-1820-1829-

1820 Bremen: Domorganist Wilhelm Friedrich Riem gründet das "Bremer Concert-Orchester". Aus ihm geht das heutige "Staatsorchester" hervor.
1820 Bremen. Die Straße nach Gröpelingen und Oslebshausen wird befestigt. Dar-aufhin siedeln sich wohlhabende Bremer Kaufleute hier an. Es entstehen Aus-flugslokale.
1820, 13. 8. Bremen. Den Juden wird vom Senat eröffnet, dass sie bis zum 31. August 1820 die Stadt verlassen müssten. Die kleine Gemeinde entfaltet daraufhin eine lebhafte Tätigkeit, um die Ausweisung zu verhindern und wendet sich dabei auch an den Bundestag in Frankfurt. Hier agitiert der bremische Gesandte Johann Smidt in der übelsten Weise gegen die Jude, wobei er auf den Widerstand Amschel Rothschilds stößt, der es schließlich dank seiner gesell-schaftlichen Verbindungen erreicht, dass der Ausweisungsbeschluss der Hansestadt nicht ausgeführt wird. Die 28 jüdischen Familien dürfen also in Bre-men bleiben, aber der "An- und Bei-hang", damit waren alle abhängig be-schäftigten Juden gemeint, wurde "fort-geschafft"- insofern hatte die Hetze, die besonders Johann Smidt zu vertreten hatte (und die ihm nach 1933 die besondere Würdigung durch die Nazis eintrug, durchaus Erfolg.
1820, 7. 5. Elsfleth: Nach langen und zähen Ver-handlungen endet, gegen den Widerstand Oldenburgs, der Elsflether Zoll. Die Schiffahrt von Bremen bis zum Meer war nunmehr zollfrei. Der Elsflether Zoll war für die Bremer Kaufleute nicht so sehr wegen Kosten lästig als wegen der Verzögerungen im Verkehr, der sich aus der schleppenden Abfertigung der Schiffe ergab.
1820 Elsfleth: Die Bockwindmühle - eine solche besteht spätestens seit 1584 am Ort - wird durch einen Galerie-Holländer ersetzt. Der Betrieb macht insofern Landesgeschichte, als hier 1884 der erste elektrische Strom im Olden-burger Land erzeugt wird. Nach einem Besitzerwechsel im Jahre 1890 wird eine Dampfmaschine eingesetzt. Im Jahre 1921 verliert die Mühle ihre Flügel. Der Rumpf ist noch vorhanden.
1820 Jever: Adelheidsgroden an der Maade-bucht eingedeicht.
1820, 1. 5. Brake: Gründung der Firma Joh. Müller, Spedition. Johann Müller (1732 - 1808) gründete 1758 ein Kaufmannsgeschäft am Braksiel. Er heiratete Sara Jocobine Smit und übernahm das von ihrem Vater gegründete Speditionsgeschäft, das seit 1821 seinen Namen führt. Die Müllers können als die eigentlichen Gründer Brakes gelten, zumal Johanns Bruder Gerhard der erste Bürgermeister der Stadt wurde.
1820, 7. 5. Bremen: Der Weserzoll wird aufgeho-ben. Damit endet eine zweihundertjäh-rige lästige Handelsblockade, die nicht nur die Stadt Bremen, sondern auch die Wesermarsch arg geschädigt hat, für den jeweiligen Landesherrn von Oldenburg jedoch sehr nützlich war.
1820/21 Berdum: Bau der "Krullschen Mühle". der Erdholländer wurde 1909 erneuert und blieb bis 1972 in Betrieb. Um 1600 gab es an dieser Stelle eine Bockwind-mühle, von der man weiß, dass sie da-mals umstürzte. Sie wurde durch eine neue ersetzt, die 1623 die Mansfelder zerstörten. Die Krullsche Mühle wurde von 1985 bis 1993 vollständig renoviert. In diesem Fall kümmert sich der "Förderverein Mühlendorf Berdum" um das Bauwerk.

