-1850-1852-

1850 Bremen: In der Stadt praktizieren 38 Ärzte und 10 Wundärzte sowie 9 Zahn-ärzte. Damit kommt auf 2000 Einwohner ein Arzt ein Verhältnis, das bis zur Ärzteschwemme des späten 20. Jahr-hunderts in etwa so bleibt.
1850, 1. 1. Bremen: In der freien Hansestadt tritt eine Deichordnung in Kraft. Es werden zwei Verbände gebildet: der eine ist zuständig für das linke und der andere für das rechte Weserufer.
1850, 10. 2. Bremen: Der Katrepeler Deich bricht beim kleinen Hollersiel.
1850, 11. 10. Bremen: Dem Astronomen Olbers wird auf der Junkernbastion in den Wallanla-gen beim Ostertor ein Denkmal gestiftet. Olbers (1758-1840) war Arzt in Bremen, widmete sich aber in seiner Freizeit der Astronomie. Er gehört zu dem Kreis um den Amtmann Schröter in Lilienthal. Ol-bers hat sich in die Geschichte der Astronomie eingeschrieben, indem er zwei kleine Planeten, nämlich Pallas und Vesta, entdeckte. Die Statue stammt von dem Bildhauer Steinhäuser, der damals in Rom arbeitete. An Olbers erinnert überdies eine Gesellschaft, die seinen Namen trägt und die eine Sternwarte betreibt. Die erste wurde 1924 einge-richtet, aber im Zweiten Weltkrieg zer-stört. Die zweite entstand 1958.
1850, 5. 7. Bremen: Die Bürgerschaft erlässt für Vegesack und Bremerhaven Gemeinde-verfassungen.
1850-1893 Bremen. Bau des Osterdeichs. Danach Bebauung der heutigen Östlichen Vor-stadt.
ab 1850 Bremen. Entlang der Schwachhauser Heerstraße errichten Bremer Kaufleute ihre Villen.
1850 Arsten: Bau der Holländermühle. 1922 Oberbau und Flügel durch Blitzschlag zerstört.
1850 Seehausen. Die Chaussierung der See-hauser und Hasenbürener Landstraße beginnt. Die Maßnahme wird erst 1876 abgeschlossen.
1850 Bremerhaven. Ein Omnisbusdienst ver-bindet Bremen mit Bremerhaven und Geestendorf. Die Fahrt dauert jeweils sechs Stunden.
1850 Bremerhaven: Das Auswandererhaus am heutigen Alten Hafen kann bezogen werden. Es fasst bis zu 3500 Menschen, die hier auf die Abfahrt ihres Seglers warten, der sie nach Amerika bringen soll.
1850 Bremerhaven. Gründung der Methodis-ten-Gemeinde. Die Methodisten sind im 18. Jahrhundert in England entstanden. Im Gegensatz zu anderen christlichen Gruppen vertreten sie keine eigene Theologie. Sie sind haben sich entwickelt, weil ihre Gründer, darunter vor allem John Wesley, das, was er als Evangelium bezeichnete, dort predigte, wo er den mutmaßlichen Interessenten begegnete, und nicht dort, wo die Kir-chen standen, also vor den Werkstoren der Fabriken und an ähnlichen Orten. Und er rief die Menschen dazu auf, sog. Klassen zu bilden, in denen sich die zu-sammenfanden, die sich nicht mehr dem Suff widmeten und sich gegenseitig da-raufhin kontrollierten, ob sie ein sittsa-mes Leben führten. Außerdem verpflich-teten sich die Mitglieder zur gegensei-tigen Hilfeleistung. Mit dieser Methode muddelten sich die Methodisten nach und nach aus ihrem Elend heraus (ohne, wie die Sozialisten, die kapitalistische Wirt-schaftsverfassung des Staates in Frage zu stellen), was eigentlich im Sinne der Staatskirchen hätte sein können, aber entzogen sich auch nicht nur theologisch, sondern vor allem faktisch der landeskirchlichen Kontrolle und das machte sie verdächtig. Die evangelischen Landeskirchen besaßen aber nicht, wie die Römische Kirche in vergleichbaren Fällen, das juristische Instrumentarium, um die