-1929-1931-

1929 Bremen: Der Bankrott der Delmen-horster "Nordwolle" löst in Deutsch-land die große Wirtschaftskrise aus. Als Folge der Pleite geriet die Schröder-Bank in Zahlungsschwierigkeiten, was sie dazu zwang, ihr Paket von Aktien der "Hansa-Lloyd-Werken AG" zu ver-kaufen. Diese Chance nutzten die Unter-nehmer Carl F. W. Borgward und v. Tecklenborg, um so die Mehrheit an dem Konzern zu erwerben. Welche Mezzije das war, macht Brandhuber so deutlich: "Bei einem Kurs von 7 v. H. des Nennwertes war es ihnen möglich, zu einem Preis von 175.000 RM ein Aktienpaket zu einem Nennwert von 2.7 Mio RM zu erwerben." (Brandhuber: Die Insolvenz eines Familienkonzernes, 1988,S. 23)
1929, 17. 5. Bremen: Der Deutsche Frauenbund für alkoholfreie Kultur erhält die Erlaubnis, am Osterdeich ein "Milchhäuschen" aufzustellen. Der Rundbau wird bereits am 20. August 1929 eröffnet und nach Ottilie Hoffmann benannt.
1929, 10. 7. Bremen: Einweihung des Städtischen Lyceums in der westlichen Vorstadt.
1929, 15. 7. Bremen: Streik der Tischler in Nord-west-Deutschland. Die Unternehmer sperren die Beschäftigten aus.
1929, 28. 7. Bremen: Am Rathaus werden umfang-reiche Restaurierugsarbeiten abge-schlossen. Sie betrafen vor allem die Fassade. Bei den Arbeiten stellte sich heraus, dass die Pfähle, auf dem der Bau ruhte, fast vollständig weggefault werden, so dass der historische Bau beinahe zusammengebrochen wäre.
1929, 10./11. 8. Bremen: Feiern zum Verfassungstag in Bremen. Vom Dom weht bei dieser Ge-legenheit zum einzigen Male die schwarz -rot-goldene Fahne.
1929, 20. 9. Bremen: Streik der Brauereiarbeiter. Er wird unverzüglich durch einen Schieds-spruch, den die Arbeiter annehmen, be-endet.
1929, 8. 11. Bremen: Großfeuer auf dem Teerhof. Das Packhaus der Firma Theodor Poser & Co brennt aus.
1929, 15. 12. Bremen: Einweihung der neuen Kirche in Oslebshausen. Architekt ist der Dom-baumeister Walter Görig, der auch die Glocke errichtet hat. Eine katholische Kirche gibt es hier seit 1968/69
1929, 22. 12. Bremen: Nazis bringen auf einem Bau-gerüst der Kirche "Unserer-Lieben-Frau"eine Hakenkreuzfahne an.
1929 Bremen/Wesermünde: Der Norddeutsche Lloyd bietet auf seinem Schnelldampfer "Bremen" für die jüdischen Passagiere koschere Speisen an.
1929 Ovelgönne: Erdölbohrungen bei Ovel-gönne bleiben ergebnislos. Man wird erst 1958 bei Jaderaltensiel fündig.
1929 Wesermünde: Die Halle X im Fische-reihafen wird fertig. Sie ist 370 Meter lang und 28 Meter breit und nimmt die Fischauktionen auf. Geestemünde wird damit der größte deutsche Fischerei-hafen. Im Jahre 1930 bestand die Fang-flotte aus 351 Dampfern. In der Nazizeit stieg deren Zahl auf 389 Einheiten im Jahre 1937, die 310.300 Tonnen Frisch-fisch (ohne Hering) in die Fischereihäfen von Wesermünde, Cuxhaven und Ham-burg-Altona brachten, davon wurden 60 Prozent in Geestemünde angelandet.
1929 - 1931 Wesermünde: Bau der Nordschleuse. Als erstes Schiff fährt am 10. August 1931 die neue "Bremen" in die Schleusen-kammer ein.
1929-1930 Wesermünde. Bau des Wohnblocks an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße/Elbe-straße.
