-1875-1879-

1875 Bremen: Der Petroleum-Import boomt. In Bremen befindet sich die bedeutenste Petroleumbörse Europas und die Häfen von Geestemünde und Bremerhaven hal-ten den größten Anteil an den europä-ischen Importen des Leuchtstoffs. In Geestemünde wird in diesem jahr der Petroleumhafen eröffnet. Entscheidend ist bei alledem, dass der Handel immer mehr zunimmt - bis Riedemann nach Hamburg abwandert.
1875, 24. 1. Bremen: Die Hansestadt führt verbind-lich die Trichinenschau ein.
1875, 1. 5. Bremen: Eröffnung des Riensberger Friedhofs. Er trat an die Stelle der Grablegen vom Doventor und Herdentor. Die Anlage ist heute 29,9 Hektar groß.
1875, 6. 5. Bremen: Die Kaiserbrücke wird dem Verkehr übergeben. Damit wird die Schlachtefähre überflüssig, die deshalb den Verkehr einstellt. Die Boote hatten seit 1645 regelmäßig den Verkehr an dieser engsten Stelle der Weser bedient. Ab 1871 hatte der Pächter sogar zwei kleine Dampfer eingesetzt, die an neuen Anlegern festmachten.
1875 Bremen. Gründung des Männer-Turn-vereins. Am 30. September 1896 wird die Turnhalle eingeweiht.
1875-1876 Bremen: Bau der neugotischen Jakobikirche in der Neustadt, Architekt: Johann Rippe.
1875, 5. 12. Bremen: Kriegerdenkmal am Ansgarii-Tor, von Robert Keil, eingeweiht am Jahrestag des Einzugs des bremischen Bataillons in Orléans. Es ist den 58 Kriegstoten der Stadt gewidmet. Seiner-zeit wurde besonders die Figur des Fahnenträgers gelobt, der das Denkmal krönte, was jedoch die Nazis nicht daran hinderte, die Plastik 1942 einschmelzen zu lassen. Der Sockel wurde abgetragen. Weitere Denkmäler für die Toten des Deutsch-Französischen Krieges:
  • Marmortafel im Schulsaal der Realschule, eingeweiht am 11. Januar 1873. Inschrift: "Mit Gut und Blut für Deutschlands Ehre und Freiheit."
  • Dann gab es einen Obelisken aus Sandstein auf dem Herdenthors-friedhof für 44 Soldaten, die in bremischen Lazaretten starben.
  • Eine Granittafel in der Liebfrau-enkirche erinnerte seit dem 7. Januar 1875 an 41 Gefallene des 1. Bataillons des Infanterie-Regi-ments 75 (das in Bremen statio-niert war).
  • In der Hauptschule war seit dem 26. Juni 1875 eine Marmortafel den 13 gefallenen Schülern dieses Instituts gewidmet.
  • Außerdem errichtete man auf dem Buntenthorsfriedhof einen Obelis-ken für die sechs französischen Kriegsgefangenen, die während des Orlogs in Bremen gestorben waren, eine Übung, die im Ersten und erst recht im Zweiten Welt-krieg aufgegeben wurden.
1875, 2. 8. Bremen: In der "Tonhalle" vereinigen sich die Anhänger von Lassalle und Marx zur "Sozialdemokratischen Arbei-terpartei".
1875-1878 Bremen: Bau des Postamts auf der Domsheide. Mit der Gründung der Reichspost enden die vielen Unter-nehmungen der Länder wie auch von Privatpersonen (von denen die Fürsten von Thurn und Taxis die bekanntesten waren) Das Gebäude hat den zweiten Weltkrieg heil überstanden.
1875-1890 Bremen: Anlage des Waller Friedhofs.
1875, 1. 12. Vegesack: Die Stadt wird dem deutschen Zollgebiet eingegliedert.
1875 Bremerhaven/Geestemünde: Fast alle Schiffszimmerer auf den Werften sind organisiert. Ihre Gewerkschaft hat 744 Mitglieder.
1875 Aumund: Friedrich Lürssen gründet einen Bootsbaubetrieb, in dem nur er selbst, sein Schwiegervater und ein Lehrling beschäftigt waren. Die Werft produzierte Sportboote. Sie siedelte 1904 an die Weser um und verlegte schließlich 1936 die Produktion nach Lemwerder. Die Werft wird 1986 geschlossen.
1875, 25. 5. Bremerhaven. Der Passagierdampfer "Deutschland" vom Norddeutschen Lloyd sinkt in der Themse-Mündung, wobei es 57 Tote gibt. In diesem Fall war der Dampfer bei "Kentish Rock" auf Grund geraten. Dabei wren die Sichtverhältisse so schlecht, dass die Notsignale des Schiffes von Land aus nicht wahrgenommen werden konnten, so dass das Unglück erst nach 24 Stunden bemerkt wurde. Dann dauerte es noch einmal sechs Stunden, bis die Menschen von Bord geholt wurden. Weil auch das Deck des Schiffes überspült wurden, mussten Pasagiere wie Besatzung in den Wanten hängend ausharren, was zwar 137 Personen überlebten, 57 aber nicht. Die meisten von ihnen waren erfroren. Die "Deutschland" hatte am 14. Oktober 1866 ihre Jungfernreise angetreten. Sie war 2.947 BRT groß und über alles 106,20 Meter lang.
1875, 11. 12. Bremerhaven: Beim Beladen des Lloyddampfers "Mosel" explodiert im Neuen Hafen eine Bombe. Es sterben 81 Menschen, 50 weitere werden verletzt. Das Verbrechen wurde von William Thomas begangen, der einen Versiche-rungsbetrug geplant hatte, denn eigent-lich sollte der Sprengsatz im Atlantik hochgehen und das Schiff sang- und klanglos versenken. Der Verbrecher be-ging, nachdem sein Plan gescheitert war, Selbstmord.
1875-1876 Geestemünde: Bau des Petroleumsha-fens (später Werfthafen der Seebeck-Werft). Von hier aus betrieb der "Self-Made-Man" Wilhelm Anton Riedemann (1832 - 1920) den Petroleumimport aus den Vereinigten Staaten nach Geeste-münde. Er machte den Hafen zum zeit-weilig bedeutendsten Umschlagplatz für das Brennmaterial an der deutschen Nordseeküste. Petroleum wurde zu-nächst in einzelnen Fässern transportiert und in dieser Form seit 1860 nach Bremen gebracht. Riedemann kam nun auf die Idee, statt der vielen kleinen Behälter einen großen zu bauen und den fest in einem Segler zu installieren. So entstand das erste Tankschiff, nämlich die "Andromeda", die am 1. September 1885 Geestemünde verließ. Ihr folgte schon 1886 der erste, in England gebau-te Tank-Dampfer, "Glückauf" genannt. Das Unternehmen Riedemanns, die "Waried Tankschiff Rhederei" (Waried ist eine Abkürzung von Wilhelm Anton Riedemann) gehört zu den Mitbegrün-dern der ESSO. Riedemann starb 1920 in Hamburg. In Bremerhaven erinnerte man sich noch lange an das "Riedemannsche Palais", das aber 1944 bei dem großen Bombenangriff auf die Stadt zerstört wurde.