-1821-

1821 Bremen: Die Stadt übernimmt das Leh-rerseminar, das als private Anstalt be-reits seit 1810 besteht.
1821 Walle: Bau der Waller Chaussee.
1821, 8. 7. Vegesack: Die neue evangelische Kirche wird eingeweiht. Das Ereignis brachte so viele Menchen auf die Beine, dass der Senat einen Polizeidragoner und 18 weitere Ordnungskräfte nach Vegesack entsandte, um Unruhen vorzubeugen. Die Kirche erwies sich im übrigen bald als zu klein. In ihr fanden nur 197 Familien Platz, während 317 leer aus-gingen. Der Bau musste also vergrößert werden, was auch bis 1833 geschah. Seitdem hat die Kirche 735 Sitzplätze. Bei dieser Gelegenheit erhielt die Vege-sacker Kirche auch ihren Glockenturm, der zugleich bis 1851 als Station für den optischen Telegraphen genutzt wurde. Die Kirche erhielt zunächst eine Orgel von dem Orgelbauer Schmid I aus Bre-men, die aber 1895 durch ein Instrument von Furtwängler ersetzt wurde.
1821. 19. 10. Geestendorf: Die Königliche Regierung verpachtet ein Areal von fünf Morgen an der Geeste an den Schiffszimmerbaas Cornelius Jantzen Cornelius, der hier eine erste Werft auf dem Gelände der späteren Stadt Bremerhaven einrichtet. Cornelius starb am 23. 4. 1842. Sein Sohn betrieb eine Gastwirtschaft.
1821, 1. 5. Brake: Gründung der Firma Joh. Müller, Spedition. Johann Müller( 1732-1808) gründete in Braksiel das erste Kauf-mannsgeschäft. Sein Sohn Johann (1767-1869) übernahm das Speditions-geschäft seines Vaters, das sei 1821 seinen Namen führt. Die Müllers können als die eigentlichen Gründer von Brake gelten. Ein Brüder Johann Müllers, näm-lich Gerhard Müller, wurde Bürgermeister von Brake.
1821, 3. 12. Jever. Sturmflut
1821 Hooksiel: Bau der Kauf- und Lager-häuser am Sielhafen.
1821 Burhafe. Neubau der Kirche. Die Ort-schaft wird bereits in Urkunden des 15. Jahrhunderts erwähnt, ist also sehr viel älter.

-1822-

1822, 1. Mai Wremen: Letzte öffentliche Hinrichtung im Lande Wursten. Abgeschlachtet werden drei Männer, die Heinz Dieter Martens und seine Tochter grausam ermordet hatten. Die Zeremonie fand auf dem Knill vor einem großen Publikum statt und zwar indem man die Opfer auf einem Stuhl fesselte und ihnen dann den Kopf vom Rumpf trennte.
1822, 26. 1. Jever: Sturmflut
1822 Jever: Die "Ratspütt" erhält ihre heutige Gestalt.
1823 Bremen: Das Königreich Hannover, das Großherzogtum Oldenburg und die Freie Hansestadt Bremen vereinbaren die Weser-Schiffahrtsakte, in der sich die drei Staaten verpflichten, gemeinsam den Strom zu unterhalten und die Zölle und Schiffsabgaben regeln.
1823 Bremen: Das Hohetor in der Bremer Neustadt wird abgerissen. Erbaut 1630.

