-1927-1928-

1927, 25. 5. Bremen: Streik in der Metall-Industrie. Näheres ist mir nicht bekannt.
1927, 14. 6. Bremen: Stapellauf des Segelschul-schiffs "Deutschland" auf der Teck-lenburg-Werft in Wesermünde .
1927, 17. 6. Bremen: Im Industriehafen brennt das Säge- du Hobelwerk Dreyer & Hillmann nieder.
1927, 7. 7. Bremen: Der Hauff-Keller (Bisher Echo-Saal) wird eröffnet. Die Ausma-lung besorgt Max Slevogt.
1927, 19. 8. Bremen: Streik in der Hansa-Mühle. Näheres ist mir nicht bekannt.
1927, 7. 9. Bremen: Streik der Brauereiarbeiter. Der Ausstand endet am 9. September 1927.
1927, 13. 9. Bremen. Die jüdische Gemeinde weiht ihr neues Gemeindehaus an der Gar-tenstraße ein.
1927, 28. 9. Bremen. Streik der Transportarbeiter. Der Ausstand endet am 10. Oktober 1927
1927, 10. 12. Bremen. Zum ersten Mal werden in der Stadt öffentlich Tannenbäume aufge-stellt.
1927 Bremen: In den Werken der Nordwolle, namentlich in Delmenhorst, Eisenach, Langensalza, Mühlhausen (Thüringen) und Glücksbrunn kommt es einem heftigen Streik, der vier Monate dauert und den bereits angeschlagenen Konzern weiter schwächt.
1927 Bremen: Bau des See-Grenzschlacht-hofs im Industriehafen für importiertes Vieh.
1927-1928 Bremen: Bau des Wasserturms in Blu-menthal. "Einer der schönsten Wasser-türme in Nordwestdeutschland", meint Nils Aschenbeck. (AschenbeckSchmidt: Wassertürme in Nordwestdeutschland, 2003, S. 14). Er ist heute nicht mehr in Betrieb, dient aber als Reserve.
1927 - 1928 Bremerhaven: Bau der Tiergrotten. Der Zoo wurde am 24. Juni 1928 eröffnet. Die Anlage, im im Zweiten Weltkrieg durch Bomben beschädigt, konnte repariert werden. 1976 erfolgte ein erster Umbau, dem 2000 ein weiterer folgte.
1927, 8. 4. Bremerhaven: Einweihung der Colum-bus-Kaje und des Columbus-Bahnhofs, beides benannt nach dem damals größ-ten Schiff des "Norddeutschen Lloyds". Die Anlage wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, danach aber wieder aufgebaut. Am 11. Februar 1952 wurde die Fahrgastanlage neu eröffnet,
1927 Bremerhaven-Wulsdorf: Wasserturm (Gleichzeitig Wohnhochhaus). Das Bau-werk, das 1,5 Millionen Liter Wasser aufnehmen konnte, ist ein bemerkens-wertes Beispiel des "Backstein-Ex-pressionismus". Der Wasserturm blieb bis 1996 in Betrieb.
1927, 1. 5. Bremerhaven: Die Stadthalle an der Deichstraße wird eröffnet. Sie bietet einen weiten Blick auf die Geeste. Der Neubau bot den Mittelpunkt der Feiern zum hundertjährigen Bestehen Bremer-havens im Jahre 1927, die mit großem Aufwand begangen wurden. Ehrengast zur Eröffnung ist der Reichsaußen-minister Dr. Gustav Stresemann. Die Stadthalle wird am 18. September 1944 durch Bomben zerstört und nicht wieder aufgebaut.
1927 Bremerhaven: Zur Hundert-Jahr-Feier der Stadt erhält die "Große Kirche" den Namen "Bürgermeister-Smidt-Ge-dächtnis-Kirche". Sie ist eine der wenigen evangelischen Predigtstätten, die einem Politiker gewidmet ist.
1927 Bremerhaven: Bau des Kühlhauses am Alten Hafen. Der riesige Backsteinklotz, der 6000 Tonnen Kühlgut fassen konnte, beherrschte bis zu seinem Abriss im Jahre 1977 das Stadtbild von Bremer-haven.