Methodisten in ihre Organisationen zu integrieren, und so ging man getrennte Wege, was die Nachfolger Wesleys, der übrigens zeit-lebens anglikanischer Pastor blieb, im-mer bedauerten. Sie gehörten deshalb auch zu den eifrigsten Befürwortern der christlichen Ökumene vor allem auf der Ebene der Gemeinden. Ein Beispiel: In den dreißiger Jahren tauchte in der Gemeinde meines Vaters ein Bauer auf, der eigentlich nicht dazu gehörte, den-noch aber eifrig die Gottesdienste und die Bibelstunden besuchte und sich überhaupt als sehr kooperativ und hilf-reich erwies. Meine Mutter konnte ihn nie unterbringen - sie wusste nur, dass er kein Lutheraner war. War er auch nicht: die Familie gehörte zu den Metho-disten. Sie verhielt sich ganz typisch. Die Methodisten wurden also zunächst von den Pfarrer der Landeskirchen abelehnt, aber da sie auf deren Polemik nicht eingingen, im Gegenteil, sich im Sinne der christlichen Dogmatiker als unschädlich erwiesen, wurden sie schließlich akzeptiert, aber die orga-nisatorische Trennung war zwischen-zeitlich so zementiert, dass sie nicht mehr aufgehoben werden konnte. So blieb denn die methodistische Kirche bestehen.
1850 Geestemünde: Der hannöversche Hafen erhält eine Gemeindeverfassung und da-mit den Status einer selbständigen Landgemeinde.
um 1850 Lehe: Errichtung des Kalkofens der Familie Bohls in Lehe. Er wurde 1870 stillgelegt, blieb aber erhalten und wurde 1980 restauriert. Er zählt zu den ältesten seiner Art in Deutschland.
um 1850 Lehe: Die Besiedlung der Leher Heide beginnt. Im Jahre 1894 wird hier das erste Schulhaus gebaut.
1850 Brake: Das Anwesen wird Ortsgemeinde
1850 Elsfleth: Gerhard Wurthmann jr. gründet in Lienen eine Werft, die bis 1856 sechs Schiffe baut.
1850, 23. 9. Elsfleth: Heinrich Ahlers beantragt in Oldenburg die Erlaubnis, in Elsfleth eine Werft eröffnen zu dürfen. Das erste Schiff wird 1851 abgeliefert, das letzte 1854. Heinrich Ahlers, Sohn des Werftbesitzers Oltmann Diedrich Ahlers, stirbt bereits am 2. Juli 1855.
1850 Bardenfleth/Motzen: Schiffbaumeister Johann Faßmer beginnt auf der Diele seines Wohnhauses in Bardenfleth mit dem Bau kleiner Boote, wie sie damals auf den Gräben der Marsch eingesetzt wurden. Er zieht bald nach Motzen an der Weser um, bleibt aber dabei, offene Boote, höchstens Segeljollen zu bauen. 1935 brannte der gesamte Betrieb ab, wird aber wieder aufgebaut. Heute hat sich die Werft auf Rettungsmittel spe-zialisiert. Außerdem liefert sie Teile für die Automobil-Industrie.
1850 Jever: Vor dem Albanitor finden Arbeiter beim Schlöten der Prinzengraft etwa 3000 bis 5000 römische Münzen aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhun-dert. Die genaue Zahl ist unbekannt, weil die Finder ihre Entdeckung geheim hal-ten und die Münzen einzeln nach und nach verhökern. Über die Herkunft ist nichts bekannt, indes vermutet man jetzt, dass es sich um Opfergaben han-delt, die damals in eine heilige Quelle versenkt wurden.
1850/51 Esens: Bau der Mühle "Eintracht" am Hayungshauser Weg. Sie diente zuerst als Sägemühle und wurde später so umgebaut, dass dort Korn gemahlen werden konnte. Sie wurde, inzwischen völlig verfallen, 1953 abgerissen. Es existiert noch die Erinnerung an eine zweite Sägemühle in der Nachbarschaft. Geblieben ist ein Teich, der schon damals der Anlage seinen Namen gab: Mühle am Kolk.
