-1945-

1945, 3. 2. Wesermünde: Letzter Bombenangriff auf Wesermünde.
1945, 25. 2. Bremen: Von nun an erfolgen die Angriffe auf Bremen im "rollenden Einsatz". Sie richten sich zunächst gegen die AG Weser.
1945, 11. 3. Bremen: Amerikanische Flugzeuge wer-fen 6.000 Sprengbomben und 300 Brandbomben auf die AG Weser, die Häfen und auf weitere Verkehrsanlagen, Dabei werden mehrere Erdbunker getroffen. 68 Tote.
1945, 21. 3. Bremen. Großangriff auf die Häfen.
1945, 22. 3. Bremen: Großangriff insbesondere auf die Eisenbahnbrücke und die "Adolf-Hitler-Brücke". 18 Tote
1945, 23. 3. Bremen. 120 britische Bomber greifen den Bremer Bahnhof an und beschädigen die Verkehrsanlagen schwer. Benachbarte Wohnhäuser gehen in Flammen auf. Die Eisenbahnbrücke über die Weser ist nicht mehr befahrbar. In den Nordflügel des Doms schlägt eine Sprengbombe ein.
1945, 27. und 30. 3. Bremen: Britische Flugzeuge werfen Spezialbomben auf den noch nicht ganz fertiggestellten U-Boot-Bunker "Va-lentin" bei Farge, die die Baustelle weitgehend verwüsten. Der Bunker ist seit 1943 im Bau. Von den Ausmaßen gibt vielleicht eine Zahl eine Vorstellung: Das Bauwerk hätte, wenn es denn fertiggestellt worden wäre, mit 2.000.000 Tonnen den Boden belastet. Insgesamt hatte der Bunker eine Länge von 420 Metern. Man hoffte hier 150 U-Boote des Typs XXI jährlich produzieren zu können. Dazu ist es indes nie gekommen. Auf der Baustelle arbeiteten unter unmenschlichen Bedingungen 10.000 bis 12.000 Menchen bis zu 69 Stunden in der Woche, die meisten da-von Gefangene aller Kategorien. In und um Farge gab es ein ganzes System von Lagern - wenn ich richtig gezählt habe insgesamt sieben - in denen die Produktion untergebracht waren. Sie unterstanden zumeist dem Konzentra-tionslager Neuengamme. Der Bunker wurde nach der Produktion zum Teil von der Bundeswehr genutzt. Er ist heute eine Gedenkstätte. An die Leiden der Opfer erinnert auch ein Denkmal von Friedrich Stein, Bremen, das am 17. September 1983 enthüllt wurde. Ein weiteres Mahnmal steht auf der Bahrsplate in Blumenthal.
1945, 30. 3. Bremen: Weitere Bombenangriffe. Adolf-Hitler-Brücke total zerstört. Auf dem Gelände der AG Weser wird der Bunker "Hornisse" getroffen. Die Arbeiten werden daraufhin eingestellt
1945, 1. 4. Bremen: In der Ostkrypta des Doms findet der letzte Gottesdienst während des Krieges statt.
1945, 5. 4. Bremen; Die Wehrmacht verlegt verstärkt Truppen in den Raum Bremen. Die Marine beginnt, die Zerstörung der Werftanlagen vorzubereiten. Vom 21. April 1945 an werden die Maßnahmen dahin abgemildert, dass nunmehr nur noch die "nachhaltige Lähmung" der Anlagen beabsichtigt ist.
1945, 6. 4. Bremen: Britische Panzer stoßen bis Hoya vor. Der Sturm auf Bremen be-ginnt.
1945, 7. 4. Bremen: Die Briten besetzen Bassum
1945, 8. 4. Bremen: Die Briten besetzen Syke. In der Stadt löst sich die Gestapo auf.
1945, 9. 4. Bremen: Die Briten besetzen die Linie Wildeshausen-Syke-Kirchweyhe-The-dinghausen. Die Stadt Bremen wird mit Artillerie beschossen. - Die Briten ge-hen bei Hoya über die Weser und bilden einen Brückenkopf.
1945, 17. 4. Bremen: Die Briten nehmen Verden ein.
1945, 19. 4. Syke: Generalfeldmarschall Montgomery besucht die Truppen, die gegen Bremen vorgehen. Die Briten besetzen Delmen-horst
1945, 20. 4. Bremen. Auf den stadtbremischen Werf-ten ruht die Arbeit, weil nunmehr die Front zu nahe ist. In Bremen Nord stellen die Werften vermutlich erst am 27. April 1945 die Arbeit ein, in We-sermünde am 30. April. Zurück bleiben nur kleine Wachmannschaften, die die alliierte Besatzer erwarten.
1945, 20. 4. Bremen: Britische Truppen besetzen Kirch- und Mittelhuchting. Schon am 19. April befinden sie sich in Stuhr. Nun schießen die Engländer Flugblätter in die Stadt, in denen sie die Besatzung zur Kapitulation innerhalb von 24 Stunden aufgefordern. Falls sie nicht erfolgt, werde es zum Einsatz aller Waffen kom-men. Die Bevölkerung Bremens lebt in Kellern und Bunkern.
1945, 22. 4. Bremen: Bombenangriff auf Hastedt und Sebaldsbrück. Borgward ist am Ende. Ziele sind auch die Weserbrücken.
1945, 23. 4. Bremen: Gauleiter Wegener verlässt von Oldenburg aus den Gau und begibt ich in das Hauptquartier des Großadmirals Dönitz, wo er als Staatssekretär der letzten Reichsregierung angehört. Er hatte zuvor die Kapitulation Bremens verhindert und über den Rundfunk noch eine Durchhalte-Rede gehalten.
