-1710-1719-

1710-1726 Bremen: Die Festungswerke werden ein letztes Mal ausgebessert. Danach wer-den sie, weil militärisch nutzlos, dem allmählichen Verfall überlassen.
1710 Bremen/Vegesack: Von Bremen und Ve-gesack aus wird ein Flusslotsendienst angeboten.
1710 Neuenhuntorf. Grabkeller der Familie Münnich, gestaltet vom Bildhauer Mehntz in Bremen.
1711 Dedesdorf: Auf dem Kirchhofe befinden sich zwei Halseisen: eines innerhalb der Begrenzungsmauer und eines außer-halb. Beide sind dazu bestimmt, die "Verächter des Wortes Gottes" wäh-rend des Gottesdienstes öffentlich aus-zustellen, wobei die Vornehmeren inner-halb der Mauer standen, die Geringeren außerhalb. Solche Folterinstrumente ge-hörten damals zur Ausstattung einer je-den Kirche. In Dedesdorf gab es 1756 auf dem Friedhof immer noch ein Hals-eisen. Im Jahre 1767 wurden diese Kir-chenbußen eingestellt.
1711 Blexen: Das "Dänentor" zum Friedhof wird errichtet.
1712 Wulsdorf. Viehseuche im Vieland.
ab 1712 Wremen: Kram- und Holzmarkt am Wremer Tief.
1712, 6. 9. Stade: Die schwedische Besatzung von Stade kapituliert. Dänemark übernimmt vorübergehend die Verwaltung des Her-zogtums Bremen.
1712, 31. 3. Varel erhält eine Apotheke
1712 Jever: Schweres Viehsterben. Zuvor gab es Viehseuchen in den Jahren 1593, 1600,1648 und 1682
1713-1714 Bremen: In der Stadt tritt zum letzten Mal die Pest (oder was man dafür hält) auf.
1713 Lehe: Gründung einer Lateinschule. Sie besteht bis 1897.
1713 Butjadingen: Große Fedderwarder Ein-lage, 87 Hektar Land werden ausge-deicht. Das Dorf Fedderwarden selbst war längst untergegangen.
1714 Wulsdorf: Große Trockenheit.
1713, 23. 6. Esens: Pfarrer Christian Wilhelm Schneider legt den Grundstein für ein Waisenhaus in Esens. Schneider war von August Hermann Francke, dem Begründer des Waisenhauses in Halle, dem Fürsten von Ostfriesland empfohlen worden, der dessen Ernennung gegen den Willen der Gemeinde durchsetzte. Das Waisenhaus besaß -neben den Schlafräumen für die Kinder und den Klassen - noch eine Tuchmacherei, eine Bäckerei und eine Brauerei, Es gab darüber hinaus noch einen Versamm-lungsraum mit einer Orgel. Die Einrich-tung konnte von ihren Einkünften der Wirtschaftsbetriebe existieren. Das Wai-senhaus des Pastors Schneider brannte am 25. 9. 1860 aus. Vier Jahre später wurde in Esens ein neues "Armen- und Arbeitshaus"errichtet. Der Grundstein wurde am 23. September 1864 gelegt. Dieses Gebäude wurde am 27. Septem-ber 1943 durch einen Bombenvolltreffer zerstört.
1714 Bremen: Der Rat bestätigt die Satzung der Bruderschaft "Beständige brüder-liche Liebe", in der sich Schiffszim-merer zur gegenseitigen Unterstützung zusammengeschlossen haben. Ein Vor-läufer der Gewerkscaftsbewegung des 19. Jahrhunderts.
1714 Esens: Die St. Magnuskirche erhält einen neuen Altar.
1715 +1716 Butjadingen: Mäuseplage in Butjadingen
1715, 26. 6. Stade: Dänemark tritt gegen eine Geld-entschädigung die Herzogtümer Bremen und Verden an das Kurfürstentum Han-nover ab. Schweden verzichtet auf sei-nen Besitz zwischen Elbe und Weser im Frieden von Stockholm, der am 20. November 1719 gechlossen wird.
1715 Wulsdorf: Viehseuche im Vieland.
1715, 12./13. 2. Waddens: Sturmflut. Große Schäden bei Waddens. Bei Oegens 13 Braken. Die Vogtei Stollhamm und ein Teil der Vog-tei Abbehausen werden überschwemmt.
