-1800-1809-

1800 Bremen. Die Hansestadt erlebte um die Jahrhundertwende eine Zeit wirtschaft-licher Blüte. Schwarz: "Zwischen 1790 und 1799 steigerten sich die Einfuhren der Hansestädte aus den USA um das Vierzigfache. Der Schiffsverkehr Bre-mens mit England stieg zwischen 1789 und 1800 auf das Fünffache; auf der Themse stand der deutsche Anteil nur noch hinter dem britischen zurück ..."( Schwarz: Die Lage der Handwerksge-sellen ..., 1975, S. 380) In den Häfen der Stadt wurden zwischen 1795 und 1799 rund 1100 Schiffe jährlich be- und entladen (gegen 780 in dem Lustrum zwischen 1785 und 1789) und das bedeutete, dass es einen großen Bedarf an Hilfskräften gab, die Säcke tragen und Karren schieben konnten. Die Be-schäftigungslage in der Stadt war also gut, was steigende Löhne, allerdings auch höhere Preise zur Folge hatte. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt wird je-doch besonders für die Unterschichten als katastrophal bezeichnet. Noch ein Blick auf das Handwerk: In der Stadt lebten zu dieser Zeit etwa 36.000 Menschn, von denen etwa 11.000 in den handwerklichen Berufentätig waren. Es gab 1450 Meister, dazu 1690 verheira-tete und 685 unverheiratete Gesellen, sowie 7.185 Lehrjungen und Hilfskräfte. Sie alle waren in Zünften organisiert. Die freien Gewerbe, aus denen sich dann im 19. Jahrhundert die Industrie entwickel-te, siedelte sich mehr und mehr in den benachbarten Gemeinden an. Wir haben es zu dieser Zeit also mit einer Gemen-gelage, die eigentlich zu revolutionären Veränderungen hätte führen müssen, nämlich die wirtschaftliche Hochkon-junktur mit einem entsprechend selbst-bewussten Proletariat und dazu eine verkrustete Verfassung, an der eine po-litische Oligarchie festhält, die ihr Heil in einer hilflosen Repression sucht, wäh-rend sich die Kräfte der neuen Zeit sich vor den Toren der Stadt regen - all das hätte in den Unruhen, die sich zum Ende des 18. Jahrhunderts bereits entfalte-teten, zur gewaltsamen Lösung drängen müssen - wenn nicht Napoleon aufge-treten wäre, der mit der Konti-nentalsperre die Konjunktur brutal abbrach und zugleich jede eigenständige politische Entwicklung in Bremen unter-drückte. Und danach, im Jahre 1813, wurden die Karten neu gemischt.
1800 Bremen: Die Lohgerber, stets bemüht, die unerwünschte Konkurrenz der Tage-löhner abzuwehren, ziehen aus Bremen aus, um diese zu vertreiben. Sie haben keinen Erfolg.
1800 Bremen. Die Maurer streiken vergeblich für mehr Lohn.
1800 Bremen. Einige Schmiede verlassen Bremen, um eine Einschränkung der Gesellenrechte zu verhindern. Sie haben keinen Erfolg.
um 1800 Lehe: Richter Ribbentrop schlägt vor, bei Lehe einen Hafen zu bauen.
um 1800 Oldenburg: Die Impfung gegen die Blat-tern wird eingeführt. Damit kann eine der übelsten seuchenartigen Erkran-kungen, welche die Menschen bis dahin geplagt hatten, ausgemerzt werden.
1800 Jever: Oberst Rabini prüft im Auftrage des russischen Zaren, ob es möglich ist, am Jadebusen eine Station für die russische Flotte einzurichten. Er macht zwei Vorschläge: Entweder einen Kriegshafen bei Hooksiel (und dazu einen Handelshafen bei Jever) oder aber einen neuen Hafen am "Schweins-rücken" in der Gemeinde Heppens ein-zurichten, also etwa dort, wo später die Preußen ihren Kriegshafen bauten. Die Pläne werden in St. Petersburg nicht weiter verfolgt, weil angeblich die Kos-ten zu hoch waren. Vielleicht spielten auch, so möchte ich vermuten, politische Gründe eine Rolle. So lange das Opera-tionsgebiet der russischen Flotte die Ostsee war, konnte das den Engländern ziemlich egal sein, aber ob sie einem russischen Flottenstützpunkt an der Nordsee mit ähnlichem Gleichmut be-gegnet wären, ist doch sehr fraglich. Ob ich mit dieser Theorie recht habe, kann nur ein Studium der Akten beweisen, aber dazu fehlen mir die Sprachkennt-nisse und natürlich auch das Geld. So muss es bei diesem Hinweis bleiben.