1875, 1. 11. Geestemünde: Die Christuskirche wird eingeweiht. Die Gemeinde beschloss im Jahre 1863 den Neubau der Predigt-stätte, da die Marienkirche in Geesten-dorf für die 3000 Einwohner der Dop-pelgemeinde nicht mehr ausreichte. Mit der Planung wurde der Baurat Hase beauftragt, der sich 1868 ans Werk machte. Die Grundsteinlegung erfolgte am 19. Juli 1872. Im Jahre 1875 war der Bau aber noch nicht abgeschlossen, denn der Turmhelm musste wegen tech-nischer Mängel abgerissen und neu auf-gemauert werden. Im Jahre 1880 war die Kirche dann so fertig, wie sie heute noch zu erleben ist. Die innere Gestalt hat sich natürlich verändert. So mussten die Fenster durch neue ersetzt werden. Die Rundfenster sind dabei das Werk des Bremerhavener Malers Hans-Georg Müller-Hanssen. Der Altar und die Kanzel stammen aus dem Jahre 1875. Damals erhielt die Kirche auch ihre Orgel. Sie wurde von der Firma Peternell errichtet, jedoch 1966 abge-rissen und durch ein neues Werk von Hillebrand aus Altwarmbüchen ersetzt, das 1997 erneuert und erweitert wurde. Die alten Glocken wurden in den letzten Kriegen eingeschmolzen. Die neuen stammen aus dem Jahre 1955. Die mechanische Uhr aus dem Jahre 1875 wurde ausgebaut. Das Uhrwerk steht heute im Eingangsbereich der Kirche. Den Osterleuchter gestaltete 1999 der Kunstschmied Hermann Holsten aus Otterstedt.
1875, 1. 3. Geestemünde. Kapitän Stühmer eröffnet mit dem Raddampfer "Nordenhamm" eine regelmäßige Fährverbindung zwi-schen Nordenhamm und Geestemünde, wobei er auch den Anleger in Blexen anläuft, so weit das möglich ist und zweckmäßig erscheint. Bis dahin, also seit dem Erlöschen des Fährprivilegs, hatten im wesentlichen Dampfer des Norddeutschen Lloyds, die Auswanderer von Bremen nach Bremerhaven brach-ten, die Verbindung zwischen Blexen und Guntsiet hergestellt. Die "Norden-hamm" blieb im Dienst, bis sie durch die "Union" abgelöst. Der Nachteil war, dass im Herbst und Winter nach wie vor, der Blexer Anleger eingezogen wurde, so dass die "Nordenhamm" in etwa fünf Monaten des Jahres die Sta-tion Blexen nicht bedienen konnte.
1875 Geestemünde. Im Mai bricht bei Tecklenburg ein Streik aus, weil die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter verlangen, dass zwei Männer, die ihrer Organisation nicht beitreten wollen, beschäftigt werden. Die Werksleitung sperrt daraufhin 800 Arbeiter aus, reagiert also mit großer Härte. Der Streik endet am 1. Juni erfolglos.
1875 Blexen: Bau des Willehadusbrunnens im Blexer Pastorei-Garten.
1875, 12. 4.: Blexen: Der Gemeinderat beschließt den Bau eines neuen Armenhauses in Blexer Wurp. Der sehr schlichte Bau diente etwa ein Jahrhundert lang diesem Zweck. Begründung: "Da das kleine, baufällige Armenhaus im Orte Blexen, das kurz darauf abgebrochen ist, in keiner Weise den gestellten Anforde-rungen genügte, war bis dahin die Haus-unterstützung allgemein üblich gewesen. Diese machte eine Kontrollierug jedoch kaum möglich und hatte in absehbarer Zeit zu unhaltbaren Zuständen geführt." Foucault hätte an diesem Satz seine Freude gehabt!
1875 Atens: Südlich des Bahnhofs wird ein sog. Loch ausgehoben, der nach einem Bahnbeamten als "Noellhafen" in die Geschichte der Stadt Nordenham einge-gangen ist. Er erhält keine Schleuse und muss deshalb ständig ausgebaggert werden, was ab 1907 unterbleibt, so dass er in der Folgezeit zuschlickt.
1875 - 1880 Atens: Auf dem Gut Schützfeld entsteht eine Ziegelei, die aber 1880 in Konkurs geht.
1875 Ovelgönne: Das Amtsgericht wird von Ovelgönne nach Brake verlegt.
1875, 15. 10. Brake: Eröffnung der Bahnlinie Brake-Nordenhamm. Der volle Betrieb wird erst am 1. 1. 1877 aufgenommen. Im Mai fuhren bereits die Züge bis Großensiel, wo auch ein kleiner Bahnhof gebaut wurde. Er ist inzwischen abgerissen.
1875 Wilhelmshaven: Gründung der ersten Realschule.
1875, 17. 9. Wilhelmshaven. Stapellauf der Panzer-fregatte "Großer Kurfürst" auf der Kaiserlichen Werft. Sie sank bereits am 31. Mai 1878 vor Folkestone im En-glischen Kanal nach einem Zusam-menstoß mit der Panzerfragtte "König Wilhelm". Bei dem Unglück starben 269 Matrosen.
1875 Feldhausen: In der Bauerschaft bei Heidmühle wird eine Wasserader erbohrt, von der aus die Versorgung zunächst der Festung Wilhelmshaven mit Trinkwasser organisiert wird. Der "Feldhauser Sprudel" wurde in der Folgezeit die sprichwörtliche Bezeich-nung für einwandfreies, wohlschmek-kendes Wasser, mit dem von der Geest her die Marschgebiete versorgt wurde.

-1876-

1876-1878 Bremen: Bau der St. Wilhadi-Kirche. Der neugotische Bau wird bei dem An-griff am 18./19. August 1944 zerstört; nur der Turm bleibt stehen. Bestrebun-gen, ihn als Mahnmal zu erhalten, scheitern. Die Ruine wird also 1964 abgerissen. Die neue Wilhadi-Kirche entsteht 1959. Der Architekt ist Fritz Brandt.