1715: Butjadingen: Rinderpest
1715: Jever: Die Stadtkirche erhält eine neue Orgel. Der "alte Klapperkasten" geht nach Wiefels, wo sie noch heute gespielt wird.
1716, 9. 12. Bremen: Zar Peter der Große von Russ-land passiert auf seiner Reise nach Frankreich die Hansestadt.
1715/1716 Jever: Hornviehseuche im Land. Weitere Seuchenjahre: 1719, 1745, 1746, 1749, 1752, 1754 und 1757. Die Krankheiten haben zur Folge, dass fast der gesamte Bestand an Rindern ausstirbt, so dass den Bauern die Existenzgrundlage ent-zogen wird. Sie versuchen deshalb, auf den Anbau von Getreide auszuweichen. Die Rindviehzucht blüht erst wieder auf, als eine neue Rindviehrasse ins Land geholt wird, die sich als resistent er-weist.
1716 Jever: Das Land verzeichnet in den Jahre 1700, 1701, 1702, 1703, 1706, 1709, 1710, 1714, 1715, 1716, also faktisch in jedem Jahr Deichschäden. Riemann vermutet: "Sackung und Ab-fraß, vielleicht auch die säkulare Sen-kung der Küstenlande der Nordsee, hat-ten die Höhe der Deiche bedeutend ver-ringert und durch die bei pfandweiser Ausgabe der Instandhaltung häufig vor-kommender Nachlässigkeit bei Ausbes-serung der Schäden erschien jetzt der Bestick derselben ganz unzureichend für die Sicherung des Landes selbst gegen verhältnismäßig nur wenig höhere Flu-ten." (Riemann: Geschichte des Jever-landes, 1931, 3. Bd. S. 228-22). Rie-mann spielt hier auf die Theorie Schüt-tes an, wonach sich das Land senkt. Sie hat sich als falsch erwiesen (was die Forschungsleistung des Volksschul-lehrers nicht entwertet), denn in der Tat wissen wir heute, dass sich nicht das Land senkt, sondern der Meeresspiegel steigt. Aber das war nur eine der Ur-sachen der Katastrophe, die am Weihnachtstage des Jahres 1717 eintre-ten sollte. Eine andere war der mensch-liche Unverstand. Riemann benennt ei-nes der Übel, nämlich die pfandweise der Vergabe der Deichpflichten an die Grundeigentümer, die mit unterschied-licher Gewissenhaftigkeit ihren Pflichten nachkamen. Er erwähnt an dieser Stelle nicht, was er andernorts lebhaft kriti-siert, nämlich dass es von dieser allge-meinen Belastung sehr viele Ausnahmen gab, die ich hier nicht wieder aufzählen will. Die Folge war, dass diejenigen, die übrig blieben, zum einen nicht in der Lage, zum andern auch wegen der schreienden Ungerechtigkeit nicht mehr bereit waren, ihren Pflichten nachzu-kommen. Riemann schreibt beispiels-weise: "Die Deichlasten steigerten sich derartig, dass die Rüstringer den Wangerländern weiteren Beistand ver-weigerten. Als nun, im Jahre 1689, das Rüstersiel zu erneuern war, versagten ihrerseits die Wangerländer den Rüs-tringern jeden Beistand zur Notdeichung. Die Regierung selbst musste vermittelnd dazwischen treten, und so kam zwischen beiden ein Vergleich zustande, wonach sie bei Aushebung der Sielkuhlen, Aus-schlötungen des Innen- und Außentiefs und bei neuen Aus- und Eindeichungen die Lasten gemeinschaftlich tragen woll-ten, andre Arbeiten sollte jeder für eigne Rechnung ausführen lassen." (Riemann: Geschichte des Jeverlandes, 1931, 3. Band S. 209) Die Emotionen gingen also so hoch, dass längst vergessene land-schaftliche Gegensätze wieder aufbra-chen. Für die kommenden Ereignisse war aber entscheidend, dass man in all den Jahrzehnten am Bestick der Deiche nichts geändert hatte und dass die Re-gierung meinte, gegen den Widerstand der Landesdeputierten eine Verstärkung der Dämme nicht durchsetzen zu können. So konnte es denn geschehen, dass bei jeder Flut, die etwas höher als normal auflief, die Deiche überströmt wurden und das Land unter Wasser stand und dass sich dann, als es wirklich zu einer Jahrhundertflut kam, das ereignete, was am Weihnachtstage des Jahres 1717 eintrat.