1929 Wesermünde: Im November sinkt im Kattegatt der Fischdanpfer "Nixe" (Wesermünde). Die Besatzung wurde gerettet.
1929, 10. 11. Wesermünde/Bremerhaven: Von den 400 Straßenbahnern streiken 350 Kollegen für eine 19 prozentige Lohnerhöhung. Sie setzen ihre Forderung nach drei Tagen zum Teil durch (Streik-Ende 13. November am 1929).
1929, 16. 7. Bremerhaven: Das neue Flaggschiff des "Norddeutschen Lloyd", die "Bremen IV" läuft zu ihrer Jungfernfahrt von Bremerhaven nach New York aus. Das 51.565 BRT große Schiff lief am 16. August 1928 auf der AG Weser in Bremen vom Stapel und wurde am 7. Juli 1929 in Bremerhaven Dienst gestellt. Am 2. Juni 1929 wurde das neue Passagierschiff von der AG "Weser" weserabwärts nach Bremerhaven verholt. Die "Bremen" legte die Strecke von Cherbourg bis New York in vier Tagen, 18 Stunden und 17 Minuten zurück. Damit erringt sie als das schnellste Schiff auf dem Nordatlantik das "Blaue Band", das sie allerdings im Jahre 1930 an die "Europa" abgeben musste - sie war noch eine Stunde schneller! Die "Bremen/TS" wird für die nächsten Jahre des internationale Symbol eines demokra-tischen und friedfertigen Deutschlands.
1929 Bremerhaven. Bau der Drehbrücke über den Verbindungskanal im Kaiserhafen.
1929 Lemwerder. Dank der neuerlichen We-servertiefung erhält das Dorf ein Strandbad.
1929, 18. 10. Wilhelmshaven: Der Leichte Kreuzer "Leipzig" läuft vom Stapel. Die In-dienststellung erfolgt am 8. 10. 1931. Die Leipzig wurde am 20. Juli 1946 - mit Giftgas-Munition beladen - in der Nordsee versenkt.
1929, 15. 6. Wilhelmshaven: Die neuen Strandanla-gen am Südstrand von Wilhelmshaven werden eröffnet.

-1930-

1930 Bremen: Der Bahnhof Bremen-Neustadt wird eröffnet. Die erste Station links der Weser entstand bereits 1866, wurde aber, weil sie unglücklich in der Nähe des Stroms lag, aufgegeben.
1930, 29. 6. Bremen: Weihe der katholischen Kirche "Christ-König" in Rönnebeck.
1930 Bremen: Mit dem Ausbruch der Welt-wirtschaftskrise endet für die Juden auch die Bremen die Zeit der relativen Ruhe. Die antisemitische Hetze wird vor allem von den Ludendorffern, die im Tannenbergbund organisiert sind, getra-gen, aber es machen sich auch die ersten Nazis bemerkbar. Als Beginn der Kampagne kann man den Antrag werten, mit dem die NSDAP in der Bürgerschaft ein Verbot des Schächtens durchsetzen wollte, wie es im Freistaat Oldenburg bereits galt. In der Hansestadt fand sich dafür keine Mehrheit. Kommentar: Man kann über die Sitte des Schächtens mit guten Gründen unterschiedlicher Mei-nung sein, wobei man allerdings be-rücksichtigen sollte, dass jede Schlacht-methode grausam ist. Wer den Tieren ein solches Ende ersparen möchte, kann ja, wie ich, Vegetarier werden, nur den Tannenbergern und Nazis ging es da-mals, wie heute, nicht um den Tier-schutz, sondern darum, die Juden als grausame Tierquäler zu diffamieren. Sie suchten einen Vorwand, der es ihnen ermöglichte, zugleich andere, die mit der antisemitischen Hetze der Tannenberger und Nazis nichts zu tun hatten, in ihr Boot zu holen. Das verlogene Manöver hat der oldenburgische Landtag damals mitgemacht, während sich die bremische Bürgerschaft verweigerte.
1930, 31. 3. Wesermünde/Bremerhaven: Der Ver-band der Schneider organisiert in den Firmen Ketelsen, Padberg und Beck-mann einen Streik der Schneider, um eine Lohnkürzung abzuwehren. Die 35 Beteiligten erzielen nach elf Tagen am 10. April einen Erfolg.