1850 Esens: Die Peldemühle wird errichtet. Der zweistöckige Galerie-Holländer verlor im August 1945 ein Flügelpaar, woraufhin auch die beiden anderen Flügel abgenommen wurden. Der Be-triebe wurd bis 1952 mit Motorkraft aufrechterhalten. Im Jahre 1986 kaufte die Stadt Esens die Mühle und übertrug sie 1989 dem Heimatverein, der sie als Museum nutzt.
1850 Bremerhaven: Hermann Friedrich Ul-richs pachtet auf dem rechten Gees-teufer einen Platz zur Anlage einer Werft. Von 1864 bis 1865 baut Ulrichs auf seinem Gelände, das inzwischen in sein Eigentum übergegangen ist, ein Trockendock, in dem er auch neue Schiffe baute. Der Firmengründer starb 1865 und hinterließ das Unternehmen seinen zwei Söhnen Carl und Hermann, von denen der erstere den Betrieb in Vegesack, der letztere den in Bremer-haven leitete. Nach dem Tode von Carl Ulrichs wandelte sein Bruder Hermann die Firma im Jahre 1883 in eine Ak-tiengesellschaft um, die sich aber nicht halten konnte. Die Vegesacker Anlagen gingen in den Besitz des Bremer Vukan über, während der Bremerhavener Be-trieb von der Seebeck-Werft erworben wurde.

-1851-

1851 Bremen: Gründung einer Zwangskran-kenkasse für Zigarrenarbeiter. Es gab Vorläufer, so die Dienstbotenkasse, die von 1830 bis 1833 bestand. 1854 folgte eine Krankenkasse für Seeleute. Im Laufe der Zeit wurden weitere Kassen für die Angehörigen bestimmter Berufe gegründet. Schließlich waren im Jahre 1889 103 derartige Versicherungen am Werke, die großenteils in der Allgemei-nen Ortskrankenkasse aufgingen.
1851 Bremen: Die Konterrevolution beginnt.
  • 5. Mai: Der Senat bildet eine vierköpfige Kommission, zu der auch Bürgermeister Smidt gehört, die streng vertraulich darüber berät, wie die bisherigen Ergebnis-se der Revolution wieder rückgän-gig gemacht werden können.
  • 14. Mai: Österreich und Preußen drohen mit dem Einmarsch in Bre-men, wenn die Stadt nicht die Verfassung von 1849 zurücknimmt. Unter diesem Druck billigt die Mehrheit der Bürgerschaft ein Verbot der politischen Vereine und die Einschränkung der Pressefrei-heit. Damit ist die Gefahr einer Besetzung Bremens durch öster-reichische und preußische Truppen vorerst gebannt.
  • 20. Mai: Die "Tages-Chronik" des Pastors Dulon, das Sprachrohr der Linken, erscheint nicht mehr.
  • 27. September: Bürgermeister Smidt beginnt jetzt offen, die Ver-fassung Bremens anzugreifen. Er fordert, dass die Bürgerschaft nach Ständen und Steuerklassen gewählt wird.
  • 30. September: Der Senat bean-tragt in der Bürgerschaft eine ent-sprechende Verfassungsänderung, was das Parlament aber ablehnt.
  • 17. Oktober: Pastor Dulon wird auf einer Reise nach Hannover in Eystrup verhaftet und als "Staats-verräter" in das Gefängnis von Hoya eingeliefert. Er kehrt am 25. November nach Bremen zurück und wird von seinen Anhängern begeis-tert gefeiert.
  • 29. November: Der Bundestag for-dert (durch einen Ausschuss) Senat und Bürgerschaft in Bremen auf, die Verfassung der Hansestadt dem Bundesrecht anzupassen und droht mit der Entsendung eines Bundes-Commissärs. Die Intervention war von Bürgermeister Smidt, der nach Frankfurt entsandt worden war, betrieben worden.
  • 29. Dezember: Der Senat unterrichtet die Bürgerschaft von dem Beschluss des Bundestages, diese aber lehnt eine Änderung der verfassung ab.
  • 31. Dezember: Der Senat be-schließt, um ein Eingreifen des Deutschen Bundes zu bitten.