1800 Berdum: Die Kirche von Berdum (heute Stadtteil von Wittmund) wird abgebro-chen.
1800 Abbehausen: In Großensiel eröffnet der Kaufmann Jacob Morisse eine Gastwirt-schaft. Damit beginnt die Entwicklung des Hafens.
1800 Blexen: Die Lotsen verlegen ihren Sitz von Tettens nach Blexen. Sie tagen im Blexer Turm.
-1801-
1801 Bremen: Bremer Kaufleute, die sich bereits seit 1795 regelmäßig getroffen hatten, gründen den Club "Union". Der Verein blühte rasch auf und konnte sich 21 ein eigenes Haus Am Wall Nr. 102 leisten. 1838 baute Jakob Ephraim Polzin ein neues Haus, in dem sich die in-zwischen 800 Mitglieder versammeln konnten. Das Gebäude wurde mehrfach verändert, dann aber an die Stadt abge-treten. Dafür weihte man am 11. Oktober 1903 ein neues Clubhaus an der Ecke Wall/Ostertorstraße ein, das dann 1938 an den Staat verkauft wurde. Der Club "Union von 1801" versammelte sich von nun an in der Glocke. Das Gebäude selbst wurde 1944 durch Bomben zer-stört. Die "Union von 1801" besteht heute noch.
1801, 12. 4. Bremen: Preußische Truppen besetzen die Bremer Neustadt.
1801 Bremen: Die Stellmacher verlassen Bre-men, weil sie eine Strafe nicht zahlen wollen. Sie scheitern.
1801 Dedesdorf: In Landwührden hat sich ein Arzt niedergelassen.
1801 Lehe: Der Ort wird vorübergehend von zwei preußischen Kompanien besetzt. Sie ziehen im Herbst wieder ab.
1801, 29. 6. Lehe: Ein Brand zerstört im Büttel und hinter dem Kirchhofe 53 Häuser. Auch die Dionysioskirche brennt aus. Die Ursache war wahrscheinlich Brandstif-tung.
1801 Fünfhausen: Johann Friedrich Strenge betreibt in Fünfhausen eine kleine Bootswerft, auf der Weserkähne gebaut werden. Erst 1855 entsteht hier die Bark "Meta". Auf den Helgen des Unter-nehmens entstanden bis 1916 nicht weniger als 179 Holzschiffe und -boote. Das Unternehmen selbst bestand bis etwa 1955 und wurde dann von Lühring übernommen.
1801 Harrien: Lorenz Dehls erhält die Erlaub-nis, in Harrien eine Werft einzurichten. Er baut dann von 1814 bis 1836 sieben Schiffe. Seine Nachfolger werden Johann Diedrick Behrens und dann dessen Sohn, der ebenfalls Johann Diedrich hieß. Die Behrens-Werft baute bis 1876 56 Segler. Dann wurde das Unternehmen liquidiert.
-1802-
1802-1822 Bremen: Die Befestigungsanlagen werden, weil nunmehr nutzlos, ge-schleift. An ihre Stelle treten die gärt-nerischen Anlagen, die heute die Bremer Innenstadt umschließen. Sie wurden von den Landschaftsgärtern Bosse und Alt-mann gestaltet.
1802 Bremen: Das Stephanitor wird abgebro-chen.
1803 Arbergen: Die Bockmühle wird durch eine Holländermühle ersetzt. Sie war 1957 baufällig, blieb aber erhalten, auch als 1968 der Mahlbetrieb eingestellt wurde. Heute ist sie ein Ateliergebäude.
