-1840-1849-

1840 Bremen. Da die Weser nunmehr in einem bedrohlichen Maße versandet, beginnen die vielfältigen Maßnahmen, die bewir-ken sollen, dass der Hafen erhalten bleibt, aber die technischen Möglichkei-ten sind sehr begrenzt. Immerhin beginnt man, den Strom zu begradigen und Un-tiefen zu beseitigen.
1840 Bremen: Die Stadt legt einen neuen "Sicherheitshafen" an, indem der Se-nat den westlichen Teil des Neustadt-grabens in Woltmershausen vertiefen lässt. Hier können Binnenschiffe über-wintern. Man hat also, etwas unterhalb der Weserbrücke, den alten Festungs-graben der Neustadt in einer Länge von 600 Metern vertieft. 1873 wird mit dem "Woltmershauser Canal" eine neue Verbindung zur Weser geschaffen. Ab 1900 "Hohentorshafen" . Der Hafen ist inzwischen längst verlandet.
1840 Bremen. Bau der Holländermühle auf der Bastion am Stephanitor. Sie brennt am 13. September 1911 ab und wird nicht wieder aufgebaut. Eine andere Mühle stand seit 1638 neben dem Zucht- und Werkhaus. Sie wurde 1856 abgebrochen, war aber bereits zu diesem Zeitpunkt verfallen.
1840-42 Bremen. Neubau der Kaserne auf der Schwarzpott-Bastion.
1840 Oberneuland: Die alte Mühle brennt nieder. 1848 wird eine neue erbaut, diesmal ein Galerie-Holländer.
1840 Aumund: 16 jüdische Familien bilden in Aumund eine Gemeinde, zu der auch die Juden in Vegesack gehörten. Die Syna-goge wurde in der "Reichskristall-nacht" am 10. November 1938 zerstört.
1840 Neu-Rönnebeck: Michael-Hinrich Mi-chelsen beantragt beim Amt die Erlaub-nis, auf seinem Grundstück eine Helling zu bauen. Er zimmert bis 1843 vier Schiffe, darunter eine Brigg.
1840 Bremerhaven: Friedrich Wilhelm Wencke baut am rechten Geesteufer das erste Trockendock an der deutschen Nord-seeküste.
1840 Bremerhaven: In der Außenweser wird ein zweites Feuerschiff stationiert. Es wird nach dem Bau des Leuchtturms "Hoheweg" im Jahre 1858 eingezogen.
1840, 18. 2. Bremerhaven. 137 Einwohner Bremer-havens äußern in einer an den Senat gerichteten Petition den Wunsch, eine eigene Kirche zu erhalten.
1840 Geestendorf: An der neuen Kaje am lin-ken Geesteufer machen die ersten Fischereifahrzeuge fest.
1840 Lehe: In der Umgebung des Ortes gibt es vier Ziegeleien und vier Kalkbren-nereien. Vor allem die Fabrikation von Steinen bildet die erste Industrie in der Marsch. Der "Marschendichter" Her-mann Allmers beispielsweise finanzierte seinen aufwendigen Lebenstil, indem er im Laufe eines Jahres auf seinem Hof Ziegel streichen und trocknen ließ und dann erschienen aus dem Lippischen die Ziegelbrenner, die die grauen Rechtecke in rote Klinker verwandelten, welche dann in Bremerhaven und andersorts verbaut werden konnten, während Hermann Allmers seine ausgedehnten Reisen und Wanderungen unternahm.
1840, 20. 7. Wangerooge: Der eiserne Raddampfer "Telegraph" , macht, von Bremen kommend, auf seiner Reise nach Norderney auch bei Wangerooge fest. Das Schiff bietet 350 Personen Platz.
1840 - 1888 Blexen: Zwischen Tettensersiel und Bremerhaven verkehrt eine Fähre.
1840, 12. 9. Ovelgönne: Tierschauverein in Ovelgön-ne gegründet. Im Jahre 1845 findet die erste Tierschau statt. Weitere Tier-schauvereine bilden sich in Abbehausen, Brake, Burhave, Elsfleth und Roden-kirchen.
1840-1908 Motzen. Das 19. Jahrhundert ist die große Zeit des Schiffbaus an der Unter-weser. Vor allem auf dem oldenbur-gischen Ufer werden schnelle Segler gebaut, der sog. "Wesertyp" , der überaus beliebt ist und erst untergeht, als sich im Schiffbau das Eisen als Material durchsetzt. Ich nenne an-schließend die Werften, wobei die erste Jahreszahl die Gründung angibt, die zweite den letzten Stapellauf eines Holzschiffes. In aller Regel ist damit, wenn ich von Lühring und Strenge ein-mal absehe, auch das Ende der Werft bezeichnet. Die Liste:
  • Oltmanns (Motzen) 1840-1870,
  • Oltmanns(Bardenfleth) 1839-1889,
  • Wurthmann (Elsfleth) 1845-1865,
  • Ahlers (Elsfleth) 1851-1883,
  • Wempe (Elsfleth) 1853-1879,
  • Stindt (Elsfleth) 1862-1866,
  • Jürgens (Elsfleth) 1865-1884,
  • Deetzen (Elsfleth) 1867-1885,
  • Hagens, (Oberhammelwarden) 1855-1883,
  • Mencke (Oberhammelwarden) 1862-1873,
  • Groß (Kirchhammelwarden) 1860-1877,
  • Lühring (Kirchhammelwarden ) 1861-1889,
  • Nicolai (Klippkann) 1849-1884,
  • Strenge (Fünfhausen) 1848-1908,
  • Rogge (Fünfhausen) ) 1866-1880,
  • Behrens (Brake) 1849-1875,
  • Denker (Brake) 1857-1870,
  • Paulsen, (Brake) 1857-1870.
Das sind 18 Werften zwischen Brake und Motzen.

-1841-

1841 Bremen. Die neue Weserbrücke wird eingeweiht. Sie ruht auf sechs Stein-pfeilern, die weit genug auseinander stehen, um die Schifffahrt mit der Oberweser nicht zu behindern. Der neue Übergang ersetzt die Holzbrücke aus dem Jahre 1738, die nicht mehr stabil war und den Schiffsverkehr auf der Weser behinderte.
1841, 21.-23. 1 Bremen. Der Deich an der Wümme bricht. Das Blockland ist überschwemmt.
1841, 30. 9. Bremerhaven: Jan Simon Abegg pachtet auf dem rechten Geeste-Ufer ein Ge-lände zur Einrichtung einer weiteren Werft. Der Unternehmer baute zwar einige Schiffe, konnte aber in dem Gewerbe nicht recht Fuß fassen und gab deshalb das Werftgeschäft auf, das dann ab 1845 von seinem Teilhaber Johann Carl Tecklenborg weitergeführt wurde. Unter seiner Leitung entwickelt sich die Werft zu einem der leistungsfähigsten Unternehmen seiner Art an der deut-schen Nordseeküste, das zeitweilig 4000 Menschen beschäftigte. Im Jahre 1928 wurde die Werft von der Deschimag übernommen und geschlossen. Die Ein-richtungen übernahm die Seebeck-Werft.
1841 Lehe: Hier erscheint die erste Zeitung, der "Wöchentliche Anzeiger für Lehe, Umgebung und Land Wursten" .
1841 Elsfleth: In dem Ort wird die "Gesellschaft für Walfisch- und Rob-benfang" gegründet. Sie wurde 1864 wieder aufgelöst.

-1842-

1842 Bremen: Bau des Hohentorshafen. Er wurde 1872, 1905 und 1928 erweitert. Um 1851 wurden hier auch Auswanderer verschifft.
1842 Bremen: Der Senat erlässt eine "obrigkeitliche Verordnung in Betreff der Zigarrenfabriken" , nach der es verboten wurde, in den Produktionsstät-ten Frauen und Kinder unter zehn Jahren zu beschäftigen. Für die Arbeiter muss-ten "Arbeitsbücher" angelegt werden, die seiner Kontrolle durch die Unter-nehmer dienten.
1842, 17. 9. Lehe: Der Buchdrucker Friedrich Lam-berti bringt die "Bremerleher wöchent-lichen Anzeigen" heraus. Politische Nachrichten dürfen darin noch nicht ab-gedruckt werden. Im Revolutionsjahr 1848 wurde das Blatt in " Der Mitteiler an der Unterweser" umbenannt. Es brachte jetzt auch politische Meldungen. Der "Mitteiler" stellte 1869 sein Er-scheinen ein, nachdem die Druckerei durch einen Brand zerstört worden war.
1842 Lehe: In Lehe, Geestendorf, Wulsdorf, Spaden, Debstedt leben vereinzelt Juden. Seit 1845 kommen noch einige in Geestemünde hinzu. Insgesamt sind das 1844/45 76 Personen.
1842 Schiffdorf. In Schiffdorferdamm wird das erste Haus gebaut.
1842 Elsfleth: Gründung der "Stedinger Compagnie" , die sich ebenfalls dem Wal- und Robenfang widmet. 1862 aufgelöst.

