-1853-1859-

1853 Bremen. Ausgabe der ersten Brief-marken der Freien Hansestadt Bremen.
1853, 1. 4. Bremen. Gründung des israelitischen Krankenpflege-Vereins. Damit beginnt die umfangreiche Sozialarbeit der Juden in Bremen.
1853, 1. 7. Vegesack: Eröffnung der Sparkasse.
1853 - 1870 Bremerhaven: Bau der Bürgermeister-Smidt-Gedächtnis-Kirche in Bremerha-ven. Der Turm ist 78 Meter hoch.
1853 Bremerhaven: Heinrich Friedrich Kistner gründet sein Bauunternehmen, das noch heute besteht.
1853 Bremerhaven. Die Cholera grassiert in der Stadt. Die Seuche wird durch Bakte-rien hervorgerufen, die sich besonders im schmutzigen Trinkwasser befinden, weshalb sie zuvörderst in den Slums auf-tritt, die auch in Europa infolge der Industrialisierung entstanden. Im 19. Jahrhundert gab es sechs große Chole-ra-Epidemien, nämlich: 1823, 1829-1837, 1847-1857 (von dieser war also Bremerhaven betroffen), 1865-1873, 1882-1887 und 1892-1893. Das Auftreten der Cholera verrät uns also Einiges über die hygienischen Zustände in der Stadt.
1853, 16. 3. Bremerhaven: Der bremische Kaufmann W. A. Fritz kauft aus dem Bestand der ehemaligen deutschen Kriegsflotte die Dampffregatten "Hansa" und "Erz-herzog Johann" und lässt die Schiffe zu Passagierdampfern umbauen. Die "Hansa" behält ihren Namen, während die "Erzherzog Johann" in "Germa-nia" umbenannt wird. Beide Schiffe werden im Nordatlantik-Verkehr einge-setzt, jedoch ohne Erfolg. Die "Ger-mania" eröffnet den Dienst von Bre-merhaven nach New York am 2. August 1853. Sie legt die Strecke in 25 Tagen zurück. Die "Hansa" folgt ihr am 30. August 1853. Beide Schiffe bewähren sich nicht, weil die Maschinen zu schwach sind und die seitlichen Schaufeln brechen. Die "Germania" wird nach zwei Reisen im Oktober 1854 in Bremerhaven aufgelegt, die "Han-sa" ebenso im November 1854. Ab März 1856 werden beide nochmals im Krimkrieg als Transporter eingesetzt. 1857 fährt die "Hansa" noch einmal nach New York. Danach werden beide Schiffe verkauft. Die "Germania" wird 1857 abgewrackt, die "Hansa" sinkt am 4. Mai 1866 in der Themse vor Deptford.
1853-1855 Geestemünde. Schau und Oltmanns bau-en ein Trockendock an der Geeste.
1853 Lehe: Bau des "Schwoonschen Was-serturms. Er wurde mehrfach umge-baut und blieb bis 1990 in Betrieb. Heute im Eigentum der "Nordsee-Zeitung".
1853 Lehe: In der Gemeinde wird ein erstes Krankenhaus, im Volksmund "Schin-derbude" genannt, mit acht Betten, acht Strohsäcken, drei Klosesseln, vier Leuchtern und einem Dutzend Tassen eingerichtet. 1859 entstand ein Neubau, den Schwarzwälder auch als "mangel-haft" bezeichnet. Das Hospital gab es noch im Jahre 1886.
1853 Lehe. In dem Ort erscheint der "An-zeiger für den Königlichen Oberge-richts-Bezirk Lehe". Das Blatt wird am 6. Juli 1853 in "Provinzial-Zeitung" umbenannt. Ab 1926 "Wesermünder neueste Nachrichten". 1941 eingestellt.
1853 Sandfeld: Bau eines Erdholländers, der zunächst nur der Entwässerug dient, später aber auch einen Mahlgang erhielt. 1921 abgebrannt.
1853 Brake: Erneute Cholerafälle in Brake. Diesmal isoliert man die Kranken auf dem Klippkanner Groden.
1853 - 1855 Abbehausen: Bau der festen Chaussee von Abbehausen nach Großensiel und von Ellwürden nach Esenshamm.
1853 - 1855 Stollhamm: Der Augustgroden wird ein-gedeicht. Letzte Landgewinnungs-Maß-nahme am Jadebusen. Mit den Deichar-beitern sickern - zum Ärger der Pas-toren - die ersten Baptisten in das Land ein.
1853 - 1859 Brake: Die Stadt ist Auswandererhafen.
1853 Oldenburg: Das Königreich Preußen will sich eine Flotte zulegen und zu diesem behufe an dem Jadebusen einen Stütz-punkt einrichten. Die Hohenzollern kau-fen deshalb dem Großherzogtum Olden-burg eine Fläche am Jadebusen ab. Die Transaktion erlaubt es dem kleinen Staat der Gottorps, die Bentincks finanziell abzufinden, so dass diese nun keine Ansprüche mehr auf Varel und Knip-hausen erheben können. Damit ist die territoriale Entwicklung des Großher-zogtums abgeschlossen. Ein Tausch des Jeverlandes gegen die Grafschaften Diepholz und Hoya, den Bismarck nach 1866 en pssant vorgeschlagen hatte, ohne die Idee nachdrücklich zu verfol-gen, kommt nicht mehr zustande.
  • 20. Juli 1853: Unterzeichnung des Jadevertrags zwischen dem König-reich Preußen und Großherzogtum Oldenburg, durch den Oldenburg eine Ecke am Jadebusen in der Gemeinde Heppens sowie ein Zip-fel Butjadingens auf dem gegenüberliegenden Ufer, das Kö-niglich-Preußische Jadegebiet, an Preußen abtritt, das hier einen Kriegshafen errichten will. Im Jah-re 1873 wird die Fläche noch einmal zugunsten Preußens erwei-tert.
  • 21. November 1853: Großherzog Nikolaus Friedrich Peter übergibt in Oldenburg dem Prinzen Adalbert die Besitzurkunde für das "preus-sische Jadegebietaus, das nun-mehr zum Königreich Preußen gehört.
  • 23. November 1853: Auf dem Fort Heppens, von dem nur noch die Wälle vorhanden sind, findet die feierliche Übergabe-Zeremonie statt. Der König von Preußen wird wieder von Prinz Adalbert vertre-ten, der Großherzog von Oldenburg durch den Minister v. Berg. Auf der Reede liegen die preußischen Kriegsschiffe "Danzig, eine Rad-Korvette, der Kriegsschoner "Hela", sowie die Avisos "Sala-mander" und "Nixe".
