-1556-1599-

1556 Jever: Im Land herrscht die Pest
1556 Jever: Fräulein Maria beginnt mit dem Wiederaufbau der Kirche in Jever. Zunächst lässt sie den Chor bauen.
1556 Kniphausen: Tido von In- und Kniphausen ernennt den reformierten Pfarrer Peter von Deelen zum Pfarrer von Sengwarden, der sich aber zunächst dadurch unbeliebt macht, dass er in der Kirche nächtlicherweise die Orgel und den Altar zertrümmert.
1556 Schweiburg: Sturmflut am Jadebusen.
1557, 9. 7. Blexen: Graf Anton I. plündert die Blexer Kirche. Er nimmt nicht nur das wertvolle Altargerät mit, sondern lässt auch das Bleidach des Hauses abdecken. Bei dieser Gelegenheit verschwindet ebenfalls die "Keule des Hippolyth", ein rätselhafter Gegenstand, der möglicherweise noch aus heidnischer Zeit stammte und vormals vermutlich dem Thor gewidmet war.
1557 Jever: Bau des Wangertors. 1815 abgebrochen.
1558 Jever: Bau des Gast- und Armenhauses
1559, 15. 11. Jever. Sturmflut

-1560-

1560 Lepstedt: Das Lepstedter Siel wird aufgegeben.
1560 Jever: Das Grabmal für Edo Wiemken d. J. in der Stadtkirche von Jever errichtet.
1560-64 Jever: Die Kassettendecke im Schloss zu Jever entsteht. Sie wird der Werkstatt des Antwerpener Bildhauers Cornelis Floris zugerechnet.
1560 Jever: Münzhaus an der St. Annen-Str.
1561 Bremen. Endlose theologische Streitereien, in deren Mittelpunkt der lutherische Domprediger Hardenberg stand, führen dazu, dass der Rat den Pfarrer aus der Stadt weist und der Dom für 77 Jahre geschlossen wird
1561 Bremen: Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts bemüht sich die Schiffer-gilde in Bremen um die Versorgung verarmter Seeleute. Kapitäne organisie-ren um 1540 eine "Gotteskiste", die von acht Verordneten und 22 Beisitzern verwaltet wird. Die Stiftung erwirbt 1561 ein Haus an der Hutfilterstraße, in dem verarmte Mitglieder der Schiffer-gilde untergebracht werden konnten. Das ist das erste "Haus Seefahrt", das aber 1874 abgebrochen wurde. Nur das Tor blieb erhalten und befindet sich heute im Focke-Museum. Die Stiftung baute 1874-76 an der Lützowstraße ein neues Haus mit 51 Wohnungen. Das Ge-bäude wurde 1944 durch Bomben zerstört. Das dritte "Haus Seefahrt" entstand 1954 auf dem Oeverberg. Die Architekten waren Wilhelm Wortmann und Erik Schott. Die Geschäftsführer der Stiftung wurden als "Schaffer" be-zeichnet, die später die "Schaffer-mahlzeiten" ausrichteten, die heute noch stattfinden. Eine Einladung zu einer Schaffermahlzeit, die man nur einmal im Leben erhält, gilt als die höchste Aus-zeichnung, die die (immer noch) Freie und Hansestadt Bremen an einem Aus-wärtigen vergeben kann.
1562 Atens: Die letzten Reste des Karmeliter-Klosters in Atens sind verschwunden. Die seit 1528 verlassenen Häuser wur-den seit 1549 als Steinbruch genutzt.
1562 Lemwerder: Sturmflut. Jüchtersbrake bei Lemwerder.
1562 Jever. Maria von Jever erlässt eine erte Kirchenordnug für die Herrschaft. Sie wird in Wittenberg gedruckt.
1562 Oldenburg: Graf Anton I. von Oldenburg stellt im Reichstag den Antrag, dass ihm die Erhebung eines Zolls auf der Weser genehmigt werden möge, damit er die Uferbefestigungen finanzieren könne. Das Gesuch wird abgelehnt.
1563-1564 Bremen: Als erste Straße wird die "Huckelriede" von der Weserbrücke bis zum Kattenturm gepflastert. Damit enden in Bremen die Bemühungen, Verkehrswege zu befestigen. Erst Napoleon befiehlt die Chaussierung der Straße von Wesel nach Hamburg. Das Projekt wird zwar angefangen, aber nicht zu Ende geführt.
1563 Esenshamm: Erste Erwähnung eines Fährmanns auf dem Havendorfer Sand, der die Verbindung nach Dedesdorf aufrecht erhielt.
1564 Jever: Neue Stadtwaage
1565/66 Bremen: Der Drucker Arend Wessel eröffnet in der Katharinenstraße seine Offizin, die bis in das 17. Jahrhundert hinein besteht. Seit 1572 gibt es einen zweiten Drucker in der Stadt, nämlich Dietrich Gloystein.
1565 Sturmflut. Bei Hasbergen bricht der Ochtum-Deich.
1566, Sommer Bremen. In der Stadt wütet die Pest. Eine Zeit lang sterben 50 Menschen täglich. Auf dem Stephani-Friedhof werden die Särge in den Gräbern drei-fach übereinander gestapelt. Die Stadt verliert einige Tausend an Menschen.
1566-1574 Blexen: Graf Anton I. lässt den Turm der Blexer Kirche um 24 Fuß erhöhen und von 1569 bis 1574 einen Turmhelm daraufsetzen. 1575 erhält das Bauwerk noch vier Spitzgiebel. So dient der Bau, den Seefahrern, die mit ihren Schiffen in die Weser einlaufen, als Landmarke.