-1843-

1843, 16. 10. Bremen: Eröffnung des neuen Theaters am Bischofstor. Bis dahin bestand seit 1792 ein Komödienhaus am Ostertor, das nunmehr geschlossen wurde. Das Haus am Bischofstor wurde 1882 und 1886 umgebaut und erhielt 1886 einen Anbau. Am 6. Oktober 1944 wurde das Gebäude durch Bomben zerstört und die Ruine 1956 abgetragen.
1843 Bremen: Gründung des Bremer Schüt-zenvereins. Seit 1846 wurden in Bremen alljährlich Schützenfeste gefeiert.
1843 Bremen: Gründung der Werft "Waltjen-und Leonhardt" . Aus ihr geht 1872 die AG "Weser" hervor.
1843, 4. 5. Bremen: Pastor Kuhlmann ruft zur Grün-dung eines Mäßigkeitsvereins in Bremen auf. Das erscheint auch nötig, denn im Jahre 1821 gab es in der Stadt nicht weniger als 700 Schenkwirtschaften, also auf 60 Einwohner eine. Die Zahl soll bis 1842 auf 416 gesunken sein, so dass auf 122 Einwohner eine Kneipe kam. Worauf das zurückzuführen ist, verrät uns Hermann Tjaden, den ich hier ausschreibe, nicht. Vermutlich ist das aber die Wirkung der Mäßigkeitsbe-wegung, die damals allgemein zu einem Rückgang des Branntweinkonsums führte. Die Gründung des Mäßigkeits-vereins in Bremen erfolgte jedoch sehr spät und fand offenbar auch wenig Unterstützung, jedenfalls ging er, wie fast alle Gruppen dieser Art, im Verlaufe der Revolution von 1848 wieder ein.
1843, 15. 1. Bremerhaven. An der Osterstraße wird die erste öffentliche Volksschule eröff-net. Lehrer Friedrich Wilhelm Rahe un-terrichtet 120 Kinder, was damals nicht ungewöhnlich war.
1843 Lemwerder: Neubau einer Schule neben der mittelalterlichen Marien-Kapelle. In ihr endet der Unterricht 1912. Die neue Schule, jetzt in Deichshausen, wird am 19. August 1912 eingeweiht. Bei einem Bombenangriff auf den Flugplatz von Lemwerder am 8. Oktober 1943 wird die Schule so schwer beschädigt, dass sie abgerissen werden muss.
1843 Varel: Handels- und Gewerbeverein Va-rel gegründet
1843 Wangerooge: Nördlich der Salinenanlage entsteht ein Gradierwerk von 9,6 Metern Höhe und 180 Metern Länge. Wanger-ooge hat in diesem Jahr 410 Einwohner und 67 Häuser. Auf der Insel sind 29 Schiffe stationiert.
1843 Esens: Zwischen Bensersiel und Lange-oog verkehrt eine regelmäßige Fähre.

-1844-

1844 Bremen: Gründung der "Weser-Zeitung" . Am 1. Oktober 1934 mit den "Bremer Nachrichten" vereinigt.
1844 Bremen: Auf Vorschlag des Bremer Kaufmanns Louis Eduard Ichon wird in Bremen die "Weser-Hunte Dampf-schiffahrts-Gesellschaft" gegründet. Ihre Aufgabe ist die Abwicklung des Personenverkehrs auf der Unterweser und auf der Hunte bis Oldenburg. Dafür sollen drei Raddampfer eingesetzt wer-den, von denen die ersten beiden, die "Hanseat" (41 Meter lang) und die "Oldenburg" (30 Meter lang) am 1. November 1845 in Bremerhaven eintreffen. Die Boote waren in Paris ge-baut worden und von dort zur Unter-weser überführt worden. Das dritte Schiff, die 40 Meter lange "Paul Fried-rich August" (so hieß der damals regierende erste Großherzog von Ol-denburg) war auf der Fahrt im Sturm untergegangen. Das Ersatzschiff wurde im Juli 1846 geliefert. Die "Hanseat" fuhr von Bremen bis Brake, die "Olden-burg" bediente die großherzogliche Residenzstadt, während die "Paul Friedrich August" die Verbindung zwi-schen Bremen und Bremerhaven her-stellte. Zwischendurch gab es Stationen bei Deichshausen, Warfleth, Elsfleth, Huntebrück, Brake, Strohausen, Gros-sensiel und Fedderwardersiel (?). In Bremen legten die Schiffe von der Großen Fischerstraße, später von der Kalktraße ab. Neben der "Weser-Hunte" waren noch zwei weitere Ge-ellchaften in der Personenschiffahrt auf der Unterweser tätig, die dann auch Vergnügugsfahrten nach Helgoland und Norderney anboten.
1844, 10. 2. Bremen: In der Gastwirtschaft "Muse-m" wird der bremische Gewerbeverein gegründet. Aus ihm geht die Gewer-ekammer hervor, die im Jahre 1863 das ehemalige Krameramtshaus als Sitz zugewiesen erhält. Dort findet am 22. April 1863 die erste Sitzung der Ge-erbekammer statt. Dem Gewerbeverein und später der Gewerbekammer gehö-en Bremer an, die ein Handwerk oder eine Fabrik betreiben. Sie betreut unter anderem die 24 Innungen als Nachfolger der alten Ämter (jedoch mit weit we-iger Kompetenzen), die in Bremen bis 1875 entstanden sind. Das Leitungs-rgan ist der "Convent" , der aus einer unbestimmten Zahl von Senatoren und zwanzig Mitgliedern der Kammer be-teht. Die Interessenvertretung der bre-ischen Wirtschaft wird im 19. Jahrhundert wichtig, weil sie stets vor Entscheidungen von großem Belang gehört wird und selbst auch die Initiative ergreift. Die Gewerbekammer erfüllt also in etwa die Aufgabe, die heute die Industrie- und Handelskammern haben.
1844 Bremen: Carsten Waltjen gründet mit seinem Partner Leonhardt die erste Ma-schinenfabrik in Bremen. Sie baut alles, was sich aus Eisen machen ließ. Mit dieser Fabrik beginnt der Aufbau der bremischen Industrie. Bremen ist ein Hafen mit einem relativ kleinen Hin-terland. Deshalb waren die Unternehmer der Stadt beständig bemüht, eigene Produktionen an die Weser zu ziehen. Zunächst begann man, in der Stadt Zigarren zu drehen, was aber lange Zeit das Geschäft kleiner Gewerbetreibender blieb. Der Schiffbau war ein anderer Wirtschaftszweig, der aber etwas we-serabwärts, in Vegesack, Grohn und Blumenthal bessere Standortbedingun-gen fand. Später kam die Textilindustrie und vor allem der Fahrzeugbau hinzu, alles in allem blieb aber die Industrie-Ansiedlung für die Hansestadt ein großes Problem - bis heute.
1844, 12. 1. Bremerhaven. An der Ecke "Leher Straße" (heutige "Bürger" ) /Kirchen-straße hat man ein neues Schulhaus gebaut, das an diesem Tage eingeweiht wird, Die Schule untersteht der Kirchen-gemeinde Bremerhaven.
1844 Bremerhaven. Baubeginn der neuen Kir-che. Am 29. Mai 1846 wird in Anwe-senheit des Bürgermeisters Smidt der Grundstein gelegt, aber im Mai 1847 müssen die Arbeiten eingestellt werden, weil sich das Fundament als zu schwach erweist.
1844 Lehe: In dem Flecken hat sich eine Fläche erhalten, die allen Einwohnern des Orts gehörte. Diese wird nun unter den stimmberechtigten Einwohnern auf-geteilt.
1844 Langwarden: Die beiden Seitenflügel der bisherigen Kreuzkirche werden abgeris-sen. Die eigentliche Pfarrkirche hatte man bereits im 16. Jahrhundert abgebro-chen. Der jetzige Bau wurde von den Kaufleuten benutzt, die den Markt in Langwarden besuchten.
1844 Atens: Bau der neuen Dorfschule (1966 abgerissen).
1844 Harmenhausen: Erste Tierschau der Wesermarsch bei Wenkes Gasthaus
1844 Sande: Cäciliengroden am Jadebusen eingedeicht.
1844 Neustadt-Gödens: Bau der Schöpfmühle auf dem Wedelfeld. Einzige Wassermühle des Kreises Friesland, die noch im Jahre 2007 in Betrieb war.