1717 Bremen. Auf der heutigen Altmannshöhe wird eine Mühle errichtet, die zunächst zum Walken der Häute, die man gerben wollte, eingesetzt wurde, dann aber zur Kornmühle umgebaut wurde. (Gerbe-reien waren damals für die Umwelt enorm schädlich und zumindest lästig, so dass die Maßnahme sehr verständlich ist, denn Korn stinkt nicht) Sie brannte 1799 ab, wurde 1813 neu errichtet und 1893 abgebrochen.
1717, 7. 12. Bremen. Vor dem Dom kommt es zu einer Demonstation einer großen Menschenmenge, darunter viele Schiffer, Bootsknechte, Kaufmannsgehilfen und Barbiergesellen, die sich gegen die Schweden richtete, die damals den Dom und das Palatium in Besitz hatten. Der Rat setzt Sodaten ein, um die Unruhen zu beenden.
1717, 24./25. 12. Weihnachtsflut. Sie "gilt als die höchste aller jemals vorher und vielleicht nach-her an unseren Küsten aufgelaufenen Sturmfluten." (Tenge) In Dangast steht der Pegel auf 4,89 Meter über NN. Die Gesamtbilanz: 12.000 Tote und 10.000 Qudratkilometer überschwemmten Lan-des. Der Verlauf: Am 24. Dezember weht der Wind aus Südwest, dreht dann am 25. Dezember auf Nordwest und frischt zum Sturm auf. Erst am 26. Dezember lässt der Wind nach. Folge: Sehr hoher Wasserstand, obwohl keine Springflut herrschte. Die Deiche halten dem nicht stand und brechen faktisch überall. Das ganze Jeverland wird, ebenso wie Butjadingen, überschwemmt. Die Bilanz:
  • Im Jeverland sterben 1549 Menschen. Dazu gehen 556 Pferde, 3915 Stück Rindvieh, 1005 Schweine und 1799 Schafe verloren. 449 Häuser werden zerstört.
  • Im Harlinger Land war der Deich an 54 Stellen durchbrochen, wobei 9 Kolke gerissen wurden. Der größte war etwa 100 Meter lang und rund zehn Meter tief. Im Kirchspiel Funnix starben 243 Menschen.
  • In Eckwarden (Butjadingen) sterben 275 Menschen. Dazu kommen 105 Pferde, 502 Stück Rindvieh, 401 Schafe und 201 Schweine um. 60 Häuser wurden zerstört und 87 beschädigt.
  • In Burhave sterben 142 Menschen. Außerdem krepieren 705 Tiere, also Pferde, Rinder, Schweine und Schafe. 45 Häuser wurden zerstört.
  • In Tossens beklagt man 126 Tote, von denen man nur 21 begraben kann - die anderen wurden von der Flut weggetrieben. 62 Häuser sind zerstört und 273 Stück Vieh krepiert.
  • In Waddens ertrinken 185 Men-schen. 46 Häuser, darunter die Pastorei und die Küsterei, wurden weggerissen. Das Dorf muss man endgültig aufgeben.