1927 Bremerhaven: Bau des Verwaltungs-gebäudes der Allgemeinen Ortskranken-kasse an der Hafenstraße.
1927 Bremerhaven: In den Brauereien treten die Arbeiter für drei Tage in den Streik. Sie setzen ihre Forderung durch.
1927, 1. 4. Wesermünde: Der preußische Landtag hat die Städte Lehe und Geestemünde unter dem Namen "Wesermünde" zu einer Kommune vereinigt. Weddewar-den, Schiffdorferdamm und Teile von Langen werden eingemeindet. Bremer-haven bleibt vorerst bremisch.
1927 Wesermünde: Im Weißen Meer wird im November der Fischdampfer "Scharn-horst" im Packeis gefunden. Die 19 Mann der Besatzung sind offenbar ertrunken, das Schiff verloren.
1927, 26. 4. Wesermünde: Die Schneider der Firma Ketelsen streiken für vier Tage lang bis zum 30. April 1927. Sie erzielen einen Teilerfolg.
1927 Wesermünde: Streik auf Tecklenborg-werft. Die Werksleitung begibt nach.
1927 Wesermünde: In der Feilenhauerei Fuchs streiken die zehn Feilenhauer 22 Wochen lang, weil der Unternehmer sich weigert, den tariflichenn Lohn zu zahlen. Der Arbeitskampf scheitert, weil der Betrieb geschlossen wird.
1927 29. 9. Blexen: Gründung des Weser-Seeflug-hafen-Gesellschaft. Seit 1928 während der Saison täglicher Flugverkehr mit Helgoland. Seit 1929 Landeplatz der Postflugzeuge, die von der "Bremen" und der "Europa"aus starteten. 1935 stillgelegt. Am 8. August 1932 Landung des Wasserflugzeugs "Do X". Für einen Augenblick hatte man in Oldenburg und natürlich auch in Blexen die Illusion, das ruhige Wasser südlich der Blexer Hörne könne zum europäischen Brük-kenkopf des transatlantischen Flugver-kehrs, der damals die Köpfe beschäf-tigte, werden. Die DO X war für diesen Zweck konzipiert. Sie war für damalige Zeiten ein Wunderwerk der Technik: Mit 12 Motoren erreichte das Flugzeug eine Spitzengeschwindigkeit von 220 km/h und bot dabei den Passagieren einen Komfort, wie er sonst nur bei den Luftschiffen möglich war. Indes: Die DO X erwies sich bei einer Atlantik-Überquerung als ungeeignet. Die Ma-schine ging als mutiges, letztendlich aber gescheitertes Experiment in die Geschichte der Luftfahrt ein. Die Zukunft gehörte den viermotorigen Langstrek-kenflugzeugen, von denen die erste Maschine 1938 die Strecke von Berlin nach New York und zurück flog. Sie blieb allerdings auf deutscher Seite die einzige - und diejenigen der Amerikaner und Briten trugen in den nächsten Jahren nicht Passagiere und zivile Güter, sondern Bomben.
1927 Nordenham: Bau der katholischen Ka-pelle in Nordenham-Einswarden. (Eine der schönsten modernen Backsteinkir-chen, die ich kenne.)
1927 Berne: Der Mühle in Hekeln - einem Galerie-Holländer, im Jahr 1812 erbaut - werden die Flügel abgenommen. Das Bauwerk wurde 1850 versichert, also kurz vorher fertiggestellt. Im Jahre 1886 stand der Rumpf noch.
1927 Lemwerder: Die Edenbütteler Mühle brennt ab.
1927, 9. 5. Wilhelmshaven/Rüstringen: Reichspräsi-dent Paul v. Hindenburg und Benecken-dorf besucht die Jadestädte und vor allem die Marine.
1927, 15. 6. Mariensiel: Eröffnung der Postfluglinie Bremen - Wilhelmshaven - Wangeroo-ge der Deutschen Lufthansa. Am 25. Juli
1927, 2. 10. Brake: Ehrenmal an der Heukaje eingeweiht.
1927, 11. 4. Wilhelmshaven: Am Südstrand wird das Seewasser-Aquarium in Betrieb genom-men. Es bestand zunächst aus fünf größeren und sieben kleineren Becken sowie einem weitere Becken für See-hunde. Im Jahre 1938 sollte die Ein-richtung durch einen Raum, der unter der Strandhalle lag, erweitert werden, aber dazu kam es nicht mehr, weil Hitler den Krieg begann. Im August 1950 konnte aber das erweiterte Seewasser-Aquarium eröffnet werden und umfasste nun zwölf sog. Normalbecken, die an die Jade angeschlossen sind, also von dort stets frisches Wasser beziehen, dessen Temperatur auch mit den Jahreszeiten schwankt. Nach einem weiteren Ausbau heißt die Einrichtung heute "Aquarium Wilhelmshaven".
