-1830-1839-

1830 Bremen: Die Auswandererwelle setzt ein. Bereits 1831 werden von Bremen aus 3500 Emigranten mit Segelschiffen in die USA gebracht. Damit beginnt ein Exodus, der erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts endet. Aber bis dahin herrscht geradezu ein Boom: Von 1830 bis 1870 werden von Bremerhaven aus eine Million Menschen über den Atlantik transportiert. Anlass der Flucht ist zu-nächst die letzte Hungersnot, die in Deutschland durch Missernten ausgelöst wurde. (Es gab später weitere, aber dann war die Ursache jeweils ein von der deutschen Führung angezettelter Krieg) Für Bremen bedeutet die Entwik-klung, dass die Kaufleute jetzt das notwendige Exportgut haben, das sie brauchen, um gegen die amerikanische Konkurrenz anzutreten. Dabei gelingt es den Hanseaten an der Weser (und an der Elbe) im 19. Jahrhundert in diesem Ge-schäft eine Monopolstellung zu erringen, dh. die amerikanische Konkurrenz zu verdrängen. Auf diese Weise konnte dann das Kapital gebildet werden, das dann im Laufe des 19. Jahrhunderts in verschiedene Industrie-Unternehmungen investiert wurde. Möglich wurde die Entwicklung übrigens dadurch, dass die Löhne in Bremen erheblich niedriger waren als in den USA. Deshalb konnten Schiffe billiger gebaut und Atlantik-passagen dann auch preiswerter ange-boten werden.
1830 Bremen: Deichbrüche bei Hastedt. Die Marsch um Bremen wird überflutet und in der Stadt laufen Keller voll.
1830 Bremen: Deichbrüche bei Mahndorf, He-meligen, Hastedt, Habenhausen, Borg-feld und Burg. im Werder, im Niedervie-land und bei Huchting.
1830, 1. 9. Bremerhaven: In Bremerhaven ist der Vorhafen auf eine Tiefe von 20 Fuß ausgebaggert. Der Alte Hafen samt Aus-senschleuse waren bereits im Herbst des Jahres 1829 fertig. Das Becken ist 752 m lang, 58 m breit und 5 m tief. Die Kammerschleuse hat eine Durchfahrt-breite von 11 m und ist 42 m lang sowie 42 m breit - alles durchaus respektable Maße für die damalige Zeit. Am 12. September 1830 eröffnet der amerikani-sche Kapitän Hillert mit dem Schiff "Draper" den Hafenbetrieb. Bis Ende 1830 laufen 18 Schiffe in den Hafen ein, darunter 12 unter bremischer Flagge. Der Alte Hafen wurde 1862 erweitert.
1830 Bremerhaven. Gründung des Hansestadt bremischen Amtes in Bremerhaven.
1830 Bremerhaven. Der bremische Senat lädt Siedler ein, in der neuen Colonie "Bremer Haven" Grundstücke zu er-werben. Bis zum Jahresende werden acht der 231 Parzellen verkauft. Bis zum Ende des Jahres 1831 stehen 18 Häuser in der Colonie. Zur Verschönerung des Ortes hat der Senat im übrigen 400 Eschen, 200 Pappeln, 100 Ulmen und 30 Rosskastanien gekauft.
1830-1834 Bremerhaven. Das Königreich Hannover baut auf dem rechten Geeste-Ufer das "Fort Wilhelm". In dem Kaufvertrag hatte sich Hannover die Militärhoheit über das abgetretene Gebiet vorbehalten. Das Fort hatte offenbar nur den Sinn, sie sichtbar zu machen, denn einen militärischen Wert hatte das Bauwerk nach dem damalige Stand der Waffentechnik nicht.
1830 Bremerhaven. Gründung des Hansestadt bremischen Amtes in Bremerhaven.
1830 Geestendorf. Bau der heutigen Weserstraße.
1830 - 1834 Varel: Eine feste Chaussee verbindet Varel mit Oldenburg.
1830, 1. 10. Wangerooge: Der neue Leuchtturm wird in Dienst gestellt. Er ist 19 Meter hoch und ist mit einem Drehfeuer ausge-stattet.