  • Langwarden und Stollhamm in Butjadingen wurden beinahe vollständig zerstört. 74 Häuser in Langwarden waren ausgetrieben, 121 lagen in Trümmern, 200 Menschen ertranken und fast der ganze Viehbestand war verloren. Schrecklicher noch litt Stollhamm, wo 582 Menschen das Leben einbüßten und 2000 Stück Vieh umkamen." (Riemann: Geschichte des Jeverlandes, 1931, Bd. 3, S. 244)

Insgesamt starben in den oldenbur-gischen Marschen damals 2471 Men-schen. Außerdem gingen 2000 Pferde und 2258 Rinder verloren. (cf. Riemann, Geschichte des Jeverlandes, 3. Bd. 1931, S. 24 Der Deichgräfe Rudolf v. Münnich bilanziert, dass sich die Hausvogtei sowie die vier Marsch-vogteien und das Stadland nach der Katastrophe selbst behelfen könnten, nicht aber Butjadingen. Hier seien "viele Einwohner und das meiste Vieh ertrunken." (Tenge)Auf Langeoog wird die Kirche zerstört. Die Pfarrstelle bleibt von 1722 bis 1751 unbesetzt. Die Insel hat keine Einwohner mehr. Riemann bilanziert das Ergebnis der Katastrophe für das Jeverland wie folgt: "Die durch die Flut verursachten Verluste an Menschen, Vieh, Mobilien und Immobilien waren unermessliche. Kein Dorf auf der Marsch blieb ohne Verlust, am meisten von allen waren Minsen, Neuende und Heppens heimge-sucht worden; ersteres verlor 235 Men-schen, in Neuende und Heppens betrug der Verlust weit über 1/3 der ganzen Bevölkerung; es ertranken in Neuende 295 von ca 600 Bewohnern und in Hep-pens von 300 Seelen 128. In allen jeverschen Vogteien betrug der Verlust an Menschenleben 1275 von höchstens 10.000 Einwohnern und in dem kleinen Kniphausen waren 374 Befreiung umge-kommen, so dass der Gesamtverlust Jeverlands an Menschenleben sich auf 1649 blieb." (Riemann: Geschichte des Jeverlandes, 1931, Bd. 3. S. 242) Doch damit nicht genug: "An Vieh waren ersoffen: 553 Pferde, 3021 Stück Horn-vieh, 1748 Schafe, 1001 Schweine, außerdem waren 337 Häuser zerstört und 270 schwer beschädigt, abgesehen von den drei Kirchspielen Neuende, Heppens und Sande, wo fast alle Ge-bäude , welche stehen geblieben waren, großen Schaden erlitten und größtenteils unbewohnbar geworden waren." (Rie-mann: Geschichte des Jeverlandes, 1931, Bd. 3, S. 244) Doch das war nicht alles: "Dazu war das Land in einem entsetzlichen Zustand. Von Sand, Schlamm und Gerölle waren weithin die Aecker bedeckt und die Landgüter da-durch entwertet. Die Wintersaat war gänzlich verdorben, vielfach auch die Weiden, und auch die Frühjahrseinsaat wollte auf den tiefer liegenden, lange vom Wasser bedeckten Aeckern nicht gedeihen. Die Obstbäume gingen im Laufe der nächsten beiden Jahre fast sämtlich ein mit Ausnahme der Birnen, welche fast alle die Wasserflut gut über-standen und reiche Erträge brachten." (Riemann: Geschichte des Jeverlandes, 1931, 3. Bd,. S. 245) Und weiter: "Mit der Weihnachtsflut von 1717 kam es in Butjadingen zu einem Stillstand aller Handelsaktivitäten. Etwa 2500 Menschen (28,3 Prozent der Einwohner von 1702) kamen in den Fluten um. Man zählte 10.000 Kadaver von Pferden, Kühen, Schweinen und Schafen. So wurden Ländereien herrenlos, weil keine Familienmitglieder diese Flut und ihre schweren Folgen überlebt hatten." (Auffahrt: Das Geld, Bd. 1, 2004, S. 90)Das Land Wursten wurde bis zum Geestrand überschwemmt. Die Deiche waren über weite Strecken weggespült. In der Flut kamen hier 196 Menschen um. 113 Häuser stürzten ein. Es gingen verloren: 220 Pferde, 587 Rinder, 544 Schweine, 1210 Schafe.Nach der Weihnachtsflut bleibt die Osterstader Marsch zwei Jahre lang überschwemmt, weil die Deiche nicht repariert werden können. Aber die Flut war nicht die einzige Ursache der Katastrophe: Die Dämme hatten durchweg nur eine Höhe von etwas über drei Metern, was, wie man wusste, völlig unzureichend war, indes ließen die Verhältnisse eine durchgrei-fende Änderung offenbar nicht