1876 Bremen: Die Altstadt wird kanalisiert. Erste Versuche, die Abwässer unterir-disch abzuleiten, wurden seit 1834 un-ternommen, scheiterten aber, weil die Technik noch nicht hinreichend fortge-schritten war. Erst als man seit 1862 gelernt hatte, aus Portland-Zement Röh-ren herzustellen, konnte man ans Werk gehen. Die Pläne wurden seit 1872 gezeichnet, ehe man dann von 1876 bis 1892 einen ersten Bauabschnitt reali-sierte. Danach schrieb der Senat an ausreichend kanalisierten Straßen bei Neubauten den Einbau von Spülklosetts vor. Von 1899 bis 1906 baute Bremen eine erste Kläranlage. Die Kanalisierug der Neustadt erfolgte von 1893 bis 1895.
1876 Bremen: An der Osterstraße in der Neustadt entsteht das "Vereins-Krankenhaus" mit zwei Krankensälen. Es wurde seither ständig erweitert. Heute: Rotes-Kreuz-Krankenhaus.
1876, 13. 9. Bremen: Einweihung der Synagoge. Das Haus Gartenstraße 6 wird für die Bedürfnisse der jüdischen Gemeinde umgebaut. Der Architekt ist J. D. Dunkel.
1876, 28. 3. Bremen: Gründung der "Bremer Pferdebahn AG". Die erste Probefahrt der Bahn, deren Wagen zwar auf Schienen fuhren, aber von Pferden gezogen wurden, erfolgte bereits am 31. Mai 1876. Die Strecke führte vom Herdentor über den Bahnhof zur Vahrster Brücke. In den nächsten Jahren wurde das Streckennetz ständig erweitert. Anlässlich der "Norddeutschen Gewerbe- und Industrie-Ausstellung" im Jahre 1890 fuhr in Bremen probeweise die erste elektrische Straßenbahn. Sie erweist sich als ausgesprochen zuverlässig, so dass die Bremer Gesellschaft in demselben Jahr, am 27. September 1890, beschloss, den Betrieb auf die neuen Elektrowagen umzustellen. Sie änderte deshalb auch 1891 ihren Namen in "Bremer Straßenbahn AG". Die erste Eletrische fuhr am 31. Mai 1892 von der Börse nach Horn.
1876, 27. 7. Bremen: Aufstellung des Denkmals für Wilhelm Hauff im Ratskeller. Am 29. Juli 1876 wird das Wandgemälde von A. Fitger der Öffentlichkeit vorgestellt.
1876, 1. 8. Bremen. Erstes Erscheinen der sozialdemokratischen "Bremer freien Zeitung". Sie wure 1878 auf Grund des Sozialistengesetzes verboten.
1876, 9. 10. Bremen: "Verbrüderungsfest" der Bremer Gewerkschaftsgruppen. Die "Lassalleaner" und "Erfurter" eini-gen sich und bilden fortan eine gemein-same Organisation.
1876 Bremen: St. Jakobi in der Neustadt wird eingeweiht. Die Kirche überstand die Bombardierungen Bremens im Zweiten Weltkrieg. Im Jahre 1945 fand hier der erste evangelische Gottesdienst nach der Befreiung Bremens von der Nazi-Herrschaft statt.
1876, 25. 6. Bremen: In der Hansestadt erscheint die erste Nummer der "Bremer Freien Zeitung". Sie ist das Organ der SPD. Ihr erster Redakteuer war Wilhelm Fricke, der eigentliche Gründer der Bremer SPD. Die Zeitung bestand bis zum Sozialistengesetz 1878 und wurde dann natürlich verboten.
1876, 13. 9. Bremen. Einweihung der ersten Bremer Synagoge auf dem Grundstück "Gar-tenstraße 6"
1876, 2. 12. Bremen. Auf der AG Weser läuft das Panzerkanonenboot "Biene"vom Sta-pel. Es sei hier als Beispiel für eine ganze Anzahl solcher Schiffe genannt, die damals von der kaiserlichen Marine gebaut und eingesetzt wurden. Die "Biene" war das dritte Schiff dieses Typs der Kaiserlichen Marine. Es verdrängte 1176 Tonnen und war im wesentlichen mit einem Geschütz ausgerüstet, das das Kaliber von 30,6 cm hatte. Die "Biene" trat am 20. August 1878 zur Flotte und wurde am 27. September 1910 aus der Liste der deutschen Kriegsschiffe gestrichen, dann aber als schwimmende Werkstatt weiter gebraucht. Im Jahre 1921 wurde das Boot in Wewelsfleth abgebrochen. An irgendwelchen Ereignissen der deutschen Marinegeschichte war die "Biene" nicht beteiligt. Kanonenboote dienten ganz allgemein zur Verteidigung der Küste. Sie waren die kleinsten Kriegsschiffe, die man damals baute und einsetzte.
1876, 3. 12. Bremen. Einweihung der Jakobikirche am Kirchweg beim Buntentorssteinweg. Sie ist eine der wenigen neugotischen Kirchen Bremens, die seither erhalten geblieben sind.
1876, 6. 1. Bremen. Auf allen Werften an der Weser und an der Elbe treten 448 Mitglieder des Verbandes der Schiffszimmerer (und nur sie) in den Streik, um eine Lohnkürzungabzuwehren. Die Unterneh-mer reagieren mit der Aussperrung der Verbandsmitglieder. Der Ausstand dau-ert bis zum 3. Februar, also fast vier Wochen. Am Ende wird der alte Lohn weiter gezahlt.
1876/1877 Bremerhaven. Bau der Seedorf-Villa an der Hafenstraße. Das HHaus wurde 1981/82 restauriert und beherbergt heute das Standesamt.
1876, 1. 3. Bremerhaven. Die "Hohenzollern" läuft zu ihrer ersten Fahrt nach Südamerika aus. Die Ziele sind Brasilien und die La-Plata-Mündung.
1876, 18. 12. Bremerhaven. Eröffnung des Kaiserha-fens.