1945, 24. 4. Bremen:. Auf deutscher Seite kann man sich nicht zur Kapitulation durchringen. Deshalb beginnt numehr der britische Angriff auf die Stadt. Am 25. April wird der Flugplatz erreicht. Im Stadtinnern erreichen die Briten den Bahnhof ebenso Osterholz, Horn und Teile von Oberneuland. Am 26. April ist die Neustadt befreit. Dann erreichen die Briten den Stern und den Bürgerpark. Am 27. April endlich ergibt sich der Stab des Stadtkommandanten. Der Befehlsha-ber selbst, Generalleutnant Becker, ist offenbar psychisch gelähmt und unfähig eine Entscheidung zu treffen.
1945, 6. 4. Bremen. Das Lager Riespott wird aufgelöst. Die Gefangenen werden unter schrecklichen Begleitumständen ab-transportiert.
1945, 22. 4. Bremen: Die Straßenbahnen verkehren nicht mehr.
1945, 23. 4. Bremen. Der letzte Fliegeralarm in der Stadt. Am 24. April folgen noch zwei Tagesangriffe, bei denen 19 Menschen sterben und 50 schwer verletzt werden. Am 24. April 1945, um 13.14 Uhr geben die Sirenen ein letztes Mal Alarm. Entwarnung wird nicht mehr gegeben. Bilanz. Bei 173 Luftangriffen wurden auf Bremen wurden 41.628 Sprengbomben und 847.758 Brandbomben abgeworfen. 3852 Menschen starben bei den Luft-angriffen.
1945, 26. 4. Borgfeld. In letzter Minute werden noch die Brücken gesprengt, die über die Wümme führen.
1945, 26. 4. Bremen: Bürgermeister Duckwitz emp-fängt in seinem Dienstsitz, dem Rathaus, einige britische Offiziere. Er lehnt die Kapitulation ab, weil dazu der Kom-mandant der Wehrmacht zuständig sei, erklärt sich aber ansonsten zur Zusam-menarbeit mit der Besatzungsmacht be-reit.
1945, 26. 4. Bremen: Britische Soldaten stellen an dem Dom Schilder mit diesem Text auf: "Dieses Gebäude und dessen Inhalte sind vom internationalen und histo-rischen Standpunkt bedeutende Kunst-werke. Es ist streng verboten, Andenken wegzunehmen oder das Gebäude auf jede Weise zu entstellen oder zu entschädigen."
1945, 27. 4. Bremen. Für die Stadt Bremen ist der zweite Weltkrieg vorbei. Die Stadt ist weitgehend zerstört. Die Trümmermas-sen werden auf 5,5 Millionen cbm ge-schätzt, von denen in der westlichen Vorstadt, im Findorffviertel, in der Neustadt und in Hastedt bis 1947 erst 510.000 cbm beseitigt sind. Der Schutt wird für Uferbefestigungen an der We-ser genutzt. Außerdem erhöht man damit hie und da das Gelände. Schließlich können 22,6 Millionen Ziegelsteine wie-der verwendet werden. Die weitere Bi-lanz des Krieges:
  • 61 Prozent der Wohngebäude zerstört.
  • 60 Prozent der Schulen liegen in Trümmern.
  • In den Ruinen wohnen noch 292.000 Menschen (160.000 weniger als bei Kriegsbeginn)
  • Die BVG, deren letzte Bahn noch am 22. April 1945 auf der Linie 3 (Richtung Hohwisch) gefahren war, verfügt nur noch über 18 Triebwagen und 29 Beiwagen. Im Jahre 1940 fuhren in Bremen 245 Triebwagen und 319 Beiwagen. Die Fahrleitungen waren zu 80 Prozent zerstört. Von 51 Bussen waren 18 einsatzfähig.
  • Der Bestand an Autos ist auf 89 Kraftfahrzeuge im Jahre 1945 gesunken. 1948 sind es erst 7.225 Fahrzeuge. Benzin ist rationiert, Reifen können kaum beschafft werden
  • Im Hafen sind 88 % der Schuppen und 65 % der Kräne zerstört, aber die Kajen sind nur zu 20 % unbenutzbar. In den Hafenbecken liegen etwa 230 Schiffswracks.
  • Der Norddeutsche Lloyd hat im Krieg 66 Schiffe mit 521.000 BRT verloren. Zwanzig Schiffe mit 92.000 BRT müssen nach der Produktion abgeliefert werden. Die größte Einheit der Lloyd-Flotte ist die "Bogotà" mit 1200 BRT.
Trotz der enormen Zerstörungen setzt der Wiederaufbau, vor allem dank ame-rikanischer Hilfe, rasch ein. Bremen er-reicht bereits 1950 den Umschlag von 1938, dann folgte der schnelle Auf-schwung, der alle Sparten der Hafen-wirtschaft erfasst und erst 1975 mit dem Beginn der Werftenkrise endet.
1945, 27. 4., 18.00 Uhr Bremen: Offizielles Ende der Kampf-handlungen in der Hansestadt. Die Han-sestadt selbst ist frei.
1945, 3. 5. Vegesack: Mit der Kapitulation Bremens ist der Krieg nicht beendet. Noch am 3. Mai wird Vegesack beschossen.
1945 Borgfeld: Die bisherige Landgemeinde wird nach Bremen eingemeindet. Das-selbe gilt für Lehesterdeich.
1945 Huchting: Auch die Gemeinde Huchting wird nach Bremen eingemeindet.
1945 Oberneuland: Die Gemeinde wird nach Bremen eingemeindet.
1945, 9. 4. Wesermünde. Die Verwaltung der Stadt beginnt, die Lebensmittel-Vorräte zu räumen und an die Bevölkerung zu ver-teilen, damit sie sich während der be-vorstehenden Belagerung versorgen kann. Das geschieht in Form von Sonderzuteilungen, die bis zum 29. April 1945 wiederholt werden.
