-1740-1759-

1740-1746 Bremen. Erster Versuch, die Unterweser auszubaggern, der aber scheitert, weil die technischen Mittel noch nicht vor-handen sind
1740 Wulsdorf: Harter Winter; kalter Sommer. Das Vieh hungert. Die Bauern verfüttern Stroh, das sie von den Dächern holen und Quecken, sie aus dem Acker graben.
1740 Butjadingen: Großes Viehsterben. Ver-luste in Rodenkirchen: 155 Pferde, 2256 Rinder, in Abbehausen: 46 Pferde, 1371 Rinder, in Blexen: 106 Pferde, 1461 Rinder, in Burhave: 86 Pferde, 591 Rinder und in Stollhamm: 23 Pferde sowie 666 Rinder.
1740 Altenesch. Bau einer Schule. Sie erhält 1826 einen Anbau, der dann aber auch nicht ausreichte. Im Jahre 1846 baute man deshalb ein neues Schulhaus in Deichshausen, die ihrerseits durch einen Neubau ersetzt werden muss, der am 8. Mai 1900 eingeweiht wird. Seit 1969 hat Altenesch bzw. Deichshausen keine Schule mehr. In dem Haus wurde dann ein Kindergarten betrieben.
1741 Bremen. Zum ersten Mal erscheint der bremische Staatskalender.
1741-42 Bremen. In der Stadt erscheinen die "Wöchentlichen Frag- und Anzeigen-nachrichten".
1741, 12. 9. Bremen. Die "Bremer Wöchentliche Zeitung" erscheint zum ersten Mal. Das Blatt, kurz als "Bremer Zeitung" be-zeichnet, besteht, abgesehen von einer Unterbrechung vom Januar 1812 bis September 1815, bis zum Ende des Jahres 1848 (nach Schwarzwälder nur bis 1812). Ihre Auflage übersteigt nie 250 Exemplare.
1741, 23. 8. Bremen/Stade: Zweiter Stader Ver-gleich. In dem Vertrag wird das Ver-hältnis der Kaiserlich freien Hansestadt Bremen zum Kurfürstentum Hannover geregelt. Die Stadt büsste zwar die Hoheit über Vegesack und Blumenthal sowie einige Landgemeinden ein, behielt aber die Reichsunmittelbarkeit. Außer-dem blieb der Hafen von Vegesack bremisch.
1741 Bremen. Die Maurer streiken erfolg-reich. Anlass des Arbeitskampfes war eine Beleidigung.
1741, 16./17. 11. Blexen: Die alte Pastorei brennt ab. Da-bei werden die Kirchenbücher vernich-tet. An der jetzigen Pastorei erinnert eine steinerne Gedenktafel an das Ereignis.
1741, 29. 4. Jever. Sturmflut
1741 Wittmund: Die "Peldemühle" wird fer-tiggestellt. Sie heißt so, weil sie Gerste schälte (sächsisch: pellte). Der Galerie-Holländer ist jedenfalls die älteste Mühle dieser Art Niedersachsens, möglicher-weise sogar Deutschlands. Sie war bis 1974 in Betrieb und ist noch heute voll funktionsfähig. Sie ist sei 1977 Heimat-museum.
1742 Bremen. Bau des Herrenhauses von Gut Grolland. 1965 abgerissen. Die Ge-schichte des Gutes reicht bis in das 15. Jahrhundert zurück, als die Grafen von Oldenburg-Delmenhorst hier den Platz mit Wall und Graben befestigten.
1743 Bremen. Die "Bremer wöchentlichen Nachrichten" erscheinen. Sie existieren bis 1853 und gehen dann über in die "Bremer Nachrichten", die ab dem 28. November 1871 als Tageszeitung er-scheinen, bis sie 1944 eingestellt wer-den. Von 1949 bis 1974 leben die Bremer Nachrichten wieder als selbst-ständige Zeitung. Dann übernimmt der "Weser-Kurier" den Verlag.
1744 Ellenserdamm. Seit etwa 1742 ent-wickelt sich der Sielort zum Hafen, über den insbesondere Steine, Holz und Sand umgeschlagen werden. 1744 wird das Zollhaus gebaut. (1862 abgerissen und durch Neubau ersetzt) Seit 1867 führt die Eisenbahn Oldenburg-Heppens di-rekt an Ellenserdamm vorbei. 1870 erhält Ellenserdamm einen Bahnhof. Seit 1893 besteht eine Bahnverbindung zwischen Ellenserdamm und Bock-horn/Grabstede. Damit können die Zie-geleien auf der Friesischen Wehde ihre Ziegelsteine über Ellenserdamm ver-schiffen. Der Hafen erlebt also von 1893 bis 1914 seine Blütezeit. Im Ersten Weltkrieg geht der Umschlag zurück. Im Jahre 1924 wird das Siel und damit der Hafen von Ellenserdamm aufgegeben.