Das "preußische Jadegebietumfasst einschließlich Aussengroden und Was-serflächen 392,21 ha mit 19 Häusern und 109 Bewohnern auf der jeverländischen Seite des Jadebusens und mit einem Haus und acht Bewohnern in Butja-dingen. Die Annektion der wenigen Qua-dratmeter vor Eckwarden war deshalb wichtig, weil Preußen sich auf diese Weise die Hoheitsrechte über die ganze Zufahrt zu dem künftigen Kriegshafen sicherte.Im Jahre 1873 trat das Großherzogtum Oldenburg weitere 109 Hektar an Preußen ab. Das königliche Jadegebiet umfasste nunmehr 501,60 Hektar. Diese Grenze blieb bis 1937 bestehen. Der Platz am Jadebusen war für die Marine deshalb attraktiv, weil die Fahrrinne 10 Meter tief und etwa 800 Meter breit ist, also alle Schiffe, die damals die Weltmeere befuhren, aufneh-men konnte, zumal ein Tidenhub von (normalerweise) 3,60 Metern hinzu kam. Die Fläche des Jadebusens selbst war zwar im Vergleich zum Mittelalter sehr geschrumpft, betrug aber immer noch 190 Quadratkilometer. Das ergab jeweils einen enormen Ebbstrom, durch den das Fahrwasser der Außenjade ständig auf der gewohnten Tiefe gehalten wurde. Als schwierig erwies es sich jedoch, die nötigen Einfahrten in die erforderlichen Hafenbecken durch das dem Jadegebiet vorgelagerte Watt zu bauen, zumal man hier beim Bau der ersten Einfahrt (spä-ter Zweite Einfahrt benannt) auch noch die falsche Lösung wählte. Ein erster Vorschlag sah die Einfahrt dort vor, wo die Kriegsmarine später die "Raeder-Schleuseerrichten ließ, jedoch hat man diesen Plan damals verworfen.Der Hafen selbst nahm in dem folgenden halben Jahrhundert gigantische Ausmaße an - immerhin musste er zeitweilig (von 1914 - 1918) die zweitgrößte Kriegs-flotte der Welt aufnehmen. Im Jahre 1931 nahm er eine Fläche von rund 905,5 Hektar ein, davon 246,2 Hektar Wasserfläche und 695,3 Hektar Land. (Zum Vergleich: Der Hamburger Hafen bedeckte 1932 1661 Hektar, der von Bremerhaven 1922 Hektar, der Hafen von Bremen hatte nur 160 Hektar und der von Emden 155 Hektar). Die Kaimauern maßen in Wilhelmshaven eine Länge von 20,2 Kilometern.Rainer Halpaap urteilt über die weitere Entwicklung Wilhelmshavens: "So ent-standen innerhalb von sechzig Jahren in drei Abschnitten großzügige Werftanla-gen mit vollständiger Schiffbau- und Ausrüstungslogistik sowie eine für da-malige Verältnisse hochmoderne Stadt mit großzügigen Parkanlagen. Bis 1914 war alles komplett, ergänzt von weit-räumigen, baulich eindrucksvollen Ka-sernenquartieren. Architektonische Vor-bilder kamen vor allem aus Berlin, ergänzt durch Rückgriffe auf Renais-sance und Gotik bei Verwaltungsgebäu-den und Kasernen. Dies verlieh der Stadt besonderen Reiz und erweckte mit den in der Gründerzeit- und Jugend-stilarchitektur geschaffenen Wohnquar-tieren den Eindruck einer historisch gewachsenen Stadt, worüber landesweit berichtet wurde." (Dr. Rainer Halpaap: Die Ursprünge der Stadt Wilhelmshaven, 2001, S. 23)

Trotzdem bleibt Wilhelmshaven das ungeliebte Kind der Kaiserlichen Marine, denn die Flotte blieb weiter in Kiel stationiert, wo man ohne Schleusen aus-kam. Der Stützpunkt an der Jade war wichtig, weil hier auf der Kaiserlichen Werft Schiffe gebaut und repariert wur-den, außerdem lagen an der Jade Tor-pedoboote. Erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg war die Rede davon, dass eines der beiden Geschwader der "Zweiten Flotte(die nie gebaut wur-de) in Wilhelmshaven stationiert werden sollte, ansonsten war der Ort, wie das sozialdemokratische Volksblatt witzelte, ein Hafen ohne Schiffe. Nur einmal im Jahr kam Leben in die Jadestädte Wilhelmshaven und Rüstringen, denn nach den Manövern vor der norwe-gischen Küste erschien die ganze Kai-serliche Flotte auf Reede und Seine Majestät, Kaiser Wilhelm II., besuchte persönlich die Stadt. Dann strömten die Besucher von nah und fern herbei, um die Pracht zu bewundern - ansonsten war und blieb Wilhelmshaven tot, bis der Weltkrieg kam und der Hafen nunmehr alle 17 Linienschiffe des 1. und 3. Geschwaders (das 2. Geschwader lag in der Außen-Elbe) und die fünf Dick-schiffe der Aufklärungsgruppe aufnahm. Man stelle sich das vor: Fast 70.000 Offiziere, Deckoffiziere, Maate und Mannschaften lebten fern von ihrer Heimat in einer öden Stadt, die man nicht zu Unrecht als "Schlicktauverhöhnte, und die, in aller Regel einepfercht auf ihren Schiffen, bei einer immer schlechteren Versorgung zu einer vierjährigen Untätigkeit verdammt waren - das musste doch Konsequenzen haben. Und die traten denn ja auch im Oktober 1918 ein.

-1854-

1864, 13. 7. Frankfurt: Der Bundestag verpflichtet sämtliche Regierungen des Deutschen Bundes, innerhalb von zwei Monaten alle Arbeitervereine und -verbrüderungen, welche politische, sozialistische oder kommunistische Ziele verfolgen zu ver-bieten und Neubildungen solcher Orga-nisationen bei Strafe zu unterbinden. Der Beschluss ist für Bremen deshalb ohne Bedeutung, als in der Stadt eine solche Gruppierung zu der Zeit nicht besteht. der Verein "Vorwärts"(gegründet 1846) verfolgt jedenfalls keine der Ziele, die ein verbot hätten rechtfertigen können.
1854 Bremen: Die Altstadt erhält eine Gas-beleuchtung. Die erste Gasanstalt Bre-mens entsteht im Bereich der heutigen Theodor-Heuss-/Gustav-Deetjen-Allee. Sie wird 1901 nach Woltmershausen verlegt. Im Jahr 1855 wird auch die Neustadt versorgt. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Stadt durch 11.000 Gasflammen erleuchtet, aber es gab auch schon 440 elektrische Bogenlam-pen und 400 Glühlampgen. Im Krieg wurde dann die Gasbeleuchtug einge-stellt und nach dem Friedensschluss nicht wieder aufgeommen. Vielmehr stellte man jetzt auf Elektriizizäz um.