1876, 1. 10. Geestemünde: Georg Seebeck eröffnet mit fünf Gesellen und drei Lehrlingen an der Bülowstraße eine Klempnerei, Kupferwerkstatt und Gelbgießerei. 1879 baut Seebeck das erste Schiff, die Barkasse "Minna" (6,7 BRT). Im Jahre 1886 erwirbt Seebeck am Querkanal ein Grundstück von der Firma Wencke, wo er kleine Schiffe, etwa Barkassen, baut. Im Jahre 1889 kann der Unternehmer ein benachbartes Grundstück erwerben, auf dem er eine Gießerei einrichtet. 1891 kaufte Seebeck den Geestemünder Betrieb von Schau und Oltmanns und 1895 die Bremerhavener Werften von Johann Lange und Ulrichs. Gleichzeitig wandelte er sein Unternehmen am 7. Dezember 1895 in eine Aktiengesell-schaft um. Der Betrieb wurde 1898 nach Bremerhaven verlegt und zwar dorthin, wo bislang die Werften von Lange, Ulrichs und Wencke ihre Plätze hatte, wobei Seebeck benachbarte Grundstük-ke hinzu kaufen konnte, die jedoch nicht miteinander verbunden waren. Aus die-sem Grund erwarb die Seebeck AG im Jahre 1906 ein Areal am Südende des Geestemünder Handelshafens, wo bis 1910 eine völlig neue Werft mit zwei Baudocks entstand, auf der zu dieser Zeit etwa 1100 Arbeiter beschäftigt waren. Bei Ausbruch des Ersten Welt-kriegs stieg die Zahl der Mitarbeiter auf 1400. Bis dahin hatte Seebeck nahezu 350 Schiffe aller Typen gebaut. Im Jahre 1928 fusionierte Seebeck mit der AG Weser. Aus dem Unternehmen entwik-kelt sich später eine der großen Werften der Unterweser-Region.In der Technikgeschichte spielt die Seebeckwerft aus zwei Gründen eine Rolle:
  • Zum einen lag ihr Schwerpunkt von Anfang an im Maschinenbau
  • und zum andern fertigte sie, wenn möglich, Schiffe in Serie, um so die Kosten zu senken.
Seebeck selbst verlegte seinen Wohnsitz 1908 nach Bremerhaven, wo er sich neben der Geestebrücke eine reprä-sentative Villa bauen ließ.
1876 Nordenhamm. Der neue Hafen bei dem Gut Nordenhamm besteht aus zwei Piers:
  • einer dient dem Löschen der Öl-schiffe,
  • der andere nimmt Stückgutladun-gen auf. Dazu gehört ein fünfstök-kiger Stückgutschuppen.
1886 werden beide Piers zu einem verbunden. Seit 1883 gibt es zusätzlich noch einen dritten Pier.
1876 Atens: In dem Ortsteil Nordenhamm wird ein Wahlverein der SPD gegründet.
1876, 1. 7. Atens: Gründung der "Butjadinger Zeitung" durch Wilhelm Böning. Im Jahre 1892 zieht das Unternehmen in das Haus Bahnhofstraße um, wo das Blatt unter dem Namen "Kreiszeitung Wesermarsch" noch heute erscheint.
1876 Brake: Gründung des örtlichen Vereins der "Sozialistischen Arbeiterpartei" (1878 verboten).
1876 Varel: Gründung einer "Höheren Töch-terschule". Mit den Gründungen dieser Art etwickelt sich die "Frauenbewe-gung" Zweck solcher Bildungseinrich-tungen ist zunächst, den "Höheren Töchtern" so viel Bildung zu vermitteln, dass sie später als "Damen des Hau-ses" bei Gesellschaften "Konversation machen", also repräsentieren konnten. Sie erfuhren also etwas über Literatur und lernten vor allem Französisch. Das Klavierspiel gehörte auch zum Bildungs-programm, wurde aber nebenher betrie-ben.
1876, 1. 9. Wilhelmshaven: Eröffnung der städti-schen "Wilhelmshavener Sparkasse" im "Roten Schloss" an der Roonstraße. Das kommunale Institut war keineswegs das erste seiner Art. Bereits 1868 war in Heppens die "Leih- und Sparkasse von Friedrich Koch & Co" gegründet worden. Außerdem bestand sein 1871 die Wihelmshavener Sparcasse von J. G. Manhenken und August Schiff und schließlich betrieb die Oldenburgische Spar- und Leihbank in Wilhelmshaven eine Filiale.
1876/77 Wilhelmshaven: Der zweite Wilhelmsha-vener Wasserturm wird errichtet. In der Nacht vom 30. zum 31. Janiar 1941 durch Bomben zerstört und 1952 abge-rissen.
1876 Wilhelmshaven: Errichtung des Werft-tors I an der Gökerstraße. Das Bauwerk hat die Zerstörungen nach dem Zweiten Weltkrieg überstanden. Es erinnert als einziges architektonisches Relikt heute noch an die Kaiserliche Werft in Will-helmshaven, auf der die Arbeiter sozu-sagen deutsche Geschichte nieteten.
1876-1880 Wilhelmshaven: Bau der Forts Altona, Rüstersiel, Schaar, und Mariensiel, die Wilhelmshaven gegen einen Angriff von Land her schützen sollten, der nie er-folgte (wenn man einmal vom Kriegs-ende im Jahre 1945 absieht, aber zu die-ser Zeit spielten diese Forts längst keine Rolle mehr). Im Fort Rüstersiel sind Reste der Festungsanlage noch vorhan-den. Heute Sitz der Vogelwarte "Helgoland". Das Fort Heppens sicherte die Festung gegen die Jade. Es verschwand, als die Vierte Einfahrt gebaut wurde.
1876 Wilhelmshaven: Verband der Klempner und verwandter Berufe gegründet.
1876 Wilhelmshaven: Gewerbliche Fortbil-dungsschule eröffnet. (Heute: Kaufmän-nische Berufsschule)
1876 Jever: Der bisherige hölzerne Glocken-träger wird durch einen 20 Meter hohen Turm ersetzt, der 1902 auf 56 Meter aufgestockt wurde.

-1877-

1877, 5. 4. Bremen: Die Schule an der Lessing-straße wird eröffnet.
1877-78 Bremen: Bau der Gewerbebank in der Kaiserstraße (heute Bürgermeister-Smidt-Straße). 1883 erwirbt der bremi-sche Staat das Haus und überlässt es dem Gewerbemuseum, das darin bereits einen Ausstellungsraum hatte. Eine kunstgewerbliche Sammlung bestand in Bremen seit 1873. Im Jahre 1914 stellt das Gewerbemuseum seine Tätigkeit ein. Die Bestände gehen 1925 in dem Focke-Museum auf.
1877, 13. 2. Bremen: Gründung der Bremer Lager-haus-Gesellschaft.- Sie verwaltet heute die stadtbremischen Häfen in Bremen selbst und in Bremerhaven.