1742, 18./19. 2. Butjadingen. Sturmflut. Schäden an den Deichen, aber keine Landverluste,
1743 Bremen. Eine erste Volkszählung ergibt, dass in der Stadt Bremen selbst 30.000 Menschen leben.
1743, 4. 11. Bremen: Die Tischler streiken, um eine Arbeitszeitverküzung durchzusetzen (es ging um die Einführung des monatlichen "blauen Montags", also um eine Verkürzung der Arbeitszeit). Der Aus-stand endet bereits am 5. November, als der Rat die beiden Anführer verhaften ließ.
1743, 1. 2. Jever: Sturmflut. Der Wasserstand erreicht fast die Höhe der Weih-nachtsflut von 1717, aber an den Die-chen entstehen nur geringe Schäden. Auch die Sturmfluten vom 12. Dezember 1747 und vom 1. Oktober 1750 können erfolgreich abgewehrt werden. Die Maßnahmen, die die Regierung zur Sicherung des Landes ergriffen hat, zei-gen also Wirkung. Dabei dürfte ent-scheidend gewesen sein, dass man die Deiche nicht nur verstärkte, also höher und breiter baute, sondern dass die Regierung auch mehr und mehr von dem Pfandsystem abging und stattdessen Unternehmer beauftragte, die die Deich-bauarbeiten mit Hilfe von Arbeitern, die entlohnt wurden, ausführten. Damit holte man sich soziale Konflikte ins Land, die einmal ihren Ausdruck in gelegentlichen Streiks fanden, die mal friedlich, mal auch mit militärischer Gewalt beendet wurden, zum andern öffnete man auf diesem Wege Sekten, darunter vor allem den Baptisten, die Tür. Die freikirch-lichen Prediger, wie wir heute sagen, wirkten zwar auf die Arbeiter beruhi-gend, aber mit der dogmatischen Einförmigkeit war es nun vorbei. Die Pastoren mussten sich damit abfinden, dass sie Konkurrenz bekamen. Ingesamt kann man wohl davon aus-gehen, dass um die Mitte des 18. Jahr-hunderts die wirtschaftlichen Folgen der Weihnachtsflut überwunden waren. Dau-erhaft wirkten sich die sozialen Konse-quenzen aus, die Riemann für das Jeverland so beschreibt: "Durch Ver-kauf, Konkurs und Spatenrecht kamen zwar viele Landgüter wieder in der Hand vermögender Menschen, die den an sie gestellten Forderungen nachzukommen vermochten, sehr viele alte Bauern ver-armten jedoch gänzlich und waren ge-nötigt, als Bettler von ihren Hofstellen zu gehen, die Jahrhunderte lang im Be-sitze ihrer Familien gewesen waren. Da-rum findet man im Jeverland Namen, die einst unter den Hausleuten von gutem Klang waren, heute nicht mehr unter den grundgesessenen Hofbesitzern, sondern im Arbeiterstande, besonders in dem von der Weihnachtsflut so schwer heimgesuchten Rüstringen." (Riemann: Geschichte des Jeverlandes, 3. Bd. 1931, S. 255) Die Wirkung der Weihnachtsflut ist also vergleichbar mit derjenigen der großen Mannstränke im Jahre 1362 - nur dass damals keine zentrale Regierung mit ihren Möglich-keiten die Konsequenzen milderte. An-dererseits dürfte der "Pairsschub" eine ähnlich stimulierende Wirkung auf die Bevölkerung gehabt haben wie der Flüchtlingsstrom in den Jahre 1945 bis 1947, jedenfalls ist festzustellen, dass das Jeverland danach eine beachtliche kulturelle Blüte erlebte, die sicherlich nicht nur darauf zurückzuführen ist, dass in Jever eine aufgeschlossene und intelligente Regentin am Werke war.
