-1865-1869-

1865 Bremen: In der Hansestadt kommt es zu ersten Handwerker-Streiks und zwar bei den Schneidern, Schuhmachern, Barbie-ren, Reepschlägern und Feilenhauern. Der Grund ist der, dass die Gesellen nach der Einführung der Gewerbefreiheit heiraten können, ohne die Genehmigung des zuständigen Amtes einholen zu müs-sen. Da sie nun aber Familie haben, reicht der bisherige Lohn nicht mehr aus, weshalb sie ihre Forderung so durchzusetzen suchen, was auch weit-gehend gelingt.
1865, 3. 2. Bremen: Vor der Ansgari-Kirche wird das Denkmal, das dem heiligen Ansgar geweiht ist, enthüllt. Es zeigt den Bi-schof, der einem zu seinen Füßen knieenden Heiden ein Joch von den Schultern nimmt. Das Denkmal hatte der Künstlerverein der Stadt Bremen ge-schenkt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kunstwerk zerstört, als der Turm der Ansgarikirche am 1. September 1944 nach einem Bombenangriff ein-stürzte.
1865, 16.-23. 7 Bremen. Zweites Bundesschießen der deutschen Schützen auf der Bürger-weide. Solche Veranstaltungen dienten vor allem dazu, deutschnationale Gefühle aufzuputschen. Das Fest war deshalb von Bedeutung, weil bei dieser Gele-genheit der Gedanke auftauchte, die Bürgerweide zu einem deutschen Wald umzugestalten. Damit war die Idee ge-boren, den Bürerpark zu schaffen.
1865, 16. 11. Bremen: Gründung des Vereins zur Verwaltung der Bürgerweide, der sich später Bürgerparkverein nannte. Die erste Anregung zu dem Unternehmen gab der Kaufmann Hermann Holler. Die Gestaltung übernahm der Landschafts-gärtner Wilhelm Benque. Einige Daten zur Geschichte des Bürgerparks:
  • Die Erdarbeiten begannen am 28. Juni 1866.
  • August 1867-1870 Holler See und Zentralanlage.
  • 1870 Entlassung Benques.
  • 1872/71 Bau des ersten Parkhau-ses.
  • Seit 1872 Erweiterung nach Norden.
  • 1877 Benque wird wieder Parkdirektor. Kaufmann Franz E. Schütte tritt als Vorsitzender an die Spitze des Bürgerparkvereins. Er bleibt bis 1911 in dieser Funktion tätig.
  • 1880 Meierei.
  • 1884 Benque zieht sich erneut zurück, sein Nachfolger wird Carl Ohrt).
  • 1890 Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrie-Ausstellung. Für sie wird das erste Parkhaus abgebro-chen, dafür entsteht ein Nachfol-gebau, das 2. Parkhaus, das 1907 abbrannte.
  • Es folgte 1912 das 3. Parkhaus.
  • 1906-09 Anlage des Stadtwaldes.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bürgerpark durch 328 Bomben und wahrscheinlich noch mehr durch Baumaßnahmen der Wehrmacht stark beschädigt, so beispielsweie durch drei Bunker verunziert. Nach der Befreiung wurde er jedoch wieder hergestellt. Aus dem 3. Parkhaus, das nur noch eine Ruine war, wurde das heutige Parkhotel.
1865, 3. 2. Bremen: Vor der Ansgari-Kirche wird das Denkmal, das dem heiligen Ansgar geweiht ist, enthüllt. Es zeigt den Bi-schof, der einem zu seinen Füßen knieenden Heiden ein Joch von den Schultern nimmt. Das Denkmal hatte der Künstlerverein der Stadt Bremen ge-schenkt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kunstwerk zerstört, als der Turm der Ansgarikirche am 1. September 1944 nach einem Bombenangriff ein-stürzte.
1865 Bremen: Korffs Raffinerie wird gegrün-det.
1865, 26. 11. Bremen. Auf dem Körnerwall wird ein Denkmal entüllt, das an den Dichter Theodor Körner erninnert, der 1813 als Freiwilliger in die preußische Armee eintrat und dann in einem Gefecht bei Gadebusch in Mecklenburg fiel. Von Körner stammt das Lützow-Lied. Finanziert wurde das Denkmal von dem Bauunternehmer H. C. Oldehoff, der 1859 den Körnerwall anlegte, aber starb, bevor das Denkmal aufgestellt werden konnte, was dann zwei Freunde von ihm besorgten.
1865, 16.-23. 7 Bremen. Zweites Bundesschießen der deutschen Schützen auf der Bürger-weide. Solche Veranstaltungen dienten vor allem dazu, deutschnationale Gefühle aufzuputschen. Das Fest war deshalb von Bedeutung, weil bei dieser Gele-genheit der Gedanke auftauchte, die Bürgerweide zu einem deutschen Wald umzugestalten. Damit war die Idee ge-boren, den Bürerpark zu schaffen.
1865 Vegesack: Gründung einer Höheren Töchterschule als Aktiengesellschaft
1865 Bremerhaven: Erste Gasanstalt. Sie wird auf dem heutigen Martin-Donandt-Platz gebaut, aber bereits 1912 abgerissen. An die Stelle tritt die heutige Grünan-lage. Die neue Gasanstalt wird an der Hansastraße gebaut.
1865 Bremerhaven. Das Auswandererhaus, das 1849 in Betrieb genommen wurde, muss schließen, weil es sich nicht mehr rentiert. Das Gebäude wird dann zeit-weise Kaserne und nimmt schließlich eine Brauerei auf, die 1983 schloss. Da-nach abgerissen.
1865 Geestemünde. Der Werftschlosser August Pagel gründet einen Arbeiter-bildungsverein. Er gehört den Lassa-leanern an. Damit beginnt die moderne Arbeiterbewegung in den Unterweser-Städten.
1865 Wulsdorf: Neuer Friedhof am Hackfah-rel. Der alte wird aufgegeben,
1865 Fünfhausen: Gründung der Werft von Jo-hann Christian Schierloh. Auf der Helling werden nur drei Weserkähe gezimmert, der letzte 1870.
1865 Brake: Gründung der Werft von Leon-hard Friedrich Paulsen, Das Unter-nehmen baute bis 1870 sechs Schiffe.
1865 Berne: Johann Siebje baut in Dreisielen einen kleinen Galerie-Holländer, in dem bis zum Ersten Weltkrieg Hafer und Gerste gemahlen wurden. 1986 stand noch das Gerippe.