-1831-

1831 Bremen: Der Turm des Ansgaritors wird abgerissen. Er diente zuletzt als Gefängnis für diejenigen, die ihre Schulden nicht bezahlen konnten.
1831 Bremen. Bau der Holländer-Mühle in Huchting. Sie brannte 1913 ab.
1831, 21. 4. Bremen. Auf dem Domshof wird die Mörderin Gesche Gottfried öffentlich geköpft. Dem Schauspiel wohnen 35.000 Zuschauer bei. Gesche Gottfried hatte 15 Menschen mit "Mäusebutter" ver-giftet. Schwarzwälder: "Die Motive sind nie recht ergründet worden; Habgier, Eitelkeit, sexuelle Selbstsucht und eine unvorstellbare Gefühlskälte den Mitmen-schen gegenüber mischten sich in ihr." (Schwarzwälder: Geschichte der freien Hansestadt Bremen, II. Band, 1976, S. 107.) Auf dem Platz findet man noch heute einen vier-geteilten Stein, auf den die Bremer lange Zeit zu spucken pflegten, um ihre Ver-achtung für die Mörderin auszudrücken. Er befindet sich an dieser Stelle, weil der Kopf der Frau bis hierhin gerollt sein soll. (Ob die "Gefühlskälte" der Gesche Gottfried, verehrter Herr Professor Schwarzwäl-der, nach allem, was nur hundert Jahre später in Deutschland allgemein und auch in Bremen Alltag werden sollte, immer noch "unvorstellbar" ist, möch-te ich bezweifeln. Man kann ihr Verbre-chen auch als ein Symptom für das sehen, dessen Menschen, wenn die psy-chischen und sozialen Voraussetzungen gegeben sind, fähig sind und zwar viele Menschen, vielleicht sogar alle.)
1831 Huchting: Bau der Mühle in Huchting. 1913 abgebrannt und als Windmühle nicht wieder aufgebaut.
1831 Bremerhaven. Ist die Gründung der bremischen Colonie an der Geestemün-dung eine Fehlentscheidung? Diese Frge dürften sich viele Bremer gestellt haben, denn in diesem Jahr legten von den fast 1100 Schiffen, die für bremische Rech-nung fuhren, nur 95 in dem neuen Bre-mer Hafen an. Das sah doch sehr danach aus, dass die Neugründung von den Kaufleuten in der Hansestadt nicht an-genommen wurde.
1831 Bremerhaven: Lehrer Johann Christian Blanck eröffnet an der Osterstraße die erste Elementarschule der "Colonie". In der Regel besuchten die Kinder aus der Colonie bis dahin, wenn überhaupt, die Schule in Lehe, was sich nun nach und nach ändert. Im Jahre 1840 gehen 243 Kindern in das Institut des Lehrers Blanck, nur 15 wandern noch nach Lehe. Bereits 1836 folgt eine höhere Schule für Mädchen und 1839 eine höhere Schule für Knaben.
1831 Bremerhaven: Der bremische Senat kauft numehr einen großen Prahm, der als Fähre zwischen der Colonie und Geestendorf eingesetzt werden kann.
1831-1834 Bremerhaven. Bau des Forts Wilhelm. (Genannt nach dem damaligen eng-lischen König, der in Personal-Union auch König vonhannover war) Die Festugsanlage ist mit 18 Geschützen armiert. Die Besatzung besteht aus 44 Mann. Hannover hatte sich die Militär-hoheit über die Fläche, die es an Bremen abgetreten hatte, vorbehalten, deshalb dieser Prestigebau, der militärisch ohne Nutzen war und aus dem später auch nie ein scharfer Schuss auf einen Feind ab-gefeuert wurde, zumal der im Jahre 1866 über Land kam und dieser Fall, das zeigen die Abbildungen der Anlage, war von den Konstrukteuren nicht vorgesehen.
1831 Geestendorf. Die Nurte wird einge-deicht.
1831 Lehe: Aus dem "Gericht Lehe" und dem Amt Stotel-Vieland wird das Amt Lehe gebildet, zu dem auch Geestendorf und Wulsdorf gehören. Außerdem gehö-ren Bramel, Schiffdorf, Stotel und Nesse zu dem Bezirk. Damit beginnt die lange Kette von Fusionen, die schließlich das heutige "Bremerhaven" zeitigten.
1831 Elsfleth: Friedrich August Röfer lässt am Weserdeich, genau an der Westergate, einen Werftplatz einrichten. Hier werden bis 1842 zehn Schiffe gebaut.
1831 Elsfleth: Zehn Elsflether Reeder bean-tragen die Gründung einer Navigati-onsschule. Sie wird, als private Anstalt, im Jahre 1832 eröffnet. Ab 1. Oktober 1856 staatliche Navigationssschule im Haus Steinstraße 18 (ehemaliges Amts-haus). Ab 1870 neues Schulgebäude. 1892 erweitert. Heute durch Neubau ersetzt.
1831, 28. 12. Oldenburg: Der Großherzog erlässt eine Landgemeindeordnung. Sie ist die Folge der Revolutionsbewegung, die im Juli 1830 von Paris ausging. Mit der Land-gemeindeordnung erhalten die bishe-rigen Kirchspiele gewisse Rechte der Selbstverwaltung. Damit wird der Abso-lutismus des Landesherrn wenigstens auf der untersten Verwaltungsebene eingeschränkt.

