-1937-1938-

1937 Bremen. Focke-Wulf produziert das viermotorige Flugzeug FW 200 "Kon-dor". Die Maschine ist als erste in der Lage, ohne Zwischenaufenthalt nach Amerika zu fliegen.
1937, 7. 3. Bremen: Der politische Leiter der illegalen KPD in Bremen, Robert Stamm, wird verhaftet und am 4. November 1937 hingerichtet.
1937, 19. 4. Bremen: Der Präsident der jüdischen "Kaiser-Friedrich-Loge" wird verhaf-tet. Die Loge selbst wird verboten.
1937 Bremen: Bau der Herz-Jesu-Kirche an der Kornstraße.
1937 Bremen: Die Mühle in Lobbendorf brennt ab. Sie war zu Beginn des 19. Jahr-hunderts gebaut worden.
1937 Bremen: Auf dem Flughafen wird das Verwaltungsgebäude fertig.
1937 Strom: Bau der Stedinger Brücke. Aus-bau der Landstraße bis zur Köhler-brücke.
1937-1938 Wesermünde. Bau der Halle XIV im Fischereihafen. Sie wurde 1944 zum Teil zerstört, aber von 1947-1948 wieder aufgebaut. Ein bauliches Zeugnis der Autarkie-Politik des Dritten Reiches.
1937 Delmenhorst: Der Flugzeugbauer Focke, inzwischen in der Focke-Wulf AG in den Aufsichtsrat abgeschoben, gründet ge-meinsam mit dem Kunstflieger Gerd Achgelis die Firma Focke, Achgelis &Co, gmbH, die sich der Entwicklung und dem Bau von Hubschraubern widmet. Das Werk wurde am 19. Juli 1944 bei einem Bombenangriff schwer beschädigt. 1944 ging das Unternehmen in die "Weser Flugzeugwerke AG" auf.
1937 Wilhelmshaven: Gründung der Woh-nungsbaugesellschaft "Jade".
1937 Wittmund: Die Luftwaffe beginnt mit dem Bau des Fliegerhorstes auf dem Gelände des einstigen Luftschiffhavens "Witt-mundhaven". Der Schwerpunkt der Ar-beiten lag zunächst in Brockzetel, wurde dann aber ab Januar 1939 nach Witt-mundhaven verlegt. Mitte Juni 1939 wurde bereits Munition verladen. Ab Anfang September 1940 war der Fliegerhorst einsatzbereit. Im Krieg gin-gen die Bauarbeiten weiter, während die Belegung wechselte. Zeitweilig waren in Wittmundhaven die Düsenjäger vom Typ Me 163 stationiert. Am 15. August 1944 erlebte der Fliegerhorst einen schweren Luftangriff, bei dem etwa 2000 Bomben vom Himmel regneten. 1946 wurden die Rollbahnen und die Hallen gesprengt
1937, 21. 3. Berlin: Groß-Hamburg-Gesetz. Durch das Gesetz, das bereits am 1. April 1937 in Kraft tritt, verliert das Land Oldenburg (das seit 1934 keine eigenen Kompetenzen mehr besitzt) die Landes-teile Birkenfeld und Lübeck. Dafür wird Wilhelmshaven mit Rüstringen zu der oldenburgischen Stadt Wilhelmshaven vereinigt.
1937, 22. 4. Wilhelmshaven: Einweihung des neuen Kommando-Gebäudes der Kriegsmarine. Es wurde am 15. Oktober 1944 schwer beschädigt, aber wieder aufgebaut.
1937, 15. 9. Wilhelmshaven: Gründung des Städti-schen Orchesters. Seit 1950 Philharmo-nisches Orchster Nordwest. Der Klang-körper wurde am 31. Juli 1971 aufgelöst.

-1938-

1938, 27. 11. Bremen: Einweihung der "Dankeskir-che" in Sebaldsbrück. Eigentlich sollte das Gebäude "Horst-Wessel- und Hindenburg-Gedächtniskirche" heißen, was aber dem Gauleiter Carl Röver nicht gefiel, weswegen er diese Bezeichnung verbot. Es muss in der Sache bei den Nazis einen wahren Zwergenaufstand gegeben haben, weil sich neben dem in der Reichsverfasung nicht vorgesehenen Sohn des Reichspräsidenten auch Hitler genötigt sah, Stellung zu nehmen. Er entschied gegen den vorgesehenen Na-men, was einleuchtet, wenn man be-denkt, dass inzwischen die Kampagne der NSDAP gegen die christliche Rel-igion voll angelaufen war). Die Gebäude wurde dann Dankeskirche genannt. Gemeint war damit "der Dank an Gott für die Rettung Deutschlands durch den Führer". Im Krieg wurde Kirche durch Bomben, die in der Nähe einschlugen, beschädigt, aber nach der Befreiung von den Christen, die jetzt natürlich nicht mehr dem Führer dankten, repariert und dann bis 1967 weiter benutzt. Dann riss man den Bau ab.
