-1880-1889-

27. 1. Bremen: In der Langenstraße wird eine Volksküche eröffnet.
1. 4. Bremen. In der neuen St. Michaelis-Schule beginnt der Unterricht.
25. 12. Bremen. Die Meierei im Bürgerpark nimmt ihren Betrieb auf
28. 12. Bremen. Der Kaufmann Carl Melchers schenkt der Stadt 25.000 Mark für eine Sandsteinbrücke im Bürgerpark.
29. 12. Bremen: Im Blockland brechen die Deiche. Erhebliche Überflutungen. Im Blockland dauert die Überschwemmung bis zum April 1881 an.
1880-1888 Bremen: Bau des Freihafens I.. Er ist schon so dimensioniert, dass er von Schiffen mit einem Tiefgang von 5 Metern erreicht werden kann, obwohl die Korrektion der Weser noch nicht begonnen worden ist, aber im Senat der Stadt ist man sicher, dass sie gelingen wird. 1891 begann man mit dem Bau des Holz- und Fabrikhafens. Um 1900 wurde der Hohentorshafen fertig. Von 1901-1906 folgte der Freihafen II. Die Südkaje wird noch einmal von 1911-1915 verlängert. 1922-29 Erweiterung des Freihafens II auf der Nordseite.
29. 5. Bremen: Der Kaufmann E. H. Kahrweg stiftet der Stadt Bremen ein weiteres Krankenhaus. Es wird an der Nordstraße errichtet.
1880 Bremen: Deichbruch im Niederblockland. Die Überschwemmungsschäden sind enorm. Das Ereignis löst umfassende Deichbaumaßnahmen aus.
1880 Bremen: Gründung des Gewerbemuse-ums.
1880 Bremen: Gründung des Fürsorgeaus-schusses für jüdische Durchwanderer.
1880 Bremen: In der Freien Hansestadt wird der "Bremer Football-Club" gegrün-det, der erste Verein dieser Art in Deutschland.
1880 Borgfeld: Bau der Mühle. Der Galerie-Holländer büßte unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg seinen Oberbau ein.
1880 Hemelingen:. Die Witwe Wilkens schenkt der Gemeinde Hemelingen ein Haus, in dem 12 bedürftige Personen unterge-bracht werden können. Aus der Stiftung entwickelt sich ein Krankenhaus, das 1897 eröffnet und 1904 erweitert werden kann. Das Haus wurde 1969 aufgegeben.
1880 Strom: Gaststätte "Zur Ochtumbrücke" eröffnet.
1880 Bremerhaven/ Glasgow. Am 8. Sep-tember 1880 wird auf der Elder-Werft der Kiel für ein neues Passagierschiff des Norddeutschen Lloyd gestreckt, das beim Stapellauf am 2. April 1881 den Namen "Elbe" erhalten wird. Der Dampfer gehört deshalb in die deutsche Schifffahrts-Geschichte, weil er zum Typschiff einer Serie von insgesamt 12 Einheiten wird. Das Schiff ist mit 4510 BRT um rund 1000 BRT größer als die Einheiten der Straßburg-Klasse. Am 16. Juni 1881 findet die Probefahrt statt und am 26. Juni 1881 läuft das Schiff von Bremerhaven zu seiner Jungfernfahrt nach New York aus. Die Daten habe ich so ausführlich festgehalten, weil mit der "Elbe" die Epoche der Ozeanriesen beginnt, auch wenn es sich hier noch um einen Zwerg handelt. Dabei hinkt der Norddeutsche Lloyd hinter der allgemeinen Entwicklung hinterher, in der es darum geht, immer größere und damit luxuriösere, aber auch schnellere Schiffe in den Dienst zu stellen. Die "Elbe" war langsamer als ihr Konkur-renz-Dampfer "Arizona": Sie brauchte nämlich für die Strecke von South-hampton nach New York 8,5 Tage, wo-hingegen die "Arizona" einen Tag weniger benötigte. Wenn sich der Nord-deutsche Lloyd im Wettbewerb mit den Briten behaupten konnte, so lag das nicht daran, dass er die besseren Schiffe einsetzte, sondern daran, dass er die südliche Route über den Atlantik befuhr, während die Engländer die nördliche, die von Liverpool ausging, bevorzugte (was der "Titanic" zum Verhängnis wurde). Die Südroute war attraktiv für Pas-sagiere vom europäischen Festland, während die Nord-route von solchen, die von England in die USA (und umgekehrt) übersetzen wollten, bevorzugt wurde. Es war jedoch abzusehen, dass diese Trennung sich nicht durchhalten ließ, also musste der Norddeutsche Lloyd größere Schiffe einsetzen, was aber nicht möglich war, weil die Schleuse zum Kaiserhafen in Bremerhaven das nicht zuließ. Der Norddeutsche Lloyd war also in eine Sackgasse geraten. Von den 12 Schiffe dieser Serie endeten übrigens zwei durch Katastrophen im eigentlichen Sinne, nämlich die "Elbe" im Jahre 1895 und die "Eider", die am 31, Januar 1892 vor der Isle of Wright strandete. Die "Spree" (1890) wurde umgebaut und fuhr ab 1900 unter dem Namen "Kaiserin Maria Theresia". Dann ging sie in russisches Eigentum über und fuhr nun im Jahre 1905 als "Ural" mit dem Baltischen Geschwa-der rund um die Erde bis Tsushima, wo sie am 27. Mai 1905 von den Japanern versenkt wurde. Die "Fulda" 1886 wurde 1899 im Dock so schwer be-schädigt, dass sie abgebrochen werden musste. Die übrigen Schiffe landeten, wie das üblich ist, zum Schluss auf einer Abwrackwerft. Ihre Daten:
  • "Werra" 1882-1901,
  • "Ems" 1884-1905,

  • "Aller" 1886-1902,

  • "Trave" 1886-1908,

  • "Saale" 1886-1924,

  • "Lahn" 1888-1907,

  • "Havel" 1891-1926.

Bemerkenswert ist, dass die Dampfer fast alle zwanzig Jahre in Fahrt blieben. Ausnahmen bildeten die "Havel", die 35 Jahre die Meere befuhr, und die "Saale", die es auf ein Alter von 38 Jahren brachte.
14. 4. Bremerhaven: Petroleumarbeiter im Kaiserhafen streiken wenige Tage erfolglos gegen eine Lohnkürzung.
4. 11. Bremerhaven: Im Kaiserhafen treten Petroleumarbeiter wieder in den Streik, weil ihnen der Lohn noch mal gekürzt wird. Der Ausstand wird nach acht Tagen am 12. November 1880 erfolglos abgebrochen.
1880 Lehe: Die Stadt erhält eine Magistrats-verfassung mit einem Bürgermeister an der Spitze.
1880 Wremen: Der Gastwirt J. Schwanewedel am Wremer Tief stellt am Strand mehrere Badehäuser für seine Gäste auf. Damit beginnt der Tourismus im Land Wursten.
1880 Atens: Der Hafen Nordenhamm erhält fünf Getreideschuppen
1. 11. Brake: Sankt-Bernhard-Krankenhaus eröffnet.
1880 Wilhelmshaven: Paul Hug tritt als Arbeiter in die Kaiserliche Werft ein. Er wird später wegen seiner Agitation für die Sozialdemokratie entlassen und betreibt stattdessen das Lokal "Die Arche", die typische Karriere gemaß-regelter Sozialisten. "Die Arche" wird zum Lokal der Sozialdemokraten an der Jade.
1880 Neuende: Das Fort Rüstersiel wird fer-tiggestellt. Es wurde 1948 gesprengt. Auf dem Gelände siedelte sich 1966 das Institut für Vogelforschung, die ehe-malige Vogelwarte Helgoland, an.
1880 - 1881 Stollhamm: Die aus der Zeit um 1500 stammende Kirche wird im neugotischen Stil umgebaut. Sie erhielt bereits 1841 einen Altar, der mit der Kanzel kombiniert ist. Das Altarbild malte 1896 Theodor Köppen. Die Orgel baute 1908/1909 Schmid III, der eine Orgel aus dem Jahre 1848 ersetzt. Die erste Orgel in Stollhamm stammte aus dem Jahre 1668.
23. 7. Burhave: Die neugotische Kirche wird eingeweiht. Der mittelalterliche Bau, von dem nur noch ein Foto erhalten ist, wurde abgerissen. Von dem Inventar der alten Kirche wurden die Glocke aus dem Jahre 1451 und ein Taufstein aus der Zeit um 1200 übernommen. Die erste Orgel baute 1879 Schmid II. Sie wurde 1967 durch ein Instrument von E. F. Walcker ersetzt. (Die mittelalterliche Kirche soll aus dem 11. Jahrhundert stammen, was aber umstritten ist. Sie bestand aus einer Halle mit anschlies-sendem Chor, der ein Gewölbe hatte. Außerdem gab es, wie in Blexen, einen Festungsturm, der aber 1419 zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde.)
1. 11. Brake: Das katholische St.-Bernhard-Krankenhaus wird eröffnet.
25. 11. Jever. Die neue Synagoge wird einge-weiht. (Die alte hatte man abgerissen) Die jüdische Gemeinde war inzwischen stark angewchsen und zählte 1890 307 Mitglieder. Die Juden waren - scheinbar - auch in der Gesellschaft Jevers angekommen. Sie wurden Mitglieder der Vereine und hier sogar in die Vorstände aufgenommen, ja, selbst im Magistrat der Stadt Jever saß ein Jude. "Aller-dings besaßen die ‚Getreuen Bis-marcks’ niemals einen Juden..." ("Peters: Die Reichskristallnacht in Jever, 1992, S. 23) Als nun die Synagoge gebaut wurde, legte der Bürgermeister von Jever den Grundstein und der Großherzog gewährte einen Zuschuss zu den Kosten. Als die Einweihung erfolgte, war der Landesherr allerdings "verhin-dert", aber er schickte zu seiner Ver-tretung den Kultusminister und zum Festmahl erschienen rund 250 Gäste, die keineswegs alle der jüdischen Gemein-de angehörten. Peters: "Insgesamt je-doch sah es, trotz allem Antisemitismus, so aus, als ob einer zukünftigen wirk-lichen Integration der Juden nichts mehr im Wege stünde. In der Tat haben die Juden Jevers, die vor der Jahrhundertwende geboren sind, die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg als eine Art ‚goldenes Zeitalter’ in Erinnerung." ("Peters: Die Reichskristallnacht in Jever, 1992, S. 23)
1880 - 1883 Blexen: Renovierung der Blexer Kirche.
1880 Stedingen. Carl Bulling aus Butzhausen gründet die Wesermarsch-Herdbuch-Gesellschaft
13. 8. Wilhelmshaven: Die Innere Mission der evangelischen Kirche eröffnet an der Ecke der heutigen Ruhr/Weserstraße eine "Herberge Zur Heimat" für wan-dernde Arbeiter und Handwerker. 1904 erhält die Einrichtung an der Marien-straße ein eigenes Haus.