1877, 10. 7. Bremen. Das "Bremer Tageblatt" stellt sein Erscheinen ein. (Laut Schwarz-wälders "Bremen-Lexikon"erschien das erste Bremer Tageblatt von 1855 bis 1859 im Verlag Strack, ein zweites im Jahre 1879 in verschiedenen Verlagen, die nicht genannt werden. Möglicherweise meint Wania hier eine dritte Zeitung dieses Namens, die vergessen ist.)
1877, 15. 8. Bremen: Auf der Bastion am Doventor wird das Denkmal enthüllt, das an den Gärtner Isaak Hermann Albert Altmann (1777-1837) erinnert. Altmann hat sich große Verdienste um Bremen erworben, als er es durchsetzte, dass ein Teil der bremischen Festungswerke in Parkanla-gen umgewandelt wurden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahmen zunächst An-gehörige der bremischen Oberschicht Flächen in Anspruch, um sich hier kom-fortable Häuser zu bauen (so der be-rühmte Bürgermeister Smidt), in der Neustadt legte man auf alten Bastionen Exerzierplätze an. Diesen Prozess wusste Altmann zu unterbrechen, indem er Anlagen einrichtete. Insgesamt konnte er 56.998 Quadratmeter gärtne-risch gestalten. Das Denkmal, das seinem Andenken gewidmet war, wurde 1944 durch Bomben zerstört. Eine Replik steht in einer Nische des Hauses Altmannstr. 12. Von ihr wurde ein Abguss genommen und auf der Ansgarii-Bastion aufgestellt.
1877. 15. 9. Bremen. Einweihung der neuen See-fahrtsschule in Bremen am Neustadtwall. Das Gebäude wurde 1909 umgebaut und 1944 durch Bomben zrstört.
1877. 1. 12. Bremen: Das "Breitenwegbad" wird eröffnet. Die Anstalt wird 1889 um ein zweites Becken erweitert. Es handelt sich um eine Einrichtung, in der Badewannen bereitstehen. Darüberhi-naus gibt es zwei Schwimmbecken, je eines für Männer und eines für Frauen (und Kinder). Beim Bombenangriff in der Nacht vom 18. zum 19. August 1944 wird der Bau schwer beschädigt. Zwar konnte der Betrieb 1945 provisorisch wieder aufgenommen werden, aber 1952 wurde das Bad geschlossen und dann abgerissen.
1877 Bemen. Gründung des Bremer Wirtever-eins.
1877-79 Bremen: Bau der Kirche in Kirchhuch-ting. Sie ersetzt einen mittelalterlichen Bau, der bereits 1288 erwähnt wird und in dem 1566 der erste protestantische Pfarrer - ein Mann namens Johannes Krolle - predigte. 1963 Renovierung. Eine Nebenbemerkung: In diesen Jahrzehnten geht sehr viel historische Bausubstanz durch Unverstand verloren, was zunächst verwundert, weil doch das Interesse besonders am Mittelalter, aber auch an der deutschen Renaissance, also der Reformationszeit, sehr groß ist. Wenn man echte Bauten aus der Zeit aber vernichtet und diese durch neue Häuser ersetzt, die nur im gotischen oder im Renaissance-Stil gebaut sind, so zeigt sich daran, dass es auch in der Geschichte nicht darum geht, die Geschehnisse so darzustellen, wie sie gewesen sind. Man illustriert vielmehr die deutsch-nationale Ideologie durch opulente literarische Werke und dann auch durch entsprechende Bauten, die zwar historisch aussehen, nicht aber historisch sind.
1877. 2. 12. Aumund: Eröffnung der evangelischen Kirche von Aumund. Renovierung 1977.
1877, 1. 11. Bremerhaven: Auf allen Werften wird gestreikt. Es geht um die Einführung fester Stundenlöhne und die vertragliche Regelung der Arbeitszeit. Diesmal set-zen sich die Arbeiter durch. Der Streik endet am 26. März 1878.
1877 Bremerhaven: St. Josephs-Hospital. 1902-1904 Neubau in Geestemünde.
1877, 1. 11. Bremerhaven/Geestemünde: Streik der Schiffszimmerer, der erst nach fünf Wo-chen am 26. März endet. Mit dem Aus-stand wollen die 500 Arbeiter eine Lohnkürzung abwehren, was nur zum Teil gelingt.
1877 Bremerhaven. Die Schneider der Stadt organisieren sich in einem "Allgemei-nen Schneiderverein".
1877 Geestemünde: Bau und Eröffnung des Holzhafens.
1877 Geestemünde. Die Petroleum-Arbeiter setzen in einem Streik eine Lohnerhö-hung durch. Der Ausstand endet am 8. Juni. Über die Dauer ist mir nichts bekannt.
1877, 1, 11. Geestemünde: Auf der Tecklenburg-Werft streiken die Arbeiter, um eine Lohnkürzung um 25 Prozent abzuweh-ren. Der Ausstand endet erst am 26. März 1878. Das Ergebnis ist mir nicht bekannt. Hintergrund: Die Werften steckten damals in einer tiefen Struk-turkrise, weil sich der Schiffbau von Holz auf Eisen umgestellt wurde, was die Werftbaase asu technischen wie auch finanziellen Gründen nicht immer schafften. Die Krise hielt lange an. Tecklenburg beschäftigte beispielsweise 1884 800 Arbeiter und 1886 aber nur noch 260. Die Belegschaft der AG Weser in Bremen sank 1885/86 von 690 auf 200 Männer.
1877 Weddewarden: Bau der Zionskirche, die die Kirche von Imsum ersetzt. Der mit-telalterliche Bau wurde - bis auf den Turm - abgebrochen, weil er zum einen ungünstig lag und zum andern als baufällig galt. Das Inventar aus der alten Predigtstätte wird übernommen, so das Bronze-Taufbecken aus dem Jahre 1283.
1877, 20. 2. Blexen. Der Gemeinderat beschließt die Anschaffung zweier Kübelspritzen für Tettens und Phiesewarden. Im Kirchdorf war schon seit einigen Jahren eine Spritze vorhanden, die aber auf den un-passierbaren Wegen in den seltensten Fällen zur Brandstelle geschafft werden konnte, mit der Folge, dass ein Hof gnadenlos abbrannte, wenn einmal der Blitz einschlug oder sich das Heu selbst entzündete.
1877 Atens: Im Hafen bei dem Gut Norden-hamm hört der Rindviehexport nach England auf. In den folgenden Jahren behilft man sich mit dem Export von Schafen, dennoch bedeutet der Wechsel, dass der Hafen in eine tiefe Krise gerät, die erst behoben wird, als er mit Hilfe bremischen Kapitals zum Standort von Industrie-Unternehmen gemacht wird.