1927, 9. 5. Wilhelmshaven. Reichspräsident Paul von Hindenburg besucht den "Reichs-kriegshafen".
1927, 5. 3. Wilhelmshaven/Rüstringen: Gründung der Flughafengesellschaft Wilhelmsha-ven-Rüstringen. Am 10. März beginnen mit einem "Ersten Spatenstich" die Arbeiten an dem neuen Flugplatz auf dem Cäciliengroden. Am 15. Juni wird der Flugplatz eingeweiht.
1927, 1. 10. Esens: Die jüdische Volksschule wird geschlossen. Sie hatte zum Schluss nur noch drei schulpflichige Schüler. Lehrer August Gottschalk war im Frühjahr 1927 gestorben. Die "lokale Presse" wid-mete ihm diesen Nachruf: "Herr Gottschalk wareine allgemein geachtete und geehrte Persönlichkeit. Sein Wirken und Schaffen galt nicht nur seiner Gemeinde, sondern auch der Gesamt-heit".(Rokahr/Ritter: "Das August-Gottschalk-Haus in Esens", 2000, S. 21)

-1928-

1928 Hamburg/Bremen: Werftarbeiterstreik. Der Deutsche Metallarbeiterverband fordert die Einführung der 48-Stunden-Woche und eine Lohnerhöhung von 16 Pfennigen. An dem Ausstand nehmen 45.000 Werftarbeiter teil. Er dauert 13 Wochen. Dann wird ein Schiedsspruch gefällt, der vorsieht, dass die Arbeitszeit von 52 auf 50 Stunden verkürzt und der Lohn um 5 Pfennige erhöht wird. Die Arbeiter lehnen den Spruch in einer Urabstimung mit 91 Prozent der Stim-men ab, aber Arbeitsminister Wissell erklärt ihn für verbindlich. Damit war der Arbeitskampf beendet.
1928 Bremen: Gründung des Volksreisebüros. Es berät natürlich nicht bei der Planung von Urlaubsreisen, die es damals für Arbeiter nicht gab, sondern bei der Aus-wanderung.
1928, 10. 2. Bremen: Zum ersten Mal seit dem Beginn des Ersten Weltkrieges findet wieder eine Schaffermahlzeit statt. Gast ist diesmal der General v. Lettow-Vorbeck.
1928, 20. 10. Bremen. Die neu "Glocke" wird ein-geweiht. Sie tritt an die Stelle des ab-gebrannten Künstlerhauses.
1928, 12. und 13. 4. Bremen: Hermann Köhl, v. Hünefeld und James Fitzmaurice überqueren in 36 Stunden den Atlantik von Ost nach West mit einer Junkers W. 3. Die Flieger starten in Baldonnel am 12. April 1928, um 5.45 Uhr und kommen am 13. April 1928 auf der Insel Greenly Island in Neufundland an. Sie waren während des Unternehmens vom Kurs abgekommen und landen schließlich, statt in New York, auf einer einsamen Insel in Neufundland, wobei das Flugzeug zu Bruch geht. In technischer Hinsicht ist der Flug ohne Bedeutung, weil sich die Techniker inzwischen sicher sind, dass Transatlantikflüge möglich sind, aber die propagandistische Wirkung ist enorm. Den drei Teilnehmern des Fluges wird sowohl in den USA als auch in Deutschland ein triumphaler Empfang bereitet. Das Flugzeug, die "Bremen" wandert in ein amerikanisches Museum. Die Flieger selbst kehren mit der "Columbus" nach Deutschland zurück. Sie treffen am 18. Juni 1928 in Bremerhaven ein und werden am 19. Juni 1928 in Bremen feierlich empfan-gen.