-1832-

1832 Bremen: Die Stadt erlässt ein Auswan-derergesetz. Von jetzt an werden Bre-men und Bremerhaven zu den größten Auswandererhäfen Deutschlands. Seit 1845 reisen jährlich 30.000 Menschen von Bremerhaven in die USA. Die Zahl steigt dann weiter an und erreicht 1854 einen ersten Höhepunkt mit 76.000 Aus-wanderern. Der Andrang wird so groß, dass Bremerhaven nicht alle Passagiere aufnehmen kann, weshalb dann auch Brake von 1845 bis 1865 zum Auswan-dererhafen wird. Durch den Bau der Eisenbahnen und vor allem dem Einsatz der Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyds kann man dem immer noch wachsenden Andrang gerecht werden. In den Jahren 1881 und 1882 verließen jeweils 100.000 Menschen über Bremer-haven ihre alte Heimat. Insgesamt wan-derten bis 1884 1.6 Millionen Europäer, darunter 1.3 Millionen Deutsche über Bremen und Bremerhaven nach Amerika aus. Danach fiel die Zahl der deutschen Auswanderer, wohingegen die der euro-päischen Passagiere stieg. 1913 war der Höhepunkt erreicht: 230.000 Ausländer, aber nur 10.000 Deutsche schifften sich in Bremerhaven ein. Von 1885 bis 1914 gingen fast drei Millionen Ausländer und 700.000 Deutsche über die Weserhäfen in die Neue Welt. Mit dem Ersten Welt-krieg endete praktisch das Geschäft. An die Stelle der Auswanderer traten Ge-schäftsleute und Touristen.
1832, 12. 1. Bremen. Gründung dess Ärztlichen Ver-eins. Aufgabe ist die Förderung der Wis-senschaft und eines freundschaftlichen Verhältnisses unter den Mitgliedern.
1832, 8. 2. Bremen. Der Senat erlässt eine Instru-ktion für die bremischen Lotsen in Bre-merhaven. Die Einrichtung steht kurze Zeit in Konkurrenz zu der Lotsengesell-schaft des Königreichs Hannover, aber am 19. März 1832 kommt es zu einem vertraglichen Ausgleich der Interessen.
1832, 12. 1. Bremen. Gründung des Ärztlichen Ver-eins. Aufgabe ist die Förderung der Wis-senschaft und eines freundschaftlichen Verhältnisses unter den Mitgliedern.
1832, 1. 2. Bremerhaven: Gründung der hansestadt-Bremischen Seelotsengesellschaft mit Sitz in Bremerhaven.
1832 Bremerhaven: Die spätere "Bürger-meister-Smidt-Straße" (kurz: die "Bür-ger") wird gepflastert. Vorerst ist sie nur "die Chaussee".
1832 Bremerhaven. Das Geschäft mit den Auswanderern beginnt. In diesem Jahr werden bereits Menschen Befreiung in die Neue Welt transportiert. Der bremische Senat regelt die verkehr bereits mit zwei Verordnungen.
1832 Lehe: Die Chaussee von Bremen-Burg nach Lehe (die spätere Bundesstraße 6) wird fertiggestellt.
1832, 4. 11. Lehe: In dem Flecken wird ein Mis-sionsverein gegründet. (Die Heidenmis-sion war im 19. Jahrhundert die große Mode unter den Christen. Gesellschaf-ten, die sich dieser Aufgabe widmeten, entstanden in großer Zahl und, wie man hier sieht, auch in den kleinsten Orten. Sie hatten in zweierlei Hinsicht große Verdienste: Zum einen sicherten die Missionare vielfach die Sprachen und damit auch die Kultur der Völker, die sie zu bekehren trachteten, indem sie die Bibel in ihr Idiom übersetzten, und überdies weckten sie in Europa für Menschen Verständnis, die man herab-lassend als "Heiden" bezeichnete. Sie schufen damit in einem sehr kompli-zierten und damit auch in sich wider-sprüchlichen Prozess die Voraussetzung für die "Weltkultur", mit der wir uns heute auseinandersetzen müssen.)
1832, 20. 8. Elsfleth: Seefahrtsschule in Elsfleth ge-gründet. Sie geht auf eine Initiative Els-flether Reeder zurück und wird zunächst privat betrieben. Ab 1. Oktober 1856 übernimmt er oldenburgische Staat das Institut und bringt es im Haus Stein-straße 18 unter. Seit 1870 verfügt die Navigationsschule in Elsfleth über ein eigenes Haus, das 1892 erweitert wurde.
1832 Wangerooge. Die Insel hat 600 Gäste - eine große Zahl in einer Zeit, in der die Menschen so etwas wie Urlaub nicht kannten. Der Erfolg führt dazu, dass 1833 ein neues Logierhaus mit 34 Zimmern gebaut wird, das man später auf 45 Zimmer erweitert. Übrdies wird die Verbindung zum Festland spürbar verbessert: Ab 1834 fährt im Sommer täglich eine Fähre hinüber, außerdem gibt es je eine wöchentliche Verbindung mit Bremen und Hamburg.
1832, 1. 2. Wangerooge: Der Kaufmann Christian Renken aus Oldenburg erhält die Erlau-bnis, auf der Insel eine Saline zu bauen. Bereits im September 1832 beginnt die Salzproduktion.

