-1890-1895-

1890 Berlin: Die seit zwei Jahren schwelende Krise zwischen dem alten Reichskanzler und dem jungen Kaiser endet mit der Entlassung Bismarcks am 20. März 1890. Damt ist zwar der Staatsstreich, den derscheidende Kanzler offenbar geplant hatte, abgewendet, aber es ist durchaus nicht klar, welche Politik der junge Herr nunmehr betreiben will. Für die Unterweserstädte ist wichtig, dass das Sozialistengesetz nicht mehr erneuert wird, so dass ich die Gewerkschaften ab 1890 ungehindert entfalten können. Sie zählen bereits 1895 2000 Mitglieder.

Die Unterweserstädte sind in der jüngsten Vergangenheit stark gewachsen: Bremerhaven hat 16.286 Einwohner, Geestemünde 15.471 und Lehe 14.438. Natürlich ist die alte "Colonie" das Zentrum, denn von hier aus wird der Überseeverkehr mit den USA abgewickelt, aber in Geestemünde löschen 1890 2800 Dampfer und Segler ihre Fänge. Im Handelshafen von Gees-temünde kommen 1891 817 Seeschiffe mit 393.412 BRT an. Und Geestemünde ist auch der Sitz bedeutender Werften, von denen Tecklenburg und Rickmers in den folgenden Jahren besonders her-vortreten. Später tritt Seebeck hinzu.

1890, 7. 1. Bremen: Nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes bilden die sozialisti-schen Gewerkschaften zum ersten Mal eine gemeinsame Organisation in Form einer "Kontrollkommission".
1890, 2. 4. Bremen. Am Wohnhaus des Astronomen Friedrich Wilhelm Bessel an der Hutfil-terstraße wird eine Marmortafel ange-bracht, die an den Wissenschaftler erin-nert.
1890, 21. 4. Bremen: Einweihung des Denkmals für Kaiser Wilhelm I. vor der Liebfrauen-Kirche in Anwesenheit Kaiser Wilhelms II. (Zum historischen Hintergrund: In diesen Jahren entwickelte sich der bür-gerliche Bismarck-Kult, der sich gegen Kaiser Wilhelm II. richtete, weswegen der Hohenzoller versuchte, die Ver-dienste seines Großvaters, den er ohne-hin sehr liebte, gegen den ersten Kanzler herauszustreichen. Man hatte also bei ihm einen Stein im Brett, wenn man seinem Großvater ein Denkmal er-richtete und dafür auf einen Bis-marckturm verzichtete.)
1890, 1. 5. Bremen. Die "Bremer Bürgerzeitung" erscheint zum ersten Mal. Damit hat die Sozialdemokratie der Hansestadt unmit-telbar nach dem Ende des Sozialisten-gesetzes Bismarcks, ein eigenes Organ. Das Blatt besteht bis 1919.
1890, 4. 5. Bremen. Einweihung des "Adelenstif-tes" in Oslebshausen. Das Erholungs-heim für genesende Frauen und Mädchen war eine Stiftung des Kaufmanns Johann Ludwig Schrage. Das Hauptgebäude brannte am 5. Juni 1901 ab. Der Neubau ist heute Diakonissen-Mutterhaus.
1890, 31. 5. Bremen: Am 31. Mai 12,45 Uhr eröffnet die "Nordwestdeutsche Industrie - und Gewerbeausstellung" in Bremen ihre Pforten. Sie dauert bis zum 15. Oktober. In siebzig Gebäuden stellte hier die bre-mische Wirtschaft aus, was sie produ-zierte oder verkaufte. Dabei gab es manche Neuigkeiten zu entdecken, so die erste elektrisch betriebene Straßen-bahn, dann Edisons Phonograph, An-schütz’ elektrischer Schnellseher (of-fenbar ein Vorläufer des späteren Films). An die Ausstellung erinnert noch heute das Parkhotel, das damals er-richtet wurde. Bis 1907 blieb die "Handelshalle" stehen, die dann aller-dings abbrannte.
1890, 22. 6. Bremen. Vom Schlüsselkorb bis zum Bürgerpark fährt die erste elektrische Bahn Bremens.
1890, 25. 6. Bremen. Auch am Haus des Norddeut-schen Lloyd an der Papenstraße wird eine Gedenktafel für den Astronomen Bessel aufgestellt, weil er zeitweilig im Kontor der Reederei als Handlungsge-hilfe gearbeitet hat.
1890, 19. 7. Bremen: Aufstellung der Christusstatue im Dom von Konstatin Dausch.
1890, 8. 11. Bremen. Auf der AG Weser läuft das Küstenpanzerschiff "Beowulf" vom Stapel. Das Schiff wurde erst am 16. 6. 1919 aus der Liste der deutschen Kriegsschiffe gestrichen und dann 1921 in Danzig abgebrochen.
1890 Bremen: Bau der evangelischen Kirche in Hemelingen.
1890 Bremen: August Kühne und Friedrich Nagel gründen Haus Langestraße 49 ein "Commissions- und Speditionsge-schäft". Das Unternehmen entwickelt sich zu einem Konzern mit 17.000 Mit-arbeitern und 600 Niederlassungen in 90 Ländern. Der Sitz ist heute in Hamburg.
1890, 21. 4. Bremen: Einweihung des Denkmals für Kaiser Wilhelm I. vor der Liebfrauen-Kirche in Anwesenheit Kaiser Wilhelms II. (Zum historischen Hintergrund: In diesen Jahren entwickelte sich der bür-gerliche Bismarck-Kult, der sich gegen Kaiser Wilhelm II. richtete, weswegen der Hohenzoller versuchte, die Ver-dienste seines Großvaters, den er ohne-hin sehr liebte, gegen den ersten Kanzler herauszustreichen. Man hatte also bei ihm einen Stein im Brett, wenn man seinem Großvater ein Denkmal er-richtete und dafür auf einen Bis-marckturm verzichtete.)
1890, 1. 7. Bremen: Joseph Emil Hachez eröffnet seine "Bremer Chocoladen Fabrik Hachez", die noch heute besteht.
1890, 18. 8. Bremen. Gründung der Schleppschiff-fahrtsgesellschaft Unterweser. Seit 1920 Unterweser-Reederei AG, heute: Unter-weser-Reederei GmbH. Entwicklung: 1939: 8 Frachtschiffe und 17 Schlepper. 1945: 0 Frachtschiffe und 8 Sclepper. 1961: 11 Frachtschiffe sowie 25 Bug-sier- und fünf Seechlepper. 2006: 16 Schlepper.
1890 Hemelingen: Der Ort, der bis dahin nach Arbergen eingepfarrt war, erhält eine eigene, neugotische Kirche. Der schlan-ke Turm ist 47 Meter hoch. Die Pre-digtstätte wurde von den Architekten Börgemann und Stapelfeld entworfen.
1890 Woltmershausen: Gründung des Turn-vereins Woltmershausen.
1890 Vegesack: Die Bahn nach Farge geht in Betrieb.
1890, 8. 5. Bremerhaven: Die Bremerhavener Spar-kasse eröffnet ihre Schalter. Sie hat ih-ren Sitz zunächst im Stadthaus. 1904 bezieht das Institut ihr neues Haus (Bürgermeister-Smidt-Straße 24).
1890 Bremerhaven/Geestemünde: Die Hafen-arbeiter streiken. Sie fordern von den Baasen der Stauereien und Speditionen eine Lohnerhöhung um 25 Prozent und dass in Zukunft nur Mitglieder ihrer Gewerkschaft beschäftigt werden dür-fen. Der Austand dauert 14 Tage und ist erfolgreich.