1566 Tossens. Graf Anton erwirbt durch das "Spatenrecht" den Tossenser Groden. (Das Spatenrecht besagte, dass derjenige Grundeigentümer, der seinen Deichpflichten nicht mehr nachkommen konnte oder wollte, einen Spaten in sein Deichpfand steckte und dann das Land verließ. Wer das Gerät dann herauszog, nahm die Deichpflicht auf sich, erwarb aber gleichzeitig den Grund und Boden, des Deichpflichtigen. Im Falle des Grafen besagte das nichts, denn der ließ die Deiche durch seine Untertanen bauen bzw. reparieren, so dass er keine Pflichten übernahm, wohl aber sein Vermögen mehrte.)
1566, 15. 2.und 15. 3. Stedingen: Sturmfluten. Zwei Braken bei Ritzebüttel.
1566 Eckwarden. Eine Sturmflut hat bei Eckwarden den Deich über eine längere Strecke weggespült. Er kann in der alten Weise nicht wieder hergestellt werden.
1566 Altenesch: In der Kirche von Süderbrok predigt Dietrich Bassus zum ersten Mal den neuen Glauben augsburgischer Konfession. Damit beginnt die Ge-schichte des Kirchspiels dieses Namens. (Es tritt, wie weiter oben erwähnt, an die Stelle der Kirchen von Sannau (St. Martin) und Ochtum (St. Veith), die in der Weser untergegangen sind.
1566, 6. 4. Stedingen: Spatengericht bei der Ritzebütteler Brake. Es ging um ein Deichpfand, das zu einem Grundstück gehörte, dessen Eigentümer die Stadt Bremen war und das durch das Urteil eines Oldenburger Richters zugunsten des Grafen eingezogen wurde, weil der Eigentümer nach der Flut vom 15. Fe-bruar 1566 seinen Pflichten nicht nach-gekommen sei.
1567 Mitteldeich: Die Butjadinger Bauern beschweren sich über die Belastungen, die Graf Anton I. über sie verhängt hat und verlangen die Rückkehr zum friesischen Landrecht, haben damit aber beim Grafen keinen Erfolg. Besonders hemmend wirkte sich das Vorkaufsrecht des Grafen auf landwirtschaftliche Er-zeugnisse auf die wirtschaftliche Ent-wicklung des Landes aus, weil die Bauern in der Erntezeit mit dem Verkauf warten müssen, bis gräfliche Beamte über die Felder gegangen sind und ihr Angebot abgegeben haben. Damit bleiben günstige Angebote ungenutzt. Indes gehen die Butjadinger Bauern eine Instanz weiter: Da die Herzöge von Braunschweig immer noch Lehnsherren einiger Landesteile von Butjadingen und Stadland waren, besaßen sie hier gewis-se Rechte und durften sich infolge-dessen einmischen, als die Untertanen des Grafen an sie appellierten. Das führte zum "Ovelgönner Vergleich", der dem Grafen Aton zeigte, dass er die Grenze dessen erreicht hatte, was von seinen Standesgenossen toleriert wurde. Da er den Herzog von Braunschweig fürchtete, mäßigte er sich in den letzten Jahren seiner Regierung etwas, während sein Nachfolger sich bemühte, offen-kundige Räubereien in Zukunft zu unter-lassen. Das gräfliche Vorkaufsrecht behinderte aber weiter die wirt-schaftliche Entwicklung der Grafschaft bis in die Dänenzeit hinein. Erst unter der Herrschaft der Kopenhagener Köni-ge hörte der üble Brauch auf. Im übrigen ist das Vorgehen der Butjadinger Bauern bemerkenswert, wenn wir zum Vergleich die soziale Lage der Landbevölkerungen in anderen Teilen Deutschlands betrach-ten, wo die Leibeigenschaft noch im Schwange war. Wir wollen nicht verges-sen, dass die Bauernkriege erst etwas mehr als dreißig Jahre her waren.
1567 Bremen: Heinrich von Sachsen-Lauen-burg wird erster lutherischer Erzbschof von Bremen.
1567, 17. 5. Dedesdorf: Auf Antrag Bremens verbie-tet der Kaiser dem Grafen Anton I. von Oldenburg den Bau einer Burg in Landwührden. Offenbar hatte dieser die Absicht, hier eine Zollstation zu errichten, was diesmal misslang.
1567 Wittmund: Der Ort erhält durch die Regentin der Herrlichkeit Esens, Anna von Rietberg, die Stadtrechte, die man in Wittmund aber nicht sonderlich ernst nahm, weswegen der Ort wieder zum Flecken herabsank. Im Jahre 1929 erhielt Wittmund erneut das Recht, sich als "Stadt" zu bezeichnen.
1568, 17. 6. Ovelgönne: Die Beschwerden der Butja-dinger Bauern gegen ihren Landesherrn haben Erfolg: In dem Ovelgönner Ver-gleich zwingt der Herzog von Braun-schweig als Lehnsherr des Grafen von Oldenburg in Butjadingen Anton I. zu einigen Zugeständnissen. Der Landes-herr muss sich also in seinen Räubereien in Zukunft etwas zurückhalten.
1568 Jever: Die Befestigungsarbeiten sind zu einem gewissen Abschluss gekommen. Die Burg hat nun drei Bastionen
1568-1571 Mariensiel: Maria von Jever lässt sich in Mariensiel das Schloss "Marienhau-sen" als Sommer-Residenz bauen. Das Haus wird 1717 durch die Sturmflut beschädigt, jedoch wieder hergestellt. Das Schloss verfiel 1806 und wurde von 1822 bis 1826 abgebrochen. Nur der Turm blieb bis heute stehen.
1568 Heppens. In der Kirche von Heppens - und nur noch in dieser - wird friesisch gepredigt.
1569 Tossens. In dem Dorf gibt es eine Lateinschule. 1570 wird eine andere in Stollhamm erwähnt. Solche Schulen entstehen im Lande hin und her und werden in der Regel von den örtlichen Pfarrern betrieben, die sich so ein Zubrot verdienen. Die Schüler sind die "afgahn Kiner" der Marschbauern, die Gelegenheit erhalten, sich hier auf ein Theologiestudium vorzubereiten, das sie berechtigt, eine der Pfründen zu über-nehmen.