-1823-

1823 Bremen: Die freie Hansestadt Bremen, das Großherzogtum Oldenburg, die Kö-nigreiche Hannover und Preußen, das Kurfürstentum Hessen, das Herzogtum Braunschweig und das Fürstentum Lippe vereinbaren, dass alle Zölle auf der Weser aufgehoben werden. Immerhin mussten noch 1815 zwischen Hanno-versch-Münden und Bremen 22mal Ab-gaben gezahlt werden. Hinzu trat damals noch der Elsflether Zoll. Nun konnten die Boote ungehindert den Strom in seiner ganzen Länge befahren.
1823 Bremen: Gründung des Kunstvereins. Dank enormer Stiftungen bremischer Kaufleute entsteht eine sehr bedeutende Kunstsammlung. 1849 wird in Bremen eine Kunsthalle gebaut, die von 1902-1904 umgebaut wird. Das Gebäude wur-de im Zweiten Weltkrieg schwer be-schädigt, konnte aber 1951 zur Gänze wieder eröffnet wird. 1982 erhielt die Kunsthalle einen Anbau. Der Bestand wurde einmal durch die Aktion der Nazis gegen "Entartete Kunst" gemindert, dann dadurch, dass ausgelagerte Be-stände nicht wieder zurückgeführt wer-den konnten..
1823, 17. 10. Bremen: Die katholische Gemeinde er-hält eine eigene Kirche. Es handelt such um die St. Johanneskirche, die aus dem 13. Jahrhundert stammt und eigentlich das Zentrum eines Franziskanerklosters war, das aber 1529 aufgehoben wurde. Die Kloster diente dann bis 1691 als Krankenhaus,und danach als Irrenhaus, während in der Kirche von 1623 bis 1803 reformierte Flüchtlinge aus den katholischen Niederlanden und aus Frankreich hier ihre Gottesdienste fei-erten. Als diese ausblieben, nutzte man die Hallenkirche als Lagerhaus. Im Jahre 1816 wurde die Kirche der katholischen Gemeinde übertragen, die den Bau aber zunächst gründlich sanieren musste, so dass die Einweihung erst 1823 erfolgen konnte. (Bis dahin besuchten die Katholiken die "Zwölf-Apostel-Kapel-le", die zwischen der Ostertorstraße und der Dechanatstr. gelegen war und eigentlich die Kirche des kaiserlichen Residenten in Bremen war. Sie ist nach 1823 spurlos verschwunden.) Die profanen gebäude des Franziskaner- Klosters wurden 1834 abgerissen. Be-reits seit 2. November 1819 besteht eine katholische Schule, für die 1822 ein Neubau errichtet wurde.
1823, 10. 9. Bremen: Die Königreiche Preußen und Hannover, das Kurfürstentum Hessen, das Herzogtum Braunschweig, das Großherzogtum Oldenburg, das Fürs-tentum Lippe sowie die Freie Hansestadt Bremen schließen die Weserschiff-fahrtsakte ab, die im Prinzip den freien Verkehr auf dem Strom vorsieht und im übrigen die polizeilichen und anderen verwaltungstechnischen Maßnahmen oberhalb der Kaiserbrücke in Bremen regelt. Sie wird am 1. September 1858 durch die Additionalakte ergänzt. Die Bestimmungen werden 1907 durch eine Anlage zum Vertrag verändert und schließlich im Jahre 1939 von einer Verordnung der Reichsregierung abgelöst.
1823 Bremen: Die mittelalterliche Kirche in Horn wird durch eine klassizistische Predigtstätte ersetzt. Sie wird im Zwei-ten Weltkrieg zwar beschädigt, aber wieder hergestellt.
1823 Vegesack: Neben der Kirche wird die neue Volksschule errichtet. Sie ist zunächst zweiklassig, erhält aber 1823 schon einen dritten Unterrichtsraum dazu. Die beiden Häuser wurden 1905 abgerissen und 1907 durch einen Neu-bau ersetzt.
1823, 13. 12. Burhave: Eröffnung des Hafens von Fedderwardersiel. Die oldenburgische Re-gierung verband mit dieser Inves-tition große Hoffnungen, die sich aber nicht erfüllten. Fedderwardersiel ist in-des einer der wenigen Häfen seiner Art, die sich bis heute erhalten haben. Für das 19. Jahrhundert - bis zum Bau der Eisenbahnlinie von Hude nach Norden-hamm - bildeten die Siele, ergänzt durch die Anlegestellen in Brake, Nordenhamm und Blexen, die Tore zur Welt. Die folgende Statistik aus dem Jahre 1862 weist den Schiffsverkehr in den Sielhäfen der damaligen Ämter Butjadingen und Brake aus, wobei an erster Stelle die einheimischen, an zweiter die auswärtigen Boote genannt sind.
  • Fedderwardersiel: 300/181;
  • Burhaversiel: 34/22;
  • Waddensersiel 43/31;
  • Blexen: 12/1;
  • Nordenham: 64/223
  • (darunter ein Dampfschiff mit 100 PS);
  • Großensiel: 262/69;
  • Esenshammersiel: 85/23;
  • Strohausen 268/73;
  • Absersiel 137/37;
  • Golzwardersiel 116/8;
  • Brake: 895/398.
Heute sind noch vorhanden: Fedder-wardersiel, Nordenham, Großensiel und Brake, von denen nur Fedderwardersiel und Großensiel klassische Sielhäfen sind.