1945, 3. 5. Langen. Die Batterie bei Langen gibt die letzten scharfen Schüsse des Zweiten Weltkriegs im Raum Wesermünde ab. Das Ziel ist ein britischer Panzerverband bei Lintig. Das Feuer wird eingestellt, als der Feind mit einem Bombenangriff droht.
1945, 4. 5. Wesermünde. Die Kampfhandlungen im Raum Wesermünde hören faktisch auf, weil die Soldaten beider Seiten die deutsche Kapitulation erwarten.
1945, 5. 5. Wesermünde. In Norddeutschland schweigen die Waffen, nachdem Gene-ralfeldmarschall Busch die allgemeine Kapitulation unterzeichnet hat,
1945, 7. 5. Wesermünde. Britische Truppen beset-zen die zerstörte Stadt. Die letzte Aus-gabe der Nordwestdeutschen Zeitung erscheint. Die Vorschriften über die Verdunkelung werden aufgehoben. In den folgenden Tagen wird die öffentliche Sicherheit in Wesermünde (wie überall) zum Problem. Harald Neujahr schreibt: "Viele Fremdarbeiter waren unmittelbar vor dem Einmarsch (der Briten, Anm. d. Verf.) auf einen Frachter gebracht worden, der auf Reede fuhr und dort ankerte. Nach dem Einmarsch kam das Schiff zurück, die Insassen wurden freigelassen. Viele von ihnen durchzo-gen die Stadt auf der Suche nach Nah-rungsmitteln, Kleidern, Bier und Schnaps. Im Fischereihafen und in der ländlichen Umgebung kam es zu Ausschreitungen, Misshandlungen und Plünderungen. Nur mit Mühe konnte das Kühlhaus geschützt werden..." (Harald Neujahr: Das Ende des Zweiten Weltkrieges im heutigen Bremerhaven." 1985, S. 71-72)
1945, 11. 5. Wesermünde. Der amerikanische Stadt-kommandant, Major Davis, eröffnet dem Oberbürgermeister Delius, dass er ab-gesetzt worden sei, Grund: Er war Mit-glied der NSDAP. Delius übergibt da-raufhin die Geschäfte an seinen Stell-vertreter Richter. Delius wurde später von der britischen Polizei verhaftet.
1945, 12. 5. Wesermünde. Gemeinsame Siegesparade britischer und amerikanischer Truppen im Stadtzentrum. Danach übergeben die Engländer Wesermünde offiziell an die USA. Sie ziehen am 16. Mai tatsächlich ab. Vom 19. Mai an übernehmen die Amerikaner die Kontrolle der Stadt.
1945, 9. 5. Bremen. Die britischen Kampftruppen ziehen ab, dafür rücken Amerikaner in die Stadt ein. Sie treten zunächst durch-aus als Besatzungsmacht, die von der Bevölkerung ein feindseliges Verhalten erwartet und entsprechend reagiert. Vor allem besteht anfangs in striktes Frau-ternisierungsverbot. Diese Politik lässt sich aber nicht lange durchhalten, denn um die Stadt zu verwalten, sind die Amerikaner auf die Unterstützung durch deutsche Dienststellen angewiesen, die sie auch erhalten, und was die Frater-nisierung angeht, so wird sie durch die Soldaten selbst ausgehebelt, die die hungernden Kinder beispielsweise mit Süßigkeiten versorgen.
1945, 13. 5. Bremen. Die amerikanische Verwaltung nimmt ihre Arbeit auf. Bremerhaven wird zum Nachschubhafen für die Trup-pen der USA in Deutschland. Das hat zur Folge, dass die Freie Hansestadt Bre-men, die den Kern der amerikanischen Enklave in der britischen Zone bildet, ihre Selbständigkeit behält. Außer Bre-men und Bremerhaven verwalten die Amerikaner noch die Landkreise Weser-münde, Osterholz-Scharmbeck und We-sermarsch.
1945, 16. 5. Wesermünde. Die letzten Briten rücken aus Wesermünde ab. Neujahr schickt ihnen 1985 dieses Zeugnis nach: "Die Engländer haben sich in den wenigen Tagen, in denen sie in Wesermünde waren, äußerst korrekt verhalten. Kein Deutscher, der mit ihnen zu tun hatte, ist als Feind behandelt worden. Im Rahmen des Möglichen haben sie sich um Recht und Ordnung bemüht."(Neujahr: Das Ende des Zweiten Weltkrieges im heutigen Bremerhaven, 1985, S. 74). An anderer Stelle schreibt Neujahr, dass die Kräfte der Briten nicht ausgereicht hät-ten, um die Unruhen im Fischereihafen zu beenden. Erst die Amerikaner brach-ten auch diesen Bereich unter ihre Kon-trolle und beendeten die Plünderungen.
1945, 17. 5. Bremen. In Vegesack gründet ernst Meißner den Vegesacker Jugendchor.
1945, 20. 5. Bremen. Die Amerikaner haben von der ganzen Enklave "Bremen" Besitz ergriffen. Sie umfasst die Städte Bremen und Bremerhaven sowie die Landkreise Osterholz-Scharmbeck, Wesermünde und Wesermarsch.
1945, 20. 5. Bremen: Die Amerikaner geben die Werften an der Unterweser (mit Ausnahme der AG Weser) frei, so dass mit den Aufräumungsarbeiten begonnen werden kann. Auf der weitgehend unzerstörten Vulkan-Werft beginnen Reparaturarbeiten.
1945, 20. 5. Bremen: Die "Lettow-Vorbeck-Schu-le" an der Kaiser-Friedrich-Straße wird zum Internierungslager, in dem die Amerikaner Nazis gefangen halten, die im Dritten Reich höhere Ränge einge-nommen hatten. Bis zum 23. Juni 1945 wurden über 1000 Nazis von den Amerikanern verhaftet.