1854 Bremen: Ausbaggerung der Bürener Weser. Durch diese und andere Maß-nahmen beginnt der Versuch, die Unter-weser zu begradigen und zu vertiefen.
1854, 21. 2. Bremen: Die Bürgerschaft beschließt eine neue Verfassung, durch die ein Acht-Klassen-Wahlrecht eingeführt wird. Sie bleibt bis zur Revolution von 1918 in Kraft.
1854, 5. 11. Bremen: Die Börse am Marktplatz wird eingeweiht. Der Neubau verdrängt eine Reihe prächtiger Giebelhäuser und die Reste der mittelalterlichen Willehadikir-che. Das neugotische Gebäude - laut Schwarzwälder die "größte Sünde" des Architekten Heinrich Meyer - wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. An ihre Stelle trat die heutige Bür-gerschaft.
1854 Bremen: Carl Eduard Schünemann gibt die "Bremer Wöchentlichen Nachrich-ten" heraus, aus denen dann seit 1860 die "Bremer Nachrichten"werden. Seit 1870 ist Schünemann auch Eigentümer der Zeitung. 1934 wird sie mit der "Weser-Zeitung" vereinigt und dann 1944 eingestellt. Am 20. September 1949 ersceheinen die Bremer Nachrichten neu, müssen aber jetzt mit der übermächtigen Konkurrenz des "Weser-Kurierskämpfen, der sie 1974 übernimmt.
1854 Bremen. Gründung der Semannskasse zur Unterstützung der dienstuntaugli-chen Seeleute. Vorläuferin der heutigen Berufsgenossenschaft.
1854-1856 Bremen: Die Stephanikirche erhält einen neuen Turm. Der erste war 1754 abge-brannt.
1854 Hemelingen. Nachdem das Königreich Hannover dem Deutschen Zollverein beigetreten war, siedeln sich in dem Ort in rascher Folge Industriebetriebe an, während sich Hastedt, Sebaldsbrück und Arbergen zu Arbeiter-Siedlungen ent-wickeln. Die Gründe waren einmal die gute Anbindung an die Weser, dann die Möglichkeit, die fertigen Produkte rasch und bequem mit der Bahn ins Landes-innere transportieren zu können, und schließlich die Nähe des Freihafens, wo die Rohstoffe lagern konnten, bis man sie brauchte. In Hemelingen siedelten sich bis zum Ersten Weltkrieg u.a. an:
  • die Silberwarenfabrik M. H. Wilkens, gegründet 1810 in Bremen und 1859 nach Hemelingen verlegt,
  • Die Bremer Jutespinnerei und -weberei 1873,
  • die Hemelinger Actienbrauerei 1876,
  • die Hemelinger Dampfziegelei 1898 (1959 gelöscht),
  • Eisengießerei Gebrüder Klencke 1913
1854 Farge: Der bremische Kaufmann W. A. Fritze gründet - gemeinsam mit ande-ren Kapitalgebern - in Farge die Stein-gutfabrik Witteburg AG. Die ersten 150 Arbeiter des Unternehmens mussten aus England und Sachsen angeworben wer-den, weil sich in Norddeutschland nicht die nötigen Fachleute fanden. Die Fabrik, die seit 1918 zur Nordeutschen Stein-gutfabrik gehörte, arbeitete bis 1953 und wurde 1958 abgerissen.
1854 Neu-Rönnebeck: Claus Dierks gründet mit zwei Kompagnons auf seinem Grundstück eine Werft, die bis 1870 34 Schiffe und Boote, darunter ein Voll-schiff (1864), baut.
1854-1856 Bremerhaven. Bau des Leuchttumrs an der Einfahrt zum Neuen Hafen.
1854 Brake: Gründung einer Methodisten-Gemeinde. Sie erhält 1889 eine Kapelle.
1854 Wittmund. An der Ecke der (heutigen) Bach-/Holbeinstraße wird ein Gallerie-Holländer errichtet. Sie wurde bis zum Ersten Weltkrieg betrieben und danach abgebrochen, weil der letzte Müller gefallen war.
1854 Stollhamm: Bau eines Buschdamms zu den Oberahneschen Feldern. Die Inseln sollen gesichert und später eingedeicht werden, was, wenn es geschehen wäre, vermutlich das Ende des Jadebusens bedeutet hätte. Dagegen wehrt sich Preußen, das Wilhelmshaven nicht aufgeben will, und verlangt 1875, dass der Buschdamm abgebrochen wird. Da Oldenburg sich weigert, bringt die königliche Regierung am 15. Dezember 1874 den Entwurf eines Reichskriegs-hafens-Gesetzes in das Parlament ein, das 1881 verabschiedet wird. Daraufhin gibt die oldenburgische Regierung am 28. August 1882 den Durchschlag auf. Die Oberahneschen Felder sind damit dem Untergang geweiht sind. Die letzten Reste verschwinden, als in Wilhelmsha-ven die Vierte Einfahrt gebaut wird.
1854, 30. 10. Großensiel: Bauern aus Butjadingen und Stadland gründen eine eigene Reederei, um den Export von Schlachtvieh in die eigenen Hände zu nehmen. Sie kaufen 1855 einen Schraubendampfer von 520 Tonnen, den sie "Butjadingennennen. Aber dieser Versuch, nach der Produktion auch die Vermarktung des Vieh in die eigenen Hände zu nehmen, scheitert, aus Gründen. Das Schiff geht jedenfalls im Jahr 1857 verloren und wird nicht ersetzt, weil die Robinson-Linie niedrigere Preise anbieten kann und weil später der Norddeutsche Lloyd in das Geschäft einsteigt, gegen den die Bauern natürlich keine Chance haben.
1854 - 1856 Langwarden: Bau des LeuchtturmsHoher Weg"
1854 Oldenburg: Das Großherzogtum Olden-burg schließt sich dem Deutschen Zoll-verein an. Varel ist zu dieser Zeit das Industriezentrum des Landes: Von den 20 Dampfmaschinen, die im Staat vor-handen sind, stehen 13 in Varel. 30 Betriebe beschäftigen insgesamt 1000 Arbeiter.
1854 Varel: Die Stadt wird zu einer Art "Oberzentrum" Butjadingens und des Jeverlandes. Besonders der neue Hafen am Jadebusen sorgt für eine Entwicklung des Ortes. Hinzu tritt die industrielle Entwicklung der Friesischen Wehde, wo insbesondere Backsteine gefertigt wer-den, die man im Vareler Hafen ver-schifft. Überdies gründet 1854 Christian Schwoon im Vareler Hafen eine Werft. Das Unternehmen stellt 1887 seine Tätigkeit ein. Außerdem entsteht in diesem Jahr die "Jade-Dampfschif-fahrts-Aktiengesellschaft", die mit dem Dampfschiff "Tauruseinen regel-mäßigen Liniendienst zwischen Varel und England unterhält, was jedoch nicht lange lukrativ ist. 1863 wird das Schiff verkauft und die Aktiengesellschaft aufgelöst. Die "Taurussinkt 1876.
