-1680-1699-

1680 Bremen. In der Stadt treffen die ersten Flüchtlinge aus Frankreich ein, die durch die Aufhebung des "Edikts von Nantes" aus dem Land getrieben wur-den. Sie betätigen sich als Strumpf-wirker, Handschuh- und Hutmacher, alles Gewerbe, die es in der Stadt bis dahin nicht gab.
1680 Oldenburg: Die dänische Regierung errichtet eine Deichkommission unter dem Vorsitz des "Generaldeichgrafen" Anton Günther v. Münnich. Im Jahre 1681 wird eine Deichordnung erlassen. Die dänischen Landdrosten, die seit 1667 - 1773 die Grafschaften Olden-burg und Delmenhorst verwalteten, ha-ben unter anderem das große Verdienst, dass sie endlich den Deichbau an der Nordsee zentral organisierten. Das hat zwar die schwere Katastrophe der Weihnachtsflut von 1717 nicht verhin-dert, aber doch die Folge gehabt, dass es nicht mehr zu den enormen Landver-lusten kam, die bis dahin unvermeidlich schienen. Auch der Verlust von Wad-dens, der nach 1717 endgültig akzeptiert werden musste, war ja faktisch schon vorher eingetreten. Auf der Habenseite sind dagegen die erheblichen Landge-winnungs-Maßnahmen besonders an der Weser zu verzeichnen, die dann im 19. und 20. Jahrhundert die Grundlage für die Entwicklung Nordenhams boten.
1680 Lehe: Der Ort erhält eine Apotheke. Inhaber ist Petrus Schombart aus Bremen. Sie brennt im Jahre 1801, wie der ganze Ort. ab, wird aber 1802 wieder augebaut und ist so bis heute er-halten geblieben. Lehe ist zum Mittel-punkt des Gebietes rechts der Weser geworden. Seine Bewohner nennen sich jetzt nicht mehr "Kirchspielleute", sondern "Bürger". Der Ort genießt zwar nicht die Rechte, wohl aber das Ansehen einer Stadt. Man bezeichnet ihn deswegen auch als "Minderstadt".
1681 Kopenhagen: König Christian V. von Dänemark erlässt für die Deiche der Grafschaft Oldenburg eine neue Deich-ordnung.
1680, 27. 10. Varel: Anton I. von Aldenburg stirbt. Der König von Dänemark versucht, Varel zu annektieren. In einem Vergleich muss Anton II. von Aldenburg die Oberhoheit Dänemarks über Varel anerkennen. Kniphausen bleibt "reichsunmittelbar". Die völlig wirren Rechtsverhältnisse in und um Varel und Kniphausen führen zu Rechtsstreitigkeiten, die sich bis in das 19. Jahrhundert hinschleppen und ei-gentlich erst mit dem Ende des Feudalrechts erledigt werden.
1680 Varel: Gründung der Festung "Chris-tiansburg" bei Varel.
1680 Esens: In der Stadt gibt es eine "Judenschule", also eine Synagoge. Darunter ist aber kein eigenes Haus zu verstehen, vielmehr handelte es sich wohl um einen angemieteten Raum. Vor-beter und Lehrer (einen Rabbiner gab es nicht) waren Juden, die dazu geeignet waren, aber im Hauptberuf als Händler oder Handwerker tätig waren.
1682, 1. 3. Bremen: Der Senat erlässt eine Börsen-ordnung. Einen entsprechenden Handel gab es in der Hansestadt seit dem 15. Jahrhundert und zwar auf dem Liebfrau-enkirchhof und dann auf dem Marktplatz. Im 17. Jahrhundert entstand das Bedürf-nis, ein Gebäude für diesen Zweck zu bauen. Man beseitigte deshalb 1614 die Schuhbuden an der Südseite des Lieb-frauenkirchhofs und begann 1620 mit dem Bau eines Hauses, kam aber über den Keller nicht hinaus. Er wurde oben mit Platten belegt, so dass eine Fläche entstand, die nun als Handelsplatz diente. Sie bezeichnete man als "Börse". Im Jahre 1685 entstand dann über diesem Fundament ein einstöckiger Bau im Barockstil (Architekt Jean Bap-tiste Broëbes), das 1734-36 aufgestockt wurde. In der Franzosenzeit fand, nach einer kurzen Unterbrechung, der Bör-senhandel unter anderem im Rathaus statt. Im Oktober 1813 kehrte er wieder in das alte Haus zurück. 1816 erließ der Senat eine neue Börsenordnung. Sie wurde 1849 wiederum durch eine neue ersetzt. 1888 brannte das alte Börsen-gebäude ab und wurde nicht wieder auf-gebaut. Erhalten blieb der im 17. Jahr-hundert gebaute Keller, der heute Teil des Rathauses ist. Er wird jetzt als Bacchus-Keller bezeichnet.