1569 Tossens. In dem Dorf gibt es eine Elementarschule. Erstaunlicher als der gelegentliche Lateinunterricht ist die Gründung von Volksschulen in den Marsch-Dörfern, die in den siebziger Jahren des 16. Jahrhunderts beginnen und dann im 17. Jahrhundert syste-matisch fortgesetzt werden, bis auch das letzte Dorf zumindest mit einer Klipp-schule versorgt ist. Als Schulräume dienen irgendwelche Tennen, und Lehrer sind diejenigen, die selbst lesen, schreiben und ein wenig rechnen können. Das Bedürfnis nach Unterricht war groß, denn einer der Vorwürfe, den den Bauern dem Grafen Anton vorhielten, war, dass dieser die Schulen vernachlässigt habe. Im Mittelalter muss es ein relativ ausgebautes Unterrichts-wesen gegeben haben. Wir können das auch daraus schließen, dass die Refor-mation als Massenbewegug nur deshalb möglich war, weil es auf den Dörfern zumindest den einen oder anderen ge-geben haben muss, der die Flugblätter, die als Vorläufer unserer Zeitungen angesehen werden können, vorlesen konnte. Nach der "Reformation", die in Wahrheit eine Aktion der Kulturver-nichtung war, versuchte man also den alten Zustand wieder herzustellen und zwar, wie das Beispiel in Tossens lehrt, durchaus unabhängig von dem obrig-keitlichen Befehl. Die Kirche versuchte lediglich die Bewegung zu nutzen, um die Unterrichtsinhalte im Sinne ihrer Ideologie zu bestimmen, was ihr auch Jahrhunderte lang gelungen ist. Die Kinder lernten also Lesen und Schreiben und zwar anhand des Kleinen Katechis-mus von Martin Luther, so dass mit den Buchstaben die Ideologie des Reforma-tors in die Köpfe kam - oder auch nicht, denn ob es gelang, mit dem Inhalt auch die entsprechende Überzeugung zu ver-mitteln, ist durchaus zweifelhaft.
1569 Varel. Fast ganz Varel, 80 Häuser insgesamt, geht in Flammen auf. Das Schloss bleibt diesmal unversehrt.
1569 Jever: Das Horumer Siel wird erneuert.

-1570-

1570 Stollhamm. Im Dorf existiert eine Elementarschule.
1570. 1.11. Jever. Dritte Allerheiligenflut:
  • In Ostfriesland gehen 13 Quadratkilome-ter Land verloren. Das Wasser dringt bis Aurich vor.
  • Esens: Vor dem heutigen Benser-siel wird das Dorf Bense durch die Flut vernichtet. Es muss danach ausgedeicht werden.
  • Im Harlinger Land werden die Deiche dem Boden gleich gemacht. Es starben 796 Befreiung, dazu krepierten 1372 Pferde und Füllen, 3370 Stück Rindvieh, 1483 Schafe und 1336 Schweine. 226 Wohnun-gen wurden zerstört.
  • Die Deiche des Jeverlandes erweisen sich als zu niedrig, wes-wegen große Schäden entstehen. In Sillenstede, Tettens, Heppens, Sengwarden und Sande sterben viele Menschen. Das Kniphauser Siel wird zerstört. An die Stelle tritt das Mariensiel, das, nach vielen Veränderungen, 1963 ge-schlossen wurde. Im ganzen Jever-land ertranken etwa 400 Menschen.
  • Wangerooge: Die Insel, die bis dahin in die Harlinger Bucht hineinreichte, wird erheblich reduziert. Dabei geht auch das alte Dorf zugrunde. Im Jahre 1586 steht noch der Turm der alten Wanger-ooger Kirche. Er wird 1595 durch das Meer zerstört. Die letzte Reste sind im Jahre 1760 noch im Watt erkennbar.
  • In Eckwarden (Butjadingen) ertrinken 325 Einwohner (von 1300). Schäden in Schweiburg und den benachbarten Bauerschaften.
  • Große Schäden im ganzen Stedingerland.
  • Rechts der Weser geht das Dorf Niederbüren unter. (Die Dörfer Büren, rechts der Weser, und Altenesch, links der Weser, wurden im Laufe der Zeit, besonders aber durch die Weserkorrektion am Ende des 19. Jahrhunderts, vonein-ander getrennt. Die Nachfolgerin der Kirche von Niederbüren ist heute die Gemeinde "Mittelsbü-ren", deren Predigtstätte 1847 erbaut wurde und die jetzt zur Gemeinde Grambke gehört.)
  • In Schleswig-Holstein wird Büsum überflutet. Die Verluste an der ganzen Nordseeküste von Seeland bis Eiderstedt addierten sich auf 41.748 Personen.
1571, 11. 2. Bremen: Sturmflut. Rings um Bremen stand das Wasser so hoch, dass man mit Booten bis zum Varel-Graben fahren konnte. Die Brücke zwischen Turm und Huchting wurde zerstört. Sieben Deichbrüche bei Altenesch und Lemwerder. Die Pastorei von Altenesch muss aufgegeben werden und wird dort wieder aufgebaut, wo sie heute steht. Landverluste bei Eckwarden
1571 Schaar. Die bisherige Anlegestelle an der Made wird aufgegeben. An ihre Stelle treten Rüstersiel und Mariensiel.
1572, 22. 3. Jever. Fräulein Maria lässt dem Magistrat der Stadt feierlich die Urkunde der Stadtrechte übergeben. Die Stadt hatte zu dieser Zeit innerhalb der Wälle 212 Häuser, in denen etwa 1000 Menschen wohnten. Hinzu kamen die Vorstädte mit 157 Häusern und etwa 500 Einwohnern.