1854 Varel. Der Bentincksche Erbstreit im die Herrschaft in Varel und Kniphausen wird durch einen Vergleich zwischen dem Großherzogtum Oldenburg und der Familie Bentinck abgeschlossen. Damit wird ein absurder Rechtsstreit beendet, der in dem unsinnigen Testaments des Grafen Anton Günther, das 1673 in Kraft trat, seinen Ursprung hatte. Weil dieser "Landesvater" zum Schaden seines Staates seinen illegitimen Sohn mit einer eigenen Herrschaft ausstatten wollte, wies er ihm Kniphausen und Varel zu und sorgte so für eine Zersplitterung des Besitzes, die erst 200 Jahre später unter hohen Kosten beendet werden konnte.
1854 Varel: Die Insel Wangerooge wird in den Jahren 1854 und 1855 durch Sturmfluten so gründlich zerstört, dass die Bewohner nach Varel übersiedeln, wo sie am Hafen die Siedlung "Neu-Wangeroogegründen. Bereits die Sturmfluten vom 18. und 25. Februar. 1854 brechen tiefe Breschen in den Dünenwall. Zu Weihnachten 1854 zerstört die See die Dünen beim Westturm und beim Leuchtturm. Zwei Häuser und das neue Badehaus stürzen die Abbruchkante hinab ins Meer. All diese Schäden werden noch übertroffen durch die Neujahrsflut am 1. und 2. Januar 1855. Am Jadebusen wird ein Pegelstand von 5,35 m über NN. Das bedeutete den Untergang von Alt-Wangerooge. Genau genommen handelt es sich um das zweite Dorf dieses Namens - das erste lag sehr viel weiter südlich und ist bereits vor Jahrhunderten vergangen. Nun bricht die See erneut durch die Dünen. Von 73 Wohnhäusern auf der Insel werden 21 zerstört, die übrigen waren mehr oder weniger schwer beschädigt. Der bisherige Friedhof muss aufgegeben werden. Ein neuer wird im Osten der Insel angelegt, woraus man schließen kann, dass die Wangerooger immer noch bleiben wollen, auch wenn die Lage verzweifelt ist. Der Schul-unterricht findet jetzt im Westturm statt und zwar in dem Raum über der Kirche. Etwa 80 Familien, darunter 29 Witwen, haben keine Nahrung mehr, zumal die Gärten verdorben sind. Nach dieser Katastrophe setzt ein harter Frost ein, der bewirkt, dass das Festland acht Wochen lang nicht erreicht werden kann. In Oldenburg kommt man zu dem Schluss, das Wangerooge aufgegeben werden muss: Am 25. Juni 1855 wird den Familien geraten, auf das Festland überzusiedeln. Das Badeinventar, so weit noch vorhanden. wird versteigert.

-1855-

1855, 1. 1. -2. 1. Neujahrsflut: Bei Bremen brechen der Wümme-Deich bei Borgfeld und der Lesum-Deich bei Burg und Lesumbrok.
1855, 9. 3. Lesumbrok: Erneuter Deichbruch
1855 Bremen: Gründung der Realschule in der Altstadt.
1855 Burg: Deichbrüche bei Burg, Lesumbrok und Borgfeld.
1855 Wulsdorf. Bau der Windmühle. 1970 ab-gebrochen.
1855 Geestemünde. Tecklenborg baut das König-Georgs-Dock.
1855 Atens: In der Gemeinde bestehen eine Ziegelei und eine Käsefabrik.
1855, 13. 6. Nordenhamm: Auf dem Hof Nordenhamm wird eine Telegraphenstation eingerich-tet.
1855 Brake: An der Unterweser streiken die Schiffszimmerer. Über das Ergebnis ist nichts bekannt.
1855 Esenshamm: Die Zahl der Ziegeleien in der Gemeinde hat sich auf drei erhöht.
1855, 22. 4. Bremerhaven: Einweihung der "Großen Kirchein Anwesenheit von Bürger-meister Johann Smid. Der Turm wurde erst 1870 fertig. Der Architekt war Simon Looschen. Die Kirche wurde 1908 umgestaltet. Am 18. September 1944 brannte die Kirche bei dem Angriff auf Bremerhaven aus, aber der Turm blieb stehen. Der Wiederaufbau war 1960 abgeschlossen

-1856-

1856, 1. 4. Bremen: Heinrich Curth, ein Schüler Carl Loewes, gründet den neuen Domchor. Ein Jahr später, im Jahr 1857, findet das erste Konzert statt, zu dem 1500 Zuhörer herbeiströmen.
1856 Bremen. Auf der Domsheide wird ein Denkmal errichtet, das an den Schwe-denkönig Gustav Adolf erinnerte. Die Plastik wurde in München gegossen, aber das Schiff, das die Plastik nach Schweden bringen sollte, strandete bei Helgoland. Damit war es "Strandgut" und wurde von den Helgoländern nach Bremen verkauft. Das Bronzedenkmal wurde im Zweiten Weltkrieg einge-schmolzen.
1856 Bremen: Einige Bürger schenken der Stadt die von Carl Steinhäuser geschaf-fene Marmor-Vase, die seither in den Wallanlagen beim Herdentor steht. Sie zeigt den Umzug einiger fetter Ochsen, die alljährlich während des Freimarktes zum Besten des Krankenhauses im Kloster der Grauen Mönche verlost wur-den. Der letzte Umzug fand 1876 statt. Die Verlosung wurde 1896 eingestellt.
1856 Bremen: Im Haus Obernstraße 60 wird das erste Ladengeschäft eingrichtet, das auch ein Schaufenster besitzt, und so als ein solches von außen erkennbar ist. Im Haus Nr. 80 hatte sich bereits 1811 ein Schlachter niedergelassen, aber das Geschäft war nach außen hin nicht zu erkennen.
1856, 13. 4. Bremen: Gründung des Künstlervereins in Hillmanns Hotel. Im Jahre 1857 er-wirbt der Verein das Kapitelhaus am Dom samt der "Glocke(wonach dann in Zukunft der Gebäudekomplex heißen sollte). Das Haus wurde ab 1869 gründlich umgestaltet.
1856 Bremen. Bau des "Landherrenamtes". Hier hatte die Behörde ihren Sitz, die das Bremer Umland, das damals noch in Gemeinden gegliedert war, verwaltete. Heute werden in dem Haus kinder unterrichtet.
1856 Blumenthal: Harm Havighorst gründet gemeinsam mit einem Compagnon eine Werft, die bis zum 31. Dezember 1959 besteht. Sie baut vor allem Rettungs-boote für Passagierdampfer.