1865, 1. 4. Elsfleth: Elsflether Wochenblatt er-scheint erstmalig.
1865, 10. 10. Elsfleth: Gründung des "Schiffer- und Rhedervereins ‚Concordia’.
1865 Wilhelmshaven: Das erste private Un-ternehmen siedelt sich an der Jade an. Es handelt sich um die Tauwerkfabrik Ahlers.

-1866-

1866 Bremen: In dem Krieg zwischen Preußen und dem Deutschen Bund stellen sich die drei Hansestädte, darunter Bremen, auf die Seite Preußens und entgehen ve-rmutlich so der Annektion durch den bedrohlichen Nachbarn. Bremen tritt dann konsequenterweise dem Norddeut-schen Bund bei.
1866, 3. 10. Berlin: Nach dem Sieg über Österreich und den Deutschen Bund annektiert Preußen das Königreich Hannover. Von nun an sind Lehe und Geestemünde so-wie Geestendorf preußische Orte. Bre-men bleibt selbständig. Der Gründer des Norddeutschen Lloyd, H.H. Meyer, schlägt bei dieser Gelegenheit vor, dass Bremen den Hafen Geestemünde von Preußen für zwei Millionen Taler erwer-ben sollte, was jedoch in Geestemünde, vor allem aber von Bismarck, abgelehnt wird.
1866, 18. 8. Bremen. Die Freie Hansestadt tritt dem Norddeutschen Bund bei. Damit verliert Bremen seine Souveränität, die es als Mitglied des Deutschen Bundes beses-sen hatte.
1866 Bremen. Im November wird der "Bre-mer Zigarrenmacher-Verein" gegrün-det. Damit beginnt die Gewerkschafts-bewegung in der Stadt.
1866 Bremen. Eröffnung des Neustädter oder Oldenburger Bahnhofs.
1866 Bremen: Im November wird der "Zigar-renmacher-Verein" gegründet. Außer-dem gab es in der Hansestadt eine Gruppe des "Allgemeinen Deutschen Zigarrenarbeiter Vereins". Beide Ver-bände boten Hilfe im Falle von Streiks an, waren also echte Gewerkschaften. Dem Beispiel folgten die Schuster, Mau-rer, Steinhauer und Metallarbeiter. Die Verbände zeichneten sich durch eine große Vielfalt aus, denn es organisierten sich immer einzelne Berufe. So bestan-den in Bremen 30-40 einzelne Gewerk-schaften, die 1891 eine gemeinsame "Kontrollkommission" bildteten. Sie wurde 1894 in "Gewerkschaftskartell" umbenannt.
1866, 23. 6. Bremen: Die Arbeiten zur Gestaltung des Bremer Bürgerparks beginnen. der Um-fang wurde am 23. Juni 1866 auf 74 Hektar festgelegt. Am 17. September 1872 kommen noch einmal 62 ha hinzu.
1866 Bremen: Der Pferdeomnibus fährt vom Steintor zum Doventor.
1866 Bremen: Gründung der "Ersten Deut-schen Nordseefischerei-Gesellschaft". Sie arbeitet mit 16 Fischkuttern und besitzt ein Eishaus in Geestemünde. Der erste Versuch, Fische im großen Stil zu vermarkten, misslingt. Die Firma muss 1871 aufgeben.
1866, 18. 6. Bremerhaven. Die hannöverschen Solda-ten räumen das "Fort Wilhelm", die "Reichsbatterie" und das Turmfort im Norden der Stadt und begeben sich "im Laufschritt" zum Geestemünder Bahn-hof, von wo aus sie nach Süden trans-portiert werden. Bereits am 19. Juni 1866 laufen preußische Kriegsschiffe in die Weser ein (nachdem sie den Lloyd-Dampfer "Bremen" mit dem welfi-schen Kronschatz an Bord unbehelligt hatten passieren lassen). Ein Land-Kommando findet in den Festungs-anlagen nur noch den Kastellan Herbst vor, der zwar Widerstand gegen die preußische Übermacht leisten wollte, aber schlicht beiseite geschoben wird. Fregattenkapitän Werner nimmt die bei-den Forts und die Schanze für den König von Preußen in Besitz, der sie dann im März 1868 an die Freie Hansestadt Bre-men abtritt. Die militärischen Anlagen werden schließlich 1870 abgebrochen. Damit ist für die Unterweser der preußisch-österreichische Krieg be-endet.
1866, 19. 6. Bremerhaven: Preußische Soldaten be-setzen das "Fort Wilhelm", und die anderen Befestigungsanlagen an der Weser. Sie werden im März 1868 an den bremischen Staat übergeben, der sie abreißen lässt.
1866 Bremerhaven: Bau des Forts "Brinka-mahof I".
1866 Geestemünde: Gründung der Handels- und Gewerbekammer.
1866 Geestemünde: Erste Deutsche Nordsee-fischerei-Gesellschaft gegründet. Sie muss 1871 liquidiert werden. Im Jahre 1867 folgt die Fischereigesellschaft "Weser", die aber auch 1872 untergeht. Noch fehlt die schnelle anbing an das Hinterland durch die Eisenbahn.
1866/1867 Geestemünde/Lehe: Um die Jahreswen-de gründet in Geestendorf und Lehe der Werftschlosser Ferdinand August Pagel eine Ortsgruppe des Allgemeinen Deut-schen Arbeitervereins. Hintergrund: Die Werftindustrie steckte in dieser Zeit ganz allgemein in einer Krise und muss-te Arbeiter entlassen. Das betraf auch die Werften an der Geeste. Die Pro-leterier reagierten darauf mit Streiks, an denen sich in Bremerhaven und Gees-temünde 3000 Männer verschiedener Sparten beteiligtem. Sie forderten, dass der 12stündige Arbeitstag um eine Stunde verkürzt werde, was die Baase ablehnten. Die Streikbewegung brach 1867 völlig zusammen..
1866 Bremerhaven. Bau des "Riesenkrans", ein nach heutigen Begriffen primitives dreieckiges Gestell, das aber damals Erstaunen erregte.