1851, 28. 5. Bremen: Der Senat löst den "Bremer Zweigverein der Zigarrenarbeiter-Asso-ziation Deutschlands" auf Er war 1848 gegründet worden. Dasselbe Schicksal ereilt den "Schlachterarbeiterverein" und den "Tagelöhner-Verein". Damit sind die ersten Ansätze, die Arbeiter Bremens zu organisieren, gescheitert. Das Rollen der Zigarren war eine geisttötende Tätigkeit, weswegen sich die Arbeiter dieses Erwerbszweiges zusammentaten und einen ihrer Kollegen bezahlten, damit er ihnen während der Arbeit etwas vorlese. Die Folge war, dass der Bildungsstand der Zigarren-arbeiter besonders hoch war, weswegen sich bei ihnen sehr früh das Bedürfnis regte, sich zu organisieren. Dass die Arbeiter in den Schlachtereien und die Tagelöhner allerdings dem Vorbild so rasch folgten, ist ein erstaunlicher Vor-gang.
1851, 7. 8. Bremen: Eröffnung des Allgemeinen Krankenhauses, genannt St. Jürgen-Krankenhaus. Die Einrichtung hatte 242 Betten, meistens in Räumen, in denen 5 bis 10 Patienten untergebracht waren. Das Krankenhaus wurde ständig erweitert und modernisiert. Der erste Umbau erfolgte bereits 1859, dem dann viele andere folgten.
1851, 5. 3. Bremerhaven: Der neue Hafen wird eröffnet. Er erhält eine eigene Schleuse.
1851, 18. 10. Bremerhaven: Die bisherige bremische Colonie wird zur Stadt erklärt und erhält die erste Verfassung ihrer Geschichte. Damit dürfte Bremerhaven die einzige Stadt in der Republik sein, die bis heute eine eigene Verfassung hat, also nicht auf Grund eines allgemeinen Landesge-setzes regiert wird wie etwa das niedersächische Nordenham guntsiet.
1851 Bremerhaven: Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Zigarrenindustrie der Stadt müssen Mitglieder einer gemeinsamen Krankenkasse sein.
1851 Geestemünde: Die Juden bilden eine eigene Gemeinde. Eine jüdische Ge-meinde ist für Lehe im Jahre 1804 bezeugt. Der jüdische Friedhof bestand schon 1768. Auf ihm wurde 1925/26 eine Kapelle errichtet. Eine Synagoge und eine Schule wurden 1878 in Geeestemünde, Schulstr. 5, gebaut. Im Jahre 1924 vereinigen sich die Juden von Lehe und Geestemünde zur Synago-gengemeinde Wesermünde. Im Jahre 1927 hatte die jüdische Gemeinde in Wesermünde etwa 300 Mitglieder.
1851 Lehe: Bau des Hannoverschen Amtshau-ses in der Langenstraße (im Büt-tel/Süderstr.) Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, aber 1952 original-getreu wieder auf-gebaut.
1851, 9. 11. Varel: Ein Missionar der Römischen Kirche feiert die erste hl. Messe seit der Reformation, also seit 1531.
1851 Großensiel: Die Robinson-Linie beginnt den Export von Rindvieh aus dem Sielhafen.
1851 Berne: Berner Tierschauverein gegrün-det.
1851 Fünfhausen: Gründung der Werft von Berend Hinrich Steenken in Fünfhausen. Das Unternehmen baute bis 1857 zehn Schiffe. Die Firma wurde dann ab 1856 von Leonhard Friedrich Paulsen wei-tergeführt, der dreizehn Schiffe baute. Während Paulsen 1865 nach Klippkanne umzog, setzte Dierk Rogge das Unter-nehmen in Fünfhausen fort, mit dem er noch 12 Segler baute, bis er 1880 Kon-kurs anmeldete.

-1852-

1852 Bremen: Die Gegenrevolution wird fort-gesetzt:
  • 1. März: Pastor Dulon, der Sprecher der Linken, wird auf sechs Wochen von seinem Amt suspendiert. In dieser Zeit soll er Gelegenheit haben, seine Lehren, die inzwischen von der Theolo-gischen Fakultät in Heidelberg verurteilt sind, zu widerrufen.
