-1946-1947

1946 Bremen: Der Wiederaufbau des Doms beginnt. Zunächst wird der Dachstuhl über dem Nordschiff wieder her gestellt. 1950 können die Gewölbe neu einge-zogen werden. Das Bauwerk wird rasch gesichert. Bereits am 17. April 1946 kann in der Kirche die Matthäus-Passion aufgeführt werden.
1946, 6. 2. Bremen: Der Christliche Verein junger Männer nimmt seine Arbeit wieder auf.
1946, 22. 2. Bremen: Seit dem 1. Januar 1945 sind 33.077 Flüchtlinge in Vertriebene in die Stadt geströmt.
1946, 1. 3. Bremen. In der 86. Zuteilungsperiode werden auf Marken für jeden Normal-verbraucher“ so viel Lebensmittel ab-gegeben, dass er 1010 Kalorien täglich erhält. Im Monat davor waren es 1500 Kalorien. Je Person gibt es nicht mehr 10.000 Gramm Brot im Monat (=333 g am Tag), sondern nur noch 5000 Gramm (=166 g am Tag). Dem Führer“ verdankt das deutsche Volk damit die effektivste kollektive Abmagerungskur seit dem Dreißigjährigen Krieg. Dann steigen die Rationen wieder auf 1500 Kalorien täglich. Im Mai 1947 erhält jeder erwachsene Bremer beisielsweise genau 10.850 Kalorien in sieben Tagen, das sind 1550 Kalorien am Tag. Davon kann man zwar leben, aber satt wird man so nicht.
1946, 25. 3. Bremen: Beginn der Schulspeisung. Jedes Kind erhält so einen halben Liter warmer Suppe am Tag.
1946, 1. 4. Bremen. Auf der Vulkan-Werft kommt es zu einem wilden Streik“ Es geht um zusätzliche Lebensmittelrationen und eine Verkürzug der Arbeitszeit.
1946, 4. 4. Bremen: Grundsteinlegung für ein neues Haus der Niederdeutschen Bühne an der Waller Heerstraße. Das alte Domizil der Bühne war durch Bomben zerstört worden.
1946, 5. 4. Bremen: Die Militärregierung ernennt die Mitglieder der neuen Bürgerschaft. Ihr gehören an: 27 Vertreter der SPD, 21 Delegierte der BDV (heute FDP),dann neun Mitglieder der KPD und schließlich drei Unabhängige. Das dürfte auch der tatsächlichen Stimmung in der Bevölke-rung entsprochen haben.
1946, 5. 4. Bremen: Der erste Dampfer mit Exportwaren für die USA läuft aus dem Hafen aus.
1946, 11. 4. Bremen: Der Wiederaufbau des Kraft-werks Hastedt beginnt.
1946, 1. 5. Bremen: Erste Maikundgebung nach derBefreiung . Sie findet im Garten des Parkhauses statt.
1946, 1. 5. Bremen: Gründung der CDU in der Han-sestadt.
1946, 6. 6. Bremen: Gründung des Bremer Sport-verbandes
1946, 16. 6. Bremen: Gründung der CDU im Vereins-haus ‚Vorwärts’.
1946, 21. 6. Bremen: Zum ersten Mal seit sieben Jahren findet in Bremen eine Fronleich-namsprozession statt. Die Amerikaner haben für die Zeremonie das Weser-Stadion zur Verfügung gestellt.
1946, 4. 7. Bremen: Die Bürgerschaft beschließt die neue Verfassung des Landes Bremen.
1946, 13. 7. Bremen. Die Wittheit zu Bremen“ wird wieder errichtet. Ihr erster Präsident nach der Befreiung wird Prof. Dr. Hermann Entholt.
1946, 10. 8. Bremen: Die Abteilung Handwerk“ der Handelskammer Bremen verselb-ständigt sich als Handwerkskammer“.
1946, 17. 8. Bremen: Amerikanische Soldaten gründen einen Bremen Boys Club“, dem 2500 Jungen im Alter von zehn bis siebzehn Jahren angehören.
1946, 20. 8. Bremen: Die Arbeitsgerichte nehmen ihre Tätigkeit wieder auf.
1946, 20. 8. Bremen: Der Schiffsverkehr auf der Un-terweser ist von Bremen bis Norden-ham wieder freigegeben. Das gilt auch für die Nebenflüsse.