1802, 8. 10. Bremen. "Definitiverklärung" Frank-reichs und Russlands zur territorialen Gliederung des Römischen Reiches, die dann Grundlage der neuen Regelung wurde. Zunächst ist entscheidend, dass die Selbständigkeit Bremens erhalten bleibt. Außerdem erhielt die Hansestadt den Flecken Vegesack sowie das Grolland und die Dörfer Hastedt, Schwachhausen und Vahr. Außerdem gewinnt Bremen das Gebiet zwischen der bisherigen Grenze und der Lesum mit den Dörfern Burg, Grambke, Oslebshausen, Mittelsbüren und Wum-mensriede. Schließlich sollte der Els-flether Zoll aufgehoben werden, woge-gen allerdings der Herzog von Olden-burg, unterstützt von Zar Alexander I., protestierte, mit der Folge, dass ein Übergangsfrist vereinbart wurde, die bis 1813 reichte (und die man dann tatsäch-lich bis 1821 verlängerte): Die zustän-dige Deputation des Reichstages in Re-gensburg billigte die Regelungen am 22. April 1803. Innerhalb der Stadt erwarb Bremen bei dieser Gelegenheit die "Dom-Immunität", also den Dom selbst und 154 weitere Gebäude, die zum Hoheitsgebiet der Kurfürsten von Han-nover gehörten, die die Rechtsnachfolge des Erzbischofs von Bremen angetreten hatten. Damit verfügte Bremen zum ersten Mal über ein in sich geschlosse-nes Staatsgebiet, musste sich aber damit abfinden, dass es von nun an in der sonst calvinistischen Stadt eine luther-ische Gemeinde, nämlich die des St. Peri-Doms, gab.
1802, 2. 12. Bremen. Die neuen Grenzen werden ge-zogen, was bedeutet, dass nunmehr mit der Gemeinde Hastedt der dortige jü-dische Friedhof, der bis dazu zu Achim gehörte, bremisch wird. Außerdem hat die Hansestadt nunmehr drei jüdische Bürger, die am 26. Juli 1803 dem Rat der Hansestadt huldigen. Diese Neuerung ist für den Senat ein großes Problem, weil er gezwungen wird, die Juden gewähren zu lassen, schlimmer noch: unter der Herrschaft der kaiserlichen Behörden muss er sie später ebenso höflich be-handeln wie die Franzosen, kann sie also nicht mehr, wie gewohnt, schikanieren. Natürlich war man in Bremen durchaus nicht bereit, von der gewohnten anti-semitischen Politik zu lassen, die be-sonders von dem damaligen Senator, späteren Bürgermeister Johann Smidt vertreten wurde. Er ist in diesem Zusammenhang deshalb von besonderer Bedeutung, weil er als christlicher Theologe und als Anhänger des deutschnationalen Philosophen Fichte in sich die beiden Quellen des deutschen Antisemitismus vereinigt. Er wurde in den folgenden Jahrzehnten die Seele der judenfeindlichen Politik Bremens und war als solcher nach Kräften bestrebt, den Zuzug weiter Bürger mosaischen Glaubens tunlichst zu verhindern, aber er konnte natürlich nicht rückgängig machen, dass sie vorhanden waren. Wie aber sollte man jetzt mit ihnen umgehen? Smidt löste das Problem zunächst dadurch, dass er ein "öffentliches Ju-dengebet" verfasste und am 12. August 1803 vom Senat absegnen ließ, womit die Befreiung der Juden in der Stadt von der örtlichen Regierung zwar anerkannt, ihr Status aber weiter nicht geregelt war. Unter französischer Herrschaft wa-ren die Juden Bürger des Kaiserreichs mit den gleichen Pflichten und Rechten wie alle anderen Menschen auch. Erst mit dem Sieg der Koalition und der Restauration der bremischen Selb-ständigkeit änderte sich das wieder - und zwar gründlich.
1802 Bremen. Die Tischler ziehen aus Bremen ab, weil sie mit der Verpflegung nicht zufrieden sind. Sie haben keinen Erfolg.