1866-1880 Weddewarden: Unmittelbar nach der Annektion Hannovers beginnt die Admi-ralität Preußens und dann des Norddeut-schen Bundes mit der erneuten Befes-tigung der Weser. Zuerst wird das Fort Brinkamahof I gebaut, aber schon 1882 wieder desarmiert und dann nach 1945 abgetragen. Heute befindet sich hier der Containerhafen. Im Jahre 1880 standen auf Brinkamahof sechs Geschütze mit dem Kaliber von 28 cm und zwei 15-cm-Geschütze, auf Langlütjen I neun 21 cm Kanonen und auf Langlütjen II fünf 28-cm-Geschütze und zwei mit dem Kaliber von 15 cm. Im Kampf eingesetzt wurde die Artillerie nie. Owen/Reichert: "Ob die mit ungeheurem Aufwand er-richteten und bestückten Festungen schließlich ihren Zweck der Ab-schreckung erfüllt haben, kann ab-schließend wohl nie eindeutig beant-wortet werden. Ohne einen Verteidi-gungsschuss abgegeben zu haben, wur-den sie nach 1918 demobilisiiert, tech-nisch funktionsunfähig gemacht und ein-fach liegen gelassen." (Owen/Reichert: Marine an der Unterweser, 2004, S. 57)
1866 Wulsdorf: Neubau der Schule an der Sandbredenstraße. Heute der älteste Schulbau im Gebiet der Stadt Bremer-haven.
1866 Lehe: Die erste "Nordsee-Zeitung" erscheint. Sie ging 1901 in der Pro-vinzial-Zeitung auf.
1866, Sept Tossens: In der Gemeinde erscheint die erste Dreschmaschine, die mit Dampf betrieben wird. Damit setzt die Mecha-nisierung der landwirtschaftlichen Be-triebe ein.
1866 Berne. Bau der Ranzenbütteler Mühle. Der Galerie-Holländer hatte 1938 schon Flügel und Galerie eingebüßt.
1866 Varel: Gründung der Meischen-Stiftung. Varel erhält eine "Fortbildungs- und Gewerbeschule für Handwerkslehrlinge und Gesellen" (heutige Berufsschule).
1866 Wangerooge: Auf der Insel wird ein neues Kurhaus gebaut. Der Badebetrieb geht also wieder los.
1866 Wangerooge: Auf der Insel steht wieder eine evangelische Kapelle mit 55 Sitz-plätzen und einem Glockenturm. Bis 1877 hat die Gemeinde noch einen Pastoren, dann bleibt die Stelle bis 1895 vakant. Nur einmal im Vierteljahr er-scheint ein Pfarrer vom Festland und "pastoriert" (Riemann: Wangeroog, o. J. S. 49). Die heutige Kirche wurde am 19. 6. 1910 in Gegenwart des letzten Großherzogs (der Wangerooge sehr förderte) eingeweiht. Die Kapelle wurde abgebrochen. Die Ausmalung besorgten Marinesoldaten, die im Ersten Weltkrieg auf Wangerooge stationiert waren und sich langweilten. Auch der Altar wurde von einem Mariner gestaltet, nämlich von dem Bildhauer Sager aus Augsburg.
1866 Wittmund: Die Aufforstung des Witt-munder Waldes beginnt. 1893 erhält der 666 Hektar große Forst eine eigene Försterei. 1911 vernichtet ein Wald-brand die Hälfte des Bestandes. Heute Ausflugsziel.

-1867-

1867 Bremen: Ottilie Hoffmann und Marie Mindermann gründen den "Verein zur Erweiterung des weiblichen Arbeitsge-bietes".
1867, 16. 4. Bremen: Der Senat verkündet die Verfassung des Norddeutschen Bundes. damit verliert Bremen seine Souverä-nität, was einschneidende Konsequenzen hat. So wird das bisherige Bremer Bür-gerrecht abgeschafft, vielmehr gilt nun-mehr das "gemeinsame Indigenat", was bedeutet, dass jeder Untertan eines norddeutschen Staates sich in der Han-sestadt niederzulassen darf und hier dieselben Rechte genießt wie jeder andere Bremer.
1867, 23. 2. Bremen. Zum erstenmal wird Fisch öffentlich versteigert: Der Verkauf lohnt sich aber nicht so recht, jedenfalls nicht an diesem Ort. Die Auktionen werden zwar fortgesetzt, jedoch nicht in Bre-men, sondern an der Geeste, wo in den nächsten Jahrzehnten ein erster Fische-reihafen entsteht.
1867 Bremerhaven: Bau der katholischen Kir-che St. Marien. Sie wurde bei dem Bom-benangriff auf Wesermünde 18. Septem-ber 1944 zerstört und 1952 wieder aufgebaut. (Diese Daten hat mir Bern-hard Wessels aus Bremerhaven mitge-teilt. Schwarzwälder schreibt, dass die Kirche "Immaculata Conceptio Beatae Mariae" bereits 1857 gebaut worden sei.)
1867, 7. 7. Bremen: Eröffnung der Eisenbahnstrek-ke von Bremen nach Oldenburg. Für die Verbindung wurde die Eisenbahnbrücke über die Weser gebaut, die man mit einem Laufsteg für Fußgänger ausstat-tete.
1867, 27. 6. Bremen: Die Hansestadt schließt eine Militärkonvention mit Preußen. Danach geht die Militärhoheit am 1. 10. 1867 auf Preußen über. Am 7. 11. 1867 wird da-raufhin das I. Hanseatische Infante-rieregiment Nr. 75 gegründet, dessen Regimentstab und 1. Bataillon nunmehr in Bremen stationiert sind.
1867 Bremen: Huchting, das nunmehr an der Bahnlinie Bremen-Oldenburg liegt, erhält einen Bahnhof.
1867 Borgfeld. Gründung des Landwirtschaft-lichen Vereins Borgfeld.
1867 Burg: Auf der Bosse-Werft treten die Arbeiter von März bis Ende Mai 1867 in den Streik.
1867, 16. 12. Vegesack: Auf der Werft Johann Lange läuft der Passagier-Dampfer "Smidt" von Stapel. Er geht am 4. April 1868 auf seine Jungfernreise nach New York, wird aber schon 1873 aufgelegt und dann 1897 abgewrackt. Die "Smidt" gehört insofern in die Geschichte der deutschen Seefahrt, als es sich um den ersten Passagier-Dampfer handelt, der auf einer deutschen Werft gebaut wurde, allerdings eher zum Nachweis der Rück-ständigkeit dieser Betriebe im Vergleich zu den britischen Unternehmungen. Die Dampfer des Norddeutschen Lloyd ent-standen jedenfalls zu dieser Zeit alle in Großbritannien.