1682, Ende 12. Varel: Erste Predigt in der Christians-burg
1683 Waddens: Zum ersten Mal wird erwogen, einen Teil des alten Dorfes Waddens auszudeichen, jedoch will man zunächst versuchen, die Brake, die den Ort bedroht, zu stopfen.
1683, 5. 5. Oldenburg. In der Grafschaft Oldenburg wird das Spatenrecht abgeschafft. (Das geschieht in mehreren Etappen. Weitere Daten: 24. März 1684 und 14. Mai 1690). Im Jeverland, das von 1667 bis 1818 nicht zu Oldenburg gehörte, wird das Spatenrecht noch 1746 angewandt.
1684, 25. 6. Bremen: Gründung eines Armen-Kinderhauses. Ein erstes Institut dieser Art, das sog. Rote Waisenhaus, bestand bereits seit 1599. Das neue Waisenhaus konnte 60 Kinder aufnehmen und erhielt 1685 ein Gebäude in der Hutfilterstraße zugewiesen. Damit war für die Kinder reformierter Konfession gesorgt. Für lutherische Waisen wurde ein eigenes Waisenhaus eingerichtet, das am 10. 11. 1692 bezogen werden konnte. Es war in einem Haus untergebracht, das zum Dom gehörte, also schwedischer Hoheit unterstand.
1684 Bremen. Kantor Laurentius Laurentii gründet den ersten Domchor.
1685, 17. 3. Oldenburg: In der Grafschaft wird eine Deichkasse eingerichtet, in die die Bau-ern je Jück einen bestimmten Beitrag-einzahlen müssen. Außerdem erhält die Kasse einen Zuschuss aus dem Ertrag des Elsflether Zolls. Die adelig-freien Güter zahlen zunächst gar nichts, ab 1705 immerhin ein Drittel des normalen Satzes. Diese Ausnahmeregelung wird erst am 5. Mai 1848 abgeschafft.
1685-1695 Blexen: Die Kirche erhält eine neue Orgel. Sie baute ursprünglich von Joachim Kayser in Jever, wurde aber seither vielfach verändert.
1685 Wangerooge: Die Pastorei muss abge-brochen werden, weil sie von einer Düne zugeschüttet wird. Sie wird an anderm Ort wieder aufgebaut.
1685. 21. 9. Jever: Dänische Truppen - 1100 Mann Infanterie und 600 Mann Kavallerie - besetzen das Jeverland. Sie ziehen sich erst am 19. August 1689 zurück.
1685, 25. 11. Katharinenflut.
  • Elsflether Siel sowie drei Siele im Verlauf der Hunte und vier weitere in der Vogtei Moorriem herausge-rissen. Von der Gellenerhörn bis Huntebrück zählte man zwanzig Kappenstürze.
  • Vor Eckwarden ist der Deich westlich von Eckwarderhörne bis auf das Fundament weggespült.
  • Mundahn und Eiswürden müssen aufgegeben werden.
Das Jeverland leidet diesmal nicht so stark wie Butjadingen und Ostfriesland.

Schwere Schäden in der Elbmündung.
1686 Bremen. Vor der Westseite des Rat-hauses wird die Börse gebaut. Nach Einweihung der neuen Börse im Jahre 1864 tagte hier das Gericht, außerdem fanden in dem Haus Festlichkeiten des Senats statt, 1888 beschädigte ein Brand das Gebäude. Es wurde anschließend abgerissen.
1686 Imsum: Bei der Generalkirchenvisitation am 24. Juli 1686 wird festgestellt, dass noch immer friesisch gepredigt wird, wenn jemand aus einer Familie gestor-ben ist, in der diese Sprache noch le-bendig ist.