zu. Das änderte sich in den folgenden Jahren. Die Deiche wurden nach dieser Kata-strophe hier so erhöht und verstärkt, dass die Sturmfluten von 1726, 1746 und 1751 keine wesentlichen Schäden ver-ursachten.So viel zur Bilanz der Weihnachtsflut, die sich bis heute im kollektiven Ge-dächtnis der Marschbewohner erhalten hat und stets als Vergleich dient, so bald die Flut wieder einmal einen Höchst-stand erreicht, hat wie 1962 geschehen. Bemerkenswert ist an der Schilderung jedoch, dass die Verluste an Menschen und Vermögenswerten zwar groß war, aber dass so gut wie keine Landverluste eintraten. Das trifft auch für das Dorf Waddens zu, das, wie dargestellt, bereits verloren war. Die Weihnachsflut gab dem Dorf den Rest. Und bei den folgenden Aufbaumaßnahmen fällt auf, dass es nun nicht mehr allein darum geht, die Kosten der landesherrlichen Hofhaltung zu sichern, wie zur Zeiten des Grafen Anton Günther und seiner Vorgänger, sondern dass nun wirklich das Wohl des Landes in den Vorder-grund der Betrachtung tritt mit der Folge, dass das Deichwesen sowohl in der Grafschaft Oldenburg als auch in der Herrlichkeit Jever von Grund auf refor-miert wird. Die Folge dieser neuen Po-litik ist, dass es seither zu ähnlichen Ka-tastrophen nicht mehr gekommen ist. Ob wir sie allerdings für die Zukunft aus-schließen können, hängt sicherlich nicht mehr von den Tiefbau-Ingenieuren ab, sondern davon, ob es gelingt, das Abschmelzen der Polkappen aufzuhalten - und damit sind ganz andere Kräfte herausgefordert.
1718, 25, 2. und 5., 6. und 16. 3.; 1 12. Weitere Sturmfluten vergrößern die bereits vorhandenen Schäden in der Wesermarsch. Unmittelbar nach der Weihnachtsflut schätzt man die Kosten auf 28.000 Taler, aber nach den folgenden Fluten stieg die Schätzung auf 138.000 Taler (wobei vermutlich nur die Aufwendungen für die Wiederherstellung der Deiche gemeint waren). Als Ursache wird in den folgenden Untersuchungen auch benannt, dass die Deiche im ganzen Butjadinger Land "im vorigen Jahr (also vor der Weihnachts-flut) in keinem einzigen Ort in den vollen Bestick und genügenden Stand gebracht (waren), daher sie itzo durchgehend über den Haufen liegen." So zitiert Tenge eine zeitgenössische Quelle und fährt dann fort: "Die Gründe für die Vernachlässigung der Deiche lagen, außer der Entkräftigung und Entmutigung der Bevölkerung infolge der immer sich wiederholenden Un-glücksfälle in dem gänzlichen Mangel des Landes an Geld und Kredit in jener ohnehin geldarmen Zeit." Die unmittelbaren Konsequenzen werden so beschrieben:Die Lebensmittel waren fortge-schwemmt, und wo es noch Getreide gab, konnte es nicht verarbeitet werden, weil es keine Gelegenheit gab, es zu vermahlen und Feuerung fehlte, um Brot zu backen. Schlimmer noch, so Tenge, war der Mangel an frischem Wasser für Mensch und Vieh. Überdies fehlte Kleidung und zu allem Überfluss waren Hilfslieferungen nur schwer ins Land zu bringen, weil die Wege durchweicht waren. "Es dauerte bis Mai 1718, dass die Versorgung der Notleidenden eini-germaßen organisiert war." (Tenge)
1718, 22. 2. Esens: Erneute Sturmflut. Neue Deich-brüche und Kolke im Harlinger Land.
1718, 16. 3. Jever: Erneute Überschwemmung.
1718, 17. 11. Jever: Deichschau. Die Kommission stellt fest, dass die Deiche, wenn auch im alten Bestick wieder hergestellt sind. In der Tat entstehen bei Fluten im Jahre 1721 zwar Schäden am Deich, aber es gibt keine "Grundbrüche".
1718, 11./12. 11. Jever: Eine Sturmflut überschwemmt das Land
1719 Arbergen. Die alte Kirche, von der einige Teile aus dem 12. Jahrhundert stammten, wird abgerissen und durch eine neue ersetzt.
1719, 9. 10. Vegesack: In einer Schmiede bricht Feuer aus, das dreißig Gebäude in Schutt und Asche legt.
1719 Stade: Das Herzogtum Bremen wird von Hannover annektiert.
1719, 11./12. 11. Jever: Sturmflut