-1881-

1881, 3. 12. Bremen: Gründung der Hansa-Reederei. Zwei Merkmale kennzeichneten die Ree-derei:
  • Zum einen die Schiffsnamen, die immer auf ...fels endeten, so "Drachenfels", mit dem die Serie 1882 begann, und "Sturmfels", die 1972 in Dienst gestellt wurde und auf der See-Offiziere ausgebildet wurd, und
  • zum andern das schwarze Kreuz am Schornstein, von Seeleuten als "Hungerkreuz" bezeichnet.
Das Unternehmen entwickelte sich bis 1914 zur größten reinen Frachtschiff-Reederei der Welt mit 66 Dampfern und einem Motorschiff. In Deutschland nahm sie nach der HAPAG und dem Lloyd den dritten Rang ein. Im Ersten Weltkrieg wurde die Flotte der Hansa vernichtet, aber das Unternehmen begann 1920 mit dem Wiederaufbau, der natürlich mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erneut abgebrochen wurde. Dieses Mal verlor die Hansa 56 Seeschiff. Auch das Kontorgebäude des Unternehmens zwi-schen Martinistraße und Schlachte, das historisch wertvoll war, wurde am 6. Oktober 1944 durch Bomben zerstört. Indes: ab 1950 erschien die Flagge der Hansa-Reederei erneut auf den Welt-meeren. Sie vermochte sich in den folgenden Jahrzehnte im Wettbewerb zu behaupten, etwa indem sie Schwergut-Frachter in Dienst stellte. Sie schaffte auch die Umstellung auf den Contai-nerverkehr. Dennoch musste die Hansa-Reederei am 18. August 1980 einen Vergleich beantragen und am 31. Dezember 1980 den Betrieb einstellen. Die Gründe, die zu dieser kaufmän-nischen Katastrophe führten, sind zu vielfältig, um hier dargestellt zu werden. Bremen verlor mit dem Hansa-Kreuz die letzte große Reederei, die in der Han-sestadt ihren Sitz hatte.
1881 Borgfeld: Bau der neuen Schule.
1881, 20. 2. Vegesack: Das Eis der Weser muss gesprengt werden, nachdem es in der Südervorstadtzu erheblichen Über-schwemmungen gekommen ist,
1881 Vegesack: Die Stadt errichtet ein eigenes "Stadthaus".
1881 Thedinghausen. Deichbruch. Mehrere Stadtteile links der Weser ind überflutet.
1881 - 1885 Bremerhaven: Bau des Leuchtturms "Roter Sand". Das Seezeichen nimmt am 1. November 1885 den Betrieb auf, der am 1. September 1964 eingestellt wurde. Seither wird der Turm als technisches Denkmal erhalten.
1881 Bremerhaven. Gründung der Bremer-havener Straßenbahn AG.
  • Am 26. Juni 1881 ziehen Pferde die ersten Wagen die auf Schienen laufen, von Lehe über Bremerha-ven nach Geestemünde.
  • 1889 erhält die Lloydhalle am Kaiserhafen Bahnschluss.

  • 1891 wird das Netz bis Wulsdorf erweitert.

  • 1896 fährt eine Linie bis Specken-büttel.
  • Im Jahre 1908 wird die Bahn elekrifiziert.
Die Bahn hatte jetzt fünf Linien. Im Zweiten Weltkrieg gab es schwere Schäden, aber am 12. Juni 1945 konnte der Betrieb wieder aufgenommen wer-den, jedoch setzte man jetzt zunehmend Busse ein, während eine Linie nach der anderen stillgelegt wurde. Im Jahre 1982 stellte die Linie 2 als letzte den Betrieb ein. .
1881 Bremerhaven: Gründung einer Segelma-cher Kranken- und Sterbekasse
1881 Bederkesa. Die Bockwindmühle, die seit dem 16. Jahrhundert im Ort arbeitet, wird durch einen "Galerie-Holländer ersetzt. Die Mühle bleibt bis 1990 in Betrieb, ist aber heute ein Museum.
1881, 9. 11. Blexen: Die Befestigung der Chaussee von Blexen zum Rahden wird in Angriff genommen.
1881 Atens: Der Hafen erhält einen 5. und 6. Pier, die diesmal aus Eisen gebaut wer-den.
1881 Abbehausen, Am 23. Oktober 1881 wird der Butjadinger Turnerbund gegründet. Am 25. Juni 1882 feiern die Turner das erste Bundesturnfest im Garten des Friesischen Hofen in Nordenhamm.
1881 Wangerooge: Im Westdorf wird nur noch ein Haus bewohnt. Der Umzug in das Ostdorf war also vollzogen - und der Badebetrieb setzte sogleich wieder ein. Bereits 1866 baute J. Carstens das "Kurhaus" mit 12 Logierzimmern. Im Jahre 1873 kamen sechs weitere Villen hinzu, die für Gäste eingerichtet waren. Seit 1871 war die Insel mit dem Festland telegraphisch verbunden. Inzwischen gab es auch wieder einen Badearzt, kurzum: der neue Aufschwung konnte beginnen, der sich nun, nur durch die beiden Weltkriege unterbrochen, bis heute fortsetzte.

-1882-

1882 Bremen. Der nutzbare Tiefgang der Weser von Nordenhamm bis Bremen liegt bei 2,75 Metern. Von 1884 bis 1887 wird der Strom auf ganze drei Meter vertieft. Dann folgt von 1887 bis 1895 der große Sprung auf fünf Meter!
1882, 12. 4. Bremen: Der neue Schlachthof wird in Betrieb genommen. Der Platz schien damals günstig zu liegen, weil er von beiden Bahnhöfen Bremens damals gut zu erreichen war und sich überdies außerhalb der Stadt befand. Die Anlage wurde in den folgenden Jahren ständig erweitert und umfasste schließlich 7,28 Hektar. Die Anlage wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben beschädigt.
1882, 23. 4. Bremen. Der "Bremer Vereins der Deutschen Fortschritts-Partei"wird in der Hansestadt gegründet
1882, 16. 10. Bremen: Die erste Telefonvermittlung wird eröffnet. Sie befindet sich an der Domsheide und vermittelt zunächst nur Ortsgespräche. Ein Jahr später, am 15. Oktober 1883, wird eine Leitung nach Bremerhaven eröffnet. Am 20. August 1892 werden die ersten Fernverbindun-gen nach norddeutschen Städten herge-stellt und am 5. Oktober 1896 können erste Gespräche mit Amsterdam und Rotterdam vermittelt werden.
1882 Bremen. Die Mormonen bilden in Bremen eine erste Gemeinde.
1882, 3. 12. Borgfeld. Fertigstellung der Brücke über die Wümme.
1882 Lehe: Gründung der "Leher Nachrich-ten". 1885 aufgegeben
1882, 20. 6. Delmenhorst: Bremer Kaufleute gründen die "Delmenhorster Linoleumfabrik AG", die als "Hansa-Marke" in die Geschichte der Stadt eingeht. Die Fabrik entsteht an der Stedinger Straße. Ihr folgen die "Ankermarke" (1892) und die "Schlüsselmarke" (1898). Der Auf-schwung Delmenhorsts beruhte einmal darauf, dass es hier ebenes Baugelände mit viel Wasser gab, zum andern konnten die Bremer Unternehmer die Rohstoffe im Hafen der Hansestadt lagern und nach und nach in das Zollgebiet einführen, während die fertige Produkte als Inlandsware keinem Zoll unterworfen waren.
1882 Bremerhaven. Auf Anregung von Her-mann Allmers wird an der Unterweser der Verein "Männer vom Morgen-stern" gegründet. Anlass ist der Fund von zwei spätantiken Töpfen im Klei der Marsch. Der "Marschendichter" , von dessen Werk nur wenige Liedtexte bis heute lebendig geblieben sind ("Dort Saaleck, hier die Rudelsburg und drunten tief im Tale ..."), und dessen "Römische Schlendertage" die Reisen-den in Italien während des ganzen 19. Jahrhunderts begleitet haben, war leb-haft an Regionalgeschichte interessiert, wobei er sie allerdings ganz in den Dienst der nationalliberalen Historio-graphie stellte, was, jedenfalls auf der oldenburgischen Seite der Weser, wo er für die Gründung des "Rüstringer Hei-matbundes" verantwortlich ist, bis heu-te nachwirkt. Sein "Marschenbuch"gab da sozusagen die Richtung an, der der brave Heimatkundler seither gefolgt ist.
1882, 9. 8. Lizard/Bremerhaven. Der Lloyd-Dampfer "Mosel" strandet bei Lizard vor Cornwall und wird aufgegeben.
1882 Geestemünde. Der englische Fisch-dampfer "Prince Consort" macht in Geestemünde fest. Der "Smookewer" wird zwar allgemein verspottet, aber Friedrich Busse, der mit August Bade einen Fischgroßhandel betrieb, erkannte, dass sich hier eine Chance ergab und gab daraufhin den ersten deutschen Fischdampfer in Auftrag.
1882 Blexen: In Einswarden öffnet eine Apotheke ihre Pforten. Bis dahin mussten sich Kranke ihre Medikamente aus Bremerhaven besorgen lassen, was praktisch eine Tagesreise war.
1882 Schweewarden. Turnverein Schweewarden gegründet.
1882 Waddens: Neubau der Kirche. Die Orgel von 1712 wird durch einen Neubau von Schmid III ersetzt. Sie wurde von Alfred Führer restauriert.
1882, 28. 8. Brake: Gründung der Oldenburgisch-Portugiesischen Dampfschiffs-Reederei in Brake (Viktoria-Hotel). Die Reederei hatte bereits 1880 mit einem gecharterten Schiff den betrieb aufgenommen. Das erste eigene Schiff hieß â€šOldenburg’ du trat am 16. Mai 1881 die Jungfernfahrt an.
1882, 23. 10. Atens: Gründung des Butjadinger Turnerbundes. Das erste Bundesturnfest findet am 25. Juni 1882 im Garten des Friesischen Hofes in Nordenhamm statt.
1882 Atens. Im Dorf wird eine Apotheke eröffnet. Bis dahin mussten die Medikamente aus Geestemünde geholt werden, was eine Tagesreise kostete.
1882 Weddewarden: Gründung der "Männer vom Morgenstern". Die Anregung dazu erfolgte durch Hermann Allmers.
1882, 16. 10. Wilhelmshaven: Denkmal für den Prinzen Adalbert von Preußen, dem Gründer der Stadt und des Kriegshafens Wilhelmshaven.
1882, 16. 10. Bremen: In der Hansestadt wird der Fernsprechverkehr mit 103 Anschlüssen aufgenommen. Bremerhaven folgt 1883 mit 25 Anschlüssen.
1882 Bremen: Gründung des Bremer Ruder-vereins.
1882 Varel: Die Stadt baut ein neues Rathaus am Markt