1686, 12. 11. Martinsflut. Große Schäden an der gan-zen friesischen Küste.
  • Die Osterstader Marsch wird über-schwemmt.
  • Im Jeverland werden die Deiche überströmt.
  • In Schweiburg wird die eben erst gebaute Kapelle zerstört.
  • Schäden bei Neuenhuntorf in Stedingen.
An der ganzen Nordseeküste zählt man 6700 Tote.
1686 Jever: Die Innung der Schreiner und Zimmerleute gegründet.
1686 Esens: In der Stadt gibt es eine Syna-goge.
1687 Grambke: Das Dorf, das bis dahin erst nach Burg, dann nach Mittelsbüren ein-gepfarrt war, erhält eine eigene Kirche. Es handelt sich um einen Fachwerkbau mit einem Dachreiter, der jedoch 1722 abgerissen und durch eine neue Predigt-stätte ersetzt wird. Das ist, wie in dieser Zeit üblich, ein nüchterner Saalbau mit Kanzel und Taufstein aus der Kirche in Burg. Im Jahre 1791 erhielt das Haus eine erste Orgel. Im Jahre 1864 baute man einen massiven Turm, der eine schwere Glocke aufnehmen konnte. Im Jahre 1897 bekam die Gemeinde eine neue Orgel, die dann mehrfach umgebaut wurde.
1687 Butjadingen: Bei Oegens wird der Deich zurückgenommen. Den Umfang des Verlustes teilt Tenge nicht mit
1687 Wangerooge: An die Stelle der Feuer-bake tritt ein steinerner Feuerturm, der mit einem Wappen der Fürsten von Anhalt-Zerbst geschmückt wird. Der Stein blieb erhalten und befindet sich seit 1926 im Alten Leuchtturm.
1688, 3. 5. Waddens: Im Dorf stürzt bei einer Sturmflut das Pfarrhaus ein. Das Dorf wird daraufhin endgültig aufgegeben. Die Bewohner ziehen nach Brüggewarden um, das nunmehr den Namen "Wad-dens" annimmt.
1688, 19. 6. Burhave: König Christian V. von Däne-mark landet in Burhaversiel, um seine deut-schen Graschaften zu inspizieren. Er übernachtet in der Blexer Pastorei, wo man in der Studierstube des Pas-toren ein Bett für ihn aufgeschlagen hat. Man muss dazu sagen, dass die dama-ligen Landesherren, wenn sie unterwegs waren und wenn ihnen kein Schloss zur Verfügung stand, sich üblicherweise in der Pfarre eines Ortes einquartierten. Blexen war eines der reichsten Kirchspiele des Oldenburger Landes und besaß ein entsprechend großes Pfarr-haus.
1688, 8. 10. Jever: Schwerer Sturm.
1689, 30. 10. Jever: Eine Sturmflut überflutet die Deiche.
1689 Jever: Das Rüstersiel wird neu gelegt.

-1690-

1690 Bremen: Die Stadt erhält ein neues Krankenhaus. Bislang wurden die Sie-chen im alten Johanniskloster versorgt, das aber den Ansprüchen nicht mehr genügte. Jetzt kaufte die Armenin-spektion ein ehemaliges Ballhaus am "Neuen Markt" und richtete es als Hospital ein. So konnten 60 Kranke gepflegt werden.
1690, 16. 9. Jever: Innung der "Kuper" (das sind die Fassmacher) gegründet.
1691 Bremen: Der Seeraub französischer Ka-perschiffe zwingt Bremen ein Konvoi-schiff auszurüsten, das mit 52 Kanonen bestückt war. Die "Wappen von Bre-men" wurde von Jürgen Bake komman-diert, dessen Portrait heute im Focke-Museum hängt.
1691 Bremen: Pocken-Epidemie in der Han-sestadt. An der Krankheit sterben 450 Kinder.
1691 Grambke: Erste Erwähnung einer Mühle. Sie brennt 1738 ab, wird aber wieder aufgebaut und 1871 abgerissen. Im Jahre 1879 entsteht eine neue Mühle, die seit 1926 jedoch keine Flügel mehr hat.