1930 Brmerhaven: Gründung des Arbeiter-Tennis-Vereins.
1930, 19. 3. Bremerhaven: Jungfernreise des neuen Passagierschiffs "Europa" nach New York. Das Schiff war bereits am 28. August 1928 bei Blohm und Voss vom Stapel gelaufen, konnte aber erst am 17. März 1930 in Dienst gestellt werden, weil es am 26. März 1929 durch einen Brand schwer beschädigt worden war. Die "Europa" befand sich bei Kriegs-ausbruch 1939 in Bremerhaven. Sie fiel 1945 als Kriegsbeute an die Amerikaner, die sie an Frankreich weitergaben. 1962 in La Spezia abgewrackt.
1930, 11. 8. Blexen: Am 11. August, um 0.30 Uhr, fährt der Zeppelin "Graf Zeppelin", das Schwesterschiff der unglückseligen "Hindenburg", von Wilhelmshaven kommend über Blexen hinweg.
1930, 21. 9. Nordenham. Theo Gläß, der Großse-kretär des Guttemplerordens spricht in Nordenham. Der Guttempler-Orden war damals die größte Abstinenz-Organi-sation im Deutschen Reich. In Eins-warden bestand im Jahre 1930 die Loge "Willehadus" mit 120 Mitgliedern. Anlass des Besuches war die erneute Gründung der Loge "Fredeburg" in Atens.
1930 Oldenburg: Gründung der "Oldenburgi-schen Stromversorgungs AG". Seit 1943 "Energieversorgung Weser-Ems". Dem Unternehmen werden nach und nach die örtlichen Eletrizitätswerke übertragen, die seit der Jahrhundert-wende entstanden sind. (So seit 1905 in Ruhwarden und Burhave, seit 1907 in Rodenkirchen)
1930 Esens: Die Norddorfer Mühle wird ab-gerissen.
1930 Brake: Der Erdholländer in Harrierwurp wird abgebrochen. Die Mühle war 1868 gebaut worden und diente der Entwäs-serung von rund 450 ha Land.
1930, 10. 12. Blexen. Das zweitgrößte deutsche Flugboot, die Romar D 1749, wassert vor Blexen. Die Maschine hat eine Spannweite von 29 Metern und wird von drei Motoren angetrieben.
1930, 2. 8. Blexen: Streik bei den Metallwerken zur Abwehr von Lohnkürzungen. Von 800 Arbeitern beteiligen sich etwa 500. Der Streik muss am 17. September beendet werden, nachdem dem Metallarbeiter-verband die Auszahlug von Streikgeldern gerichtlich untersagt worden war.
1930, 20/21. 9. Norddorf: Die Gerdes’sche Mühle brennt ab.

-1931-

1931, 1. 1. Bremen: Die Jüdische Gemeinde in der Hansestadt hat 321 Mitglieder. Deren Zahl ist bereits etwas zurückgegangen, einmal auf Grund der Wirtschaftskrise, dann aber auch wegen der antisemi-tischen Hetze der Tannenberger und der Nazis, unter der besonders jüdische Geschäfte des Mittelstandes zu leiden hatten. Was also ab 1933 in organi-sierter Form und mit offizieller Billigung der Behörden geschieht, fand vorher durchaus schon spontan statt und zeigte auch Wirkung. Wenn jüdische Firmen aufgegeben mussten, wanderten die Inhaber und ihre Familien aus und verließen damit die jüdische Gemeinde in Bremen.
1931, 15. 3. Bremen: Das Atlantishaus in der Bött-cherstraße ist fertiggestellt.
1931, 27. 3. Bremen: In den Bau- und Möbeltischler-eien wird gestreikt.
1931, 12. 4. Bremen. Einweihung der katholischen St. Elisabeth-Kirche in Hastedt
1931, 17. 5. Bremen: Der Schlosspark samt Herren-haus in Sebaldsbrück ("Schloss Se-baldsbrück" genannt) wird der öffent-lichkeit zugänglich gemacht, nachdem Bremen den Rest des einst ansehnlichen Anwesens gekauft hat.