1938 Bremen: Carl F. W. Borgward profitiert von der Aufrüstungs-Konjunktur des "III. Reichs" und erweitert entspre-chend seine Werke. In Sebaldsbrück hat er 22,27 ha Land erworben, auf denen er vier Fabrikhallen mit 45.804 Quadrat-metern Fläche bauen lässt. Die Zahl der Beschäftigten steigt enorm an. Im Jahre 1944 produzieren 9.065 "Gefolg-schaftsmitglieder" (so sagte man damals) 11.361 Fahrzeuge. Das war allerdings weit weniger als im letzten Friedensjahr ausgeliefert wurden: 1938 bauten 6.070 Borgwardianer 22.500 Autos. Im April 1943 beschäftigte Borgward 3100 "Fremdarbeiter", also praktisch Sklaven. Im Oktober 1944 wurden die Werksanlagen bei einem Luftangriff zu 80 Prozent zerstört. Die Produktion kam faktisch zum Erliegen: 1945 bauten 1.768 Beschäftigte nur noch 372 Autos.
1938, 28. 3. Bremen: Die jüdische Gemeinde verliert ihren Status als "Körperschaft des öffentlichen Rechts".
1938 - 1940 Nordenham: Auf dem Blexer Groden soll ein Fliegerhorst für die Luftwaffe entstehen. Dafür wird der Groden selbst eingedeicht. An der Weser entsteht ein kurzer Pier, der nur zum Teil fertig wird, dazu werden einige Hallen gebaut. Bei Volkers sieht man noch heute Flugzeug-hallen, die zur Tarnung äußerlich wie Bauernhöfe gestaltet sind. Außerdem wird noch das Stabsgebäude an der Papenkuhle fertig, das seit 1963 als Altershein genutzt wird. Die Arbeiten werden eingestellt, als nach dem West-feldzug der Luftwaffe die Flugplätze in den Niederlanden, Belgien und Nord-frankreich zur Verfügung stehen. Der Flugplatz diente dann bis 1945 als Werksflughafen von Weserflug in Eins-warden. In diesem Zusammenhang ent-steht hinter der Blexer Schule ein Ba-rackenlager, das zunächst vom Reichs-arbeitsdienst genutzt wird, dann Rekru-ten der Wehrmacht aufnimmt, die hier ausgebildet werden. Während der restlichen Kriegszeit sind in dem Lager Kriegsgefangene untergebracht, von denen im Winter 1941/42 nach offizi-ellen Angaben über 200 ermordet wur-den, indem die Lagerverwaltung sie vor den Augen der Blexer verhungern ließ. Nach der Befreiung wohnten ameri-kanische Soldaten in dem Lager. Schließlich finden in den Baracken, die längst ihre Tarnung eingebüßt hatten, Flüchtlinge und Vertriebene eine Unter-kunft. Inzwischen sind sie abgerissen.
1938 Nordenham: In Einswarden wird ein Chaukendorf, bestehend aus drei Häu-sern, entdeckt, kann aber nicht syste-matisch erforscht werden. Die Siedlung wurde, ebenso wie die Feddersen Wier-de, im 1. Jahrhundert vor Christus ge-gründet.
1938 Oldenbrok: Der Erdholländer in Alte-dorf-Barghorn wird abgerissen. Die Mühle war erst 1897 gebaut worden und diente auch der Entwässerung, genügte aber schon bald den Ansprüchen nicht mehr.
1938, 27. 10. Sande: Richtfest für das neue Marine-Lazarett. Heute Landeskrankenhaus Sanderbusch.
1938, 1. 6. Wilhelmshaven: Fedderwardergroden wird in die Stadt Wilhelmshaven einge-meindet.
1938 Wilhelmshaven: Begründung des Stadt-archivs. Der Bestand wurde im Novem-ber 1942 nach Eulenburg in Mähren ausgelagert und ist dort am 8. Mai 1945 durch Brand vernichtet worden.
1938 Wilhelmshaven: Auf der Marinewerft er-scheint die Belegschaft nicht zur Arbeit, als ihnen ohne ihre Zustimmung ein sog. Führergeschenk vom Lohn abgezogen wurde, das Hitler beim Stapellauf der "Tirpitz" überreicht werden sollte. Daraufhin wird die Aktion eingestellt.