-1845-

1845 Bremen: Die Freie Hansestadt Bremen, das Königreich Hannover und das Groß-herzogtum Oldenburg schließen einen ersten Vertrag, der die Korrektion der Unterweser vorsieht Der Strom soll so weit vertieft werden, dass die damaligen Seeschiffe wieder den Bremer Hafen erreichen können. Das Vorhaben wird zu diesem Zeitpunkt nicht realisiert - vermutlich auch deshalb, weil man noch nicht über die technischen Mittel ver-fügt.
1845, 2. 4. Bremen. Im Blockland bricht der Deich an drei Stellen.
1845, 10. 11. Bremen. Gründung der Baptistenge-meinde. 1955 Einweihung der Kreuz-kirche an der Hohenlohestraße. (seit 1922 gibt es eine zweite Baptistenge-meinde. Seit 1941 "Evangelisch-frei-kirchliche Gemeinden" )
1845, 10. 6. Geestendorf. Der König von Hannover Ernst August erlässt eine Verfügung, wonach an der Geestemündung ein "Schiffsliegeplatz" eingerichtet wer-den soll. Diese Maßnahme führt zur Gründung der Stadt "Geestemünde" auf dem linken Geesteufer, wobei auch in diesem Falle die üblichen Anfangs-schwierigkeiten zu überwinden waren, denn im Herbst und Winter versanken beispielsweise die Fahrzeuge auf den unbefestigten Straßen der neuen Ort-schaft im Dreck. Trotzdem stehen in dem neuen Ort im Jahre 1848 15 Häuser, in denen 59 Menschen wohnen. Im Jahre 1850 zählte der Ort 36 Haushaltungen mit 304 Einwohnern. Damit reihen sich im 19. Jahrhundert an der Unterweser drei Städte aneinander: Lehe, Bremer-haven und Geestemünde.
1845 Brake: Der Export von Rindvieh aus der Wesermarsch nach Großbritannien be-ginnt. Die Datierung ist unsicher, denn manche lassen das Geschäft bereits 1842 beginnen. Jedenfalls setzt 1845 der regelmäßige Schiffsverkehr mit Hull ein, in den nach und nach auch Großensiel und schließlich die Anlegestelle vor dem Gut Nordenhamm einbezogen werden. Die Exporte enden um 1860.
1845, 22. 9. Ovelgönne: Erste Ovelgönner Tierschau. Weitere Veranstaltungen dieser Art fol-gen in Burhave, Abbehausen, Roden-kirchen, Brake und Elsfleth. 1868 findet eine Landestierschau in Donnerschwee bei Oldenburg statt. Hier werden 163 Pferde, 498 Rinder, 31 Schweine und 52 Schweine und 486 Maschinen gezeigt.
1845, 29. 3.-30.4. Stedingen. Sturmflut. Große Schäden in ganz Stedingen. Guntsiet bricht der Wümmedeich im Niederblockland und der Lesumdeich bei Wasserhorst. Dazu in der Unterweser hohes Oberwasser.
1845-1864 Wremen. Vom Land Wursten aus wird der Walfang und der Robbenschlag in der Arktis betrieben. Die Tranbrennerei Mohrmann verarbeitet die Tierkadaver.
1845 Schortens-Heidmühle: Die Bockwind-mühle wird durch einen Erdholländer ersetzt, der bis 1944 in Betrieb blieb, dann aber verfiel. Im Jahre 1986 war der Mühlenstumpf noch erhalten, aber ein Wiederaufbau erwies sich als zu teuer. Eine Bockwindmühle wurde 1561 vom Kloster Östringfelde in die Heide zwischen Östringfelde und Ostiem ver-setzt. Sie gab dem heutigen Ort den Namen.