1946, 2. 9. Bremen: Die Seefahrtsschule Bremen wird wieder eröffnet. Der Unterricht findet in Baracken statt.
1946. 11. 9. Bremen: Der Deutsche Frauenbund für alkoholfreie Kultur wird wieder ins Leben gerufen.
1946. 26. 9. Bremen. Der Alliierte Kontrollrat hat den Deutschen den Neubau von Handels-schiffen erlaubt, sofern diese nicht grö-ßer sind als 1500 BRT. Außerdem dür-fen sie nur 12 kn schnell fahren. Damit sind die Schiffe zwar nicht konkur-renzfähig, dennoch beginnt so auf den damals 28 Werften, die zwischen Bre-men und Bremerhaven angesiedelt sind, wieder die Produktion. Zur Erinnerung die Namen:
  • Lloyd-Reparaturwerft,
  • Unterweser AG,
  • Schichau AG,
  • Seebeck,
  • Rickmers,
  • Sieghold,,
  • Lunewerft (alle Bremerhaven);
  • Braker Werft,
  • Lühring,
  • Elsflether Werft,
  • Fr. Fassmer,
  • Hinrich Oltmanns,
  • Heinrich Braue,
  • H. Brüning,
  • Fr. Schweers,
  • Gebr. Schürenstedt,
  • Abeking und Rasmussen,
  • Neptun (Niedersachsen);
  • H. Havighorst,
  • Fritz Oltmann, Rönnebeck,
  • Vulkan,
  • Lürssen,
  • Burmester,
  • AG Weser,
  • Adler & Co,
  • Atlas-Werke AG,
  • Rolandwerft.
1946, 3. 10. Bremen: Oberstleutnant Gordon Bro-wing, Direktor der Militärregierung, teilt mit, dass Bremen den Status einer reichsunmittelbaren Hansestadt behalten wird.
1946, 8. 10. Bremen. Die Sporthalle auf der Bürger-weide ist wieder hergestellt. Sie wird durch eine Kundgebung der SPD einge-weiht, auf der der Parteivorsitzende Kurt Schumacher spricht.
1946, 13. 10. Bremen. Erste Wahl zur bremischen Bürgerschaft seit der Befreiung. Die erste Sitzung des neuen Parlaments findet am 30. Oktober 1946 statt.
1946, 28. 11. Bremen: Die Bürgerschaft wählt den ersten Senat nach der Befreiung. Prä-sident wird am 29. November 1946 Wilhelm Kaisen.
1946, 12. 11. Bremen. Auf Grund eines Gesetzes des Alliierten Kontrollrats müssen alle deut-schen Schiffe als Erkennungszeichen eine waagrecht blau-weiß-rot-weiß-blau gestreifte Flagge führen, aus der ein Dreieck herausgeschnitten ist. Sie steht in der Signalsprache der Marine für den Buchstaben C“. (Mir wurde gesagt, dass das die Prisenflagge“ sei, mit der im Krieg erbeutete Schiffe gekennzeichnet werden. An die Flaggen kann ich mich erinnern, an das heraus-geschnittene Dreieck nicht.)
1946, 14. l0. Bremen: In der 94. Zuteilungsperiode werden die Rationen auf 1550 Kalorie je Normalverbraucher und Tag erhöht.
1946, 9. 12. Bremen. Die Eisenbahnbrücke nach Ol-denburg ist so weit wieder hergestellt, dass ein Gleis benutzt werden kann.
1946, 11. 6. Wesermünde. Die Europa“ legt, nach gründlicher Überholung, zur Überfüh-rungsfahrt nach Frankreich ab. Sie wird dort unter dem Namen Liberté“ im Nordatlantikverkehr eingesetzt. Das Schiff wurde 1962 in La Spezia abgewrackt.