-1824-

1824 Horn. Neubau der Kirche.
1824, 11. 6. Wulsdorf: Im Ort brennen elf Häuser nieder.
1824, 2. 4. Oldenburg: Der Herzog von Oldenburg weist seine Konsuln im Ausland an, in den Papieren der Schiffe, die die Unter-weser anlaufen, nicht mehr Bremen, sondern Brake als Zielhafen zu nennen. Offenbar beabsichtigt der Herzog, Bremen auf diesem Wege die Existenz-grundlage zu entziehen. Die Hansestadt betreibt daraufhin erfolgreich die Grün-dung eines neuen Hafens an der Gees-temündung. Bereits am 1. Juni 1825 trägt Bürgermeister Johann Smidt einigen ausgewählten Gästen den Plan vor, an der Geestemündung einen neuen Hafen für Bremen zu bauen. Es ist dem Herzog Peter Friedrich Ludwig als sein histo-risches Versagen vorzuwerfen, dass er, statt die Zusammenarbeit mit Bremen zu suchen, hier den Konflikt provozierte. Der adelsstolze Herr, der, wie der Reichsfreiherr vom Stein seinem Adlatus Ernst Moritz Arndt gegenüber bemerkte, eigentlich nur ein Interesse hatte, nämlich die Genealogie der europäischen Dynastien, wobei er sich natürlich in der eigenen besonders gut auskannte, fand kein Verhältnis zu den Formen moderner Wirtschaft, was sich auch darin zeigte, dass er im Jahre 1814, unmittelbar nach seiner Rückkehr aus dem russischen Exil, die Gewerbefreiheit, die die Fran-zosen ins Land gebracht hatten, wieder aufhob, mit der Folge, dass sein Her-zogtum wirtschaftlich ein halbes Jahr-hundert zurückfiel. Wie sollte ein solcher Mann sich in die Interessen bremischer Kaufleute hineindenken können? Wir dürfen ja nicht vergessen, dass Fach-leute bereits damals auf die günstige Lage des Prallhanges der Weser südlich der Blexer Hörne hingewiesen haben. Die Alternative zur Stadtgründung an der Geestemündung war demnach der Bau eines Hafens im Gebiet der heutigen Stadt Nordenham, wie er achtzig Jahre später ja auch realisiert wurde. Hier zeigte sich, was eine Kooperation des oldenburgischen Staates mit dem bremi-schen Kapital hätte bringen können! Großherzog Friedrich August begann, zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Indus-trie in seinem Ländchen gezielt zu för-dern, aber das war, wie sich zeigen soll-te, zu spät. Die Chancen, die Oldenburg einmal hatte, sind vor allem von Herzog Peter Friedrich Ludwig verpatzt worden.
1824, 15. 11. Stedingen: Sturmflut. In der Unterweser hohes Oberwasser. Schäden in ganz Stedingen.