-1846-

1846 Bremen. Gründung der Hufelandschen Badeanstalt. (Genannt nach dem Arzt Wilhelm Hufeland († 1879). 1903 geschlossen.
1846 Bremen: Auf der Unterweser wird der erste Schlepper eingesetzt. Es handelt sich um den Raddampfer "Marschall Vorwärts" . 1853 entstand in Brake eine weitere Gesellschaft, die sich dem Bug-sierdienst widmete und den Schlepper "Magnet" in Dienst stellte. Dies Un-ternehmen ging aber 1857 im Nord-deutschen Lloyd auf, der dann eigene Bugsierdampfer in Dienst stellte, da-runter die "Simson" , die 1854 auf der Werft Joh. Lange in Vegesack gebaut worden war und erst 1933 abgewrackt wurde. 1863 gründete der Kapitän Ro-senthal eine weitere Schlepper-Ree-derei mit den Dampfern "Solide" und "Biene" (die in der Geschichte der Blexer Fähre eine große Rolle spielen sollten). Aus diesem Unternehmen ging die "Bugsirgesellschaft ‚Union’" hervor, die lange Zeit auch die Fähren Blexen-Geestemünde und Kleinensiel-Dedesdorf betrieb. Die Gesellschaft wurde 1914 aufgelöst. Der Nord-deutsche Lloyd setzt ab 1866 Schrau-bendampfer für den Bugsierdienst ein. Daneben betrieb die 1890 gegründete Schleppschiffahrtsgesellschaft Unterwe-ser AG das Geschäft, die heute als Unterweser-Reederei AG (URAG) fort-besteht. Hinzu kamen weitere Unterneh-mungen, so Rickmers und die Midgard.
1846, 1. 1. Bremen. Der "Courier an der We-ser" erscheint zum ersten Mal. Das Blatt - inzwischen in "Bremer Courier" umbenannt - geht am 30. Dezember 1906 ein und wird dann mit dem "Bre-mer Tageblatt" vereinigt.
1846 Bremen: In der Mühlenstraße wird eine Kinderkrankenanstalt mit sechs Betten eröffnet, die sich natürlich als zu klein erweist. Deshalb entsteht im Jahre 1860 an der Horner-/Humboldstraße ein Neubau mit 60 Betten.
1846, 19. 11. Bremen/Bremerhaven: Auf der neuen elektrischen Telegraphenlinie wird das erste Telegramm aufgegeben, das auf dem europäischen Kontinent so vermit-telt wurde. Dazu wurde zum ersten Mal in Deutschland ein Kabel unter Wasser verlegt und zwar in der Weser von Bremerhaven nach Bremen. Offiziell wurde die Verbindung am 1. Januar 1847 in Betrieb genommen. Damit endet die Ära der optischen Telegraphen, die be-reits zur Zeit Napoleons Nachrichten über weite Strecken schnell übermit-telten, nur waren sie natürlich sehr langsam (In dem Roman "Der Graf von Mente Christo" von Dumas spielt ein solcher Telegraf eine Rolle). Es sind zwei Prozesse, die in den kommenden Jahrzehnten das Leben unerhört be-schleunigen sollten, nämlich einmal die systematische Chaussierung der Straßen und, parallel dazu, der Bau der Eisen-bahnen und zum andern die unerhörte Beschleunigung der Nachrichten-Über-mittlung, die nunmehr, auch wenn man das damals nicht wusste und deshalb auch nicht so sagen konnte, mit Lichtge-schwindigkeit erfolgt.
1846, 20. 12. Bremen: Auf Antrag des Kaufmanns H. D. Koop und des Redakteurs Dr. Karl Andree gründeten 1846 zwölf Zigarren-Arbeiter, den Verein "Vorwärts" , der eine enorme Resonanz fand. Die erste Versammlung am 20. Dezember 1846 hatte bereits 144 Besucher. Die Gruppe verfolgte das Ziel, "die sittliche und geistige Bildung der Mitglieder zu fördern, in freundschaftlichem Verkehr den Sinn für Schönes und Edles zu wecken und jeden Einzelnen verpflich-ten, dem Stande, dem er angehört, Ehre zu machen." (Ulrich Böttcher: Anfänge und Entwicklung der Arbeiterbewegung in Bremen, 1953, S. 29-30) Schon 1847 nahm der Verein auch unbescholtene Arbeiter anderer Beruf und kleine Gewerbetreibende auf, so dass er bald 700 Mitglieder zählte. Die Tätigkeit der Gruppe bestand darin, das sie, etwa wie die heutigen Volkshochschulen. Kurse veranstaltete, in denen die Mitglieder Rechnen, Schreiben, Deutsch und Eng-lisch lernen konnten. Es gab Vorträge über naturwissenschaftliche, literarische und historische Themen - nur über Religion und Politik wurde nicht ge-sprochen. Im Jahre 1847 gründete der Turnlehrer Wilhelm Hufeland eine Turn-Abteilung des Vereins. Im Jahre 1858 kaufte man das Haus in der Sandstraße 5, das 1887 durch eine Turnhalle er-weitert wurde. Der Verein gehört also in die Arbeiterbildungsbewegung, deren Betreiber bemüht waren, das soziale Elend zu lindern, indem sie Qualifikation der Erwerbstätigen verbesserten. Der Senat hat den Verein unterstützt, denn gegen eine bessere Bildung der Arbeiter hatte er nichts einzuwenden und dass fruchtlose theologische Streitigkeiten vermieden wurden war ebenso in seinem Sinne, wie der Versuch, die Politik außen vor zu halten. Der Verein "Vor-wärts" in den langen Jahrzehnten seines Bestehens seinen Prinzipien treu, indem er zwar Arbeiter aufnahm, ihnen aber keinen Einfluss auf die Führung zuge-stand. Diese blieb immer in der Hand des Bürgertums, dessen Vertreter auf "Ordnung" und "Einigkeit" , "ge-genseitige Achtung" und "anständi-gen Ton" achteten und so jeden Ver-dacht, die Gruppe könne politische oder gar demokratische Tendenzen verfolgen, von sich fern hielten.
1846 Bremen: Gründung des Handwerkerbil-dungsvereins.
1846 Blumenthal: Bau der Holländermühle. Sie ersetzt eine große Bockmühle, die hier seit 1762 stand. 1856 brannte die Mühle ab. Der Neubau erhielt eine Dampfma-schine zur Unterstützung der Windkraft. 1920 wurden die Flügel abgebaut.
1846/47 Niederbüren: Die mittelalterliche "Moorlosen-Kirche" wird abgerissen und durch eine neue ersetzt.
1846/47 Dedesdorf: Bau der Oldendorfer Wind-mühle als Ersatz für eine Bockwind-mühle. Der Galerie-Holländer steht noch unverändert und ist betriebsbereit.
1846 Lehe. In Leherheide errichtet J. Krüger am Fehrmoorweg das erste Haus.
1846 Ahausen: Deichbruch. Überschwemmun-gen auf dem linken Weserufer.
1846 - 1856 Brake: Bremerhaven und Bremen wer-den durch einen optischen Telegraphen verbunden. Erhalten geblieben ist heute allein der Turm an der Braker Heukaje, an dessen Spitze einst die beiden Arme aufragten, durch die die Signale weiter-gegeben wurden. (Heute Schifffahrts-museum)
1846, 18. 10. Altenesch: Einweihung der neuen Schule in Deichshausen. Sie wurde 1936 abgerissen, als der Flugplatz für "Weserflug" gebaut wurde.