1867, 2. 4. Vegesack. Nachdem es bereits seit dem Frühjahr 1865 einzelne Arbeitsniederle-gungen auf den Werften der Unterweser gegeben hatte, kommt es jetzt zu einer allgemeinen Streikbewegung, die alle 36 Werften, die damals zwischen Bremen und Bremerhaven auf den beiden Weserufern bestanden, erfasst. Der Arbeitskampf begann auf der Knickmannschen Werft in Woltmershau-sen und erfasste schließlich in Bremen, Preußen und Oldenburg etwa 3000 Proleten, übrigens durchaus nicht nur Werftarbeiter denn es beteiligten auch Schuster und Schneider. Es ging zum einen um eine Verkürzung der Arbeits-zeit (Zwölf Stunden damals) und um eine Lohnerhöhung. Der Arbeitskampf wurde mit großer Erbitterung geführt, aber es fehlte natürlich auf der Seite der Proleten die einheitliche Leitung. In Bremerhaven und Geestemünde began-nen die Streikwellen am 29. März und endeten im wesentlichen am 9. Mai, verebbten aber in manchen Betrieben erst Ende Juli. Das Ergebnis war ent-täuschend: Die Arbeiter erzielten zwar hie und da zumindest indirekt Erfolge, da die Baase im folgenden Jahr, also nach dem Ende des Ausstandes, zumindest die Arbeitszeitverkürzung auf zwölf Stunden täglich bei drei bezahlten Pausen freiwillig zugestanden, ebenso die Gründung einer allgemeinen Kranken-Unterstützungs- und Pensi-onskasse für die Schiffszimmerer, aber insgesamt scheiterten die Streiks. Ein Grund war, dass die Lassalleaner, die hier zum ersten Mal in Erscheinug traten, in sich gespalten waren und deshalb in dem Arbeitskampf keine große Wirkung entfalten konnten. Dass der Arbeitskampf so lange durchgehal-ten werden konnte, lag an der guten Organisation der Schiffszimmerer, die in den Betrieben eine starke Position hatten, solange die Schiffe aus Holz gebaut wurden. Ich habe den Verlauf des Arbeitskampfes in Brake irgendwo im Einzelnen dargestellt (für die Olden-burgische Landschaft war er nie ein Thema) und bin dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Werftarbeiter in der bürgerlichen Klasse Oldenburgs durch-aus auf Sympathie stießen, sofern sie als Einzelne handelten. Ich habe das mit einem anderen Arbeitskampf verglichen, der bei den Gleisarbeiten der Bahnlinie Oldenburg-Osnabrück ausbrach - hier liefen die Arbeiter wegen der unerträg-lichen Arbeitsbedingungen einfach davon und kamen nicht wieder. So war es richtig. Was man ablehnte, war nicht die Arbeitsverweigerung als solche, sondern die Bildung von Arbeiter-Kartellen, also von Gewerkschaften. Das war mit den Prinzipien der Marktwirtschaft nicht vereinbar und musste deshalb verhindert werden.
1867, Febr. Bremerhaven/Geestemünde/Lehe: Streik auf den Werften. Beteiligt sind etwa 500 bis 700 Arbeiter. Oranisiert wurde der Austand von den Lassalleanern. Der Arbeitskampf scheitert.
1867, 10. 4. Bremerhaven/Geestemünde: Die Schnei-dergesellen treten in den Streik, weil sie mit den Löhnen nicht zufrieden sind. Der Ausstand versickert, weil die Betrof-fenen wieder auf Wanderschaft gehen und durch andere ersetzt werden.
1867-1872 Wesermündung: Bau des Forts Brinka-mahof I. Die Batterie wurde mit zehn 21-m Geschützen ausgerüstet, die damals ausreichten, um einen even-tuellen Angriff der französischen Flotte (an einen Krieg mit England dachte niemand) abzuwehren. Ergänzt wurde sie durch das Fort Brinkamahof II, das von 1875-1881 als Künstliche Insel in das Watt gebaut wurde. Das Werk war mit sechs 20-cm-Geschützen bestückt. Zu-sammen mit den Forts Langlütjen I und Langlütjen II auf dem oldenburgischen Weserufer sollten sie die Wesermündung gegen eine Landung sichern, die nie erfolgte. Normalerweise waren die Forts nicht besetzt. Soldaten rückten dort nur ein, wenn Übungen stattfanden. Dann wurde auch geschossen. Bei Beginn des Ersten Weltkriegs wurden die Inseln für einige Monate aktiviert, dann aber wieder geräumt, als sich herausstellte, dass der erwartete britische Angriff ausblieb. Im Zweiten Weltkrieg spielten die Inseln Langlüten I und II sowie Brinkamahof II bei der Luftverteidigung noch eine wichtige Rolle.
1867, 15. 6. Bremerhaven: König Wilhelm von Preußen, Reichskanzler Bismarck sowie Kriegsminister Roon und der Chef des Großen Generalstabs, Moltke, besuchen Bremerhaven, um die Expedition Peter-manns in das Eismeer zu verabschieden. (Die Expedition besteht aus zwei Schif-fen, die jedoch getrennt werden. Ein Schiff kehrt am 11. September 1870 nach abenteuerlicher Fahrt mit wert-vollen Ergebnissen nach Bremerhaven zurück. Das zweite wird vom Packeis zerquetscht, aber die Mannschaft kann sich auf eine Scholle retten und erreicht schließlich auf Booten die grönländische Küste. Die 14 Männer kommen am 2. September 1870 wieder in Deutschland an.
1867 Bremerhaven: Die Stadt wird um 34 Hektar vergrößert.
1867 Bremerhaven: Gründung des Naturhis-torischen Museums in Bremerhaven. Es ging am 18. September 1944 bei dem großen Bombenangriff auf die Stadt unter und wurde nicht wieder aufgebaut.
1867 Geestemünde. Gründung der Handels-kammer in Geestemünde. Sie wird 1891 als "Industrie- und Handelskammer Geestemünde" neu gegründet.
1867 Geestemünde. Gründung der Fischerei AG "Weser" Bremerhaven-Geeste-münde. Die Kutter der Gesellschaft lan-deten ihren Fang an dem linken Geeste-Ufer an, wo dann in der Folgezeit der erste Fischereihafen der Unterweser entstand. Das Unternehmen wurde 1872 liquidiert. Damit war der zweite Ver-such, den Fischfang von der Unterweser aus industriell zu betreiben gescheitert. Der Fisch wurde dann zwanzig Jahre lang von Bord der Boote an die Kunden, die an den Kai kamen, verkauft. Natür-lich ließ sich so nur der örtliche Markt versorgen.
1867, 23. 2. Geestemünde. Die "Erste deutsche Nordsee-Fischereigesellschaft" veran-staltet an der Geeste die ersten Fisch-auktion.