1573, 22. 1. Oldenburg: Graf Anton I. stirbt. Seine Herrschaft kann als außergewöhntlich destruktiv gelten. Er war seinen Untertanen ein "harter Herr", der die Kirchen ausplünderte und unter dem Schein des Rechts auch Privatleute ausraubte. Am Ende seiner Regierung stand besonders die Marsch am Rande der offenen Revolte. Seine beiden Nachfolger, Graf Johann und Graf Anton Günther, unterschieden sich insofern von ihm, als sie die Ausbeutung des Landes in gewisse Regeln brachten und bemüht waren, den Bogen nicht zu überspannen.
1573, 13. 7. Oldenburg. Der Graf erlässt eine neue Kirchenordnung für Oldenburg ein-schließlich Jever. Sie wird von dem neuen Superintendenten Hermann Ha-melmann (ca 1526 - 1595) ausgear-beitet, einem Lutheraner der strengen Observanz. Die kirchliche Anarchie, die in der Grafschaft Oldenburg unter Anton I. geherrscht hatte, fand damit ein Ende. Stattdessen versuchten die Pastoren in den nächsten 100 Jahren auch mit den Mitteln des Strafrechts Sitte und Ordnung, so wie sie sie verstanden, herzustellen, weswegen zur Ausstattung einer jeden lutherischen Kirche das Halseisen neben der Kirchentür gehörte, an das während des Gottesdienstes die hartnäckigen Sünder angeschlossen wurden, also diejenigen, die sich weigerten, den Gottesdienst zu besuchen oder regelmäßig das Abendmahl (mit vorheriger Beichte!) zu nehmen. Blexen, wie manche andere Gemeinde auch, besaß und darüber hinaus einen "zierlichen Messerpfahl". Ganz schweren Sündern wurde hier, ebenfalls während des Gottesdienstes, mit einem Messer die Hand angeheftet - bei den damaligen hygienischen Verhältnissen vermutlich in vielen Fällen des Todesurteil. Alles in allem kann das neue Regime wohl als ein erster Versuch gelten, in Oldenburg und Jever eine, wie wir heute sagen würden, totalitäre Herrschaft zu errichten, die nur eine Ideologie, nämlich die luthe-rische Orthodoxie, zulässt und jeden anderen Gedanken unterdrückt. Beson-ders bekämpft wurden die Wiedertäufer und natürlich die Juden, die auf dem Boden der Grafschaft Oldenburg, so lange die Grafen regierte, keinesfalls geduldet wurden. Katholiken und Refor-mierte kamen gelegentlich vor, beson-ders wenn sie in den Diensten des Gra-fen standen, durften aber keine Gemein-den bilden und mussten ihre Andachten hinter verschlossenen Türen halten und wurden im übrigen gedrängt, zum luthe-rischen Glauben überzutreten. Irgend-eine Mission zugunsten der katholischen oder reformierten Kirche war natürlich untersagt. Im übrigen kontrollierten die Pastoren durch Beichte und Hausbe-suche, dass keine anderen Ideen als diejenigen Martin Luthers in die Köpfe eindrangen.Graf Anton I. war 1530 aus, wie wir annehmen dürfen, aus rein opportunisti-schen Gründen zum lutherischen Glau-ben übergetreten. Um die Glaubens-kämpfe seiner Zeit hat er sich nie gekümmert. Man stelle sich das vor: In einer Zeit, als man sich in ganz Europa die Köpfe einschlug, weil der eine dies glaubte, der andere jenes, herrschte in Oldenburg die konfessionelle Anarchie, was bedeutete, dass bis 1530 etwa das römisch-katholische Dogma verbindlich war, nach 1573 aber die Lehre Luthers allein die ewige Seligkeit vermittelte - dazwischen konnte jeder glauben, was er wollte. Vermutlich gab es auch solche Gemeinden, in denen die christliche Religion überhaupt nicht mehr vorkam, und auch nach 1573 dauerte es sicherlich eine Weile, bis in allen Gemeinden die Pastoren etabliert waren, die die neue Ideologie vertraten. Wir können also davon ausgehen, dass in der Grafschaft Oldenburg (ohne Jever natürlich) etwa ein halbes Jahrhundert lang die christliche Unterweisung ver-nachlässigt wurde, die Menschen also keinem Dogma unterworfen worden waren. Inwieweit in dieser Zeit die traditionellen Rituale beachtet und genutzt wurden, wissen wir nicht. Eines ist ganz sicher: Diese Epoche hatte einschneidende Auswirkungen, die ver-mutlich bis heute fortdauern. Um sie zu verstehen, müssen wir bedenken, dass die Lebenserwartung damals bei dreißig Jahren lag. Es wird also 1573 kaum noch jemand gelebt haben, der die katholische Zeit, die immerhin über vierzig Jahre zurück lag, mit ihrem bunten Ritualen noch bewusst erlebt hat. Während dieser langen Zeit waren viele Pfarren nicht besetzt oder sie wurden nur durch Stellvertreter der eigentlichen Pfarrer verwaltet. Die Kirchen hatte man vernachlässigt, wenn sie nicht von dem Grafen selbst, wie in Blexen, ausge-plündert und verwüstet worden waren. Selbst wenn das, was die Christen als "Gottes Wort" bezeichnet, verkündet worden sein sollte, dürfte man in den Dörfern kaum hingehört haben. Und wurde das anders, als die lutherischen Pastoren kamen? Wohl kaum. Sie hatte der Graf eingesetzt, der die Menschen ausplünderte und vielfältig bedrückte, denn der "fürsorgliche Landesvater" ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts, und die Pastoren erwiesen sich in der Praxis als lästige Polizeibeamte, die in den Familien herumschnüffelten, ob die Menschen auch wohl im rechten Glauben standen. Glücklicherweise war der Pfarrer auch der Vetter oder Onkel der Bauern und damit in die Familien eingebunden, so dass er durch die Finger sehen musste, wenn er nicht ausgeschlossen werden wollte - die bösen Absichten der Obrigkeit wurden also in den Dörfern nicht so realisiert, wie sie einmal gedacht waren. Außerdem fehlten der Kirche und dem Staat Instrumente wie die Gestapo oder die Staatssicherheit, so dass die totalitäre Herrschaft der Lutheraner sich nach einigen Jahrzehnten, als sich der Pietismus verbreitete, von innern heraus auflöste.