1946, 26. 7. Wilhelmshaven. Die Briten beginnen mit er Zerstörung der Hafenanlagen im dem ehemaligen Kriegshafen. Der Gang der Handlung: Im Januar 1946 beschließt der Alliierte Kontrollrat den Hafen und die Werftanlagen der Jadestadt zu zerstören. Das Inventar wird abgebaut und an die UdSSR abgeliefert. Im Hafen werden alle Gebäude, Anlagen und Schleusen ge-sprengt. Die Hafenbecken werden durch Dämme voneinander getrennt. Wilhelms-haven soll völlig vom Meer getrennt werden. Bis zum 15. Februar 1946 ist allen Beschäftigten der Werft gekündigt worden. Am 26. Juli 1946 beginnt die systematische Zerstörung des Hafens. Gleichzeitig werden die Einrichtungen der Werft abgebaut und bis zum 31. März 1947 in die Sowjetunion verbracht. Danach beginnen umfangreiche Sprengun-gen. Am 25. und 26. Novem-ber 1948 wird das größte europäische Trockendock gesprengt, das Schiffe von 80.000 Tonnen hätte aufnehmen können. Es war für die Schlachtschiffe gedacht, die die Kriegsmarine nach der Bis-marck“ und der Tirpitz“ bauen woll-te. Britische Sprengkommandos zerstör-ten auch die Kaimauern sowie die 3. Einfahrt. Die Erste Einfahrt wurde zugeschüttet, so dass nur noch die Zweite Einfahrt erhalten blieb und auch die nur deshalb, weil sie das Hinterland entwässerte. (Zur Erinnerung: Die Zweite Einfahrt war die älteste, die aber den Anforderungen der Marine schon längst nicht mehr genügte) Am 11. März 1950 wurde der völlig zerstörte Hafen den deutschen Behörden übergeben.
1946 Sande: Olympia-Werke gegründet. Das Unternehmen - eine Tochter der AEG - wurde 1903 unter dem Namen Union Schreibmaschinengesellschaft mbH“ in Berlin gegründet, verlegte dann 1923 die Produktion nach Erfurt und hieß ab 1936 Olympia Büroma-schinen Werke AG“. Die führenden Mitarbeiter flohen 1945 - unter Mit-nahme der Konstruktionsunterlagen - nach Bielefeld und versuchten zunächst dort eine neue Produktion aufzubauen, scheiterten jedoch an den örtlichen Gegebenheiten und zogen daraufhin nach Wilhelmshaven um, wo es reichlich Pro-duktionsstätten und Arbeitskräfte gab. Die Produktion wurde in Roffhausen aufgenommen, wo ein Marinegerätelager leer stand. In der Stadt selbst gab die Besatzungsmacht keine Flächen frei. Olympia wurde zu einem der führenden Hersteller von Büromaschinen der fünfziger und sechziger Jahre. Die Zahl der Beschäftigten stieg von 1.336 im Jahre 1948 auf mehr als 13.000 in der Spitze.
1946, 2. 1. Wilhelmshaven: Der Leichte Kreuzer Nürnberg“ geht in die UdSSR.
1946, 1. 5. Wilhelmshaven. Erste Maikundgebung nach der Befreiung. Redner ist Bürger-meister Wilhelm Kaisen aus Bremen.
1946, 16. 5. Wilhelmshaven. Die britische Besat-zungsmacht gibt den Südstrand für die zivile Nutzung wieder frei. Das Freizeit-gelände war von der Kriegsmarine für die Wihelmshavener gesperrt worden.
1946, 19. 7. Wilhelmshaven: Der Leichte Kreuzer Leipzig“ verlässt - mit Gasmunition beladen - den Hafen. Er wird im Skagerrak versenkt.
1946, 1. 7. Wilhelmshaven. Gründung der CDU. Sie hat 46 Mitglieder.
1946, 9. 10. Wilhelmshaven. Die Stadtvertretung nimmt - mit Genehmigung der Mili-tärregierung - die Satzung über die Leistung von Handdiensten für Aufräu-mungsarbeiten in der Stadt Wilhelms-haven“ an. Danach ist jeder Einwohner, der das 16. Lebensjahr vollendet hat, verpflichtet, Aufräumdienste zu leisten. Die obere Altersgrenze lag bei Männern bei 60, bei Frauen bei 40 Jahren. In der Tat leisteten in 15 Wochen 359 Männer und 602 Frauen auf Grund dieser Trümmersatzung“ Dienst und fuhren dabei 37.000 Kubikmeter Schutt ab. Außerdem wurden fast 1,3 Millionen Steine für den Wiederaufbau gewonnen. Die Arbeiten wurden am 1. Dezember 1947 eingestellt und wegen des harten Winters erst am 8. April 1947 wieder aufgenommen, aber nun war der Schwung dahin. Wegen der schlechten Ernährung fehlten immer mehr Männer und Frauen, hinzu traten organisa-torische Probleme und rechtliche Be-denken. Ende November 1945 erschie-nen nur noch 150 Personen zum Einsatz, so dass der Wiederaufbauauschuss des Rates am 27. November 1947 beschloss, die Aktion bereits am 29. November 1947 zu beenden.