1938 Wilhelmshaven: Vosslapp wird nach Wilhelmshaven eingemeindet und wird damit Großstadt.
1938, 9./10. 11. "Reichskristallnacht"

Da die sog. Reichskristallnacht" zentral angeordnet und gesteuert war, verlief sie auch überall in ganz ähnlichen For-men. Aus heutiger Sicht ist bemer-kenswert, dass die Anordnungen der Partei-Instanzen überall mit großem Eifer, ja, mit übergroßem Eifer, ausge-führt wurden, denn die vielfachen privaten Schikanen, zu denen es im Verlaufe der Aktion kam, waren sicherlich nicht befohlen, aber sie wurden geduldet, wahrscheinlich sogar gefördert. Irgendwelche Unmutsäuße-rungen, von Widerstand ganz zu schwei-gen, gab es nicht. Berichte dieser Art stammen aus der Nachkriegszeit und sind wenig glaubhaft. Von den etwa 40.000 Berufschristen, die es damals im Deutschen Reich gab, protestierte öffentlich nur der katholische Priester Lichtenberg in Berlin, sonst noch wer? Nein, keiner. Die anderen 39.999 schwiegen oder stimmten gar zu. Aber der Vorgang ist noch aus einem anderen Grunde wichtig: Bis zu diesem Tage hatten die Nazis ihre Terror-Maß-nahmen gegen die Juden irgendwie rechtlich abgesichert indem sie entwe-der vorhandene Paragraphen verdreh-ten, bis sie passten - Beispiel: die Schutzhaft - oder aber neue Gesetze erließen - Beispiel: Das Gesetz zur Rechtfertigung der Morde an Röhm, Schleicher und anderen. Da die Reichs-regierung angeblich befugt war, solche Regelungen zu treffen, hatten die Juristen gegen solche Vorschriften keine Bedenken. In der "Reichskristallnacht" platzte auch diese Ausrede, denn hier wurde das Deutsche Reich selbst zur Gangsterbande, indem es Mord und Raub geradezu befahl und organisierte. Und da der Vorgang öffentlich stattfand, alle Deutschen also davon Kenntnis nehmen mussten, wurde das ganze deutsche Volk zum Komplizen eines kollektiv begangenen Verbrechens. Im Falle des Massenmords in Auschwitz konnte man nach der Befreiung sagen, dass man davon, wenn man die Augen und die Ohren fest verschlossen gehalten hatte, nichts hatte wissen können, was natür-lich gelogen war, aber tun wir mal so, als ob das möglich gewesen wäre - eine solche Schutzbehauptung ist im Falle der Reichskristallnacht nicht mehr glaubhaft, weil der Vorgang allzu offensichtlich war. Bemerkenswert ist, dass nach der Befreiung niemand der Beteiligten aufgestanden ist und gesagt hat: "Was wir damals gemacht haben, war richtig, und wir werden das, was wir versäum-ten, nachholen, wenn wir noch einmal Gelegenheit dazu erhalten!’ Nein, das sagte niemand, stattdessen leugneten die Überlebenden das, was offensichtlich war, oder verkrochen sich hinter den-jenigen, die inzwischen gestorben waren - und Leichen gab es ja genug. Und dann: was hatte der Einzelne denn groß gemacht? Wie konnte auch derjenige, der den Benzin-Kanister in die Syna-goge schleppte, ahnen, dass er dazu bestimmt war, den Bau anzuzünden - und das Streichholz hat ja ganz jemand anders angerissen, und der ist leider gefallen, kann also nicht mehr zur Ver-antwortung gezogen werden. So fügte sich zur kriminellen Gesinnung die Charakterlosigkeit, was ja auch irgend-wie zusammengehört - und das überall, in Nürnberg ebenso wie in dem provinznest Aurich. Und das ist vorbei? Sicher nicht, so lange in Oldenburg die Mehrheit des Stadtrates, also die SPD, die CDU und die FDP, die für sich in Anspruch nimmt, "demokratisch" zu sein, zwar nicht die Verbrechen selbst, wohl aber die Ideologie, die zu ihnen motivierte, weiter billigen, indem sie den Nazi-Barden August Hinrichs weiter auf der Liste der Ehrenbürger der Stadt belassen - versteht man jetzt meine Empörung?

Nun könnte man sagen, dass das alles vergangen ist und uns aus dem Grunde nichts mehr angeht. Gewiss: Die "Reichskristallnacht" war ein furcht-barer Vorgang, zumal man sie als Vorübung für die weit schlimmeren Verbrechen werten muss, die noch folgen sollten, aber kann man irgend jemanden, der heute lebt, dafür noch verantwortlich machen? Natürlich nicht. Aber wir müssen bedenken, um was es damals wirklich ging. Massenmorde wie die in Auschwitz hat es in der Ge-schichte öfter gegeben - sie sind schrecklich und verwerflich, belasten auch ein Volk, sind aber keineswegs einzigartig. Aber wir haben Auschwitz nicht ausreichend benannt, wenn wir das Verbrechen als einen "Völkermord" bezeichnen, was daran deutlich wird, das man verzweifelt nach einen angemes-senen Begriff sucht, wobei ich weder mit dem Wort "Holocaust" noch