1573 Oldenburg: Der neue Graf erlässt eine Deichordnung für Butjadingen.
1574 Berne: Brandkatastrophe in Berne. Der Ort brennt nieder.
1573 Jever: Durch testamentarische Verfü-gung gründet Maria von Jever das "Marien-Gymnasium". Diesen Namen erhält die Schule allerdings erst 1873 anlässlich der 300-Jahr-Feier. Im Jahre 1900 wird das neue Schulgebäude eingeweiht, in dem sich das Gymnasium auch heute noch befindet. 1927 Erwei-terung des Gebäudes. 1937 Umbenen-nung in "Staatliche Oberschule für Jungen in Jever". 1957 Ostflügel. 1969 letzte Erweiterung. Später kommt noch eine neue Sporthalle hinzu.
1574 Berne: Der Ort brennt nieder.
1574 Sande: Neues Feld eingedeicht.
1574, 3. 6. Esens: Die Pastoren des Harlinger Landes nehmen die neue Kirchenord-nung an, die zugleich von dem Regenten, Graf Erich zu Hoya, Rietberg und Bruchhausen, unterschrieben und damit genehmigt wird. Damit bekennen sich Landesherr und Pfarrer zu der Augsburgischen Konfession.
1574, 10. 10. Jever: Die "Hausmänner" des Jever-landes huldigen Graf Johann von Olden-burg als ihrem neuen Herrn.
1574 Jever: Pest im Lande
1575 Elsfleth. Die mittelalterliche Pfarrkirche ist nur noch eine Ruine auf dem Groden.
1575, 20. 2. Jever: Fräulein Maria von Jever stirbt. Sie vererbt ihr Land dem Grafen Johann von Oldenburg. Sie selbst wird in den folgenden Jahrhunderten zum Symbol der jeverländischen Eigenständigkeit, die es nun gegen die neuen Herren zu behaupten gilt. Das gilt sowohl für die Grafen Johann und Anton Günther , dann auch für die Fürsten von Anhalt und schließlich für die Könige von Dänemark bis hin zu den Herzögen bzw. Großherzögen von Oldenburg. Riemann: "Wie in alten Zeiten die Östringer Schutz und Schirm des Landes der Jungfrau Maria, ihrer huldvollen und gnädigen Herrin, anheim gestellt hatten, so lebte jetzt bei rasch um sich greifender Unkenntnis der alten Kult-formen in der Phantasie des Volkes die verstorbene Herrin wieder auf, von ihrem lichtumstrahlten Bilde schwand unter dem harten Druck, der unter der Regierung der beiden Grafen Johann und Anton Günther auf dem Land lastete, das Andenken an viele unleidliche Härten ihres Charakters und die dankbaren Nachkommen verehrten endlich die Huldgestalt der geliebten Fürstin aus angestammtem Hause als die Schutzpatronin des Landes." (Riemann: Geschichte des Jeverlandes. 2. Bd. S. 289) Und so ist es bis heute geblieben.
1575 Jever: Graf Johann lässt den Pastoren des Jeverlandes die neue Kirchenord-nung vorlegen, die Hamelmann ausgear-beitet hat. Die Geistlichen stimmen zu, nur drei der Herren äußern Bedenken, von denen sich einer von Hamelmann überzeugen lässt, die beiden anderen bleiben bei ihrer Opposition und werden, da sie in den Verdacht geraten, Calvi-nisten zu sein, abgesetzt und des Landes verwiesen. Riemann: "Seitdem herr-schte im Jeverland wie in Oldenburg das Luthertum strengster Richtung. Streng lutherisch musste sein, wer hier auch nur geduldet werden wollte." (Riemann, Geschichte des Jeverlandes, 3. Band (1931) S. 39) Und dieser Zustand hatte zur Folge: "Seitdem verkümmerten ebenso wie anderweitig (gemeint ist die Grafschaft Oldenburg, Anm. d. Verf.) auch hier Religion und Glauben und geistiges Leben. Dafür übte die Kirche über ihre Angehörigen einen härteren Zwang, als die katholische Kirche auch nur erstrebt hatte." (ebd).
1576 Schweiburg: Eine Sturmflut richtet Schäden in der ungeschützten Gemende an.
1576 Neuenbrok: Im Dorf gibt es eine Elementarschule.
1577 Bremen: Im Sommer starben "an Pestilentz" in der Stadt 1500 Men-schen.
1577 Bremen. Am Warturm an der Ochtum lässt der Bremer Rat Gebäude errichten, um die Wachmannschaften unterzu-bringen. Daraus wird 1724 die Gast-wirtschaft "Zum Storchennest".
1577 Oldenburg: Teilung der Grafschaft Oldenburg. Delmenhorst, Harpstedt und Varel fallen an den Grafen Anton I..
1577 Jever: Graf Johann zwingt die letzte Priorin des Klosters zur "ungezwunge-nen Übergabe" des Instituts.
1577 Bremen: An der Pest sterben 1500 Menschen. 1581 und 1582 herrschen wietere Seuchen. Am 20. Mai 1584 be-ginnt erneut die Pest zu wüten. Auf dem Stephanikirchhof werden 975 Menschen beerdigt. Die Seuche bricht noch einmal 1585 aus.