1877 Atens. Gründung des Turnvereins Atens-Nordenhamm. Man beachte, dass Atens in dem Vereinsnamen zwar zuerst genannt wird, Nordenhamm aber schon als selbständiger Ortin Erscheinung tritt.
1877, 1. 2. Brake. Gerhard Heinrich Thyen beginnt mit dem Ausbau des alten "Reichs-docks" und richtet hier eine Werft zur Reparatur von Schiffen ein, auf der dann ab 1892 auch Schiffe gebaut wurden. Das Unternehmen bestand bis 1917 und wurde dann an die Frerichs-Werft in Nordenham verkauft, die auf dem Platz fünf Heringslogger baute. Die Thyen-Werft baute 28 Schiffe.
1877 Varel: Eiserner Leuchtturm auf der ehe-maligen Insel Wurdeleh. 1922 abgebro-chen.
1877, 6. Mai Wilhelmshaven: Das "Wilhelmshavener Volksblatt erscheint. Es handelt sich um ein Kopfblatt der Bremer "Freien Presse". Am 17. Oktober 1878 stellt die Zeitung ihr Erscheinen ein, weil sie nach Maßgabe des Sozialistengesetzes ver-boten wurde. Auch die Ersatzgründung, der "Wilhelmshavener Volksfreund", wird verboten. Der Redakteur Carl Friedrich Trillhose geht nach Hamburg und Schleswig-Holstein. Dort ist der erste Arbeiterführer des Oldenburger Landes verschollen. Man vermutet, dass er aus dem Bundesgebiet ausgewiesen wurde.
1877, 18. 8. Wilhelmshaven: Volksfest des Arbeiterwohlfahrtsvereins. Dabei han-delte es sich um eine Einrichtung der Werft, die keineswegs die Absicht hatte, die Arbeiter zu quälen, im Gegenteil um ihr Wohl besorgt war - nur politische Forderungen durften sie nicht stellen und vor allem keine Organisationen bilden, die ihre Durchsetzung betrieben.

-1878-

1878, 21. 10. Das "Sozialistengesetz" tritt in Kraft. Es gilt bis zum 30. September 1890. Die Sozialdemokratische Parteien sowie alle anderen Organisationen, die sozialis-tische Ziele verfolgen, werden verboten, sozialdemokratische Kandidaten können aber an den Reichstagswahlen teilneh-men und gewählt werden. Das Gesetz hat im öffentlichen Leben Wilhelmsha-vens wie auch in den oldenburgischen Nachbargemeinden eine enorme Wir-kung, denn die Sozialdemokraten setzen natürlich ihre Agitation fort. Sie gründen schmuggeln Zeitungen ins Land und gründen auch Tarnorganisationen, von denen der Gesangerverein "Frohsinn" die bekannteste war. Dabei machen sie sich den Umstand zunutze, dass die polizeiliche Repression in der preus-sischen Festung selbst sehr strikt war, in den oldenburgischen Umlandgemein-den jedoch recht milde, was die preus-sische Gesandtschaft in Oldenburg scharf kritisierte, aber das Kaiserreich war - in Grenzen natürlich - zum Ärger Bismarcks ein Rechtsstaat, so dass solche regionalen Differenzierun-gen möglich waren. Sie prägten sich in das Gedächtnis der Sozialdemokraten ein und wurden im Laufe der Jahrzehnte noch verniedlicht, so dass manche von ihnen meinten, die Repression des Drit-ten Reiches würde sich vergleichbar ge-stalten, was ein schrecklicher Irrtum war, der, als man ihn erkannte, nicht mehr korrigiert werden konnte. An dem Tag, an dem das Sozialistengesetz in Kraft trat, stieß in Hannover Paul Hug zur SPD, der für die Entwicklung der SPD im Herzogtum Oldenburg die entscheidende Figur werden sollte.
1878, 25. 8. Bremen. Einweihung des Offizierskasi-nos in der Kaserne am Neustadtswall.
1878, 30. 9. Bremen: Die "Montagspost"erscheint zum ersten mal. Sie überlebt, laut Wania, bis zum 30. Dezember 1878.
1878, 18. 10. Bremen. Erstes Erscheinen der "Bre-mischen Volkszeitung". Sie endet am 25. Februar 1879.
1878, 1. 10. Bremen. Das Gebäude der Reichspost auf der Domsheide wird eröffnet. Der Generalpostmeister Stephan besucht aus diesem Anlass die Hansestadt Bremen.
1878, 17. 10. Bremen. Die "Bremer Freie Zeitung" muss auf Grund des Sozialisten-Geset-zes ihr Erscheinen einstellen. Sie kam 1876 zum ersten Mal heraus.
1878, 18. 10. Bremen. Die "Bremische Volkszeitung" erscheint. Sie wurde 1879 eingestellt.
1878, 1. 12. Bremen. Einweihung der Wilhadikirche an der Nordstraße. (Sie wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört)
1878 Bremen. Der bremische Staat gründet im Blockland einen Deichverband, der nun-mehr für die Dämme an der Wümme zuständig ist. Der einzelne Grundeigen-tümer ist damit entlastet.
1878 Bremen. Beginn der "überwachten Pro-stitution" in der Helenenstraße.
1878-80 Bremen: Bau des katholischen St. Jo-sephs-Krankenhauses. Es hatte zu-nächst 60 Betten und wurde seither ständig erweitert. Am 12. Mai 1941 und am 5. September 1942 wurde das Haus von Bomben getroffen, nach der Befrei-ungaber repariert und dann ständig erweitert. Der Altbau aus dem Jahre 1878 wurde 2002/2003 abgerissen.
1878 Bremen. Niemitz-Brunnen im Bürger-park.
1878/79 Huchting. Eine neugotische Kirche mit einem 46 Meter hohen Turm ersetzt den Bau aus dem 13. Jahrhundert.
1878 Bremerhaven: Eröffnung des Seeamts. Die Behörde untersucht die Unfälle auf See und Verstöße gegen die Seemanns-ordnung.
1878 Geestemünde. Die Geeste wird in diesem Jahr von 1545 Fischkuttern angelaufen, die hier ihre Fänge verhökern.
1878 Geestemünde. Die Jüdische Gemeinde weiht in der Schulstraße 5 ihre Syna-goge ein.
1878 Geestemünde: Bau einer Synagoge.
1878 Geestemünde: Errichtung des Progym-nasiums (die heutige "Wilhelm-Raabe-Schule")
1878 Blexen. Das Dorf erhält eine neue Schule, sie steht noch heute auf dem al-ten Marktplatz, der seit vielen Jahrhun-derten nicht mehr gebraucht wird. Das bisherige Schulhaus vor der Kirche wird abgebrochen. Auf dem Platz entstehen die heutigen "Anlagen" vor der Blexer Kirche.