1691 Arsten: Diese Jahreszahl liest man in dem Turm der Kirche von Arsten, indes wird das Gemäuer auf das 13. Jahrhun-dert datiert, so dass sich der Hinweis wohl auf eine Renovierung bezieht. Die Predigtstätte wurde im Zweiten Welt-krieg beschädigt, aber im Jahre 1951 wieder hergestellt. Taufstein von 1955, Orgel von Führer 1959/60.
1691 Gröpelingen: Es wird eine Mühle erwähnt, die 1788 abbrennt, dann aber wieder aufgebaut wird. 1879 steht eine Mühle an der Luchtbergstraße, die im 2. Weltkrieg abbrennt und dann abgebro-chen wird.
1692-1741 Bremen: In der Stadt erscheint die Dienstaegige Post-Zeitung von Hermann Brauer. Seit 1741: Bremer Zeitung
1692 Bremen: Streik der Schnürmacher.
1692 Wangerooge: Die Kirche im Westturm erhält eine Orgel. Sie wurde von Ulrich Lauts in Jever geliefert.
1693 Bremen: Teerhofmühle konzessioniert. Sie bestand bis ins 18. Jahrhundert.
1693, 22. 10. Sturmflut. In Stedingen bricht bei Iprump der Deich. Vor Langwarden (Feldhau-sen) werden 32 Jück Land ausgedeicht.
1693 Esens: Bau des Neuharlinger Siels. 1785 Steinsiel. 1958-1961 modernes Siel.
1694 Bremen: In der Hansestadt erscheint die "Post-Zeitung". Der Drucker Hermann Brauer erhielt schon 1692 die Erlaubnis des Rates. Vermutlich erschien sie bis 1740. Es ist aber nur ein Exemplar überliefert. (Schwarzwälder kennt eine "Dienstaegige Post-Zeitung", die von 1692-1741 erschien.) Im Jahre 1741 schloss sich die "Bremer Zeitung" an, die ebenfalls in der Druckerei Brauer (numehr Witwe Brauer), hergestellt wurde. Sie erschien bis 1812.
1694 Bremen: Fertigstellung der Börse. An dem Gebäude hatte man, mit Unterbrechungen, seit 1621 gebaut.
1694 Butjadingen: Große Landverluste infolge einer Sturmflut. Bei Waddens werden 10 Jück Land aufgegeben. Jetzt sind auch die Dörfer Langemehne, Oegens und Tedlens gefährdet. In ihrem Bereich gehen 194 Jück verloren.
1694, 20./21. 9. Stedingen. Einbruch der Gellener Brake. Das Loch ist bis 10 Meter tief und muss nach innen umdeicht werden. Der neue Deich bricht bereits am 20. November und dann wieder am 11. Dezember.
1694, 19. 9. Varel: Die Baulichkeiten der Christians-burg werden auf Abbruck versteigert. Das Projekt ist damit aufgegeben.
1694 Jever: Crildumer Siel erneuert. 1843 in Holz erneuert, dann 1882 durch ein steinernes Siel ersetzt. Heute ohne Bedeutung. Das erste Crildumer Siel wird auf die Zeit um 1500 datiert.
1694 Hohenkirchen: Joachim Kayser aus Jever liefert eine neue Orgel.
1694 Wangerooge: Zum Schutz gegen Seeräuber werden zwei eiserne Kanonen und Munition auf der Insel stationiert. Im folgenden Jahr stationiert der Fürst einen Gefreiten und 19 Mann auf Wan-gerooge, die sich aber gegen die Frei-beuter "defensiv" verhalten sollen, um sie nicht zu reizen. Die Vorsichts-maßnahme nützt wenig: Noch in dem selben Jahr lassen sich die Seeräuber vom Wangerooger Vogt Wasser und Proviant liefern und im April 1696 bemächtigt sich vor der Insel ein Kaperschiff eines Bremer Frachtseglers mit wertvoller Ladung.
1695 Bremen: Der Senat belegt den Verbrauch von Tabak, Tee, Schokolade und Kaffee mit einer Steuer.
1696 -1702 Bremen: Bau des Armenhauses an der Großen Straße im Stephaniviertel. In dem Gebäude lebten und arbeiteten bis zu 346 mittellose Bremer. Baumeister war Hermann Brüggemann (1647-1717). Das Haus diente bis 1912 diesem Zweck und wurde dann Standort des His-torischen Museums. Im Zweiten Welt-krieg zerstört.