1802, 15. 1. Jever. Einweihung der neuen Synagoge. Bereits im Jahre 1800 hatte die jüdische Gemeinde ein Grundstück an der Wasserpfortstraße gekauft und am 16. August 1800 hatte die Landesadmini-stratorin Auguste Sophie, eine wahre Landesmutter, den Bau einer jüdischen Gottesdienststätte erlaubt. Sie verfügte auch am 8. Januar 1802 nach einer Beschwerde der jüdischen Gemeinde, "dass niemand bey Vermeidung unverzüglich zu verhängender Gefäng-nißstrafe, auch nach befinden zu erwartender öffentlicher Züchtigung, sich gelüsten lasse, die Juden-Gemeinde in ihrer erlaubten Feyrlichkeiten auf ir-gendeine Weyse zu stören oder ihrem Vornehmen irgend eine Art etwas in den Weg zu legen." (Peters: Die Reichs-kristallnacht in Jever, 1992, S. 14) Die Verfügung macht deutlich, was bis dahin üblich war.
1802 Wittmund: Bau des Erdholländers in Altfunnixsiel. Sie war bis 1972 in Be-trieb. Im Jahre 1981 wurde noch ein Flügel repariert. Das Werk blieb offen-bar bis etwa 1990 erhalten. Die Mühle ist heute eine Ferienwohnung.
-1803-
1803, 22. 3. Bremen. Durch den Reichsdeputations-hauptschluss wird die Freie Hansestadt vergrößert. Sie erhält die Hoheit über den Dom und den Dombezirk in der Innenstadt. Außerdem kommen das Grolland, der Barkhof, Teile von Sebaldsbrück, Hastedt, Schwachhausen und die Vahr zu Bremen. Vor allem aber wird der lästige Weserzoll, an dem Oldenburg so lange festgehalten hat, ausgesetzt.
1803 Bremen: Das Doventor wird abgebro-chen. 1367 zum ersten Mal erwähnt.
1803 Arbergen: Die Bockmühle wird durch einen Galerie-Holländer ersetzt. Die Mühle blieb bis 1968 in Betrieb und nahm dann Künstler-Ateliers auf. 1982 erneuerte man Windrad und Flügel.
1803, 23. 1. Lehe: Die Dionysioskirche, die man im klassizistischen Stilneu aufgebaut hat, wird erneut eingeweiht.
1803 Lehe: Der Ort wird von französischen Truppen besetzt, die die Carlsburg wieder befestigen.
1803 Blexen: Dr. Peters lässt in Schweewar-den eine Ziegelei bauen. Es waren die Mönche in Hude, die die Kunst, aus Ton Backsteine zu brennen, beherrschten. In Butjadingen, so schreibt Adolf Blumen-berg, gab es um 1750 die ersten Ziege-leien. (Blumenberg: Butjadingen, 2002, S. 166fff) Dann entstanden neue Fabri-en dieser Art überall im Lande, wobei die Befreiung natürlich besonders auf-blühte, als Bremerhaven und Wilhelms-haven aufgebaut wurden.
1803 Oldenburg: Neue Lotsenordnung. Für Blexen und Fedderwarden wird je ein Oberlotse ernannt.
1803, 3. - 29. 8. Wangerooge: Der Kaufmann Caspar Jaeger aus Jever verbringt als mögli-cherweise erster Badegast seine Ferien auf der Insel. Er verfasst anschließend die Broschüre: "Etwas über den Nutzen des Seebadens auf Wangerooge aus eigener Erfahrung". Damit beginnt der Fremdenverkehr auf der Insel.
-1804-
1804, 21, 9. Vegesack: Als Folge des Friedens von Lunéville tritt Hannover den bis dahin hannöverschen Teil Vegesacks an Bre-men ab. "Alt-Vegesack" und "Neu-Vegesack" werden damit zum "Flek-ken Vegesack" vereinigt. Das ist das Ergebnis langwieriger Verhandlungen zwischen der Hansestadt und der bri-tischen Regierung. (Hannover war da-mals durch Personalunion mit der bri-tischen Krone verbunden.)