1931, 14. 6. Bremen: Bei einer Schlägerei zwischen Nazis und Kommunisten wird der SA-Mann Johann Gossel durch einen Mes-serstich so schwer verletzt, dass er am 21. Juni 1931 stirbt. Die genauen Um-stände des Vorgangs bleiben ungeklärt. Am 9. November 1931 erleidet der Nazi Wilhelm Decker in der Bornstraße dasselbe Schicksal. Für Johann Gossel wurde 1934 im Huckelrieder Park ein Denkmal errichtet. An Decker erinnerte während des Dritten Reiches ein Findling Waller Park sowie eine Tafel an einem Haus "Am Wandrahm". Alle diese Denkmäler wurden nach der Befreiung entfernt. Solche "Blutzeugen", so die Eindeutschung des griechischen Wortes "Martyrer", wurden für die Nazi-Propaganda wichtig, weil sie später den eigenen Terror rechtfertigten: Um die-ses Unheil von den eigenen Leuten, der Partei und dem deutschen Volk abzu-wenden, so die Argumentation der Nazis, mussten prophylaktisch die Feinde der "Bewegung" vernichtet werden, allen voran die Juden. Mit dem Martyrerkult folgte die NSDAP, wie in vielen anderen Dingen, dem Vorbild christlicher Kir-chen.
1931, 29. 6. Bremen: Der Neustadtbahnhof wird ein-geweiht. Mit dem Bau wurde 1923 begonnen.
1931, 8. 7. Bremen: Die Nordwolle teilt mit, dass mit einem Verlust von 200 Millionen RM gerechnet werden müsse. Damit beginnt der größte Wirtschaftsskandal der Wie-marer Republik. Als Folge des sich abzeichnenden Bankrotts der Nordwolle schränken die Banken und Sparkassen die Auszahlung der abgehobenen Gelder ein. Am 13. Juli 1931 schließt die Darm-städter und Nationalbank ihre Schalter. (Wiedereröffnung am 3. August 1931) Am 14. Juli schließen auch die übrigen Banken und Sparkassen für zwei Tage. Am 17. Juli 1931 werden G. Carl Lahusen und Heinz Lahusen verhaftet. Am 21. Juli 1931 beginnt das offizielle Konkursverfahren der Nordwolle.
1931, 10. 8. Bremerhaven: Die Nordschleuse wird in Betrieb genommen. Als erstes Schiff läuft die "Bremen" in den Kaiserhafen ein.
1931, 15. 8. Bremen: Eröffnung des Konkursverfah-rens gegen die Beamtenbank.
1931, 23. 8. Bremen: Das Korff’sche Landgut in Oslebshausen wird als Park der Öffent-lichkeit übergeben. "Korffs Holz" wird 1947 erweitert.
1931, 16. 7. Bremen: Die "Reichsarbeitsgemein-schaft für deutsche Ostsiedlung e. V." (Radost) gründet in Bremen den Reichsarbeitsdienst. Die zunächst kleine Organisation wird ab Herbst 1931 auch von der Technischen Nothilfe, der Volksnationalen Vereinigung und dem Stahlhelm getragen. Sie bilden im Fe-bruar 1932 die "Arbeitsgemeinschaft für Arbeitsdienst und Siedlungsbau". Das Projekt wird von der Linken zu-nächst abgelehnt, dann aber unterstüt-zen auch die SPD, die SAJ, das Reichs-banner, die Arbeiterwohlfahrt und der ADGB den Reichsarbeitsdienst, obwohl die NSDAP weiterhin zu den Trägern gehörte. Nur die KPD und die SAP leh-nen ihn weiter ab. Die Zahl der Teil-nehmer stieg von anfangs 100 auf 3000 Ende 1932. Nach der "Machtergrei-fung" richtet die Nazi-Regierung am 26. Juni 1935 den verbindlichen Arbeits-dienst ein, der ein halbes Jahr dauerte.
1931, 27. 11. Bremen: Gründung des Rotary-Clubs. Der Kreis wurde am 7. September 1937 nach Schikanen der NSDAP aufgelöst und erst nach der Befreiung am 25. 1. 1950 neu gegründet.
1931, 16. 12. Bremen: Gewerkschaften, Reichsbanner und Arbeitersportbünde schließen sich zur Abwehr der NSDAP zur Eisernen Front zusammen.