1890 Bremerhaven/Geestemünde: Erneuter Streik der Stauer. Diesmal geht es um die Anerkennung ihres Fachverbandes als Tarifpartner. Der Ausstand endet nach 18 Tagen erfolglos.
1890, 24. 3. Bremerhaven/Geestemünde: Die Maler treten in einen Ausstand und fordern eine Lohnerhöhung und die Verkürzung der Arbeitszeit. Der Streik endet nach drei Tagen am 27. März 1890, nachdem die 35 bestreikten Maler eine Lohnerhö-hung zugestanden haben.
1890 Bremerhaven: Die Heizer und Kohlen-zieher geben das Versteckspiel auf und bezeichnen nun ihre "Unterstützungs-kasse"offen als das, was sie schon immer war, nämlich als eine Gewerk-schaft.
1890 Bremerhaven: Gründung der "Nord-deutschen Volksstimme". Das bleibt die Zeitung der SPD in Bremerhaven, Geestemünde, Lehe, bis sie 1933 von den Nazis verboten wird.
1890 Geestemünde. Die bisherige Handelskammer organisiert sich jetzt als "Industrie- und Handelskammer".
1890, 2. 5. Geestemünde. Auf der Tecklenburgwerft treten 30 Schmiede in den Streik. Sie fordern eine Lhnerhöhung. Der Ausstand endet schon nach sechs Tagen am 8. Mai 1890 mit einem völligen Misserfolg: Die Arbeiter erhalten nicht nur keine Löhnerhöhung, sondern werden auch nicht wieder eingestellt.
1890 Geestemünde. Gründung der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft (ESSO). Zu den Gründungsmitgliedern gehören der Geestemünder Kaufmann Wilhelm Anton Riedemann und der Bremer Kaufmann Schütte.
1890 Geestemünde. Die Kaufleute Riedemann und Schütte gründen in der "Landgemeinde" eine Fassfabrik, in der 250 Arbeiter bis zu 2000 Fischbehälter täglich herstellen können - damals eine unglaublich hohe Zahl.
1890 Geestemünde. Der Fischdampfer "Prä-sident Herwig" wird als Erster mit elektrischem Licht ausgestattet
1890, 8. 5. Lehe: "Norddeutsche Volksstimme" erscheint. Sie besteht bis 1933 und wird dann von den Nazis enteignet.
1890 Lehe: der Ort erhält ein neues Feuerwehrhhaus.
1890 Ellwürden: Bau des Butjadinger Be- und Entwässungskanals. Durch diese Maß-nahme wird erreicht, dass endlich etwas Gefälle in die Gräben der Marsch kam, so dass das Wasser nicht mehr stand und versumpfte, mit den entsprechenden hygienischen Folgen.
1890 Bardewisch: Bau der neuen Schule. 1969 geschlossen.
1890 Wangerooge: Die Regierung in Olden-burg lässt die Norddüne planieren und eine Straße durch die Insel bauen. So wird Bauland erschlossen, auf dem in der Folge rasch Hotels und Pensionen für den Badebetrieb entstehen. Ab 1897 übernimmt die Gemeinde die Organisa-tion des Fremdenverkehrs in eigene Regie.
1890 Wilhelmshaven: Die heutige "Jach-mann-Brücke" ist fertig.
1890, 1. 5. Bant. An der Jade wird zum ersten Mal der Tag der Arbeit begangen. "Warum gerade der 1. Mai?" fragen Hartmut Büsing und Bruno Weger ( 100 Jahre Maifeier, 1990, S. 21). Die Antwort: Zunächst weil die amerikanische Ge-werkschaft "Federation of Labor" im Jahre 1888 den Mai 1890 zu ihrem Feiertag bestimmt und weil der "Inter-nationale Arbeiter-Kongress" im Jahre 1889 auf Antrag von Guesde/Bebel den Gedanken übernommen hatte. Nebenbei wird eine Rolle gespielt haben, dass der 1. Mai von jeher im ländlichen Kalender herausgehoben war, jedoch von den christlichen Kirchen nicht gefeiert wur-de. An der Jade fand am 1. Mai 1890 die erste Maifeier statt und zwar in dem Gasthaus "Zur Arche" in Bant, an der 800 Personen teilnahmen. Referent war Paul Hug und sein Thema lautete: "Der Acht-Stunden—Tag". Die oldenburgi-schen Behörden störten die Veranstal-tung (zum Ärger Bismarcks) nicht, wäh-rend preußische Polizei die Grenze zwischen Bant und Wilhelmshaven ab-sperrte. Von da ab fanden in Bant alljährlich Maifeiern statt, während sie in Wilhelmshaven verboten waren.

-1891-

1891, 26. 1. Bremen. In der Weser muss an diesem und an den folgenden Tagen das Eis gesprengt werden.
1891, 12. 4. Bremen. Eröffnung einer "Petroleum-Motorbahn" in der Parkallee.
1891, 14. 6. Bremen. Die Kirche St. Stephani ist er-neuert worden und wird nunmehr einge-weiht.
1891, 21. 7. Bremen. Auf der AG Weser läuft das Küstenpanzerschiff "Frithjof" vom Stapel. Das Schiff wurde am 17. 6. 1919 aus der Liste der deutschen Kriegs-schiffe gestrichen und 1930 abgewrackt.
1891, 22. 9. Bremen. Vor der Bismarckstraße wird ein "Monumentalbrunnen" von August Sommer, Rom, aufgestellt.
1891, 21. 11. Bremen. Die Buchdrucker streiken
1891 Bremen. Der Holz- und Fabrikenhafen wird fertiggestellt. Erweiterungen: 1908 und 1930.
1891 Bremen: In der Hansestadt wird ein "Arbeitersekretariat" gegründet, das Auskünfte erteilt und Rechtshilfe leistet. Erster Sekretär wurde der spätere Reichspräsident Friedrich Ebert, der bis 1905 in Bremen blieb.
1891, 3. 12. Bremen. In der Hansestadt wird die erste Gruppe des "Deutschen Metall-Arbeiterverbandes" (heute IG Metall ) gegründet. Die Klempner organisieren sich als erste in der Gewerkschaft.
1891-1894 Bremen: Neubau des "Städtischen Mu-seums für Natur-, Völker- und Handels-kunde". Das Haus wurde 1907-1911 erweitert.
1891, 22. 9. Bremen: Einweihung des Centauren-brunnens. Er befindet sich an der Kreuzung Schwachhauser Heerstraße-/Bismarckstraße. Der Entwurf stammt von August Sommer. Die Plastik wurde 1958 in den Neustädter Grüngürtel umgesetzt.
1891 Vegesack: Die Stadt erhält eine eigene Gasanstalt. 1896 gab es die ersten Gas-aternen am Hafen. In demselben Jahr stellte Stadtdirektor Rohr den Vegesak-kern den Plan einer zentralen Wasser-versorgung vor, die an die Stelle der bisherigen Brunnen treten sollte.
1891-1893 Vegesack: Die Korrektion der Weser macht den Umbau des Hafens notwen-dig.
1891, August Bremerhaven/Geestemünde/Lehe: Grün-dung der örtlichen Zahlstelle des Metall-arbeiterverbandes (heute: IG Metall). Ihr gehören zuerst 58 Mitlieder an. Das geschieht in Bremerhaven.
1891 Bremerhaven/Geestemünde: Der Hafen-arbeiter-Verein wird neu gegründet. Der Vorgänger wurde auf Verlangen der Arbeitgeber aufgelöst.