1804, Mai Jever: Die Regierung des Königreichs Holland (zu dem Jever zu dieser Zeit gehörte) verfügt, "dass alle besonderen Verpflichtungen, denen Juden im Departement Ostfriesland unterworfen gewesen sind, enden und außer Kraft treten sollen und dass fortan die Juden allhier in gleicher Weise, wie es in ihrer Hinsicht in den übrigen Teilen des Reiches geschieht, behandelt werden müssen. ("Peters: Die Reichskristall-nacht in Jever, 1992, S. 15) Damit war die bisherige (christlich motivierte) Diskriminierung der Juden beendet, bis am Ende des Jahres 1813 Herzog Peter Friedrich Ludwig wiederzurückkehrte, denn das hatte "auch die Rücknahme der bürgerlichen Gleichberechtigung der Juden zur Folge." ("Peters: Die Reichskristallnacht in Jever, 1992, S. 15) Peters meint dann allerdings, dass die oldenburgische Regierung gegenüber den Juden vergleichsweise aufgeschlos-sen gewesen sei, was sich aber, wie er betont "im eigenartigen Jever allerdings nur mit Abstrichen realisierte". ("Pe-ters: Die Reichskristallnacht in Jever, 1992, S. 16) In Jever, so berichtet der Autor, durften Juden keine Rechtsanwäl-te oder Schankwirte werden, und noch 1847 wurde ihnen das kommunale Stimmrecht verweigert. Erst mit der Reichsverfassung von 1849, die vom Großherzogtum Oldenburg angenommen wurde, endete dieser Zustand, denn sie verfügte: "Vor dem Gesetz sind alle gleich. Geburts- und Standesunterschie-de finden nicht statt..." ("Peters: Die Reichskristallnacht in Jever, 1992, S. 16) Erst dann beginnt eine Epoche, in der sich die Juden auch in Jever relativ frei entfalten können.
1804 Esens: In Seriem am Neuharlinger Sieltief wird die Windmühle "De Goede Verwachting" errichtet. Der einstöckige Galerie-Holländer blieb bis 1963 in Betrieb, dann wurde die Mühle mit einem Motor ausgerüstet und arbeitete so bis 1976 weiter. Der Fremdenverkehr ret-tete das Bauwerk: Die Mühle blieb erhalten und erhielt 1994 eine neue Kappe und neue Flügel. Die Mühle ist heute ein Museum. Bis 1914 stand hier auch eine Bockmühle, die dann auf Befehl der Marine gesprengt wurde. "Das aus Mühle, Mühlenhaus und Gulfhaus bestehende, frei in der Landschaft am Neuharlinger Sieltief liegende Anwesen bietet einen male-rischen Anblick." (Norzel,Weßling: Ost-friesisches Mühlenbuch, 1991, S. 201)
1804, 13. 3. Wangerooge: Der Vogt Tiark Friedrich Ammann stellt in Jever den Antrag, dass der Gemeinde eine Badekutsche und ein Badezelt geschenkt werde. Dem Wunsch wird entsprochen.
1804 Harlesiel. Schwerinsgroden (Ostfries-land). Der Deich wurde 1825 wegge-spült, aber 1832 wieder aufgeschüttet, wobei allerdings nur 76 Hektar von den ursprünglichen 195 Hektar gesichert werden konnten. 1955 baute man einen neuen Deich.
1804 Jever: Ein Kranken- und Armenhaus nimmt seinen Betrieb auf. Seit 1874 Sophienstift.
-1805-
1805, 22. 11. Bremen: Die Stadt wird von einem preußischen Regiment besetzt, das am 29. November wieder abzieht, jedoch ein kleines Kommando zurücklässt. Außer-dem marschieren britische Truppen zum Teil durch bremisches Gebiet und auch durch die Stadt selbst.