-1883-

1883. 19. 6. Berlin: "Reichskriegshafengesetz". Kiel und Wilhelmshaven werden zu "Reichskriegshäfen" erhoben. Beson-dere Vorschriften verhindern weitere Eindeichungen am Jadebusen, insbeson-dere der Oberahneschen Felder, die damit dem Untergang geweiht sind.
1883, 1. 1. Bremen. Die Hüter der öffentlichen Ordnung heißen von nun an nicht mehr "Polizeidiener", sondern, weil sie An-gehörige der "Schutzmannschaft" sind, "Schutzmänner".
1883, 20. 6. Bremen. Aufstellung des Wilhadi-Brun-nens vor dem Dom. Er war ein Werk des Berliner Bildhauers Richard Neumann. Im Jahre 1942 wanderten die Metallteile, darunter eine Skulptur des hl. Willehad, in die Rüstungsproduktion. Der Rest wurde 1952 abgebrochen.
1883, 4. 8. Bremen. Neben der Kaiserbrücke wird eine Badeanstalt eröffnet.
1883 Bremen: Der "Verein für Flussbäder" richtet an der Kaiserbrücke eine schwimmende Badeanstalt ein. Sie wurde Anfang der 30er Jahre eingestellt.
1883-1886 Bremen. Die Weser-Korrektion beginnt. Die "Lange Buch"bei Lankenau wird abgeschnitten. Mit dem hier anfallenden sand werden die Senken im Dünenzug bei Gröpelingen aufgefüllt, so dass hier weiteres Bauland entsteht.
1883-1885 Bremerhaven: Bau des Leuchtturms "Roter Sand". Das Bauwerk ist - mit den Fundamenten - 52,5 Meter hoch und wurde in den folgenden Jahrzehnten zum Wahrzeichen der Unterweser. Der Bau des Roten-Sand-Leuchtturms, der seit 1878 geplant wurde, war damals eine technische Meisterleistung. Der erste Versuch ging denn auch prompt schief, denn am 13. Oktober 1881 zerstörte eine Sturmflut die Baustelle. Am 1. November 1884 ging der Turm in Betrieb. Der Rote-Sand-Leuchtturm hatte eine Besatzung von drei Mann (zu denen sich 1914 der Kapitänleutnant Hans Paasche gesellte, der nach dem Weltkrieg als Pazifist hervortrat und deswegen von der Reichswehr ermordet wurde), die zunächst zwei Monate auf Station blieben und dann für einen Monat nach Hause durften. Zuletzt wechselte die Mannschaft alle 14 Tage. Der Rote Sand wurde 1964 durch das Leuchtfeuer "Alte Weser" ersetzt, blieb aber noch eine Weile hilfsweise in Betrieb. Seit dem 2. Juli 1973 hat das Bauwerk keine Besatzung mehr, wird aber als tech-nisches Denkmal und als Wahrzeichen der Unterweser erhalten. 1987-1991 wurde der Rote Sand, der vermutlich berühmteste Leuchtturm der Welt, instand gesetzt. Die Schiffe werden jetzt durch Radar an ihr Ziel gelenkt.
1883-1895 Bremen: Erste große Weser-Korrektion. Von nun an können Seeschiffe wieder Bremen erreichen, während gleichzeitig zahlreiche kleine Sielhäfen an der Unterweser verschlicken. Die Weser wird von da an beständig weiter vertieft und kanalisiert und zwar bis 1913 auf 7 Meter, bis 1930 auf 8 Meter, bis 1950 auf 8,70 Meter und bis 1972 auf 9,60 Meter.
1883, 13. 4. Bremen: Gründung der "Bremer Woll-kämmerei" in Blumenthal. Der Betrieb nimmt bereits 1884 den Betrieb auf und wächst dann sehr rasch. Dabei wird die Sozialstruktur im ganzen Amtsbezirk Blumenthal völlig verändert. In der Gemeinde Blumenthal registrierte man am 1. April 1881 nur 13 gewerbliche Arbeitsplätze. Im Amt gab es zwei Steingutfabriken, die zusammen etwa 680 Männer beschäftigten. In den Ziegeleien wurde nur im Sommer gearbeitet Die Baumwoll-Kämmerei begann die Produktion im September 1884 mit 47 Arbeitern. Bis zum Winter-halbjahr 1888/89 stieg der Bestand auf 1205 Mitarbeiter an. Die Zahl stieg bis zum 1. Februar 1900 auf 2627, dann brachte eine erste Krise einen Ab-schwung, der bewirkte, dass im Laufe des Jahres 42 Prozent der Beschäftigten entlassen wurden. Die Arbeitszeit belief sich auf 66-69 Stunden in der Woche. Das Werk warb seine Arbeiter in Ostdeutschland an, so dass der pol-nische Bevölkerungsanteil im Blumenthal damals sehr groß wurde. So gab es in dem Dorf Lüssum beispielsweise dreimal so viele Polen wie Einheimische. Insgesamt bestand die Belegschaft 1897 zu etwa 50 Prozent aus Polen. Die Baumwoll-Kämmerei zahlte im Vergleich zu den anderen Unternehmen der Ge-gend sehr gute Löhne, allerdings, wie üblich, für Frauen weniger als für Män-ner. Seit dem 12. November 1884 gab es auch eine Betriebskrankenkasse. Um Wohnraum für die Arbeiter zu schaffen, unterstützte die Firma einen "Spar- und Bauverein, der in zehn Jahren 232 Häuser für 2511 Personen baute.
1883 Bremen. Gründung der St. Johannis-Freimaurerloge "Zur Hansa".
1883 Habenhausen. Gründung der Singge-meinschaft Habenhausen. Sie besteht noch im Jahre 1983 und erhält aus diesem Anlass die zelter-Plakette.
1883 Schwachhausen. Gründung des Turn- und Sportvereins Schwachhausen.
1883, 2. 7. Bremerhaven. Der ehemalige Lloyd-Dampfer "Hansa" ist auf der Reise von Antwerpen nach Montreal verschollen. Das Schiff war 1861 gebaut worden, war über alles 106,20 Meter lang und hatte 2.992 BRT. Das Schiff war 1879 vom Norddeutschen Lloyd verkauft worden. Damals gab es keinen Funk, darüber hinaus waren auch die sonstigen Möglichkeiten, Signale zu geben, höchst unvollkommen. Deshalb kamen solche Unglücksfälle auch bei Schiffen, die für damalige Verhältnisse groß und relativ sicher waren, vor.
1883 Bremerhaven: Der Fachverein der Schneider wird erneut gegründet.
1883 Bremerhaven: Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter gegrün-det.
1883 Bremerhaven: Reiseunterstützungskasse für Schneider und Schuhmacher gegrün-det. Eine ebenso solche Kasse entsteht auch für Metallarbeiter.
1883 Blexen: Die Renovierung der Kirche ist abgeschlossen. Neu sind die drei mäch-tigen Öfen, mit denen der Bau im Winter geheizt werden kann. Ich vermute, dass damals auch die neue Decke eingezogen wurden, über der sich die Balken aus dem 18. Jahrhundert verbargen, die heute wieder sichtbar sind..
1883 Nordenham. Im Hafen werden die ersten Petroleumfässer angelandet.
1883, 27. 6. Nordenhamm: Die Dampfbarkasse "Anna" verkehrt zwischen Norden-hamm und Geestemünde. Für Passagiere mag das bequemer gewesen sein als die Fahrt mit dem Raddampfer "Norden-hamm" des Kapitäns Stühmer, denn sie war nicht mehr als ein von einer Dampfmaschine angetriebener Prahm ohne Kabine, aber wohin mit dem Ge-päck? Dafür war ein Beiboot vorgese-hen, das die Barkasse hinter sich her-zog, eine Lösung, die sich natürlich nicht bewährte.
1883, 8. 12. Rüstringen/Wilhelmshaven: Gründung einer örtlichen Kolpingfamilie. In dem "Katholischen Gesellenverein" organi-sierten sich damals vornehmlich Hand-werker.
1883, 17. 7. Wilhelmshaven: Die Badeanstalt am Flügeldeich des Liegehafens (heutiger Südstrand) wird eröffnet. Schon 1884 kamen die ersten Badegäste aus Berlin. Damit setzten die Bemühungen ein, Wilhelmshaven/Rüstringen für den Fremdenverkehr attraktiv zu machen, die bis heute andauern.
1883, 15. 6. Jever: Eröffnung der Küstenbahn, die von Emden über Norden und Wittmund nach Jever führte. Über eine Stichbahn war auch Aurich an die Strecke angeschlossen. Bei den Bauarbeiten für den Bahnhof in Wittmund fand man die Reste einer alten Kaianlage. Offenbar befand sich hier der mittelalterliche Hafen Wittmunds. Bei dieser Gelegen-heit erhielt auch Esens einen Bahnan-schluss mit einem Bahnhof. Die Bahnli-nie wurde erst im Mai 1983 geschlossen.
1883 Jever/Friedrichsruh: Fürst Bismarck schenkt den "Getreuen" in Jever einen Kiebitzpokal, der bis heute existiert und von dem Verein in Ehren gehalten wird, indem man ihn jeweils am Geburtstag des ersten Reichskanzlers, am 1. April, dreimal durch die Runde kreisen lässt. Der "Reichsgründer" reagierte damit auf die Sitte des Kreises um den Gastwirt Rudolphi, ihm jedes Jahr 101 Kiebitzeier zu schenken. Der Bismarck-Kult hatte in Oldenburg einen besonde-ren "heut goût", weil er nämlich "eigentlich" nicht erwünscht war. Zwar verhielten sich die Großherzöge von Oldenburg gegen die Hohenzollern einigermaßen loyal, aber das bedeutete nicht, dass man sich mochte. So gab es, so lange der "alte Großherzog" re-gierte, in seinen Staaten nicht einen Bis-marckturm oder irgendein anderes Denkmal auf den Fürsten, während Bis-marck sich revanchierte, indem er Ni-kolaus Friedrich Peter in seinem Me-moirenwerk keines Wortes würdigte, (was auch verständlich ist, denn er war selbst gemessen an den Männern seines Gewerbes, um mit Bismarck zu spre-chen, ungewöhnlich dumm und unbedeu-tend, was für die Oldenburgische Land-schaft natürlich Grund genug war, ihn besonders zu feiern, immerhin war er imstande, sich einmal im Jahr mit seinem Sonderzug nach Italien kutschieren zu lassen und auf demselben Wege zurück-zu kehren - weitere intellektuelle Leis-tungen sind von ihm nicht zu melden). Der Bismarckkult war Ausdruck einer deutschnationalen (und damit auch antisemitischen) Gesinnung, die im Je-verland wie auch sonst im (nicht katholischen) nördlichen Oldenburg, nach 1918 nahtlos in die Sympathie für den Nazismus überging, die im Jeverland besonders ausgeprägt war. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass der damalige Zeichenlehrer Georg von der Vring in Jever geächtet wurde, weil er sich als einziger Pädagoge des Mariengymnasiums bereit erklärte hatte, im Jahre 1927 zum Verfassungstag eine Rede zu halten. Das Sozialmobbing, dem er daraufhin ausgesetzt war, nahm so üble Formen an, dass er fluchtartig die Stadt verließ, um hinfort als Schrift-steller sein Brot zu verdienen, wobei von der Vring durchaus kein "Linker" war, sich vielmehr in der "inneren Emi-gration" den Nazis weitgehend anpass-te, aber selbst das genügte nicht. Das ist die dunkle Seite des Bismarckkults, aber es gibt auch eine andere, die skurriler ist: Ich erinnere an das Denkmal für Fräulein Maria von Jever, ein Zeichen der Opposition gegen die oldenburgische Herrschaft, die man zwar hinnahm, aber keineswegs billligte. Wenn die "Ge-treuen" heute den Kiebitzpokal kreisen lassen, spielen, so will ich hoffen, beide Motive keine Rolle mehr. Ich möchte vermuten, dass es sich jetzt um inhalts-leere Folklore handelt, die man pflegt, weil es dem Fremdenverkehr dient. Und im übrigen: Es gibt ja auch noch den historischen Bismarck, mit dem man sich in Jever beschäftigen könnte, zumal man dort jetzt über ein Museum verfügt, in dem sich einige Devonotialien des einschlägigen Kults befinden.