-1825-

1825 Bremen: Gründung der "Sparkasse in Bremen". (2004: 10,3 Milliarden Euro Bilanzsumme und 1950 Mitarbeiter.)
1825, 1. 11. Bremen: Gründung der Navigationschule. Sie erhält in der Hauptschule an der Domsheide zwei Räume als Lokal zugewiesen. 1877 erhält das Institut, nach mehreren Ortswechseln, ein eige-nes Gebäude am Neustadtwall. Das Haus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Nach der Befreiung konnte die Schule am 2. Februar 1946 den Unterricht wieder aufnehmen. Seit 1982 ist die Einrichtung in die Hochschule Bremen eingegliedert.
1825 Bremen: Gründung der "Philharmoni-schen Gesellschaft". Ihr Zweck war die Veranstaltung von Konzerten. Sie be-trieb zu diesem Behufe ein Orchester und einen Philharmonischen Chor, konn-te aber beides nicht halten.
1825, 3. 2. Schwerste Sturmflut seit 1717 an der Nordseeküste. Die Schäden sind zwar hoch, aber es treten keine Landverluste ein. In Dangast steht der Pegel auf 5,35 m über NN.
  • In Bremen zählt man in der Zeit vom 3. bis zum 5. Februar 1825 etwa 800 Tote. Es krepieren 45 Stück Vieh. 11.000 Häuser werden zerstört oder beschädigt.
  • Im Land Wursten sterben 789 Menschen in den Fluten. Vom Vieh krepieren über 45.000 Stück. 200 Gebäude sind zerstört oder schwer beschädigt und 30.000 Hektar Land überschwemmt.
  • Im Jeverland verzeichnet man aber im Amt Tettens 23 Tote, im Amt Minsen 21 Tote und in der Herrlichkeit Kniphausen zwei Tote.
  • Auf Wangerooge treten schwere Schäden auf, die das kommende Unheil andeuten. Zwischen Leucht-turm und Dorf strömt das Wasser quer durch die Insel. Der Leuchtturm selbst wird zerstört (und noch im gleichen Jahr durch eine Notleuchte ersetzt) und das Bassin beim Badehaus treibt davon. Der angeschwemmte Sand macht die Gärten unbrauchbar. Am 27. 11. 1825 richtet eine weitere Sturmflut Schäden am Westturm an. Der Turm wird 1826 repraiert.
  • In Stedingen treten große Schäden ein.
1825 Blexen: Das Hauptfahrwasser der Weser wird von der oldenburgischen auf die Wurster Seite des Stromes verlegt.
1825 Bardenfleth: Die Werft von Dierk Focke liefert das erste von insgesamt 114 Schiffen ab, die auf dem Platz bis 1884 gezimmert werden.

-1826-

1826-28 Bremen: Die Stadt entwickelt sich zum Auswandererhafen. Das Ziel ist zunächst Brasilien, dann sind es ab 1830 die USA. Die Zahl der Emigranten steigt von 3000 im Jahre 1826 auf 30.000 im Jahre 1846. Die Fahrt von Bremen nach Amerika dauerte auf den Segelschiffen, die damals noch die meisten Transporte bewältigten, etwa 50 Tage.
1826 Bremen: Das Torgewölbe des Herden-tors und der Ostertorzwinger werden abgerissen. Der Turm des Herdentors war bereits 1802 abgebrochen worden. Zum erstenmal erwähnt wurde es im Jahre 1267.
1826, 13. 6. Bremen. Die Juden erhalten endlich Schutzbriefe, die ihnen eine gewisse Rechtssicherheit verleihen.
1826 Flethe: Jakob Wenke liefert den ersten Kahn ab, den er auf seiner Werft gebaut hat. Es folgen bis 1844 16 weitere Boo-te, dann verkauft er die Werft an Fried-rich Haesloop in Flethe, der hier aber bis 1846 nur zwei Boote zimmern ließ. Er war im wesentlichen als Reeder tätig.
1826 Motzen: Claus Oltmann in Motzen liefert den Kahn "Anna" ab. Das Ereignis gilt als Gründungsdatum der Oltmann-Werft, obwohl bereits der Großvater Dierk Oltmann (1712-1788) als Schiffszim-mermannbaas bezeichnet wird, indes lässt sich nicht nachweisen, dass er in eigener Verantwortung Boote oder gar Schiffe gebaut hat. Die Oltmann-Werft baut bis 1870 nicht weniger l97 Segler. Dann stellt das Unternehmen seinen Be-trieb ein. Der Platz wurde von Diedrich Focke zunächst gepachtet und 1876 erworben. Als letztes Schiff wurde der Everkahn "Johanne" gebaut. Danach beschäftigte sich die Firma vermutlich nur noch mit Reparaturen. Wann sie den Betrieb einstellt, ist nicht bekannt.
1826-1834 Jever: Das Schloss in Jever und das Umfeld erhalten ihre heutige Gestalt. Der innere Burggraben wird zugeschüt-tet und die Unterburg abgebrochen. Die Bastion bleibt.