1744 Bremen: In der Stadt wird die Frei-maurer-Loge "Zu den drei Ankern" gegründet. Sie geht 1747 wieder ein. Am 5. Oktober 1766 entsteht die neue Freimaurer-Loge "des Kapitäns Smith". Sie löste sich 1767 wieder auf. Stattdessen entstand eine neue Loge, die zunächst von Hannover und Braun-schweig abhängig und dann 1770 unter dem Namen "Zum Silbernen Schlüssel" selbständig wurde. Sie wurde 1794 aufgelöst. Im Jahre 1788 war indessen die Loge "Zum Oelzweig" gegründet worden. Sie blieb bestehen und ließ sich 1880 ein Haus an der Wall-/und Sögestraße bauen. Die Loge hatte 1933, als sie verboten wurde, etwa 300 Mitglieder. Im Jahre 1946 erfolgte die Neugründung.
1744 Bremen. Erneut Streit im Schuma-cheramt. Es ging um die Frage, wer bei Versammlungen die Lade, in der sich die Dokumente der Zunft befanden, zum Ort der Versammlungen und zurück schlep-pen müsse, eine Arbeit, die unbeliebt war. Der Konflikt dauerte Monate und endete mit einem Kompromiss.
1744 Jever: Tannenscher Groden am Jade-busen
1745 Bremen. Der Sohn eines Schuhmacher-meisters, der geboren wurde, als dieser noch nicht als ein solcher bestellt war, soll nicht als Lehrling angenommen werden. Daraus entwickelt sich ein Arbeitskampf, der dazu führt, dass die Tischler aus Bremen ausziehen. Er scheitert aber.
1745 Wulsdorf. Viehseuche im Vieland.
1747 Bremen: Streik der Reepschläger-Ge-sellen, die einen höheren Lohn fordern. Es kommt am 27. Oktober 1747 zu einem Kompromiss.
1747 Rablinghausen: Bau der Kirche. Die Gemeinde wurde 1746 gebildet. Der Bau brannte am 19. August 1944 aus, wurde aber nach der Befreiung in den Jahren 1950/51 wieder aufgebaut. Der Dach-reiter stammt aus dem Jahre 1953.
1745 Atens: Bau des "Atenser Siels" (1759 verlegt) und des "Kleinen Siels" (1970 zugeschüttet).
1745 - 1748 Butjadingen: Rinderpest. Etwa 60 Prozent des Bestandes werden vernich-tet.
1745 Wedelfeld. Bau der Wasserschöpfmühle bei Neustadt-Gödens. Sie beförderte Wasser mit Hilfe einer "Archimedi-schen Schraube" aus einem tiefergele-genen Graben in einen anderen, der ein höheres Niveau hatte. Die Mühle ist heute als Museumsstück noch in Betrieb. In den achtziger Jahren des 19. Jahrhun-derts gab es in Ostfriesland noch 130 Mühlen, die der Entwässerung dienten. Sie sind heute in aller Regel abgerissen.
1746 Accum: Bau des eingeschossigen Gale-rie-Holländers, der noch heute in Betrieb ist.
1746 Atens: Eindeichung der "Mittelsände". Es entstehen die "adelig-freien Güter" (von Süden nach Norden:) Treuenfeld, Neuhavendorf, Grönland, Stiedtencron, Königsfeld, Wartfeld, Tongern, Schützfeld und Nordenhamm. Das letzte in dieser Reihe wird im 19. Jahrhundert der neuen Stadt an der Unterweser den Namen geben. Die Folge ist, dass Atens und Ellwürden ihre Häfen einbüßen.
1746, 28. 4. Dauensfeld: Zum letzten Mal kommt das friesische Spatenrecht zur Anwendung: Ein Grundeigentümer verzichtet auf seinen Besitz, indem er einen Spaten in den Deich steckt, für den er verant-wortlich. Wer ihn herauszieht, erhält dessen Land, übernimmt aber auch die Pflicht zum Deichbau. In Dauensfeld waren drei Deichgenossen betroffen.
1746 Esens. In der Burg werden die Droste-wohnung mit dem Münzturm abgebro-chen. Der andere Turm der Anlage stürzt 1766 ein. Im Jahre 1774 werden die übrigen Gebäude der Burg auf Abbruch verkauft und die Fundamente ausgegraben.
1747, 2. 4. Wulsdorf: Das nördliche Dorf wird durch ein Großfeuer vernichtet.
1747 Butjadingen: Rinderpest
1747 Jever: Im Land werden die ersten Kartoffeln angepflanzt.
1748 Bremen. Unruhe bei den Strumpfwir-kern, weil dänische Soldaten billiger arbeiten als sie. Der Aufstand scheitert.
1748-1750 Rablinghausen. Bau der Kirche.