1696 Bremen: Herr Lemberger erhält vom Rat das Privileg, Nachtlaternen zu unter-halten.
1696 Waddens. Die Kirche im Dorf wird auf-gegeben. Die Gemeinde besucht den Gottesdienst in Brüddewarden.
1697, 21./22. 9. Jever: Das Wasser steigt bis zur Deich-kappe, dann aber tritt, im letzten Mo-ment, Ebbe ain, so dass es zu keiner Katastrophe kommt.
1697, 21. 9. Wangerooge: Eine Sturmflut zerstört Dünen am Nordweststrand.
1698, 20. 5. Bremen: Arp Schnitger stellt die Orgel im Bremer Dom fertig. Das Instrument wurde im Jahre 1693 in Auftrag gegeben und hat 50 Register.
1698 Berne. Der Ort brennt erneut nieder.
1698 Heppens: Bau der "Kopperhörner Müh-le". Ihren Namen leitet man davon ab, dass sich in der Nähe ein Siel befand, das angeblich mit Kupfer beschlagen war. Ursprünglich stand auch hier eine Bockmühle, die aber zum Ende des 17. Jahrhunderts durch einen Sturm zerstört wurde. Man ersetzte sie durch einen Galerie-Holländer, der 1853 in das Eigentum der Marine überging. Im Jahre 1922 kaufte die Stadt Rüstringen die Mühle.
1697 Bremen. Der Schotte Gilbert Spens ersucht den Rat der Stadt Bremen um die Erlaubnis, im Keller des Schüttings Kaffee und Tee auschenken zu lassen. Sie wird gewährt. Spens nutzt das Privileg bis 1704
1697-1700 Bremen: Bau der St. Michaeliskirche vor dem Doventor.
1698 Bremen: Einige Anwohner der Langen Straße stellen auf eigene Kosten einige Laternen auf, um den Weg zu erleuchten. "Nur sehr langsam und zögernd fand dieses Beispiel Nachahmung, obwohl es von der Obrigkeit empfohlen wurde." (Franz Buchenau: Die Freie Hansestadt Bremen, 1934, S. 202) Die weitere Entwicklung: 1740 wurde die Große Weserbrücke mit 6 Lampen erleuchtet und 1778 standen in den Straßen nicht weniger als 284 Tranfunzeln.
1698, 3. 7. Dedesdorf. Die von Arp Schnitger gebaute Orgel erklingt zum ersten Mal. Der Vertrag über die Lieferung des Istruments wurde am 16. August 1697 abgeschlossen.
1698 Berne: Erneute Brandkatastrophe im Ort.
1698, 25. 7. Jever: Fürst Carl Wilhelm von Anhalt-Zerbst stellt dem Juden Meyer Levi einen Schutzbrief aus, wonach es diesem gestattet wurde, ein Haus zu kaufen und seinem Gewerbe nachzugehen. Levi war zu dieser Zeit bereits in Jever ansässig und, wie wir heute sagen würden, als Bankier tätig. Levi bezog damals ein Haus an der Neuen Straße. Im Jahre 1720 lebten in Jever drei jüdische Familien, nämlich besagter Levi, sein Sohn und Bendix Pfeilmann. Diese kleine jüdische Gemeinschaft war das Ziel be-ständiger Beschwerden ihrer christ-lichen Nachbarn, die die Folge hatten, dass ihnen im Jahre 1725 verboten wurde, öffentlich oder privat jüdische Gottesdienste abzuhalten, stattdessen erhielten sie die Anweisung, "zu Zei-ten" den lutherischen Gottesdienst zu besuchen. Es war den Juden nämlich verboten, für ihre Religion Werbung zu machen (woran sie sich bis heute halten), während sie sich andererseits durchaus der "Nötigung" ausgesetzt sahen, zum christlichen Glauben überzu-treten, was ja im 19 Jahrhundert auch viele Juden taten. So viel an dieser Stelle zur "christlich-jüdischen Tradi-tion" in Jever und andernorts.