1878 Blexen. Die Fedderwarder Lotsengesell-schaft verlegt ihren Sitz nach Blexen.
1878 Atens: Der Eigentümer des Hofes Nor-denhamm I (hinter dem Hansingschen Hof gelegen), der Landmann Meenen, verkauft sein Anwesen an den Bremer Konsul Fehrmann, der es dann 1889 an den ebenfalls in Bremen ansässigen Kaufmann Johann Christian Vinnen ver-kauft. Damit tritt der Mann auf, der, ge-meinsam mit seinem Sohn Adolph, als der zweite Gründer Nordenhams be-zeichnet werden kann.
1878 - 1889 Atens: Nachdem der Export von Rindern nach England zum Erliegen gekommen ist, werden nunmehr Schafe von But-jadingen über Nordenhamm nach Groß-britannien verfrachtet. Als auch dieses Geschäft zum Erliegen kommt, stürzt der Hafen in eine Krise, aus der er aber durch das "Lloyd-Fieber" wenigstens vorübergehend erlöst wird.
1878 Brake: Katholische Missionsgemeinde in Brake. Der erste katholische Gottes-dienst findet am 13. September 1878 im Haus Breite Str. 48 statt.
1878 Dangast: Bau der Mühle. Sie war ur-sprünglich ein Erdholländer und wurde 1907 in einen Galerie-Holländer umge-baut.
1878 Wilhelmshaven: Der Jade-Ems-Kanal wird in Angriff genommen.
1878 Wilhelmshaven. An der Ecke Wall-straße/Marktstraße wird in bester Lage ein neues Hotel gebaut, das der Eigen-tümer von 1889 bis 1891 um einen Konzertsaal erweitert. Das Etablisse-ment heißt nunmehr "Burg Hohenzol-lern" und wird zum gesellschaftlichen Zentrum der Festung. 1920 kauft die Karstadt AG das Haus und lässt es 1921 abreißen. Im Jahre 1924 wurde dann auf dem Platz ein Kaufhaus des Konzerns eröffnet.
1878 Wilhelmshaven. Das Wasserwerk Feld-hausen entsteht. Es versorgt zunächst Wilhelmshaven.
1878, 31. 5. Wilhelmshaven: Das deutsche Pan-zerschiff "Großer Kurfürst" sinkt nach einer Kollision mit dem Panzerschiff "König Wilhelm". Die Ursache war eine missverständliche Befehlsgebung. Größte Schiffskatastrophe der Kaiserli-chen Marine in Friedenszeiten.
1878 Wilhelmshaven. Weitere Gewerkschafts-gründungen: Verein der Eisen- und Holschiffbauer, Allgemeiner Deutscher Schneiderverein.
1878, 1. 11. Wilhelmshaven: Der Garnisonsfriedhof wird in Betrieb genommen. Die Marine hatte die Fläche bereits am 6. 6. 1876 gekauft. Der Friedhof wurde am 28. September 1966 geschlossen. Er ist heute eine Parkanlage. Erhalten blieben die Denkmäler für die zehn Matrosen des Artillerieschulschiffs "Mars", die am 26. 4. 1884 bei einem Explosionsunglück getötet wurden und für die 69 Offiziere und Mannschaften des Torpedoboots S. 178, das 1913 sank.

-1879-

1879, 13. 3. Bremen. Erstes Erscheinen des "Bre-mer Tageblatts". Die freisinnige Zei-tung stellt bereits am 1. November 1879 ihr Erscheinen ein.
1879 Bremen. In der Stadt entstehen die ersten Pferdebahnen: am 15. August 1879 die Strecke Nordstraße-Walle, am 1. September 1879 die Strecke Markt-Walle, am 1. Oktober 1879 die Strecke Steintor-Walle, am 19. Oktober die Strecke Hastedt-Walle und am 3. November 1879 Walle-Hastedt. Am 28. April 1881 wird schließlich die Ringbahn der Großen Bremer Pferdebahn einge-weiht.
1879-1880 Bremen: Bau der Meierei im Bürgerpark.
1879-1882 Bremen: Bau des Schlachthofs auf der Bürgerweide.
1879, 24. 11. Bremen. Das atheistische Drama "Die Hexe" von Arthur Fitger kommt auf die Bühne (was heute auch in Bremen nicht mehr möglich wäre)
1879 Bremen. Gründung der "Liedertafel Bremen"
1879, 25. 3. Blumenthal: Einweihung der neuen Kirche. Sie ist ein Geschenk des Ree-ders C. H. Wätjen.
1879, 25. 8. Bremerhaven. Der Senat erteilt die Kon-zession für die Bremerhavener Pferde-bahn. Sie wird 1881 mit einer Linie vom alten Geestemünder Bahnhof zur Müh-lenstraße in Bremerhaven eröffnet. Die Gesellschaft beschäftigt 30 Männer und wird mit 50 Pferden sowie 14 Wagen betrieben.
1879, 1. 10. Bremerhaven: Revidierte Stadtverfas-sung für Bremerhaven. Manfred Ernst und Alfred Willer (Von der Colonie zur Hafenstadt, 2001, S. 150) charakteri-sieren so so:
  • Die Stadtgemeinde erhielt das eigene Selbstverwaltungsrecht, das eine Mitwirkug des Amtes oder des Amtmannes an der Verwaltung der Stadt vollständig ausschloss.
  • Stadtrat und Stadtverordnetenver-sammlung wurden zu zwei rechtlich selbstständigen Organen der Stadt-verwaltung.
  • Es entstand ein vom bremischen Staatsbürgerrecht unabhängiges Bremerhavener Gemeindebürger-recht."
Damit waren für Bremerhaven, so betonen Ernst und Willer, Strukturen geschaffen, die bis heute gelten. Übri-gens erhielt Vegesack damals dieselbe Verfassung, aber diese Stadt ist heute ein Stadtteil von Bremen, während Bre-merhaven sich die Selbständigkeit be-wahrt hat.
1879 Geestemünde: Die Stadt baut eine eige-ne Gasanstalt. Die Straßen der Stadt er-halten eine neue Beleuchtung.
1879 Geestemünde: Die Synagoge an der Schulstraße nimmt die jüdische Gemein-de an der Unterweser auf.
1879, 13. 10. Geestemünde: Eröffnung der Navigati-onsschule am Deich. Heute "Hoch-schule Bremerhaven".