1891 Bremerhaven: Der Norddeutsche Lloyd verfügt über elf Schnelldampfer. Von Bremerhaven aus gehen wöchentlich zwei Schiffe nach New York ab.
1891 Bremerhaven: Am Alten Hafen entsteht ein weiterer Stützpunkt für Fischerei-fahrzeuge. Auch hier finden von nun an bis zum 30. September 1935 Fischauk-tionen statt.
1891, 18. 12. Bremerhaven: Der Lloyd-Dampfer Spree rettet auf hoher See 147 Menschen von der brennenden "Abyssinia".
1891 Bremerhaven. D. G. Seebeck, bis dahin eine kleine Werkstatt in Geestemünde, übernimmt Helgen und Trockendock der Werft Schau und Oltmanns. 1895 übernimmt Seebeck auch die Betriebe von Lange und Ulrichs. Im Jahre 1901 kommt noch Wenke dazu.
1891, August Bremerhaven. Nach der Aufhebung des Sozialisten-Gesetzes wird der Metallar-beiter-Verband von 58 Kollegen neu gegründet. Die Mitgliederzahl steigt dann bis zur Nazizeit auf 3000 bis 4000 Mitglieder an.
1891 Bremerhaven: Streik der Heizer und Trimmer. Die 400 Beteiligten halten vom 25. Mai 1891 bis zum 1. Juli 1891 durch. Der Arbeitskampf wird mit äußerster Härte geführt, zumal der Norddeutsche Lloyd Streikbrecher einsetzt. So kommt es einmal sogar in der Keilstraße zu einer regelrechten Schlacht zwischen Arbeitern und der Polizei.
1891, 3. 5. Bremerhaven. Maifeier. Am 7. April 1891 hatte eine Volksversammlung im Colosseum beschlossen, auch in den Unterweserstädten den 1. Mai als "Tag der Arbeit"zu feiern. Wegen des Widerstandes der Unternehmer wollte man zwar an dem Tag selbst arbeiten, aber ein Viertel des Lohns an die Gewerkschaften abführen. Der Maium-zug und die abschließende Kundgebung sollten am darauf folgenden Sonntag, in diesem Jahr also am 3. Mai, stattfinden. So weit das Programm. Tatsächlich wurde die Demonstration zunächst nur in Bremerhaven selbst zugelassen, in Lehe und Geestemünde aber von den preu-ßischen Behörden verboten. Der bremi-sche Senat erlaubte auf seinem Gebiet zwar den Umzug, verbot aber das Zeigen roter Fahnen. Die Beteiligung war je-weils enorm. Im Jahre 1896 wurde der Mai-Umzug auch in Bremerhaven ver-boten, ebenso 1897. Aber 1898 fand wieder eine Mai-Demonstration in Bre-merhaven statt, aber von 1899 bis 1902 war sie hier ebenfalls verboten. Im Jahre 1903 gestatteten die bremischen Behör-den in Bremerhaven Kundgebungen in Sälen, jedoch nicht unter freiem Himmel. 1904 herrscht wieder ein striktes Verbot in allen drei Unterweserstädten. Von 1905 bis 1909 darf nirgendwo eine Maikundgebung stattfinden. Im Jahre 1910 fällt der 1. Mai auf einen Sonntag. Nun sind in Bremerhaven und Geeste-münde Umzüge gestattet, an denen 5000 Arbeiter teilnehmen. Zur Kundgebung in Schwieferts Garten (Wulsdorf) kommen gar 8000 Teilnehmer. Im Jahr 1911 sind De-monstrationen verboten, aber es finden "Mai-Spaziergänge" statt. End-lich - im Jahre 1912 - werden in allen drei Unterweserstädten Umzüge gestat-tet, so auch 1913 und 1914 - die Gewerkschaften und die SPD hatten sich in diesem Punkt offenbar durchgesetzt.
1891, 25. 5. Bremerhaven. Die Heizer und Trimmer auf den Dampfern treten in einen Streik, der bis zum 1. Juli 1891 dauert. Das Ergebnis ist mir nicht bekannt.
1891, 12. 9. Bremerhaven: Streik der Maurer, die die "Karlsburg" umbauen. Es geht darum, dass der Unternehmer hier einen Mann beschäftigt hat, der kein Mitglied der Gewerkschaft ist. Das Ergebnis nicht bekannt.
1891, 7. 9. Bremerhaven/Geestemünde: Die Koh-lenarbeiter der Hafenbetriebe streiken zwei Tage lang erfolgreich gegen eine Lohnkürzung.
1891 Geestemünde: Auf dem Neumarkt (heute Konrad-Adenauer-Platz) wird der 36 Meter hohe Wasserturm errichtet, der bis 1996 in Betrieb blieb. Das Bauwerk wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt, aber 1978 wieder hergestellt. .
1891 Geestemünde. Riedemann zieht nach Hamburg um. Damit verliert die Gemein-de Geestemünde die bedeutendste Un-ternehmer-Persönlichkeit ihrer Ge-schichte.
1891 - 1896 Geestemünde: Bau des Fischereihafens I hinter dem Weserdeich. Das Gelände umfasst 72 Hektar. Zentrum ist eine 442 Meter lange Auktionshalle. Der Fische-reihafen erhält einen eigenen Bahnhof. Der erste Fischsonderzug geht am 1. Mai 1897 von hier ab. 1914 waren im Fischereihafen Geestemünde 93 Fischdampfer stationiert. Im 19. Jahrhundert und 20. Jahrhundert verstanden sich Geestemünde und Bre-merhaven durchaus als Konkurrenten. Beide Städte förderten die Fischin-dustrie. Das aus dieser Zeit stammende Kühlhaus im Zentrum dominierte bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg das Stadtbild Bremerhavens, wie es sich von guntsiet aus darbot. Gleichzeitig ver-suchte Geestemünde, sich in die Passa-gierfajhrt einzubringen. In der Praxis stellte sich jedoch eine Arbeitsteilung heraus: Die Fischindustrie konzentrierte sich in Geestemünde, während von Bremerhaven aus die Passagiere in die Welt hinausfuhren. Das Ende Bremer-havens als Standort der Fischindustrie kam 1935, als mit dem 1. Oktober des Jahres die Auktionen am Alten Hafen eingestellt wurden. Dennoch gehörten die Fischkisten noch zwei Jahrzehnte lang zum Ambiente des Bremerhavener Theaters. Für den Fischereihafen begann aber jetzt eine Scheinblüte, die aber bald durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde und danach endgültig beendet wurde. Die Ursache waren die Autarkie-Bestrebungen der Nazis, die zu den Kriegsvorbereitungen gehörten, die nach der Befreiung der Geschichte, und zwar einer unseligen Geschichte, angehörten.
1891 Geestemünde. Geestemünder Wasser-turm. Heute Baudenkmal, das 1977/78 restauriert und saniert wurde.
1891 Geestemünde: Die ersten Fischdampfer der Unterweser fahren bis Island. Zu Erinnerung: der erste Fischdampfer, die Sagitta, warf ihre Angeln noch in der Außenweser aus!
