum Tode. Unter dem Druck der daraufhin einsetzenden Proteste wird er zu lebenslänglicher Verbannung begnadigt. Falls er zurückkehren sollte, werde er hingerichtet. In der eigentlichen Beschwerde bezüglich der Bürgerweide ruft der Rat die Städte Lübeck, Hamburg, Lüneburg, Stade und Buxtehude an - sie sollen in der Sache entscheiden. Die Unruhe der Bevölkerung bleibt indes bestehen, wobei besonders der Deutsche Orden in das Zentrum der Kritik gerät. Am 10. Mai 1531 steigert sich die Stimmung so, dass Menge die Wohnung des Komturs des Deutschritter-Ordens stürmt. Dabei ermordet Johann Kremer, der sonst nicht mehr hervortritt, den Komtur Rudolf von Bardewisch. Die Folge dieses Verbrechens ist zunächst, dass der Rat, der sich als sehr schwach und hilflos erweist, den Ausschuss, der die Weidesache untersuchen soll, von 16 auf 40 Mitglieder verstärkt, je zehn aus jedem Kirchspiel Bremens.

Das nächste Ziel des Volkszorns ist der Dom, in dem noch immer katholische Gottesdienste stattfinden. Das Ergebnis ist in diesem Falle, dass am 6. November 1531 das Domkapitel die Stadt verlässt. Es bleibt nur Johann Grambke zurück, jedenfalls vorläufig. Die ohnehin prekäre innere Lage Bremens wird nochmals verschärft, als Johann Dove die Führung übernimmt und am 2. Januar 1532 in einer Volksversammlung auf dem Domshof durchsetzt, dass der Ausschuss, der die Weidesache untersuchen soll, nochmals um 64 Mitglieder (16 je Kirchspiel) verstärkt wird, so dass er schließlich aus 104 Abgeordneten besteht. Dieses Gremium soll in Zukunft in allen städtischen Sachen mit dem Rat verhandeln. Fürs erste fordert er, dass die Elterleute -die Interessenvertreter der Kaufleute - aus ihren Funktionen entlassen werden, was der Rat zunächst ablehnt, dann aber, nach einer erneuten Volksversammlung am  13. Januar 1532 auf dem Domshof, am 15. Januar 1532, wiederum unter dem Druck der Menge, doch billigt. Damit ist die bisherige Verfassung Bremens außer Kraft gesetzt und durch eine neue ersetzt worden, wobei bemerkenswert ist, dass Dove und seine Freunde offenbar nie versucht haben, den Rat, den sie nach Kräften erpressten, abzusetzen. Dieser hingegen gibt nach, solange ihm die Aufgabe bleibt, die Geschäfte zu führen. Als allerdings die vier Vorsteher der Kirchspiele, Johann Dove, Diedrich Meyer, Wulbern Rulves und Magnus von Sycke, am 19. Januar 1532 auf dem Rathaus erscheinen und Einblick in die laufende Korrespondenz des Rates verlangen, lehnt dieser ab. Auch die Elterleute lassen sich nicht so einfach ihrer Rechte berauben. Sie versammeln sich am 30. Mai 1532 in der Martinikirche und schicken dann eine Delegation ins Rathaus, die dort mit Tumulten empfangen wird. Dove verlangt nun die Enteignung der Elterleute und die Auslieferung aller ihrer Dokumente, was auch geschieht. Die Papiere werden in das Haus Johann Doves gebracht. Damit ist der Sturz der Elterleute abgeschlossen.

Aber schon machen die Aufständischen eine neue Front auf. Diesmal geht es um die lutherischen Prediger, die sich aber als widerstandsfähiger erweisen als der Rat, jedenfalls hält Pastor Jacob Probst den Hundertvier vor, dass sie im Unrecht sind. Als diese aber die Öffnung des (immer noch katholischen) Doms verlangen und von der Martini-Kirche aus zu St. Peter ziehen, ist Probst dabei und hält auch dort die Predigt, während die katholischen Priester im Chor die Flucht ergreifen. Auch Johann Grambke, der letzte Kapitular am Ort, verlässt jetzt die Stadt.