1931, 13. 9. Vegesack: der Stadtgarten ist fertig.
1931, 20. 3. Bremerhaven/Wesermünde: Streik bei F. A. Seebeck, Achgelis und Schlotterhose zur Abwehr von Lohnkürzungen. Nach 11 Tagen erreichen die Beschäftigten einen Teilerfolg (Streikende an 10. April 1931).
1931, 15. 4. Bremerhaven/Wesermünde: Streik der Steinsetzer bei den Firmen Elfers, Mund und Overkamp gegen Lohnkürzungen. Die Arbeiter setzen sich nach fünf Tagen (am 20. April 1931) durch.
1931, 4. 5. Bremerhaven/Wesermünde: Arbeiter der Reederei Ebeling werden ausgesperrt, weil sie an der Demonstration der Gewerkschaften zum 1. Mai teilgenom-men haben. Der Arbeitskampf endet am 11. Mai 1931.
1931, 2. l0. Bremerhaven/Wesermünde: Streik in der Steinfabrik Kistner zur Abwehr einer Lohnkürzung. Der Arbeitskampf endet nach 14 Tagen am 16. Oktober 1931 mit einem Misserfolg.
1931, 27. 6. Wesermünde: Die "Nordsee Deutsche Hochseefischerei Bremen-Cuxhaven AG kündigt an, dass sie ihren Betrieb von Nordenham nach Wesermünde-Geeste-münde verlegen wird.
1931 Blexen: An der Blexer Hörne landen die Katapult-Flugzeuge der "Bremen" und der "Europa". Damit kommt die Post aus den USA zwei Tage schneller als bisher bei den Empfängern an.
1931 Brake: Die letzte Windmühle auf dem Gebiet der Stadt wird abgebrochen. Auf dem Platz steht heute die Mühlenapo-theke.
1931 Wilhelmshaven: Einweihung des Schlick-Heilbades.
1931, 24. 1. Wilhelmshaven: Auf der Marinewerft läuft das Artillerieschulschiff "Brem-se" vom Stapel. Das Schiff sinkt am 6. September 1941 nach einem Gefecht mit britischen Kreuzern im norwegischen Mageroy-Fjord.
1931, 2. +3. 7. Wangerooge: Der Osnabrücker Ingenieur Tiling schießt auf der Insel Raketen 3000 Meter hoch in die Luft. (Man experimentierte in dieser Zeit viel mit Raketen, ohne zu wissen, was man damit anfangen könnte. Man dachte etwa an den Transport von Briefsendungen, kei-nesfalls aber an den Einsatz der Ge-schosse als Waffen).
1931-1933 Wangerooge: Der Westturm wird von der Turnerjugend und dem damals noch freiwilligen Reichsarbeitsdient als Ju-gendherberge wieder aufgebaut.
1931, 12. 5. Jever. "Hitler riss am 12. Mai 1931 über 4000 Menschen in der wegen Überfüllung gesperrten Landwirtschafts-halle zu Begeisterungsstürmen hin" ("Peters: Die Reichskristallnacht in Jever, 1992, S. 36) Die NSDAP erzielt bei den Reichstagswahlen vom 7. 1932 in Jever 60,4 Prozent der Stimmen, gegen 37,2 Prozent im Reich.
1931, 12. 10. Nordenham: Die neue Sparkasse an der Ecke Bahnhofstraße/Friedrich-Ebert-Straße wird eingeweiht
1931, 1. 11. Nordenham: "Selbstanschlussamt" in Betrieb genommen. Lokale Telefonan-schlüsse werden also hergestellt, ohne dass das "Fräulein vom Amt" die Ver-bindung herstellen muss. Die Automa-tisierung des Fernsprechdienstes hat begonnen.