1945, 20. 5. Bremen: Die Zeugen Jehovas nehmen ihre Tätigkeit wieder auf. Diese Gruppe hat unter den Nazis besonders zu leiden gehabt, weil ihre Mitglieder prinzipiell den Wehrdienst ablehnen.
1945, 21. 5. Bremen: Brücken und Fähren werden für den allgemeinen Verkehr freigegeben.
1945, 21. 5. Bremen: Die Nordische Kunsthochschule wird geschlossen. Die Nordische Mu-sikschule darf weiter bestehen, erhält aber den Namen "Bremer Musik-schule".
1945, 23. 5. Bremen. Die Müllabfuhr funktioniert wieder.
1945, 27. 5. Bremen. Die Militärregierung gestattet der BVG die Wiederaufnahme des Betriebes. Seit dem 2. Juni gibt es wieder elektrischen Strom. Damit kann der Strassenbahnverkehr am 13. Juni in der Neustadt und am 22. Juni auf dem rechten Weserufer wieder aufgenommen werden. Am 29. November 1947 fährt die erste Elektrische wieder über die Große Weserbrücke. Bremen ist sozu-sagen wiedervereinigt.
1945, 1. 6. Bremen: Die Bahn verkehrt wieder auf den Strecken Bremen-Verden, Bremen-Oldenbüttel und Bremen-Vegesack.
1945, 4. 6. Bremen. Vertreter der amerikanischen Besatzungsmacht und der deutschen Werften treten, wahrscheinlich im Haus des Reiches, zu einer Konferenz zusammen, um den Neubeginn der Arbeit auf den Unterweserwerften zu beraten. Beginn der Friedenswirtschaft.
1945, 4. 6. Bremen: Im inneren Hof des Polizei-hauses explodieren Munition und Beute-waffen, die dort gelagert waren. Es starben vier amerikanische Soldaten und 41 Deutsche. Im Mitteltrakt entstanden durch die Explosion schwere Schäden, vor allem wurde das Kriminalmuseum zerstört.
1945, 6. 6. Bremen. Die Amerikaner haben eine neue Zivilverwaltung für Bremen er-nannt, die an diesem Tag feierlich in ihr Amt eingeführt wird. Erster Bürger-meister Bremens nach der Befreiung wird Erich Vagts. Wilhelm Kaisen tritt als Senator für das Wohlfahrtswesen in die Regierung ein.
1945, 13. 6. Bremen. In der Neustadt bedient die Straßenbahn wieder die Linie 16.
1945, 15. 6. Bremen. Der Senat stellt die Verfassung der Evangelischen Kirche vom 14. 6. 1920 wieder her. Alle seit 1934 ergan-genen Verfügungen und Verordnung werden als verfassungswidrig aufge-hoben.
1945. 19. 6. Bremen. Die Gastwirtschaft "Krähen-berg" auf dem Stadtwerder brennt nieder.
1945, 21. 6. Bremen. In der Enklave arbeiten folgende 19 Werften:
  • Deschimag (Seebeck), Wesermünde,
  • Norddeutscher Lloyd, Wesermünde,
  • Bremer Vulkan, Bremen,
  • Deschimag, Bremen,
  • E. Schickau AG, Wesermünde,
  • Schiffbau-Gesellschaft Unterwe-ser, Wesermünde,
  • Rickmers-Werft, Wesermünde,
  • Burmester, Bremen-Burg,
  • Elsflether Werft AG, Elsfleth,
  • Abeking & Rasmusen, Lemwerder,
  • Max Sieghold, Wesermünde,
  • C. Lühring, Brake,
  • H. Havihorst, Bremen-Blumenthal,
  • Fr. Schweers, Bardenfleth,
  • Rolandwerft, Bremen-Hemelingen.
  • Cr. Pape, Bremen-Rönnebeck,
  • Hinrich Oltmann, Motzen, und
  • Neptun-Werft Bremen.
In den Unternehmen arbeiten zu diesem Zeitpunkt 5300 Personen. Die
  • Lürssen, Vegesack,
  • Faßmer, Bardenfleth,
  • die Reparaturwerften der Nordsee-Fischerei, Wesermünde, sowie der
  • Hansa-Reederei und
  • Argo-Reederei
werden zwar erwähnt, arbeiten aber offenbar nicht. Die Reparatur-Werft der Neptun-Reederei ist nicht mehr aufzu-finden.
1945, 22. 6. Bremen. Die Linie 5 der Straßenbahn fährt wieder vom Domshof bis zum Bürgerpark. Genau auf dieser Strecke wurde der Betrieb der Straßenbahn am 22. Juni 1890, also vor 55 Jahren, aufgenommen.
1945, 27. 6. Bremen: Die Gerichte der Hansestadt nehmen hre Arbeit wieder auf
1945, 1. 7. Bremen: Die Post funktioniert wieder. In der Stadt sind 1000 Telefonanschlüsse freigeschaltet (Vor dem Krieg waren es 20.726)
1945, 2. 7. Bremen: Der Senat erlässt eine Zuzugs-sperre. Trotzdem strömen aus allen Tei-len des Reiches Flüchtlinge in die Stadt, die versorgt werden müssen.
1945, 7. 7. Bremen: Das Wasserwerk ist wieder in Betrieb. Der Süden der Stadt kann ausreichend versorgt werden.
1945, 15. 7. Bremen: Die Getreideanlage im Hafen ist wieder betriebsbereit.
1945, 19. 7. Bremen: Im stark beschädigten St. Petri-Dom findet zum ersten Mal seit der Befreiung ein geistliches Konzert statt. Unter den Zuhörern befinden sich viele amerikanische Soldaten.