1867, 5. 7. Oldenburg: Das Königreich Preußen, das das Königreich Hannover annektiert hat, erkennt an, dass das Großherzogtum Ol-denburg den Langlütjensand besitzt. Da-mit ist dieser Territorial-Streit beendet.
1867 Ovelgönne: Bau der Mühle in Ovelgön-ne-Neustadt. Der Rumpf ist erhalten.
1867, Juni Brake: Der Lehrer Hermann Meier grün-det den Arbeiter-Verein von 1867, der in Elsfleth zeitweilig 331 Mitglieder hat. Zu der "Arbeiter-Gemeinde" gehört auch eine zunächst erfolgreiche Kon-sum-Genossenschaft. Er gibt auch die Elsflether Unterweser-Zeitung heraus, die an die Stelle des "Braker Wochen-blatts" getreten ist und bis 1868 er-scheint. Er scheitert jedoch mit diesem ersten Versuch, die Arbeiter zu organi-sieren und wandert nach Amerika aus.
1867 Varel: Die Stadt erhält einen Bahnhof.
1867 Wilhelmshaven: Bau des Forts Heppens.
1867 Wilhelmshaven: Im Zusammenhang mit den Hafenbauten in Wilhelmshaven wer-den in Bant, das damals noch außen-deichs lag, auf Befehl des damaligen Generalkonservators der preußischen Kunstdenkmäler, F. v. Quast, von dem Hafenbaumeister P. Kunisch die ersten archäologischen Ausgrabungen Nord-deutschlands vorgenommen. Beginn der Wurtenforschung. Im Mai 1888 werden die Fundamente der Banter Kirche unter der Leitung von H. Schacko erneut freigelegt. Im Jahre 1889 erfolgte dann der Bau der jetzigen "Ruine" der Ban-ter Kirche.
1867, 3. 9. Heppens: Der erste Personen-Zug aus Oldenburg läuft in den noch proviso-rischen Bahnhof ein. Der Bahnhof selbst wurde 1872 fertiggestellt.

-1868-

1868 Berlin: In Norddeutschen Bund, und da-mit auch in Bremen, wird das einheitlich das metrische System eingeführt. Durch das Gesetz vom 17. August 1868, dem die süddeutschen Staaten bereits im No-vember 1870, also noch vor der Grün-dung des Deutschen Reiches beitraten, gelten nunmehr als Längenmaße das Meter und als Maß des Gewichts das Gramm.
1868 Berlin: Alle Schiffe des Norddeutschen Bundes führen die schwarz-weiß-rote Fahne.
1868 Berlin: Flottengesetz des Norddeutschen Bundes.
1868 Bremen: Im Dom wird das "Deutsche Requiem" von Johannes Brahms zum ersten Mal aufgeführt. Der Dirigent, Karl Martin Rheinthaler, war ein Freund von Brahms. Der Komponist hatte das Werk zuerst einem anderen Freund, nämlich Albert Dietrich in Oldenburg, angeboten, aber der musste ablehnen, weil er in der kleinen Residenzstadt nicht die Mittel besaß, um das Werk zu realisieren. So kam denn Bremen zum Zuge.
1868 Bremen: Am Westufer des "Emma-Sees" im Bürgerpark wird eine von Heinrich Müller entworfene Bank auf-gestellt, die an die Gräfin Emma erinnern soll. Diese etwas sagenhafte Dame soll einst die "Bürgerweide" den Bürgern Bremens geschenkt haben.
1868, 18. 6. Bremen: Das Post- und Telegraphen-wesen wird von der neuen Bundesver-waltung übernommen.
1868, 27. l0. Bremen: Das Diakonissenhaus wird ein-geweiht. Das Krankenhaus, in das am 13. November 1869 die ersten Patienten einzogen, erwies sich mit seinen 30 Betten bald als zu klein und musste dann ständig erweitert werden, bis es 1937 neun Fachabteilungen umfasste. Am 18. Mai 1940 wurde das Haus schwer be-schädigt und am 19. August 1944 völlig zerstört. Die neue Diakonissenanstalt entstand dann 1959-1960 in Gröpelin-gen. Bis dahin hatte man sich mit Aus-weich-Krankenhäusern beholfen. Der Gründer der Anstalt war Pastor Hermann Heinrici, von dem 1938 lobend hervorgehoben wurde, dass er bereits im Januar 1871 im "Hause Seefahrt’ einen Vortrag gehalten habe über das Thema: "Deutsches Volkstum und deutsches Christentum". Er sei, heißt es in der Festschrift zum sechzigsten Jahrestag der Gründung im Jahre 1938 "von dem innersten Zug des deutschen Herzens zum Christentum, von der Hoff-nung auf eine deutsche Nationalkirche getragen" gewesen. (Ev. Diakonissen-anstalt Bremen, 1938, S. 10) Der damalige Vorsitzende Joh. D. Volkmann betont denn auch "die innere Ver-wandtschaft zwischen der nationalsozia-lisischen und der diakonischen Idee." (Ev. Diakonissenanstalt Bremen, 1938, S. 139), die jedoch nicht erst seit 1933 bestanden habe, denn: "Es ist eine be-merkenswerte Tatsache, dass eine große Zahl von Diakonissen schon längst vor dem 30. Januar 1933 überzeugte Anhängerinnen des Führers waren und in ihren Kreisen tapfer für den National-sozialismus eintraten." (Ev. Diakonis-senanstalt Bremen, 1938, S. 139). Für den damaligen Geist des Hauses spricht am besten wohl dieses Zitat: "Der Nationalsozialismus hat im deutschen Volk den Dienstgedanken wieder zu Ehren gebracht, der im Mittelpunkt seiner Lebensauffassung steht. Dienst ist vielleicht der stärkste und prägnan-teste Ausdruck des neuen, sittlichen Pathos, das im Dritten Reich aufbricht’ (D. Stahl, Altona) Das ganze Volk in allen seinen Lebensaltern, Ständen und Berufen wird zum Dienst an der Volks-gemeinschaft aufgerufen. - Hierin berühren sich der Nationalsozialismus auf das Tiefste mit der Diakonie, denn die Diakonisse kündet dieses Lebensge-setz der Volksgemeinschaft schon durch ihren Namen und verkörpert es zugleich durch ihre Person." (Ev. Diakonissen-anstalt Bremen, 1938, S. 139) Dement-sprechend steht in dem Hause auch nicht mehr das Neue Testament im Mittel-punkt der weltanschaulichen Schulung, vielmehr gilt: "Daß wir bemüht sind, unsere Schwestern sowohl im Unterricht