1928-1931 Bremen: Die Brüder Lahusen errichten in Bremen die neue Konzernzentrale, das heutige "Haus des Reiches". Der repräsentative Bau wird in Auftrag ge-geben, obwohl der Nordwolle-Konzern bereits geschwächt war. Die Baugeneh-migung für den riesigen Bau wird am 7. April 1928 erteilt. Die Arbeiten beginnen bereits im folgenden Monat. Am 2. Februar 1931 nimmt das Baupolizeiamt das Gebäude ab. Zu einer Einwei-hungsfeier kommt es nicht mehr. Der Komplex ist auch nicht mehr ganz fertig geworden - manches Detail wurde nicht mehr ausgeführt. Denoch war der Bau der Durchbruch der Architekten-Brüder Hermann und Eberhard Gildemeister. Die weitere Geschichte: Die komplizierte Abwicklung des Konkurses der Nord-wolle führt schließlich dazu, dass das Gebäude am 12. Mai 1934 vom Deutschen Reich übernommen wird, das hier die Finanzverwaltung des Landes Oldenburg und der Bezirke Aurich und Stade unterbringt. Am 20. August 1942 wird das "Haus des Reiches" Sitz des Reichsstatthalters für Oldenburg und Bremen. Im Krieg wurde das Haus des Reiches mehrfach durch Bomben getrof-fen, und zwar zum einen am 28. Juni 1942 durch zwei Sprengbomben, die in dem Flügel an der Schillerstraße drei Stockwerke verwüsteten, dann erneut durch zwei Sprengbomben am 18. August 1944. Schließlich schlugen am 6. Oktober 1944 noch mehrere Brandbom-ben ein. Das Gebäude war also am Ende des Krieges zwar beschädigt, aber nicht zerstört. Nach der Befreiung haben hier zunächst die amerikanischen Behörden, die Bremen und Bremerhaven zunächst verwalteten und dann kontrollierten, ihren Sitz. Am 8. Juni 1956 berichtet der zuständige Senator, dass die Besat-zungsmacht das "Haus des Reiches" geräumt habe. Es wird nunmehr Sitz des Finanzsenators, nachdem die Bundesre-publik dem Land am 1. April 1955 dem Land Bremen zunächst die Nutzung des Hauses übertragen hat. Am 15. Dezem-ber 1962 geht es in das Eigentum des Landes Bremen über. Der Wiederaufbau des Hauses begann unmittelbar nach der Befreiung und ging dann in die Restaurierungsarbeiten über, die mit dem Ziel ausgeführt wurden, so viel als möglich von der urspünglichen Gestal-tung wieder herzustellen. In diesem Zusammenhang wurde 1987 der Uhren-turm im Hof, der 1977 wegen Baufäl-ligkeit abgetragen werden musste, wie-der hergestellt. Außerdem erhielt der Bau 1968 (Einweihung am 22. Januar) und 1975 zwei Erweiterungsbauten, die 1999 mit einer neuen, gemeinsamen Fassade versehen wurden. Im Zusam-menhang mit der Restaurierung des "Hauses des Reiches" ist auch die Neugestaltung des Rudolf Hilferding-Platzes im Jahre 1991 zu sehen, der mit dem Skulpturen-Ensemble "Fragmen-te" von Hans-Wolfgang Lingemann (HAWOLI) ausgestattet wurde.
1928, 16, 8. Bremen: Auf der AG "Weser" läuft die "Bremen IV" von Stapel, das berühm-teste Schiff des Norddeutschen Lloyds dieses Namens. Es ist 226 Meter lang und fasst 51.000 Bruttoregistertonnen. Die 2000 Passagiere werden von etwa 1000 Mann Besatzung betreut. Die "Bremen IV" entwickelt eine Reisege-schwindigkeit von 27,8 Knoten und ist damit, neben ihrem Schwesterschiff "Europa", das gleichzeitig in Hamburg gebaut wird, das schnellste Schiff auf dem Nordatlantik.
1928, 26. 9. Bremen. Die Ortsgruppe Bremen der NSDAP wird von der Gauleitung in Ol-denburg aufgelöst. Die tradionellen Spannungen zwischen der Hansestadt und dem Großherzogtum bzw. dem Frei-staat setzten sich innerhalb der NSDAP fort. Fraktionskämpfe, wie sie hier statt-finden, sind ja für die politischen Forma-tionen typisch, denn wenn man, wie das Walter Flex ausdrückte "nichts weiter ist als deutsch", dann ergibt sich ja daraus nicht, wie man im konkreten Fall handeln sollte. Es kommt also darauf an, was der jeweilige "Führer" sagt. Da aber dieser nicht gewählt werden kann, denn die Demokratie leht man ja ab, sondern "sich erweist", führt das zu erbitterten Hahnenkämpfen, die nur durch den Befehl von oben beendet werden können. Hitler - und nur er - schaffte es, sich dank der Aura, die ihm das "Haus Wagner"mit Houston Ste-wart Chamberlain verschaffte, als der "Führer" schlechthin durchzusetzen und damit die Fraktionskämpfe innerhalb der völkischen Bewegung auf die unte-ren Organisationsebenen zu beschrän-ken, wo sie aber bis zum letzten Augen-blick weitergingen und dann, nach dem Ende des "Dritten Reiches" munter fortgeführt wurden- bis heute.