mit dem anderen, nämlich "Shoah" zufrieden bin, aber einen konkreten Vorschlag kann ich auch nicht machen. Aber worum ging es damals wie heute: Die Nazis - unterstützt vom deutschen Volk - wollten mit den Juden nicht nur diese Menschengruppe (wie auch die Zigeuner, Polen, Tschechen, Russen und viele andre) ausrotten, sondern vor allem die Religion, die sie vertraten und aus der sich (unter anderem), das Konzept der "Menschenwürde" entwickelt hat, das heute die Grundlage unserer Verfassung bildet. Wer heute noch den Antisemitis-mus vertritt (und das tun Deutsch-nationale und christliche Dogmatiker notwendigerweise), indem er beispiels-weise den Nazi-Barden August Hinrichs auf der Liste der Ehrenbürger Olden-burgs belässt und so die Ideologie billigt, die er in seinem Werk vertreten hat, lehnt damit die demokratische Verfas-sung dieser Republik ab, mehr noch: negiert die Menschenwürde und damit das, was am Menschen menschlich ist. Es geht mir also nicht darum, gegen irgendjemandem, der heute lebt, einen Vorwurf zu erheben, der abgeleitet wird aus dem, was in der Tat vergangen ist, sondern darum,auch emotional eine Ideologie zu überwinden, die darauf abzielt, die "Aufklärung", wie sie in Deutschland durch Kant und Goethe vertreten wurde, ungeschehen zu ma-chen, eine Politik, die natürlich zur Folge hat, dass zwar nicht die Verbrechen der Nazis, wohl aber andere, die keines-wegs harmloser sein müssen, wieder möglich werden. Ich will durch diesen Hinweis wie überhaupt durch meine Arbeit deutlich machen, dass sich für alle, die sich als "deutsch" bezeich-nen, aus den Verbrechen der Nazizeit eine Aufgabe ergibt, der wir uns als Gruppe nicht entziehen sollten, so lange wir das Epitheton "deutsch" für uns in Anspruch nehmen und damit unsere Identität aus einer Ideologie beziehen, die dieses Verbrechen möglich gemacht hat. Doch nun zu den Ereignissen:Bremen: Die Synagoge in der damaligen Gartenstraße (heute Kolping-straße) wurde geplündert und niederge-brannt. Das Rosenakhaus, das der jüdi-schen Gemeindearbeit diente und neben der Synagoge lag, wurde verwüstet. Was von Wert war, stahlen die SA-Männer. Jüdische Geschäfte in der Innenstadt wurden verwüstet und ausgeplündert. Dasselbe galt für Wohnungen jüdischer Familien. Alle Juden, deren man habhaft werden konnte, wurden festgenommen und im Hof des Alten Gymnasiums festgehalten. Am Morgen schickte man die Frauen nach Hause. Die Männer wurden in das KZ Sachsenhausen ge-bracht. Damit nicht genug, ereigneten sich auch noch einige Mordtaten: In Platjenwerbe wurde Leopold Sinasohn in seiner Wohnung erschossen.In Burgdamm ermordeten SA-Männer den Arzt Dr. Goldberg und seine Frau in deren Schlafzimmer. In der Bremer Neustadt fielen zwei Brüder als Opfer ihrer "Mitbürger". In der Teidinghauser Straße wurde der Produktenhändler Heinrich Rosen-blum, ein armer Teufel, erschossen. In der Hohentorsstraße konnte der Fahrradhändler Zwienicki seinen Mördern entkommen, aber seine Frau starb unter den Kugeln der SA. Zu den Opfern der "Reichskristall-nacht"gehört auch Ludwig Weiß, der starb, weil er die Aufregungen der Nacht nicht ausgehalten hatte. Dann sei Frau Salomon erwähnt, die Selbstmord beging. >Auch die Synagoge in Aumund wurde niedergebrannt, jedoch erst am 10. November. An diesem Tage zerstörte die SA auch den jüdischen Friedhof an der Deichbruchstraße. Außerdem wur-den weitere Gechäfte geplündert. (So weit referiere ich nach Schwarzwälder, Geschichte der freien Hansestadt Bre-men, Band IV, 1985, S. 319) Weitere Ereignisse: In der Dechanatstraße erschlagen SA-Männer in der Nacht zum 10. November zehn Juden. An das Ver-brechen erinnert heute ein schwarzer Stein. (Nach Schwarzwälder wurden 5 Juden in Bremen und Umgebung ermor-det) Die SA verhaftet die jüdischen Männer und bringt sie in das Gefängnis in Oslebshausen, von wo sie in das KZ Sachsenhausen verbracht werden. Sie konnten aber nach einiger Zeit nach Bremen zurückkehren, was aber nur ein Aufschub war, denn wer nicht die Mög-lichkeit hatte zu emigrieren, wurde ent-weder am 18. November 1941 nach Minsk deportiert und dort ermordet oder aber später nach Theresienstadt ge-bracht. Im Jahre 1933 hatte die israelitische Gemeinde in Bremen 1500 Mitglieder, von denen 930 auswandern konnten. Die letzten 140 Juden lebten 1942 in einem Altersheim in Gröpelingen und wurden von dort zuerst nach Theresienstadt und dann nach Auschwitz transportiert, wo sie ermordet wurden.