als auch in den Schwesternabenden mit der nationalsozialistischen Gedanken-welt vertraut zu machen und ihnen die Aufgaben vor Augen zu stellen, die im Dritten Reich ihrer warten, bedarf keiner Erwähnung." (Ev. Diakonissenanstalt Bremen, 1938, S. 140). Ebenso versteht es sich von selbst, dass die Juden ebenso wenig zur "Volksgemein-schaft" gehörten wie die Zigeuner oder diejenigen, die von den Ärzten als "lebensunwert" bezeichnet wurden, aber das werden die Schwestern wohl in ihrem Unterrichtsstunden und an den Schwesternabenden genauer erfahren haben, denn, so schließt die Broschüre mit seltenem Zynismus ab: "Christus gebietet den Dienst der Liebe. Die Kirche gehorcht im Dienst am Volk." (Ev. Diakonissenanstalt Bremen, 1938, S. 143). Im Jahre 1968 ist von alledem nicht mehr die Rede. Jetzt heißt es: "Das Jahr 1933 brachte durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten auch in unsere Mutterhäuser eine große Unruhe. Auf der einen Seite verband man mit der großen ‚nationalen Erneu-erung’ viele Hoffnung. Viele unter uns spürten, dass doch eine Übereinstimung oder eine Ähnlichkeit vorhanden sein müsse zwischen den politischen Begrif-fen ‚Gemeinnutz geht vor Eigennutz’, ‚Volksgemeinschaft’ und ‚Dienst am Vaterland’ und der Diakonie. Alle Hoff-nungen (welche, bitteschön? Frage des Verf.) sind zuschanden geworden. Eine große Enttäuschung griff um sich. Leider sind zu jener Zeit auch eine Reihe von Schwestern aus dem Mutterhaus ausge-treten. Die Folgen der Zeit waren noch lange spürbar. - (Dethlefsen: Diakonie an Weser und Ems. 1968. S. 43) So ganz kann sich offenbar die bremische Diako-nie auch im Jahre 1968 nicht von ihrer Nazi-Vergangenheit lösen, denn wo steht im Neuen Testament, dass Ge-meinnutz vor dem Eigennutz geht, wann hätte Jesus je von der Volksgemein-schaft gesprochen oder gar vom Dienst am Vaterland und, wenn ich diese Bibelstelle überlesen haben sollte, von welchem "Vaterland" hat haben Jesus oder auch Paulus gesprochen? Hat denn der Verfasser 30 Jahre nach der Reichskristallnacht und 23 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz immer noch nicht nicht begriffen, dass die Juden ausgeschlossen wurden, wenn von der "Volksgemeinschaft" die Rede war? Gibt es denn eine "Ähnlichkeit" zwischen Nazismus und Christentum? Oh, hl. Dietrich Bonhoeffer, hilf! Und dann hätte ich gerne gewusst, wovon die Schwestern, die dem Mutterhaus den Rücken kehrten, enttäuscht waren: von der Ideologie des Nationalsozialismus oder von der christlichen Religion, wie sie von der Diakonie in Bremen 1938 vertreten wurde? Genug der offenen Fragen. Ich denke, es bieten sich zur Erklärung dieses Blödsinns zwei Mög-lichkeiten an: Entweder hatte die bre-mische Diakonie im Jahre 1968 die Nazi-Ideologie, die sie 1938 offenbar aus Überzeugung, wie übrigens die gan-ze Innere Mission, vertreten hat, immer noch nicht überwunden, oder aber sie hat 1938 gelogen und will das 1968 nicht zugeben, braucht das auch nicht, denn als die Evangelisch Diakonissenanstalt 1992 125 Jahre alt, hat die Nazizeit inzwischen nicht mehr stattgefunden, - man erwähnt sie einfach nicht. So also kann Vergangenheit, die einem nicht passt, entsorgt werden. Wir haben hier denn ein schönes Beispiel christlicher Heuchelei vor Augen, dem sich leider viele andre zur Seite stellen ließen, aber wie sagen die Pastoren allsonntäglich so richtig: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben ...". Und dann verspre-chen sie: wer’s glaubt, wird selig.
1868 Hemelingen: Die Hemelinger Actien-Brauerei wird gegründet. Die Firma, die bereits 1918 ihre Selbständigkeit an die Haake-Beck-Brauerei eingebüßt hat, stellt 1989 die Produktion ein. Die Firma besteht weiter.
1868 Bremerhaven: 14 Buchdrucker gründen einen Ortsverein des Buchdrucker-Ver-bandes. Er kann sich aber nicht halten und löst sich wieder auf. Die Neugrün-dung erfolgt 1873.
1868 Bremerhaven. An der Ecke Schmale- und Rampenstraße baut die Stadtein Armenhaus mit 17 Wohnungen, einem Waschhaus und einem Arbeitssaal.
1868 Bremerhaven/Geestemünde/Lehe: Grün-dung einer Allgemeinen Kranken-Unterstützungs- und Pensionskasse der Schiffswerften.
1868, 7. 7. Geestemünde. Die Maurer und Zimmerer treten in den Streik, um eine Lohnerhö-hung durchzusetzen, die auch nach einem nur viertägigen Ausstand am 11. Juli bewilligt wird.
1868 Atens: Wilhelm Müller lässt auf dem Deich vor dem Gut Nordenhamm ein Hotel errichten (heutiges Mittelstück des (seit 2007 stillgelegten) Bahnhofs).
1868 Ellwürden: Bau einer festen Straße von Ellwürden (dem Amtssitz) bis zum Gut Nordenhamm (heutige Bahnhofstraße).
1868 Wilhelmshaven: Beim Bau der Hafen-becken kommt es zum ersten Streik der Maurer.
1868, 20. 8. Wilhelmshaven: Als erste Landeinheit der preußischen Armee wird die 1. Kompanie der See-Artillerie in Will-helmshaven stationiert. Daraus entstand 1877 die II. Matrosen-Artillerie-Abtei-lung. Am 15. September 1871 wird die 1. Kompanie des II. See-Bataillons aufge-stellt. Im Juni 1872 folgt schließlich die 2. Abteilung der Marine-Stammdivision und am 1. Oktobere 1887 die II. Torpedo-Abteilung (später: II. Torpedo-Stamm-Division).
1868 Esens: J. Biermann gibt das "Harlinger Blatt - Intelligenzblatt für den Kreis Wittmund" heraus. Es erscheint bis in die Nazizeit.