-1827-

1827 Bremen: Oberhalb der Stadt brechen die Deiche. Die Hastedter Marsch und das Vieland werden überschwemmt.
1827 Bremen: Bau der Straße von Bremen über Borgfeld nach Lilienthal.
1827 Habenhausen: Deichbruch.
1827 Vegesack: Die Stadt erhält ein Armen-haus, das durch Spenden unterhalten wird. 1874 kam ein zweites hinzu. Beide wurde 1891 abgerissen und durch ein "Arbeitshaus" ersetzt.
1827, 11. 1. Bremerhaven: Gründung Bremerhavens.
  • 11. Januar: Vertrag zwischen dem Königreich Hannover und der Freien Hansestadt Bremen, in dem Hannover auf dem rechten Geesteufer eine Fläche von 88,7 Hektar zur Anlegung eines Hafens an Bremen abtritt. Nur die Militärhoheit bleibt bei Hannover.
  • 28. Februar: König Georg IV. von Hannover (Zugleich König von Großbritannien und Irland) ratifi-ziert den Vertrag.
  • 9. März: Der Senat Bremens rati-fiziert den Vertrag. Zugleich kon-stituiert sich in Bremen eine Depu-tation zur Verwaltung der Colonie. Den Vorsitz führt Bürgermeister Smidt. Die elf Mitglieder gehören dem Senat und der Bürgerschaft an.
  • 10. April: Austausch der Urkunden.
  • 26 April. Die schwedische Scha-luppe "Lyk good Hab"läuft als erstes Schiff den neuen Bremer Hafen an. Harry Gabcke, dem ich diese Information verdanke, meint wohl, dass das Boot am nunmehr bremischen Ufer der Geeste fest-machte, was auch nicht ganz kor-rekt ist, denn der Vertrag über den Kauf des Geländes an der Geeste-mündung durch Bremen war zwar zu diesem Zeitpunkt rechtsgültig abgeschlossen, aber der Platz war noch nicht übergeben. Das Ufer, an dem die schwedische Schaluppe festmachte, stand also noch unter hannöverscher Hoheit. Dies sei nur den Haarspaltern ins Stammbuch geschrieben.
  • 1. Mai: Übergabe der Fläche, die einmal den neuen Bremer Hafen aufnehmen soll, an die Behörden der Hansestadt. Zu diesem Zeit-punkt stehen in dem Gebiet der neuen bremischen "Colonie" drei Häuser in denen 19 Menschen wohnen, die nunmehr nicht mehr Untertanen des Königs von Hanno-ver, sondern Bürger der Freien Hansestadt Bremen sind, womit sich aber für sie faktisch nichts ändert.
  • 24. Mai: Der bremische Senat macht durch ein "Proclam" be-kannt, dass in der Colonie an der Geeste nunmehr bremische Geset-ze gelten.
  • 1. Juni: Die ersten Baumaßnahmen beginnen.
  • 1. Juli 1827: Die Ausschachtung des Alten Hafens wird in Angriff genommen. "Er sollte zunächst 750 m lang und 57,5 m breit werden und eine Wassertiefe von gut 5 m erhalten (Sie wurde später auf etwas über 7 m gebracht). Die Arbeitsbedingungen waren hart. Ir-gendwelche Maschinen für die Erdbewegungen gab es nicht. Die Erde musste auf Pferdegespanne geschaufelt und zur Weser zwecks Anlage eines neuen Deiches transportiert werden."(Herbig: Wirtschaft, Arbeit, Streik, Aus-sperrung, 1979, S. 13)
Die Bauleitung hat der Niederländer Jakobus Johannes van Ronzelen, den der bremische Senat am 23. Mai zum Hafenbaudirektor ernannt hatte und der am 13. August 1827 am künftigen Ort seiner Tätigkeit eintrifft. Van Ronzelen macht den Aufbau des neuen Hafens in den folgenden Jahren zu seiner Lebens-aufgabe.Die erste Zeit der "Colonie"war ex-trem schwierig:
  • Der neue Hafen wurde von 500 bis 600 Arbeitern mit der Hand ge-graben. Dabei herrschte ein un-glaublicher Dreck. Sauberes Was-ser musste in Fässern von Lehe herangeschafft werden, war also knapp. Überdies waren die Männer in Schilfhütten untergebracht, die im Winter faktisch unbewohnbar waren. Die hygienischen Verhält-nisse bewirken, dass die Menschen krank wurden. Insbesondere die Malaria grassierte unter den Ar-beitern. Die Folge der Unzuläng-lichkeiten waren Streiks im Juli und August 1827, von denen der erste kläglich scheiterte, da die Arbeiter natürlich überhaupt nicht organi-siert waren, während der zweite zu einem Teilerfolg führte, zumal die bremischen Behörden die Miss-stände natürlich kannten und auch keine Freude daran hatten (wie man überhaupt sagen muss, dass die Kapitalisten des 19. Jahrhun-derts nie die Absicht hatten, die Arbeiter zu quälen. Sie gehorchten halt den Gesetzen des Marktes und das oft genug wider Willen.)
  • In Bremen gab es in den ersten Jahren eine erhebliche Opposition gegen die Neugründung, die man als zu teuer und überhaupt über-flüssig bezeichnete. Die Folge war, dass der neue Hafen zunächst auch nicht von den Kapitänen angenom-men wurde: Noch 1831 liefen von den 1097 Schiffen, die nach Bremen segelten, nur 95 die neue Colonie an.
  • Und schließlich fehlte es auch an Menschen, die bereit waren, sich in der neuen Stadt anzusiedeln. Von den 232 Bauplätzen, die in einem ersten Plan der Colonie ausge-wiesen waren, konnten bis 1832 nur 33 vergeben werden.
Trotz dieser Anfangsschwierigkeiten setzt der Bremer Senat die Aufbauarbeit in dem neuen Bremer Hafen unver-drossen fort.
  • Am 1. April 1929 eröffnet Dr. med. Erich Becher als erster Arzt seine Praxis in der Colonie.
  • Am 6. Februar 1832 läßt sich Dr. jur. Carl Jakob Philippi als erster Rechtsanwalt und Notar in dem neuen Bremer Hafen nieder.
  • Am 5. April 1833 erläßt der Senat eine Verordnung über die Schul- und Armenpflege in der Colonie.
Am 2. Mai 1832 hat die bremische Co-lonie an der Geestemündung etwa 200 Einwohner.
1827, 27. 6. Lehe: Pastor Vörtmann weiht den Fried-hof I in Lehe ein. Die bisherigen Fried-höfe an der Dionysioskirche und am Klushof werden aufgegeben.
1827, 1. 10. Lehe: Geestendorf wird dem Gericht Lehe unterstellt.
1827, 2. 8. Geestendorf: Der hannoversche Staat kauft die Flurstücke Nurte, Reithkam-deich und Wählacker am Südufer der Geeste. Die Regierung hat die Absicht, hier später einen Hafen anzulegen.
1827 Varel: Die Stadt erhält eine Straßenbe-leuchtung
1827 Wittmund: Bau des heutigen Amtsge-richts. Das klassizistische Haus war zunächst Sitz der jeweiligen Kommu-nalverwaltungen, ehe es die Justiz über-nahm. Es wurde 1992 restauriert.
1827 Esens: Die jüdische Gemeinde errichtet an der Burgstraße eine neue Synagoge und ein Schulhaus. Im Jahre 1840 hat sie 124 Mitglieder.