1698-1699 Jever: Sophiengroden im Jeverland (297,5 ha). Während der Arbeiten stecken die Koierer am 1. Mai 1698 die Laweyfahne auf, d.h. sie treten in einen Streik. Weitere Einzelheiten teilt uns Tenge nicht mit. Wir erfahren so, dass der Deichbau inzwischen keine genos-senschaftliche Leistung der Grundeigner mehr ist, sondern von Unternehmern ausgeführt wird, die Arbeiter beschäf-tigen. Diese wohnen abseits der Dörfer in Baracken, die in der Nähe der Bau-stellen errichtet werden. Die Arbeitsbe-dingungen selbst sind unmenschlich hart, so dass es notwendigerweise zu Kon-flikten kommt, die in aller Regel mit Gewalt niedergeschlagen werden. Die andere Konsequenz ist, dass die Menschen sich in die Religion flüchten, wobei sie die lutherische Predigt nicht erreicht, denn die Dorfkirchen sind weit entfernt und stehen faktisch nur jenen offen, die zu den besseren Kreisen gehören. Indes finden die Prediger von allerlei Sektenhier aufmerksame Hörer. Am Jadebusen ist besonders der Bap-tismus besonders verbreitet, der ver-mutlich an die wiedertäuferische Tradi-tion der Reformationszeit anknüpfen kann, was aber nur meine Spekulation ist.
1699 Bremen: Ansgari-Mühle auf der Gies-haus-Bastion. 1832 abgebrannt, aber 1833 wieder aufgebaut.
1699 Bremen. Die Arbeiter, die beim Bau der Festungswälle eingesetzt waren, strei-ken, weil ihnen der Lohn vorenthalten wurde.
1699 Jever: Das Land erhält ein neues Ge-sangbuch. Bis dahin hatte man sich in dem Ländchen mit fremden Gesang-büchern beholfen, wenn man überhaupt welche besaß. Falls keines vorhanden war, begnügte man sich mit den Gesän-gen, die man aus dem Schul-Unterricht auswendig kannte. Das jeverländische Gesangbuch wurde in Bremen gedruckt und 1712, 1714, 1729 und 1751 neu aufgelegt. Man hat es erst 1793 durch ein anderes ersetzt, das vom Geist der rationalistischen Theologie geprägt war. Das Gesangbuch war bis in das 19. Jahrhundert sehr oft das einzige Buch im Haus einer Familie. Vor allem aber gelangten die dogmatischen Inhalte der lutherischen Orthodoxie durch die Texte der Choräle in die Köpfe der Menschen. Die Predigten dauerten ja mitunter bis zu drei Stunden - bis die Obrigkeit dieser Logorrhoee der Theologen ein Ende machte, indem sie Sanduhren an den Kanzeln anbringen ließ, die der geistlichen Suada nach einer gewissen Zeit ein Ende setzten. Man kann davon ausgehen, dass die Kanzelreden allein durch ihre Länge jede Wirkung einbüßten - nicht so die mitunter sehr schönen Choraltexte, zumal wenn ihnen eingängige Melodien unterlegt waren. Sie haben ihre Wirkung bis heute nicht verloren. Aus diesem Umstand erklärt sich aber auch, dass der Wechsel des Gesangbuchs gelegentlich heftige Kon-troversen auslöste, denn er bedeutete auch stets einen Wechsel der dogma-tischen Lehrinhalte, an die sich die Gläubigen gewöhnt hatten und die sie nicht aufgeben wollten. So auch im Jeverland. Als am 13. Januar 1793 das neue, im Geist des Rationalismus verfasste Gesangbuch eingeführt werden sollte, stellte sich heraus, dass es fast von der Hälfte der Gemeinden abgelehnt wurde. Es kam zu Äußerungen offener Renitenz, die die Obrigkeit zwangen, den Gemeinden eine weitere Übergangsfrist zu gewähren. Erst am 21. Juli 1793 wurde das neue Gesangbuch endgültig eingeführt und nun auch von den Ge-meinden akzeptiert. Wenn der Streit so einigermaßen glimpflich beendet wurde und nicht, wie sonst üblich, in einem offenen Schisma mündete, so lag das sicherlich vor allem daran, dass die Gemeindefrömmigkeit durch den in der Praxis herrschenden Pietismus geprägt wurde, also die jeweiligen dogmatischen Unterschiede nicht mehr so ernst genommen wurden, wie das bis zum Ende des 17. Jahrhunderts der Fall war.
1699, 15.11. Jever: Der Deich vor dem Sophiengroden wird durch eine Sturmflut beschädigt.