1891, Februar Blexen. Im Flagbalgersiel steht eines Tages ein Pfahl, der dort nicht hin-gehört. So was fällt natürlich auf -jedenfalls war das damals so. Nachfra-gen des Vorstandes der Sielacht erge-ben, dass er zu einer Eisenbahnbrücke gehört, die an dieser Stelle gebaut werden soll, denn der Direktor der Großherzoglichen Eisenbahn, Friedrich Bormann, hat die Absicht, ein Indu-striegleis bis nach Einswarden zu führen, um dann an dem Weserufer einen neuen Fischereihafen zu bauen. Natürlich ge-schah das alles nicht ohne Vorwissen der zuständigen Stellen: Er hatte also den Plan der Regierung ordnungsgemäß vorgelegt, diese wiederum hatte ihn genehmigt und dann die Mittel im Landtag beantragt, der sie dann auch genehmigte, woraufhin sie angewiesen wurden. Nachdem das alles erledigt war und das Geld bereit stand, glaubte Bormann, mit dem Bau beginnen zu können, was aber nicht im Sinne des oldenburgischen Ministers Jansen war. Er empörte sich, dass ein Plan, der ordnungsgemäß genehmigt war und für den die Gelder bereit lagen, nun auch ausgeführt wurde, ohne dass er das, was breits genehigt war, nochmals erlaubt hatte. Ergebnis: Die Strecke wurde nicht gebaut und der von Bormann projek-tierte Fischereihafen entstand nicht in Blexen, sondern später im Hafengebiet von Nordenham, wo er sich nicht ent-falten konnte, weswegen er dann nach Geestemünde verlegt wurde. Bormann wurde entlassen und mit einem Verfah-ren überzogen, das aber ziemlich blama-bel für den oldenburgischen Staat aus-gegangen sein muss, denn der Direktor trat später als Erbauer der Eisenbahn in der Kolonie Deutsch-Ostafrika hervor und verlebte dann seinen Ruhestand - von den Preußen hoch dekoriert - in Berlin. Wann er gestorben ist, weiß ich nicht. Hintergrund dieser Provinzposse, durch die Bormann, einer der wichtigen Förderer der Industrie des Landes Oldenburgs und vor allem Nordenhams, bis heute eine Unperson geblieben ist, war das Bestreben der Regierung des "Alten Großherzogs", die Industrie und damit die Sozialdemokratie von seinen Staaten möglichst fern zu halten, was ihm nur unvollkommen gelungen ist, hier aber erfolgreich war. Für Blexen bedeutete der Vorgang, dass die Gemeinde nicht 1891, sondern erst 1904 einen Bahnanschluss erhielt - 13 ver-lorene Jahre, die nicht wieder aufzu-holen waren.
1891 Nordenham. Der Pier wird auf 430 Meter Länge erweitert.
1891 Brake: Erstes Telefon .

-1892-

1892, 7. 9. Bremen: Wegen der Cholera-Gefahr fällt der Bremer Freimarkt aus. Es werden auch öffentliche Tanzveranstaltungen verboten.
1892, 8. 9. Bremen. Die Zeitung "Der Unabhän-gige" kommt zum ersten Mal heraus. Das antisemitische Blatt erscheint am 30. 9. 1894 zum letzten Mal.
1892, 1. 10. Bremen. Unterrichtsbeginn in der neuen Schule an der Kantstraße.
1892, 21. 9. Bremen: Die Vertiefung der Weser ist im wesentlichen abgeschlossen, allerdings dauern die restlichen Arbeiten bis 1895 an, aber von nun an ist Bremen wieder ein Seehafen. Als erstes Schiff der neuen Größenordnung fährt der Lloyd-Dampfer "Hannover" die Weser bis Bremen hinauf. Dank der Weser-Korrektion kann Bremen nunmehr von Schiffen bis zu 4,50 Meter Tiefgang erreicht werden. Im Jahre 1877 konnten nur Schiffe mit einem Tiefgang bis zu 2 Metern die bremischen Häfen erreichten - wenn sie die Flut ausnutzten. Bis 1878 hatte man den Tiefgang durch Baggern und den Bau von Schlengen immerhin auf 2,6 Meter gebracht, aber das reichte natürlich bei weitem nicht aus. Einige Daten sollen die Leistung deutlich machen: "In der gesamten Bauzeit der Unterweserkorrektion sind 24 Millionen Kubikmeter Sand und Schlick dazu bestimmt, von der Weser selbst fortgeschwemmt zu werden. 28 Millionen Kubikmeter werden abgebag-gert - davon im Strom 26 Millionen Kubikmeter und in den Nebenarmen rund zwei Millionen Kubikmeter und zwar von 10 Eimerkettenbaggern, 5 Schwemmap-paraten, transportiert von 22 Dampf-prahmen, 15 Dampfern und nicht gezähl-ten Schuten. 36 Kilometer neue Leit-dämme wurden angelegt und mit 15 Ki-lometer Queranschlüssen verbunden (Karl-Heinz Hofmann: Die Weser. In: Hartmut Roder Hg. Bremen - Handelsstadt am Fluss. S. 300-312) Und nun folgt etwas typisch Bremisches: Bei der Endabrechnung stellte sich heraus, dass noch zehn Prozent der veran-schlagten Baukosten zur Verfügung standen. Die Weservertiefung hat eine lange Vorgeschichte - und bleibt eine dauernde Aufgabe. Zur Vorgeschichte: Schon der Bau des Vegesacker Hafens zu Beginn des 17. Jahrhunderts war eine Reaktion auf die zunehmende Versan-dung der Weser, aber diese Maßnahme konnte nicht beruhigen - schließlich wollte man Bremen als Hafen erhalten. So unternahm man von 1740 bis 1746 erste Versuche, das Fahrwasser auszu-baggern, was aber misslang. Noch stan-den nicht die Maschinen zur Verfügung, die die Schlickmassen bewegen konnten. Seit 1817 setzen dauernde Baggerar-beiten ein. Im Jahre 1854 wird die "Bü-rener Weser" vertieft und begradigt. Die Unternehmungen hatten immerhin den Erfolg, dass 1880 Schiffe mit einem Tiefgang von 2,75 Metern Bremen erreichen konnten. Es folgten weitere Vertiefungen der Weser. Heute hat sie auf der Höhe des Fischereihafens von Geestemünde eine Tiefe von -13 Metern und an der Großen Weserbrücke in Bremen immer noch von -4,50 Metern.
1892, 1. 5. Bremen: Der "Verein Bremer Musik-freunde" unterhält - dank eines städti-schen Zuschusses - ein "Städtisches Orchester" mit 42 Musikern.
1892 Bremen: Die Stadt wird elektrifiziert. Am. 3. Februar 1892 beschließt die zuständige Deputation der Bürgerschaft den Bau eines Kraftwerks, das neben dem Gaswerk an der Schlachthofstraße gebaut werden sollte. Das hatte zwei Konsequenzen: Zunächst wurde eine elektrische Straßenbeleuchtung mit zu-nächst 450 Bogenlampen eingeführt und dann wurde die bisherige Pferdebahn mit Wagen ausgerüstet, die mit elektrischem Strom betrieben wurden. Als erste Strecke wird die von der Börse nach Horn umgerüstet, als letzte folgte die nach Sebaldsbrück im Jahre 1911.
1892-1895 Bremen: Bau des "Städtischen Muse-ums für Natur-, Völker- und Handels-kunde."
1892 Bremen. Die "Findorffstraße" erhält ihren Namen. Der "Pate" Jürgen Christian Findorff (1720-1792) hatte im 18. Jahrhundert die Kolonisierung des Teufelsmoores organisiert. Der hier gewonnene Torf wurde in den folgenden Jahrzehnten über Kanäle bis zur Bürger-wiese transportiert und an der damaligen Bürgerweide ausgeladen.
1892 Bremen. Die elektrische Straßenbahn fährt nach Schwachhausen.
1892 Horn. Die Linie 4 der Elektrischen Straßenbahn fährt bis Horn.
1892-1915 Hemelingen: Im Ort erscheint der "Hemelinger Bote".