-1884-

1884, 20. 6. Bremen. Der Senat muss sich mit den sozialen Verhältnissen auf den Dampfern befassen. Er teilt mit, dass im Verlaufe der vergangenen acht Jahre unter den Kohleziehern fünfzehn Selbstmorden vorgekommen seien. Als Heizer und Kohlenzieher seien aber in diesem Zeit-raum rund 16.000 Menschen beschäftigt gewesen. Die bremischen Behörden be-schönigten die realen Verhältnisse na-türlich, so gut es ging. Das wird deutlich, wenn wir uns die Statistik einer anderen Behörde ansehen, die zwar einen etwas späteren Zeitraum beleuchtet, aber diese Situation betrifft: "In der Zeit vom 1. 1. 1888 bis zum 31. 12. 1897 wurden der Seeberufsgenossenschaft 179 Fälle von erwiesenen Selbstmorden und 162 Fälle von Vermissten gemeldet, davon auf Bremer und Hamburger Schiffen allein 316 von 341. Über die Ursachen gingen die Meinungen - je nach Position und Interesse - natürlich weit auseinan-der." (Herbig: Wirtschaft, Arbeit, Streik, Aussperrung an der Unterweser, 1979, S. 118) Dabei ist zu bemerken, dass die mit den "Vermissten" die Seeleute gemeint waren, die während der Fahrt über Bord gegangen waren. Auch unter diesen befanden sich ver-mutlich sehr viele Selbstmörder, nur dass man sie, um den Sachverhalt zu verschleiern, einer anderen Rubrik zu ordnete, denn sicherlich konnte es sich bei diesem oder jenem auch um einen Unglücksfall gehandelt haben, aber so genau wollte man es wohl nicht wissen. Die Erklärung des Senats vom 17. Juni 1884 ist Teil einer umfangreichen Diskussion über die sozialen Probleme in der deutschen Handelsmarine jener Zeit. Auf den Segelschiffen war natürlich das Deckspersonal den größten Risiken ausgesetzt, aber auf den Dampfern verlagerte sich das Problem in die Ma-schinenräume. Hier waren die Verhält-nisse unerträglich: Herbig: "Die Tat-sache, dass nach den Meldungen der Seeämter von den jährlich gemusterten Seeleuten zwischen 10 und 30 % deser-tierten, ist in jener Zeit zwar zur Kenn-tnis genommen, aber die Ursachen (sind, Korrektur d. Verf.) kaum ernsthaft un-tersucht worden." (Herbig: Wirtschaft, Arbeit, Streik, Aussperrung an der Unterweser, 1979, S. 118) Und die lagen eigentlich auf der Hand: "Die Bremer-havener Tageszeitungen der 80er Jahre berichten immer wieder von Todesfällen auf See im Bereich des Heizungsperso-nals durch Hitzschlag, Wahnsinn, Er-schöpfung und Selbstmord. Dabei fällt auf, dass es fast ausnahmslos Lloyd-dampfer waren, auf denen sich diese Fälle ereigneten. Diese schlechten Ar-beitsbedingungen hatte zur Folge, dass viele der oft nur aus Not angemusterten und zur Seefahrt noch in keinem posi-tiven Verhältnis stehenden Leute die baldmöglichste Gelegenheit zur Deser-tion benutzten."(Herbig: Wirtschaft, Arbeit, Streik, Aussperrung an der Un-terweser, 1979, S. 119) Dass die sozia-le Lage auf den Schiffen der Bremer Reederei besonders schlimm war, lässt sich dadurch erklären, dass der Konkurrenzkampf auf der Nordatlan-tikroute vor allem zwischen den deut-schen und britischen Reedereien beson-ders hart war. Dabei kam es darauf an, wer am schnellsten die Strecke zwi-schen Southhampton und New York bewältigte. Daraus folgte dass man aus den Maschinen - und den Menschen das Letzte herausholte, wobei die Heizer und dann die Kohlenzieher - in der Hierar-chie an Bord ganz unten standen und kaum als Menschen galten. Und schließlich kam die schlechte Bezahlung hinzu, denn nach 1874 sanken die Heu-ern um 25 Prozent. "In Bremerhaven erhielten die Vollmatrosen 1874 = 62 Mark und 1880 nur noch 46 Mark." (Herbig: Wirtschaft, Arbeit, Streik, Aussperrung an der Unterweser, 1979, S. 119)
1884 Bremen: Die Polizei erlässt eine "Velo-ziped-Verordnung", wonach Fahrräder mit einer Glocke und einer Lampe aus-gerüstet sein müssen. Fahrräder tauchen in Bremen um 1880 auf.
1884-88 Bremen: Bau des Freihafens I. Seit 1938 "Europahafen".
1884 Bremen: Gründung des Bremer Rheder-vereins.
1884, 5. 3. Bremen: Gründung der "Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinne-rei", kurz: Nordwolle. Der Betrieb be-findet sich in Delmenhorst, die Verwal-tung jedoch in Bremen. Leiter des Un-ternehmen ist zu dieser Zeit Carl Lahu-sen. Die Unternehmer-Dynastie siedelte sich 1816 in Bremen an und handelte zunächst mit Häuten aus Portugal und Spanien. Seit den 60er Jahren verlegte sich die Familie auf den Wollhandel. Sie kaufte - gemeinsam mit anderen - große Farmen in Argentinien und ex-portierte Wolle nach Deutschland. 1873 kauften die Lahusens eine Wollwäsche-rei und Wollkämmerei in Neudeck ( Böhmen). Carl Lahusen schließlich verlegte die Produktion nach Delmen-horst und baute die Firma zu einem Konzern auf, der 1913 etwa 10.000 Arbeiter und dann in den zwanziger Jahren sogar fast 30.000 Mitarbeiter beschäftigte. Unter G. Carl Lahusen setzte schließlich - in der fünften Ge-neration - der Abschwung ein. Der Konzerchef baute zwar 1928-1929 noch eine repräsentative Zentrale - das heu-tige "Haus des Reiches" in Bremen - und leistete sich eine luxuriöse Bleibe in Hohenhorst bei Bremen, aber das war nur noch die Fassade, hinter der es im Gebälk bereits gefährlich krachte.
1884 Blumenthal. Blumenthal wird zum Indus-trieort. Bremische Kaufleute errichten hier Betriebe, weil sie direkt von der Weser mit Rohstoffen beliefert werden können. Die Bevölkerung wächst rapide, insbesondere durch Zuwanderung von Polen aus Posen und Westpreußen..
1884, 24, 10. Bremerhaven. Der Lloyd-Dampfer "Rhein" rettet im Nordatlantik 186 Menschen von Bord des brennenden Dampfers "Maasdam".
1884 Bremerhaven: Ein "Technikum" bildet Maschinisten für die neuen Dampfer aus.
1884 Bremerhaven. Gründung eines Fachver-eins für Hauszimmerer.
1884 Bremerhaven/Geestemünde: Die Rohrle-ger des städtischen Wasserwerks strei-ken, weil ihnen der zugesagte Lohn nicht ausgezahlt wurde. Die Arbeiten werde von 150 polnischen Streikbrechern wie-tergeführt. Der Ausstand endet erfolg-los.
1884, 24. 11. Bremerhven. Für die Arbeiter am Hafen, die die Schiffe löschen - eine schwere und gefährliche Arbeit - wird an der Schifferstraße ein "Unterkunftshaus" gebaut, in dem die Männer sich aufwärmen können und wo sie ein billiges Essen erhalten.
1884 Geestemünde. Bau des "Riedemann-schen Palais’. Das Haus wurde 1944 zerstört.
1884 Geestemünde/Oldenburg: Die Großher-zogliche Regierung räumt der Bugsirge-sellschaft "Union" für 25 Jahre das Recht ein, allein den Fährbetrieb auf den Strecken Kleinensiel-Dedesdorf und Nordenhamm-Blexen-Geestemünde zu betreiben. Der Vertrag bringt enorme Vorteile für die Gegend, denn im Falle der Fähre Dedesorf-Kleinensiel wird das Segelboot, das hier bislang seinen Dienst tat, durch ein Dampfschiff er-setzt, während zwischen Nordenham und Geestemünde nunmehr statt der alters-schwachen und abbruchreifen "Nor-denhamm" des Kapitäns Stühmer der moderne Raddampfer "Union" einge-setzt wird. Damit wird die Verbindung zwischen den beiden Weserufern sehr viel leichter, denn die neue, auf Teck-lenborg-Werft gebaute "Union" fährt fünfmal am Tag, während die "Norden-hamm" allenfalls zweimal verkehrte. Vor allem in Nordenhamm ist man mit der Verbesserung sehr zufrieden, wäh-rend die Blexer unter dem bereits er-wähnten "Brückengeld" leiden, das die Sonntags-Ausflügler fernhält.
1884, 27. 3. Atens: Gründung der Ortsgenossen-schaft "Nordenhamm" im "Friesi-schen Hof". Sie hat jetzt 660 Einwoh-ner.
1884, 6. 9. Nordenhamm: Der "Union-Anleger wird fertiggestellt. Der bisherige Anleger, an dem Passagierdampfer festmachten, wird zum Getreidepier umgebaut.
1884 Ellwürden: Gründung der Ortskranken-kasse für den Amtsverband Butjadingen.
1884 Strückhausen: Nur zehn Jahre nach der Erfindung der Milch-Zentrifuge durch den Ingenieur L. Lewaldt wird in Strück-hausen eine Molkerei gegründet.
1884, 1. 12. Brake: Das neue Krankenhaus wird er-öffnet. Träger ist zunächst die Stadt, mit der Gemeindereform von 1933 geht das Haus in den Besitz des Amtes über.
1884 Wilhelmshaven: Die Grenzstraße wird angelegt und bebaut.
1884 Wittmund: An der Auricher Straße entsteht die Finkenburg-Mühle, heute nach ihrem letzten Betreiber Suits-Mühle genannt. Auch sie ist ein Galerie-Holländer, der damals an die Stelle einer Bockwindmühle trat, die durch Brand vernichtet worden war. Sie wurde 1978 stillgelegt, wird aber erhalten.