1748 Butjadingen: Rinderpest.
1748 Atens: Der Konferenzrath v. Ahlefeld errichtet auf seinem Gut Nordenhamm die ersten Wohn- und Wirtschaftsge-bäude. Zu dem Gut gehört die Luneplate, die der Eigentümer in Erbpacht genom-men hat. Um sie zu bewirtschaften, lässt er auf dem Groden vor seinem Hof einen ersten Anleger bauen.
1748 Hohenkirchen: Im Kirchspiel herrscht "die rote Ruhr".
1748 Esens: Bau der Mühle in Werdum. Der voll funktionsfähige Erdholländer, der bis 1960 in Betrieb war, enthält seit 1976 ein kleines Heimatmuseum.
1749 Bremen. Mehrtägiger Streik bei den Lohgerbern, weil ein Meister Arbeiten an einen Mann vergeben hatte, der nicht zur Zunft gehörte. Der Arbeitskampf endete erfolglos, aber die Streikenden wurden auch nicht bestraft.
1749 Wulsldorf. Viehseuche im Viehland.

-1750-

1750 Bremen. Der Kaufmann Eberhard von Horn baut in Utbremen eine prachtvolle Somerresidenz, die von einem weitläu-figen Park umgeben wird. Das ist der Beginn des heutigen Stadtteils Findorf (ohne zwei "ff"). Die Villa des Kauf-manns, die sog. "Plantage" wird nach 1802 zu einem beliebten Ausflugsort, der bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts bestand. Ab 1863 begann die Besiedlung der Fläche.
1750 Bremen. Ein Geselle wird bestraft, weil er einen Lehrjungen misshandelt hat. Als daraufhin die anderen Gehilfen mit Streik drohen, belegt der Rat den Lehr-ling wegen Ungehorsams mit einer Haft-strafe.
1750 Rablinghausen. Die reformierte Kirche von Rablinghausen wird eingeweiht. Sie wird zum Ende des Krieges zerstört, aber 1951 neu errichtet. 1964 Gemein-dezentrum.
1750 Rablinghausen. Der spätere bremische Stadtteil Strom, der am Ende des 16. Jahrhunderts in den Urkunden auftaucht, wird Teil des Kirchspiels Rablinghausen.
um 1750 Ovelgönne: Einrichtung der ersten Apo-theke in der Wesermarsch.
1750 Butjadingen: Rinderpest
1750 Berne. In der Kirche werden die Pri-chelbilder angebracht
1750 Berne: In Lemwerder wird ein neue Mühle gebaut. Es ist der zweitälteste Galerie-Holländer der Wesermarsch, der bis 1909 in Betrieb blieb - erst dann verlor das Werk seine Flügel. Die Mühle blieb, angetrieben durch unterschiedli-che Motoren, bis 1964 in Betrieb. Sie war bis dahin, also über zweihundert Jahre lang, immer im Besitz derselben Familie.
1751 Varel: Erneuter Großbrand in Varel: 28 Häuser werden zerstört. Vor allem brennen Teile des Schlosses aus, wobei die Bibliothek der Grafen Anton II. von Aldenburg vernichtet wird. Erhalten blieben drei Bände, die zufällig aus-geliehen waren, darunter die Bilder-handschrift des Sachsensspiegels, die sich heute in der Landesbibliothek Ol-denburg befindet.
1751 Lehe: Bau einer Geestebrücke zwischen Geestendorf und Lehe. Sie tritt an die Stelle der bisherigen Fähre. (Ab 1813 "Franzosenbrücke" genannt.
1751, 9. 9. Altenhuntorf. Sturmflut. Bei der Alten-huntorfer Bucht entsteht eine Brake.
1751 Jever und Fedderwarden: Die Kuni-gersche Schauspielgesellschaft führt in Jever und Fedderwarden Komödien und Trauerspiele auf. Damit beginnt die ländliche Theaterkultur. Sie wird getragen von Schauspielergruppen, wie sie Goethe in seinen beiden Wilhelm-Meister-Romanen beschrieben hat, die im Lande herumreisen und ihre Dienste anbieten. Behindert werden die Vergnü-gungen durch die Pastoren, die sich aber gegen die Theaterbegeisterung der Landbevölkerung nicht durchsetzen kön-nen, es sei denn, dass die Obrigkeit, wie es Herzog Peter Friedrich Ludwig in Oldenburg getan hat, das Theater ver-bot, aber in Jever ist das nicht gesche-hen. Im 19. Jahrhundert, als die Vereine aufblühen, bilden sich Laiengruppen, die die jeweiligen Bälle mit einem Lustspiel einleiten. Aus dieser Praxis entwickeln sich die verschiedenen niederdeutschen Bühnen, die heute noch bestehen.