-1869-

1869, 3. 7. Berlin: Der Norddeutsche Bund beseitigt durch ein Gesetz die Diskriminierungen der Juden, so weit sie rechtlich festge-schrieben waren. Die gesellschaftliche Diskriminierug bleibt bestehen. So wer-den Juden nie zu Offizieren ernannt, sie erhalten an den Universitäten auch keine Professur, können an "christlichen" Schulen naürlich auch keine Lehrer sein und was dergleichen mehr ist. Immerhin unterliegen sie im bürgerlichen Leben keinen Beschränkungen mehr, können also jedes Gewerbe betreiben sowie Häuser und Grundstücke erwerben. Die Haltung der Bevölkerung, in Esens beispielsweise, war zwiespältig. Rokahr: "Zum einen finden wir nach 1815 Esenser Juden als Mitglieder in den Vereinen, zum Beispiel im Esenser Rei-terkorps oder im Musikkorps der Schüt-zenkompagnie. Dort wurden Juden nicht nur geduldet; sie waren voll akzeptiert ..." (Gerd Rokahr: Die Juden in Esens. 1994, S. 138) Andererseits wurde der jüdische Gottesdienst öfter gestört. Rokahr dazu: "Manche dieser Stö-rungen mögen nichts weiter als un-bedachte Jugendstreiche gewesen sein, hinter diesen Handlungen wird aber doch eine verächtliche, gegen die Juden gerichtete Grundeinstellung deutlich, die auch in den folgenden Jahrzehnten - wenigstens in Teilen der Bevölkerung - niemals ganz erlosch." (Gerd Rokahr: Die Juden in Esens. 1994, S. 139) Ein schöner Hinweis darauf, wie der Libe-ralismus, der in der Tradition der Fran-zösischen Revolution stand, auch in Esens durch die antisemitische Hetze der Pastoren in den Kirchen konterka-riert wurde.
1869, 3. 3. Bremen: Die Bürgerschaft beschließt die Einführung der Stadtreinigung.
1869 Bremen. In Bremen treten die "Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften" auf. Als erstes organisiert sich ein "Mau-rer- und Steinhauerverein". Es folgt ein Verein der Tischler. Am 30. 4. 1870 bil-den mehrere Gruppen dieser Art den "Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Untertützungsverband". (Die Gewerk-vereine wollten die Lage der Arbeiter verbessern, jedoch ohne zum Streik aufzurufen. Die "wirtschaftsfriedliche" Organisation scheiterte in Bremen und spielte nach 1871 keine Rolle mehr, schreibt Schwarzwälder.)
1869, 15. 6. Bremen: König Wilhelm I., begleitet vom Großherzog Friedrich Franz von Meck-lenburg Schwerin sowie dem Bundes-kanzler des Norddeutschen Bundes, Graf Bismarck, dem Kriegsminister v. Roon und dem Chaf des Großen Gene-ralstabs, Graf Moltke, und dem Admiral Prinz Adalbert von Preußen, besuchen die Freie Hansestadt Bremen und bei dieser Gelegenheit auch Bremerhaven. (Der Großherzog von Oldenburg fehlt bezeichnenderweise in dieser illustren Gesellschaft).
1869, 12. 12. Bremen: Einweihung der "Friedenskir-che". Architekt: Johann Rippe. Im Jahre 1939 wird der Vierungsturm abgetragen. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, aber 1948/49 wieder hergestellt und durch ein Gemeindehaus ergänzt (Einweihung am 3. November 1968)
1869-1871 Bremen: Bau der Remberti-Kirche. Sie brannte nach dem Angriff vom 4. Juni 1942 aus und wurde nach der Befreiung abgerissen. Die neue Kirche entstand 1951 an der Ecke Schwachhauser Heer-straße/Friedhofstraße. Die Kirche, die auf dem heutigen Remberti-Kreisel stand, war nach dem zweiten Erzbischof von Bremen, Rembert, genannt. Sie stand auf einem Gelände, auf dem sich ursprünglich ein Aussätzigenspital (er-wähnt 1308) befand und wird 1366 bereits genannt. Im Jahre 1547 läßt der Rat die Kapelle abreißen. Im Jahre 1597 entsteht eine neue Kirche zur Versor-gung der östlichen Vorstadt, die 1736 abgebrochen wurde, weil sie baufällig war. An ihre Stelle trat eine Saalkirche die dann 1869 durch den neugotischen Bau ersetzt wurde.
1869, 19. 10. Vegesack: Eröffnung der Buchhandlung C. C. Otto
1869 Vegesack. Gründung des Gymnasiums in Vegesack.
1869 Vegesack: Gründung der Norddeutschen Steingutfabrik. Das Unternehmen be-schäftigte zunächst etwa 100 Arbeiter, die Gebrauchsgeschirr herstellten. 1897 brannte die Fabrik ab und wurde danach moderner wieder aufgebaut. Die Firma produzierte nunmehr sehr erfolgreich Wandplatten und beschäftigte 1907 bereits 650 Arbeiter, Der Erfolg setzte sich nach dem Ersten Weltkrieg fort. Nunmehr stieg die Belegschaft sogar auf 2000 Personen.
1869, 4. 5. Bremerhaven/Geestemünde/Lehe: Streik der Maurer an der Unterweser. Das Ergebnis des Arbeitskampfes ist mir nicht bekannt.
1869, 15. 9. Bremerhaven. Der Norddeutsche Lloyd eröffnet die neue Linie Bremen - New Orleans - Havanna. Der Unterneh-menszweig steht unter keinem guten Stern, obwohl die Reederei Dampfer einsetzt, die für diese Strecke gebaut wurden. Aber zunächst legt der Deutsch-Französische Krieg den Handel mit der Karibik lahm, dann bricht die Konjunktur ein - jedenfalls wird die Linie am 6. April 1874 wieder aufgegeben.
1869 Bremerhaven: Bau der Wartehalle des Norddeutschen Lloyd am neuen Hafen.
1869, 3. 10. Bremerhaven/Geestemünde/Lehe: Die "Lassalleaner" und die "Eisena-cher"der Unterweserstädte feiern ein Verbrüderungsfest, vereinigen sich also in einer Partei, die sich aber nicht ent-falten kann, weil schon im nächsten Jahr der Krieg gegen Frankreich obrigkeit-liche Repressionsmaßnahmen mit sich bringt.