-1885-

1885, 6. 4. Berlin. Kaiser Wilhelm I. unterfertigt "nach erfolgter Zustimmung des Bundesrathes und des Reichstags" das Gesetz über die Einrichtung und Unterhaltung regelmäßiger Postdampf-schiffsverbindungen zwischen Deutsch-land einerseits und Ostasien wie Austra-lien andererseits. In dem darauf einset-zenden Gerangel um den lukrativen Auf-trag setzt sich der Norddeutsche Lloyd durch. Schon am 3. Juli 1885 setzte Bismarck seine Unterschrift unter den Vertrag mit der bremischen Reederei. Am folgenden Tag, am 4. Juli 1885, folgte diejenige von H. H. Meier. Kludas kommentiert: "Dieser Vertragsab-schluss ist ohne Zweifel eines der wich-tigsten Ereignisse der deutschen Schiff-fahrtsgeschichte des 19. Jahrhunderts. Er ermöglichte der deutschen Schiffbau-industrie ein schnelleres Aufholen des britischen Vorsprungs, denn der Vertrag sah bindend vor, dass alle Reichspost-dampfer auf deutschen Werften gebaut werden mussten. Der Norddeutsche Lloyd avancierte durch Ausdehnung sei-ner Dienste auf Asien und Australien zur Weltreederei. Der deutsche Handel und die deutsche Industrie hatten endlich die lang entbehrte, regelmäßige Dampfer-verbindung mit den Jahr für Jahr wich-tiger werdenden Handelspartnern auf der anderen Seite der Erdkugel. Und schließlich brachte der Vertrag der jungen deutschen Hafenstadt Bremerha-ven jenen entscheidenden Verkehrszu-wachs, der die weitere Entwicklung dieser Stadt und ihres Hafens prägte." (Kludas: Die Geschichte der deutschen Passagierschiffahrt. 1986, Bd. 1, S.. 174
1885, 1. 1. Bremen: Der "Weserbahnhof" (oder "Hannoversche Bahnhof") wird still-gelegt. Vorübergehend werden die Züge auf dem Venloer Bahnhof, der sich an der heutigen Straße "Am Barkhof" be-fand, abgefertigt. Hier endete die neue Bahnstrecke nach Osnabrück, die am 16. August 1873 eröffnet wurde. Das Emp-fangsgebäude bestand hier aus einem Güterschuppen, der notdürftig für die Bedürfnisse der Passagiere eingerichtet war. Er wurde nach der Fertigstellung des heutigen Hauptbahnhofs entbehrlich und deshalb abgerissen.
1885, 1. 1. Bremen. Die "Bremer Monatshefte" erscheinen zum ersten Mal. Sie halten sich bis zum Dezember 1886.
1885, 30. 1. Bremen: Gründung des Gewerbevereins. (Wania nennt diese Gruppe. Sie ist offenbar nicht identisch mit dem "Gwerbe- und Industrieverein" der bereits 1845 entstand, oder doch?)
1885, 1. 3. Bremen. Die Zeitschrift "Von den Küsten und zur See" erscheint zum ersten Mal. Das ist das Organ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.
1885-1888 Bremen: Bau des Europahafens. Das Becken wurde 2000 Meter lang und 120 Meter breit. Es konnte zunächst Schiffe mit einem Tiefgang von 6 Metern (ab 1893: 8 Meter) aufnehmen. Erweitert 1908, 1933 und 1937. Nach schweren Kriegsschäden bis 1956 wieder aufge-baut.
1885/1902 Bremen: Walle wird nach Bremen einge-meindet.
1885, 9. 7. Bremerhaven. Die Stadt ernennt Hein-rich v. Stephan, Staatssekretär des Reichspostamtes, (Ministerien kannte das Kaiserreich nicht), zu ihrem Ehren-bürger. Damit würdigt Bremerhaven die Verdienste des Mannes um den Zuschlag der Postdampfer-Linien an den Nord-deutschen Lloyd, was auf eine Förde-rung der Stadt Bremerhaven hinauslief.
1885, 18. 10. Bremerhaven. Der Rote-Sand-Leucht-turm ist fertiggestellt. Am 1. November 1885 erstrahlt zum ersten Mal sein Licht.
1885 Bremerhaven: Gründung der Zahlstelle Bremerhaven der "Vereinigung der Metallarbeiter Deutschlands". Der örtliche verein wird sofort verboten.
1885 Bremerhaven. Arbeiter des Norddeut-schen Lloyds gründen einen Konsum-verein, der aber 1888 wieder liquidiert werden muss.
1885 Geestemünde. Der Kreis "Geestemün-de" wird von dem Kreis "Lehe" ab-getrennt.
1885 Geestemünde. Der Speditionskaufmann Riedemann lässt den Segler "Androme-da" zum vermutlich ersten Tankschiff überhaupt, zumindest aber der deutschen Flotte umbauen. Damit be-ginnt er eine neues Kapitel der See-fahrts-Geschichte.
1885 Geestemünde. Der neue Raddampfer "Union" ersetzt im Fährverkehr zwischen Geestemünde und Norden-hamm (über Blexen)" die alters-schwache "Nordenhamm".
1885 Vegesack: Dank der Spende des aus Vegesack stammenden Kaufmanns Will-helm Hartmann, der als Geschäftsmann in London zu Wohlstand gekommen war, kann die Stadt ein Krankenhaus errich-ten. Hartmann half auch finanziell weiter, als es darum ging, die Einrichtung im Jahre 1913 zu erweitern. (Im Ersten Weltkrieg wurde des Bild des "perfiden Briten" in dem Krankenhaus abgehängt, weil man ja die Dankbarkeit nicht zu weit treiben soll, nicht wahr?)
1885 Vegesack: Gründung der Freimaurer-Loge "Anker der Eintracht". 1899 kann die Gruppe ihr Haus Weserstraße 7 beziehen, das 1935 an den Heimatverein für Vegesack, Kreis Blumenthal und Umgebung verkauft werden musste, der darin ein Heimatmuseum einrichtete. 1950 erfolgte die Neugründung. Die Loge nahm 1955 wieder den alten Namen "Anker der Eintracht" an.
1885, 7. 2. Geestemünde: Der erste deutsche Fischdampfer, die "Sagitta", (148 BRT) läuft von der Geeste zu ihrer ersten Fangreise aus, die noch nicht erfolgreich war. Sie führte nur in die Deutsche Bucht und dauerte nur vom 7. bis zum 9. Februar 1885. Im folgenden Jahr 1886 wird das Schiff mit einer Dampfwinde und einem Schleppnetz ausgerüstet. (Vorher angel-te man die Fische) Damit begann eine neue Phase der deutschen Hochsee-fischerei. Der Reeder, Friedrich Busse (1835 - 1898) ist einer der Unter-nehmer-Persönlichkeiten, die die Wirt-schaft der Unterweser geprägt haben. Die "Sagitta" ist 1901 vor Island verschollen - das Schicksal zahlreicher Fischdampfer in jener Zeit.
1885-1886 Langen: Bau des Wasserturms. Er diente bis 1996 der Versorgung Bremerhavens.
1885 Blexen. Im Kirchspiel Blexen wurden von 1850 bis 1885 53 neue Häuser gebaut, also anderthalb Häuser im Jahr.
1885, 6. 9. Nordenhamm: Der Unionpier wird dem Verkehr übergeben. Von hier aus wird in den folgenden dreißig Jahren der Fährverkehr zwischen Nordenham, Blexen und Geestemünde abgewickelt. Der Anleger existiert noch.
1885, 1. 10. Nordenhamm: Der ehemalige Perso-nenanleger wird zum Getreidepier um-gebaut.
1885 Fedderwardersiel. Th. Bruncken eröffnet mit dem Dampfer "Else" einen Fähr-verkehr von Fedderwardersiel nach Bre-merhaven. das Schiff legt unter-wegs in Tettensersiel an.
1885 Ruhwarden. Molkerei-Genossenschaft Ruhwarden wird gegründet. Sie hat zunächst nur 14 Mitglieder. 1897 hat die Gesellschaft 57 Mitglieder.
1885 Elsfleth: An der Hunte laufen die letzten Holzschiffe, nämlich die "Otilde" und die "Jan Baas" vom Stapel. (Die Werften entlang der Weser waren im 19. Jahrhundert berühmt für die Holzbarken, die hier sozusagen in Serie gebaut wurden)
1885 Wilhelmshaven: Werftbadeanstalt am Kanal (Banter Hafen) gegründet. Die Einrichtung wird 1920 von der "Freien Wassersportvereinigung Jade" über-nommen.
1885, 15. 4. Wilhelmshaven. Eröffnung der "Höhe-ren Mädchenschule" in Räumen einer Kaserne an der Roonstraße (heute Rheinstraße). Es handelt sich noch um ein privates Institut, das mehrere Vor-läufer hatte, nämlich die Privatschule für Mädchen von Fräulein Ruwida Goose, die von 1872 bis etwa 1895 bestand, dann eine Mittelschule, die 1875 gegründet wurde, und schließlich die Private Höhe-re Töchterschule, die von 1877 bis 1885 bestand. Die Schule erhielt 1895 ein eigenes Gebäude, das 1913 erweitert wurde. Im Jahre 1921 erfolgte die Um-wandlung in ein Oberlyzeum (erst jetzt erhielten die Mädchen in Preußen das Recht, Abitur zu machen und zu studie-ren). Als die Reichsregierung im Jahre 1937 die Städte Wilhelmshaven und Rüstringen zur Stadt Wilhelmshaven vereinigt, werden am 1. April d. Js. das Lyzeum und die "Fräulein-Marien-Schule" in Rüstringen (gegründet am 15. 4. 1902 als Höhere Privatmädchen-schule in Bant) zur "Königin-Luise-Schule", städtische Oberschule für Mädchen, vereinigt. 1946 wird die Schule erneut umbenannt. Jetzt heißt sie "Städtische Oberschule für Mädchen". Am 28. Oktober 1966 erhält die Schule anlässlich der Einweihung des Neubaus numehr den Namen "Käthe-Kollwitz-Schule", die seit dem Schuljahr 1969/70 auch keine Mädchenschule mehr ist, weil nunmehr auch in Niedersachsen die "Koedukation" eingeführt wird.
1885, 11. 6. Wilhelmshaven: Erste Marine-Sportan-lage eröffnet.
1885 Wangerooge: Die Insel wird wieder eine selbständige Gemeinde.