1892-1893 Vegesack: Die Stadt erhält eine Wasserlei-tung. In diesem Zusammen-hang wird der Wasserturm gebaut, der 1979 abgebrochen werden sollte, aber dank einer Bürgerinitiative erhalten blieb.
1892 Vegesack: Die Stadt erhält einen Was-serturm von 31,8 Meter Höhe, der bis 1965 in Betrieb blieb. Er befindet sich heute im Privatbesitz.
1892, 7. 12. Blumenthal. Einweihung der katholischen Marienkirche. Hochaltar und Kanzel stif-tete Fürstbischof Kopp von Breslau, die Orgel schenkte der Kaufmann Hachez aus Bremen. Der Ortspfarrer Karl Keller sowie seine Brüder Dietrich und Julius stifteten die drei Glocken. Zwei davon wurden am 17. Februar 1942 abgeholt, weil man die Bronze für die Munition brauchte. (Die katholische Gemeinde Blumenthal wurde von Pfarrer Keller aufgebaut. Seine Arbeit war überschattet von dem dauernden Konflikt zwischen den polnischen Zuwanderern und der preußischen Verwaltung des Ortes, wo-bei Keller die Partei der Polen ergriff. Der Streit erreichte 1904 seinen Höhe-punkt, als der deutsch-nationale Landrat den Polen verbot, bei einer Prozession eine eigene Fahne mitzuführen. Von Pastor Keller, der 1921 im Ruhestand starb, wird gesagt, dass sein Leben "Arbeit und Entsagung" gewesen sei - eine offenbar beeindruckende Per-sönlichkeit, die sehr deutlich in ihrem Leben gezeigt hat, dass die katholische Kirche die größte und auch effektivste Friedensbewegung war und ist, die es gegeben hat - doch dazu mehr an anderer Stelle.
1892-1893 Burg-Lesum: Bau der eisernen Brücke über die Lesum.
1892 Bremerhaven/Geestemünde/Lehe: Die Gewerkschaftsbewegung wächst weiter, ist aber arg zersplittert, weil sich die Mitglieder nach Berufen organisieren. So entstehen Fachvereine für Erdarbeiter, Mschinsten, Heizer, friseure, Bäcker, Schuhmacher, Sattler und Tapezierer.
1892-1897 Bremerhaven: Der Kaiserhafen wird er-weitert und erhält eine neue Schleuse. Bau einer neuen Lloydhalle und eines Kraftwerks, das als Baudenkmal erhalten geblieben ist. In dieser Zeit legen die Schnelldampfer, die zwischen Bremer-haven und New York verkehren, in Nordenham an. Die neuen Anlage wer-den am 1. September 1897 ihrer Be-stimmung übergeben. Am 19. September 1897 läuft der NDL-Dampfer "Kaiser Wilhelm der Große" zu seiner Jung-fernfahrt nach Amerika aus, bei der er das "Blaue Band" erringt: Das Schiff erreicht in knapp sechs Tagen New York! Während der Ausschachtungsarbeiten für den neuen Hafen streiken die polnischen Erdarbeiter. Für den Betrieb der Schleuse brauchte man ein neues Kraftwerk, das von 1892-1897 gebaut wurde und sich bis heute erhalten hat. Es steht an der Inselstraße. Daneben befindet ich ein Hydraulik-Kran, der 1897 errichtet und 1996/1997 restauriert wurde. Er ist wieder be-triebsbereit.
1892 Bremerhaven: Das ehemalige Auswandererhaus wird zur Brauerei umgebaut.
1892 Bremerhaven: Am Alten Hafen wird eine Fisch-Auktionshalle gebaut, in der im März die erste Fischauktion Bremerha-vens stattfindet Zu diesem Zeitpunkt sind hier 20 Fischereiboote registriert, in Geestemünde dagegen 17.
1892 Bremerhaven: Das Gebiet Bremerhavens wird um 115 Hektar erweitert. Das ist notwendig, damit der Kaiserhafen gebaut werden kann.
1892, 31. 1. Bremerhaven/Isle of Wight: Der Lloyd-dampfer "Eider" läuft auf Grund. 227 Passagiere und 104 Mann Besatzung können vollzählig geborgen werden, ebenso das Gepäck.
1892 Bremerhaven. Polnische Arbeiter, die das Becken des neuen Kaiserhafens ausheben, streiken. Es geht zum Teil darum, dass sie die Auszahlung ihres Lohns in Kantinengutscheinen ablehnen. Sie erringen wenigsten einen kleinen Erfolg.
1892, 23. 3. Bremerhaven: Der Lloyd-Dampfer "Main" brennt in Fayal auf den Azoren aus
1892 Bremerhaven/Geestemünde: Besatzun-gen einiger Fischdampfer streiken einen Tag gegen einen Abzug von der Heuer, der ihrer Ansicht nach nicht gerecht-fertigt ist. Sie haben zum Teil Erfolg.
1892 Geestemünde: Der bisherige Löschplatz für Fischereifahrzeuge an der Geeste ist zu klein geworden. Deshalb baut die preußische Verwaltung unmittel hinter dem Deich einen neuen Fischereihafen.
1892 Wulsdorf: Neubau der Schule in Wuls-dorf-Nord.
1892-1895 Butjadingen. Bau des Butjadinger Zu-wässerungskanals. Er führt von Becku-mersiel bis Tossens und diente dazu, etwas Gefälle in die stehenden Gewässer der Halbinsel zu bringen, so dass sich Krankheitserreger nicht mehr so stark entwickeln konnten. Der Kanal wurde möglich durch die Weservertiefung, die in diesen Jahren vorgenommen wurde. Die Butjadinger Sielacht, die das Unternehmen zu betreiben hatte, wurde bereits am 1. März 1888 gebildet.
1892, 24. 11. Blexen. Die Einwohner im Dorf lehnen die Gründung einer Ortsgenossenschaft ab. Ihre einzige Aufgabe sollte der Auf-bau und die Unterhaltung einer Straßen-beleuchtung sein. Von 54 Stimmberech-tigten erscheinen nur 29 und von denen sind nur 13 dafür.
1892, 23. Mai Nordenham: Gründung der "Nordenha-mer Bank". Inhaber war zwar der Kaufmann Georg Wilhelm Lohmann aus Bremen, aber als Teilhaber führte der Atenser Gemeindevorsteher Johann Hin-rich Warnsloh, in dessen Haus die Bank auch ihr Lokal hatte, die Geschäfte. Am 9. Juli 1897 wurde das Geschäft von der Oldenburger Bank übernommen. Warns-loh blieb Prokurist. Am 1. März 1906 übernahm die Nordwestdeutsche Bank KG in Bremen die Nordenhamer Bank, die rückwirkend vom 1. Januar 1906 unter dem Namen "Deutsche National-bank KG auf Aktien firmierte. Auffarth: "Die Nordenhamer Niederlassung der Deutschen Nationalbank konnte sich recht erfolgreich entwickeln. Als Haus-bank für zahlreiche Handels- und Indu-striebetriebe stand auch die Leitung im hohen Ansehen. Das Unternehmen war an der Gründung der Frerichs-Werft Einswarden und außerdem an der Gründung der Heringsfischerei Visurgis, der Metallwerke Unterweser AG und der Superphosphatfabrik AG sowie der Midgard DSAG in Nordenham beteiligt. Außerdem bestanden geschäftliche Beziehungen zu der Deutschen Dampf-fischereigesellschaft Nordsee und der Norddeutschen Seekabelwerke AG in Nordenham." (Auffahrt: Das Geld, 2004, Bd 2. S. 568) Der kurze Abriss zeigt jedoch sehr deutlich, wie rasch damals der Konzentrationsprozess im Banken-wesen voranschritt, der ja bis heute nicht abgeschlossen ist.