-1847-

1847 - 1851 Bremen: Bau des St.-Jürgen-Kranken-hauses in der Pagentorner Feldmark.
1847 Bremen: Gründung der Ocean-Steam-Navigation-Company in New York unter bremischer Beteiligung, die durch den Kaufmann Gevekoht organisiert wurde. Sie betrieb den Raddampfer "Washing-ton" , mit dem 1847 der Verkehr zwi-schen Bremerhaven und New York aufgenommen wurde. Der kleinere Dam-pfer "Hermann" besorgte den Post-verkehr. Die Gesellschaft wurde 1857 aufgelöst. Die Nachfolge trat dann der Norddeutsche Lloyd an.
1847 Bremen: In der Stadt gibt es das erste Gaswerk. Es steht auf dem Gelände des Hannoverschen Bahnhofs und versorgt die Umgebung mit dem Leuchtmittel. Gas wurde in Bremen schon länger erzeugt: Am Mai 1841 erhielt der Kaufmann Johann Christian Ehlers die erste Genehmigung zur Gaserzeugung für einige Privathäuser.
1847 Bremen: In der Stadt gibt es das erste Gaswerk. Es steht auf dem Gelände des Hannoverschen Bahnhofs und versorgt die Umgebung mit dem Leuchtmittel. Gas wurde in Bremen schon länger erzeugt: Am Mai 1841 erhielt der Kaufmann Johann Christian Ehlers die erste Genehmigung zur Gaserzeugung für einige Privathäuser.
1847 Bremen: Im Ellener Hof in Osterholz wird ein Erziehungsheim für verwahr-loste Knaben untergebracht. Ellen wird um 1300 erstmals erwähnt. Es ist der Ort des Holler Landes, der am höchsten liegt.
1847, 1. 1. Bremen: Der Senat erteilt zwei Telegra-phenlinien die Betriebserlaubnis. Die eine übermittelt optische Signale vom Bremerhavener Tonnenhof nach Bre-men, die andere funktioniert auf elektro-magnetischem Wege. Der optische Tele-graph ist alsbalde obsolet. Von den drei Türmen, die für ihn gebaut wurden, hat sich der in Brake bis heute erhalten. Der optische Telegraph stellte 1852 seine Dienste ein.
1847, 1. 11. Bremen/Hannover: Die Eisenbahnlinie zwischen beiden Städten wird eröffnet. Gleichzeitig erhält Bremen den ersten, allerdings behelfsmäßigen Bahnhof auf der südlichen Bürgerweide. Der "Han-noversche Bahnhof" dient zunächst nur dem Personenverkehr, der jedoch schwach bleibt. Am 12. Dezember 1847 wird der regelmäßige Verkehr aufge-nommen. In der ersten Zeit fahren von Hannover bzw. Bremen nur drei Züge, die die Strecke in vier Stunden zu-rücklegen. Das neue Empfangsgebäude wurde 1849 fertig. Der Bau der dazu gehörigen Schuppen und Werkstätten dauerte bis 1852. Der "Hannoversche Bahnhof" wird 1885 abgebrochen.
1847, 8. 5. Rönnebeck: Hinrich Oltmann aus Motzen kauft die Werft von Hinrich Haesloop und baut noch in dem selben Jahr hier die Schonergaliot "Margret" . Da die "Donau" hier versandete verlegt Oltmann seinen Betrieb etwas weserabwärts und führt ihn nunmehr in Rönnebeck weiter. Hirich Oltmann stirbt 1862, aber das Unternehmen bleibt bis 1955, also über fünf Generationen, in der Familie. Erst am 5. Dezember 1955 musste das Konkursverfahren eröffnet werden..
1847 Dedesdorf: Jürgen Christian Blanke verpflichtet sich gegenüber der Großherzoglichen Kammer, in Oldendorf bei Dedesdorf bis zum Ende des Jahres 1847 eine Mühle zu errichten. Wir wollen annehmen, dass das auch so geschehen ist. Die Bockwindmühle, die bislang auf dem Platz stand, wure abgerisssen. Die Mühle blieb erhalten.
1847-1851 Bremerhaven: Bau des Neuen Hafens. Am 21. November 1851 fuhren die ersten Schiffe durch die zweite Schleuse Bremerhavens in das neue Hafenbecken ein. Es handelte sich um fünf Einheiten der deutschen Bundesflotte unter ihrem Admiral Brommy. Die 22 Meter breite Schleuse war damals die größte des europäischen Kontinents. Erweiterun-gen: 1858, 1862/1863 und 1870-1872.
1847, 19. 6. Bremerhaven: Auf der Unterweser trifft der Raddampfer "Washington" ein. Mit dem Postdampfer (1800 BRT) beginnt der regelmäßige Linienverkehr zwischen Bremerhaven und New York. Die "Washington" überquerte von 1847 bis 1857 53mal den Atlantik und wurde dann verkauft. Sie ist 1864 abgewrackt wor-den. Mit dem Eintreffen der "Wa-shington" beginnt der Personenver-kehr zwischen Bremerhaven und New York. Die bremische "Colonie" an der Unterweser, die bis dahin so dahin kröpelte, entwickelte sich in den folgen-den Jahrzehnten zum wichtigsten Aus-wandererhafen Deutschlands, ja, Euro-pas. Im Jahre 1844 emigrierten noch 20.000 Menschen aus dem Alten Konti-nent, aber nach der Revolution von 1848 stieg die Zahl auf 110.000 im Jahre 1854 an, von denen fast 77.000 den Weg über Bremerhaven wählten (der Konkur-renzhafen war Hamburg). Der Rekord wurde im Jahre 1907 erreicht, als 243.000 Passagiere über Bremerhaven in die USA fuhren. Dann ging deren Zahl zurück, aber inzwischen war eine neue Klientel aufgetreten, nämlich die Ge-schäftsreisenden und Touristen, die zwar nicht so zahlreich, dafür aber zahlungskräftiger waren, allerdings auch sehr viel höhere Ansprüche an den Komfort stellten. Für sie wurden dann die großen Passagierdampfer gebaut, von denen noch die Rede sein muss.
1847 Bremerhaven/Geestendorf: Eine kleine Fähre verbindet das bremische mit den hannöverschen Ufer der Geeste. Bis 1957 konnte man sich hier - unterhalb der Geestebrücke - von einem Ufer zum andern rudern lassen. (Eine Kindheitserinnerung: Wenn wir die Tiergrotten besuchten, war die kurze Überfahrt über die Geeste immer ein Erlebnis. Ich erinnere mich noch an den alten Mann, der auf der Ruderbank saß, vor ihm auf einer Planke die Groschen, die die Passagiere ihm für diesen Dienst zahlte.)
1847, 19. 6. Hannover/Geestemünde: Der Schiffs-liegeplatz an der Geeste wird zum "Freihafen" erklärt, was bedeutet, dass Güter hier zollfrei angelandet und gelagert werden können. Gebühren werden erst fällig, wenn sie das Gebiet des Freihafens verlassen.
1847, 26. 6. Geestemünde: Der neue hannöversche Hafen an der Geeste erhält den Namen Geestemünde. Bis dahin hatte man den Ort "Geestehafen" genannt. Er wird zum Freihafen erklärt, liegt also außerhalb der Zollgrenzen.
1847, 25. 7. Geestemünde: Die Königliche Regierung verleiht dem neuen Hafen an der Geeste den Namen "Geestemünde" . Zugleich wird der bisherige "Schiffsliegeplatz" zum Freihafen erklärt.
1847 Geestemünde: Zwischen den Unterwe-serstädten und Bremerhaven besteht nunmehr eine tägliche Omnibus-Verbin-dung. Die Wagen werden natürlich von Pferde gezogen.
1847 - 1852 Brake: Bau der Chaussee von Oldenburg nach Brake. Damit beginnt in der We-sermarsch die Herstellung fester Stras-sen mit dem für diesen Bereich typi-schen Backstein-Belag. Bis dahin gab es nur Kleiwege, die im Frühjahre und im Herbst unpassierbar waren, weswegen sich der überörtliche Verkehr auf der Weser und im Binnenland auf den Bin-nentiefs der Siele und auf den Gräben abspielte. Straßen dienten nur dem Nah-verkehr von Hof zu Hof oder zum nächsten Dorf. Das sollte sich jetzt ändern.
1847 Elsfleth: Gerhard Wempe erwirbt den Schiffbauplatz an der Weserstraße 38, der bis dahin der Witwe des Schiff-baumeisters Johann Lange gehört hatte. Dieser hatte an dieser Stelle bereits eine Galiot bauen lassen. Wempe beantragte am 9. Februar 1847 die Erlaubnis, an dieser Stelle eine Werft errichten zu dürfen. Das erste Schiff wurde bereits 1847 fertig gestellt, das letzte 1879. Gerhard Wempe starb 1880
1847 Varel: Der letzte Graf Bentinck lässt die fünfgeschossige Windmühle in Varel er-richten. Sie war bis 1965 in Betrieb. Im Jahre 1972 erwarb die Stadt Varel das Bauwerk und setzte es wieder instand. Die Mühle ist, einschließlich der Flügel, 39 Meter hoch und birgt einen Mahlstein von 2,05 Metern Durchmesser und einem Gewicht von etwa vier Tonnen der größte Mahlstein, der bekannt ist. ("Die Steine selbst, so schwer sie sind ..." ) Ursprünglich hatte Varel neun Mühlen, von denen aber nur diese er-halten ist.
1847 Varel: Feste Chaussee zwischen Varel und Jever.
1847 Varel: Bau der Seeschleuse. 1977 durch einen Neubau ersetzt.
1847 Varel: Unruhen unter den Deicharbeitern. Näheres istmir leider nicht bekann.
1847 Esens: In der Stadt wird die mittelalterliche St.-Magnus-Kirche abgebrochen. Bereits 1834 war der Glockenstuhl eingestürzt. Man baute stattdessen 1845 einen 54 Meter hohen Turm, den man an die alte Kirche anklebte. Weil man aber der Ansicht war, dass auch diese baufällig sei, riss man sie (wie in dieser Zeit leider üblich) ab und ersetzte sie durch einen drei-schiffigen neugotischen Sakralbau, der 1854 fertiggestellt war und 1600 Menschen Platz bot, damals faktisch die ganze Stadtbevölkerung. Glücklicher-weise übernahm man aus der alten Kirche weitgehend das Inventar, nämlich das Taufbecken von 1474, sowie die Kanzel des Esenser Bildhauers Jacob Cröpelin und den Barockaltar. Erhalten blieb auch der Sarkophag des Hovetlings Sibet Attena aus dem Jahre 1473.
1847 Dykhausen: Am Gödenser Tief wird die Wasserschöpfmühle gebaut, die noch besteht.