  • 6. März: Der zuständige Ausschuss des Bundestages beschließt - immer auf Betreiben Smidts - die Entsendung eines Commissärs nach Bremen. Die Aufgabe übernimmt der Kriegsminister des Königreichs Hannover, Generalmajor Gerhard Jacobi.
  • 20. März: Weil der Senat nach dem Tod eines neuen Senators nicht frisgerecht die Wahl eines neuen anberaumt, erklärt die Bürger-schaft, dass sie das Verfassungs-organ nicht mehr anerkennen und folglich auch nicht mehr mit ihm unterhandeln könne.
  • 24. März: Der Bundescommissär Jacobi trifft in Bremen ein, jedoch ohne Militär.
  • 29. März: Der Senat löst die bis-herige Bürgerschaft auf. Die neue ist nach einem Wahlrecht zu be-stimmen, das die Bürgerschaft in acht Klassen einteilt. Politische Vereine und Versammlungen wer-den nochmals untersagt.
  • 19. April: Pastor Dulon wird aus den Diensten der bremischen Kirche entlassen. Er flieht in die USA, wo er am 13. April 1870 starb.
Der Nachruf Schwarzwälders: "Dulon hatte in Bremen die Herzen vieler Bürger bewegt; solch ein Mann hat gewiss einen historischen Rang. Ob er freilich eine Kraft des Aufbaus in einer neuen Gesellschaft gewesen wäre, mag man bezweifeln. Doch wer wollte dies zutreffend beurteilen? Man ließ ihm keine Gelegenheit, sich zu bewähren." (Schwarzwälder, Geschichte der Freien Hansestadt Bremen, Bd. 2, S. 213)
1852, 29. 3. Bremen: Der Senat hebt die Versamm-lungs- und Vereinsfreiheit, die in der Revolution von 1848 durchgesetzt wor-den waren, wieder auf.
1852, 12. 7. Bremen: Der Senat verfügt, dass die Berufe der Ärzte und der Wundärzte zu einem Fach vereinigt werden. Seitdem unterscheidet man in Bremen nicht mehr zwischen der "inneren und der äußeren Medizin".
1852, 9. 9.-17. 10. Bremen. Im Schützenhof findet die 3. bremische Gewerbeausstellung statt. Die Gewerbekammer veranstaltete die ersten beiden Ausstellungen bereits 1846 und 1848. Die zweite war mit 209 beteiligten Firmen die größte ihrer Art. Im Jahre 1856 folgte noch eine vierte Ausstellung, aber dann wurde das Projekt aufgegeben. Bremer Firmen beteiligten sich stattdessen - übrigens recht erfolgreich - an anderen Ausstellungen beiderseits des Atlantiks..
1852, 1. 1. Vegesack. Der bisherige "Flecken" wird zur Stadt erhoben.
1852 Grohn: Schiffswerft Hinrich Lamcken. Sie bestand nur bis 1853.
1852 Bremerhaven. Die hannoversche Regierung lässt am Neuen Hafen die sog. Dockbatterie bauen.
1852 Bremerhaven: In der Stadt erscheint nunmehr-neben dem "Mitteiler"- die "Provinzial-Zeitung". Sie wird im Jahre 1856 in "Correspondenzblatt für Bremerhaven"umbenannt. Verleger ist der Buchhändler Ludwig von Vangerow. Vermutlich ist sie 1855 mit der Provinzial-Zeitung vereinigt worden, an der Vangerow beteiligt war.
1852 Bremerhaven: Der Drucker J. G. Heyse in Bremen bringt das "Wochenblatt für Bremerhaven und Umgebung" heraus. Die Zeitung wird 1854 von der Provinzial-Zeitung geschluckt.
1852 Lehe: Die Firma Eits baut in Lehe den ersten Wasserturm für die Unterweser-Orte. Er ist 26 Meter hoch.
1852, 1. 8. Atens: Der Kaufmann Wilhelm Müller (1821 - 1899) wird Agent der Robinson-Linie, die Vieh von Großensiel nach Befreiung transportiert. Damit betritt der spätere Gründer der Stadt Nordenham die Bühne der Geschichte.