1856 Lobbendorf: Der Kaufmann Johann Peter Menck erhält die Erlaubnis, in Lobben-dorf an der Weser eine Werft einzu-richten, auf der von 1857 bis 861 sechs Schiffe gezimmert wurden. Dann gab Menck den Schiffbau auf.
1856 - 1857 Bremerhaven: Bau der neuen Geeste-brücke. Sie wird am 8. Januar 1857 eingeweiht. Im Jahre 1813 bestand be-reits eine Holzbrücke, die damals Gees-tendorf mit Lehe verband.
1856 Geestemünde: Ein erster Versuch von August Pagel, einen Arbeiterbildungs-verein zu gründen, scheitert. Immerhin zeigt das Unternehmen aber, dass das Proletariat beginnt, sich zu organisieren.
1856 Wulsdorf. Bau der Brakhahnschen Mühle.
1856 Fedderwardersiel: Der Hafen erhält we-gen der hier stationierten Lotsen eine Telegraphenstation.
1856, 1. 10. Brake: Der optische Telegraph wird überflüssig, da zwischen Bremen und Bremerhaven eine elektrische Telegra-henverbindung besteht. Der Turm an der Kaje bleibt aber stehen und dient ver-chiedenen Zwecken, bis das Braker Schifffhrtsmuseum in ihm eingerichtet wird.
1856 Brake: Die Brüder Johann Rudolph Strenge und Anton Dietrich Strenge be-antragen die Erlaubnis in Hammelwarden eine Werft einrichten zu dürfen. Sie bauen von 1857 bis 1862 11 Schiffe. Von 1863 führt Johann Rudolph Strenge das Unternehmen allein weiter, muss aber, nachdem er noch vier Boote erstellt hat, Konkurs anmelden. Das Gelände übernimmt Karl Gross.
1856 Brake: Gründung des "Braker Wochen-atts. Ab 1867 "Weserbote
1856 Elsfleth: Martin Willers gründet in Lie-nen eine Werft, die bis 1866 sieben Schiffe abliefert.
1856 Lemwerder: Hinrich Haase gründet die Segelmacherei und Tauwerksfabrik in Deichshausen. Der Sohn verkauft die Fabrik an den Konzern Felten und Guilleaume, die den Betrieb 1910 schließt. Beginn der Industrialiserung der Ortsschaft Lemwerder.
1856, 1. 5. Elsfleth/Varel: Die Flecken Elsfleth und Varel sowie die Ortsgemeinde Brake werden zu Städten "II. Klasse" er-hoben.
1856, 4. 11. Elsfleth: Der Schmiedemeister Gerhard Friedrich Stindt stellt den Antrag, in Elsfleth eine Werft einrichten zu dürfen, der auch genehmigt wurde. Stindt baute bis 1867 11 Schiffe, dann wurde das Grundstück von Friedrich Gerhard Deetjen erworben, der darauf weitere 14 Segler zimern ließ. Danach wurden auf dem Platz Schiffe abgewrackt, das letzte, so weit feststellbar, im Jahre 1920.
1856, 1. 10. Wangerooge: Auf dem neuen Leuchtturm wird das Feuer angezündet. Der alte Leuchtturm, auf dem das Feuer am 30. September 1856 für immer erloschen war, stürzt am 9. März 1859 in sich zusammen, da die Fundamente unterspült worden waren.
1856 Horumersiel: Der Ort entwickelt sich zum Badeort. Im Jahre 1900 wird der Badeverein Horumersiel/Schillig ge-gründet.
1856 Schillig: Mehrere Badekarren von Wan-gerooge werden bei Schillig aufgestellt. Damit beginnt der Badebetrieb an die-sem Ort. Einige der Gäste, die sich so-gleich einfinden, wohnen auch in Ho-rumersiel.

-1857-

1857, 20. 2. Bremen: Gründung des Norddeutschen Lloyd. Er geht aus der Fusion von vier bereits bestehenden Reedereien hervor. Ihr Gründer ist Hermann Henrich Meier genannt H. H. Meier. (1809 - 1898). Meier war eine der bemerkenswertesten Unternehmer-Persönlichkeiten der Han-sestadt Bremen, der nicht nur den Norddeutschen Lloyd an die Weltspitze führte, sondern auch die Bremer Bank gründete. Die neue Reederei setzt von vorneherein Schraubendampfer ein. Be-reits am 12. Juni 1858 traf als erster Lloyd-Dampfer (Stapellauf am 1. Februar 1858) die in England gebaute, nur 2.756 BRT große "Bremen" in Bremerhaven ein - das erste von fünf Lloyd-Schiffen, das diesen Namen trug. Sie war am 1. Juni 1858 in Dienst gestellt worden Das Schiff eröffnet am 19. Juni 1858 den Liniendienst mit den USA. Ihr folgen die "New York, "Hudsonund die "Weser. Die An-fänge des Transatlantikverkehrs standen unter einem schlechten Stern. Von den vier Dampfern des Norddeutschen Lloyds fallen zwei sofort aus: Die "Hudsonbrennt am 2./3. 11. 1858 in Bremerhaven bis zur Wasserlinie aus. Das Wrack wurde verkauft. Die "We-serwurde bei einem Sturm schwer beschädigt und musste für lange Zeit in die Werft. Auch sie wurde bereits 1859 verkauft. Auf der "Bremenbrach schließlich die Kurbelwelle. Die Repa-ratur dauerte ein halbes Jahr. Nur die "New Yorkblieb von der Pannenserie verschont, aber 1861 waren wieder vier Dampfer auf der Nordtalantikroute im Dienst, so dass der Norddeutsche Lloyd einen vierzehntätigen Fährdienst über den Atlantik anbieten konnte, wobei eine Überfahrt von Southhampton nach New York damals 12 Tage dauerte. Im Jahre 1863 zog der Norddeutsche Lloyd auch vom Ufer des Hudson nach Hoboken um. Von nun an ging es ständig bergauf bis Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1914 den Ersten Weltkrieg auslöste und damit auch dem Norddeutschen Lloyd das Rückgrat brach. Seit 1881 setzt der Lloyd sog. "Schnelldampferein, von denen einige das Blaue Band erringen, das das jeweils schnellste Schiff auf dem Nordatlantik zugesprochen erhielt. Ab 1883 ging wöchentlich ein Passagier-dampfer von Bremerhaven nach New York ab. Die Frequenz steigerte sich ab 1890 dergestalt, dass zu den Hauptreisezeiten wöchentlich drei Schiffe abfuhren. Als der Norddeutche Lloyd im Jahre 1907 sein 50jähriges Jubiläum feierte, fuhren unter seiner Wappenzeichen, einem Kreuz, gebildet aus Anker und Bremer Schlüssel, 57 seegehende Dampfer (1909 waren es schon 81), 51 kleinere Schiffe im Küs-tenverkehr, 53 Flussdampfer, Bäder-schiffe und Schlepper sowie zwei Segel-schulschiffe. In den Diensten der Ree-derei standen 22.000 Menschen, von denen 12.000 eingeschifft waren. Legendär waren damals die Schnell-dampfer, die zwischen Bremerhaven und New York hin- und herpendelten, von denen "Kaiser Wilhelm der Große" (28.000 BRT) im Jahre 1898 und "Kronprinz Wilhelm" (35.000 BRT) im Jubiläumsjahr 1907 das Blaue Band als schnellste Schiffe im Nord-Atlantik-Verkehr errungen haben. "Kaiser Will-helm II.(43.000 BRT) und "Kronprin-zessin Cecilie" ( 45.000 BRT) waren die jüngsten und größten Passagier-schiffe des Norddeutschen Lloyd, die den transatlantischen Fährverkehr von Bremerhaven nach New York besorgten. Mit dem von Kaiser Wilhelm angezettel-ten Ersten Weltkrieg war es mit der Pracht vorbei, aber in den zwanziger Jahren meldete sich der NDL mit der "Columbusund vor allem mit der "Bremenund "Europazurück. Aber auch dieser Aufschwung endete bereits mit den Regierurngsantritt Hit-lers und dann mit dem Zweiten Welt-krieg. In der nachfolgenden Aufbauphase trat das Flugzeug an die Stelle der großen Passagierdampfer und im Jahre 1970 war die Geschichte der bremischen Reederei zu Ende: am 1. September dieses Jahres fusionierte sie mit der großen Konkurrentin, der Hapag, zu Hapag-Lloyd. Es blieb noch die Lloyd-Werft, die von sich reden machte, als sie 1987 die "Queen Elizabeth II." in Rekord-Zeit überholte.