In der Sache der Bürgerweide hat es inzwischen auch Fortschritte gegeben: Am 12. März 1532 ziehen der Rat, die Hundertvier und das ganze Volk um das Gebiet, das nach Ansicht der Beschwerdeführer einmal zur Bürgerweide gehört hatte und ihr nun wieder zugeschlagen werden soll. Um das auch zu realisieren, verlangen die Hundertvier am 6. April 1532, dass den Bewohnern von Utbremen befohlen werden soll, ihre Häuser und Scheunen abzubrechen. Das lehnt der Rat ab. Inzwischen wird bekannt, dass die Aufständischen nun auch die Wittheit - ein Organ, dem  Ratsherren angehören, die noch nicht oder nicht mehr im Amt sind - angreifen wollen, und weil darüber hinaus ruchbar wird, dass nun auch der Rat nicht mehr sicher ist, fliehen die vier Bürgermeister aus der Stadt und begeben sich in das damals bremische Bederkesa. Damit ist die Wende eingetreten: Die Hundertvier verlieren jetzt den Rückhalt im Volk, was darin deutlich wird, dass sie am 8. April 1532 die Bürgermeister ersuchen, wieder zurückzukehren. Diese setzen indessen, als die überlegenen Taktiker, auf Zeit und warten ab, dass sich die Volksbewegung selbst zersetzt. Und in der Tat: bei einer Versammlung am 1. Mai 1532 kommt man zu keinem Entschluss, aber dass die Pastoren Probst und Timann, die die Hundertvier bislang, wenn auch mit Einschränkungen, unterstützt haben, nunmehr die Stadt verlassen, deutet ebenfalls an, dass die Moral der Aufständischen zerbricht. Am 2. Mai 1532 zeigt sich bei einer Versammlung in der Martini-Kirche, dass sich eine Opposition gegen Dove gebildet hat. In der Liebfrauenkirche und in der Ansgari-Kirche kommt es eben-falls zu Auseinandersetzungen, nur St. Stephani unterstützt noch die Revolution uneingeschränkt. Am 10. Mai 1532 kommt es zu neuen Verhandlungen der Hundertvier mit den Bürgermeistern, aber diese verlangen nichts weniger als die Kapitulation, also die Wiederherstellung der alten Verfassung, und sichern den Rädelsführern nicht einmal Straflosigkeit zu. Mag die Partie zu dieser Zeit auch unentschieden stehen, so tritt nun ein Ereignis ein, das Johann Dove buchstäblich den Hals bricht: Im Dom erscheinen Delegierte des Erzbischofs und man sieht den Anführer des Aufstands, wie er mit ihnen verhandelt - egal, worüber sie sprechen: sofort ist der Verdacht da, dass Dove die Stadt dem Erzbischof ausliefern wolle, und nun siegt der bremische Patriotismus über alle anderen Erwägungen und Gefühle. Die Hundertvier, vielmehr das, was von ihnen übrig ist, verlieren den Rückhalt im Volk, zugleich sickern bewaffnete Kräfte der Bürgermeister in die Stadt ein, und als sich das Volk noch einmal am 29. August 1532 auf dem Domshof versammelt, wird deutlich: Der Rat hat die Partie gewonnen und die Hundertvier sind am Ende. Am 6. September 1532 kehren die Bürgermeister in die Stadt zurück und treten wieder ihre Ämter an. Schon am folgenden Tag werden Johann Schröder, Johann Hilgermissen und vor allem Johann Dove festgenommen. Hinrich Swancke, der den ganzen Kladderadatsch ausgelöst hatte, war zu dieser Zeit bereits gestorben. Was folgt, ist die Rache des Rates, die v. Bippen als maßvoll bezeichnet: Johann Kremer, der den Komtur erschlagen hatte, wird bereits am 18. September hingerichtet, ihm folgen Arndt Reddelsen und Diedrich von Bremen in den Tod. Sie waren ebenfalls an der Ermordung Bardewischs beteiligt. Johann Schröder hatte bereits Selbstmord begangen. 