-1848-

1848 Bremen: Gründung des "Arbeiterhilfs-vereins" , der solche Proleten unter-stützte, die "unverschuldet in Armut gekommen und wahrhaft Arbeit suchen, ohne siezu finden." ( Ulrich Böttcher: Anfänge und Entwicklung der Arbeiterbewegung in Bremen, 1953, S. 28). Der Verein stellt 1849 seine Tätigkeit ein.
1848, 21. 1. Bremen: Johann Hinrich Wichern hält in der Gelehrtenschule einen Vortrag und ruft zur Gründung der "Inneren Mis-sion" in der Hansestadt auf. Damit beginnt die Arbeit der Institution in Bremen in verschiedenen Bereichen. Zweck der Übung war die Verbreitung christlicher Bildung in der Unterschicht (cf. Schwarzwälder, Bremen-Lexikon, 1. Bd. 2003, S. 424). 1851 wurde der erste Stadtmissionar eingestellt. 1859 ent-stand die "Herberge zur Heimat" am Ansgari-Kirchhof. Seit 1862 gab es ein Stadtmissionshaus und 1867 begann die Innere Mission mit der Auswanderer-mission. 1897 richtete sie ein See-mannsheim am Korffsdeich ein und so fächerte sich die Arbeit der caritativen Einrichtung immer weiter auf. 1933 geriet die Innere Mission unter den Einfluss der Deutschen Christen. Wäh-rend des Bombenkrieges wurden die Häuser des Wohltätigkeits-Konzerns fast alle zerstört, aber 1946 begann der Neuaufbau mit der Einrichtung eines Übernachtungsheims im Bahnhofsbun-ker. Heute: Diakonisches Werk.
1848 Bremen: Nachdem durch die Revolution am 27./28. Februar 1848 der König der Franzosen, Louis Philipp, davongejagt worden war, bricht auch in Bremen der vertagte Verfassungskonflikt wieder auf:
  • 1. März: Ein "Bürgerkonvent" fordert, dass die Frage einer neuen Konstitution neu erörtert wird.
  • 6. März: (Rosenmontag). In Bremen kommt es zu Ausschreitungen, bei denen einige Häuser beschädigt werden. Vor allem wird das Sperr-haus am Herdentor von der Menge gestürmt und die Einrichtung ver-wüstet. Bis dahin wurde Bremen abends abgeschlossen. Wer zu spät kam, wurde nur gegen Entrichtung einer Gebühr eingelassen. Das är-gerte natürlich besonders die Ar-men in der Stadt, die natürlich keine Uhren besaßen und deshalb besonders häufig Opfer dieser Schikane wurden. Auch Bürger-meister Smidt bekam zu spüren, dass er keineswegs populär war. Jemand warf gegen die Scheiben seines Hauses einen Kluten, offen-bar ohne sie zu zertrümmern. Immerhin.
  • 7. März: Der Senat hebt in Bremen die Zensur auf. Am Abend findet im Krameramtshaus eine Volksver-sammlung statt, in der durch eine Resolution, die die Lehrer Heinrich Wilhelm August Kotzenberg und Christian Friedrich Feldmann ge-schrieben haben, allgemeine und freie Wahlen gefordert werden, dazu die Trennung von Justiz und Verwaltung und noch einiges mehr. Außerdem treten die 2064 Bürger, die die "Peition" schließlich un-terschreiben, für ein allgemeines deutsches Parlament ein.
  • 8. März: Der Senat bewilligt - unter dem Druck einer Menschen-menge auf dem Marktplatz - nach einigem Zögern die Forderungen der Petenten.
  • 18. März: Der Bürgerkonvent wählt einen Ausschuss, der die ersten Wahlen in Bremen vorbereiten soll.
  • 21. März: Die neue Wahlordnung wird verkündet. Wahlberechtigt sind alle Bürger, die älter als 25 Jahre sind.
  • 19. April: Die neue Bürgerschaft tritt im "Haus Seefahrt" an der Hutfilterstraße zu ihrer ersten Sitzung zusammen. An der Wahl hatten sich 5000 Bürger beteiligt.
  • 28. April: Die Bremer wählen ihren Abgeordneten für die Nationalver-sammlung in Frankfurt. Die Hanse-stadt wird durch den Kaufmann Karl Theodor Grevekoht vertreten. Diesmal beteiligen sich 1693 Bürger an der Wahl. Bevollmäch-tigter Bremens in Frankfurt wurde Bürgermeister Smidt, der dann zum Totengräber der bremischen Revo-lutions-Verfassung werden sollte.
  • 21. Juni: In dem "Demokratischen Verein" organisieren sich die Li-beralen in Bremen. Daneben be-steht ein "Bürgerverein" , in dem sich die radikalen Demokraten versammeln. Ende des Jahres 1848 kommt eine bremische Sektion des "Allgemeinen Deutschen Arbei-tervereins" hinzu. Damit organi-sieren sich die politischen Strö-mungen, die für das 19. Jahrhun-dert bestimmend werden.
  • 1. November: Die Stadt und die Vorstadt werden in dreizehn Ge-meindebezirke eingeteilt, deren Vorstände von den Bürgern be-stimmt werden. Bei den ersten Wahlen erringt der "Demokra-tische Verein" einen überragen-den Sieg.
  • 5. Dezember: Im "Patriotischen Ver-ein" organisieren sich die Kräfte, welche die radikalen Forderugen des Demokratischen Vereins ab-lehnen. Damit haben sich die politischen Strömungen organisiert, die bis heute das politische Leben in Bremen bestimmen.
  • 5. Dezember: Die Speckkrawalle. Die Unruhe in der Stadt entlädt sich durch die Plünderung eines Specklagers, das ein Kaufmann in der Bremer Neustadt angelegt hat-te. Der Senat muss Polizei und Militär einsetzen, um die Ordnung wieder herzustellen.
  • 27. Dezember: Seit dem 4. Dezem-ber wird in Ausschüssen der Bür-gerschaft die neue Verfassung be-raten. Nunmehr ist der Entwurf fertiggestellt.
1848 Bremen: Bau der Mühle in Horn. 1938 wurden die Flügel abgebaut, Seit 1967 steht das Bauwerk unter Denkmalschutz und wurde von 1971 bis 1977 und zuletzt 1995 renoviert.
1848 Bremen: Die Feldmark Utbremen wird nach Bremen eingemeindet.
1848 Bremen. Die Pagentorner Feldmark wird nach Bremen eingemeindet.
1848 Oberneuland: Die Holländermühle brennt ab und wird durch einen Neubau ersetzt. Sie wurde 1964 dem Fockemuseum überlassen. Heute befindet sich darin ein Museum.
1848, 10. 3. Bremerhaven. 84 Bremerhavener Bürger fordern in einer gemeinsamen Resolution vom bremischen Senat eine neue Gemeindeordnung. In der Kundgebung wird deutlich, dass sich in der kurzen Zeit seit 1827 in der bisherigen "Colonie" ein politisches Selbstbe-wusstsein gebildet hat.
1848, 19. 4. Bremerhaven: Zum ersten Mal schickt die "Colonie" zehn eigene Abgeordne-te in die Bremer Bürgerchaft.
1848, 15. 5. Bremerhaven. Gründung des "Bürger-Schützenvereins" . Der Schießplatz befindet sich am Außendeich der Geeste auf dem früheren Platz der Tecklen-borg-Werft.