1946, Nov. Wilhelmshaven. Der Stadtrat und spätere Stadtdirektor Hans Beutz legt eine Denkschrift vor, in er er den Aufbau einer neuen Universität in Wilhelms-haven vorschlägt. Der Bedarf ergibt sich daraus, dass zahlreiche Hochschulen entweder mit den deutschen Ostgebieten verloren, oder aber, weil sie auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone liegen, unzugänglich geworden sind. Wilhelmshaven bietet überdies gute Unterkunftsmöglichkeiten für wissen-schaftliche Einrichtungen und Studenten, weil viele Gebäude der Marine, insbe-sondere die ehemalige Marine-Fach-schule und das Truppenlager in Rüster-siel, leerstehen. Überdies sind in der Stadt eine ganze Reihe von wissen-schaftlichen Instituten angesiedelt, die den Grundstock bilden könnten. Schwer-punkt der so projektierten Universität sollte die Meeresforschung bilden. Die von Beutz projektierte Universität sollte sich aber von den traditionellen deut-schen Hochschulen insofern unterschei-den, als man hier den britischen Campus nachbilden wollte, also eine Einrichtung, in der Studierende und Lehrende in einem Gebäudekomplex gemeinsam wohnen und lernen. Der Gedanke wurde von der britischen Besatzungs-macht lebhaft unterstützt, so dass die Stadt Wilhelmshaven bereits im Februar 1947 mit einem entsprechenden Vorschlag offiziell an den niedersächsischen Minis-terpräsidenten herantreten konnte. Zur Förderung des Plans wurde überdies in Wilhelmshaven eine Nordwestdeut-sche Universitäts-Gesellschaft“ ge-gründet. Auf Landesebene unterstützte besonders der Kultusminister Adolf Grimme das Vorhaben, zumal die Uni-versität ein Gegenmodell zur Universität Göttingen bildete, die als konservativ und verkrustet galt. Für den bisherigen Kriegshafen bildete der Plan die Chance, mit einem Schlag die bisherige Orien-tierung auf die Bedürfnisse der Kriegs-marine zu überwinden, denn eine neue Universität, so die Überlegung, konnte der durch Bomben und Demontage fast vernichteten Stadt eine neue Grundlage geben. Beutz löste mit dem Vorschlag nicht nur eine lebhafte Diskussion, die mehrere Jahre hindurch anhielt, aus, eine zeit lang sah es auch ganz so aus, dass er sich mit seinem Gedanken durchsetzen würde.

-1947-

1947, 1. 1. Bremen. Die amerikanische Militär-regierung löst die Enklave mit den Städten Bremen und Wesermünde aus der Wirtschaftsverwaltung Niedersach-sens, weil aus ihnen das Land Bremen gebildet werden soll. Damit scheitern die Bemühungen, die Hansestadt und ihre Filiale an der Geestemündung ebenso wie die bisherigen Länder Oldenburg, Braunschweig und Schaumburg-Lippe, in die Provinz Hannover, das künftige Land Niedersachsen, einzugliedern. Am 21. Januar 1947 vereinbaren die amerikani-sche und die britische Militärregierung, dass Bremen und Wesermünde aus der britischen Zone herausgelöst und in die amerikanische Zone eingegliedert wer-den. Der Vertrag gilt rückwirkend vom 1. Januar an. Der Termin gilt zugleich als Gründungsdatum des Landes Bre-men.
1947, 7. 1. Bremen. Kältewelle in Europa. In Bremen fällt die Temperatur auf minus 16,2 Grad. Das ist aber noch nicht der Rekord. Am 25. Januar fällt das Thermometer auf minus 19.0 Grad. Dabei gibt es kaum Kohlen. Der Senat kann gerade noch lebenswichtige Betriebe wie Kraftwerke, Wasserwerke und die Lebensmittelindustrie mit dem Brennstoff versorgen. Bezüglich der Privathaushalte heißt es am 8. Januar: Vorläufig ist mit einer Belieferung mit Hausbrandkohle nicht zu rechnen.“ (Peters: 12 Jahre Bremen 1945-1956, S. 72). Für die Bevölkerung werden am 9. Januar 1947 Wärmehallen eingerichtet, deren Zahl bis zum 5. Februar auf 32 erhöht wird. Die Weihnachtsferien müs-sen zunächst bis zum 14. Januar ver-längert werden, jedoch bleiben die Schulen auch an den folgenden Wochen geschlossen. Der Unterricht kann erst am 9. April 1947 wieder aufgenommen werden.