1931, 21. 7. Delmenhorst. Die Norddeutsche Woll-kämmerei und Kammgarnspinnerei stellt Konkursantrag. Der Konzern zieht durch seinen Zusammenbruch die Darmstädter und Nationalbank, die bei der Pleite 50 Millionen Reichsmark bei einem Aktien-kapital von 60 Millionen RM verliert, mit in den Abrund, was eine allgemeine Bankenkrise in Deutschland auslöst. Die Ursache der Katastrophe war die Tat-sache, dass G. Carl Lahusen, der Chef des Unternehmens, lange Zeit die wahre Lage des Konzerns verschwiegen hatte. "Die Nordwolle hatte es mit zum Teil betrügerischen Methoden verstanden, ihren wirklichen Status zu verschlei-ern." (Nordwolle Delmenhorst, 2000, S. 11) Das Unternehmen hatte seit 1885 riesige Ausmaße angenommen. Das Aktienkapital betrug zuletzt 75 Millionen RM. "Im Frühjahr 1931 umfasste die NWK elf Produktionsstätten, fünf Ne-benbetriebe (Seifenfabrik, Gießerei, chemische Betriebe u. a.), sieben eng verbundene Gesellschaften, die lediglich formal Selbständigkeit behielten, 22 Verkaufskontore, zwei eigene Repräsen-tationen in Japan und China und eine eigene Einkaufsorganisation auf allen Hauptwollmärkten der Erde. Die Zahl der Spindeln war bis zum Jahre 1930 auf 400.000 gestiegen, die Rohgarnproduk-tion auf 22,1 Mio kg. die Zahl der Beschäftigten auf 22.300. (Nordwolle Delmenhorst, 2000, S. 92). Dieses riesige Imperium brach nun zusammen und riss die Darmstädter und Natio-nalbank mit sich in den Abgrund. Das Ereignis war für die deutsche Wirtschaft so gravierend, dass sogar der Reichs-kanzler Brüning in das Geschehen ein-griff. Er sorgt dafür, dass die Brüder Lahusen verhaftet und vor Gericht ge-stellt wurden. Das Verfahren endete am 29. August 1933 mit der Verurteilung der Angeklagten. Ihr Revisionsbegehren wurde am 28. Juni 1934 vom Reichs-gericht verworfen, womit das Urteil rechtskräftigt wurde. Inzwischen war die Regierung Hitler im Amt, was unter anderem eben durch den doppelten Zusammenbruch der DANAT-Bank und der Nordwolle möglich geworden war. Damit war die Geschichte des Konzerns selbst aber noch nicht beende. Am 14. Juli 1932 beschlossen die Gläubiger die Gründung von zwei Nachfolgegesell-schaften, nämlich der Norddeutschen Woll- und Kammgarn Industrie AG mit Werken in Delmenhorst, Mühlhausen/ Thüringen, Eisenach und Fulda und einer zweiten Gruppe mit Fabriken in Leipzig und Altona-Bahrenfeld. Die neue "Nordwolle" florierte - trotz erheb-licher Kriegsschäden - bis 1969. in diesem Jahr erfolgte der Zusammen-schluss mit der Kammgarnspinnerei Düsseldorf AG zu den Vereinigten Kammgarnspinnereien AG (VKS): Das neue Unternehmen arbeitete jedoch mit Verlust mit der Folge, dass in Del-menhorst die Zahl der Beschäftigten von 1383 im Jahre 1970 auf 818 im Jahre 1980 zurückging, Der Umsatz sank im gleichen Zeitraum von 103 Millionen DM auf 74 Millionen DM. Am 1. September 1980 beantragte der Vorstand dann beim Amtsgericht Delmenhorst die Eröffnung eines Vergleichsverfahren. Die Gläu-biger einigten sich zwar am 2. Februar 1981 auf einen Kompromiss, aber dann stellte sich heraus, dass eine Weiter-führung des Betriebs nicht möglich war, so dass das Unternehmen die Produktion einstellte und dann liquidiert wurde. Der riesige Grundbesitz der Nordwolle war, soweit er nicht für die Produktion der Nachfolgefirma benötigt wurde, bereits 1970 in eine eigene Gesellschaft überführt worden. Sie verwertete nun die Fläche, indem sie hier zunächst Wohnungen errichtete. Ein Teil der Fabrikanlagen blieb jedoch erhalten und nahm kommunale Einrichtungen auf, so die Volkshochschule von Delmenhorst. Vor allem aber entstand hier von 1988 an das "Fabrikmuseum Nordwolle", ergänzt durh das Stadtmuseum, das 1997 in der ehemaligen Lichtstation eröffnet wurde.