-1886-

1886-1890 Bremen. Bau des Hauptbahnhofs. Das Gebäude blieb im Zweiten Weltkrieg im wesentlichen unbeschädigt und wurde von 1998 bis 2001 im Innern erheblich umgebaut. Erhalten geblieben ist von dem einstigen Prachtbau lediglich die Fassade. Der "Hamburger Bahnhof", auch "Venloer Bahnhof" genannt, war abgerissen worden, bevor der Haupt-bahnhof entstand.
1886 Bremen. Im Bürgerpark entsteht die Laubenhalle. In Jahren 1986/87 erneu-ert.
1886 Bremen. Gründung der Bremer Schlepp—Schifffahrts-Gesellschaft. Sie ist vor allem auf der Oberweser tätig.
1886 Grohn: Gründung der Bremer Baumwoll-spinnerei und Weberei. Das Unterneh-men beschäftigte 1893 382 Menschen, davon 60 Prozent Frauen, kam aber nicht so recht in Gang. Nach einem Brand im Jahre 1904 wurde die Produktion eingestellt. .
1886, 14. 3. New York/Bremerhaven: Der Lloyd-Dampfer "Fulda" rettet 896 Schiffbrü-chige von dem brennenden Schnell-dampfer "Oregon" der Cunard-Line.
1886, 30. 6. Bremerhaven: Der umgebaute Dampfer "Oder" liegt abfahrtbereit in Bremer-haven am Kai und wird feierlich von Vertretern der Reichsleitung, des Reichstags sowie der Industrie- und Handelskammern zu seiner ersten Reise nach Shanghai verabschiedet. Damit wird der Postverkehr mit dem Fernen Osten eröffnet. Am 14. Juli 1886 tritt die "Salier" ihre erste Fahrt als Postdampfer nach Australien an.
1886, 9. 12. Bremerhaven: Der Lloyd-Dampfer "Fulda" rettet im Atlantik die Besat-zung des sinkenden Vollschiffs "Luise M. Fuller".
1886 Bremerhaven: Gründung des gewerk-schaftlichen Vereins der Schiffbauer.
1886 Bremerhaven: Gründung des Fachver-eins der Böttcher.
1886 Bremerhaven: Gründung der Kranken-kasse für das Bedienungspersonal des Norddeutschen Lloyds.
1886 Bremerhaven: Gründung des Werkmeis-ter-Bezirksvereins.
1886/87 Bremerhaven: Auf dem Everssand in der Wesermündung werden die Leuchttürme "Oberfeuer-Everssand" und "Unter-feuer-Everssand" errichtet. Hinzu tritt der Leuchtturm "Meyers Legde Alt", dem im Jahre 1905 "Meyers Legde Neu" folgte. Die Seezeichen waren jeweils mit zwei Mann besetzt, die sechs Wochen auf Station blieben und dann für zwei Wochen nach Hause durften. Die Feuer wurden mit Gas betrieben. Seit 1922 sind die Türme nicht mehr in Betrieb, dafür nutzen Seevögel die Stahlgerüste als Brutplätze, weswegen man sie nicht abreißt, ja, sie sogar saniert.
1886 Bremerhaven: Gründung des Kunstver-eins Bremerhaven. Er unterhält seit 1911 eine kleine Kunsthalle in einem Seitenflügel des Theaters, der 1944 bei dem großen Bombenangriff auf Weser-münde zerstört wurde. Der Bestand war aber ausgelagert und konnte so gerettet werden. 1961 entstand eine neue Kunsthalle.
1886 Bremerhaven: Gründung des Werkmeis-ter-Bezirks-Vereins.
1886 Bremerhaven: Gründung des Zweigver-eins des Vereins deutscher Schiffbauer.
1886 Geestemünde: Mit der der Indienststel-lung des Tankdampfers "Glückauf" beginnt eine neue Phase des Öltrans-ports, die wiederum durch Wilhelm Anton Riedemann eingeleitet wird.
1886 Bremerhaven/Geestemünde: Gründung des Verbandes der Böttcher. Die Fass-macher waren in der Fischindustrie wichtige Leute.
1886 Geestemünde/Lehe: Gründung der Zahl-stelle Lehe-Geestemünde des Zentral-verbandes der Zimmerer.
1886, 1. 6. Lehe: Die 3. Matrosen-Artillerie-Abtei-lung bezieht ihre neuen Kasernen an der Kaiser-Wilhelm-Straße.
1886 Nordenhamm: Der Hafen hat jetzt sechs Anlegebrücken für Frachtschiffe und einen für den Personenverkehr. Die bei-den südlichen Anleger werden nunmehr zu einem Pier von 122 Meter Länge verbunden, um mehr Platz zu schaffen. Am 5. November 1886 legt das erste Schiff an.
1886, 30. 6. Wilhelmshaven/Eckwarden: Zwischen den Jadestädten und Butjadingen verkehrt nunmehr ein kleiner Dampfer, der das Segelboot ersetzt, das bis dahin die Verbindung zwischen den beiden Ufern herstellt. Er ist die Voraussetzung für den Fremdenverkehr, der sich in den folgenden Jahren von Tossens und Eckwarden aus auf der Halbinsel entwickelt.
1886 Wilhelmshaven: Die Kaiserliche Werft richtet eine "Spielschule" ein, die mit dem Lehrlingsheim verbunden ist. In der Spielschule werden die Kinder betreut, deren Eltern tagsüber arbeiten müssem.
1886 Wangerooge: Gründung des "Seehos-pizes" für erholungsbedürftige Kinder aus dem Herzogtum Oldenburg. Das Haus wurde 1896 und 1900 erweitert und konnte schließlich 80 erholungsbe-dürftige Kinder aufnehmen.