1892 Nordenham: An der Hansingstraße ent-steht die "alte Südschule" (heute Hei-matmuseum). 1896 und 1902 kommen die (immer noch existierenden) Neben-gebäude. Seit 1978 Heimatmuseum und Sitz des Rüstringer Heimatbundes.
1892, 8. 5. Nordenham. Gründung des "Rüstringer Heimatbundes". Ihm zu Ehren dichtet Hermann Allmers, der auch bei auch bei dieser Gelegenheit sozusagen Pate war, das "Friesenlaied, dessen Kehrreim sprichwörtlich wurde: "Wer die Heimat nicht liebt und die Heimat nicht ehrt,/ Ist ein Lump und des Glücks in der Heimat nicht wert."
1892, 19. 5. Tossens. Das Dorf etabliert sich als Nordseebad. Als Gründer kann man wohl den Arzt Dr. Thorade ansehen, der den ersten Prospekt verfasste. Damit beginnt der Fremdenverkehr in Butjadingen. Der Ort erhält in Eckwarden bald eine sehr effektive Konkurrenz, zumal Eckwar-derhörne attraktiv wird für die Einwoh-ner Wilhelmshavens, die der Langenwei-le von Schlicktau entgehen wollen, so-wie für die Matrosen der Flotte, die für einen Sonntagnachmittag Urlaub erhiel-ten und den dann gerne in Eckwarder-hörne verbrachten.
1892 Wilhelmshaven. Die Stadt hat ein Tele-fonnetz mit 44 Teilnehmern.
1892, 31. 12. Wilhelmshaven: Die Stadtverwaltung be-zieht das neue Rathaus an der Ecke Roon-/Gökerstraße. Bis dahin waren die Kommunalbeamten entweder im "Roten Schloss" an der Roonstraße (seit 1873) oder im Bahnhof (ab 1882) unterge-bracht. Das Rathaus diente seinem Zweck bis zur Vereinigung der beiden Jadestädte. Danach nahm es das Poli-zeipräsidium auf. Im Jahre 1941 wurde es durch Bomben zerstört.
1892 Esens: Der antisemitische Agitator Dr. Danneil reist, aus Oldenburg kommend, durch Ostfriesland, um die Menschen gegen die Juden aufzuhetzen. Damit wird der Antisemitismus, der bis dahin christ-lich motiviert war, nunmehr rassistisch begründet. Dieser Aufgabe widmen sich insbesondere Theologen, vor allem der Hofprediger Stoecker, aber eben auch solche von minderem Rang, wie Dr. Danneil. Das Harlinger Blatt bezeichnete am 9. Juli 1892 den Agitator als ehe-maligen evangelischen Geistlichen, der wegen Trunksucht abgesetzt worden sei, und auch sonst einen sehr schlech-ten Ruf genieße, indes trug die Saat, die dieser Mann ausstreute, überaus üble Früchte, auch wenn er selbst sowie seine Lehre zunächst abgelehnt wurden.

-1893-

1893, 1. 4. Bremen: Eröffnung der Schule an der Kleinen Allee. Heute "Schule an der Langemarck-Straße".
1893, 8. 6. Bremen: August Bebel in Bremen. Der SPD-Vorsitzende spricht im Casino. (Bei denn Reichstagswahlen vom 15. Juni 1893 erhält der "Deutsch-Freisinnige" Kndidat Hermann Frese 19.030 Stimmen, der Sozialdemokrat Julius Bruns 14.572 Stimmen, während der Antisemit Dr. Leopold Heinrich Müller nur 555 Stimmen erhält.)
1893 Bremen: Gründung der "Freien Turner-schaft Bremen". Dr Verein trat 1894 dem Arbeiter-Turnerbund" bei. Die Freie Turnerschaft bestand bis 1933.
1893 Bremen: An der heutigen Theodor-Heuss-Allee wird das erste bremische Elektrizitätswerk eröffnet.
1893 Bremen. Gründung des "Eisenbahn-Spar- und Bauvereins", der in den folgenden Jahrzehnten in dem Gebiet an der Findorff-Straße (Bahnlinie, Hemm-straße, Neukirchstraße, Findorffstraße) zahlreiche Bauten hochzieht. Im Volks-mund setzt sich für die Gegend der Name "Findorff" durch.
1893-94 Bremen: Bau der Zionskirche an der Kornstraße. Das Gebäude wurde 1942 durch Bomben zerstört. Nach der Befreiung errichtete man auf dem Platz eine neue Kirche (1955/56)
1893-1895 Bremen: Die Große Weserbrücke wird durch ein neues Bauwerk ersetzt, weil das alte durch die Flussvertiefung brü-chig geworden war. Sie hat eine Länge von 137,16 Metern. (Vom 1. April 1933 bis 1. September 1939 hieß das Bauwerk "Adolf-Hitler-Brücke", was eigentlich nichts Ungewöhnliches ist, denn in den ersten Monaten nach der "Machter-greifung" wurden unzählige Straßen, Plätze und Bauwerke nach dem neuen Kanzler benannt, der bis dahin nichts geleistet hatte, es sei denn die Zer-schlagung der demokratischen Struktu-ren des Staates, die Etablierung des Terrors und die Verfolgung der Juden, das aber machte den "Volkskanzler", wie Hitler genannt wurde, ungeheuer populär. Die Umbenennung im Jahre 1939 war keineswegs ein Akt der Op-position, vielmehr bestand offenbar die Absicht, eine andere, modernere Brücke nach dem sog. "Führer" zu benennen, die dann aber wegen des Krieges nicht mehr gebaut wurde. Die ehemalige Adolf-Hitler-Brücke erhielt für den Rest der Nazi-Zeit den prosaischen Namen "Westbrücke".
1893, 18. 10. Bremen. Am Rathaus wird das Denkmal eingeweiht, das an Kaiser Wilhelm I. er-innert. Zur Enthüllung des Reiterstand-bilds von Robert Bärwald reist der Enkel, Wilhelm II., an. Das Standbild wurde 1942 abgebrochen und für die Rüstung eingechmolzen. Nach der Befreiung wurde es nicht wieder her-gestellt. (Der letzte Kaiser bemühte sich nahezu verzweifelt dem Bismarck-Kult des deutschen Bürgertums einen solchen des ersten Hohenzollern-Kaisers entge-genzustellen. Vergeblich versuchte er, die Bezeichnung "Kaiser Wilhelm der Große" (so hieß auch einer der Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd) im Sprachgebrauch durchzuset-zen. Er gab das Spiel verloren, als er 1902 das Bismarck-Denkmal vor dem Deutschen Reichstag einweihen musste. In der Tat ging es in diesem Konflikt um die Legitimation der Hohenzollern. Will-helm II. berief sich zwar in seinem Anspruch auf die Gnade Gottes, durch die die Hohenzollern ermächtigt waren, Preußen und, seit 1871, Deutschland zu regieren, tatsächlich überzeugte er damit aber nicht mehr. Die Loyalität des Bür-gertums galt vielmehr dem neuen Sieg-fried, der, aus der Anynomität des deut-schen Volke erwachsen, durch seine Charakterstärke und seine künstleri-schen Fähigkeiten befähigt war, das zu vollenden, was nach dieser Interpreta-tion Bismarck begonnen hatte, nämlich die Deutschen, auch diejenigen in dem damaligen Österreich, zu einer Nation zu einen und dann zur Weltherrschaft zu führen, wozu sie berechtigt waren, weil sie einmal den Kaiser stellte und zum andern an der Spitze der biologische Entwicklung stand. Als Wilhelm II. die Regierung antrat, sahen die Völkischen in ihm zunächst die Inkarnation des von Richard Wagner prophezeiten Siegfrieds, wurden aber bald enttäuscht, weil sich Wilhelm II. durch seine in jeder Bezie-hung unmöglichen Reden und durch seine Eitelkeit lächerlich machte. Die Sehnsucht galt also dem "heimlichen Kaiser", wie sich Langbehn in seinem ungewöhnlich wirren Buch "Rembrandt als Erzieher" ausdrückte, den das Haus Wagner, und hier besonders Houston Stewart Chamberlain als der führende Theoretiker der Völkischen, dann in Adolf Hitler fand, der 1933 Nachfolger Kaiser Wilhelms II. im Amt und vor allem im Geiste wurde. So weit die Geschichte. Nahezu Gegenwart ist dann, dass in Oldenburg ein "Verein für wilhelmini-sche Studien", mit Unterstützung durch die Oldenburgische Landschaft und die Stadt Wilhelmshaven, glücklicherweise vergeblich, versucht hat, diese unselige Tradition wieder zu beleben, indem er sich um eine Rehabilitierung Wilhelms II. und der von ihm vertretenen völkischen Ideologie bemühte. Dass der ideolo-gische Bismarck mit dem historischen nichts zu tun hat, muss ich wohl nicht extra darlegen.