1857- 1860 Bremen. Bau des Weserbahnhofs. Damit ist der Umschlag vom Gleis zum Schiff (und umgekehrt) möglich.
1857 Oberneuland: Gründung des Männer-gesangvereins Oberneuland.
1857 Bremerhaven: Der Norddeutsche Lloyd gründet die NDL-Werftbetriebe, aus denen 1863 die Lloyd-Reparaturbetriebe in Bremerhaven hervorgehen. Im Jahre 1984 werden sie mit dem Bremer Vulkan vereinigt.
1857 Geestemünde. Die Schiffszimmerer und die übrigen Arbeiter auf den Werften von Tecklenburg sowie Schau & Olt-manns streiken, um Lohnkürzungen ab-zuwehren. Außerdem wollten sie eine Frühstückspause behalten. Der Ausstand der rund 120 Arbeiter dauerte nur weni-ge Tage. Das Ergebnis ist offenbar nicht bekannt.
1857 Geestemünde. Rickmers weicht von Bremerhaven in die hannöversche Nach-bargemeinde aus und baut eine neue Werft auf der Geesthelle, die daraufhin von Lehe nach Geestemünde eingemeindet wird. Grund: Platzmangel. Bau des Haupttors zum Gelände der Werft, das nach dem Untergang des Unternehmens erhalten blieb.
1857-1863 Geestemünde: Bau des Handelshafens. Die Investition erwies sich als notwendig, weil der bisherige Hafen hervorragend angenommen worden war. Im Jahre 1850 wurde er von 105 Seeschiffen angelaufen. Im Jahre 1866 waren es bereits 462 Einheiten. Sie brachten Reis, Holz, Kohle und vor allem Petroleum Das neue Becken erhält eine Schleuse, die es mit der Geeste verbindet (und die 1930 zugeschüttet wurde, wobei die Kammer als Dock weiter genutzt werden konnte) und einen Eisenbahnanschluss. 1876 wurde der neue Petroleumhafen eingeweiht, der um 1890 seinen Höhe-punkt erreichte und 1905 endete. Der Teil des Hafens wurde 1906 an die See-beckwerft verkauft. 1877 entstand der Holzhafen, der heute zugeschüttet ist. Ein Rest wurde zu einer gärtnerischen Anlage ausgestaltet.
1857/58 Flethe: Hinrich Behnken legt neben dem Müller-Loch einen Schiffsbauplatz ein, auf dem er wahrscheinlich nur Boote re-parierte.
1857 Neu-Rönnebeck: Die Brüder Johann und Hinrich Christoffers richten in Neu-Rönnebeck eine Werft ein, auf der bis 1872 insgesamt 15 Schiffe gebaut werden. Auf dem Platz wurde bis 1885 Schiffbau betrieben.
1857-1863 Geestemünde: Bau des Handelshafens. Das neue Becken erhält eine Schleuse, die es mit der Geeste verbindet (und die 1930 zugeschüttet wurde, wobei die Kammer als Dock weiter genutzt werden konnte) und einen Eisenbahnanschluss. 1876 wurde der neue Petroleumhafen eingeweiht, der um 1890 seinen Höhe-punkt erreichte und 1905 endete. Der Teil des Hafens wurde 1906 an die See-beckwerft verkauft. 1877 entstand der Holzhafen, der heute zugeschüttet ist. Ein Rest wurde zu einer gärtnerischen Anlage ausgestaltet.
1857, 1. 11. Atens: Vor dem Gut Nordenhamm ist ein alter Heringslogger verankert worden, der nun als Pier dient, von dem aus die Schiffe beladen werden, die das Vieh nach England transportieren. Als erster Dampfer macht die "Adlerdes Norddeutschen Lloyds daran fest. Die Reederei kümmert sich seit dem 1. Januar 1857 um den Vieh-Export in das Vereinigte Königreich. Die Geschäfte florieren übrigens bis 1876, also zwanzig Jahre lang, und finden dann sehr abrupt ein Ende, wobei die Gründe nicht ganz klar sind. Immerhin kann sich Norden-ham rühmen, die einzige bäuerliche Stadtgründung Deutschlands zu sein. Agent des Norddeutschen Lloyds ist natürlich Wilhelm Müller, der deshalb auch zu Recht als Gründer der Stadt Nordenham in die Geschichte einge-gangen ist, auch wenn man der Kor-rektheit halber hinzufügen muss, dass es Nordenhamm zu seiner Zeit nur zu einer Ortsgenossenschaft der Gemeinde Atens gebracht hat. Zur Stadt wurde Norden-ham erst, nachdem die beiden Vinnen aus Bremen die Industrie in den Ort gebracht hatten. Noch etwas sei ange-merkt: Die Gemeinde, aus der Norden-ham hervorging, hieß Atens, aber diesen Namen gab man auf, als der Ort 1908 die Stadtrechte erhielt. Dieser Traditions-bruch wiederholte sich, als 1933 Blexen ein Gemeinde wurde. Die Verwaltungs-beamten wussten nicht, dass Norden-hamm einmal nichts weiter als ein Hof in der Gemeinde Atens und diese ein Teil der Vogtei Blexen war. Als sie über den Namen der Stadt entschieden, richteten sie sich danach, wo die größte Finanz-kraft steckte - und das im Jahre 1933 war der Hafenbezirk, also Nordenham.