-1833-

1833 Bremen: Bau der Wallmühle. Sie geht 1891 in den Besitz der Stadt Bremen über. Bis heute erhalten.
1833 Walle. Die Familie Achelis kauft das Gut Walle samt den benachbarten Grund-stücken und richtet sich dort einen Som-mersitz ein, der von einem umfang-reichen Gartenanlagen umgeben ist. Im Jahre 1928 wird daraus der Waller Park.
1833 Bremerhaven: Die Vegesacker Schiff-baumeister Johann Lange und Fr. W. Wencke gründen Zweigbetriebe in Bre-merhaven, die sich zwar zunächst auf die Schiffsreparatur beschränken, später aber zu richtigen Werften ausgebaut werden.
  • Lange beginnt 1833/1834 auf dem rechten Ufer der Geeste mit der Einrichtung einer Helling. Zunächst lässt er auf dem Platz nur große Segelschiffe warten. Von 1837 bis 1840 entsteht auf seiner Werft das erste Trockendock Bremerhavens, in dem aber nur Schiffe, auch moderne Dampfer, repariert wer-den, während der Neubau dem Betrieb in Vegesack vorbehalten blieb. Die Werft entwickelte sich unter seiner Leitung zum Großun-ternehmen, das bereits 600 Arbei-ter beschäftigte Er ist als Unter-nehmer auch deshalb bemerkens-wert, weil er eine Art Betriebs-krankenkasse einrichtete: Den Ar-beitern wurde wöchentlich ein Groten vom Lohn abgezogen (der Verdienst betrug 24 bis 48, aus-nahmsweise 54 Groten), dafür er-hielten sie im Krankheitsfall ärzt-liche Versorgung und 75 Prozent des Lohnes als Krankengeld. Auf seiner Werft gab es überdies ein Haus mit Wohnungen für Arbeiter und Aufenthaltsräume für sie. Jo-hann Lange starb 1844 Er hinter-ließ sein Unternehmen seinem Sohn Johann, der sich jedoch 1857 aus dem Geschäft zurückzog. Da-raufhin wurde die Firma geteilt: Die Werft in Vegesack ging in den Be-sitz seines Schwagers Johann Ra-schen über, während Carl Lange die Werft in Bremerhaven über-nahm, die er unter dem alten Namen "Johann Lange" weiter-führte. Er blieb jedoch an dem Ve-gesacker Unternehmen beteiligt, das bereits 1844 für den Bau eiserner Dampfschiffe umgerüstet wurde. In Bremerhaven wollte Carl Lange indessen nicht nur, wie bis-her, Schiffe reparieren, sondern auch neue bauen. Da ihm auf seinem alten Platz eine Helling von der hannoverschen Regierung nicht genehmigt wurde, verlegte er den Werftplatz im Jahre 1850 auf das Gebiet der Stadt Bremerhaven. Im Laufe der Zeit konzentrierte Lange sich jedoch, vor allem in Zusam-menarbeit mit dem Norddeutschen Lloyd, mehr und mehr auf das Re-paraturgeschäft, für das er nahe der Geestemündung zwei Docks bauen ließ. Carl Lange starb am 31. Januar 1883, hatte aber schon vorher die Leitung des Betriebes an Johann Raschen jr. übergeben, unter dem der Niedergang der tra-ditionsreichen Werft begann und zwar sowohl in Vegesack als auch in Bremerhaven. Der Vegesacker Betrieb ging an den Bremer Vul-kan, während er Bremerhavener Betrieb 1895 von Seebeck überno-mmen wure.,
  • Friedrich Wilhelm Wencke wurde an der Geeste der Nachbar seines Konkurrenten Lange. Auch er bau-te 1834 die erste Helling und er-gänzte die Anlage ebenfalls durch ein Trockendock. Im Jahre 1856 kauft der Unternehmer den Platz und erweitert daraufhin sein Trok-kendock. Er starb am 10. März 1859 und hinterließ seiner Witwe neben dem Werftbetrieb eine Ree-derei. Die Leitung des Unterneh-mens übernahm nun der Schwie-gersohn Friedrich Wilhelm Albert Rosenthal, der indes am 1. 1. 1873 die Führung an den Schiffbaumeis-ter Johann Wilhelm Heinrich Baars übergab. Dessen Nachfolger wird schließlich Nicolaus Diedrich Wen-cke, Sohn des Friedrich Wilhelm Wencke, der am 28. Juli 1881 alleiniger Inhaber der Firma wird. Die Wencke-Werft baute in dieser Zeit neben Segelschiffen hölzerne Seeraddampfer. Seine Reederei war im Walfang tätig, hatte also Erfahrungen in der Grönlandfahrt. Seit etwa 1880 wurde das Unter-nehmen für den Bau und die Reparatur eiserner Schiffe umge-rüstet. Die Firma konnte sich jedoch nicht halten. Am 16. Mai 1900 wurde das Konkursverfahren eröffnet und am 10. August 1901 wurde sie aus dem Handelsregister in Bremerhaven gestrichen. Das Werftgelände und die technischen Einrichtungen übernahm am 30. Juni 1900 die Seebeckwerft.
Die Wencke-Werft ist für die Entwicklung Bremerhavens wichtig geworden, weil mit diesem Namen zwei Ereignisse verbunden sind, die auch heute nach beachtet werden:
  • Das Unternehmen baute 1869 die "Hansa " für die zweite deutsche Nordpol-Expedition, die von 1869 bis 1870 stattfand.
  • Zum andern wurde hier im Februar 1885 der erste deutsche Fisch-dampfer, die legendäre "Sagitta", an die Reederei Friedrich Busse ausgeliefert.
Schließlich sei noch erwähnt, dass die Sommer-Residenz des Firmengründers Friedrich-Wilhelm Wencke in der Ge-meinde Langen noch bis in die vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts ein beliebtes Ausflugsziel der Bremerhavener war. Geblieben ist von dem Allem zum einen das Doppeldock, das 1977 bis 1979 restauriert wurde und nun ein wichtiges Denkmal der deutschen Maringeschichte ist, und zum andern der Park von "Friedrichsruh".
1833 Bremerhaven: In der Stadt wird die erste Apotheke eröffnet.