1945, 1. 8. Bremen: Der bisherige Bürgermeister Vagts ist von den Amerikanern aus dem Amt entlassen worden, weil er unter anderem Mitglied der NSDAP war. An die Spitze des Senats tritt nunmehr Wilhelm Kaisen. Gleichzeitig wird der Titel "Regierender Bürgermeister" abgeschafft. Der Bürgermeister trägt die traditionelle Amtsbezeichnung: Präsident des Senats.
1945, 5. 8. Bremen: Gründung der katholischen St. Antonius-Gemeinde in Osterholz.
1945, 16. 8. Bremen: Neugründung der Israelitischen Gemeinde in Bremen durch Carl Katz. Am 24. August findet der erste jüdische Gottesdienst nach der Befreiung im Haus Osterdeich 17 statt, wo sich die Synagoge befindet.
1945, 10. 9. Bremen. In den Schulen wird wieder Unterricht erteilt, was nicht ganz leicht ist, denn von den 150 Gebäuden, die es 1939 gab, sind 48 zerstört und 72 schwer beschädigt. Nur dreißig Schulen blieben unversehrt,
1945, 11. 9. Bremen. Der Schiffsverkehr in den stadtbremischen Häfen kann wieder eröffnet werden. Als erstes Schiff läuft der polnische Dampfer "Kielce" ein.
1945, 19. 9.. Bremen: Die britische Militärregierung gibt dem Journalisten Hans Hackmack die Lizenz für die Herausgabe einer deutschen Zeitung, die er "Weser-Kurier" nennt. Hackmack war bis 1933 Redakteur der sozialdemokratischen "Volkszeitung". Am 1. Januar 1957 wird der "Weser-Kurier" in einem eigenen Haus an der Martinistraße gedruckt. Am 25. Juli 1974 kauft der "Weser-Kurier die "Bremer Nachrichten".
1945, 11. 10. Bremen: Die Militärregierung beschlag-nahmt die Villa Maaß an der Schwach-hauser Heerstraße (Nr. 363), um hier das Funkhaus des neuen Senders "Radio Bremen"einzurichten. Ab 2. 1946 geht die Station zunächst für vier Stunden auf Sendung. Seit dem 1. 7. 1950 sendet Radion Bremen aus einem ehemaligen Lazarett an der heutigen Heinrich-Hertz-Straße.
1945, 9. 9. Bremen. Die Unterweser ist minenfrei und für die Schifffahrt geöffnet.
1945, 22. 9. Bremen: Erstes Konzert des Domchors nach der Produktion. Er singt das "Deutsche Requiem" von Brahms.
1945, 23. 9. Bremen. Die Kleinbahn Bremen-Tarmstedt ("Jan Reiners") fährt wie-der. Die Brücke über die Wümme bei Lilienthal ist wieder hergestellt.
1945, 5. 10. Bremen: Der Roland auf dem Markt ist von seinem Backstein-Mantel befreit und verkündet den Bremern wieder die Freiheit.
1945, 15. 10. Bremen. Die Militärregierung lässt die SPD und die KPD als Parteien zu.
1945, 21. 10. Bremen: Das 115. Infanterie-Regiment der US-Army veranstaltet ein Kinderfest auf dem Sportplatz an der Ostseite des Weserstadions. Das Fraternisierungs-verbot ist offenbar Geschichte.
1945, 21.-31. l0. Bremen. "Ischa Freimarkt!" Es herscht ein ungeheurer Andrang. Zum ersten Mal seit der Befreiung kann die bremische Flagge wieder öffentlich gezeigt werden. Für die Dauer des Freimarkts darf in Bremen Kleingebäck und Zwieback her-gestellt werden, was sonst verboten ist.
1945, 24. l0. Bremen: Die Militärregierug genehmigt die Bildung von Gewerkschaften und anderen Verbänden.
1945, 24. 10. Bremen: Das Fraternisierungsverbot wird von der amerikanischen Militär-regierug aufgehoben. Es wurde von den Soldaten schon lange nicht mehr beachtet.
1945, 26. l0. Bremen: Gründung des Turn- und Sportvereins "Vorwärts" in Hastedt.
1945, 30. 10. Bremen: Auf dem "Schwarzen Markt" kostet ein Pfund Kakao 450 RM, ein Pfund Butter 120 RM.
1945, 4. 11. Bremen: Die Demontage der AG Weser beginnt. Die Werft war in der Vergan-genheit besonders mit dem Bau von Kriegsschiffen beschäftigt und hatte während des zweiten Weltkrieges viele U-Boote produziert, wbei unter un-menschlichen Bedingungen sog. "Fremdarbeiter", also Sklaven, einge-setzt wurden. Jetzt sind die Alliierte entschlossen, nicht nur die Werft abzubrechen, sondern darüber hinaus jeglichen Schiffbau an dieser Stelle für die Zukunft unmöglich zu machen.
1945, 1. 12. Bremen: Das Landgebiet Bremens wird mit der Stadt vereinigt. Damit werden die Gemeinden Osterholz, Oberneuland-Rockwinkel, Borgfeld, Lehesterdeich, Blockland, Seehausen, Strom, Lankenau, Huchting, Arsten und Habenhausen aufgelöst. Es gibt nun auch keinen Landkreis Bremen mehr.
1945, 1.12. Bremen: In der Stadt entsteht ein "Arbeitergesang-Verein", der offen-bar nicht lange existiert. Die SPD war ja bis 1933 nicht nur eine politische Partei, sondern Kern einer kulturellen Bewe-gung, die ihren Ausdruck fand in eigenen Gesangvereinen, Sportgruppen, Biblio-theken, Theatern, einer eigenen Presse und Literatur usw. All das wurde durch die Nazis vernichtet. Nach der Befreiung gab es schüchterne Versuche, diese Tradition wieder zu beleben - sie gelangen, wie dies Beispiel lehrt, nicht.
1945, 3. 12. Bremen: Beginn der Volksspeisung.