1857 Ovelgönne: Bau des Galerie-Holländers. Der Mühle mussten nach einem Sturm am 10. August 1925 die Flügel abge-nommen werden. Seit 1956 liegt der Betrieb still. Danach verschwanden auch Kappe und Galerie.
1857 Kopenhagen: Der Sundzoll wird aufge-hoben.
1857 Varel: Die Stadt wird Sitz eines Obergerichts (das bis dahin in Neuen-burg zu Hause war). 1879 regelt ein Reichsgesetz die Gerichtsverfassung mit der Folge, dass das Obergericht Varel aufgehoben wird
1857 Oldenbrok: Die Bockwindmühle im Ol-denbroker Feld (am Mühlenhellmer) wird abgebrochen. Die Mühle ist insofern von Bedeutung, als sich ihre Geschichte, wenn man einige Vermutungen zulässt, bis in das 13. Jahrhundert zurückver-folgen lässt. Ursprünglich soll sie näm-lich in der Nähe der Kirche von Liene-brok gestanden haben. Natürlich handel-te es sich nicht um die Bockwindmühle, die 1857 abgerissen wurde, denn sie soll zumindest einmal abgebrannt sein, wur-de dann aber wieder aufgebaut. Was tradiert wurde, war nicht die konkrete Mühle, sondern das Recht, eine solche zu betreeben.
1857, 1. 1. Nordenhamm. Dampfer des Norddeut-schen Lloyds legen am Ochsenpier vor dem Gut Nordenham an.
1857 Oberhammelwarden: Christian Friedrich Menke, Aeucke Pay Botter und Hermann Reines gründen an der Weser eine Werft, die bis 1863 11 Schiffe baut. Nachdem Reiners gestorben ist, führen Menke und Botter das Unternehmen weiter und zimmern weitere acht Segler. Schließlich blieb Botter übrig. Er hat noch sieben Neubauten in Fahrt ge-bracht. Das Unternehmen endete durch Bankrott.
1857 Brake: Johann Friedrich Addicks gründet in Klippkanne eine Werft, die bis 1865 besteht. Sie baut einen Schoner, eine Tjalk und fünf Weserkähne.

-1858-

1858 Bremen. Der Senat erlässt ein Gesetz, durch das im Blockland ein Entwässe-rungsverband gegründet wird. Die Maß-nahme war notwendig, weil sich das Flussbett der Wümme seit 1800 ständig erhöhte, so dass immer wieder Über-schwemmungen eintraten. Da das Gebiet seit 1803 bremisch ist, muss die Obrig-keit also tätig werden und die Entwäs-serung besser als bisher organisieren. Im Jahre 1864 wird die Entwässerungs-anstalt im Blockland eröffnet, die das Land zwischen Wasserhorst und Burg trocken legen soll, was in den Sommer-monaten auch gelingt. Im Winter hinge-gen werden die Wiesen immer noch überschwemmt.
1858 Bremerhaven. Der Neue Hafen wird erweitert.
1858, 1. 9. Geestemünde: Die "Geestemünder-Geestendorfer Sparcasse" öffnet in einem Zimmer der Gemeindeverwaltung von Geestendorf ihren Schalter. Sie zieht 1877 in das neue Rathaus der Gemeinde Geestendorf (Georgstr. 77) um und verbleibt dort bis 1917. Erst dann erhält die Sparkasse ein eigenes Haus.
1858/59 Blexen: Die oldenburgische Regierung lässt eine Schlenge durch die "Kleine Weservon Volkers zum Langlütensand schlagen, um so die eigenen Besitzan-sprüche gegen Forderungen der Regie-rung in Hannover zu unterstreichen. Da-mit wird die direkte Verbindung zwi-schen Fedderwardersiel über Tettenser-siel nach Blexen zunehmend behindert, weil der Seitenarm des Stromes unter dem Butjadinger Ufer zuschlickt.
1858 - 1862 Abbehausen: Die aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts stammende Kirche wird bis auf die Höhe von zwei Metern abge-rissen und dann im Jahre 1862 neu auf-gebaut, so dass faktisch ein neues Ge-bäude im Stil des 19. Jahrhunderts ent-steht, jedoch unter weitgehender Ver-wendung des alten Materials. Dabei blieb zunächst die Arp-Schnitger-Orgel, die dieser von 1710 bis 1713 erbaut hatte, erhalten, wurde jedoch durch den Orgel-bauer Schmid III im Jahre 1913 durch einen Neubau ersetzt. Der Wilhelmsha-vener Orgelbauer Alfred Führer stellte 1963 die alte Disposition wieder her. Der barocke Prospekt blieb erhalten. Das Altarbild malte 1863 August tom Dieck im Stil der Nazarener. Der Taufstein von Münstermann aus dem Jahre 1628 steht noch heute in der Kirche. Hinzu kamen Glasfenster von Georg Karl Rohde im Jugendstil, die vor dem Ersten Weltkrieg eingebaut wurde. Sehenswert sind ferner zwei Grabplatten von 1558 und 1638. Eine Glocke aus dem Jahre 1695 überstand beide Weltkriege, eine zweite kam 1971 dazu. Die Abbehauser Kirche ist für die oldenburgische Landeskirche deshalb von Bedeutung, weil sie das vermutlich bedeutendste sakrale Kunstwerk der Moderne im Bereich dieser Institution birgt, nämlich den Flügelaltar von Erich Klahn, Celle, und Heinrich Dose, Lübeck, der am 29. Juli 1951 von Bischof Wilhelm Stählin der Gemeinde übergeben wurde. Hier wirkten - neben den beiden Künstlern - zwei bedeutende Persön-lichkeiten der oldenburgischen Landes-geschichte zusammen, nämlich zum einen besagter Landesbischof Stählin und dann der letzte oldenburgische Mi-nisterpräsident, Bauer Theodor Tantzen, der in Abbehausen-Heering seinen Hof hatte, und der hier sozusagen sein geis-tiges Vermächtnis hinterließ.
1858, 12. 6. Stollhamm: Gründung des Amtes Stoll-hamm, zu dem auch die Gemeinden Ab-behausen Atens und Blexen gehören. Der Amtssitz bleibt in Ellwürden. Esens-hamm wird zum Amt Ovelgönne geschla-gen.
1858 Ovelgönne: Das Amt zieht nach Brake um. Damit versinkt das ehemalige Ver-waltungszentrum der mittleren Weser-marsch in die Beschaulichkeit des Dorf-lebens.