Bremerhaven/Wesermünde:
SA brennt die Synagoge in der Schulstraße nieder, verwüstet den jüdischen Friedhof und zerstört die Friedhofskapelle. Es werden auch Geschäftshäuser in Brand gesteckt. Betroffen war unter anderem das Kauf-haus Schocken, dann das Manufak-turgeschäft Katzenstein und das Orient-haus. Juden wurden auch hier miss-handelt. Einige wurden blutig geschla-gen. In einer Arztpraxis legt die SA ebenfalls Feuer, überdies verwüstet sie mehrere Wohnungen. Der Geldschrank eines jüdischen Viehhändlers wird von SA-Männern gestohlen. Damit haben aber die Schikanen kein Ende. So wer-den die Juden, wie überall im Reich, faktisch enteignet und dürfen vom 1. 1. 1939 an kein Einzelhandelsgeschäft und keinen Handwerksgeschäft mehr führen. Der Judenstern stigmatisierte sie schließlich endgültig als Angehörige "einer parasitären Rasse", wie der Reichspropaganda-Minister Goebbels sagte.Diejenigen, denen es nicht gelungen war, zu emigrieren, wurden zunächst in Wesermünde in den Häusern Wurster Str. 106, Lange Str. 143 und Raabestr. 20 interniert, dann mussten sich alle, die jünger als 65 Jahre alt waren, am 27. 1. 1941 am Bahnhof von Wesermünde einfinden, um deportiert zu werden. Sie wurden zunächst nach Bremen gebracht, wo die deutschen Dienststellen einen Transport mit 570 Menschen zusammengestellten. Die Rei-se endete in Minsk. Hier wurden am 28. und 29. Juli 1942 10.000 Menschen ermordet, darunter die Juden von der Unterweser. Es überlebte keiner. Die Juden in Wesermünde, die älter als 65 Jahre alt waren, kamen am 23. Juli 1942 nach Theresienstadt. Von dieser Gruppe überlebte eine Frau. Nach der Befreiung kehrten drei Juden zurück - einer aus Chile, einer aus Amerika und einer aus Theresienstadt. In Minsk wurden 49 Juden aus Bremerhaven umgebracht. Die juristische Aufarbeitung der "Reichs-kristallnacht" verlief in Bremerhaven (wie überall) kläglich: Am 27. März 1948 wurden 27 Männer, die an den Ver-brechen im Jahre 1938 beteiligt waren, von einem Bremer Schwurgericht zu Haftstrafen verurteilt.
Rüstringen/Wilhelmshaven:
SA- und SS-Männer brennen die Synagoge ab und plündern jüdische Geschäfte. Die jüdi-schen Männer werden in der Jahnturn-halle eingesperrt und von hier aus - über Oldenburg - in das KZ Sach-senhausen verschleppt. Waltraud Brand erinnerte sich 1975: "Wilhelmshavener holte ihre jüdischen Mitbürger aus ihren Wohnungen, misshandelten sie und trie-ben sie durch die Straßen zur ‚Jahn-Halle’... Einigen hatte man Papp-schilder umgehängt und darauf ge-schrieben: ‚Ich bin eine Judensau.’ Viele andere Bürgerinnen und Bürger standen an den Straßenrändern und schauten zu. Eine Menge Halbwüchsiger war dabei (Hatte man ihnen frei gegeben?) Einige warfen gar mit Steinen oder bespuckten die Drangsalierten." (Hartmut Büsing: "... so viel unnennbare Leiden erduldet." 1986, S. 12" Die Frauen und Kinder durften (vorerst) dann nach Hause gehen, die Männer hingegen wurden über Olden-burg in das Konzentrationslager Sach-senhausen gebracht.
Jever:
Auch hier wird die Synagoge auf Befehl des Gauleiters Carl Röver in Schutt und Asche gelegt. Damit endet eine ganze Serie von Schikanen, die darin bestanden, dass einerseits der jüdischen Gemeinde immer wieder die Scheiben eingeschlagen wurden, ande-rerseits die Polizei den Juden, offenbar zur Strafe dafür, dass sie geschädigt wurden, auferlegte, den Schaden immer wieder auf eigene Kosten auszubessern, während die Täter natürlich nie ermittelt wurden. So war denn die Aktion vom 10. November 1938 psychologisch gut vorbereitet. Hartmut Peters fasst seine Schilderung der Ereignisse, in der er übrigens nachträglichen Übertreibungen entgegentritt, in der Feststellung zu-sammen, dass die nichtjüdischen Jever-aner im Wesentlichen das taten, was ‚vollzogen’ werden sollte. Dann sagt er weiter: "... das aber dann mit un-verkennbarer Dienstfreude: Die Zerstö-rung der Synagoge, die Verhaftung der Juden und die Wegnahme ihrer Werte. Verglichen mit den Geschehnissen in anderen Städten, erscheint einem der Judenpogrom von Jever so relativ ‚nor-mal’. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Denn das arbeitsteilige Verfahren bruta-ler Ausgrenzung und schließlicher Er-mordung einer ganzen Gruppe der Be-völkerung, bei dem auch das schlechte Gewissen portioniert wurde, erlebte in Jever einen besondes erfolgreichen Pro-belauf. Es kam zu recht wenig Rei-bungsverlusten und ‚unnötigen’ Ara-besken. Das Handlungsschema von Befehl und Gehorsam, die antisemitische Grundeinstellung und die ‚deutschen’ Tugenden Pflichterfüllung, Organisa-tionsfähigkeit und Gründlichkeit waren vorhanden. Aufflackernde kriminelle und sadistische Impulse und die ‚Gelegen-heit-macht-Diebe-Mentalität’ aus den Kellern bürgerlicher Anständigkeit konnten sich jetzt gefahrlos mit der genannten Mischung paaren. Jever ist, so gesehen, ein Lehrstück über das, was normal ist, ohne es zu sein." ("Peters: Die Reichskristallnacht in Jever, 1992, S. 44f) Dem ist, aus meiner Sicht, nichts hinzuzufügen, es sei denn eine statisti-sche Angabe: Zu diesem Zeitunkt lebten in Jever noch etwa 50 Juden. Nach-weisen lassen sich, laut Peters, 27 Frauen, 15 Männer und 15 Jugendliche bzw. Kinder. 