1947, 7. 3. Bremen: Auf dem Schießplatz bei dem Flughafen wird der Pole Dudeck erschossen. Er war zum Tode verurteilt worden, weil er bei einem Raubüberfall zwei Menschen ermordet hatte.
1947, 18. 3. Bremen. Unter dem Eisdruck auf der Weser brechen sämtliche Brücken zu-sammen. Eine zusätzliche Gefahr bilden treibende Schiffe. Die Amerikaner ver-suchen, sie durch Artilleriebeschuss zu versenken, bevor sie Schaden anrichten können, was aber nicht gelingt. The-aterbesucher, die nach der Operette Der fidele Bauer“aus der Neustadt in die Altstadt zurückkehren wollen, sehen sich plötzlich abgeschnitten und müssen die Nacht im Theater verbringen. Sie werden erst am folgenden Tag mit einer Fähre nach Guntsiet gebracht.
1947, 2. 6. Bremen: In den Schulen beginnt die Hoover-Speisung“, so genannt nach dem früheren amerikanischen Präsiden-ten Hoover, der die caritative Aktion organisiert hat.
1947, 21. 1. Bremen. Die Städte Bremen und Bre-merhaven sowie die Landkreise Oster-holz-Scharmbeck, Wesermünde und Wesermarsch scheiden aus der bri-tischen Besatzungszone aus und werden als Enklave“ der amerikani-schen Zone zugewiesen. Damit endet ein britisch-amerikanisches Kondominium in der Hansestadt.
1947, 13. 1. Bremen: Hausbrandkohle wird verteilt und zwar für jeweils 1 bis 3 Personen 50 Pfund Brikett oder 35 Pfund Kohlen. Wenn einem Haushalt vier und mehr Personen angehören, gibt es 100 Pfund Brikett oder 65 Pfund Kohlen. Am 24. Januar erhalten die Verbraucher über 6 Jahren 75 g. gemahlenen Kaffee.
1947 Bremen. In Burglesum eröffnet das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche das Pflege- und Rehabilitations-zentrum Friedehorst“. Der Wohltätigkeits-Konzern beschäftigt hier zum Ende des Jahrtausends etwa 1000 Mitarbeiter.
1947, 14. 4. Helgoland. Die Briten versuchen, die In-sel zu versenken. Sie setzen dafür 3500 Tonnen Sprengstoff ein, die in den Mu-nitionsbunkern Helgolands verstaut sind, dazu 260 Tonnen im U-Boot-Bunker und 850 Tonnen in den beiden Batterien, zusammen 4.610 Tonnen Dynamit. Die Sprengwolke schießt 2000 hoch in die Luft - aber die Insel bleibt, wenn auch beschädigt.
1947, 18. 5. Bremen. Als erste Geistliche der Bremischen Evangelischen Kirche wird die Vikarin Charlotte Schulz in der Friedenskirche in ihr Amt eingeführt.
1947, 15. 6. Bremen. Die Demontage der Norddeut-schen Hütte beginnt. Die Anlagen sind Frankreich und Indien zugesprochen.
1947, 24. 8. Bremen. Das Focke-Museum wird im Haus Riensberg neu eröffnet.
1947, 28. 8. Bremen: Das bisherige Institut für Seefischerei in Bremerhaven wird vom Land Bremen übernommen. Es heißt nunmehr Bremer Institut für Meeres-forschung“.
1947, 15. 9. Bremen. Die Bürgerschaft nimmt die neue Verfassung des Landes Bremen mit 79 Stimmen der SPD, CDU, BDV und FDP gegen vier Stimmen der KPD an.
1947, 1. 10. Bremen: Der Senat beschließt, die Gründung einer Universität vorzubereiten. Am 10. Dezember beschließt die Bürgerschaft ein Gesetz über die Gründung einer internationalen Universität. Dieser erste Plan scheitert, als Prof. Dr. Erich Obst, der mit der Vorbereitung beauftragt war, am 1. Ok-tober 1949 von seinem Amt zurücktritt.
1947, 12. 10. Bremen: Die neue Verfassung der Freien und Hansestadt wird in einem Volksent-scheid angenommen.