1893, 31. 12. Bremen. Der Aufbau der Domtürme ist fast abgeschlossen. Zum ersten Mal läu-ten die Glocken der Kirche das neue Jahr ein.
1893, 22./23. 10. Vegesack. Gründung des "Bremer Vulkan. Schiffbau- und Maschinenfa-brik." Der eigentliche Gründer des Un-ternehmens ist Victor Nawratzki, der damals die Werft von Johann Lange lei-tete. Er wurde untersützt von dem Ve-gesacker Reeder Friedrich Bischoff (der auch die "Argo-Reederei" ins Leben rief), hinzu traten weitere bremische Kaufleute. Das neue Unternehmen war sofort erfolgreich. Am 29. Januar 1895 erwarb es die Ulrichssche Werft in Vegesack und konnte nun größere Schiffe bauen. Als erstes Schiff lief der Fischdampfer "Minister Janssen" auf der Werft vom Stapel. Der Bremer Vulkan entwickelte sich nun zu einer der großen Werften des Reiches, die 1913 3600 Mitarbeiter beschäftigte. Im Ersten Weltkrieg baute der Bremer Vulkan Schiffe für die Kaiserliche Marine. Das 25-jährige Bestehen der Werft im Jahre 1918 konnte wegen der politischen Lage - die deutsche Niederlage stand bevor - nicht gefeiert werden, aber immerhin hatte man bis dahin 236 Neubauten gefertigt. Der Wiederaufbau entwickelte sich problemlos, bis die Weltwirt-schaftskrise dazu zwang, die Zahl der Beschäftigten von 1116 Personen im Jahre 1932 auf 697 zu senken. Im Zwei-ten Weltkrieg war der Bremer Vulkan im U-Boot-Bau engagiert. Nach der Be-freiung ging es aber erst richtig los: 1950 fielen die letzten Beschränkungen, denen der deutsche Schiffbau bis dahin unterworfen war, und nun wurden die Schiffe immer größer. Der Bremer Vul-kan baute Tanker und Containerschiffe - bis ab 1977 einmal der Schiffbau zurückging und zum andern mit Südkorea ein Anbieter auftrat, der billiger war. Dieser Konkurrenz war der Bremer Vulkan nicht gewachsen: Er produzierte nicht mehr kostendeckend, was dann konsequent in die Pleite führte: Am 30. April 1996 beantragte der Vorstand des Konzerns, der inzwischen praktisch den gesamten Schiffbau in Bremen, Bremer-haven und in der ehemaligen DDR unter einem Dach versammelt hatte, beim Amtsgericht Bremen den Anschlusskon-kurs, nachdem ein Vergleich mangels Masse gescheitert war. Am 15. August 1997 wurde die MS Hansa Constitution abgeliefert. Das Schiff trug die Baunummer 1111. Damit endete die Produktion. Restierende Aufträge wurden noch von einer Beschäftigungs-gesellschaft abgearbeitet. Mit dem Vul-kan endete der Schiffbau nicht nur auf dieser Werft, sondern im Lande Bremen überhaupt.
1893 Bremerhaven: Leuchtfeuer von Rudolf Rudloff in Bremerhaven. (Gegenfeuer zum Alten Leuchtturm). Höhe: 22.2 Meter. Seit 1920 elektrisch betrieben. 1942 automatisiert.
1893, 9. 2. Bremerhaven: Die Kohlenarbeiter des Norddeutschen Lloyds treten bis zum 14. Februar in den Streik, weil einer ihrer Kollegen entlassen wurde. Die Reederei setzt 100 Streikbrecher aus Nordenham ein. Ich vermute, dass der Arbeitskampf dadurch für die Proleten verloren ging.
1893, 7. 8. Bremerhaven. Gründung des Arbeiter-turnvereins Bremerhaven. Damit beginnt die Geschichte des Arbeitersports an der Unterweser
1893 Bremerhaven/Geestemünde/Lehe: Die Fachvereine der einzelnen Sparten, die sich im vergangenen Jahrzehnt gebildet haben, bilden eine gemeinsame Ge-werkschafts-Kommission.
1893/95 Lehe: Gründung der Freiwilligen Feuerwehr.
1893 Blexen: Das Zollamt in Tettens wird aufgehoben. Bis 1888 fuhr noch eine Fähre von Tettensersiel nach Bremer-haven.
1893 Blexen: Der Gemeinderat beschließt, den Dorfbrunnen in Tettens neu anzule-gen, da der alte durch Abfälle zu sehr verschmutzt ist. Der Anlass ist eine Typhus-Epidemie im Dorf. Der Brunnen hat sich erhalten.
1893 Nordenham: Ferdinand Hansing baut das "Haus Hansing" und betreibt hier eine "Dampfmolkerei", deren "Lloyd-Kä-se" auch auf den Überseedampfern verwendet wurde.
1893 Nordenham: Erste Volksschule in Nor-denham. Das Haus gegenüber der "Al-ten Südschule" steht noch. Weitere Schulen in Nordenham:
  • 1906 Nordschule,
  • 1911 Hafenschule und
  • 1911 katholische Volksschule.
1893 Nordenham: Gründung des "Arbeiter-vereins" im Lokal Peters, Herbertstr. 1, heute SPD-Ortsverein Nordenham. Zu den "Paten", wenn ich das so sagen darf, gehörte der spätere Reichspräsi-dent Friedrich Ebert, damals Partei-sekretär in Bremen.
1893, 1. 12. Rodenkirchen: Molkerei Rodenkirchen eröffnet.
1893 Brake: Der Hafen erhält einen Pier von 200 Metern Länge. Bis 1930 wird er auf 1000 Meter verlängert.
1893/94 Brake: In der Stadt wird das erste Elekrizitätswerk im Herzogtum Olden-burg gebaut.