-1828-

1828 Bremen: Das Ostertor, zum ersten Mal 1267 erwähnt, wird niedergelegt.
1828 Walle: Auf dem ehemaligen "Galgen-berg" richtet die Stadt Bremen ein Pulverlager ein. Es wird 1879 nach Grambke verlegt. Der Platz, auf dem bis 1811 Verbrecher hingerichtet wurden (dann ließen die Franzosen, die ihre Übeltäter köpften, den Galgen abbrechen) befand sich seit dem 16. Jahrhundert zwischen der heutigen Schlesiger Straße und Theodorstraße.
1828, 12. 7. Bremerhaven: Grundsteinlegung der er’sten Schleuse.
1828 Bremerhaven: Der bremische Senat schafft einen Prahm an, der als Fähre zwischen dem linken und rechten Ufer der Geeste verkehrt und so die Verbin-dung zwischen der Colonie und Geestendorf herstellt.
1828 Bremerhaven. Für die Colonie wird ein kleines Spritzenhaus gebaut und eine Feuerwehrspritze angeschafft.
1828 Blexen: Der Turm erhält einen neuen Knopf und eine neue Wetterfahne.
1828 Elsfleth: Das erste Schiff der Werft Wurthmann in Elsfleth wird fertig. Die Galiot erhält den Namen "Die Hoff-nung". Wann das Unternehmen gegrün-det wurde, ist nicht bekannt. Auf dem Platz wurden insgesamt 29 Schiffe gezimmert, das letzte im 1865.
1828, 15. 2. Esens: Einweihung der neuen Synagoge an der Burgstraße. Dahinter befand sich die Schule, die bereits 1827 fertig ge-worden war. Sie bestand aus einem Klassenraum. Darüber befand sich die Wohnung des Lehrers. Das erste Schul-haus hatte die jüdische Gemeinde bereits 1819 erworben. Es befand sich zwischen der Neustadt und der Schmiedestraße.

-1829-

1829 Bremen: Gründung der Buchhandlung Geist. Seit 1914 befindet sie sich am Wall.
1829 Bremerhaven: Die Colonie wurd mit Lehe durch eine feste Chaussee ver-bunden. Die Symbiose der Unterweser-orte beginnt, die schließlich in die Gründung der heutigen Stadt Bremerha-ven mündet, aber das ist ein Prozess, der mehr als hundert Jahre in Anspruch nimmt.
1829, 10. 2. Weimar/Bremerhaven: Goethe, mit der Endredaktion des zweiten Teils seines "Faust" beschäftigt, hat sich Karten von der Anlage des neuen Bremer Hafens beschaffen lassen und kommen-tiert das Ereignis in einem Brief an seinen Freund "Kunscht-Meyer". Man vermutet, dass Goethe auf die Gründung Bremerhavens anspielt, wenn er im 5. Akt des zweiten Fausts den Bau eines neuen Hafens schildert.
1829 Lehe: Bau einer Chaussee, die Lehe mit der Colonie verbindet.
1829 Lehe: Bau eines neuen Gerichtshauses.
1829 Wangerooge: Die Landesregierung übernimmt die Badeeinrichtungen von Wangerooge in eigene Regie. Der Groß-herzog setzt einen Badekomissar ein, der zusammen mit dem Badearzt das Direktorium des "Bade-Etablisse-ments" bildet. Als Badestrand dient eine Sandbank vor der eigentlichen In-sel, die sich bei den Fluten des Jahres 1825 gebildet hat und nun durch einen Holzsteg zu erreichen ist.