1947, 29. 11. Bremen. Die Große Weserbrücke wird wieder eröffnet. Aus diesem Anlass fin-det ein Volksfest statt. Der Name Lü-deritzbrücke“ wird aufgegeben.
1947, 29. 11. Bremen: Eröffnung des neuen Theaters der Niederdeutschen Bühne an der Waller Heerstraße. Zur Eröffnung wird die Komödie De ruge Hoff“ von Fritz Stavenhagen gegeben..
1947, 18. 12. Bremen: In den Häfen der Stadt sind seit der Befreiung 18.706.088 Liebesgaben-Pakete aus den USA für die deutsche Bevölkerung gelöscht worden, davon 367.247 an bremische Empfänger.
1947, 24. 12. Bremen. Die Kirche Unser Lieben Frauen“ kann zum ersten Male für die Gottesdienstbesucher wieder geöffnet werden.
1947, 31. 12. Bremen. Die Stephani-Brücke“ wird von Bürgermeister Kaisen neu eröffnet.
1947, 18. 4. Helgoland. Die Briten versuchen, die In-sel zu versenken. Sie setzen dafür 3500 Tonnen Sprengstoff ein, die in den Mu-nitionsbunkern Helgolands verstaut sind, dazu 260 Tonnen im U-Boot-Bunker und 850 Tonnen in den beiden Batterien, zusammen 4.610 Tonnen Dynamit. Die Sprengwolke schießt 2000 hoch in die Luft - aber die Insel bleibt, wenn auch beschädigt.
1947, 7. 2. Bremerhaven. Die Stadtverordneten-versammlung von Wesermünde be-schließt einstimmig, die Stadt in Bre-merhaven“ umzubenennen. Das Gesetz tritt am 10. März 1947 in Kraft.
1947, 27. 10. Bremerhaven: Die heutige Nordsee-Zeitung“ erscheint zum ersten Mal.
1947, 1. 11. Bremerhaven. Die am 12. Oktober 1947 gewählte Stadtverordneten-Versamm-lung von Bremerhaven beschließt die neue Verfassung der Stadt, die am 1. Februar 1948 in Kraft treten soll. Bremerhaven hat damit als einzige Stadt in Deutschland eine eigene Verfassung, wird also nicht durch die Bestimmungen eines Landesgesetzes organisiert.
1947, 9. Mai Nordenham. Gründung der Kolpingfa-milie in der katholischen Willehad-Ge-meinde.
1947 Wilhelmshaven: Die Max-Planck-Ge-sellschaft“ beschließt die Gründung eines Instituts für Meeresbiologie in Wilhelmshaven. Es soll die Nachfolge des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Meeresbiologie und Fischereifragen“ antreten. Zunächst entstanden die Ab-teilungen für Chromosomenforschung, Fischereibiologie, experimentelle Zell-forschung, Nerven- und Flugphysiologie und Fernorientierung beim Vogelflug. Im Jahre 1953 wurde der Arbeitsbereich um das Thema experimentalle Ökologie und Populationsmechanik“ erweitert. Die Entwicklung des Max-Plank-Instituts - die wichtigste Forschungs-einrichtung in Wilhelmshaven - war eng mit den Plänen zur Gründung einer Universität am Ort verknüpft, weshalb die Professoren die Pläne auch lebhaft unterstützten. Als jedoch deutlich wurde, dass die Landesregierung die Stadt Oldenburg als Standort der neuen Universität vorzog, war es auch um das Max-Planck-Institut geschehen. Im Jah-re 1957 wurden die Abteilungen für Nerven- und Flugphysiologie und für Fernorientierung beim Vogelflug an das Max-Planck-Institut für Verhaltensphy-siologie am Starnberger See verlegt. Im Jahre 1976 schließlich fiel die Ent-scheidung, die anderen Arbeitsgruppen nach Heidelberg und Hannover zu versetzen. Im Jahre 1979 stellte das Max-Planck-Institut in Wilhelmshaven seine Tätigkeit ein.
1947, 1. 4. Wilhelmshaven. In der Stadt erscheint die erste Tageszeitung.