1577 Elsfleth: Die mittelalterliche Kirche ist ausgedeicht. Auf dem Groden steht noch die Ruine.
1577 Berne: Die St. Ägidiuskirche erhält ein Gewölbe, außerdem werden ein neuer Fußboden und ein neues Gestühl einge-zogen.
1577, 15. 7. Esens: Graf Otto VIII. von Hoya, damals zuständig auch für Esens, regelt in einer Verordnung, "weß die Schützen zu Esens mit Abschießung des Papagoyen sich verhalten sollen." Das ist der Beginn des heutigen Schützenvereins von Esens, der sich nicht nur durch sein Alter auszeichnet, sondern auch dadurch, dass er über eine eigene Kavallerie verfügt, denn 1856 entstand in Esens ein Reitercorps, aus dem am 12. Juni 1889 der "Harlinger Reiterclub" hervorging, der bei dem Umzügen der Schützen an den Festtagen des Vereins jeweils die Spitze bildet.
1578 Fischhausen: Das Schloss wird erbaut. Es wurde 1690 erweitert.
1578 Jever: Garmser Siel gebaut.
1578, 28. 3. Karfreitagsflut: Große Schäden im Je-verland, in Stedingen und bei Eckwar-den. 8. 4. 1578: Erneute Sturmflut.
1579, 15. 9. Jever: Lambertusflut
1578/79 Varel: Die Pest wütet an der Nordsee. In Varel sterben von Pfingsten bis Weih-nachten 1578 247 Menschen.

-1580-

1580 Bremen: Pastor Christoph Pezelius kommt nach Bremen, um in dem konfes-sionellen Streit zwischen Lutheranern und Calvinisten zu vermitteln. Er wird dann im Jahre 1582 als Pfarrer von St. Ansgari fest angestellt, nachdem sein Gegenspieler und Vorgänger im Amt, Glanaeus, entlassen worden war. Unter dem Einfluss von Pezelius gewinnen die Reformierten immer mehr an Einfluss. Aus den Kirchen werden nunmehr die Bilder entfernt. In der Kirchendisziplin hält die calvinistische Intoleranz Einzug. Im Jahre 1582 wird Pezelius Nachfolger des Superintendenten Mening.
1580 Jever: Im Jeverland rafft der "englische Schweiß" viele Menschen dahin.
1582 Seehausen: Das Patronatsrecht über die Kirche fällt an die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Nun waren die Welfen lutherisch, während der Rat der Stadt Bremen, der die politische Hoheit über das Dorf ausübte, refomiert war. Daraus ergaben sich die für die Zeit typischen Konflikte zwischen dem lutherischen Pfarrer, der von den Herzögen in Lüneburg eingesetzt war, und der Obrigkeit in Bremen, die erst 1804 enden, als die nunmehrigen Kurfürsten von Hannover auf ihr Patronatsrecht über Seehausen ver-zichten.
1583 Jever: Im Land wütet "die Pest", jedenfalls eine Epidemie, die man so nennt. Das Jahr ist aber sehr fruchtbar
1583 Eckwarden: Sturmflut. Es treten Land-verluste ein.
1583 Bremen. Die Komturei des Deutschen Ordens geht in den Besitz der Stadt Bremen über.
1583 Bremen: Die Stadt verstärkt ihre Befes-tigungsanlagen. 1583 wird die "Braut" auf der Halbinsel zwischen Großer und Kleiner Weser fertig und 1584 wird der Wall zwischen Herden- und Ansgaritor verstärkt. Ausserdem vertieft man den Wallgraben.
1586-88 Bremen. An der Langenstraße entsteht die Stadtwaage, ein Bau der Weser-Renaissance, wahrscheinlich von Lüder von Bentheim errichtet. Seit 1877 diente sie nicht mehr dem eigentlichen Zweck, nämlich Güter zu wiegen. Der Bau hatte jetzt verschiedene Funktionen, unter anderem nahm er 1928 die "Norag" auf, die Norddeutsche Rundfunk AG. Am 6. April 1944 brannte das Haus aus. Nur die Umfassungsmauern blieben stehen. Nach der Befreiung setzte eine lange Diskussion über die Zukunft des Gebäudes ein, die, dank der bremischen Sparkasse, damit endete, dass die Stadtwaage nach den Plänen der Architekten Herbert Anker und Friedrich Heuer wieder aufgebaut wurde. Am 12. April 1961 erfolgte die Einweihung.
1586 Dedesdorf: Im Dorf gibt es eine Elementarschule.
1587 Jever: Sturmflut
1587, 19. 6. Oldenburg. Graf Johann VII. von Oldenburg legt zwei Kriegsschiffe in die Huntemündung, um den bremischen Handel zu kontrollieren. Er unterstützt gleichzeitig Seeräuber, die bremische Schiffe überfallen und die Besatzung einfach über Bord werfen. Wenn die Bremer allerdings solche Verbecher erwischen, richten sie sie nach kurzem Prozess hin. Die Stadt Bremen beschwert sich beim Kaiser, auf dessen Intervention hin Graf Johann seine Kriegsschiffe zurückzieht. Dafür er-scheinen niederländische Kriegsschiffe in der Wesermündung, die aber von ei-nem bremischen Geschwader vertrie-ben werden. Schließlich tauchen noch spanische Seeräuber in der Außenweser auf.
1588 Hooksiel: Graf Johann VI. verlegt das Siel von Rüschenstede nach Hooksiel, das nun zum Seehafen von Jever wird. Das Hookstief bleibt bestehen, so dass Jever für kleine Boote weiter erreichbar bleibt. In Hooksiel befinden sich eine Zollstätte und ein Salzwerk.
1588 Jever: Es regnet 23 Wochen lang. Die Ernte ist verdorben.
1588, 25. 7. Lehe: Der Rat der Stadt Bremen ordnet für Lehe zwei Jahrmärkte an, die jeweils drei Tage dauern sollen.