1858-1861 Brake: Der Hafenbau beginnt. Das alte Außentiefs des Braker Siels wird als Becken genutzt. Am 29. Oktober 1861 wird die Schleuse fertig, die jedoch keine Kammer erhält, so dass sie Schiffe nur dann passieren können, wenn das Wasser der Weser genau so hoch ist wie das im Hafen selbst, was in jenen gemächlichen Zeiten offenbar genügte. 1876/77 Hafenkanal ("Kaiserhafen") Der Durchstich und damit die Fertigstellung erfolgte am 23. November 1877.
1858, 9. 4. Brake: Rat und Magistrat fordern die Einrichtung einer höheren Bürgerschule. 1907 Gründung einer Realschule, aus der dann das Gymnasium hrvorgeht, auf dem am 22. 3. 1922 die erste Reife-prüfung abgelegt wird.
1858 Fünfhausen: Gründung der Werft von Frerich Schweers & C. Das Unterneh-men baut nur fünf Boote und gibt schon 1859 wieder auf.
1858 Varel: Katholische Kirche an der Oster-straße.
1858 - 1870 Wilhelmshaven. Erster Ausbau des preußischen Kriegshafens. Bis 1864 wird der Hafenkanal gegraben, dazu schüttet man Deiche zum Schutz der Anlagen auf. Die Arbeiten werden 1858 durch eine Sturmflut verzögert. Am 2. April 1870 wird der Hafenkanal geflutet. Zu Beginn des deutsch-französischen Krieges am 15. Juli 1870 ankert das preußische Geschwader unter Admiral Prinz Adalbert von Preussen mit dem Panzerfregatten "König Wilhelm", "Kronprinz", und "Friedrich Karl" sowie den Avisos "Grille" und "Preussischer Adler" auf der Reede. Am 22. November 1870 wird die erste Einfahrt (später "Zweite Einfahrt") in Betrieb genommen. Als erstes Schiff läuft die Schraubenfregatte "Elisa-bethin den Kanal ein. Am 23. Dezem-ber 1870 folgt die Panzerfregatte "Kö-nig Wilhelm, die dringend überholt werden musste. Dabei erweist sich, dass die erste Einfahrt schon jetzt zu klein dimensioniert war.
1858 Jever: "Bethaus" der Baptisten. Die ersten drei Baptisten der Stadt ließen sich 1837 taufen.
1858 Wangerooge: Nicht alle Wangerooger haben aufgegeben: Die Insel hat 121 Bewohner und 31 Häuser. Auf der Insel weiden 1859 nur noch zwei Kühe und einige Schafe.
1858, 1. 5. Oldenburg: Die Amtsbezirke im Herzog-tum Oldenburg werden neu organisiert. Die Wesermarsch gliedert sich in die Ämter Butjadingen, Brake und Elsfleth. Ovelgönne verliert den Sitz der Amts-verwaltung, der nun nach Brake verlegt wird.
1858, 1. 11. Oldenburg: Im Herzogtum Oldenburg treten das neue Gerichtsverfassungsge-setz und das Gesetz über die Neubildung der Ämter in Kraft. Verwaltung und Justiz werden (endlich!) voneinander ge-trennt. Damit wird ein Zustand wieder hergestellt, der in der Franzosenzeit schon einmal bestand, aber von Peter Friedrich Ludwig rückgängig gemacht wurde.

-1859-

1859 Bremen. Gründung des späteren "Kip-penberg-Gymnasiums".
1859 Bremen. Gründung der "Bremer Turn-Gemeinde (BTG). Sie besteht noch im Jahre 1959.
1859-60 Oberneuland: Die Kirche, die Johannes dem Täufer geweiht war und aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts stammt, wird abgerissen und durch einen Neubau im neugotischen Stil ersetzt. Die Namen "Overnigeland, Rocwinkel, Osterholt und Varholtfinden sich 1181 zum er’s-ten Mal in einer Urkunde.
1859, 2. 10. Blumenthal: Bischof Eduard Jakob weiht die erste katholische Kirche in Blumen-thal. Es handelt sich um einen beschei-denen neugotischen Bau, der der "Un-befleckten Empfängnis Mariens" ge-weiht ist. Am 2. November 1859 wird die bisherige Mission in eine Pfarre umgewandelt. Ihr Name: Parochia Beatae Mariae Virginis Blumenthal. Anfangs gehörten 229 Katholiken zu dem Seelsorgebezirk, aber die Zahl stieg mit dem Anwachsen der Bevölkerung Blumenthals ab 1884 an, vor allem weil Arbeiter aus Polen zuströmten, für die zeitweilig ein polnischer Pater einge-stellt wurde.
1859 Grohn: Wahrscheinlich auf dem still-liegenden Werftplatz Lamcken werden bis 1863 insgesamt sieben Holzschiffe und -kähne gebaut.
1859 Farge. Gründung des Gesangvereins "Orpheus". Er besteht noch 1959.
1859 Geestemünde: Die ersten Petroleumlie-ferungen treffen an der Unterweser ein.
1859, 12. 5. Geestemünde. König Georg von Han-nover besucht den neuen Hafen Geeste-münde.
1859, 6. 4. Lehe: Die Leher Sparkasse eröffnet ih-ren Betrieb. Sie hat ihren Sitz an der Johannesstraße.
1859, 1.5. Brake: Gründung der ev.-luth. Kirchen-gemeinde Brake.
1859 Brake/Elsfleth: Die oldenburgische Han-delsflotte umfasst fünf Vollschiffe und 31 Barken. Die Oldenburgische Reede-rei-Gesellschaft, Brake, (gegründet 1856) verfügte 1858 über 13 Schiffe, die "Oldenburgisch-Ostindische Reederei, Brake, (gegründet 1856), über fünf Schiffe. Die Visurgis AG in Oldenburg hatte 1860 12 Schiffe in Fahrt. Die Zeit der Holzschiffe ging jedoch nach 1876 zu Ende. Im Jahre 1913 waren in den Häfen des Großherzogtums nur noch zwei Barken beheimatet.
1859 Brake: Robert Williams aus Boitwarden und Johann Heinrich Arnold Hespe aus Brake gründen am Weserufer in Nord-brake ein Unternehmen, das zunächst eiserne Schiffe und Dampfmaschinen repariert. In dieser Firma entstanden aber auch zwei Eisenschiffe, nämlich ein Schleppdampfer und der Frachter "Rheinland", der 1885 fertiggestellt wurde und 1907 vor der Themsemün-dung strandete.
1859 Langeoog: Neubau der Kirche auf Lan-geoog. Die Pfarrstelle wurde, nachdem sie von 1722 bis 1851 vakant geblieben war, erst seit 1852 durch einen Pfarr-vikar wieder besetzt, der bis 1859 Got-tesdienst in der Schule hielt.