1928, 1. l0. Bremen/Bremerhaven. Streik auf den Seeschiffwerften. Am 27. Dezember 1928 lehnen die Arbeiter den Schieds-spruch ab. Der Streik endet am 3. Januar 1929.
1928, 12. 10. Bremen. Streik in der Jute-Spinnerei und -Weberei. Er endet am 17. Oktober 1928.
1928, 13. 10. Bremen: Einweihung des neuen Ge-werkschaftshauses in der Nordstraße. (Architekt: Richard Jansen)
1928, 20. 10. Bremen: Die neue "Glocke" am Bre-mer Dom wird eingeweiht.
1928 Bremen. Eröffnung des "Ottilie-Hoff-mann-Hauses" am Osterdeich. Heute Café Ambiente.
1928 Bremen: Im Jahre 1924 erwarb die Stadt Bremen den Rest des umfangreichen Grundbesitzes, der einmal dem Kauf-mann Justus Achelis gehört hatte. Auf dem Gelände entstand seit dem Jahre 1928, neben einer Badeanstalt, ein Park, der allerdings im Zweiten Weltkrieg durch Bunker und Notwohnungen arg verunstaltet wurde. 1949 hat man die Anlagen wieder hergestellt.
1928 Bremen: Carl F. w. Borgward übernimmt die "Bremer Karosseriewerke" in der Föhrenstraße. Hier wird in den folgenden Jahrzehnten der "Goliath" produziert.
1928 Bremen: Eröffnung des Bades am "Waller See"
1928 Oberneuland: Grndung der freiwilligen Feuerwehr.
1928-1929 Seehausen: Neun Häuser werden abge-rissen, weil die Weser verbreitet wird. Auch der Deich und die Uferstraße müssen um 150 m landeinwärts verlegt werden.
1928, 1. 10. Bremerhaven/Wesermünde. Streik auf allen Werften an der Unterweser bis zum 5. Januar 1929. (Der Arbeitskampf ist Teil einer Auseinandersetzung, die alle Schiffbautriebe an der deutschen Küste erfasst und an der insgesamt 40.000 Arbeiter beteiligt sind.)
1928-1931 Bremerhaven: Bau der Nordschleuse. Grundsteinlegung am 3. Mai 1929. Sie wird am 10. August 1931 in Betrieb genommen. Zum Vergleich: Die Kaiser-schleuse, die die großen Passagier-dampfer der Vorkriegszeit aufnehmen sollte, hat eine Durchfahrtbreite von 28 Meterm. Die Nordschleuse, die für "Bremen" und "Europa"gebaut wurde, hatte eine solche von 43 Metern.
1928, 2. 6. Bremerhaven: Eröffnung der Tiergrot-ten, des kleinsten Zoos der Republik.
1928, 20. 8. Bremerhaven. Die "Columbus"macht zum ersten Male an der neuen Colum-buskaje fest.
1928, 24. 1. Bremerhaven: Der neue Deschimag-Konzern erwirbt die Seebeck-Werft.
1928, 2. 9. Bremerhaven. Die Deschimag entschei-det endgültig und unwiderruflich, die Tecklenburg-Werft zu liquidieren. Das Unternehmen beschäftigte im Jahre 1927 über 2000 Arbeiter und etwa 300 Angestellte und war wirtschaftlich ge-sund. Der Konzern wollte jedoch die Werftkapazitäten an der Unterweser reduzieren und entschied sich deshalb für Seebeck und gegen die Tecklen-borg-Werft. Pioniere der Reichswehr sprengen dann die Gerüste der Helgen an der Geeste.
1928 Bremerhaven: Streik der 120 Ramm-arbeiter, die beim Bau der Nordschleuse eingesetzt wird. Sie lehnen eine Lohn-kürzung um 33 Prozent ab, erzielen aber nur einen Teilerfolg.
1928 Wesermünde: Im November sinkt der Fischdampfer "Carl Adolf" vor Lowe-stoft. In diesem Fall wird die Besatzung gerettet. Seit dem 30. Dezember 1928 wird der Fischdampfer "Rat Kirchen-pauer" aus Cuxhaven vermisst. Es war zuletzt unter Island eingesetzt. Die mannschaft ist ertrunken.