-1834-

1834 Bremen: Die Cholera erreicht auch Bre-men, hat hier aber nicht so verheerende Auswirkungen wie in Hamburg. Die Seu-che fordert insbesondere in den Elends-quartieren Bremens, also in der Stepha-nivorstadt, dem Teerhof, am Bunten-torssteinweg und in Teilen der Neustadt Opfer. Die Behörde reistrieren 321 Er-krankungen, von denen 161 tödlich ver-laufen. Obwohl man den Erreger natür-lich nicht kennt, überhaupt von der Ur-sache der Epidemie keine Ahnung hat, vermutet man doch den Zusammenhang mit den hygienischen Bedingungen in der Stadt. Die Bemühungen der Behör-den sind infolgedessen darauf gerichtet, diese zu verbessern, womit das große Thema des 19. Jahrhunderts benannt ist.
1834 Bremen: Das Johanniskloster wird we-gen Baufälligkeit abgerissen. Die Gebäu-de dienten nach der Vertreibung der Franziskaner, die hier einmal gewohnt hatten, im Lauf der Reformation als Kranken- und Armenhaus. Die Franzis-kanerkirche blieb erhalten und wurde 1816 den Katholiken überwiesen. Sie hatten bis dahin die Protestanten aus den Niederlanden oder aus Frankreich benutzt.
1834 Bremen: In der Stadt beginnt man damit, die Straßen zu pflastern, was zugleich bedeutet, dass alle möglichen Hindernis-se, die man bis dahin in den Verkehrs-raum hineingebaut hatte, beseitigt wer-den mussten. Es verschwanden also nicht nur Kellerluken, sondern auch Sitzbänke, ja, sogar Schweineställe. Der Rat beauftragt am 24. November 1834 eine eigene Deputation mit der Aufgabe, diese hygienische Maßnahme voranzu-treiben.
1834 Bremen. In der Hansestadt wird eine Gruppe des CVJM gegründet. Der "Bremer Jünglingsverein" ist eine Frucht der "Erweckungsbewegung", die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das protestantische Deutschland durchlief und selbst so weltliche Gestalten wie Bismarck prägte. Die Grundlage war die pietistische Frömmigkeit, die im 18. Jahrhundert an die Stelle der lutherischen Orthodoxie getreten war und des rechten Glaubens an ein bestimmtes Dogma die Liebe zu Jesus setzte, also die Dogmatik in den Hintergrund schob und stattdessen auf das korrekte Gefühl setzte, das zu dieser Zeit noch in der emotionalen Hinwen-dung zum Heiland bestand. Später trat dann die Vaterlandsliebe hinzu, die schließlich in den Führerkult endete.
1834 Fähr: Claus Steenken baut für eigene Rechnung auf seinem Grundstück in Fähr den Ever "Herman". Es folgen bis 1859 zwanzig weitere Boote. 1860 ging die Firma in Konkurs.
1834 Bremerhaven. Das bei Lange in Vege-sack gebaute Dampfschiff "Bremen" verkehrt drei Mal wöchentlich zwischen der Colonie und Bremen.
1834, 10. 4. Bremerhaven: Untergang der "Shenan-doah" in der Außenweser. An Bord be-fanden sich 192 Auswanderer, von de-nen 161 gerettet werden.
1834 Bremerhaven. Auf der Wenke-Werft entsteht das erste Trockendock an der deutschen Nordseeküste. Es kann zwei Schiffe gleichzeitig aufnehmen.
1834, 15. 6. Bremerhaven/Geestemünde: Der Helgo-länder Rickmer Clasen Rickmers eröffnet an der Geeste vor Bremerhaven eine Bootswerft, die spätere Rickmers-Werft. Er war 1832 nach Bremerhaven gekom-men und hatte hier zunächst auf der Werft von Cornelius als "Vorarbeiter" gearbeitet. Seit dem Februar 1834 war Rickmers Bürger der Stadt Bremer-haven. Auf dem ersten Platz lief als erstes Schiff die 23 BRT große "Catha-rina", vom Stapel. 1836 pachtet Rick-mers ein Gelände auf dem rechten Geeste-Ufer, auf dem er Seeschiffe bauen konnte. Die Produktion setzte 1840 mit der Bark "Maria Franziska" ein. Von da an liefen in jedem Jahr bei Rickmers jährlich etwa zwei Segelschiffe vom Stapel. Im Jahre 1847 beschäftigte Rickmers etwa 100 Arbeiter, deren Zahl bis Anfang der fünfziger Jahre auf 300 stieg. Im Jahre 1842 gründet Rickmers eine eigene Reederei, deren Schiffe auf seiner Werft gebaut werden. Die Rick-merswerft zog 1857 erneut auf ihren Platz in Geesthelle um, eine Halbinsel, die von einer Schleife der Geeste gebildet wurde. Das Unternehmen gehörte jetzt zu Geestemünde, Rickmers behielt aber bis 1873 den Bremer-havener Werftplatz. Rickmers war, wie übrigens die anderen Werft-Unterneh-mer auch, bemüht, sich durch eine vorausschauende Sozialpolitik einen Stamm tüchtiger Arbeiter zu sichern. So plante er Wohnungen und Arbeitsplätze für etwa 1000 Menschen, konnte aber mit seinen Plänen bei der Gemeinde-verwaltung von Geestemünde nicht durchdringen. Als Techniker entwickelte Rickmers einen modernen Segelschiffs-typ, den er nordamerikanischen Vorbil-dern nachbaute. Der Firmengründer starb im November 1886. Die Werft übernahm sein Sohn Peter Clasen Rick-mers, der den Betrieb ab 1890 langsam auf den Bau von Eisenschiffen umstellte. Berühmt wurde aus seiner Zeit die "R. C. Rickmers" aus dem Jahre 1906, ein Segler, der mit einer Hilfsmaschine ausgestattet war. Im Jahre 1924 wurde der Betrieb stillgelegt. Erst 1937 konnte auf Geesthelle der Schiffbau wieder aufgenommen werden, musste aber 1986 als letztes Unternehmen aus der Pionierzeit des Bremerhavener Schiff-baus endgültig geschlossen.werden. Die Firma Rickmers blieb, unter verschie-denen Rechtsformen, bis zum Ende im Besitz der Familie.
1834 Atens: Friedrich August Hansing kauft das Gut Nordenhamm für 17.000 Taler. Das Ereignis ist aus zwei Gründen er-wähnenswert:
  • Der Kaufpreis beweist, dass die Höfe in der Marsch inzwischen wieder etwas wert sind. Im 18. Jahrhundert witzelte man wohl: "Was ist weniger wert als nichts?" Antwort: "Ein Hof in der Marsch!" Das hatte verschiedene Gründe, so die ungelösten Probleme der Entwässerung, dann die Viehsuchen und schließlich die überhöhte Sterblichkeit bei den Menschen. All das gab es nach wie vor und wurde erst im Laufe des 19. Jahrhunderts besser, aber die Gewinnchancen waren enorm ge-stiegen, denn die jungen Städte an der Unterweser und bald auch an der Jade brachten neue Kunden.
  • Der zweite Grund ist allgemeiner Natur: Nach dem Ende der "Fran-zosenherrschaft" wurde das Land von billigen englischen Importen überschwemmt, was die Binnen-konjunktur erlahmen ließ, aber die-ser Wirtschaftszyklus gehörte der Vergangenheit an - im Gegenteil: die Bauern der Marsch begannen sogar nach England zu exportieren.
Bleibt noch die Frage, woher der Bauer Hansing das Geld hatte, mit der sein Gut bezahlte. Hier lässt sich natürlich nur eine allgemeine Antwort geben: Ich ver-mute, dass der Schmuggel, der während der Kontinentalsperre blühte, so man-chen Butjadinger Bauern reich gemacht hatte und dass dieses Geld nur langsam sozusagen an die Oberfläche kam. In der "Franzosenzeit" hatte also das statt-gefunden, was Marx als "ursprüngliche Akkumulation" bezeichnete, die nun die Grundlage für die Phase bildete, die wir als die "Goldene Zeit" der Marsch be-zeichnen können.
1834, 27. 5. Altenesch: Einweihung des Denkmals "Stedingsehre", das an die Schlacht bei Altenesch erinnert, die an dieser Stelle im Jahre 1234 stattfand. Das Denkmal steht dort, wo sich bis zum Ende des 16. Jahrhunderts die St.-Veits-Kapelle befand, die ebenfalls an diese Schlacht erinnern sollte. Sie war zugleich Pfarrkirche des Dorfes Ochtum, das aber in der Weser untergegangen ist.