14 Jeveraner wurden in dieser Nacht nach Oldenburg gebracht und von dort in das KZ Sachsenhausen transportiert. Die Geschäfte und Woh-nungen der Juden wurden geplündert, woran sich neben der SA, auch Zivilisten und Hitlerjungen beteiligten. Im übrigen ließ sich niemand das Schauspiel entgehen "Man kann davon ausgehen, dass mehr oder weniger ‚ganz Jever’ auf den Beinen gewesen ist." ("Peters: Die Reichskristallnacht in Jever, 1992, S. 44) So viel zu denen, die von allem nichts gewusst haben.
Esens:
Die Synagoge wird von Nazis niedergebrannt. (Nachträglich entstand in Esens ein Disput darüber, ob die SA oder die SS den Brand gelegt hätte - als ob es darauf ankäme!) Die Esenser Juden - Männer, Frauen und Kinder - wurden im Hof hinter dem Rathaus zusammengetrieben "Als die Esenser Juden dort alle angekommen waren, riegelten die Nazis diese Pforte hinter ihnen ab. So, vor aller Augen wie Vieh hinter Gitter gefangen, waren die jüdischen Menschen der demütigenden Behandlung ihrer Bewacher schutzlos ausgeliefert." (Gerd Rokahr: Die Juden in Esens. 1994, S.194) Unterdessen streiften SA-Kommandos durch die Stadt, drangen in die leerstehenden Wohnungen der Juden ein und stahlen, was ihnen mitnehmenswert erschien. Als das geschehen war, wurden die Frauen und Kinder wieder entlassen, während die Männer die Nacht in der Stadt-scheune verbringen mussten, ehe man sie nach Oldenburg schaffte, von wo aus sie in das KZ Sachsenhausen verbracht wurden. Rokahr meint: "Die meisten Deutschen empfanden nur Abscheu und Empörung angesichts des Pogroms" (Gerd Rokahr: Die Juden in Esens. 1994, S. 195) und berichtet, dass es in einer Gastwirtschaft sogar zu tätlichen Aus-einandersetzungen zwischen der SA und wütenden Esensern gekommen sei, nennt aber in diesem Fall keine Quelle. Solche nachträglichen Entschuldigungen werden in großer Zahl berichtet - ich glaube nicht an sie. Wenn die Menschen wirklich empört gewesen wären, wenn also die Nazis wegen der Reichskris-tallnacht die Loyalität der Deutschen eingebüßt hätten, wäre all das, was dann folgte, nicht möglich gewesen - aber es war möglich, also gab es die von Rokahr vermutete Empörung nicht, vielleicht zeigte sich in dem einen oder anderen Fall, wenn es jemanden getroffen hatte, den man kannte, eine gewissen Betrof-fenheit - mehr aber nicht. Bemer-kenswert an den Vorgängen in Esens ist, dass sich der Terror, nachdem die Juden abtransportiert worden waren, sofort verselbstständigte und sich nun gegen eine neue Gruppe richtete: die Juden-freunde. ("Judengenossen" im Jargon) Wer dazu gehörte, definierten die Schläger der SA. Waren bis dahin also relativ genau definierte Gruppen be-droht, nämlich Juden, Kommunisten oder Homosexuelle, zu denen man als anstän-diger Deutscher ohnehin nicht gehörte, so konnte jetzt jeder Betroffen sein, was man sich allerdings nicht in sofort klar machte. Noch konnte man hoffen, heil irgendwie durchzukommen, wenn man sich duckte, aber richtig dürfte sein, dass nach der Reichskristallnach alle Angst bekamen, nicht nur die Juden, aber dann schuf der Krieg bald neue Bedingungen - und für viele neue Chancen. Die weitere Geschichte der Juden in Esens ist rasch erzählt: Wer von den Männern in Sachsenhausen nachwies, dass er auswandern konnte, wurde entlassen, die anderen blieben in Haft. Die Hinterbliebenen in Esens wur-den ausgeraubt und dann im Haus Burg-straße 60 zusammengezogen, wovon sie dann im Frühjahr 1940 ihren Weg in den Osten und damit in den Tod antraten. Am 16. April 1940 konnte ein Kreis-oberinspektor in Wittmund dem Regie-rungspräsidenten in Aurich berichten, dass die Städte Esens und Wittmund "judenfrei" seien. Die Bilanz: "Von den insgesamt 193 jüdischen Esensern konnten sich etwa 56 ins Ausland retten. Es bleiben demnach ungefähr 83 Juden übrig, die entweder vor dem Ende des Krieges den Tod fanden, oder deren Schicksal bis heute ungeklärt geblieben ist." (Gerd Rokahr: Die Juden in Esens. 1994, S. 214)>
Wittmund:
Über die Ereignisse in der Kreisstadt habe ich (bislang) nichts gefunden. Wahrscheinlich war dies die Oase in einer lebensfeindlichen Wüste der Unmenschlichkeit, in der die Nazis keine Chance hatten, oder gab es dort keinen Rokahr, der die Erinnerung auf-gefrischt hätte?