-1590-

1590 - 1596 Berne: Lampeler von Brabant baut in Berne eine Orgel ein. Sie wird 1643 durch Kröger erweitert und 1714 von Christian Vater umgebaut. Im Jahre 1890 erfolgen weitere Veränderungen. Re-konstruktion des Instruments durch Alfred Führer im Jahre 1960.
1590, 17. 4. Eckwarden. Sankt Gervinusflut. Land-verluste bei Eckwarden
1590 Jever: Bau des Crildumer Siels. Die Crildumer Bucht an der jeverländisch-ostfriesischen Grenze verlandet zwischen 1542 und 1591, was zur Folge hat, dass der Deich immer weiter vorgeschoben wird. Entsprechend entstehen die Anlagen zur Entwässerung des Landes. 1625 gibt es hier zwei Siele, nämlich das von 1590, und ein altes Siel, von dem ich nicht sagen kann, wann es entstanden ist. 1694 wird das Siel, und zwar vermutlich das neue, in Holz neu gebaut (Das alte dürfte irgendwann aufgegeben worden sein). 1843 wieder-holt man die Maßnahme, aber 1882 wird die Schleuse in Stein gebaut. Seit 1965 sind das Horumer, Crildumer und Ho-hensiel zum Wanger Siel zusammen gefasst.
1590 Jever: Im Land herrscht Dürre
1590 Jever: Crildumer Siel erneuert.
1590, 8. 4. Jever: Gründung der Innung der Schuster, Sattler und Riemer.
1590 Kniphausen: Reichsfreiherr Ico von Inn- und Kniphausen lässt zwanzig Frauen, die der Hexerei beschuldigt wurden, lebendig verbrennen.
1590 Hohenkirchen. Die Oldeborg wird abge-brochen. Sie war der Sitz der Folkma-ringe, die als Hovetlinge das Wangerland beherrschten, deren letzte beiden Ver-treter aber irgendwann um 1435/1441 starben. Die Burg fiel dann an Hayo Harlda, Hovetling von Jever, der sie nicht mehr nutzte, so dass sie verfiel. Die Ruinen waren noch sichtbar, bis man die beiden Burghügel, die den Standort kennzeichneten, 1785 einebnete.
1591 Bremen: Das Kornhaus wird fertig-gestellt. Es liegt zwischen der Langen-straße und der Schlachte und dient, wie der Name sagt, der Einlagerung von Getreide. Der Renaissance-Giebel wur-de von Lüder von Bentheim gestaltet. Das Haus wurde 1944 bei einem Bom-benangriff zerstört und, wie so Vieles, nicht wieder aufgebaut.
1591 Jever: Auf dem Marktplatz werden elf Frauen als Hexen verbrannt, weil sie "gegen den christlichen Glauben gehandelt haben".
1591 Jever: Im Land herrscht Dürre.
1591 Jever: Mayhauser Groden eingedeicht. Die Arbeiten dauern vom Mai bis zum 15. Oktober 1591. Ein erster Versuch, das Land zu sichern, war 1582 geschei-tert.
1592, 1. 11. Sturmflut. Im Jeverland halten die Deiche diesmal stand.
1592 Minsen. Seeräuber kapern in der Außenjade nicht weniger als 23 Emder Schiffe und feiern ihren Erfolg bei Heppens, wo sie bei dem Fährmann einkehrten, was als erneuter Hinweis gelten kann, dass Heppens als vorzüglicher Ankerplatz galt.
1592 Waddewarden. Ein "offenbar hyste-risches Mädchen" (Riemann), das sich selbst der Hexerei beschuldigt hatte, wurde am 5. Juli 1592, zusammen mit zwei anderen Frauen und zwei Männern, die sie offenbar unter der Folter denunziert hatte, lebendig verbrannt. Am 12. Juli 1592 werden weitere fünf Menschen verbrannt und vier mit dem Schwert hingerichtet. Eine Frau beging Selbstmord, bevor sie getötet werden konnte.
1593 Esenshamm: Gründung der Schule. Nebenschulen: Esenshammergroden (1634), Enjebuhr (1636) und Havendorf (1644)
1593 Strückhausen. Im Dorf existiert eine Elementarschule.
1593 Neuenbrok. Im Dorf gibt es eine Elementarschule.
1593 Ellens: Graf Johann beginnt mit der Durchdeichung des Schwarzen Bracks, indem er einen Damm zur Insel Ellens, einem Rest des Dorfes gleichen Namens, das im Jadebusen untergegangen ist, schlagen lässt. Den gleichen Zweck hat die Eindeichung der Insel Ahm im Jahre 1595, die ebenfalls von einer unterge-gangenen Siedlung übrig geblieben ist.
1593 Jever: Die Bauern verlieren viel Rind-vieh durch die Pest.
1594 Bremen: Am Markt wird eine neue Ratsapotheke gebaut. Gegründet wurde die Offizin zwischen 1510 und 1530. Neben der offiziellen Rathsapotheke gab es mehrere sog. Winkel-Apotheken. Seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts wurde eine zweite Apotheke in der Langen Straße konzessioniert. Ab 1668 kamen weitere hinzu. Die Apotheke am Markt brennt am 11. 2. 1893 aus und wird danach verändert wieder aufgebaut. Bei dem Bombenangriff am 6. 10. 1944 wird das Haus erneut zerstört. Wiederaufbau 1960.
1594 Bremen. Bau der Mühle des Bürger-meisters Schlichting am Stephanitor. 1665 abgebrochen und zum Abbentuor versetzt, 1855 abgebrochen.