22 weitere Rädelsführer, die geflohen waren, wer-den aus der Stadt verbannt und dürfen nicht mehr zurückkehren, es sei denn, dass sie hingerichtet werden wollen. Am 2. Dezember 1532 schließlich, das beste kommt immer zum Schluss, wird Johann Dove vom Leben zum Tode gebracht. Er habe, so berichtet der Ratssekretär Jakob Louwe, vor dem Tode an die Mitglieder des Rates, die vom Rathaus aus dem Schauspiel zusahen, in herzlicher Weise um Verzeihung gebeten und das Volk ermahnt, der Obrigkeit gehorsam zu sein. Dove sei, so betont v. Bippen in seiner Darstellung, durch die dreimonatige Haft körperlich gebrochen gewesen, und sagt in einem kurzen Nachruf, dass er ein Mann gewesen sei, "den die Wellen der Revolutionsflut auf eine Stelle gehoben hatten, der weder sein Geist noch sein Charakter gewachsen war, und der nun zur spät zur Einsicht seines thörichten Beginnens gekommen war." (v. Bippen: Geschich-te der Stadt Bremen, Bd. 2, 1898, S. 89) Dove und seinen Genossen, so fügt von Bippen wenige Zeilen später hinzu, habe jede staatsmännische Einsicht gefehlt. Sie hätten weder ein klares Ziel vor Augen gehabt, noch verstanden, das für ihre Mittel Erreichbare abzuwägen. "Sie waren Demagogen von gewöhnlichstem Schlage und haben das Geschick, das sie ereilte, völlig verdient." (v. Bippen: Geschichte der Stadt Bremen, Bd. 2, 1898, S. 89) (v. Bippen: Geschichte der Stadt Bremen, Bd. 2, 1898, S. 89) 

Der Bremer Historiker v. Bippen betont allerdings auch, dass wir nur die Darstellung der Gegner dieser Revolution in Händen haben, aber auch Schwarzwälderkommentiert den Tod Johann Doves so: "Das war nun das Ende eines jener ‚linke’ Revolutionäre mittelmäßigen Formats, von denen die Geschichte Bremens eine ganze Reihe aufzuweisen hat." (Geschichte der Freien Hansestadt Bremen, Bd. 1, S. 207) Warum "mittelmäßig"? "Er (Dove nämlich, Anm. d. Verf.) war gewiß ein Mann, der die Gemeindeinteressen mit einigem Idealismus und großer Beredtsamkeit vertreten, aber die Grenzen der Demokratie nicht ganz aus den Augen gelassen hatte," schreibt Schwarzwälder wenige Zeilen vorher. In der Tat steht er in der Geschichte der Revolutionen ziemlich einzig da: Hochgespült durch den Schwung begeisterter Massen, beruft er sich, als die Routine einkehrt, nicht auf ein unfehlbares Dogma, das ihn zur Herrschaft berechtigt (wie später beispielsweise Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin), sondern tritt, nachdem er sein Scheitern eingestanden hat, in das Glied zurück. Dass er dann trotz der Amnestie, die ihm gewährt wurde, wegen belangloser, im Übrigen auch noch zweifelhafter Delikte zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde, gehört zu den Grausamkeiten, die den "weißen Terror" nun einmal auszeichnen - und auch der gehört zur bremischen Geschichte.

1530 Oldenburg: Die Grafschaft wird lutherisch. Der Vorgang geschieht nicht abrupt, weil die Gräfin-Mutter katholisch bleibt, während Graf Anton sich opportunistisch verhält, aber jetzt ist die politische Lage günstig, so dass er den Schritt wagt. Sein Motiv ist nicht der Glaube, sondern das Gewinnstreben, denn die Übernahme des lutherischen Glaubens gestattet ihm, die Kirchen, in denen sich im Laufe der Jahrhunderte enorme Reichtümer angesammelt haben, zu seinem Vorteil auszuplündern. Außerdem nutzt er das Grundvermögen der Kirche, um seine Beamten zu versorgen. Glücklicherweise gab es damals keinen Kunsthandel, und die Lutheraner hatten auch nichts gegen Bilder in der Kirche einzuwenden, so lange sie nicht ihrer Ideologie widersprachen, und so bleiben in der Grafschaft Oldenburg wenigstens einige Kunstwerke des Mittelalters erhalten. Der kulturelle Schaden war dennoch groß genug: So wurde in der Zeit der Reformation die große gotische Kirche in Hude als Steinbruch genutzt und auf diese Weise, bis auf einige Reste, zerstört.
1530, 5. 11. Jever: Sturmflut. Schäden entstehen diesmal in Holland.
1530 Sande: Nach verheerenden Fluten, bei denen viel Land verloren ging, schließen sich die Reste der alten Kirchspiele Ahm und Seediek mit Sande zu dem neuen Kirchspiel Sande zusammen. Seither entstanden im Jadebusen viele Groden.
1531 Jade: Deichordnung für die Vogtei Jade. Älteste Deichordnung in der Grafschaft Oldenburg.
1531, 1. 11. Jever: Allerheiligenflut
1530 Jever: Rüstringen ist wieder vollständig durch Deiche geschützt. Die Flut hatte 1080 Hektar genommen, von denen von 1511 bis jetzt 660 Hektar zurückgewonnen wurden. 420 Hektar bleiben verloren.