1938, 12. 11. Bremen: Die Juden müssen auf eigene Kosten alle Schäden an Wohnungen und Geschäften beseitigen. Außerdem muss die Gemeinde für die Beseitigung des Bauschutts der Synagoge 5000 RM zahlen. Volkswirtschaftlich wichtige Be-triebe, die bislang in jüdischem Eigentum waren, bestehen weiter, erhalten aber eine "arische" Leitung, werden also faktisch enteignet. Die weiteren Maß-nahmen folgten dann Schlag auf Schlag, um im Jargon der Zeit zu bleiben. Einige Beispiele: Nach der "Reichskristallnacht" wurden jüdische Schüler vom Unterricht "dispensiert", also von der Schule geworfen. Sie besuchten seit dem Sommer 1939 die jüdische Schule in der Kohlhökerstraße. Am 1. Juli 1942 wurden alle jüdischen Schulen geschlossen. Im Februar 1939 mussten die Juden Wertgegenstände wie Schmuck und Kunstwerke an die Behörden abliefern, was für die Nazibonzen wieder ein willkommener Anlass war, sich zu be-reichern, wie ja überhaupt in der Nazi-zeit, nicht zuletzt durch die Ausplün-derung der Juden, das Übel der Korrup-tion in die deutschen Verwaltungen einzog. >Über die Reaktion der bremischen Bevölkerung weiß Schwarzwälder zu berichten: "Offener Protest gegen die Aktionen wurde im November 1938 nicht laut; es ist zuverlässig überliefert, dass die Masse der Bevölkerung sie gleich-gültig hinnahm, dass es aber doch bis in die Spitze der Partei- und Staatsführung einige Bremer gab, die sie sehr skep-tisch beurteilten; dafür hatten sie zum Teil humanitäre Gründe; aber es wurde vor allem die unkontrollierte Zerstör-ungswut kritisiert. Viele Kaufleute bedachten die Wirkung im Ausland, die negativ für den Handel sein konnten." (Schwarzwälder: Geschichte der Freien Hansestadt Bremen, Bd. IV,1985, S. 319) Man muss sich das auf der Zunge zer-gehen lassen: Da werden nicht nur Sachwerte zerstört, sondern Menschen ihrer Freiheit beraubt und auf offener Straße oder in ihren Wohnungen ermordet - und die Bremer (wie überhaupt die Deutschen dieser Zeit) haben "zum Teil humanitäre Gründe", um das zu kritisieren! Die christliche und deutschnationale Hetze gegen die Juden, die ja seit jeher betrieben wurde und unter den Nazis nur intensiviert worden war, hatte ihre inhumane Wirkung getan. Pfui. Doch weiter: "Nach der ‚Kristallnacht’ sah niemand deutlich, wie sich die Judenpolitik weiter entwickeln würde. Zunächst einmal war nur erkennbar, dass sie auf Diskriminie-rung, Verarmung und gelegentliche ge-waltsame Übergriffe eingestellt war ..." (Schwarzwälder: Geschichte der Freien Hansestadt Bremen, Bd. IV,1985, S. 319) Ja, verehrter Herr Professor, ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es schwer ist, das, was offen am Tage liegt, auch schwarz auf weiß zu Papier zu bringen und trotzdem: Sie dokumentieren mit großer Zuverlässigkeit, wie sich die Diskriminierung der Juden vom 31. 1. 1933 an in Bremen (wie überall im Reich) aufbaut. Gewiss: es gab Phasen, in denen die Hetze zurückgenommen wurde. Vor allem die Zeit der Olym-pischen Spiele ist hier zu nennen, aber unterbrochen, gar abgebrochen wurde sie nie - und es war klar, dass die Politik der Nazis darauf hinauslief, die Juden zunächst aus der deutschen Ge-sellschaft, dann aber aus der Menschheit auszuschließen. Das geschah in der Tat zunächst auf dem Wege der Diskriminie-rung, Verarmungung der gelegentlichen gewaltsamen Übergriffe, die offenbar den Zweck hatten, die Reaktion der Bevölkerung zu testen, aber als diese, wie Sie ganz richtig schreiben, das gleichgültig hinnahm, ja, wie ich hinzu-füge, großenteils begrüßte und zum eigenen Vorteil nutzte, ging man weiter, indem man zunächst einzelne Juden er-mordete, dann alle übrigen auch optisch und räumlich ausgrenzte, was Sie richtig darstellen, und schließlich in den Osten abtransportierte. Und was geschah