1869, 4. 5. Geestemünde/h2remerhaven/Lehe: 500 Maurer bestreiken alle Bauunternehmen der Unterweser-Orte, um eine Lohner-höhung durchzusetzen. Der Ausstand dauert bis Anfang Juni. Da das genaue Ende ebenso wenig bekannt ist wie das Ergebnis, gehe ich davon aus dass der Arbeitskampf für die Proleten verloren ging.
1869 Geestemünde: Die Gemeinde erhält ein Krankenhaus mit 20 Betten. Später "Herberge zur Hemat", dann Jugend-herberge.
1869-1878 Blexen/Weddewarden: Errichtung der Forts Langlütjen I (1869-1875) und Langlütjen II (1872-1880) auf dem Watt vor Tettens. Auf der anderen Weser-seite entstehen die Batterien Brinkama-hof II und (später) Brinkamahof I. Bei Kriegsausbruch im Jahre 1914 befanden sich auf Langlütjen I neun 21-cm-Geschütze, auf Langlütjen II sogar 5 28-cm-Geschütze und zwei Kanonen mit dem Kaliber von 15 cm. Brinkamahof II verfügte über sechs 28-cm-Geschütze, während Brinkamahof I nur mit vier 8.8 cm Flugabwehr-Kanonen ausgestattet war. Hinzu kamen im Jahre 1908 zwei Batterien, deren eine bei Wremen aus vier 28-cm-Haubitzen und die andere bei Weddewarden aus vier 10,5-cm-Geschützen bestand. Die Wesermündung war also außerordentlich gut gegen einen englischen Flottenangriff gesi-chert, der nie erfolgte und auch kaum zu erwarten stand, denn die englische Flot-te zog die Blockadelinie nicht bei Helgo-land, wie man erwartet hatte, als man im 19. Jahrhundert die Forts in der Weser-mündung baute, sondern auf einer Linie, die von Schottland nach Norwegen führ-te. Übrigens konnte man nach der Kriegserklärung der USA an Deutsch-land am 6. April 1917 auf eine Blockade ganz verzichten, weil deutsche Schiffe auf der ganzen Welt keinen Hafen mehr gefunden hätten. Nach der Befreiung wurde Langlütjen I. im Jahre 1946 ge-sprengt. Der Steg, der bis dahin zu der Insel führte, wirkte in den folgenden Jahrzehnten wie ein Damm, so dass die Insel heute mit dem Festland verbunden ist und von Spaziergängern besucht werden kann. Langlütjen II. wurde zwar desarmiert, blieb aber erhalten. Sie ist, wie ich vermute, die einzige Befesti-gungsanlage aus dem 19. Jahrhundert in Norddeutschland, die man heute noch besichtigen kann. Sie wurde 1991 unter Denkmalsschutz gestellt, verfällt aber langsam.
1869 Huntebrück: Bei Huntebrück wird eine feste Straßenbrücke über den Fluss ge-schlagen. Es handelt sich um eine Dreh-brücke, damit Schiffe den Ort passieren konnten. 1871 folgt eine Eisenbahn-brücke.
1869-1941 Elsfleth: Nachrichten für Stadt und Land Elsfleth
1869-1872 Wilhelmshaven: Bau der evangelischen Garnisonkirche in Wilhelmshaven. Sie wurde nach der Schwägerin des dama-ligen Königs Wilhelms I. "Elisabeth-Kirche" genannt. Im Zweiten Weltkrieg durch Bomben schwer beschädigt, wurde sie wieder aufgebaut und enthält noch heute viele Devotionalien, die an die Hochseeflotte Kaiser Wilhelms II. und an die Kriegsmarine Hitlers erinnern.
1869, 17. 6. Wilhelmshaven: König Wilhelm von Preußen, begleitet von den Bürgermeis-tern Duckwitz und Meyer aus Bremen, den Großherzögen von Oldenburg und Mecklenburg-Schwerin, sowie von dem Prinzen Adalbert (als "Admiral der preußischen Küsten"), Reichskanzler v. Bismarck, Kriegsminister v. Roon, Ge-neralstabschef v. Moltke, Admiral Jach-mann, erscheint im "preußischen Jade-gebiet" und wohnt der Zeremonie bei, durch den das Anwesen den Namen "Wilhelmshaven" erhält. Die Urkunde verliest Kriegsminister v. Roon. Auf der Reede liegen das Panzerschiff "Prinz Adalbert", die Korvette "Arcona", der Aviso "Grille" sowie der Raddampfer "Adler". Die britische Regierung hat das moderne Panzerschiff "Minotaur" entsandt, auf dem ein Leutnant Fisher den Salut kommandiert, mit dem die Briten den König von Preußen begrüßen. Es ist derselbe Fisher, der dreißig Jahre später als der geniale Erneuerer der bri-tischen Flotte und damit als der erfolg-reiche Gegenspieler des Admirals Tir-pitz hervortritt. - Am gleichen Tage er-folgt die Grundsteinlegung der evange-lischen Garnisonkirche in Wilhelms-haven, die nach der Gemahlin Friedrich Wilhelms IV. den Namen "Elisabeth-Kirche" erhält (heute "Christus- und Garnison-Kirche"). - Wilhelmshaven wird zunächst von der preußischen Admiralität direkt verwaltet.
1869, 17. 9. Heppens: Als erste Zeitung im Jade-gebiet erscheinen die "Heppenser Nachrichten". Die Lebensdauer des Blattes ist nicht bekannt.
1869 Esens: Bau der Johannimühle. Es handelt sich um einen einstöckigen Galerie-Holländer, der 1909 völlig erneuert wur-de. 1928 wurde der erste Elektromotor eingebaut. Die Mühle ist funktionstüchtig und kann besichtigt werden.
1869, 3. 4. Heppens: Der "Heppenser Courier" erscheint. Ab 17. 7. 1869 "Will-helmshavener Courier". ab 1874 "Wilhelmshavener Zeitung". Das Blatt stellt am 3. 3. 1881 sein Erscheinen ein.
1869 Fulkum: In diesem Jahr, so vermutet man jedenfalls, wird die Mühle der Ge-schwister Arjes errichtet. Sie bleibt bis 1954 in Betrieb und war bis 1980 noch vollständig vorhanden.
1869, 25. 4. Esens: Das Harlinger Blatt berichtet: "Gestern sahen wir hier zum erstenmal ein Velocipede(also ein Fahrrad, Anm. d. Verf.) Ein Primaner des Auricher Gym-nasiums hatte mit seinem Velicopede die Strecke von Aurich bis Esens in zwei und einer halben Stunde zurückgelegt." (Esens zu Großvaters Zeiten, 1999, S. 61)