1945, 5. 12. Bremen: Seit dem 25. April 1945 sind in der amerikanischen Enklave Bremen etwa 18.000 Nazis aus Behörden, Verwaltungen und anderen Ämtern entfernt worden.
1945, 6. 12. Bremen: Gründung des Landesvereins des Roten Kreuzes.
1945, 23. 12. Bremen: "Radio Bremen" geht auf Sendung.
1945, 28. 12. Bremen: Gründung der "Bremer Demokratischen Partei", heute FDP.
1945, 3. 2. Wesermünde: Letzter Bombenangriff auf Wesermünde.
1945, 7. 4. Wesermünde: wird zur "Marinefes-tung" erklärt. Die Wehrmachtsführung bereitet offenbar die Zerstörung der restlichen Infrastruktur der Stadt vor.
1945, 3. 5. Wesermünde: Von deutscher Seite wer-den Kapitulationsverhandlungen für die restlichen Verbände im Nordwesten eingeleitet. Die Waffen schweigen. Am 4. Mai legen die deutschen Truppen im Nordbereich dieWaffen nieder.
1945, 7. 5., 13 Uhr Wesermünde: Britische Truppen beset-zen die Stadt. Am 9. Mai rücken zusätzlich die Amerikaner ein, die zugleich die Verwaltung übernehmen.
1945, 12. 5. Wesermünde: Briten und Amerikaner veranstalten in Wesermünde ihre Siegesparade. Soldaten der 51. High-land-Division und der 29. U.S.-Division marschierten die Hafenstraße herunter am Leher Tor vorbei. Mit der Zeremonie wurde die Stadt zugleich von den Briten an die Amerikaner übergeben.
1945, 6. 6. Wesermünde: Als erstes amerikanisches Handelsschiff läuft die "Black War-rior", ein Liberty-Schiff, in den Hafen von Bremerhaven ein.
1945, 2. 7. Wesermünde: Der Fischdampfer "Lud-wig Sanders"bringt den ersten Fang nach dem Krieg an Land.
1945 Wesermünde: Die Stadt erhält eine Be-rufsfeuerwehr.
1945, Ende Mai Nordenham: US-Truppen besetzen, nachdem die Kanadier abgezogen sind, die Stadt. Sie ist Teil der ameri-kanischen Enklave in der englischen Be-satzungszone. Die Amerikaner bleiben bis 1948 und unterhalten in den Hallen von Weserflug ein Nachschub-Depot.
1945, 9. 6. Nordenham: Der erste Stadtrat wird ge-bildet. Die Mitglieder werden von der Besatzungsmacht ernannt.
1945, 25. 4. Brake: Bombenangriff auf die Fettraf-finerie.
1945, 1 Mai Ovelgönne: Der Bahnhof wird durch eine Explosion von Munition zerstört. Der Neubau erfolgt 1956.
1945, 22. 12. Elsfleth: Die Militärregierung genehmigt, dass im April 1946 der Unterricht an der Seefahrtsschule Elsfleth" wieder auf-genommen wird.
1945, 5. Mai Sande: Um 7.59 Uhr - eine Minute vor dem Beginn der Waffenruhe in Norddeutschland um 8.00 Uhr - feuert polnische Artillerie die letzten Granaten in Richtung Wilhelmshaven. Der Bombenangriff auf den Kriegshafen, der um 9 Uhr stattfinden sollte, findet jedoch nicht mehr statt,
1945, 30. 4. Wilhelmshaven: Die Stadt wird noch einmal von 358 amerikanischen Bombern angegriffen. Sie werfen 1025 Tonnen an Sprengbomben auf das gesamte Stadt-gebiet ab. 107 Gebäude werden zerstört und 2143 beschädigt. Es sterben 11 Menschen. Im Hafen sinkt der leichte Kreuzer "Köln", aber die Geschütze blieben gefechtsklar und beschießen noch kurz vor Kriegsende britische Panzer bei Bockhorn und Neuenburg. Insgesamt hatte Wilhelmshaven 102 Luftangriffe erlebt, davon 16 schwere. Dabei warfen britische und amerikani-sche Flugzeuge etwa 12.000 Spreng-bomben, 42 Luftminen und 90.000 Brandbomben ab. Sie zerstörten 5.600 Wohnhäuser, das waren 60 Prozent des Bestandes an Wohnungen zum Kriegs-beginn, 47 öffentliche Gebäude, 406 Geschäftshäuser, 11 Industriegebäude, 15 Verwaltungen. Die Einwohnerzahl ist von 130.000 auf 50.000 Produktion zurückgegangen. 435 Wilhelmshavener starben durch Bombeneinwirkung. Trotz dieser Schäden zieht Uphoff diese Bilanz: "Die Luftstrategie der Alliierten musste aus Sicht ihrer Zielsetzung als gescheitert angesehen werden. Es gelang ihr nicht, die Rüstungsproduktion zu unterbinden und die Moral der Bevöl-kerung zu untergraben. Das städtische Leben ging weiter. (Uphoff: Als der Tag zur Nacht wurde ... 1992, S. 163)
1945, April Wilhelmshaven: Der Schulunterricht hört wegen der ständigen Gefahr durch Tiefflieger auf. Er wird erst am 18. August wieder aufgenommen.