-1835-

1835 Bremen: Auf Veranlassung der bremischen Kirche wird ein Verein für arme Wöchnerinnen gegründet.
1835 Bremerhaven. Die Wencke-Werft baut das erste Seeschiff in Bremerhaven, nämlich die Brigg "Wilhelm Ludwig".
1835 Bremerhaven. Heinrich Dohrmann baut auf dem Geestedeich einen Gallerie-Holländer. Die Mühle bleibt bis etwa 1875 dort stehen und wird dann abgerissen. An das Bauwerk erinnert heute noch die Mühlenstraße
1835 Bremerhaven. In der Colonie wird ein "Club für kulturelle Interessen" ge-gründet, der eine Bibliothek mit einem Lesesaal unterhält. Solche Einrichtungen waren in der ersten Hälfte des 19. Jahr-hunderts sehr wichtig, denn nicht jeder konnte sich eine Zeitung halten und Bücher kaufen, aber im Lesesaal fand er die Informationen, die er suchte - und Gesprächspartner, um über die Neuigkeiten, die er so erfuhr, zu reden. Die Gründung solcher Clubs war eine wichtige Vorausetzung für die Revo-lution von 1848.
1835 Bremerhaven. Die Colonie erhält ein Ge-fängnis. Es steht an der Karlsburgstraße.
1835 Lehe: Erstes Schützenfest im Specken-bütteler Forst.
1835 Esens: Baumeister Anton Esen erwirbt den bisherigen Schlossplatz und lässt ihn mit Privathäusern bebauen.
1835, 1. 1. Brake: Der Ort wird Freihafen und zwar der ganze Ort, was natürlich zum Schmuggel einlädt. Im Jahre 1888 wird die Stadt zum Zoll-Inland, während im Hafen selbst noch Güter zollfrei gelagert werden dürfen. Am 1. 1. 1932 wird auch dies Privileg aufgehoben.
1835 Blexen: Es wird eine neue Fährschlenge gebaut. Damit war die Verbindung mit Bremerhaven aber durchaus nicht kom-fortabler geworden. Wer nämlich von Blexen nach Guntsiet wollte, musste sich im Fährhaus melden, das im Dorf lag, und wenn dann die Flut hoch genug ge-stiegen war, der Wind aus der richtigen Richtung und in angemessener Stärke blies, machten sich Fährmann und Pas-sagier auf den Weg über den Groden und stiegen in das offene Segelboot, nicht ohne vorher tief in den Matsch des Bl-exer Watts getreten zu sein, und dann ging die Reise los. Solche Expeditionen konnten natürlich nur stattfinden, wenn die Weser offen war, also keine Eis-schollen den Verkehr lahm legten, was regelmäßig zwischen dem November und dem März der Fall war. Wer dann unbedingt über die Weser setzen wollte, vertraute sich dem "Eisboot" an, das ein Mann durch die Schollen steuerte, gelegentlich auch darüber zog, bis er gutsiet angekommen war. Eine solche Fahrt dauerte bis zu zwei Stunden. Ob jemand dabei zu Schaden gekommen ist, wurde nicht überliefert.

-1836-

1836 Osterholz: Bau der Holländer-Mühle. Der Oberbau brennt 1935 (1936) ab. Der Unterbau blieb erhalten.
1836-1837 Bremerhave. Auf der Werft J. Lange wird ebenfalls ein Trockendock gebaut
1836 Bremerhaven. Die Colonie erhält acht Nachtwächter. Deren Anstellung wird von der Bürgerschaft am 6. Mai bewil-ligt. Der Ort hat nunmehr 1460 Einwoh-ner. Von den 232 Bauplätzen waren 1835 186 vergeben und zum größten Teil bebaut. Vor allem beginnt jetzt ein Bauboom; 1834 wurden in Bremerhaven 49 und 1835 59 neue Häuser gebaut. (Zum Vergleich: In der Gemeinde Blexen guntsiet kam in dieser Zeit just ein Haus jährlich hinzu!) Vor allem aber haben sich in Bremerhaven zahlreiche Hand-werker niedergelassen und zwar nicht nur solche, die die Schiffe versorgen, sondern auch Meister, die den bür-gerlichen Bedarf decken, ja, sogar Luxuswaren herstellen. So finden in Bremerhaven zwei Gold- und Sil-berschmiede und ein Buchbinder ihr Auskommen.
1836 Bremerhaven. Elise und Betty Eelbo eröffnen die erste private Schule für "höhere Töchter"in Bremerhaven. Sie bestand bis 1920. Institute dieser Art dienten keineswegs der Emanzipation der Frau im Sinne von Helene Lange oder Clara Zetkin. Sie hatten vielmehr den Zweck, die Schülerinnen auf ihre Rolle als "Dame des Hauses" vorzu-bereiten, indem man sie in die bür-gerliche Literatur einführte und ihnen darüber hinaus etwas Französisch bei-brachte. Sie sollten so in die Lage versetzt werden, "Konversation zu machen". Konsequenterweise schloss sich an die Schule eine hauswirt-schaftliche Ausbildung an. Dann fand sich hoffentlich ein Assessor und Leut-nant der Reserve, der die junge Frau heiratete - und wenn nicht? In katholischen Gegenden konnte sie in ein Kloster eintreten, aber der Ausweg blieb ihr in den protestantischen Kirchen versperrt, weil es da keine Klöster gab, wenn ich von den Stiften absehen, die für adilge Damen gedacht waren und Bürgerliche nicht aufnahmen. Im 19. Jahrhundert gab es aber immerhin zwei Berufe, die unverheiratete Frauen er-greifen konnten: nämlich den der Leh-rerin, bei dem sie immer die Aussicht hatte, vielleicht andernorts eine ähnliche Schule zu eröffnen, und den der Dia-konisse. In dem Fall hatte die Frau aber ein Leben lang zu dienen, denn die Pos-ten der Oberinnen waren natürlich stets einer unverheirateten Baronin vorbehal-ten, die standesgemäß versorgt werden musste und der man natürlich nicht zu-muten konnte, alten Menschen den Hin-tern abzuputzen und ähnliche Arbeiten zu verrichten. Immerhin entwickelte sich aus diesen Ansätzen die Frauenbewe-gung des 19. Jahrhunderts mit ihren beeindruckenden Pionierinnen.
1836 Bremerhaven. Maurermeister Jobst Groß aus Brake, der auch die erste Schleuse der Colonie gebaut hatte, errichtet am Hafen das Hotel Groß.
1836 Blexen: Die Blexer Lotsengesellschaft löst sich auf.
1836, 16. 10. Kniphausen: Karl Graf von Bentinck besetzt mit etwa zwanzig Söldnern aus den Niederlanden die Burg Kniphausen, aber die "Untertanen" vertreiben ihn. Der Graf versucht daraufhin seinen An-spruch auf dem Rechtswege durchzu-setzen. Der Prozess führt 1854 zu einem Vergleich mit dem Großherzogtum Ol-denburg.