1848-1849 Bremerhaven. Bau der "Reichsbatte-rie" am nördlichen Ende des Alten Ha-fens. Sie wird von bremischer Infanterie besetzt, die in Privathäusern einquartiert werden.
1848 Geestendorf. Gründung des Schützen-vereins der Gemeinde.
1848, 15. 4. Lehe. Gründung des Schützenvereins Lehe. Schützenfeste wurde in Lehe schon seit 1835 gefeiert und zwar im Speckenbütteler Holz. Hier entstand auch 1854 das Schützenhaus.
1848, 5. 5. Hohenkirchen: Der Apotheker Dr. Carl Arnold Ingenohl eröffnet in Hohen-kirchen im Haus des Schullehrers Schröder die (heute noch bestehende) "Sonnen-Apotheke. Eine provisorische Apotheke, die 1846 in Tettens eröffnet worden war, wurde am gleichen Tage geschlossen.
1848 - 1849 Wangerooge: Auf der Insel herrscht Revolution. Sie richtet sich in diesem Fall gegen die Frau des Großherzog-lichen Geheimrats Westing, die die Insel faktisch beherrscht und der vorgeworfen wird, dass sie den "Badestaat" monarchisch und absolutistisch regiert. Man gründet einen "Volksverein" , um Neuerungen durchzusetzen.
1848, März Abbehausen: In der Gemeinde bildet sich ein erster politischer Verein. In der alten Grafschaft Oldenburg melden die Agrar-unternehmer der Marsch jetzt ihre po-litischen Forderungen an, die sie auch leicht durchsetzen können, will sagen: ohne Barrikaden und Blutvergießen, weil sowohl der Großherzog als auch die Bauern den Konsens anstreben und zwar auf der Grundlage der bisherigen fak-tischen Verkehrsformen zwischen der oldenburgischen Oberschicht und der Regierung. In Oldenburg ist man zu-nächst durchaus liberal in dem Sinne, dass man für die untenehmerische Selbstständigkeit und die Meinungsfrei-heit eintritt, dann wird man unter dem Druck der auch in Oldenburg zuneh-menden sozialen Konflikte zuerst natio-nalliberal und dann völkisch, so dass man sich 1933 dem Führerkult problemlos unterordnet. Der deutschna-tionale Konsens besteht bis heute.
1848, 16. 4. Brake: Der Schützenverein wird gegrün-det. Am 15. Juli 1849 findet das erste Vogelschießen statt.
1848 - 1852 Brake/Bremerhaven: Die Nationalver-sammlung in Frankfurt bewilligt am 18. Mai 1848 sechs Millionen Taler für den Aufbau einer eigenen Flotte. Bereits am 22. Juli 1848 schlägt Bremen vor, Bremerhaven als Standort der neuen Marine zu bestimmen. In der Tat wird hier auch Ende Dezember 1848 die "Seezeugmeisterei" der neuen Flotte errichtet. Der zweite Standort an der Weser wird der oldenburgische Hafen Brake. Das Kommando über das Ge-schwader, das sehr schnell gebildet wird, erhält Carl Rudolf Brommy (1804 - 1860). Bremerhaven wurde Haupt-station der Flotte, in die die ersten fünf Schiffe am 21. und 22.November 1851 einlaufen konnten. Brake diente als Aus-rüstungshafen. Einige Einheiten wurden auf der Elbe stationiert. Das kleine Ge-schwader bewährte sich in seiner kurzen Geschichte durchaus, denn ihrem Kom-mandeur Brommy gelingt es, am 4. Juni 1849 vor Helgoland mit nur vier Dampfern ein dänisches Geschwader (laut Schwarzwälder nur eine dänische Korvette) vor der Wesermündung zu vertreiben und die Blockade zu beenden. Danach ist die Geschichte der ersten deutschen Kriegsflotte bald zu Ende, denn der neu belebte Deutsche Bund zeigt kein Interesse und lässt die Schiffe verkaufen. Das Flaggschiff, die "Deutschland" kommt am 18. August 1842 auf der Reede vor Brake unter den Hammer des oldenburgischen Auktiona-tors Hannibal Fischer. Die übrigen Ver-käufe ziehen sich bis zum 11. Dezember 1852 hin. Offiziell wird die Flotte bis zum Oktober 1853 aufgelöst. Die Marinebehörden bestanden schon seit dem 1. April 1853 nicht mehr. Als einzige Hinterlassenschaft blieb die " Reichsbatterie" , die im März 1849 unterhalb des Forts "Wilhelm" an der Geeste aufgeworfen worden war und hier bis 1866 bestand. Das ziemlich profane Ende der ersten deutschen Flotte hinterließ im zunehmend nationalistisch aufgeheizten Bürgertum ein kollektives Trauma: dass die Häfen einer Großmacht wie Deutschland bzw. Preußen von einem kleinen Staat wie Dänemark blockiert werden konnten, wurde als Schande empfunden, die sich nur durch eine eigene Flotte ausgleichen ließ. Diese moralische Erwägung führte dazu, dass unmittelbar nach dem Ende der Reichsflotte nunmehr Preußen daran ging, unter dem Kommando des Prinzen Adalbert den Aufbau einer eigenen Ma-rine ins Auge zu fassen, was dann be-kanntlich zunächst zur Gründung Will-helmshavens führte. Als man im Jahre 1870 zusehen musste, wie diesmal französische Geschwader den deutschen Handel in der Nord- und Ostsee blockierten, wirkte das als der zweite Impuls, der dann von Wilhelm II. für seine Flottenpoliitik ausgenutzt wurde, wobei es nun bald nicht mehr darum ging, dänische oder die französische Flotte zu übertrumpfen, vielmehr galt nunmehr die britische "Grand Fleet" als der Gegner der Zukunft. Das Ende war wiederum ziemlich " unrühmlich" : Die Linienschiffe der Kaiserlichen Ma-rine wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zwar nicht verkauft, aber in Scapa Flow interniert, wo sie sich selbst versenkten. Die Flotte ging also also nicht in einer Seeschlacht mit wehender Flagge unter, sondern kapitulierte - eine erneute Schmach nach den Begrif-fen der damaligen seemännischen Ehre. Das hatte zur Folge, dass beispielsweise die "Bismarck" , als sie bewegungsun-fähig im Atlantik lag, nicht kapitulierte, sondern sich selbst versenkte, bevor sie von britischen Matrosen geentert wer-den konnte, mit der Folge, dass sicher-lich tausend oder mehr Matrosen, die man hätte retten können, elendiglich für "Führer Volk und Vaterland" , so d9e damalige Formel, absoffen und dass in der Marine noch am 10. Mai 1945, also zwei Tage nach der Ka-pitulation, in Norwegen ein Todesurteil, das wegen "Wehrkraftzersetzung ergangen war, vollstreckt werden konnte. All dies und noch viel mehr ist auch eine Konsequenz aus der unglücklichen Geschichte der ersten deutschen Flotte.