-1887-

1887 Berlin: Die preußische Regierung bildet die Landkreise Lehe und Geestemünde.
1887, 15. 9. Bremen. Auf dem Martini-Kirchhof wird der von Max Hoffmann gestiftete Brun-nen aufgestellt.
1887-1895 Bremen: Beginn der ersten großen We-serkorrektion, die, alles in allem, bis 1895 dauern sollte. Im Jahre 1881 konn-ten nur Schiffe mit einem Tiefgang von 2,75 Metern bei Flut die Häfen der Stadt Bremen erreichen, was entschieden zu wenig war. Nun sollte also Remedur ge-schaffen werden. Die Planungen liefen seit 1878. Sie hatten dieses Ziel: In Zukunft sollten Schiffe mit 5 Meter Tiefgang wieder bis nach Bremen ge-langen. Das Unternehmen war erfolg-reich. Am 21. September 1892 erreichte der Lloyd-Dampfer "Hannover" mit voller Ladung den Bremer Freihafen - ein Unternehmen war gelungen, für das es bis dahin in der Welt kein Vorbild gab. Die Stadt Bremen ehrte am 15. Oktober 1908 den Ingenieur Ludwig Franzius (1832 - 1903) mit einem Denkmal an der Großen Weserbrücke. Es trägt die Inschrift: "Ludwig Franzius bahnte der Flut den Weg zur Stadt".Mit der Vertiefung von etwa 2,5 m auf 5 m war noch nicht das Ende der Fah-nenstange erreicht. Es folgten noch diese Maßnahmen:
  • 1913 - 1921: 7 Meter;
  • 1928 - 1928: 8 Meter;
  • 1954 - 1958: 8, 70 Meter
  • 1970: 9,5 Meter
  • 1971 - 1973: bis zu 12 Meter.
1887 Borgfeld. Bau einer weiteren Brücke über die Wümme nach Butendiek.
1887 Bremerhaven. Im Alten Hafen macht der Fischdampfer "Vigilant" der Reederei Rubardt und Bartling fest. Damit beginnt die Geschichte dieses Fischereihafens. Sie endet im Jahre 1935.
1887, 15. 8. Bremerhaven. Die Leuchttürme auf dem Eversand, auf Meyers Legde und auf der Salzhörn sind fertig und werden zum ersten Mal beleuchtet.
1887, 16. 11. Bremerhaven: Die Bauarbeiter in der Stadt treten in den Streik, um eine Lohnreduzierung abzuwehren. Der Aus-stand endet am 22. Dezember 1887 da-durch, dass ein neuer Tarifvertrag an-genommen wird. Neu ist, dass Unter-nehmer und Arbeiter nunmehr Stunden-löhne statt der bislang üblichen Tages-löhne vereinbaren, was die Vorausset-zung für die Arbeitszeitverkürzungen ist, die nunmehr gefordert und eingeräumt werden.
1887 Geestemünde. Der außerordentlch um-triebige Fischhändler Wilhelm Bade, der 1870 aus Harpstedt nach Geestemünde gekommen war und hier eine Lachs-räucherei betrieb, gründet eine eigene Fischdampfer-Reederei, die zeitweilig drei Dampfer in Fahrt hatte. Die Ree-derei wurde 1908 aus dem Handels-register in Geestemünde gelöscht. Die Seefischhandlung bestand bis zumm 17. 12. 1982. Wilhelm Bade, so Werner Beckmann, zählt "zu den großen Pionieren der Dampfhochseefischerei". (Die Reedereien der Hochsee- und Heringsfischerei in Bremerhaven, 2003, S. 43) Die beiden anderen Pioniere sind seiner Meinung nach Friedrich Busse und Friedrich Albert Pust.
1887 Geestemünde: Gründung einer Fisch-Guano-Fabrik im Fischereihafen an der Geeste. Damit werden auch die Abfälle der Fischfänge verwertet, was seit 1898 im neuen Fischereihafen geschieht, wo das Unternehmen unter den Namen "Erste Deutsche Fischmehlfabrik Lüllig & Co. firmiert.
1887 Geestemünde: Friedrich Albert Pust aus Rostock siedelt sich in Geestemünde an, wo er mit zunächst drei Fischdampfern eine Reederei betreibt. Friedrich Albert Pust bekleidete in Geestemünde zahlrei-che Ehrenämter, so war er von 1913 bis 1919 Senator der Stadt Geestemünde und von 1901 bis zu seinem Tode "Meister vom Stuhle" (Vorsitzender) der Johannis-Loge "Zum rechtweisen-den Kompass) in Geestemünde. Pust starb 1928. Die Firma wurde am 22. 7. 1988 aus dem Handelsregister gelöscht. Unter den Kontorflaggen der Firma Pust fuhren insgesamt 30 Schiffe. An den Reeder erinnert seit 1930 in Bremer-haven der Friedrich-Albert-Pust-Platz.
1887 Geestemünde: "Verein der Fischereiar-beiter" gegründet. Sie schließen sich dem Transport-Arbeiterverband an.
1887 Berne. Gründung der Stedinger Molkerei in Ranzenbüttel. Sie nimmt am 1. Juli 1887 den Betrieb auf. Das Gebäude wurde 1995 abgebrochen.
1887 Oldenburg: Die oldenburgische Staatsregierung entscheidet auf eine Anfrage der Reichspost hin, dass der Ortsname "Nordenham" in Zukunft mit einem "m" zu schreiben sei.
1887, 1. 9. Wilhelmshaven: Die "Wilhelmshavener Zeitung" erscheint. Sie befindet seit 1907 im Besitz der Familie Brune.
1887, 1. 10. Wilhelmshaven: Im neuen Marinelazarett wird der erste Patient aufgenommen. Das erste Hospital für die Marine war bereits 1866 eingerichtet worden.
1887, 20. 11. Wilhelmshaven: Einweihung der Metho-disten-Kapelle an der Mittelstraße.

-1888-

1888, 15. 10. Berlin: Durch Reichsgesetz werden Hamburg und Bremen, die bislang im wesentlichen Freihäfen waren, zum Zollinland. In Bremen bleiben jedoch die Becken auf der Stephanikirchenweide, die ja als Übersee-Häfen konzipiert wa-ren, Zollausland. Hier durften jedoch keine Betriebe angesiedelt werden, die für den Export arbeiteten. Die Außenbezirke Bremens waren zum Teil schon vorher in das Gebiet des Deut-schen Zollvereins einbezogen worden, so 1857 Huchting, Butendiek, Osterholz und ein Teil von Oberneuland, 1875 Neuenlande, Arsten, Habenhausen, und Vegesack sowie 1879 der Stadtwerder und 1884 Hastedt und Sebaldsbrück. Bremerhaven, wo der Überseehafen Zollausland bleibt, erhält am 15. Oktober 1888 ein Hansestadt Bremisches Zoll-amt.
1888, 1. 4. Bremen. Die Bremer Volkszeitung er-scheint zum ersten Mal. Sie endet be-reits am 10. Juni 1888. Damit scheitert ein erster Versuch, eine sozialdemo-kratische Zeitung inn der Hansestadt zu etablieren.
1888, 1. 5. Bremen. Die Restaurierung des St. Pe-tri-Doms wird im Angriff genommen. Das Gebäude war seit dem 17. Jahrhun-dert arg vernachlässigt und drohte vol-lends einzustürzen. Man begann mit dem Aufbau des Südturms. Die Renovierung wurde 1901 abgeschlossen.
1888, 21. 10. Bremen. Der neue Freihafen wird einge-weiht.
1888, 31. 12. Bremen. Die Bahnlinie Bremen-Farge wird in Betrieb genommen. Durch sie wurden die Industriebetriebe in Vege-sack, Blumenthal und Farge bedient. Bis zum 30. Oktober 1961 beförderte die Bahn auch Personen.
1888 Oberneuland: Rockwinkel wird nach Oberneuland eingemeindet.
1888 Neuenland. Kattenesch wird eingemein-det.
1888 Bremerhaven/Geestemünde: Gründung des "Dampfseefischerei Vereins Unter-weser", eine Vereinigung der Fisch-dampfer-Reedereien von Geestemünde und Bremerhaven. Er war der erste seiner Art in Deutschland und bestand in dieser Form bis 1926. Es folgte der Verband der deutschen Hochseefische-reien e.V. Wesermünde/Bremerhaven/-Cuxhaven, der 1927 gegründet und 1995 aufgelöst wurde.
1888 Bremerhaven: Gründung des Unterstüt-zungsvereins für Seeleute. Ab 1890: Verein der Heizer und Kohlenzieher von Bremerhaven und Umgebung.
1888, 12. 9. Bremerhaven. Einweihung des Denkmals für den Stadtgründer Bürgermeister Smidt auf dem Marktplatz
1888 Bremerhaven. Gründung einer örtlichen Gruppe des Deutschen Bekleidungs-Arbeiter-Verbandes.
1888 Bremerhaven. Gründung des Fachver-eins der Tischler. Er schließt sich 1889 an den Deutschen Tischlerverband an. 1893 bilden die Verbände der Tischler, Drechsler, Stellmacher und Bürstenma-cher den Deutschen Holzarbeiter-Ver-band.
1888 Bremerhaven: Die Heizer und Kohlen-zieher gründen eine eigene Unterstüt-zungskasse.
1888 Geestemünde. Wilhelm Bade gründet die erste Geestemünder Fischräucherei. Damit beginnt die industrielle Verwer-ung der Fänge.
1888 Geestemünde. An der Geeste entsteht zwischen der Brücke nach Bremerhaven und dem alten Fähranleger ein erster Fischereihafen. Hier finden ab dem 13. Juni 1888 bis 1896 die Fischauktionen statt, die von dem Reeder Busse einge-führt wurden. Nach der Fertigstellung des Fischereihafens I hinter dem We-ereich siedeln die Dampfer-Reedereien dorthin über. Bis 1912 ist der Prozess abgeschlossen. Die Geeste wird bis 1970 nur noch von Kuttern angelaufen.
1888 Geestemünde: Geestendorf wird mit Geestemünde vereinigt.
1888, 3. 8. Lehe: Das Rathaus am Leher Altmarkt wird feierlich eingeweiht. Das Gebäude wurde bereits 1865 als Armenhaus er-richtet worden, beherbergte dann zeit-weilig eine Kompanie Artilleristen und wurde schließlich zum Rathaus umge-baut, wobei es die neugotische Fassade erhielt, die wir noch heute sehen. Das Gebäude wurde 1907 erheblich erwei-tert.
1888, 22. 8. Blexen. Die Kirche erhält zwei neue Glocken. Sie sind auf "Ce" und "Es" gestimmt.
1888 Tettensersiel: Die Fähre, die bis dahin Tettensersiel mit Bremerhaven verband, stellt ihren Betrieb ein. Das Zollamt in dem Hafen wird 1893 aufgehoben.
1888 Atens: Die Bremer Petroleum-Raffine-rie, vorm. August Korff, errichtet sechs Öltanks auf dem Aussengroden vor dem Gut Nordenhamm.
1888 Berne: Der Hausmann Martin Kückens stiftet Geld zum Bau des Kückens-Krankenhauses. Es wurde durch Ratsbe-schluss vom 13. Februar 1973 in ein Al-tenpflegeheim umgewandelt.
1888, 3. 3. Wilhelmshaven: Die Druckerei "Paul Hug & Co" nimmt den Betrieb auf. Hier wird seit 1883 das Norddeutsche Volks-blatt hergestellt und verlegt.
1888, 1. 9. Carolinensiel. Der erste Zug erreicht den Bahnhof Carolinensiel. Im Jahre 1890 ist die Verlängerung bis zum Wittmunder Tief fertig. Die Strecke wird dann noch bis Harle weitergeführt. Die Bahn zwischen Jever und Harle wird zunächst von der Jever-Carolinensieler Eisenbahn betrieben, die auch den Dampfer "Nordfriesland" in ihre Dienste nimmt, mit dem sie täglich von Harle aus Wan-gerooge anläuft. Die Gesellschaft wird am 1. Juli 1897 von der Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahn übernom-men.
1888, 12. 9. Bremerhaven: In Bremerhaven wird das Denkmal für den Stadtgründer, Bürger-meister Smidt, auf dem Marktplatz (heute Theodor-Heuss-Platz) aufge-stellt. Sie wurde von Werner Stein gestaltet und überstand unbeschädigt den Zweiten Weltkrieg.
1888 Varel: Das Krankenhaus wird eingeweiht
1888 Jever: Eisenbahnlinie Jever-Carolinensiel. Im Jahre 1890 Verlängerung bis Harle.
1888 Wilhelmshaven: "Tausend-Mann-Ka-serne". Sie sei von den vielen Kaser-nenbauten in Wilhelmshaven erwähnt, weil sie während der Revoltion im Jahre 1918 eine Rolle spielte. Sie ist natürlich, wie alles, was an dieses einzige histo-rische Ereignis, das in Wilhelmshaven stattgefudnen hat, heute verschwunden.
1888 Sande: Bau der "Turmwindmühle" Bei Sande. Das Bauwerk wurde 1945 in Brand geschossen und ist seither eine Ruine.
1888, 23. 8. Wilhelmshaven. Auf der kaiserlichen Werft läuft der Kleine Kreuzer "Sperber" vom Stapel. Das Schiff tut von 1889 bis 1911 Dienst in der Flotte. Es wird am 16. März 1912 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen und 1922 abgewrackt.
1888 Bensersiel: Zwischen dem Siel und Langeoog wird die Schiffsverbindung eingerichtet, die heute noch existiert. Im Jahre 1893 trifft aus Geestemünde der bei Seebeck gebaute Dampfer "Vikto-ria" (genannt nach der Kaiserin) ein, der von nun die Feriengäste transpor-tiert.