-1837-

1837 Elbing: Gründung der Schichauwerft. Das Unternehmen zieht nach dem Kriegs-ende nach Bremerhaven um, wird hier 1972 mit der Unterweser AG vereinigt und geht schließlich im Vulkan-Verbund auf.
1837, 8. 11. Bremen: Der Senat erlässt die erste Gemeindeordnung für Bremerhaven. Am 11. November findet die erste Wahl zur Gemeindevertretung statt, an der 80 der 88 Wahlberechtigten teilnehmen. Die Gemeindeordnung blieb, so Harry Gab-cke, "ein totes Papier", weil der Bre-mer Senat einerseits seine unmittelbare Aufsicht nicht lockerte und andererseits die Gemeinde über keine eigenen Ein-nahmen verfügte (cf. Gabcke: Bremer-haven in zwei Fahrhunderten, 1827-1918, S.33), andererseits gab das Doku-ment aber die Richtung an, die Bremen in den Beziehungen zur bisherigen Colo-nie verfolgen wollte und dann auch kon-sequent fortgesetzt hat.
1837 Bremerhaven. Das Dampfschiff "Will-helm IV." verkehrt vom 1. Juli an zwi-schen Bremerhaven, Wangerooge, Nor-derney und Helgoland, um Badegäste zu transportieren. Damit beginnt der See-bäderverkehr.
1837 Bremerhaven. Die Colonie erhält eine Schiffsspritze, die auf einem Chassis mit Rädern montiert ist. Sie soll dazu dienen, Brände auf Schiffen zu bekämpfen.
1837 Lehe. Gründung eines "Mäßigkeitsver-eins", der sich der Bekämpfung des Branntwein-Konsums widmet. Vereine dieser Art biden sich in dieser Zeit in großer Zahl, lösen sich aber im Laufe der revolution, wenn nicht schon vorher, wieder auf.
1837, 3. 12. Ovelgönne: In Butjadingen bildet sich ein Mäßigkeitsverein. Der Verband , der von Pastoren und Regierungsbeamten getra-gen wird, wendet sich gegen den Branntweinkonsum und fördert stattdes-sen das Biertrinken. In Butjadingen ist das Anliegen deshalb umstritten, weil es hier üblich ist, dass der Bauer seinen Knechten täglich ein Glas Genever ausschenkt, eine Übung, auf die niemand gerne verzichtet. Die Mäßigkeitsbewe-gung versickert auch im Großherzogtum in Folge der Revolution von 1848.