1751 Kniphausen: In der damals selbständigen Herrschaft existiert die Freimaurerloge "Zu den drei Zirkeln". Über ihre Geschichte ist nichts weiter bekannt.
1752 Butjadingen: Rinderpest
1753, 12. Bremen: Deichbruch im Niederblockland. Die Eigentümer Johann Feldhusen und Arend Diedrich Raschen verfallen dem Spatenrecht.
1753 Bremen: Streit bei den Steinhauern. Es geht um die Verpflichtung der Gesellen, vor einem Wechsel des Arbeitsplatzes in Bremen ein halbes Jahr auf Wander-schaft zu gehen, was verheirateten Männern unmöglich war. Dagegen revol-tierten die Gehilfen und erzielten so eine Lockerung der Vorschrift.
1753, Weihnachten Stedingen: Hohes Oberwasser in der Weser. Ganz Stedingen überschwemmt.
1753 Hooksiel: In dem kleinen Hafen bildet sich ein pietistischer Konventikel, der aber von der Obrigkeit unterdrückt wird. Die Frommen tauchen daraufhin in den Untergrund ab, wo sich die Glaubens-richtung heimlich weiter verbreitet.
1753 Werdum. Auf den Fundamenten einer vermutlich sehr viel älteren Kirche wird eine neue errichtet. Man hat aber das Inventar des Vorgängerbaus übernom-men, so die Taufe, deren Sockel um 1200 entstand. Aus der ersten Kirche stammt auch die Empore, die auf das Jahr 1731 datiert wird und die Orgel selbst, die am 2. August 1732 einge-weiht wurde. Das heutige Orgelwerk stammt allerdings aus dem Jahre 1859. Es wurde vom Orgelbauer Rohlfs aus Esens gebaut und von der Orgelwerk-statt Führer in Wilhelmshaven restau-riert. Sie erklang wieder am 2. Dezem-ber 1985. Der Altar wurde 1643 ge-staltet. Den Kanzelkorb schnitzte 1642 Jacob Cröpelin, ein Schüler Ludwig Münstermanns, der aus Esens stammte. Bemerkenswert sind in der Kirche noch drei Schiffsmodelle. Die Kirche wurde in den Jahren von 1977 bis 1989 reno-viert.
1754 Bremen: Im Stephani-Viertel brennen einige Gebäude und vor allem der Turm der Stephani-Kirche ab.
1754 Blexen: Der Kirchturm ("dat swatte Füer van Blexen") erhält seinen heu-tigen Helm.
1755 Vegesack: Bei der Apotheke in der Hafenstraße wird eine Schwengelpumpe eingerichtet. Sie hat sich erhalten und steht jetzt an der Ostseite des Havenhauses. Dort lesen die Vegesacker (und die Touristen) heute noch: "Allen zu gefallen ist eine große Gunst - wohl dem, der bleibt in Gottes Gunst."
1755 Esens: Der von Friedrich dem Grossen angeordnete Abbruch der Burg beginnt.
1756 Esens. Errichtung des Adeligen Damen-stiftes im "Großen Haus" am Markt durch Frau v. Wangelin. Heute Rathaus.
1756 Jever: Die Kirche erhält eine neue Orgel. Sie geht 1959 bei dem vorerst letzten Kirchenbrand verloren.
1756 Atens: Der Kapitän Dietrich lässt sich eine Grabstele auf den Friedhof setzen. Die Plastik ist wegen des hervorra-genden Reliefes eines Segelschiffs von Bedeutung.
1756, 7. 10. Stedingen. Sturmflut. Schäden im ganzen Stedingerland und in Butjadingen, aber keine Deichbrüche. Die größten Ver-wüstungen gab es diesmal in Hamburg und Elmshorn.
1757, 29. 8. Bremen. Die Hansestadt versucht, im Siebenjährigen Krieg neutral zu bleiben. jedoch wird der Status von beiden Par-teien, in diesem Fall von den Engländern und den Franzosen, angezweifelt. Die Franzosen besetzen das Ostertor, aus-serdem rückt eine Kompanie in das Palatium beim Dom ein, der zum Kurfürstentum Hannover gehört, also für die Franzosen feindliches Territorium ist. Am 2. September 1757 wechseln die Franzosen die Stellung und okkupieren jetzt das Stephanitor. Sie ziehen - gegen Zahlung einer erheblichen Summe - am 16.September 1757 wieder ab.