-1889-

1889, 1. 4. Bremen: Eröffnung der Schwimmhalle in der Badeanstalt am Breitenweg.
1889, 1. 4. Bremen. Eröffnung der Schule an der Talstraße.
1889, 23. 4. Stettin/Bremen. Auf der Stettiner Vul-kan-Werft läuft der Schnelldampfer "Kaiser Wilhelm II." vom Stapel. Das Schiff tritt am 27. August 1889 seine ersten Reise von Bremerhaven nach New York an. Das Ereignis ist in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung:
  • Der Neubau dokumentiert, dass der deutsche Schiffbau nunmehr mit dem britischen gleichgezogen hat.
  • Zugleich ist der Schnelldampfer das erste Beispiel einer neuen Ge-neration von Passagierschiffen, die nunmehr schwimmenden Palästen gleichen und den Passagieren der Ersten und Zweiten Klasse einen bis dahin nicht gekannten Luxus bieten.
  • Mit der Namensgebung wird ein Personenkult um den Kaiser einge-leitet, den die Hohezollern bis da-hin nicht gekannt hatten. Man be-denke, dass Wilhelm II. zu diesem Zeitpunkt noch nicht ein Jahr im Amt war und noch nichts geleistet hatte. Er war auch in dieser Hin-sicht das Vorbild des "Führers" Adolf Hitler, seines Nachfolgers im Amt und im Geiste.
  • Und schließlich macht das Ereignis deutlich, dass sich die Freie und Hansestadt Bremen im Allgemeinen und der Norddeutsche Lloyd im Besonderen des speziellen Wohl-wollens des letzten deutschen Kai-sers erfreuen durften.
1889, 15. 10. Bremen. Einweihung des heutigen Bre-mer Hauptbahnhofs. Der Neubau wurde von Hubert Stier aus Hannover entwor-fen. Schwarzwälder: "Das Bauwerk gehört zu den architektonisch bedeu-tendsten Bahnhofsbauten, die sich bis heute erhalten haben. Der Mittelbau mit den großen Rundbogenfenstern und Sandsteinfiguren wirkt ungemein deko-rativ und lässt die quer dahinter liegende Halle mit den Bahnsteigen in ihren bedeutenden Ausmaßen (197 m lang, 59 m breit, 30 m hoch) nicht massig wirken." (Schwarzwälder, Herbert: Ge-schichte der Freien Hansestadt Bremen, II. Band. S. 369). Der bisherige "Han-noversche-Bahnhof", (zwischen Bahn-hofs- und Georgstraße) in dem die Strecke Bremen-Hannover endete und der "Hamburg-Osnabrücker Bahnhof" (hinter dem jetzigen Hauptbahnhof etwa dort, wo jetzt das Stadion sich erhebt, gelegen) wurden aufgegeben.
1889, 17. 10. Bremen. Gründung der "Bremer Droschken-Gesellschaft"
1889, 20. 11. Bremen. Dem Naturwissenschaftler Gottfried Reinhold Treviranus (1776 - 1836) wird an seinem Geburtshaus am Wall eine Gedenktafel gewidmet.
1889, 4. 12. Bremen. Eröffnung einer Pferdebahn vom Bahnhof zum Bürgerpark.
1889, 29. 12. Bremen. Eröffnung des Aussichtsturms im Bürgerpark. Er wird im März 1962 gesprengt, weil er baufällig geworden war.
1889 Bremen: Einweihung des Marcus-Brun-nens im Bürgerpark. Er wurde von Bür-germeister Marcus gestiftet. 1942 wurde der Bronzeschmuck abgebaut. Seit 1958 ist der Brunnen wieder in Betrieb. Die früheren Seepferdchen wurden 1976 durch Muschelschalen ersetzt.
1889 Bremen: Gründung der Philharmonischen Gesellschaft.
1889-1892 Bremen. Bau des Holzhandels- und Fa-brikenhafen. Er dient, wie das Name sagt, dem Holzhandel. Außerdem siedeln sich hier die großen Mühlenbetriebe Bremens an. Der Hafen liegt innerhalb der deutschen Zollgrenzen.
1889-1892 Bremen. Der Senat beginnt mit der Ka-nalisation der Stadt. Bis dahin floss die Jauche entweder in oberirdischen Rinnen in Richtung Weser oder wurde mit Wa-gen abtransportiert.
1889-1890 Bremen. Der Kuhgraben wird zuge-schüttet. Auf der Fäche wird die Park-allee angelegt.
1889 Oberneuland: Gründung des Turnvereins Oberneuland.
1889. 30. 4. Vegesack/Lemwerder: Das Fährschiff "Frieda" nimmt den Betrieb zwischen Vegesack und Lemwerder auf. Erste moderne Schiffsverbindung zwischen den beiden Ufern.
1889 Bremerhaven/Spithead. Kaiser Wilhelm II. fährt mit dem Lloyd-Dampfer "Saale" nach Spithead, um dort als Gast an der britischen Flottenparade teilzunehmen. Am 21. April 1891 diniert der Kaiser an Bord des Schnelldampfers "Fulda". Mit diesen Demonstrationen bekundet das Staatsoberhaupt, dass er die Freie Hansestadt Bremen im Allge-meinen und den Norddeutschen Lloyd besonders zu fördern beabsichtigt.
1889, 16. 3. Bremerhaven/Geestemünde: Die Maurer und Zimmerer mehrerer Baufirmen tre-ten in einen Streik, der 38 Tage bis zum 24. April 1889 dauert. Das Ergebnis ist eine Lohnerhöhung und die Anerkennug des Fachvereins als Tarifpartner. Die Unternehmer setzten vom 29. März 1889 an Streikbrecher ein. Am 20. März traten die Schneider in Bremerhaven und Unterweser aus Sympathie für die Maurer und Zimmerer für einen Tag in den Streik.
1889, 20. 6. Bremerhaven/Geestemünde: Die Schau-er und Stauer treten in einen Streik, der 18 Tage dauert und am 8. Juli 1889 endet. Die Arbeiter fordern eine Lohn-erhöhung, scheitern jedoch.
1889, 12. 7. Bremerhaven. Die Schauer und Stauer des Norddeutschen Lloyds fordern das Recht, einer Gewerkschaft beitreten zu dürfen und treten deshalb in den Streik. Der Ausstand scheitert bereits nach zwei Tagen am 14. Juli 1889.
1889, 1. 4. Geestemünde: Geestendorf und Geeste-münde werden zu der "Landgemeinde Geestemünde" vereinigt. Das Gesetz war durch König Friedrich III. von Preußen am 7. Mai 1888 verkündet worden.
1889 Nordenham: Die Bremer Petroleum-Ge-sellschaft errichtet südlich des Norden-hamer Bahnhofs sechs Öltanks. Norden-ham wurde zeitweilig ein bedeutender Ölumschlagplatz. Die Tanks wurden im Jahre 1966 abgerissen.
1889 - 1892 Wilhelmshaven: In der Stadt verkehrt eine erste Omnibuslinie.
1889 Wilhelmshaven. Die Baptisten bauen die erste zivile Kirche im Kriegshafen. Sie wurde am 15. 10. 1955 durch Bomben zerstört. Seit 1955 haben die Freikirch-ler, wie sie sich heute nennen, wieder eine eigene Kirche. Die Baptisten-Ge-meinde in Wilhelmshaven wurde 1886 gegründet.
1889 Wilhelmshaven: Eine künstliche Ruine erinnert an die frühere Banter Kirche, deren Fundamente 1869 wiedergefunden wurden.
1889 Esens: Bau des neuen Postamts vor dem Drostentor.