dort? Das wusste niemand? Was ist wohl mit Menschen aus den Niederlanden ge-schehen, die gerade in überfüllten Vieh-waggons nicht nur durch Oldenburg, sondern auch durch Bremen gefahren worden waren (wobei die Züge in Oldenburg gelegentlich lange Zeit mitten auf dem Pferdemarkt stehen blieben), deren Nachlass dann verteilt an verdiente Partei- und Volksgenossen verteilt wurde, wie das dann im Kriege geschehen ist, als in Oldenburg und sicherlich auch in Bremen Möbeln aus dem Eigentum niederländischer Juden ausgegeben wurden? Das war doch ganz eindeutig. Nun gut - das war später, aber der Zufall bringt es mit sich, dass mir die Tagebuch-Eintragung einer Schülerin zugeschickt wird, die die "Reichskristallnacht" in Bremen erlebt hat. Sie schrieb damals: "In Bremen ging ich durch die Obernstraße zur Schule, wo ich ein paar jüdische Ge-schäfte wusste, die ja seit einigen Wo-chen durch Plakate gekennzeichnet sind. Das war ein Bild! Die großen Spie-gelscheiben zertrümmert. Die Waren mit Glasscherben vermengt, durcheinander gewühlt, alles kurz und klein geschlagen. SA-Männer davor und riesige Plakate: ‚Tod dem internationalen Pack und al-len, die mit Juden Gemeinschaft ha-ben.’"So las man damals in Bremen an der Obernstraße - aber niemand hat gewusst, wohin das, was führen sollte, was damals im Gange war ...Richtig ist: Der Papst und ich, der ich zum Zeitpunkt der Befreiung zehn Jahre alt war, wussten, dass die Juden ermor-det wurden - waren dann alle anderen schimmerlos? Sicherlich nicht, aber richtig ist auch, dass weder der Papst noch ich dabei das hatten, was man als ein "schlechtes Gewissen" bezeichnen kann, denn ein solches Vorgehen schien uns normal zu sein, weswegen wir auch dagegen gleichgültig sein konnten. (Gewiss: Der Papst hat Juden gerettet - wenn sie getauft, also aus katholischer Sicht keine Juden mehr waren - und die anderen?) Diese Erinnerung erfüllt mich noch heute mit Entsetzen und Scham, doch lassen Sie mich hier abbrechen, denn ich weiß keine Entschuldigung für mein Versagen.
1938 Bremen. Kasernenbau in der Vahr.
1938, 18. 9. Blumenthal: Nachdem gegen den Protest der Gemeinde die Kreuze aus der kath-olischen Schule entfernt worden waren (nunmehr trat an ihre Stelle ein Hitlerbild), fertigte Küster Meinecke aus Teakholz ein Kreuz an, zu dem man sich einen Corpus aus Oberammergau be-schaffte. Das Kruzifix wurde vor der Kirche gegenüber dem Hauptportal aufgestellt. Heute steht es auf dem katholischen Friedhof. (1935 und 1937 mussten sich Kapläne der Blumenthaler Gemeinde bei der Gestapo verantworten, wurden aber wieder frei gelassen. Dass die niedere Geistlichkeit der katholi-schen Kirche sehr mutig den Nazis wi-dersprachen, erleben wir öfter, aber das geschah immer erst dann, wenn die Interessen der römischen Kirche unmit-telbar berührt waren. Der Episkopat dagegen unterstützte die Nazis, vor allem ihren Kampf gegen den Bolsche-wismus. Das Schicksal der Juden, so weit sie nicht katholisch getauft waren, blieb der katholischen Kirche wie den Christen ganz allgemein, wenn man von Lichtenberg absieht, gleichgültig.
1938, 24. 5. Lemwerder: Einweihung der Eschhof-schule. Der Neubau war für die Verhält-nisse des Dritten Reiches bemerkens-wert. In der Gemeinde Blexen wurde in der kurzen Blütezeit der Weimarer Re-publik immerhin die Blexer Schule gebaut, aber in Oldenburg, wo in der sog "Systemzeit" zwei große Schulen ent-standen, hinterließen die Nazis nur rie-sige Kasernen-Anlagen. In Lemwerder war das deshalb anders, weil durch die Ansiedlung von Weserflug seit 1936 die Eschhof-Siedlung errichtet worden war, für die man nun Schulraum brauchte. Weitere Daten: 25. August 1937 Grund-steinlegug, 25. September 1937 Richt-fest. Die Siedlung selbst ist übrigens ziemlich gut erhalten.