1852, 26. 8. (?) Eckwarden: Auf den Oberahneschen Feldern ertrinkt bei einer Sturmflut der Heuermann Hermann und Janssen. Seine Frau und ein Kind überleben und ziehen nach Butjadingen. Danach sind die Inseln unbewohnt.
1852, Mai Butjadingen: Über Butjadingen und Stad-land fegt ein Schneesturm hinweg. Das Vieh sucht Schutz in den Gräben, wobei viele Tiere ertrinken.
1852 Brake: Die feste Straße von Oldenburg nach Brake wird fertiggestellt. Neben dem Bau der Eisenbahnen ist die Chaussierung der Wege das große Verkehrsprojekt der Zeit.
1852 Jever: Der Petersgroden am Jadebusen wird eingedeicht.
1852, 10. 1. Wangerooge: Eine Düne von 20 bis 30 Meter Breite sackte in der Brandung weg. Zwei Häuser müssen abgebrochen werden.
1852, 22. 11. Oldenburg: Revidiertes Staatsgrundge-setz für das Großherzogtum Oldenburg.
1852, 23. 12. Bremerhaven: Hans Sonne-Schau aus Kiel und der Schiffbaumeister Oltmanns aus Brake pachten von dem Königreich Hannover auf dem rechten Geeste-Ufer auf 99 Jahre einen Platz, auf dem sie ein Trockendock bauen dürfen, das von 1853 - 1855 entsteht. Die Werft erhält außerdem einen Helgen und alle übrigen notwendigen Einrichtungen. 1855 wird die Firma in die "Geestemünder Dock-kompanie" umgewandelt, die Gründer behielten aber die Leitung. Das Unter-nehmen wurde, nachdem es lange Jahre hindurch nur noch hingekröpelt und zum Schluss nur noch 17 Arbeiter beschäftigt hatte, im Jahre 1891 von Seebeck er-worben.
1852 Bremerhaven. Erster Freimarkt
1852, 23. 12. Geestemünde: Der Bremer Kaufmann Franz Tecklenburg, Bruder des oben genannten Johann Carl Tecklenborg, pachtet auf dem linken Geesteufer von dem Königreich Hannover einen Platz, auf dem er eine Werft einrichtet. Er ist an dem Unternehmen seines Bruders beteiligt, so dass beide Tecklenborg-Werften im Zusammenhang gesehen werden müssen. Das Dock der Werft des Franz Tecklenborg , benannt nach dem König Georg von Hannover, wird von 1853 bis 1855 gebaut. Das Unternehmen wächst dann kontinuierlich. Wichtig ist aber vor allem, dass der Schiffbauer Georg Wilhelm Claussen am 1. Oktober 1873 technischer Leiter und am 1. April 1876 Teilhaber wird. Damit betritt eine Persönlichkeit die Bühne, die Schiff-fahrtsgeschichte geschrieben hat. Unter seiner Leitung wird die Werft auf den Bau von eisernen Segelschiffen umge-stellt. Im Jahre 1879 lief bei Teck-lenborg als letzte hölzerne Bark die "Figaro" vom Stapel. Seit 1879 ist Franz Tecklenborg bemüht, das Werftareal zu erweitern, was ge-lingt, als er am 11. März 1881 zwei Hektar auf dem "Wählacker" an der Geeste, jedoch auf dem Gebiet der Stadt Geestemünde gelegen, erwerben kann. Das Areal wird in den folgenden Jahren ständig erweitert. Hier entsteht also nun die neue Werft, die 1882 mit 150 Beschäftigten auf drei Helgen ihre Ar-beit aufnehmen kann. Die nun folgende Expansion führt dazu, dass das bisherige Familienunternehmen am 1. Juni 1897 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wird. Direktoren der neuen Schiffbau-firme werden, nachdem die Mitglieder der Familie Tecklenborg abgefunden worden waren, Georg W. Claussen und Eduard Tecklenborg. Die Reederei Tecklenborg wird 1894 liquidiert und die Segelmacherei dieses Namens im Jahre 1913 aus dem Handelsregister gestri-chen. In den Jahren 1904 bis 1907 wird die Werft so umgerüstet, dass auf ihr Schiffe bis zu 20.000 BRT gebaut wer-den können. Tecklenborg baute
  • die Fünfmaster "Preußen" und "Potosi/Schiff", beides sozusa-gen Saurier unter den Großseglern, die sich nicht bewährt haben und den Siegeszug des Dampfers nicht aufhalten konnten;
  • die "Andromeda" das erste Tankschiff der modernen Ge-schichte; das allerdings noch unter Segel lief;
  • die "August Korff", den ersten Tankdampfer der Schifffahrt;
  • die "Rolandseck", eines der ersten Schiffe mit Dieselmotor.