1947, 9. 6. Wilhelmshaven: Nachdem der Nieder-sächsische Landtag im Februar 1947 die Gründung einer Akademie für Arbeit, Politik und Wirtschaft“ in Wilhelms-haven beschlossen hatte, nimmt die neue Hochschule an diesem Tage im Rüstersieler Hochschuldorf“ ihren Vorlesungsbetrieb auf. Gründungsrekor ist Wolfgang Abendroth. Neu ist bei der Einrichtung unter anderem, dass hier jungen Menschen, die kein Abitur hatten, der Zugang zum Hochschulstudium eröf-fnet wurde. In Wilhelmshaven wurde also das begonnen, was man später den zweiten Bildungsweg“ nannte. Ab 1952 konnte man ist Rüstersiel den Abschluss als Diplom-Sozialwirt“ er-langen. Im Jahre 1955 wurde das Institut in Hochschule für Sozialwissen-schaften“ umbenannt. Im gleichen Jahr erhielt sie das Promotionsrecht und wurde durch Institute zum Studium der Swojetwissenschaft, für Arbeits-, Wirtschafts- und Sozialrecht und für Publizistik ergänzt. Außerdem bestanden Seminare für Politikwissenschaft und Betriebswirtschaftslehre. Im Jahre 1957 erhielt die Hochschule das Habilitations-recht. Damit war der Höhepunkt der Entwicklung erreicht. Die Gegenkräfte waren aber bereits am Werke. Im Jahre 1954 weigerte sich die westdeutsche Rektorenkonferenz, die Hochschule an-zuerkennen. Hinzu trat die Kritik an der unzureichenden Unterbringungen der Hochschule selbst sowie der Profes-soren und Studenten, vor allem aber wehte in Hannover ein anderer Wind: hier favorisierte man die Gründung einer neuen Universität in Oldenburg, die 1972 auch beschlossen wurde. Damit war der Plan gescheitert. Wilhelmshaven blieb zwar Standort mehrerer wissenschaft-licher Institute und einer Hochschule, aber der Gedanke, unmittelbar an der Nordsee einen Schwerpunkt der Wis-senschaften zu etablieren, war gestor-ben. Im Jahre 1994 wurden die letzten Reste des ehemaligen Hochschuldorfes abgerissen. Und weil ich dieses Werk sozusagen mit meinen Kommentaren durchsetze, will ich auch an dieser Stelle meine Meinung nicht verschweigen: Ich halte die Absage an die Universität Wilhelmhaven für eine gravierende, ja die entscheidende Fehlentscheidung für unseren Raum, die nur möglich war, weil man eben in Hannover die Interessen der Küste nicht richtig zu würdigen weiß. Wilhelmshaven hat, wie hier hinreichend nachzulesen ist, eine sehr unglückliche Geschichte, die durch die Universität sozusagen korrigiert worden wäre, zumal wenn sich eine solche den Themen gewidmet hätte, die vor der Tür lagen, nämlich Meereskunde und Lo-gistik. Darüber hinaus hätte die Stadt eine Existenzgrundlage erhalten, wäh-rend Oldenburg auch ohne Universität, die man hier eh nicht haben wollte und die bis heute nicht in die Stadt integriert ist, als Sitz vieler Behörden so hätte weiter leben können, wie sie es schon immer getan hatte. So entstand an der Hunte zwar eine Universität, die aber dem Anspruch, der sich mit dem Namen Carl-von-Ossietzky-Univrsität“ ein-mal verband, nie gerecht wurde, und in der sich heute, wenn ich das richtig sehe, langsam, aber sicher der Mief der Residenzstadt breit macht, während Wilhelmshaven, wie der Skandal des Kaiser-Wilhelm-Vereins lehrt, von der Scheintradition, des einstigen Reichs-kriegshafens nicht mehr loskommt, was wahrscheinlich leichter gefallen wäre, wenn an der Jade die projektierte Campus-Hochschule Bestand gehabt hätte. Oldenburg hätte dann getrost die Residenz- und Gauhauptstadt bleiben können, die sie noch heute ist.
1947, 5. 11. Wilhelmshaven: Der Rat der Stadt beschließt die Gründung des Botanischen Gartens. Damit wurde das lebenswerk des Lehrers Georg Harms gekrönt, der im Jahre 1922 einen von Georg Schmidt gegründeten lehrgarten übernahm und im Laufe der Zeit erweiterte. Er umfasste 1947 8500 Quadratmeter. Seit 1972 gibt es dort ein Tropenhaus.
1947-1948 Wilhelmshaven. Ein Damm trennt den künftigen Banter See“ von dem eigentlichen Kriegshafen ab. Wilhelms-haven gewinnt dadurch ein weiteres Freizeit-Areal, das heute intensiv ge-nutzt wird.