-1838-

1838 Bremen: Der Bremer Kaufmann Arnold Duckwitz lässt einen ersten Schlepper bauen, den er auf der Oberweser ein-setzt. Damit verdrängt die Dampf-maschine den bisherigen Treidelantrieb. Da auf seine Veranlassung hin auch die "Liebenauer Steine"in der Oberweser weggeräumt werden, kann die Schiffahrt oberhalb Bremens einen ungeahnten Aufschwung nehmen.
1838, 4. Juli Bremen: Der Senat schafft einen "Ge-sundheitsrat", der einmal die Aufgabe hat, die Behörden bei allen Fragen, die die öffentliche Hygiene betreffen, zu be-raten und zum andern Ärzte, Wundärzte, Apotheker und Hebammen examiniert. Die Verordnug wird 1871 durch die Me-dizinalordnung abgelöst, wirkt aber in dieser Zeit bahnbrechend, zumal sich die bremischen Ärzte in Fragen der Ge-sundheitspolitik, wie wir sagen würden, außerordentlich engagieren.
1838, 24. 6. Bremerhaven. König Ernst August von Hannover besucht Bremerhaven.
1838/39 Bremerhaven: Der Bauunternehmer Jo-hann Hinrich Eits baut die erste Wasser-leitung von Lehe nach Bremerhaven. Die Wasserversorgung des Ortes war ein großes Problem. Versuche, in dem bre-mischen Gebiet selbst Brunnen zu boh-ren, scheiterten allesamt. Im Jahre 1829 gab es im übrigen nur eine Zisterne, in der Regenwasser gesammelt wurde. Im übrigen behalf man sich mit Wasser-fässern, die mühsam nach Bremerhaven transportiert werden mussten. Da war es eine Erleichterung, dass ab dem 8. August 1838 in einem Keller an der Kirchenstraße Wasser, das von der Geest hierher geleitet wurde, gezapft werden konnte.
1838, 24. 6. Geestendorf. Feuerlöschordnung für die Gemeinde.
1838, 4. 5. Vegesack: Gründung der Ulrichswerft in Vegesack. Der Gründer, Hermann Fried-rich Ulrichs wollte sich zunächst in Bre-merhaven an der Geeste ansiedeln, er-hielt hier aber keine Genehmigung des Bremer Senats, so dass er den Betrieb zunächst am Fährgrund in Vegesack er-richtete. Der Zweigbetrieb in Bremer-haven folgte 1841. Der Firmengründer starb am 3. Dezember 1865. Die beiden Söhne übernahmen die Betriebe und zwar Carl den in Vegesack und Hermann den in Bremerhaven. Bis 1871 baute die Urichs-Werft in Vegesack Holzschiffe, stellte dann aber auf die Produktion eiserner Segler um. Das Unternehmen wurde 1883 unter dem Namen "Bremer Schiffbaugesellschaft, vormals H. F. Ulrich" in eine Aktiengesellschaft um-gewandelt und ging 1895 im "Bremer Vulkan" auf. Die Vegesacker Ulrichs-Werft baute bis 1883 108 Schiffe und Boote, die folgende "Bremer Schiffbaugesellschaft" brachte es auf 90 Neubauten. Damit ist die Ulrichswerft neben derjenigen von Lange das bedeutendste Schiffbau-Unternehmen an der Unterweser im 19. Jahrhundert. ,
1838 Dreisielen: Friedrich Christian von Buttel und Hinrich Steenken lassen in Dreisielen drei Schiffe bauen,
1838 Bardenfleth: Der Bootsbaumeister Hinrich Schürenstedt gründet eine Werft für hölzerne Kleinfahrzeuge. Das Unternehmen wird später nach Motzen an die Weser verlegt. Hier wird die Produktion 1979 eingestellt..
1838 Friedeburg: Bau der "Mühle Erks" in Horsten. Der zweistöckige Galerie-Holländer, der 1972 zeitweilig stillgelegt wurde, ist seit 1988 wieder in Betrieb.

-1839-

1839 Bremen: Auf der Oberweser wird der erste Schlepper eingesetzt. Es handelt sich um den hölzernen Raddampfer "Roland".
1839, 25. 9. Bremen. Zwischen Bremen uznd Bre-merhaven verkehren jetzt täglich Dampfer! Die Verbindung wird einmal durch die "Gutenberg"hergestellt, die der "Weser" folgte. Hinzu trat die "Roland I"der "Roland-Gesell-schaft". Die beiden beteiligten Firmen hatten immerhin einem gemeinsamen Fahrplan vereinbart, so dass stets ein Schiff weseraufwärts und ein anderes -abwärts fuhr, und die Passagiere rei-bungslos abgefertigt werden konnten. Natürlich benutzten beide Reedereien Raddampfer, die keinen besonderen Tief-gang hatten. 1840 kam dann noch ein drittes Schiff hinzu, nämlich die "Telegraph", das aber in die Fahr-plan-Gemeinschaft eingefügt wurde.
1839, 21. 6. Bremerhaven. Der Kandidat Sägelken eröffnet in der Osterstraße eine private Höhere Knabenschule. (Der neue Schul-leiter war offensichtlich einer der vielen Theologen, der zwar seine Examina be-standen hatte, aber nicht als Pfarrer ordiniert worden war. Diese Männer verdingten sich in der Regel als Privatlehrer, gründeten aber gele-gentlich, wenn das Geld reichte, Schu-len, in denen Knaben auf das Studium vorbereitet wurden, indem sie sehr gründlich Latein und Griechisch lernten und sonst nichts. Im Juli ensteht eine weitere Schule für "Höhere Töchter". Diesmal ist Doris Bertholdi die Leiterin.
1939, 19. 5. Lehe. Der Rektor Dreyer und der Lehrer Kröner gründen den "Verein von Freun-den Israels", der sich zur Aufgabe gestellt hat, Juden zum Chris-tentum zu bekehren. Die christliche Re-ligion ist bekanntlich seit ihrem Beginn im 1. Jahrhundert p. Chr. antisemitisch in dem Sinne, dass durch sie Juden als Juden nicht geduldet werden. Allerdings haben Christen nicht das Ziel, die Anhänger des mosaischen Glaubens zu töten, wie das hundert Jahre später unter dem Einfluss der völkischen Ideologie im Deutschen Reich geschah, vielmehr wollten sie die Juden zum Christentum bekehren, was im 19. Jahrhundert unter der Endzeit-Erwartung der Pietisten mit besonderem Eifer in Angriff genommen wurde. Man verband damit die Hoffnung, dass so die Wiederkehr Christi be-schleunigt werden könne. Die Voraus-setzung war zum einen, dass das Evan-gelium allen Heiden bekannt gemacht war, so dass sie sich zwischen Paradies und Hölle entscheiden konnten, und dass die Juden, so weit sie sich nicht zum Christentum bekehrt hatten, Gelegenheit erhielten, sich in Palästina erneut zu versammeln, wo sie sich dann zu Jesus bekehren würde. Dann würde Jerusalem, die hochgebaute Stadt, vom Himmel herabschweben und das tausendjährige Friedensreich Christi beginnen (eine Metapher, die Hitler bekanntlich über-nahm).
1839 Heppens: Bau der "Kopperhörner Mühle". 1547 stand hier eine Bockmühle. 1698 wurde, nachdem die alte durch einen Sturm zerstört worden war, eine neue gebaut. Sie wurde 1839 durch die Holländer-Mühle ersetzt, die heute noch vorhanden ist. Sie hat auch seit 1985 wieder ihre Einrichtung, liegt aber still .
1839 Esens: Bau des "alten Rathauses". Die letzte Bastion der alten Festungsanlagen verschwindet.