1928, 13. 7. Blexen: Einweihung des Seeflughafens Blexen. Man hatte die Hoffnung, dass von hier aus einmal Großraumflieger in die USA starten würden, aber daraus wurde nichts. Stattdessen landeten an der Stelle nur die Postflugzeuge der "Bremen" und der "Europa".
1928 Nordenham: Eröffnung des Strandbades. Die Sandstrände hier und auf Harrier-sand waren Abfallprodukte der Weser-vertiefung. Inzwischen kann man in der Weser selbst nicht mehr schwimmen: Das Wasser ist zu schmutzig und die Strömung zu schnell.
1928/ 1929: Rüstringen. Bau des Rüstringer Rathau-ses. ( 11. Oktober 1929: Einweihung). Der Architekt Fritz Höger ist als einer der bedeutendsten Vertreter des nord-deutschen Expressionismus hervorge-treten, dessen wichtigstes Werk das Chile-Haus in Hamburg wurde. Sein Markenzeichen war die konsequente Verwendung des heimischen Backsteins, was durchaus ein Ausdruck seiner völ-kischen Gesinnung war, was jedoch der ästhetischen Qualität seiner Bauten kei-nen Abbruch tut. Nach seinen Plänen wurde auch das Krankenhaus in Del-menhorst errichtet, vor allem wirkte er stilbildend auf andere Architekten, wie man besonders schön an der Herz-Jesu-Kapelle in Einswarden sieht.
1928, 23. 5. Wilhelmshaven: Der Leichte Kreuzer "Köln" läuft auf der Marinewerft vom Stapel. Er wird am 15. Januar 1930 in Dienst gestellt. Bei dieser Gelegenheit besucht der damalige Oberbürgermeister von Köln, Konrad Adenauer, zum ersten Mal die Jadestadt. Als er wiederkommt, ist er Bundeskanzler und kündigt der Kommune an, dass sie wieder Standort der Marine wird. Die "Köln"war an dem deutschen Angriff auf Norwegen im Jahre 1940 beteiligt. Sie wurde am 30. März in Wilhelmshaven durch Bomben versenkt und wurde am 5. April 1945 außer Dienst gestellt. Das Schiff lag aber "auf ebenem Kiel"im Hafen, so dass die drei Drillingstürme noch feuern konnten, was sie auch idiotischerweise taten. Kurz vor Ende beschossen sie noch Ziele bei Neuenburg und Bockhorn, was aber den Endsieg auch nicht brachte. Das Schiff wurde dann von der Restbesatzung gesprengt und der Rest 1946 abgebrochen.
1928, 12. 5. Wilhelmshaven/Rüstringen: Gründung der "Luftverkehrsgesellschaft Wil-helmshaven-Rüstringen GmbH. Die Ge-sellschaft erhält am 12. Mai 1928 die Genehmigung zur Errichtung eines Be-darfsverkehrs durch das Reichsver-kehrsministerium. Am 17. Mai 1928 startet die erste Maschine der neuen Gesellschaft vom Flugplatz Mariensiel aus. Bis zum Kriegsausbruch 1939 werden die Flugplätze von Bremen, Bremerhaven, Wangerooge, Norderneys, Borkum und Hamburg angeflogen.
1928, 26. 7. Wilhelmshaven. Eröffnung des Seeflug-hafens mit den Flugbooten Rohrbach-Rocco und Dornier-Super-Wal. Am 1. November 1928 eröffnet die Seeflug-zeugwerft Focke Wulff ihren Betrieb.
1928 Wilhelmshaven: Gründung des Instituts "Senckenberg am Meer". Heute: Forschungsinstitut für Meeresgeologie und Meeresbiologie "Senckenberg".
1928, 16. 6. Wilhelmshaven. Am Südstrand werden die Strandhäuser eingeweiht. Der Ort war von den Wilhelmshavenern bereits 1900 entdeckt worden. Im Jahre 1919 hatte der Stadtbaurat Zopff dort eine Herrenbadeanstalt eingerichtet (Frauen mit ihren Kindern und Männer wurden damals in den Badeanstalten noch streng gerennt). Er war es auch, der die spätere Bebauung plante. Für Kurgäste standen nunmehr 100 Zimmer zur Verfügung. Die Anlage wurde gut ange-nommen, wurde aber ab 1937 zuneh-mend von der Kriegsmarine in Anspruch genommen, die hier am Ende einen Stab stationierte.