1945. 18. 2. Wilhelmshaven/Neuengamme. An diesem Tag stirbt der Wilhelmshavener Sozial-demokrat Wilhelm Krökel angeblich an "Darmerkrankung". Das ist mit großer Wahrscheinlichkeit gelogen. Entweder starb Krökel, wie viele andere, an den allgemeinen Umständen, die in dem Konzentationslager Neuengamme herrschten, oder er wurde ermordet, wie auch immer: Er ist ein Opfer des Nazi-Terrors, und aus diesem Grunde wird er hier genannt. Wilhelm Krökel wurde am 3. Mai 1890 in Wilhelmshaven-Belfort geboren. Sein Vater war Werftarbeiter, womit sein Lebensweg vorgezeichnet war: 1905 Schiffszimmerer-Lehrling auf der Kaiserlichen Werft, 1909 Geselle, 1911 bis 1913 Militärdienst als Pionier, dann wieder Werftarbeiter, im Krieg "unabkömmlich" (Krökels Bruder Friedrich fällt 1916 an der Westfront). Ab 1. Mai 1909 ist Krökel Mitglied der SPD. Seit 1911 gehört er dem Metallarbeiterverband an. Nach der Revolution wird er Mitglied des Be-triebsrats der Marinewerft und bald auch dessen Vorsitzender. Die Nazis entlassen ihn 1933 und verweigern ihm auch die Arbeitslosenunterstützung, so dass er und seine Familie - Krökel war seit 1916 verheiratet und hatte zwei Töchter - mittellos waren. Später arbeitete er wieder auf der Marinewerft, bis er am 22. August 1944 im Rahmen der Aktion "Gewitter" verhaftet und in das KZ Neuengamme gebracht wurd, wo er, wie gesagt, starb oder, wie ich meine, ermordet wurde. In Wilhelms-haven erinnert heute der Wilhelm-Krökel-Platz an den Mann. Ich setze diese Biographie hierher, weil Wilhelm Krökel geradezu das Musterbeispiel eines "aufrechten Sozialdemokraten" ist, die einmal - und damit meine ich die Zeit, die mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins begann und die mit der Machtergreifung der Nazis endete - das moralische Fundament legten, auf dem die Partei noch heute, wenn auch mehr als Ruine, steht. Dabei ist vielleicht typisch, dass Wilhelm Krökel, der zuerst in die SPD und dann in den Metallarbeiterverband eintrat, offensichtlich als Arbeiterführer auf der Werft eine unbestrittene Auto-rität war, in der SPD jedoch so gut wie keine Rolle spielte.
1945, 2. Mai Wilhelmshaven. "Die Marinejustiz in Wilhelmshaven hatte unbeeindruckt von den auf die Stadt zurückenden alliierten Truppen im Mai 1945 mehrere Todes-urteile verhängt und vollstreckt. Allein für den 2. Mai 1945 sind noch drei Erschießungen nachweisbar, durch die feldkriegsgerichtliche Urteile von Ge-richten des 2. Admirals der Nordsee an zwei Matrosen und einem Maat, die vollstreckt wurden. Nur vermutet wer-den können die Gründe dafür, dass ein Gericht des 2. Admirals der Nordsee am 3. Mai 1945 ein Todsurteil an einem Matrosen durch Erhängen vollstrecken ließ. Erschien dem Gericht ein ‚ord-nungsgemäßes’ Erschießen des Matro-sen in den Morgenstunden des 3. Mai auf dem Standortschießplatz angesichts der bevorstehenden Waffenruhe und viel-leicht als in deren Folge befürch-teten Auflösungserscheinungen nicht mehr gewährleistet?" (Wolfgang Semmroth: Die Marinegerichtsbarkeit in Wilhelmshaven. In: Werner Reinhardt/ Frank Czoska: Justiz an der Jade, 1985, S. 325 - 410, S. 383) Günter Fahle hat versucht, die im Zuständigkeitsbereich des 2. Adimrals der Nordsee gefällten und vollstreckten Todesurteile einigermaßen korrekt quantitativ zu erfassen, was sich als sehr schwierig erwies, und kommt zu diesem Ergebnis: "Alles in allem darf eine Größenordnung von 200 hier zum Tode verurteilten Soldaten und Angehö-rigen der Wehmachtsgefolges eher als eine zurückhaltende Schätzung gelten." ( Günter Fahle: Verweigern, Weglaufen, Zersetzen, 1990, S. 70) Und zur Vollstreckung selbst schreibt Fahle: "Die Erschießungen in Wilhelmshaven fanden auf dem Schießplatz (heute Reitplatz) im Heppenser Groden an der damaligen Fortifikationstrasse (heute Freiligrathstraße) statt, womöglich teil-weise auch direkt auf dem Friedhof Aldenburg. Von einigen Matrosen ist be-kannt, dass sie ohne Augenbinde sterben wollten. Die Richtlinien zum Vollzug der Todesstrafe ließen dies zu. Anfang 1945 untersagte der gerade ernannte Kom-mandierende Admiral der Unterseeboote von Friedeburg dieses ‚Privileg’ für seinen Befehlsbereich." (ebd.) Die selbst für die Verhältnisse des Dritten Reiches besonders brutale Justiz der Marine, die bekanntlich noch Tage nach der "Bedingungslosen Kapitulation" To-desurteile fällte und vollstrecken ließ, ist sicherlich auf das Trauma der Revolution von 1918 zurückzuführen. Es sollte eben nicht noch einmal vorkom-men, dass sich Soldaten gegen ihren Obersten Kriegsherrn erhoben, und mochte dies auch ein Adolf Hitler sein. Und damit sind wir bei dem Zweiten Punkt: In der Nazizeit sagte man gerne, dass Hitler eine NS-Luftwaffe, ein reaktionäres Heer, aber eine kaiserliche Marine habe. Damit ist das Problem, wie so oft im Flüsterwitz des Dritten Rei-ches, sehr gut bezeichnet. Die Marine verstand sich zwar seit den Tagen des Kaiserreichs als militärische Elite, musste dies nun aber gegenüber der Naziführung dadurch beweisen, dass sie sich besonders systemkonform verhielt. Der Großadmiral Dönitz würde ja nicht umsonst als "Hitlerjunge Quex" be-zeichnet, wie er ja auch deshalb zum Nachfolger des "Führers" ernannt wurde, weil er als besonders linientreu galt. Wie wenig dies alles half, zeigt soll ein anderer Witz des Dritten Reiches zeige. Danach begann Hitler seine Reden an die Wehrmacht so: "Männer der Waffen-SS, Kameraden der Luftwaffe, Soldaten des Heeres, Angehörige der Kriegsmarine ..."