1530, 18./19. 6. Harlingen. Graf Enno erobert die Burg Wittmund und belagert anschließend Esens, das am 28. September 1530 kapitulieren muss. Balthasar muss sich erneut unterwerfen und die Herrlichkeit Wittmund an Ostfriesland abtreten. Die Herrlichkeiten Esens und Stedesdorf werden überdies verkleinert. Esens wird nun tatsächlich geschleift. Esens wird ostfriesisches Lehen. Graf Enno II. schickt nach seinem Sieg über Balthasar von Esens den Pfarrer Fabian nach Wittmund, damit dieser dort die Reformation einführt. Balthasar von Esens dagegen unterwirft sich dem Herzog Karl von Geldern. Dieser versucht das Land zu rekatholisieren. Die lutherischen Prediger werden vertrieben.
1530 Westerbur. Das Kirchspiel wird zum ersten Mal erwähnt.
1531 Blexen: Graf Anton I. zieht durch die Dörfer der Marsch und stiehlt aus den Kirchen, was er nur immer brauchen kann. In Blexen nimmt er beispielsweise das Blei an sich, mit dem die Kirche gedeckt ist, so dass der Bau in den nächsten Jahrzehnten als Ruine liegen bleibt. Wann sie wieder aufgebaut wurde, ist unbekannt. Der Landesherr eignet sich auch einen großen Teil des Grundvermögens der Gemeinden an und auch alles andere, was er für sich verwerten kann, so im Falle Blexens die Fähre, die das Dorf mit der Geestemündung verband und die bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal erwähnt wird.
1531 Tossens. Der Ruhwarder, Düker und Tossenser Groden werden eingedeicht. Der neue Damm wird sieben Kilometer lang. Anton I. setzt die umfangreichen Deichbaumaßnahmen seines Vaters fort, gibt das so gewonnene Land aber nicht, wie sein Vorgänger, "zu Meierrecht" an Bauern von der Geest aus, sondern bewirtschaftet es, jedenfalls zum größten Teil, selbst.
1531 Esens: Junker Balthasar entkommt aus Esens in die Niederlande und nimmt Harlingen vom Herzog Karl von Geldern zu Lehen. Dieser schickt einen eigenen Vogt nach Esens, der versucht, das Land erneut dem katholischen Glauben zuzuführen. In der daraufhin folgenden "Geldrischen Fehde" zwingt der Herzog von Geldern im Jahre 1534 den Grafen von Ostfriesland, in Harlingen (einschließlich Wittmund) diesen Sachverhalt anzuerkennen, also auf Esens zu verzichte. Essens wird bei dieser Gelegenheit wieder einmal niedergebrannt.
1531 Varel: Der Ort wird protestantisch. Graf Anton I. bestellt Theile Röben (auch "Hanneken" genannt) als neuen Pfarrer. (gest. 1559)
1531 Jever: Die Ostfriesen belagern das Schloss von Jever. Die Kirche im Ort brennt bei dieser Gelegenheit ab. Boynck von Oldersum sagt sich von dem Grafen von Ostfriesland los. Wann das genau geschehen ist, bleibt unklar. Riemann meint, der Schritt sei vor dem 27. Mai erfolgt. Zunächst schließt sich nur Jever mit Rüstringen dem Schritt an, während das Wangerland und Östringen neutral bleiben. Von den Eingesessenen tritt vor allem Tido von Inn- und Kniphausen auf die Seite des Grafen von Ostfriesland.

Jetzt wird offenkundig, dass Graf Enno zwei Fehler begangen hat. Zunächst hat er das Eheversprechen, das er bzw. sein Vater dem Fräulein Maria gegeben hatte, nicht gehalten, vermutlich weil er nicht einsah, dass er rechtlich absichern musste, was er faktisch bereits besaß, und zum andern hat er sich in der Person Boyncks von Oldersum geirrt, der seine Güter in Ostfriesland dran gab, um die Herrschaft im Jeverland zu erlangen, die er allerdings erst erobern musste. Wir stoßen hier auf einen bemerkenswerten Charakterzug des Fräuleins: sie wusste Männer loyal an sich zu binden. Das gilt nicht nur für Boynck von Oldersum, sondern auch für Remmer von Seediek, der in ihrem Auftrag das Jeverland organisierte und zu der Einheit brachte, die bis heute besteht, und schließlich für den unbekanntesten in dieser Reihe, nämlich Menne von Roffhausen, der 1517 außer Landes ging, um seine Loyalität gegen die Fräulein von Jever (und gemeint war sicherlich schon damals Maria) nicht zu verletzen. Er starb dann in Schleswig Holstein "einen ehrlichen Soldatentod", wie Riemann schreibt.