1893 Brake: Am Hafen werden zwei elek-trische Bogenlampen aufgestellt. Beginn der elektrischen Straßenbeleuchtung.
1893 Heppens: Die Kirche erhält einen Turm. Er wurde im Zweiten Weltkrieg abgebrochen und danach neu errichtet.
1893 Wilhelmshaven. Gründung der "Wil-helmshavener Spar- und Baugesell-schaft e. G.". Das Unternehmen ver-waltete 1999 einen Bestand von 3.112 Wohnungen)

-1894-

1894, 6. 11. Bremen: Eröffnung des Technikums an der "Kleinen Allee", heute Lange-marckstraße. Heute Hochschule Bremen
1894, 25. 11. Bremen. Im Stadttheater wird der "Sang an Aegir" aufgeführt. Das Gedicht und die Komposition stammen von Kaiser Wilhelm II.. Beides wurde damals weidlich verspottet, was möglich war, weil der Urheber zwar bekannt, niemals aber offiziell genannt wurde. Der "Sang an Aegir" ist literarisch ohne Bedeutung, wohl aber politisch von Belang, weil Kaiser Wilhelm II. hier seine Absicht kundtat, das britische Weltreich zu vernichten, damit Deutschland dessen Nachfolge antreten könne, was in London durchaus verstanden wurde. (siehe auch: Klaus Dede, Ein Kapitel Zeitugslyrik).
1894 Bremen: Gründung des Enthaltsamkeits-vereins vom Blauen Kreuz. Bremen war einer der regionalen Schwerpunkte der Abstinenz- und Temperenzbewegung, die zum Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr stark war. Wichtigste Vertreterin des Blauen Kreuzes war Ottilie Hoffmann, die meh-rere alkoholfreie Speisehäuser gründete.
1894, 2. 12. Bremen: Einweihung der Sauer-Orgel im Dom. Sie hat 73 Register, und wird 1939 auf 99 Register erweitert. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Instrument erheb-lich beschädigt, aber 1958 und 1997 repariert. Sauer war ein Orgelbauer aus Frankfurt/Oder. Von dieser Firma stammt auch die Bach-Orgel, die 1939 angeschafft wurde. Auch sie wurde im zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und im Jahre 1966 durch ein neues Instrument, das von den Brüdern van Vulpen gebaut wurde, ersetzt. (Einwei-hung am 22. 2. 1966). Der Bremer Dom besaß auch eine Arp-Schnitger-Orgel. Sie war vermutlich 1528 gebaut worden und hatte 56 Register, Das Instrument wurde mehrfach umgebaut und dann 1849 abgebrochen.
1894 Bremen: Der spätere Reichspräsident Friedrich Ebert unterhält eine Kneipe in der Brautstraße - eine übliche Durch-gangsstation gemaßregelter sozialdemo-atischer Funktionäre.
1894 Bremen. Gründung des Bremer Kohlen-ziehervereins.
1894 Bremen: Das Technikum, die Keimzelle der heutigen Hochschule Bremen, wird in der Neustadt eröffnet.
1894 Bremen: Eröffnung der "Weserlust". Das belebte Ausflugslokal hielt sichbis nach dem Zweiten Weltkrieg, zuletzt als Kino. Heute ist es verschwunden.
1894 Delmenhorst. Die Brüder Leffers grün-den einen Textilladen in Delmenhorst. In Bremen entsteht in der Faulenstraße das Textilkaufhaus Leffers, das am 18./19. August 1944 durch Bomben zerstört wird. Die Firma nimmt im Jahre 1946 in einem Behelfsladen den Betrieb wieder auf. Das Textilkaufhaus wird 1961-63 wieder aufgebaut.
1894-1896 Bremerhaven: Bau der Kaiserschleuse in Bremerhaven.
1894 Bremerhaven/Geestemünde: Die Maurer treten in einen Streik, um eine Lohner-höhung durchzusetzen. Über die Dauer ist nichts bekannt, aber sie hatten offenbar Erfolg. Der Arbeitskampf wurde von einem Fachverein organisiert.
1894 Bremerhaven/Geestemünde: Der Fach-verein der Maler hat seine Mitglieder in den Betrieben zum Streik aufgerufen, um eine Lohnerhöhung und den neun-Stun-den-Tag durchzusetzen. Der Ausstand dauert fünf Wochen und wird mit großer Erbitterung geführt, was in Schlägereien zwischen Streikenden und Arbeitswil-ligen seinen Ausdruck findet. Der Ar-beitskampf geht für die Streikenden ver-loren.
1894 Geestemünde: Bau des Rathauses
1894 Geestemünde. Gründung des Deutschen Seefischerei-Vereins. Der Verband geht aus der Sektion für Küsten- und Hoch-seefischerei-Vereins hervor, die dem bereits 1870 gegründeten Deutschen Fischerei-Verein angehörte. Ihr erster Präsident war Walther Herwig, nach dem später ein Forschungsschiff benannt wurde.
1894 Bremerhaven/Geestemünde: Am 23. Dezember 1894 gehen im Sturm bei Hornsriff folgende Fischdampfer "mit Mann und Maus", wie man sagt, verloren:
  • Neck",
  • "Nereide",
  • "Lilly",
  • "Eide",
  • "Hermann".
Sie alle wurden vermutlich die Opfer sog. Grundseen. Außerdem sank der Geestemünder Fischdampfer "Benito", der am 15. Dezember 1894 von Aberdeen ausgelaufen war und dann verschollen ist. In dem Katastrophen-winter ertranken 61 Seeleute. 1894 gab es in Geestemünde und Bremerhaven 47 Fischdampfer. In diesem Jahr gingen also etwa 12 Prozent der Flotte verloren. Die Katastrophe veranlasste die politisch Verantwortlichen, einige Änderungen vorzunehmen. So erhielten der Kapitän und der Rudergänger bei den Neubauten auf der Brücke in Zukunft ein Ruderhaus, um sie vor Regen und Kälte zu schützen.
1894, 18. 8. Geestemünde. Streik der Metallarbeiter und Former bei Seebeck. Einzelheiten sind nicht bekannt.
1894 Geestemünde: Eine Sturmflut zerstört die im Bau befindlichen Anlagen des neuen Fischereihafens. Er ist noch nicht durch eine Schleuse geschützt.
1894 Geestemünde: Fischdampfer werden mit Scherbrettern ausgerüstet. Sie sitzen an jeder Seite des Netzes. "Die Zugleinen vom Dampfer sind so angebracht, dass die Bretter durch das Wasser gleiten wie papirdrachen durch die Luft. Da sie nach entgegengesetzter Richtung fahren, so ist die Netzöffnung gespannt offen, das netz schleift am Boden, die die Bretter mit schweren eisernen Schlittenkufen versehen sind." (Meyer, 1909, Bd. 6, S. 613) Diese Erfindung macht es möglich, dass die überreichlichen Fischbestände der Nordsee in dem folgenden Jahrhun-dert vernichtet werden.
1894 Lehe: Die Dockarbeiter, Kesselreiniger bilden eine Gewerkschaft, zu der später auch die Ladungsarbeiter, Schauer, Stauer und Kohlenarbeiter stoßen. Sie bilden den Leher Verein des Hafen-arbeiter-Verbandes-
1894 Burhave/Fedderwardersiel: Nachdem der Fremdenverkehr in Tossens und Eckwarden so hervorragend angelaufen ist, geht man auch in Burhave und Fedderwardersiel daran, diese Orte zu Bädern umzugestalten. Man plant, zu diesem Behufe eine Aktiengesellschaft zu errichten.
1894-1895 Brake: Neubau für die Amtsverwaltung und das Amtsgericht. Seit 1896 Rathaus
1894 Brake. Die Weser ist bis Brake auf fünf Meter vertieft. Daraufhin wandert der Getreide-Import von Nordenham nach Brake ab.
1894 Wilhelmshaven: Bau des städtischen Krankenhauses.
1894-1895 Elisabethgroden (Jeverland). Damit ist die Harlebucht vollständig verlandet und eingedeicht.