1805 Vegesack: Johann Lange gründet an der Mündung der Aue in Vegesack einen eigenen Werftbetrieb. Am 29. November 1805 läuft hier das erste Schiff, die Galiot "Adelheid Wilhelmina" vom Stapel. Im Jahr 1806 siedelt Johann Lange auf das andere Ufer der Aue, nach Grohn, über. Hier läuft am 15. Januar 1807 das erste Schiff vom Stapel. Die Werft von Johann Lange, die in dem Bremer Vulkan dann ihre Fortsetzung und auch ihr Ende fand, ist die mit Abstand bedeutendste an der Unterwe-ser. Sie baute bis 1892 nicht weniger als 323 Segelschiffe. Der Firmengründer starb 1844. Unter seinem Sohn Johann Lange jr. sowie Johann Raschen läuft bereits am 10. Oktober 1845 das erste Dampfschiff der Werft, die "Guten-berg" vom Stapel. Auf diesem Helgen wird 1866/67 der Passagierdampfer "Smidt" gebaut, der sich allerdings nicht bewährt. Trotz dieser Pionierleis-tungen gelang der Vegesacker Werft die Umstellung auf den Bau von eisernen Dampfschiffen nicht: Zwischen 1871 und 1882 wird von dem Unternehmen nur ein Seeschiff gebaut. Die schwierige Über-gangsphase wird überwunden, als Victor Nawatzki die Leitung der Werft über-nommen und der Witwe von Carl Lange die Werft abgekauft hatte. Er gründete 1893 den Bremer Vulkan, mit dem ein neuer Abschnitt der Firmengeschichte begann. Das Unternehmen endete 1996 durch Konkurs.
1805, November Cuxhaven: Die Engländer landen bei Cuxhaven und marschieren durch Lehe nach Bremen und Hannover. Am 1. und 2. Dezember liegt ein englisches Ge-schwader auf der Weser und landet auch bei Lehe Truppen.
-1806-
1806 Berlin. Das große Ereignis dieses Jahres ist die Niederlage Preußens inder Doppelschlacht bei Jena und Austerlitz am 14. Oktober 1806. Daraufhin erlässt Napoleon am 21. November 1806 die Kontinentalsperre gegen England, durch die der bremische Handel völlig vernichtet wird. Es entwickelt sich zwar ein lebhafter Schmuggel zwischen Helgoland, das in britischem Besitz ist, und dem Festland, der auch über Bremen läuft, aber über den Umfang lässt sich wenig sagen. Um den Schleichhandel zu bändigen. überzieht Napoleon überzieht die Küste jedenfalls mit einer Kette von Überwachungs-stationen, so in Weddewarden, Lehe, Geestendorf, Dedesdorf, dann in Blexen, Tossens, auf den Oberahneschen Fel-dern und in Heppens. Es handelt sich mal um einfache Posten, gelegentlich auch um richtige Forts, die bis 1811 ständig verstärkt werden.
1806 Bremen: Anfang Januar besetzen bri-tische Soldaten die Stadt. Sie ziehen im Februar ab, doch folgt sofort ein preus-sisches Regiment als Besatzung. Die fremden Truppen räumen Bremen am 21. Juni 1806.
1806 Wangerooge: Im Januar wird der Fried-hof vom Meer überspült und muss verlegt werden.
1806 Hannover: Das Kurfürstentum Hannover wird preußisch. Die englischen Truppen mit ihren schwedischen und russischen Verbündeten ziehen ab. Die Preußen verstärken die Carlsburg und bauen eine zweite Batterie auf dem linken Geeste-Ufer. "Auch die Hannoveraner sahen die preußischen Gäste sehr ungern, und obwohl der Graf Schulenburg ein sehr mildes Regiment führte, wünschten sie dennoch die Franzosen wieder herbei." (Hermann Schröder: Geschichte der Stadt Lehe, 1927, S. 513)
1806, 1. 1. Bremen: Gründung der Firma c. Mel-chers GmbH & Co. Das Handelshaus hat sich auf den Warenaustausch mit Asien spezialisiert.
1806 Vegesack: Matrosenunruhen gegen die neue Schoutordnung. Die Ordnung kann nur wieder hergestellt werden, nachdem der Rat Bremens ein Kommando von 88 Soldaten in den Ort entsandt hat,
1806, 30. 10. Jever: Holländische Truppen besetzen Jever.
1806, 20. 11. Bremen: Nach der Niederlage der Preußen bei Jena und Auerstedt besetzt ein französisches Regiment die Stadt Bremen. Die "Franzosenzeit" beginnt.
1806, 21. 11. Berlin: Napoleon verfügt von Berlin aus die Kontinentalsperre. Damit wird jeder Handel mit den britischen Inseln untersagt. Daraufhin annektieren die Briten Helgoland und bauen die Insel zu einem großen Warenlager aus, von dem aus sie den Schmuggel mit dem Festland organisieren. Die Wangerooger, die in-zwischen 39 Schiffe besitzen, haben jetzt gut zu tun und kommen zu einem gewissen Wohlstand.