1945, 6. 5. Wilhelmshaven: Eine polnische Einheit besetzt die Stadt. Danach übernehmen die Briten die Verwaltung. Hafen und Werft werden die Royal Nay unterstellt, die einen Naval Officer in Charge mit der Aufgabe betraut. Die Werft wird zunächst mit zivilen Aufgaben beschäf-tigt, etwa mit der Instandsetzung von Lokomotiven und Waggons, aber auch mit der Produktion sog. Brennhexen.
1945, 10. 10. Wilhelmshaven: Oberbürgermeister Dr. Paffrath ruft die Wilhelmshavener zu einem freiwilligen Arbeitseinsatz auf, um erste Säuberungsarbeiten in der schwer beschädigten Stadt vorzunehmen, bei-spielsweise die Gehwege zu räumen. Zum ersten Termin, am 20. 10., Oktober, melden sich etwa 1400 Wilhelmsha-vener. Ein zweiter Aufrufe, diesmal von Oberbürgermeister Dr. Paffrath und dem Vorsitzenden der Stadtvertretung, Rein-hard Nieter, unterzeichnet, brachte 2000 Helfer auf die Beine. Der Einsatz wurde bis zum 8. 12. 1945 fortgesetzt und dann eingestellt. Als "Lohn" erhielt jeder Teilnehmer einen Gutschein auf ein Päckchen Tabak und eine Portion Fisch.
1945, 1. 12. Wilhelmshaven: Der Schwere Kreuzer "Prinz Eugen" läuft aus. Das Schiff wird nach Bremerhaven überführt und dort seeklar gemacht. Am 13. Januar 1946 tritt es von dort aus aus seine letzte Fahrt an. Die "Prinz Eugen" sinkt nach einem Atombombenversuch vor dem Bikini-Atoll. Er ist in das Eigentum der USA übergegangen.
1945, 16. 12. Wilhelmshaven: In einer Versammlung, an der 1200 Arbeiter teilnehmen, ent-stehen die neuen Gewerkschaften. Be-reits am 6. Mai 1945 hatte der britische Kommandant die Erlaubnis erteilt, die Gründung von Gewerkschaften vorzube-reiten, was dann auch erfolgte. Dann aber verbot die Besatzungsmacht am 28. Mai 1945 den Zusammenschluss. Erst am 23. März 1946 wurden die Gewerkschaften offiziell erlaubt.
1945, 20. 12. Wilhelmshaven: Die Segelschulschiffe der Kriegsmarine "Horst Wessel" und "Albert Leo Schlageter" laufen aus. Sie sind in das Eigentum der USA übergegangen.
1945, 25. 4. Wangerooge. 476 britische viermotorige Bomber werfen auf Wangerooge über 6000 Sprengbomben mit einem Gewicht von fast 2.200 Tonnen ab. Das Ziel sind die zahlreichen Batterien der Wehr-macht, die die Alliierten für stärker halten als sie tatsächlich sind. Bei dem Angriff sterben 131 Soldaten. Die Zahl der getöteten Zivilisten wird in den Verlustmeldungen nicht genannt. Natür-lich werden neben zahlreichen militä-rischen Einrichtungen - auf Wange-rooge standen bei Kriegsende etwa hundert Bunker - zivile Gebäude schwer getroffen. Der Angriff auf Wan-gerooge war der letzte des zweiten Weltkrieges auf ein Ziel in Deutschland. Natürlich ist es außerordentlich un-glücklich, dass die Insel zehn Tage vor Kriegsende noch so getroffen wurde, und man kann sich zu Recht fragen, ob der Angriff noch nötig war, nur handelt es sich hier nicht, wie im Falle Dres-dens, um ein ziviles Ziel, vollgestopft mit Flüchtlingen und Kunstschätzen sondern um ein militärisches Objekt, wie die schlichte Aufzählung der Batterien belegen soll, die ich hier folgenden lasse: "Zwischen der Westspitze und dem Ort befanden sich in den Dünen die Batterien "Harle-Ost", "Grimshörn", "Saline", "Graf Spee", Friedrich August (sie war bereits 1912 gebaut worden)... Östlich des Dorfes waren die "Jade-Batterie" ... und im Ostteil der Insel die Batterien "Jade-Ost, "Neu-deich" und Ostdüne" (Wolff: Die Insel-bahn und Bäderschiffahrt Wangerooge, 1972, S. 22-23). Das besagt noch nichts über deren Bestückung, aber auch da sein hinzugefügt, dass die Marine über Scheinstellungen eine Stärke vortäusch-te, die faktisch nicht mehr vorhanden war. Natürlich hätte Hitler auch mit diesen Geschützen den Krieg nicht ge-winnen können, was die Alliierten wussten, indes - Krieg besteht auch aus einer schrecklichen Routine und das gilt für beide Seiten der Front.
1945, 2. 5. Wangerooge: Der Niederländer Aike Kuiper wird von einem deutschen Of-fizier erschossen. Er musste sein Grab selbst schaufeln, bevor ihn die tödliche Kugel traf. Sein Vergehen: Angeblich hatte er geplündert. Zeugen sagen, dass es sich um einen "naiven" Mann ge-handelt habe, der die Situation nicht be-griff. Er wurde von einem Landsmann denunziert.
1945, 26. 8. Wangerooge. Die letzten Soldaten der deutschen Wehrmacht verlssen die Insel.
1945, 14. 5. Ovelgönne. Durch eine Munitions-Ex-plosion wird der Bahnhof zerstört.