-1849-

1849, 26, 6. London. Das Parlament hebt die Naviga-tionsakt von 1651 im Wesentlichen auf. Durch das Gesetz war seinerzeit die britische Schiffahrt in besonderer Weise privilegiert worden, wogegen sich im 19. Jahrhundert Widerstand vor allem in den USA erhob, während sich wohl gleich-zeitig erwiesen hatte, dass die Restrik-tionen der fremden Schifffahrt bei dem damaligen Übergewicht des britischen Handels nicht mehr notwendig war. Für Bremen war dieser Akt einer der vo-raussetzungen für die Glanzzeit der Freien Hansestadt, die bis 1914 anhalten sollte und erst dann durch die ver-brecherische Politik Kaiser Wilhelms II. willkürlich beendet wurde.
1849, 25. 1. Bremen: Dem Senat wird vom Reichs-handelsministerium mitgeteilt, dass Bre-merhaven die Station der neuen deut-schen Flotte werden soll.
1849, 5. 3. Bremen: Die Bürgerschaft verabschiedet die neue Verfassung. Sie wird am 25. März 1849 veröffentlicht. Sie hat 199 Paragraphen und enthält Bestimmungen über die Grundrechte der Bürger, darun-ter: die weitgehende Abschaffung der Todesstrafe, die Gewerbefreiheit, die Pressefreiheit und das Petititionsrecht. Die Bürger sind vor dem Gesetz gleich. Die Bürgerschaft hatte 300 Mitglieder. Sie wurde von allen Bürgern direkt ge-wählt. Dann sollte in den Prozessen die Mündlichkeit und die Öffentlichkeit der Verfahren eingeführt werden. Auf Grund dieses Dokuments fanden am 29. März 1849 Neuwahlen statt, in denen die Linke die Mehrheit errang.
1849, 14. 4. Bremen: Die Freie Hansestadt nimt die von der Nationalversammlung in Frankfurt erarbeitete und beschlossene Reichsverfassung an. Sie wurde aber zunächst von Bayern und hanover, dann aber auch von Preußen abgelehnt und trat damit als Reichsgesetz nie in Kraft.
1849, 20./25. 1. Bremen. Der Senat beschließt, dass die Juden nunmehr Gemeinde- und Staats-bürger werden können.
1849, 23. 12. Bremen. Im Krameramtshaus findet der erste methodistische Gottesdienst in Europa statt.
1849-1851 Bremen: In der Stadt erscheint die "Tageschronik" . Sie gehörte dem Demokratischen Verein. Ihr Redakteuer war Pastor Dulon. Das Blatt stellte am 21. Mai 1851 sein Erscheinen ein.
1849 Bremen: Arnold Ruge, früherer Abge-ordneter der Nationalversammlung in Frankfurt und zeitweilig ein Mitarbeiter von Karl Marx, hält sich in Bremen auf. Im Juli 1850 droht ihm die Verhaftung, worauf er in der Umgebung der Stadt, auch von Hermann Allmers, versteckt wird, ehe er ins Ausland entkommt.
1849 Bremen. Die in Bremen ansässigen Ju-den gründen eine Religionsschule, die von einem Rabbiner geleitet wird. Unter dem Einfluss der christlichen Religion war Bremen, wie das allgemein üblich war, eine ausgesprochen judenfeindliche Stadt, weswegen sich die Menschen, die am mosaischen Glauben festhielten, im hannöverschen Hastedt ansiedelten. Hier befand sich auch der jüdische Friedhof, dessen ältester Grabstein die Jahreszahl 1796 trägt. Er wurde mehrfach erwei-tert. Im Jahre 1893 baute die Gemeinde eine Friedhofskapelle, die 1924 ver-größert wurde. Als dieses Dorf 1803 bremisch wurde, musste sich die han-seatische Obrigkeit mit der Anwesenheit der Israeliten abfinden, die sogar wäh-rend der französischen Besetzung ihre Fesseln ablegen durften. Dann aber, ab 1813, versuchte der Senat die Juden wieder nach Hastedt abzudrängen. Erst 1848 erhielten sie das volle Bürgerrecht und konnten nun eine jüdische Gemeinde in Bremen selbst organisieren. Seit 1856 gab es in der Stadt eine Synagoge. Im Jahre 1875 erhielten die Juden einen Neubau an der Gartenstraße. "Erstaun-lich groß war die Zahl der jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen, deren Dachor-ganisation das ‚Jüdische Wohlfahrts-amt’ war." (Schwarzwälder, Bremen-Lexikon, 2003, Bd. 1 S. 428)Schwarzwälder nennt:
  • "Wohltätigkeitssektion der jüdi-schen Gemeinde" (1849),
  • "Israelit. Frauenverein" (1852)
  • "Eduard-Abraham-Stiftung" (1853)
  • " Kranken-Wohltätigkeitsverein" (1853),
  • "Witwen- und Waisenfonds der israelitischen Gemeinde" (1886),
  • "Bremer Komitee für hilfsbedürf-tige jüdische Auswanderer" (1901), besonders gefördert von Rabbiner Leopold Rosenak,
  • "Schwesternbund der Kaiser-Friedrich-Loge (1904). (Wenn sich Kaiser Friedrich III. bei den Juden großer Beliebtheit erfreute, dann hatte das darin seinen Grund, dass er als der vermutlich einzige Ho-henzoller nach außen erkennbar gegen den allgemeinen Antisemi-tismus des deutschnationalen Bür-gertums und des christlichen Adels auftrat, beispielsweise indem er in der Uniform eines preußischen Generalfeldmarschalls eine Syna-goge aufsuchte.)
  • "Darlehenskasse der Kaiser-Friedrich-Loge (1908),
  • "Lene-Neuberger-Stiftung" (1909), Jüdisches Altersheim in der Gröpelinger Heerstraße Nr. 167 (1925),
  • Moses-Schragenheim-Stiftung (1926). Außerdem gab es eine
  • jüdische Jugendvereinigung (1924) und einen
  • "Verein jüdischer Handwerker in Bremen und Umgebung" .
Seit 1896 wirkte in Bremen ein Rabbiner. Im Jahre 1933 lebten in Bremen 1438 Juden. Die Synagoge in Bremen wurde in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938, wie überall im Reich, von der SA, also den Nachbarn der Juden, niedergebrannt. Auf dem jüdischen Friedhof zerstörten Bremer Nazis die Kapelle und verwüsteten Grabstellen. Danach existierte im Haus Kohlhökerstraße 6 noch eine Gemein-deschule. Am 18. November 1941 wur-den 440 bremische Juden nach Minsk deportiert und dann am 28./29. 7. 1942 ermordet. Die 254 Juden, die zurück-geblieben waren, kamen am 23. Juli 1943 nach Theresienstadt, von wo man die meisten nach Auschwitz verbrachte, wo sie ebenfalls ermordet wurden. 1948 erfolgte die Neugründung der jüdischen Gemeinde als "Jüdische Kulturvereini-gung, Israelitische Gemeinde" , die 1952 als Körperschaft des öffentlichen Rechts eingetragen wurde. Seit 1957 gab es in Bremen auch wieder eine Synagoge. Im August 1961 konnte dann ein Neubau eingeweiht werden. An die Deportation der Juden erinnert seit dem 18. November 1997 am Barkhof, dem letzten Sammelplatz der Juden vor ihrem Abtransport, eine Gedenktafel.
1849-1850 Bremen: Bau des Schützenhofs vor dem Hohentor.
1849, 24. 5. Bremen/Frankfurt: Der bremische Abge-ordnete Carl Theodor Gevekoht scheidet aus der Nationalversammlung aus. Eine Nachwahl findet nicht mehr statt - ein erstes Zeichen, dass die Revolution gescheitert ist.
1849 Bremen: Eröffnung der Kunsthalle.
1849-1851 Bremen. Bau des Krankenhauses an der St. Jürgen-Straße. Heute größter Ar-beitgeber des Stadtteils.
1849 Horn: Bau der Mühle für das Dorf. Das Bauwerk wurde von 1996 bis 1999 restauriert.
1849 Vegesack: Johann Friedrich Rohr eröf-fnet die erste Druckerei in Vegesack. Die Genehmigung erhielt er bereits am 7. Juni 1848. Rohr war von Beruf Schriftsetzer und kam aus Bremen. Er nutzte den Betrieb zur Herausgabe einer Zeitung. Sie erschien vom 10. Mai 1849 an unter dem Namen "Vegesacker Wochenblatt" . Aus diesen Anfänge entwickelte sich die "Norddeutsche Volkszeitung" , die vom 1. 9. 1885 an täglich erschien.
1849 Rönnebeck: Die Brüder Detmer und Harm Havighorst gründen in Rönnebeck eine Werft, auf der aber von 1851 bis 1853 nur fünf Kähne entstehen.
1849 Bremerhaven: Auf dem Gelände der ehemaligen Carlsburg entsteht das Aus-wandererhaus, das Passagiere aufnahm, die auf die Überfahrt in die USA war-teten. Das Gebäude konnte 2000 Men-schen aufnehmen und die Küche war in der Lage, 3500 Mahlzeiten zuzu- bereiten. Bremerhaven wurde im 19. Jahrhundert zeitweilig der größte Aus-wandererhafen Europas. Von hier sind bis 1914 vermutlich bis zu zehn Millionen Menschen aus ganz Europa in die Neue Welt verbracht worden. Das Haus wurde 1865 geschlossen und stand dann zeitweilig leer. Kurze Zeit nahm es Kriegsgefangene auf, dann diente es von 1871 an als Kaserne. Im Jahre 1892 braute die "Karlsburg-Brauerei" in dem äußerlich unveränderten Gebäude ihr Bier. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus durch Bomben schwer be-schädigt, doch nahm die Brauerei nach der Befreiung ihren Betrieb wieder auf. Sie schloss dann 1973. Auf dem Platz steht heute ein Gebäude der Hochschule Bremerhaven. Von dem Auswanderer-haus ist nur wenig erhalten geblieben.
1849 Bremerhaven. In der Colonie wird das erste Theater eröffnet. Damit ist natür-lich nur ein Saal gemeint, der mit einer Bühne versehen war. Dem Publikum standen 300 Plätze zur Verfügung.
1849, 5. 6. Bremerhaven. Die hannöverschen Infan-teristen, die an dem Geburtstag ihres Königs auf dem Marktplatz zur Parade aufmarschiert sind, weigern sich, in das "Hoch" auf Seine Majestät einzustim-men, was von den Bürgern in Bremer-haven und Lehe mit großer Freude auf-genommen wurde. Es kommt daraufhin zu Unruhen, wobei dem Pfarrer der re-formierten Kirchengemeinde in Lehe die Scheiben eingeschmissen werden, da-mals ein Ausdruck des allgemeinen Missfallens. Der Pastor hatte natürlich die Partei der Obrigkeit ergriffen.
1849 Bremerhaven. Frau Plump eröffnet eine weitere Schule für "höhere Töchter" .
1849 Bremerhaven. Die Schiffszimmerer gründen einen Unterstützungsverein, der aber später verboten wird. Ein erster Versuch der Proletarier, sich zu organisieren.
1849 Geestemünde. Bau der Südschleuse im Lauf der Lune.
1849, 11. 8. Brake: Christian Anton Hinrich Tobias beantragt die Erlaubnis, in Klippkanne eine Werft anlegen zu dürfen. Er ver-pachtet dann aber den Platz an die Firma Denker, Drees & Co, die erst 1857 den ersten Schiffsneubau abliefert. Tobias machte 1861 Bankrott, woraufhin der Werftplatz in andere Hände überging, aber Denker betrieb dort weiter Schiff-bau, bis er gemeinsam mit seinem Com-pagnon Coldewey einen neuen Werft-platz an der Norderdeichstraße erwarb. Insgesamt hat Denker bis 1865 achtzehn Segler gebaut. Die Firma Denker und Coldewey brachte es nur auf zwei Neubauten. Sie stellte 1869 den Betrieb ein.
1849 Brake: Cholera in Brake. Im Telegra-phengebäude wird ein Not-Hospital ein-gerichtet.
1849-1852 Brake: Der Ort wird Ausrüstungshafen der ersten deutschen Flotte.