1806 - 1808 Abbehausen: In der Gemeinde gibt es eine Ziegelei, eine Kalkbrennerei und eine Töpferei, die "Säulen-Öfen" pro-duziert. In dem Kirchspiel Esenshamm bestehen an dem Weg nach Kleinensiel eine Ziegelei und eine Kalkbrennerei. (Kalk wurde aus Muschelschalen ge-wonnen, die man aus dem Watt holte. Vor der Verwendung des Betons be-nötigte man Kalk, den man mit Zement vermischte, in großen Mengen beim Bau).
1806-1810 Neu-Augustengroden: Mit der Eindei-chung dieses 286 ha großen Gebietes ist die Landgewinnung in der ehemaligen Harlebucht abgeschlossen.
-1807-
1807 Bremen: Die Stadt erhält nunmehr eine planmäßig organisierte Beleuchtung, die aber erst 1812 auf den Wall ausgedehnt wird.
1807, 7. 7. Tilsit: Friede von Tilsit zwischen dem siegreichen Frankreich einerseits und dem Kaiserreich Russland sowie dem Königreich Preußen andererseits. Der Zar tritt das Jeverland an Holland ab.
-1808-
1808 Vegesack: Der Flecken erhält einen Markt
1808, 11. 3. Wangerooge: Pünktlich zur Mittagsstun-de muss Vogt Ammann den Inselbe-wohnern die Proklamation verlesen, wo-nach die Insel, zusammen mit dem Je-verland, numehr holländisch geworden sei.
1808 Lehe: Ein Flächenbrand vernichtet in-nerhalb von drei Stunden 147 Häuser.
1808, 23. 2. Amsterdam: Die Juden in Ostfriesland erhalten dieselben Rechte und Freiheiten wie alle anderen Bewohner des König-reichs Holland. Am 6. 1808 werden sämtliche Geleits, Schutz - und Sonder-belastungen, die zahlreichen Beschrän-kungen der Berufsausübung und der Heiratsmöglichkeiten aufgehoben. Juden erhalten das Recht auf den freien Erwerb von Häusern und Grundstücken. Rokahr: "Mit der Herrschaft König Ludwigs begann für die ostfriesischen Juden eine gute Zeit." (Gerd Rokahr: Die Juden in Esens. 1994, S.81)
1808 Paris/Heppens: Im französischen Mari-neministerium wird die Möglichkeit ge-prüft, bei Heppens einen Kriegshafen anzulegen. Die Pläne bleiben unaus-geführt.
-1809-
1809 Bremen: Zwischen Österreich und Frankreich bricht wieder Krieg aus. Aus diesem Anlss landen die Engländer bei Cuxhaven und in der Wesermündung bei Lehe und Geestendorf vorübergehend umfangreiche Truppenkontingente.
1809 Ovelgönne: Bau der Kirche. Sie wird mit der Glocke ausgestattet, die 1686 aus der Kirche von Waddens gerettet wurde. 1810 erhält der Sakralbau eine kleine Orgel. Das jetzige Instrument wurde 1955 von Alfred Führer gebaut. Gottesdienst wurde in Ovelgönne seit 1592 gehalten und zwar in einem Saal des Schlosses.
1809, 17. 6. Eckwarden: Zwei englische Kriegsschif-fe beschießen die Küste bei Eckwarden und landen ein Kommando von 60 Mann, die die Kirche von Eckwarden erobern und die dort gelagerte Waren mit sich nehmen.
1809 Geestendorf: Die Engländer landen auf dem rechten Weserufer, besetzen Geestendorf und Lehe und erstürmen die Carlsburg, dann ziehen sie sich wieder zurück.
1809, 6. 8. Elsfleth: Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig erreicht auf der Flucht von Böhmen nach Großbritannien mit seiner Truppe Elsfleth und schifft sich hier ein. Er entkommt den französischen Verfolgern. An das Ereignis erinnert noch heute ein Denkmal an der Els-flether Kaje.