Das größte, auf Tecklenburg-Werft gebaute Schiff war die "Johann Heinrich Burchard", ein Passa-gierdampfer von 20.000 BRT. Damit waren aber auch die Möglichkeiten, die sich an diesem Platz boten, ausgereizt. Der Erste Weltkrieg bedeutete faktisch das Ende des Unternehmens, denn er bewirkte, dass die weitere Entwicklung, die sich abzeichnete, abgebrochen wur-de. Sein technischer Direktor, die Seele des Betriebs, Claussen, starb 1919, während Eduard Tecklenborg bereits 1908 aus dem Vorstand ausgeschieden war. (Er gehörte dann dem Aufsichtsrat an und starb 1926). In der Nachkriegs-zeit wurde die Tecklenborg-Werft mit der AG Weser Teil des Deschimag-Konzerns, den der Bankier Schröder gebastelt hatte. Im Jahre 1928 wurde das gesunde Unternehmen dann, als die Werftkapazitäten reduziert werden mussten, stillgelegt.
1852 Bremerhaven: Die "Provinzialzeitung" gegründet. Sie geht 1864 nach Gees-temünde..
1852, 27. 11. Oberhammelwarden: Wilhelm Georg Ha-gens stellt den Antrag auf die Erteilung einer Erlaubnis zur Errichtung eines Helgens an der Weser in Oberhammel-warden. Im Jahre 1853 wird bereits das erste Schiff fertig. Auf der Werft der Gebrüder Hagens & Comp., so der Name der Firma, entstehen bis 1858 14 Segler. Dann erbt Wilhelm Georg Hagens das Vermögen seines Bruders. Zusammen mit Gerhard Bohlens setzt er die Firma unter dem Namen "Hagens und Boh-len" fort. Die Werft baut in dieser Pha-se ihrer Geschichte von 1859 bis 1862 zehn Schiffe. Dann trennt sich Gerhard Bohlen von seinem Kompagnon. Die Werft Wilhelm Georg Hagens baut bis 1875 noch 25 Segler, dann fiel der bisherige Eigentümer in Konkurs. Die Werft übernahm der Elsflether Reeder Adolph Schiff, der aber 1876 nur ein Schiff bauen ließ. Er gab das Geschäft an Heinrich Georg Deetjen ab, unter dessen Leitung bis 1883 noch drei Segler entstanden. Dann endete die Unternehmensgeschichte - die Zeit der hölzernen Segler war vorbei.
1852 Blexen. Renovierung der Kirche. Bei dieser Gelegenheit wird die Empore im Choraum abgerissen. Die Kanzel erhält eine neue Gestalt. Der Altar wird insofern verändert, als das Bild mit der Kreuzigungsszene verschwindet und stattdessen die Verklärung Christi ein-gefügt wird, die heute noch zu sehen ist,
1852, 1. 7. Brake: In Klippkanne schließen die Brüder Johann Hinrich Nicolai und Franz Friedrich Nicolai einen Vertrag, wonach sie gemeinsam eine Werft an der Weser gründen wollten. Johann Friedrich hatte bereits 1851 einen Weserkahn gezim-mert. Den Betrieb vererbte Franz Friedrich, inzwischen Allein-Inhaber, an einen Sohn. Ende 1884 fiel die Werft in Concurs. Bis dahin hatte sie 58 Schiffe und Kähne gebaut.