1757 Blexen. Am Tettenser Wall überwintern elf Schiffe. Das Fahrwasser der Weser verlief um diese Zeit unmittelbar unter dem Butjadinger Ufer, so dass sich die Reede vor Blexen, Tettens und Fedder-warden befand. Das bedeutete aber, dass sich vor den Deichen kein Groden bilden konnte, so dass die Deiche sehr gefährdet waren. Deshalb leitete man nach der Weihnachtsflut von 1717 Maßnahmen zur Landwinnung ein, vor allem wurden vor Blexen drei Schlengen von 250, 275 und 370 Metern Länge geschlagen, Die Folge war, dass das Fedderwarder Gatt zunehmend ver-schlickt. Der Prozess nimmt noch zu, als 1858/59 eine weitere Schlenge von Vol-kers aus ins Watt gelegt wird. Im Jahre 1866 ist der Weserarm nur noch bei Hochwasser bis Bremerhaven befahrbar. Im Jahre 1837 war die Weser an dieser Stelle noch 370 Meter breit und sechs Meter tief. Heute ist von dem einstigen Fahrwasser nichts mehr zu sehen.
1758, 15. 1. Bremen: Die Franzosen stehen wieder vor der Stadt und verlangen die Öffnung der Tore. Als sich der Rat zögerlich verhält, beginnen sie mit dem Sturm, woraufhin der Rat kapituliert. Sie wird von den französischen Truppen besetzt, was die Menge nicht so hinnimmt. s kommt zu Unruhen, wobei die Menge mit Stangen und Äxte die französischen Soldaten angreift. Als die Demonstranten schließlich versuchen, das Zeughaus aufzubrechen, um sich mit Waffen zu versehen und die Angriffe nicht nach-lassen, schießen die Franzosen und stel-len so die Ruhe wieder her. Als eine preußisch-hannöversche Armee anrückt, räumen die Franzosen am 2. Februar die Stadt und ziehen ab. Nun besetzen hannöversche Truppen die Stadt Bre-men. Sie ziehen erst am 25. Juli 1758 vollständig ab. Unruhen dieser Art wie-derholen sich immer dann, wenn fremde Truppen durch die Stadt marschieren und die Autorität des Rates dadurch er-schüttert wird.
1758 Bremen. Im Obervieland wird das Gut Wolfskuhle an der Kattenturmer Heer-straße ausgebaut. Ein Teil der Anlage, nämlich das "Franzosentor" blieb er-halten und steht heute im Focke-Museum.
1758 Bremen. Im Amt der Lohgerber verlangen die Gesellen, dass die Lade herausgegeben wird, in der sich die Dokumente der Zunft befanden. Offenbar waren die Arbeitsbedingungen in den Werkstätten unerträglich. Sie drohen mit dem Abzug und wandern, so weit sie unvereiratet sind, sogar ab. Der Arbeits-kampf scheitert letztendlich.
1758, 5. 8. Vegesack. In Vegesack gerät ein riesiges Heu- und Strohlager in Brand. Das Feuer wütet vierzehn Tage lang und zerstört das Hafenbollwerk. Der Ort selbst kommt mit dem Schrecken davon.
1759, 1. bis 6. 8. Bremen: Französische Soldaten dringen durch das "Buntetor" in die Stadt ein und ziehen nach einer Woche wieder ab, nachdem sie natürlich erhebliche Zah-lungen erpresst haben. Die Vorgänge während des Siebenjährigen Krieges zeigen, dass Bremen sich mit mili-tärischen Mitteln nicht mehr verteidigen lässt.
1759 Bremen: Die Strumpfwirker streiken. Anlass: Die Frau eines Mannes begeht Selbstmord, woraufhin sich die Kollegen weigern, die Leiche zum Friedhof zu tragen. Der Ehemann findet aber Sol-daten, die zugleich Strumpfwirker sind, die den Dienst leisten. Sie sollen nun von den Meistern aus der Zunft aus-geschlossen werden, wogegen sich die Gesellen erfolglos wehren.
1759 Atens: An die Stelle des Atenser Siels, das aufgegeben wurde, tritt nun das "Abbehauser" oder "Große Siel", aus dem sich ein Hafen entwickelt, der bis heute besteht.
1759 Wittmund: Im Ort entsteht eine Fay-ence-Fabrik.