1594 Jever: Das Jahr ist sehr fruchtbar.
1594 Varel: Der Ort erhält eine neue Mühle.
1595 Sturmflut. Sieben Braken bei Deichs-hausen.
1595 Blexen: Gründung der Schule in Kirch-dorf.
1595 Butjadingen. Waddens, Rodenkirchen und Eckwarden haben Elementarschulen.
1597 Bremen. Mit Heinrich von Sachsen-Lauenburg wird der erste lutherische Oberhirte und Landesherr des Erzbis-tums gewählt. Obwohl in den Kirchen des Erzbistum seit mehreren Jahren lutherische Gottesdienste stattfinden (auch im Bremer Dom) gilt es noch als "geistliches Fürstentum".
1597 Butjadingen. St. Lambertiflut. Landver-luste bei Eckwarden
1597 Langwarden. Im Dorf existiert eine Elementarschule.
1597 Jever: Im Land grassiert wieder "die Pest".
1597, 27. 3. Ellens: Graf Johann beginnt mit der Durchdeichung des Schwarzen Bracks. Ziel des Unternehmens ist es, eine Landverbindung in das Jeverland herzustellen, die es erlaubt, im Falle eines Aufstandes rasch Truppen von Oldenburg nach Jever zu entsenden. Graf Johann nimmt dabei in Kauf, dass Neustadt-Goedens und Friedeburg von dem Jadebusen abgeschnitten werden, was den Grafen Enno auf den Plan ruft, der beim Reichskammergericht gegen die Maßnahme klagt. Der Bau des Damms durch das Schwarze Brack wird zum beherrschenden Thema der Politik Graf Johanns und dann des Grafen Anton Günther.Der Oldenburger Hof-Historiograph Winkelmann hat den Grafen Johann mit dem Cognomen "der Deichbauer" versehen. Das Kompliment ist ihm später vielfach nachgeschrieben worden ist, was insofern verständlich ist, als spätere Generationen den Nutzen dieser Politik genießen konnten. Für die Zeitgenossen war der Deichbau eine schwere Belas-tung, denn er bedeutete, dass die Haus-männer Wagen und Gespanne stellen, die Köter hingegen die physische Arbeit als sog. Koierer tun mussten - sie beluden die Wagen und entluden sie wieder und das ohne das geringste Entgelt, sogar die Verpflegung mussten sie mitbringen. Der Graf stellte allenfalls die primitiven Unterkünfte, die aus schlichten Bara-cken bestanden. Den Ertrag der Arbeit eignete sich der Landesherr an, dem es freistand, das eingedeichte Land zu be-halten, es zu Meierrecht zu verpachten oder aber zu verschenken. Dabei blieb das Land des Grafen und das seiner Beamten von den Deichlasten ausge-nommen. Dasselbe galt für die "adelig-freien Güter", die gelegentlich auf den neuen Böden gebildet wurden. Die Untertanen des Landesherrn hatten also auch für den Unterhalt der Dämme zu sorgen, damit auch für deren Reparatur, wenn sie von einer der zahlreichen Fluten zerrissen wurden - und wer das nicht zu leisten vermochte, musste nach dem friesischen Landrecht sein Eigentum aufgeben und ins Exil gehen.
1597, 11. 6. Wangerooge: Der Bau des Westturms beginnt. Er wird am 13. Oktober 1602 vollendet. Das Bauwerk dient den Seglern, die die Weser ansteuern, als Landmarke (eine andere war der Blexer Kirchturm). Im Jahre 1624 läßt Graf Anton Günther in der Turmspitze eine "immerwährende Leuchte" anbringen, die am 15. März 1624 zum ersten Mal brennt. Er ist dazu gewungen, weil er den Weserzoll damit rechtfertigt, dass er dieses Seezeichen unterhält. Die Rüböllampen leuchten aber nicht sehr weit und so errichtet der Emder Schiffszimmermann Gerriet Hayns zwischen den beiden vorhandenen Turmspitzen eine dritte, höhere, in die er eine achteckige Laterne einsetzt. Hier brennen mehrere Öllampen so hell, dass sie von See aus ausgemacht werden können. Auf diese Weise kam der Westturm zu seiner charakte-ristischen Form. Im fensterlosen Erdge-schoss des Turmes befand sich in der Zerbster Zeit das Gefängnis des Kirch-spiels. Der erste Stock diente als Kirche, im dritten Geschoss lagerte Munition und im vierten hatte man Tauwerk und Ähnliches untergebracht. Der Turm blieb bis 1914 stehen. Dann, am 23. und 24. Dezember ds. Js., sprengte die Marine das Bauwerk, damit sich die Engländer im Falle einer Landung (die nie erfolgte, und nach Lage der Dinge auch äußerst unwahrscheinlich war), sich nicht an ihm orientieren konnten. Der heutige West-turm wurde nach dem Ersten Weltkrieg gebaut und diente als Jugendherberge.
1597/1598 Esens: Die Pest wütet.
1598 Bremen. Vor dem Doventor wird ein Friedhof für diejenigen angelegt, die sonst keine Grabstelle hatten. Als die Befestigungsanlagen erweitert wurden, musste die Begräbnisstätte auf den Charlottenkamp (Bürenstraße) verlegt werden. Der Friedhof wurde am 30. April 1875 geschlossen und dann 1924/25 abgeräumt. Heute ist die Fläche bebaut.
1598 Bremen: Das Vieland wird geteilt: Neuenland, Grolland und Huchting bilden nunmehr das Obervieland, während Ar-sten, Ahlken und Habenhausen zum Nie-dervieland gehören. Der Unterschied: Im Obervieland betreibt man Viehzucht und im Niedervieland Ackerbau.
1598 Jever: Die Ernte wird geschädigt, weil es bis in den Juni hinein sehr kalt ist.
1598-1599 Tettens: Tettenser Altengroden (225 ha)
1599 Jade. Deichordnung für die Vogtei Jade.
1599 Hammelwarden. Deichordnung für die Vogtei Hammelwarden-Strückhausen.
1599 Hohenkirchen. Sturmflut. Das Dorf steht unter Wasser.