1879 Lehe. Der Flecken, "Hauptort" des gleichnamigen Kreises, erhält eine neue Gemeindeverfassung..
1879 Oldenburg. Gemeindereform im Groß-herzogtum Oldenburg.
1879 - 1886 Atens: Während der Export von Vieh nach England immer mehr zurückgeht und schließlich ganz erlischt, ergibt sich für den neuen Hafen eine zweite Chance: der Import von Petroleum. Diesem Geschäft widmet sich der Bremer Kaufmann Johann Christoffer Vinnen. Da man, wie bereits gesagt, in der Hanse-stadt selbst mit der gefährlichen Ware nichts zu tun haben will, sucht er nach einem Platz, auf dem das Öl gelagert werden kann, ohne dass jemand gefährdet wird, falls es in Brand gerät und den entdeckt er in dem neuen Hafen Nordenhamm. So entstehen auf dem Groden südlich des nunmehrigen Bahn-hofs Schuppen, die die Ölfässer aufnehmen können. Nordenham wird so zeitweilig zu einem Hafen, über den mehr Öl importiert wird als über Ant-werpen, Rotterdam und Amsterdam zu-sammen - ein Rang, den die Stadt natürlich nicht halten kann. Um 1890 hört der Transport des Öls in Fässern auf. Man verwendet nun Tankschiffe und lagert den Rohstoff an Land entspre-chend in Tanks. In Nordenham werden deshalb die Ölschuppen abgerissen. Ab 1893 werden sie durch Tanks ersetzt. Neben Öl wurde nach dem Ende des Viehbooms das Getreide zum wichtig-sten Umschlaggut in Nordenham. Auch dafür wurden neue Schuppen gebaut.
1879 - 1880 Wilhelmshaven: Bau des Wasserturms an der Gökerstraße. Er wurde am 30. Januar 1941 durch Bomben zerstört.
1879, 27. 1. Wilhelmshaven: Die neue Freimaurer-loge "Wilhelm zum Silbernen Anker" wählt im "Kaisersaal" ihren "Beam-tenrat". Erster Meister vom Stuhl ist der damalige Pfarrer von Heppens, Pastor Langheld. Am 1. September 1889 wurde der Grundstein zum neuen Lo-genhaus gelegt. Das Fest der "Licht-einbringung" feierte man am 1. Sep-tember 1890. Die Freimaurer litten auch in Wilhelmshaven unter der Hetze zu-nächst der "Ludendorffer" und dann der Nazis. Immerhin hatte die Gruppe noch 23 Mitglieder, als Hermann Göring als preußischer Ministerpräsident die Freimaurer-Orden im Jahre 1934 auf-löste. Damit musste auch die Wilhelms-havener Loge zunächst ihre Arbeit ein-stellen. Die Freimaurer in Wilhelmsha-ven und Jever nahmen nach der Befreiung am 9. März 1948 mit einer Zusammenkunft in Heines Hotel in Witt-mund ihre Arbeit wieder auf. Am 3. Februar 1950 erhielt die Wilhelmsha-vener Loge ihr Haus, das inzwischen anderen Zwecken gedient, vor allem aber den Bombenkrieg heil überstanden hatte, wieder auf, was mit einem Labs-kausessen gefeiert wurde.
1879, 1. 9. Wilhelmshaven: Gründung der städti-schen Sparkasse. 1937 Vereinigung mit der Rüstringer Sparkasse. 11. März 1957: Die Sparkasse der Stadt Wilhelmshaven bezieht die neue Hauptstelle am Theaterplatz.
1879, 13. 3. Bant: Der Landtag beschließt das Gesetz über die Errichtung der Gemeinde Bant.
1879, 23. 2. Bant: Einweihung der katholischen Kir-che St. Marien. Sie dient als Garnison-kirche für die katholischen Matrosen und Soldaten. Katholische Gottesdienste fan-den zunächst von 1861 bis 1863 in der Kirche von Heppens statt. Dann mietete der römische Klerus einen Raum für seine Gottesdienste. Seit 1866 wurde in einem Anbau des Kaufhauses Hinrichs und Peekmann die Messe gefeiert. Die Kirche wurde am 15. Oktober 1944 durch Bomben zerstört. Nach der Be-freiung baute man eine neue Kirche, die am 2. Juni 1956 geweiht wurde.
1879, 1. 11. Bant: Aus den Siedlungen Belfort, Sedan und Metz wird die Gemeinde Bant gebildet, die nach dem im Mittelalter untergegangenen Kirchspiel dieses Na-mens genannt wird. Bis dahin gehörte das Gebiet zu der Gemeinde Neuende, die aber bäuerlich strukturiert war und blieb. Dort wünschte man sich deshalb von den Arbeitersiedlungen zu trennen. Das preußische Wilhelmshaven war damit von den oldenburgischen Gemein-den Bant, Neuende und Heppens umge-ben.
1879 Bant: Gründung des Männer Stemm- und Ringclubs "Doppel-Eiche". Beginn der Arbeiter-Sportbewegung an der Jade. Mitglieder des Vereins gründeten 1893 den Arbeitersportverein "Phönix", der sich später in "Germania" umbenannte. 1895 kam der Arbeiter-Turnverein in Heppens hinzu. (Die Umbenennung des Vereins von "Phönix" in "Germania" ist ein deutliches Symptom dafür, dass die deutschnationale Ideologie des Bür-gertums, wie sie von de Lagarde ent-wickelt und von dem Humoristen Will-helm Busch popularsiert wurde, weniger über die Kirche als über die Schule und auch wohl über das Militär in die Ar-beiterklasse eingedrungen war, wo die SPD, die, wenigstens in dem Großher-zogtum Oldenburg, nie marxistisch war, dem keinen Widerstand entgegensetzte, wobei Paul Hug ganz sicher nicht der Mann war, der bereit und in der Lage war, der nationalliberalen Position der rechten Partei-Funktionäre, die schon vor dem Ersten Weltkrieg in Noske ihren Führer fanden, eine eigene, marxistische Position, etwa wie Rosa Luxemburg ver-trat, entgegenzustellen. Diese schlei-chende Erosion der eigenen ideolo-gischen Haltung erklärt denn auch den plötzlichen Gesinnungswandel der SPD im Jahre 1914, der von Vielen als Verrat an der bis dahin vertretenen Linie em-pfunden wurde, und den schleichenden Verfall der Organisation, der ja bis heute angehalten hat.)
1879-1881 Jever: Ida-Groden am Jadebusen