1531 Langwarden. Der Langwarder Groden ist eingedeicht.
1532, 23. 3. Bremen: Am Palmsonntag besetzen die "104", die zu dieser Zeit das Regiment in der Stadt an sich zu bringen suchten, den Dom und schlugen die Messbücher demonstrativ zu, dafür predigte der evangelische Pfarrer Jacob Probst über den Einzug Jesu in Jerusalem. Die Folge war, dass der Domprobst die Stadt verließ und der Dom bis 1547 geschlossen wurde.
1531 Jever: Anna von Jever überlässt ihrer Schwester Maria ihren Anteil an der Herrschaft. Maria  herrscht von nun an allein.
1532 Jever: Fräulein Maria  erlässt ein Mandat, "mit dem die Reformation in der ganzen Herrschaft durchgeführt wurde. Die Lehre des Evangeliums soll lauter, rein  und klar, ohne alle Missbräuche und unverfälscht gepredigt, die heiligen Sakramente  nach der Einsetzung Christi und nach seinem Wort und Befehl ausgeteilt werden." (Rolf Schäfer: Oldenburgische Kirchengeschichte, 1999, S. 216)
1532, 6. 9. Jever. Ubbo von Kniphausen und Diedrich Düren erklären Maria  den Krieg. Am 10. September beginnt die Belagerung der Burg. Jever selbst wird bei dieser Gelegenheit erneut niedergebrannt. Das Unglück trifft auch die Kirche. Boynck hat inzwischen Jever verlassen, um Hilfe zu organisieren. Die kam auch zustande, weil die Königin Maria von Ungarn als Statthalterin Kaiser Karls V. die Herrschaft Jever für das Herzogtum Brabant und die Grafschaft Holland zu Lehen nahm und so am 9. Dezember 1532 die Einstellung der Feindseligkeiten erzwingt. Gleichzeitig wird Jever offiziell vom Kaiser in Besitz genommen, eine Entscheidung, die Graf Enno anficht. Der Prozess wird am 28. Januar 1533 in Den Haag eröffnet und endet am 1. April 1534 mit einer Niederlage des Grafen von Ostfriesland. Das bedeutete, so Riemann, den endgültigen Verlust Jevers für die Herr-scher in Ostfriesland.
1532, 1./2. 11. Jever: 2. Allerheiligenflut. Betroffen ist diesmal Schleswig-Holstein, wo Eiderstedt überflutet wird und das Wasser in der Kirche von Ribe steht. Auf Nordstrand verzeichnet man elf Deichbrüche.
1532 Mederens. Zwischen 1532 und 1542 geht der Ort unter. Die Reste werden nach Hohenkirchen eingepfarrt.
1532 Esens: Die Pest rafft viele Einwohner dahin.
1534 Stedingen. Sturmflut. Schäden bei Drei-sielen.
1534 Middoge. Maria von Jever erlaubt Fulf von Middoge auf seinem Gut eine Windmühle zu bauen. Erste Windmühle im Jeverland. Das Bauwerk brennt am 7. August 1789 ab, wird aber 1790 wieder aufgebaut.
1534 Esens. Junker Balthasar kehrt nach Esens zurück.
1534 - 1536 Bremen: Die Befestigungen der Stadt werden verstärkt. Am 3. Oktober 1534 wird der Zwinger am Stephanitor fertiggestellt, an dem man zehn Jahre gebaut hatte. Außerdem schüttet man weitere Bastionen auf.
1534 Bremen: Der Rat genehmigt die Kirchenordnung für die Stadt Bremen, der Luther zugestimmt hatte. Sie wird in Magdeburg gedruckt. Zuvor - im September 1534 - hatte sich der Rat mit dem Erzbischof Christoffer geeinigt. Der Vertrag betraf einige Vermögensangelegenheiten. Die theologischen Fragen, vor allem die Entscheidung über die Form des Gottesdienstes, wurde vertagt, bis die Entscheidung des nächsten Konzils vorliegen sollte.  
1534 Bremen. In der "Neuen Eintracht" verbietet der Rat alle eigenmächtigen Zusammmenkünfte innerhalb der einzelnen Handwerke, um so die Gesellen daran zu hindern, gemeinsame Verabredungen, etwa zum Streik, zu treffen. Durch solche und ähnliche Vorschriften tritt die Arbeiterbewegung in das Licht der Geschichte.
1534, 9. 12. Bremen: Erzbischof Christoph besucht feierlich den Dom. Er findet sich mit dem bisherigen Stand der Dinge ab, weil Bremen ihm finanziell entgegen kommt. Der Status des Doms soll erst nach einem Konzil geklärt werden.